Freitag, 2. Dezember 2022

ADAC erwirbt Markenrechte an der DTM

  •  Konsequente Weiterentwicklung des Motorsports im deutschsprachigen Raum
  •  Gerhard Berger: „Stellen jetzt Weichen für eine langfristige Zukunft“

Foto: Jens Hawrda


Neue Heimat für die DTM: Die Motorsport-Marke wird Teil des ADAC. Diese Entscheidung hat Gerhard Berger heute bekanntgegeben. „Damit stellen wir jetzt die Weichen für eine langfristige Zukunft des Motorsports im deutschsprachigen Raum. Für die riesige DTM-Fangemeinde ist das eine gute Nachricht“, sagt Gerhard Berger.

2020 hatte Gerhard Berger die alleinige wirtschaftliche Verantwortung für die DTM-Plattform übernommen und die erfolgreiche Geschichte der Rennserie unter schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen während der Pandemie weitergeschrieben. „Die DTM hat sich in den vergangenen Jahren mit Unterstützung unserer Mitarbeitenden und Partner auf Hersteller- und Dienstleisterseite ausgezeichnet entwickelt. 2022 war eine überragende Saison mit Rekordstarterfeld, Weltklassefahrern, zahlreichen Top-Marken in der Startaufstellung und einer beachtlichen globalen Reichweite auf allen Kanälen. Es gab Spannung bis zum letzten Rennen, harte Rad-an-Rad-Duelle – das, was sich die Fans immer gewünscht haben“, so Gerhard Berger.

Für die konsequente Weiterentwicklung der beliebten Rennserie setzt der 63-jährige Österreicher nun auf den größten europäischen Mobilitätsclub. „Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, die Grundlagen für die langfristige Zukunft der DTM zu schaffen“, sagt Gerhard Berger. „Daher habe ich mich entschlossen, die Marke dem ADAC zu übergeben. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Marke beim ADAC in den richtigen Händen ist: Dort ist das nötige Know-how vorhanden, um allen Motorsportfans künftig ein einzigartiges Erlebnis zu bieten. Mit der langjährigen Erfahrung, den etablierten Strukturen und dem vereinseigenen Engagement für den Motorsport kann der ADAC nicht nur bestmögliche Synergien schaffen, sondern die DTM auch konsequent weiterentwickeln. Damit sind beste Voraussetzungen gegeben, dass wir weiterhin noch viele Jahre erfolgreichen Motorsport auf höchstem Niveau sehen werden.“

Die ITR GmbH, die bislang für die internationale Vermarktung und Organisation der DTM verantwortlich ist, wird die Serie, wie bereits kommuniziert, nicht mehr ausschreiben. „Dass wir die DTM in den vergangenen zwei Jahren auf dieses Level heben konnten, ist nicht zuletzt die Arbeit vieler Partner und eines starken Teams. Gerade deshalb ist es uns jetzt sehr wichtig, alle Themen geordnet abzuarbeiten. Dabei wollen wir für alle Beteiligten, die maßgeblich zum Erfolg der DTM beigetragen haben, auch weiterhin der faire und zuverlässige Partner sein, der wir immer waren“, ergänzt Benedikt Böhme, Geschäftsführer der ITR GmbH.

Donnerstag, 1. Dezember 2022

GERT56: IDM Superbike 2023 mit Finsterbusch, Jähnig und Hobelsberger

GERT56 wird 2023 in der IDM Superbike weiterhin auf Toni Finsterbusch setzen. Zu seiner Erfahrung gesellen sich zwei Klassen-Rookies: Jan-Ole Jähnig und Patrick Hobelsberger.

Toni Finsterbusch fährt auch 2023 für GERT56
Foto: Jens Hawrda


Noch in Hockenheim beim IDM Finale präsentierte sich GERT56 nach dem Seuchenjahr mit den Verletzungen von Julian Puffe und Toni Finsterbusch in der Verfassung, in der man sich die gesamte Saison präsentierte: Mit einem weiteren starken Podium und dem zweiten Platz von Gaststarter Dominik Vincon. Der Besuch der beiden Stammpiloten ließ darauf schließen, dass man - die vollständige Genesung vorausgesetzt - mit dem gleichen Personal in die IDM Saison 2023 gehen würde. Schon die Ankündigung eines dritten Superbikes ließ die Gerüchteküche hochkochen. Der am meisten genannte Name Jan-Ole Jähnig ist es nun auch schlussendlich geworden. Er ist mit beiden Stammpiloten eng befreundet und auch Teamchef Karsten Wolf hat die Karriere des 21-jährigen Altenburgers die letzten zwei Jahre verfolgt und viele Gespräche mit ihm geführt.

