Dienstag, 22. September 2020

Erster Saisonsieg für Hyundai-Pilot Antti Buri

  •  Fugel-Brüder gemeinsam auf dem Podium
  •  Dominik Fugel übernimmt wieder die Gesamtführung, Marcel Fugel bester Junior
  •  Beide HP Racing International-Piloten scheiden aus

Antti Buri holt ersten Saisonsieg
Foto: ADAC-Motorsport



Erlösung für Antti Buri (31, Finnland, Hyundai Team Engstler): Der 31-Jährige hat das Sonntagsrennen auf dem Hockenheimring gewonnen und seinen ersten Saisonsieg gefeiert. Der Finne triumphierte im Hyundai i30 N TCR und holte damit zugleich seinen ersten Erfolg seit dem Wechsel zum Hyundai Team Engstler. Zweiter wurde Dominik Fugel (23, Chemnitz, Honda ADAC Sachsen) im Honda Civic TCR, er holte sich damit die Führung in der Gesamtwertung zurück. Rang drei ging an Marcel Fugel (19, Chemnitz, Honda ADAC Sachsen), der damit bester Starter der Honda Junior Challenge war.
 
"Es fühlt sich gut an - sogar noch ein bisschen besser nach unserem schwachen Samstagsrennen", sagte Buri: "Das Rennen war gut, ich habe mich aus dem Gröbsten heraushalten können, und das Auto war super. Ich konnte das Rennen gut verwalten und musste den Honda nicht zu früh angreifen. Die Attacke hat dann gesessen - und von da an konnte ich die Pace gut kontrollieren."
 
"Mein Start war mittelmäßig, ich habe aber schnell gemerkt, dass bei mir mehr geht als bei den Jungs vor mir. Aber das Vorbeifahren ist dann doch immer etwas anderes", meinte Dominik Fugel: "Vielleicht wäre sogar noch mehr möglich gewesen, aber so ist es ein sehr guter Abschluss des Wochenendes." In der Gesamtwertung liegt der Chemnitzer mit nun 95 Punkten wieder vorne, dahinter folgen Vizemeister Harald Proczyk (44, Österreich, HP Racing International) mit 91 Zählern und Tagessieger Buri mit 89. Jan Seyffert (22, Stuttgart, HP Racing International), am Samstag erfolgreich), hat als Vierter 82 Punkte auf dem Konto. Bei noch acht verbleibenden Rennen verspricht die Meisterschaft im weiteren Verlauf Hochspannung.
 
Am Sonntag schieden die beiden HP Racing International-Piloten Harald Proczyk und Jan Seyffert nach einer Kollision in der ersten Runde aus. Auch der im Qualifying schnelle Nico Gruber (19, Österreich, Hyundai Team Engstler) und Gaststarter Niki Schelle (54, Böbing, Hyundai Team Engstler) im VIP Auto konnten das Rennen nicht fortsetzen.
 
Nach einer zehnminütigen Safety-Car-Phase war Marcel Fugel beim Restart zunächst vorne, Antti Buri aber saß dem Honda-Piloten im Nacken und versuchte immer wieder, sich an dem führenden Fugel vorbeizudrängen. Marcel Fugel wehrte sich aber nach Kräften - erst in der Schlussphase war er machtlos: Buri setzte sich mit seinem Hyundai in der Spitzkehre neben Fugel, hatte beim Herausbeschleunigen die Nase vorn und ließ sich den Sieg nicht mehr nehmen.
 
Dahinter zeigte Dominik Fugel ein herausragendes Rennen: Von Platz zehn gestartet, fand er sich in der Spitzengruppe wieder. Und dort bewies er Geduld und Nervenstärke. Zunächst überholte er Junior René Kircher (20, Hünfeld, Volkswagen Team Oettinger) und seinen Bruder Marcel. Nach erneuter Betrachtung des Überholmanövers ordnete die Rennleitung jedoch an, dass Dominik Fugel die Plätze mit Kircher tauschen müsse. Dadurch fiel der Tabellenführer erneut auf Platz vier zurück, wovon er sich allerdings nicht entmutigen ließ. Am Ende schloss er das Rennen dennoch als Zweiter ab und freute sich über wichtige 20 Punkte. Sein Bruder Marcel jubelte derweil über seine erste Podiumsplatzierung in dieser Saison. "Das war ein super Rennen. Ich war lange in Führung, am Ende waren Antti und Dominik aber schneller", sagte er.
 
