Sonntag, 16. Oktober 2016

Audi trennt sich von Scheider, da bleiben Fragen offen

mit Timo Scheider verlässt einer der erfahrensten und erfolgreichsten Piloten die DTM
Foto: Jens Hawrda
Als am Samstag Nachmittag eine Pressekonferenz mit Timo Scheider angekündigt wurde ahnten viele was um 19.00 Uhr verkündet werden würde. Die Pressekonferenz war kurz und sehr emotional.

"Wie man sich vielleicht denken kann, ist der Anlass nicht gerade ein schöner", beginnt Scheider seine rund zehn Minuten lange Abschiedsrede und erklärt: "Ich habe vor zwei Tagen einen Anruf erhalten, bei dem mir mitgeteilt wurde, dass ich mit Audi in der DTM keine Zukunft mehr habe. Das Ganze ist natürlich ein Stück weit tragisch, weil ich es mir ehrlich gesagt ein bisschen anders vorgestellt hatte."

Scheider versuchte sich zusammenzureißen, aber bereits nach wenigen Sätzen stockte seine Stimme, um dann ganz zu versagen. Er kämpfte mit den Tränen und konnte diese schließlich nicht mehr zurück halten.

Bereits vor dem Finale in Hockenheim hatten Piloten aus dem BMW-Lager ihren Rücktritt erklärt, das war vorbereitet und hatte Stil. Im  Fall von Timo Scheider hatte man aber den Eindruck, er wurde von den Ereignissen selbst überrollt. Die Art und Weise mit der sich Audi von einem seiner langjährigsten Piloten getrennt hat ist allemal fragwürdig und lässt kein gutes Licht auf die Verantwortlichen fallen. Auch zeigt es das dass so gern vermittelte Bild von der Audi-Familie wohl nur ein in den Medien und gegenüber den Fans vermitteltes Zerrbild ist. Hinter der Fassade regiert das knallharte Geschäftsinteresse das keinen Platz für emotionale Momente lässt. Jedenfalls lässt das Gebaren von Audi in diesem Zusammenhang kein gutes Licht auf die Verantwortlichen Fallen und es bleiben Fragen offen.
Timo Scheider
Foto: Jens Hawrda
Sicherlich war die Leistung von Timo Scheider in den letzten beiden Jahren zu hinterfragen und sicherlich musste er sich selbst die Frage stellen, ob vor dem Hintergrund der im Raum stehen Reduzierung der Fahrer von 8 auf 6 pro Hersteller sein zukünftiger Platz im Audi-Kader nicht in Frage steht. Das er ein eventueller Streichkandidat für die Zukunft ist, war ihm sicherlich klar.

Aber Scheider ist zweimaliger DTM-Champion hat die 24h von Spa gewonnen, zahlreiche Podestplätze für die Marke erfahren. Muss man dann von bei Audi so mit einem seiner langjährigsten Piloten umgehen? Scheider ist traurig und enttäuscht und das kann man nachvollziehen.

Timo Scheider fährt heute (16.10.2016) sein letztes DTM-Rennen für die Ingolstädter. "16 Jahre DTM - das ist eine Zeit, die viele Emotionen gekostet hat. Es ist ein Moment in meinem Leben gekommen, der sehr schwierig ist", sagte der erfahrenste aller aktiven Fahrer im Deutschen Tourenwagen Masters am Samstag in Hockenheim. Das Rennen am Sonntag ist Nummer 181 für ihn. Der Meister von 2008 und 2009 saß seit 2006 für Audi am Steuer. Sein Vertrag läuft aus. Zuvor war der 37 Jahre alte Familienvater in der DTM fünf Jahre für Opel gefahren.

Er habe am Donnerstag einen Anruf erhalten, in dem ihm das Ende der Zusammenarbeit mitgeteilt worden sei. "Ich hätte das gerne anders zelebriert", betonte Scheider, der mit den Tränen kämpfte. "Ich hätte das gerne anders vorbereitet, um danke zu sagen."

Scheider kommt in seiner DTM-Karriere auf sieben Siege und 24 Podestplätze. Letztmals ganz oben auf dem Podium stand er vor einem Jahr beim Saisonfinale in Hockenheim. Nur fünf Rennfahrer haben mehr Einsätze in der DTM als Scheider.

"Zu meiner Zukunft kann ich heute noch nichts sagen. Ich habe viele Pläne und viele Gespräche. Aber heute ist es noch zu früh, um dazu etwas zu sagen. Ich bin Herzblut-Racer, und das möchte ich auch bleiben. Man darf sich sicher sein, dass ein Timo Scheider in Zukunft wieder in einem Rennauto sitzen wird. Ob das On- oder Offroad ist, das sei mal dahingestellt."

Im November wird Scheider einen Gaststart beim Finale der Rallycross-Weltmeisterschaft (WRX) in Argentinien absolvieren. "Alles, was darüber hinausgeht, werden wir sehen. Aber das ist nicht nicht die einzige Hoffnung und nicht der einzige Plan, den ich habe. Ich muss mir ein bisschen Zeit nehmen, um herauszufinden, was ich machen möchte, und wo ich meine Zukunft auch fahrerisch sehe", so Scheider.

Am Ende seiner Ansprache erhält Scheider von den Journalisten, Fotografen und seinen Teamkollegen, die ebenfalls anwesend sind, Standing Ovations.









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