„Wir halten Jan-Ole für eines der größten Talente im deutschen Motorsport“, so Teamchef Karsten Wolf. „Sein Durchmarsch durch die Nachwuchsklassen bis hin zum 600er IDM Superstockvize war beeindruckend. In den beiden letzten Jahren in der IDM Supersport wechselten sich Glanzleistungen mit Rückschlägen und Stürzen ab, die noch bessere Gesamtergebnisse verhinderten. Beruf, Teamchef, Mechaniker, Logistiker und Kümmerer in Personalunion zu sein ist für einen jungen Rennfahrer nicht leistungsfördernd. Er kommt in Zukunft mit Helm und Tasche in die GERT56 Box und taucht dann in den Betreuungsmodus ein und hat dort nur eine Aufgabe – Rennen fahren. Jetzt könnte man lamentieren, nach dem Motto ‚im ersten Jahr haben wir keine großen Erwartungen‘. So sind wir nicht, so ist JO nicht. Das Ziel sollten im ersten Rennen immer die Top 9 sein, um das Reversed-Grid auszunutzen. Realistisch sehen wir JO beständig zwischen P5 und P10. Durch seine menschliche und regionale Nähe zu Toni Finsterbusch werden die beiden sich gemeinsam um ihre Fitness kümmern und auch die ‚Superbike Fahrschule‘ durchführen - das erste Mal im November in Cartagena bei der Moto Racing School, denen wir herzlich für die Möglichkeit danken und bei der die Beiden über das Jahr auch als Instruktoren tätig sein werden.“

Die jetzige Verpflichtung von Superport WM-Pilot Patrick PAX Hobelsberger und die Freistellung von Julian Puffe erinnert dann doch schon etwas an Götterdämmerung bei GERT56. Die Truppe aus Pirna gilt von jeher als risiko- und entscheidungsfreudig, aber eben auch als loyal und familiär. Wie passt das alles zusammen?

Teamchef Karsten Wolf dazu: „Die Gesamtbetrachtung der Zusammenarbeit mit Julian Puffe in den letzten beiden Jahren und auch vorher in der EWC fällt überaus positiv aus. Wir haben ihn 2021 am Tiefpunkt seiner Karriere und Gesamt-Platz 13 von Honda übernommen, obwohl wir kein Bike für Ihn hatten und er nur für drei Wildcards vorgesehen war. Und das zu einem Zeitpunkt, wo für ihn alle Türen zu waren und er keine Optionen auf einen IDM-Platz hatte. Durch die krankheitsbedingte Absage von Lucy Glöckner war er für 2021 Stammpilot und brachte im ersten IDM Jahr respektable Ergebnisse. Das Jahr 2022 und der Wechsel der Fahrwerkskomponenten beschertem ihm vier Podien und Rang sieben in der Endabrechnung. Ein Trainingssturz in Assen ließ den sicher geglaubten dritten Platz in der Meisterschaft dahinschwinden und auch das erklärte Saisonziel von GERT56 löste sich in Luft auf.“

„Fakt ist aber auch, dass Toni Finsterbusch in den gemeinsamen Rennen die besseren Rennergebnisse einfuhr und dabei das Potential der GERT56 BMW M 1000 RR nicht einmal ausgereizt scheint. Nach Rücksprache mit Cheftechnikern und Fahrwerksleuten, sind wir aber offensichtlich nicht in der Lage Julian das technische Paket und Setup bereitzustellen, um einen Schritt nach vorne zu machen und bessere Ergebnisse, als die diesjährigen einzufahren. Diese Erkenntnis und der neue Anspruch, um die Meisterschaft mitzufahren, vertragen sich nicht wirklich.“

„Sollten die Realitäten im Frühjahr hinsichtlich der vollständigen Fitness bei Julian nicht ausreichend sein und mir sportlich keinerlei Optionen mehr zu Verfügung stehen, könnte man mir Dummheit und Unprofessionalität vorwerfen. Ich kann also wählen zwischen Pest und Seuche. Zudem ist es fair, wenn alle früh Bescheid wissen, um sich neu zu orientieren. Julian hat sich als absoluter Teamplayer und stets professioneller Rennfahrer präsentiert. Seine Emotionalität in alle Richtungen zeigt, dass ihm die Dinge nicht gleichgültig sind. Wir werden ihn in der Box vermissen, wünschen ihm auf seinem Weg alles Gute und sagen Danke für viele gute Jahre!“