Vierter und gleichzeitig bester VW-Pilot wurde René Kircher, dahinter folgten Albert Legutko (23, Polen, Albert Legutko Racing) im Honda Civic TCR und Gaststarter Philipp Walsdorf (19, Berlin, Lubner Motorsport) im Opel Astra TCR. Für Dziugas Tovilavicius (28, Litauen, Skuba Racing Team), der am Samstag Dritter geworden war, sprang diesmal Platz sieben heraus. Szymon Ladniak (17, Polen, GT2 Motorsport) als Achter, Steffen Redlich (28, Lubner Motorsport) als Neunter und Günter Benninger (59, Österreich, Wimmer Werk Motorsport) im neuen Cupra Leon Competición TCR komplettierten die Top Ten.
 
Die Piloten der ADAC TCR Germany können nun nur kurz durchschnaufen: Kommendes Wochenende steht das ADAC TOTAL 24h-Rennen auf dem Nürburgring auf dem Programm, anschließend geht es vom 2. bis 4. Oktober auf dem Sachsenring ins vierte Rennwochenende der Saison.

Montag, 21. September 2020

„Robin Good“: Audi-Pilot Frijns siegt erneut

  •  Niederländer feiert auf dem Nürburgring seltenen Start-Ziel-Sieg in der DTM
  •  Titelverteidiger René Rast macht Audi-Doppelsieg perfekt
  •  Tabellenführer Nico Müller nach Dreher und Aufholjagd noch starker Fünfter

Robin Frijns
Copyright: Audi Communications Motorsport / Michael Kunkel


Zweiter Sieg in Folge: Robin Frijns vom Audi Sport Team Abt Sportsline hat nach seinem Erfolg auf dem Grand-Prix-Kurs am vergangenen Sonntag auch das erste der beiden DTM-Rennen auf dem Sprintkurs des Nürburgrings gewonnen. Dem „Fliegenden Holländer“ gelang ein in der DTM extrem seltener Start-Ziel-Sieg, obwohl sein Vorsprung gleich dreimal durch das Safety-Car zunichte gemacht wurde.

„Das war heute im Auto ziemlich nervenaufreibend“, sagte Frijns nach seinem knappen Sieg vor Titelverteidiger René Rast vom Audi Sport Team Rosberg. „Jedes Mal, wenn ich mir etwas Vorsprung herausgefahren hatte, kam das Safety-Car. Als René in den letzten Runden direkt hinter mir lag und permanent Push-to-Pass und DRS nutzen konnte, wusste ich, dass ich mir nicht den kleinsten Fehler leisten durfte. Mein Auto war großartig und der Schlüssel zum Sieg heute mein guter Start.“

Von Startplatz zwei aus gewann Frijns das Startduell gegen René Rast, der sich am Vormittag mit einer eindrucksvollen Runde die Pole-Position gesichert hatte. „Der Start war entscheidend“, bestätige der zweimalige DTM-Champion. „Am Freitag hatten wir im ersten freien Training ein technisches Problem und auch nach dem zweiten Training konnte ich keinen Start üben. Das heute war mein erster echter Start – und der war nicht gut.“

Rast fiel im Rennen zeitweise noch hinter BMW-Pilot Marco Wittmann auf den dritten Platz zurück, holte sich Platz zwei beim letzten Restart aber wieder zurück und machte in der Schlussphase Jagd auf den Spitzenreiter. „Ich wollte Robin erst in der letzten Runde überholen, aber vielleicht habe ich etwas zu spät attackiert“, sagte Rast. „Es war ein sehr schwieriges Rennen. Ein zweiter Platz ist nicht mein Ziel, aber noch immer ein gutes Ergebnis.“