„Der Anruf von Patrick Hobelsberger kam postwendend, nach dem von ihm selbst und im Einvernehmen mit Kallio Racing gewählten Aus in der Supersport WM. Dass wir dabei seine erste Option waren und er das BMW Superbike zu seinem neuen Sportgerät auserkoren hat, freut uns und das Haus BMW Motorrad gleichermaßen“, so Wolf weiter

Über ein paar Telefonate fand man schnell eine gemeinsame Sprache und so saß Wolf wenige Tage später am massiven Eichentisch des elterlichen Zimmereibetriebes der Hobelsbergers. Der Wunsch die Katze nicht im Sack zu kaufen und sich kennen zu lernen bestand auf beiden Seiten und so konnten an diesem Abend schon die ersten „dicken Bretter“ gebohrt werden. Dem Wunsch nach einem eigenen T-Bike noch im November, der eigenständige Testbetrieb im Winter in Spanien, sowie die kaufmännischen und logistischen Rahmenbedingungen wurden schnell in eine gemeinsame Richtung vorangetrieben. Technische Fragen wurden direkt zwischen PAX und GERT56 Mastermind Ronny Schlieder geklärt, der ihn in der IDM auch als Crewchief betreuen wird.“

„PAX hatte sicher in der Supersport WM kein glückliches Jahr“, so Wolf „Doch habe ich natürlich mitbekommen, wie er 2021 in der IDM Supersport alle gebügelt hat. Sein Auftritt in Most dieses Jahr unter Schmerzen und sein Gaststart auf dem Red Bull Ring haben gezeigt, was er für eine Granate er ist. Mir hat in den Gesprächen sehr imponiert, dass er sich (ich glaube, das sagt man in Bayern so) ‚um gar nix scheißt‘, mit Anstand und Würde zu seinem Ex-Team die Supersportsache beendet hat und trotzdem den Kompass sofort brutal auf Neuanfang stellt. Zweifeln überlässt er, glaube ich, auch gern den anderen, sein Ding ist das eher nicht. Er ist extrem fokussiert und strukturiert in der Vorbereitung und Durchführung seiner Projekte und dabei leicht fordernd. Ist nicht so schlimm, dann sind wir halt leicht fordernd beim Liefern von Ergebnissen.“

„Und trotzdem rate ich seiner Fanbase und dem ihm freundlich zugewandten Umfeld zur optimistischen Besonnenheit“, sagt Wolf weiter. „Zum Einen reden wir von einem Klassenwechsel, dass kann sofort funktionieren, muss es aber nicht. Dann muss du dieses Jahr mit all dem Pech, Stürzen und Verletzungen aus dem Kopf bekommen und schlussendlich trifft er in der SBK1000 auch auf keine Nasenbohrer. PAX ist ein starker Individualsportler, er muss sich im Wertesystem GERT56 und dem noch aus der Endurance herrührenden Teamgedanken erst einfinden. Sich hinter gemeinsamen Zielen aufzustellen, erzeugt gemeinsames Handeln und dies bildet wiederum die Basis für den individuellen Erfolg. Wenn er das versteht und konsequent für sich nutzt, wird er mit uns erfolgreich sein.“

„Mit Toni Finsterbusch hat er einen Teamkollegen, der sich durch alle Klassen auf Top Niveau gekämpft hat, ein Ästhet unter den Superbikern ist und eine ‚Sau auf der Bremse‘. Er hat den Charakter, seine eignen Ziele konsequent zu verfolgen, aber die Klasse und Größe,  JO und PAX an das Superbike und die BMW M 1000 RR heranzuführen. Das Ziel, alle drei Piloten in einer Range zu haben, ist unser Anspruch. Lässt es doch zum Einen, einen guten Datenvergleich zu und zum Anderen erwachsen daraus natürlich auch taktische Möglichkeiten in der Renn- und Saisongestaltung.“

„Was haben wir? GERT56 ist ein starkes, breit aufgestelltes und von BMW Motorrad unterstütztes Kundensportteam und erster strategischer Backup für den Werkseinsatz von alpha racing. Dass wir seit 2010 loyal hinter der bayrischen Marke stehen, findet seine Wertschätzung und gerade die Kommunikation mit den Verantwortlichen von BMW Motorrad hat sich seit unserem IDM Einstieg massiv verbessert. Zudem pflegen wir ein brillantes Verhältnis zum Team von Werner Daemen, der uns noch nie einen Handschlag verwehrt hat. Hauptausstatter alpha racing hat ganze Arbeit geleistet und so stehen Ende Oktober alle drei Rolling Chassis inklusive Erstausstattung für die Saison in der Werkstatt in Pirna und warten auf fleißige Schrauberhände und spezifische Teile der MÜ der BMW M 1000 RR.“