Rasts langsamer Start hatte indirekt auch Auswirkungen auf Tabellenführer Nico Müller. „Ich hing hinter René fest, der kaum Grip zu haben schien, deshalb haben mich in den ersten Kurven zwei BMW überholt“, sagte der Schweizer. Nach dem ersten Restart kam es für ihn noch dicker: „Ich war zwischen zwei Autos eingequetscht, wurde von hinten getroffen und umgedreht.“ Vom letzten Platz kämpfte sich Müller mit einem frühen Boxenstopp und der mit Abstand schnellsten Rennrunde noch auf Platz fünf nach vorn. Damit verteidigte er Platz eins in der Fahrermeisterschaft, sein Vorsprung schrumpfte jedoch auf 13 Punkte. „Das ist etwas frustrierend, denn heute war definitiv mehr drin“, sagte Müller.

Viertbester Audi-Pilot im Samstagsrennen war Ferdinand Habsburg vom Kundenteam WRT Team Audi Sport. Der Österreicher wurde Siebter.

Enttäuschend verlief der Samstag für das Audi Sport Team Phoenix. Mike Rockenfeller und Loïc Duval waren beide auf schnellen Runden, als das Qualifying mit der Roten Flagge unterbrochen wurde. Von den Startplätzen 12 und 13 ins Rennen gegangen, waren beide in harte Positionskämpfe verwickelt. Während sich Rockenfeller noch zwei Punkte für Platz neun erkämpfte, musste Duval nach einem Ausrutscher in der Spitzkehre und einer Kollision vorzeitig aufgeben.
Auch Jamie Green sah die Zielflagge nicht. Der Brite nutzte die dritte Safety-Car-Phase, um sich ein zweites Mal frische Reifen zu holen, fing sich bei der anschließenden Aufholjagd jedoch einen Reifenschaden ein.

„Wow, was für ein Rennen!“, sagte Audi-Motorsportchef Dieter Gass. „Robin war heute herausragend. Er hat kein einziges Mal Push-to-Pass oder DRS gehabt und sich trotzdem vorne gehalten. Das war eine extrem starke Leistung. Auch, dass er sich bei all den Safety-Cars und Restarts null Fehler geleistet hat. Fantastisch! René hat mit Platz zwei einen Doppelsieg für Audi perfekt gemacht. Dass Nico, nachdem er umgedreht wurde, noch auf Platz fünf vorgefahren ist, war mega.“

Interview mit dem aktuellen DTM-Spitzenreiter Nico Müller

Audi-Pilot Nico Müller: „Ich fühle mich nicht wie der Gejagte“

Nico Müller
Copyright: Audi Communications Motorsport / Malte Christians

Der Schweizer Audi-DTM-Pilot Nico Müller zieht nach zehn von insgesamt 18 Rennen in der Saison 2020 Bilanz. Zudem spricht der 28-Jährige über sein Verhältnis zu seinem Teamkollegen und ersten Verfolger in der Fahrerwertung Robin Frijns und gibt Einblicke in sein Familienleben.

Über die Hälfte der Saison 2020 hat der DTM-Tross schon absolviert. Wie fällt dein Zwischenfazit aus?
Natürlich sehr positiv. Vier Siege sind mir und meiner Crew gelungen und es könnten sogar mehr sein. Ich denke, das spricht für sich. Ich bin sehr happy mit der Arbeit, die wir als Team bisher vollbracht haben. Alle sind top motiviert und machen einen ausgezeichneten Job. Und ich fühle mich einfach wohl im Auto und kann abliefern. Von daher war es für mich eine sehr positive erste Hälfte, auf die sich aufbauen lässt.

Hat das erste Rennwochenende auf dem Nürburgring bereits ausgereicht, dass du deinen Frieden mit der Rennstrecke schließen konntest?
Ich glaube, es war das stärkste Wochenende meiner DTM-Karriere. Was meine Performance angeht, aber auch die meiner Crew. Wir waren eigentlich in jeder einzelnen Session von Freitag bis Sonntag das schnellste Auto im Feld. Viel besser kann man nicht Frieden schließen. Das Einzige war der Zwischenfall im Rennen am Sonntag mit dem defekten Sensor ab der fünften Runde. Das tut natürlich weh, wenn man so Punkte liegen lassen muss. Aber es gibt schlussendlich viel mehr Positives mitzunehmen von diesem Wochenende, als dass wir dem Sonntag lange hinterhertrauern sollten. Dafür bleibt uns in dieser kompakten Saison auch gar keine Zeit.

Wie fühlt es sich an, die Schweizer Fahne im Parc Fermé hochzuhalten?
Es ist ein überragendes Gefühl. Unser kleines Land vertreten zu dürfen auf einer internationalen Plattform wie der DTM ist einfach klasse. Es macht mich auf jeden Fall stolz, einer der Schweizer Rennfahrer zu sein, die unsere Fahne hochhalten – neben großen Namen wie Marcel Fässler, Sébastien Buemi und Neel Jani.

Bei acht der bisherigen zehn Rennen hast du auf dem Podium gestanden. Ärgern dich die beiden fünften Plätze dazwischen?
Ich würde lügen, wenn ich sage, dass es nicht so ist. Gerade der fünfte Platz am vergangenen Sonntag war ärgerlich. Einfach weil ich sicher bin, dass wir das Rennen gewonnen hätten. Das Auto fühlte sich von der Balance her optimal abgestimmt an. Doch technische Probleme gehören eben dazu. Am Lausitzring hingegen waren andere schlauer als wir, vor allem die Münchner. Das muss man anerkennen und damit kann ich dann auch leben.

Bist du eher jemand, der Vergangenes analysiert oder orientierst du dich mehr an dem, was vor dir liegt?
Ich glaube schon, dass es wichtig ist, zurückzublicken. Um Situationen besser zu durchleuchten und daraus wieder einen Schritt nach vorn zu machen. Man muss aber bedenken, dass wir in dieser Saison kaum noch Zeit zwischen den Rennen haben. Du hast vielleicht noch einen Tag Zeit, um zu reflektieren. Und dann musst du wieder den Schalter umlegen. Ich denke, dass diese Umstellung sehr wichtig ist und dass es im Moment auch eine unserer Stärken ist. Wir erkennen relativ schnell, wo wir noch Potenzial haben und wie wir gleichzeitig unsere Vorteile beibehalten können.

An den Samstagen warst du bisher sowohl im Qualifying als auch im Rennen immer unter den Top drei. Wie kommt es, dass ihr gerade an den ersten Renntagen des Wochenendes so erfolgreich seid?
Auch wenn es nur Trainings sind, zeichnet es sich für mich schon freitags ab. Ich glaube, ich war immer mindestens auf Platz zwei im Freien Training und sieben oder acht Mal Schnellster. Es zeigt, dass wir in der Vorbereitung einen guten Job machen. Wir haben immer von der ersten Session an ein Auto gehabt, das gut funktioniert, was uns die Arbeit vor allem am Samstag einfacher macht. Dadurch müssen wir nicht so umfangreiche Setup-Anpassungen oder Fahrstil-Änderungen vornehmen, um das Maximale aus unserem Paket rauszuholen. Das war bisher sicher unsere große Stärke und ich hoffe, dass wir es beibehalten können. Zum Sonntag hin rückt das Feld natürlich näher zusammen. Aber auch da konnten wir uns noch jedes Mal verbessern.