„Doch sportlich sollten wir die Leinen locker halten, ganz im Sinne der Aktiven und vor allem im Interesse der Zuschauer und Fans. Die wollen packenden und fairen Rennsport, wenn es sein muss, auch unter Marken- und Teamkollegen sehen. Politik hat auf dem Asphaltband zwischen den zwei weißen Linien nichts zu suchen, sondern nur ‚volle Esse‘.“

„Wir hätten dann mal einen spannenden Team Mix anzubieten:
Mit Jan Ole Jähnig ein Talent, ohne Limits nach oben, mit Toni Finsterbusch Heavy Metal auf der Bremse und Ästhetik mit permanentem Podiumsanspruch und mit PAX die Fraktion ‚Weg da, ich muss hier durch‘. Wir hatten 2021 kein leichtes Lehrjahr, unser Gesellenjahr in der IDM 2022 brachte gute Noten, aber auch viele Fehlstunden. 2023 sollten man sich zumindest um die Meisterprüfung bewerben - Es stehen 7 Prüfungen an, wir werden gut vorbereitet sein.“

Patrick „Pax“ Hobelsberger

"Ich habe mich umorientieren wollen und fahre dieses Jahr in der Supersport-Weltmeisterschaft auch die letzten beiden Übersee-Rennen nicht. Das Team Kallio und ich haben uns freundschaftlich geeinigt, dass wir getrennte Wege gehen. Ich brauche etwas Neues. Ich habe mich dieses Jahr drei Mal gleich verletzt am Ellbogen. Es sind ein paar Sachen passiert, wo ich nichts dafür kann. Daher hatte ich aber auch etwas Abstand vom Sport gebraucht – aber in der gleichen Sekunde auch schon wieder angefangen, neu zu planen und mich neu zu orientieren. Das Superbike-Ding hat mich schon immer interessiert, auch als ich IDM-Meister war, da habe ich immer die Superbikes verfolgt. Auch in der WM habe ich die WorldSBK immer angesehen und auf der Service-Road geschaut, was die Jungs da machen. Ich fahre ja erst seit fünf Jahren Motorrad, habe mit dem Yamaha-Cup 2017 angefangen und war direkt Vize-Meister. Fünf Jahre war ich jetzt auf 600er unterwegs – manche sagen, das ist ja nichts, aber für mich ist das die ganze Karriere. Ich wollte auf jeden Fall eine Superbike-BMW fahren und daher war Karsten meine erste Anlaufstelle. Ich bin von dem Konzept überzeugt, was BMW macht, ich habe Tommy Wagner als BMW-Händler als Sponsor. In Most hatte ich dieses Jahr schon mal kurz mit Karsten gequatscht und er war jetzt auch der erste, den ich angerufen habe und das Telefonat hat fast zwei Stunden gedauert. Dann habe ich auch gleich den Ronny Schlieder noch kennen lernen dürfen. Die beiden Jungs und ich sind auf einer Wellenlänge: Wenn die was machen, machen sie das zu 110 Prozent und so ticke ich auch,  weil wenn du es nur zu 99 Prozent machst, ist das absolute Zeitverschwendung. Im Winter werde ich wenigstens 25, 30 Tage in Spanien testen sein mit dem Superbike. Ziele? Na die sind sehr hoch gesteckt, aber ich habe ja auch richtig Bock drauf. Ich bekomme von Karsten auch ein Trainings-Bike, ein paar Teile sind vorbereitet schon. Die Jungs sind extremst motiviert und ich freue mich, wenn es schon im Jannuar los geht. Ich darf auch meinen Mechaniker Christoph mitbringen, weil er absolut der beste Mechaniker ist und er ist immer mit mir unterwegs. Ich glaub wir werden eine ziemlich geile Truppe werden.“

Dienstag, 29. November 2022

IDM: Alle Termine für 2023 bestätigt

 

Foto: Jens Hawrda

Der Terminkalender für die Saison 2023 der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) steht fest. Noch vor dem Jahreswechsel kann nun mit den definitiven Vorbereitungen der einzelnen Events begonnen werden. Deutschlands höchste Motorradserie wird auch 2023 auf insgesamt sieben Rennstrecken fahren. Der Saisonauftakt findet im Mai auf dem Sachsenring statt. Die IDM kehrt nach zwei Jahren Pause auf den legendären MotoGP-Kurs in Sachsen zurück. Mit dem Red Bull Ring in Österreich und dem TT Circuit Assen in den Niederlanden sind noch zwei weitere internationale Locations bestätigt, auf denen auch regelmäßig die Motorrad-Weltmeisterschaft ausgetragen wird. Ihre IDM-Termine sind auf dem endgültigen Terminplan enger zusammengerückt als zuerst vorgesehen.  