Dein Teamkollege Robin (Frijns) ist dir in der Meisterschaft dicht auf den Fersen. Wie geht ihr damit um, dass ihr beide Titelkandidaten seid?
Es ist eine lustige Situation. Wir haben wirklich ein sehr gutes Verhältnis. Das ist untypisch. Ich hatte so etwas bisher noch nie in meiner Karriere. Und dann auch noch im gleichen Team. Wir pushen uns gegenseitig extrem. Natürlich wollen wir den jeweils anderen auf der Strecke schlagen, das muss auch so sein. Aber es ist nicht so, dass schlechte Stimmung aufkommt, wenn einer den Kürzeren zieht. Wir haben zwei so starke Crews im Team und wer den besseren Job macht, hat es sich ganz einfach verdient. Das ist aus meiner Sicht eine sehr gesunde Basis. Ich bin überzeugt, dass Robin einer der talentiertesten Rennfahrer auf diesem Planeten ist. Und ich bin jedes Mal stolz, wenn ich ihn schlage. Ich freue mich aber auch für ihn, wenn er ein Rennen gewinnt. Ich glaube, dass im Moment unser gutes Verhältnis im Team zu unserer Stärke beiträgt. Ob einer von uns beim Finale in Hockenheim noch die Chance auf den Titel hat, werden wir sehen. Und dann hoffen wir auf einen heißen Showdown.

Wie gehst du damit um, der Gejagte zu sein?
Tatsächlich fühlt es sich für mich nicht so an. Für mich ist René als der amtierende Champion immer noch derjenige, den es zu schlagen gilt. Zusammen mit seinem Team hat er über die letzten drei Jahre hinweg einen so beeindruckenden Job abgeliefert, und er ist auch dieses Jahr wieder ein heißer Anwärter auf den Titel. Auch wenn er im Moment nicht die Meisterschaft anführt. Er ist doch immer oben mit dabei. Wir haben noch vier Wochenenden vor uns. Da kann noch sehr viel passieren.

Du hast souverän das Gerücht widerlegt, dass Rennfahrer, die schon Vater geworden sind, langsamer wären. Hat sich dennoch etwas in deinem Job geändert, seitdem ihr zu dritt seid?
Von diesem Mythos habe ich auch schon gehört. Aber ich denke, wir konnten beweisen, dass eher das Gegenteil der Fall ist. Das vergangene Wochenende war aus meiner Sicht das stärkste, das ich je abgeliefert habe. Und ich glaube eher, dass unser Glück mit Fynn mehr beflügelt als alles andere. Ich habe mich noch nie so geerdet gefühlt, wie ich es aktuell tue. Und ich bin sehr dankbar, dass ich eine so schöne kleine Familie zu Hause habe, die mich bei meiner Leidenschaft perfekt unterstützt. Daher bin ich mir sicher, dass es mich eher besser macht als schlechter.

Ist Motorsport bei euch zu Hause angesichts der kurzen Zeit, die du zu Hause verbringst, ein Tabuthema?
Nein, wir sprechen viel darüber. Manchmal zu viel. Ich glaube, das ist auch nötig, um das Geschehene zu verarbeiten. Sei es positiv oder negativ. Ich setze mich oft mit Vicky oder meinen Eltern, die direkt nebenan wohnen, einen oder zwei Tage nach den Rennen abends zusammen. Und dann sprechen wir auch darüber, was passiert ist. Die fiebern alle extrem mit und sind wahrscheinlich nervöser als ich an den Wochenenden.

Ihr seid im August auch noch in euer neues Zuhause eingezogen. Habt ihr genügend Platz für Pokale eingeplant?
Der sollte nie ausgehen. Und falls doch, wäre das ein Luxusproblem, um das ich mich gerne kümmere. Es war schon eine intensive Phase. Alles fiel ungefähr in die gleiche Zeit. Hausbau, Umzug, Nachwuchs. Wir hatten aber tolle Unterstützung von unseren Familien, wodurch ich auch den Freiraum hatte, um mich auf meinen Job zu konzentrieren. Das hat super geklappt.

Du bist auf Social Media aktiv und zeigst in deinem Driver’s Diary auch private Einblicke. Wie wichtig ist es dir, Kontakt zu den Fans zu halten?
Die sozialen Medien sind ein gutes Tool, um den Fans auch zwischen den Rennen Einblicke zu geben, um sie für unseren Sport zu begeistern und unsere Leidenschaft mit ihnen zu teilen. Da gehört das ein oder andere Private mit dazu. Ich versuche da einen gesunden Mix zu finden und hoffe, dass es die Leute freut, was sie zu sehen bekommen. Und dass damit auch bei ihnen die Vorfreude auf die Rennen steigt.

Wie sehen deine nächsten Wochen aus?
Es bleibt sehr intensiv. Diese Woche stehen die nächsten wichtigen DTM-Rennen auf dem Sprintkurs des Nürburgrings auf dem Programm. Und danach bleibe ich wahrscheinlich gleich in der Eifel. Denn dann folgen die 24 Stunden auf der Nordschleife – für mich immer ein großes Highlight im Jahr. Mein Ziel ist, nach unserem Erfolg 2015 noch einmal um den Gesamtsieg mitkämpfen zu können. Und erst danach habe ich mein erstes Wochenende seit dem DTM-Auftakt frei, bevor wir am zweiten Oktober-Wochenende schon wieder in Zolder fahren.

DTM: Zukunft der Plattform gesichert

  •    Traditions-Rennserie wird fortgeführt
  •     DTM ab der Saison 2021 mit neuem technischen Reglement
  •     Audi und BMW unterstützen Gerhard Berger bei Neuaufstellung


Foto: Jens Hawrda

Die Ampeln stehen auf Grün: Audi und BMW unterstützen Gerhard Berger bei seinen Plänen, die DTM neu aufzustellen. Als Noch-Mitglieder des ITR e.V. haben sich die beiden Hersteller nach konstruktiven Verhandlungen dafür ausgesprochen, den Aufbau einer eigenständigen professionellen Sprint-Rennserie auf GT-Basis zur Saison 2021 auf der Plattform der ITR zu ermöglichen. Formal scheiden sowohl Audi als auch BMW zum Saisonende aus der ITR aus. Ab dann übernimmt die BMS (Gerhard Berger) die alleinige wirtschaftliche Verantwortung für die neue Rennserie und die Weiterentwicklung der Plattform.

Gerhard Berger: „Während der letzten Monate haben wir in komplexen Verhandlungen verschiedene strategische Optionen für die Zukunft der DTM diskutiert. In den vergangenen Tagen habe ich sehr konstruktive Gespräche mit Audi und BMW geführt. Beide Hersteller ermöglichen, dass ich die volle Verantwortung für die Zukunft einer Rennserie übernehme, in der vorerst in erster Linie GT-Autos zum Einsatz kommen. Dass Audi und BMW ein Fortführungsszenario unterstützen, sind großartige Nachrichten für alle Mitarbeiter und Motorsportfans. Künftig werden nicht mehr die Werke, sondern eigenständige professionelle Privatteams auf der Plattform um Siege fahren. Wichtig war mir, dass sich beide Hersteller zu diesem Konzept bekennen, damit hier auch die GT-Modelle dieser Marken fahren werden. Die Zusage habe ich. Mein ausdrücklicher Dank geht deshalb an die Hersteller: Sie haben mit ihrer Entscheidung nicht nur maßgeblich zum Erhalt der Arbeitsplätze der ITR und der DTM-Partner beigetragen, sondern ermöglichen damit auch den Fans und Unterstützern weiterhin Motorsport auf Topniveau. Nun freue ich mich darauf, mit unseren starken Partnern wie Sat.1 eine nachhaltige Zukunftsstrategie zu erarbeiten, die die Fans begeistern wird.“

Samstag, 19. September 2020

Nervenaufreibend: Robin Frijns gewinnt DTM-Thriller auf der Nürburgring

  • Turbulentes Rennen mit drei Safety-Car-Phasen
  • Frijns mit Blitzstart, Drama für Nico Müller
  • Je fünf Audi und BMW unter den Top Ten

Robin Frijns vor Renè Rast
Foto dtm.com

Mit einem Tourenwagen-Spektakel wie aus dem Bilderbuch wurden die Zuschauer beim sechsten Saisonlauf der DTM verwöhnt. Das erste Rennen auf der 3,6 Kilometer kurzen Sprintvariante des Nürburgrings hatte am Samstag alles zu bieten. Am Ende hieß der strahlende Sieger Robin Frijns (NED, Audi), der sich mit einem perfekten Start durchsetzte und die Führung nicht mehr aus der Hand gab – den drängenden Versuchen der Konkurrenz zum Trotz. Titelverteidiger René Rast (GER, Audi), der auf der Sprintstrecke bereits drei Mal siegreich war, kreuzte als Zweitplatzierter die Linie. Mit Marco Wittmann (GER) auf Rang drei ist erneut ein BMW-Pilot auf dem Podium vertreten. Je fünf Audi und BMW unter den Top Ten sorgten für ein ausgeglichenes Markenverhältnis.

Bereits der Rennauftakt verlief äußerst unterhaltsam: Robin Frijns erwischte einen Blitzstart und zog direkt an Polesitter Rast vorbei. Nico Müller versuchte es anschließend außen in Kurve eins mit einem Überholversuch gegen Rast, musste aber zurückstecken und wurde im Anschluss vom hinter ihm lauernden Philipp Eng (GER, BMW) kassiert. Weiter hinten im Feld gab es in den ersten Runden intensive Zweikämpfe, die nicht ganz ohne Kontakt abliefen. So kam es dann auch wenig später zur ersten Safety-Car-Phase des Rennens, die aufgrund eines Trümmerteils auf der Strecke von der Rennleitung beschlossen wurde. Alle Piloten hatten die Zeit bis zur ersten Neutralisierungsphase bereits für ihre Pflichtstopps genutz – es folgte ein packender Kampf um die Position, frei von jeder Taktik.

Dreher-Drama für Nico Müller

Beim ersten Restart gab es unter den Top drei keine Veränderung, dafür jedoch ein Drama für den Meisterschaftsführenden Nico Müller: Der Schweizer drehte sich nach einem Kontakt mit Jamie Green und fiel ans Ende des Feldes zurück. Ein Grund für dessen Abt-Team, eine alternative Boxenstrategie zu wählen und Müller zum Reifenwechsel zu beordern, während die Spitzengruppe weiter auf der Strecke blieb. Das änderte sich ab der 15. Runde, als Loïc Duval (FRA, Audi) nach einem Ausritt ins Kiesbett und anschließendem Kontakt mit der Reifenbarriere die zweite Safety-Car-Phase auslöste. Der Franzose konnte seinen Audi RS 5 DTM aber wieder zurück auf die Strecke lenken und zunächst weiter fahren.

Zweiter Restart: Wittmann nutzt die Gunst der Stunde, dritter Restart: Rast kontert

Beim zweiten Restart, der nach Indy-Car-Manier in Zweierreihen durchgeführt wurde, gab es zunächst keine Veränderungen unter den Top drei. In Kurve zwei nutzte allerdings Wittmann die Gunst der Stunde und schob sich mit einem gekonnten Überholmanöver außen an Rast vorbei. Ein Dreikampf zwischen Lucas Auer (AUT, BMW), Fabio Scherer (SUI, Audi) und Duval sorgte für einen Crash zwischen den beiden Audi-Fahrern, für die das Rennen beendet war. Dies führte zur dritten und letzten Safety-Car-Phase, nach deren Ende das Rennen jedoch ohne weitere Zwischenfälle beendet werden konnte. Dieses Mal konterte Rast jedoch Wittmann aus, übernahm wieder Platz zwei und unternahm einen letzten Angriff auf Frijns. Eine gute halbe Sekunde trennten ihn am Ende vom Sieger. 

Vor dem zwöften Rennen der DTM-Saison 2020 (Sonntag ab 13:00 Uhr live in SAT.1) führt Nico Müller, der am Samstag Schadensbegrenzung betrieb und trotz seines Drehers noch auf Platz fünf landete, nach wie vor die Gesamtwertung an mit nun 216 Punkten. Frijns holt durch seinen Sieg auf und liegt nur noch 13 Zähler zurück, Rast bleibt Dritter mit 180 Punkten.

Stimmen – 1. Rennen, Nürburgring Sprint

Robin Frijns (NED), Audi, Sieger

„Das war ein schwieriges Rennen. Gerade am Start war es nicht einfach, die Position zu verteidigen. Es war wirklich nervenaufreibend im Cockpit. Ich habe immer wieder einen Vorsprung herausgefahren, und dann kam wieder das Safety-Car auf die Strecke, und alles ging wieder von vorne los. Grundsätzlich war mein Start gut, und ich konnte mich sofort etwas absetzen. Am Ende kam René Rast ziemlich nahe, vor allem in den Kurven eins und neun. Ich wusste, ich darf keinen Fehler machen. Das war entscheidend, aber ich bin habe es als Sieger ins Ziel geschafft. Ich habe mitbekommen, dass Nico Müller wohl ein ereignisreiches Rennen hatte, deshalb war es umso wichtiger, diesen ‚big point‘ zu machen.“

René Rast (GER), Audi, 2. Platz

„Der Start war schwierig, weil ich am Freitag leider keine Startübungen machen konnte. Bei den Restarts aus der zweiten Position habe ich einmal nicht die perfekte Linie erwischt, so dass Marco Wittmann vorbei gehen konnte. Beim nächsten Indy-Restart war es dann wieder umgekehrt. Ich wusste, dass es auf die letzte Runde ankommt, aber mein Angriff kam etwas zu spät. Okay, ich habe Punkte auf Nico Müller gewonnen, aber dafür Punkte auf Robin Frijns verloren. Einer der beiden ist immer vor mir. Nach dem bescheidenen Freitag war die Pole-Position und der zweite Platz im Rennen auf jeden Fall ein sehr gutes Ergebnis für mich.“

Marco Wittmann (GER), BMW, 3. Platz

„ Mein Start war ganz ordentlich, doch mit der ersten Safety-Car-Phase wurde es etwas chaotisch. Bei drei Indy-Restarts konnte ich einen nutzen, um an René Rast vorbeizugehen, beim nächsten Mal ging es umgekehrt aus. Dadurch, dass die meisten ihren Pflichtstopp bereits vor der ersten Safety-Car-Phase absolviert hatten, war das Rennen weniger von der Strategie geprägt, mehr von der einen Performance. Es musste auch niemand mit den Reifen haushalten, da diese durch die drei Safe-Car-Phasen ja über etliche Runden geschont wurden. Ich bin jedenfalls sehr glücklich, dass ich es von Startplatz aufs Podium geschafft habe.“

Ergebnis – 1. Rennen, Nürburgring Sprint

01. Roin Frijns (NED), Audi RS 5 DTM, 39 Runden in 59.51,551 MInuten

02. René Rast (GER) Audi RS 5 DTM, + 0,660 Sek.

03. Marco Wittmann (GER), BMW M4 DTM, + 1,573 Sek.

04. Philipp Eng (AUT), BMW M4 DTM, + 2,984 Sek.

05. Nico Müller (SUI), Audi RS 5 DTM, + 4,743 Sek.

06. Jonathan Aberdein (RSA), BMW M4 DTM, + 5,211 Sek.

07. Ferdinand Habsburg (AUT), Audi RS 5 DTM, + 8,513 Sek.

08. Sheldon van der Linde (RSA), BMW M4 DTM, + 8,846 Sek.

09. Mike Rockenfeller (GER), Audi RS 5 DTM, 14,970 Sek.

10. Timo Glock (GER), BMW M4 DTM, + 17,292 Sek.


Schnellste Rennrunde: Nico Müller (SUI), Audi SR 5 DTM, 1.21,785 Min.

Pole-Position: René Rast (GER), Audi RS 5 DTM, 1.19,472 Min.

Wetter: 24°C, sonnig

Strecke: 36°C, trocken