Auch die Rennstrecken in Oschersleben und im tschechischen Most sind in der Saison 2023 wieder mit dabei, genau so das Schleizer Dreieck, das 2023 zudem auch noch seinen 100. Geburtstag feiert oder der Hockenheimring. In der Motorradmetropole in Thüringen wird der Höhepunkt das Jahres mit Tausenden Fans gebührend gefeiert und im badischen Motodrom findet der krönende Abschluss der Saison mit Titelvergabe statt. „Es geht international zu, wofür die Bezeichnung IDM ja grundsätzlich steht“, sagt Serienmanager Normann Broy, „das betrifft Teams, Fahrer und Strecken gleichermaßen. Dass wir gleich drei Grand-Prix-Strecken als Austragungsorte für uns gewinnen konnten, unterstreicht die ständig steigende Qualität der Meisterschaft, in der sowohl Nachwuchsfahrer als auch die europäische Elite aufeinander treffen.“
 
Termine 2023: 

12. – 14.5.2023             Sachsenring
02. – 04.6.2023             Oschersleben
23. – 25.6.2023             Most
21. – 23.7.2023             Schleiz
04. – 06.8.2023             Red Bull Ring
18. – 20.8.2023             Assen
22. – 24.9.2023             Hockenheim

Montag, 28. November 2022

Interview mit Deutscher GT-Meister Raffaele Marciello

 „Ich möchte meinen Titel im ADAC GT Masters verteidigen“

  •     Akku-Auftanken durch Rennradtouren mit Marco Mapelli
  •     Aussprache mit Jules Gounon
  •     Tattoo-Fan Marciello: „Mittlerweile sind es bereits rund 20 kleine Kunstwerke“ 

Raffaele Marciello: „Ich möchte meinen Titel im ADAC GT Masters verteidigen“
Foto: ADAC-Motorsport

Der Schweizer Raffaele Marciello krönte seine erfolgreiche Saison mit dem Titelgewinn in der Deutschen GT-Meisterschaft. Im Interview spricht der 27 Jahre alte Champion des Mann-Filter Team Landgraf über die ersten Tage nach dem entscheidenden Wochenende am Hockenheimring Baden-Württemberg. Der Mercedes-AMG-Werksfahrer verrät außerdem seine Leidenschaft abseits der Rennstrecke und gibt bereits einen Ausblick auf 2023.

Der Titelgewinn im ADAC GT Masters liegt nun schon einige Tage zurück. Wie fühlt es sich an, Deutscher GT-Meister zu sein?

Raffaele Marciello: Es war einfach großartig, die Meisterschaft im ADAC GT Masters zu gewinnen. Durch unseren Vorsprung mussten wir beim finalen Saisonwochenende am Hockenheimring Baden-Württemberg nicht mehr das letzte Risiko eingehen. Dadurch konnte ich den Moment etwas mehr genießen. Ich bin sehr stolz darauf, Deutscher GT-Meister zu sein. Nun freue ich mich schon wieder auf das nächste Jahr und die kommenden Aufgaben.

Wie kann man sich die ersten Tage nach dem Titelgewinn vorstellen?

Ich bin einige Rennen in Serie gefahren und das kostete doch etwas Kraft. Nach der Saison musste ich erstmal etwas relaxen und herunterkommen. Deshalb habe ich vorrangig meine Akkus wieder aufgeladen. Genossen habe ich auch die gemeinsamen Rennrad-Touren mit Marco Mapelli. Er ist einer meiner besten Freunde und wir verbringen viel Zeit zusammen. In Barcelona konnte ich vor einigen Tagen bei der „Night of the Stars“ zusammen mit den anderen Mercedes-AMG-Fahrern nochmal den Titelgewinn feiern. Außerdem haben Jules Gounon und ich die Gelegenheit genutzt, um die Geschichte aus Hockenheim aus dem Weg zu räumen. Wir haben darüber gesprochen und zwischen uns ist alles fein.

Wie sind Sie mit dem Druck am entscheidenden Samstag in Hockenheim umgegangen?

Druck mach mir nichts aus, ich bin in solchen Situationen ruhig. Es gibt an einem Rennwochenende ohnehin gewisse Abläufe, an die ich mich halte. Deshalb stellte auch das Finale eine Art Routine für mich dar. Durch die Pole-Position für den vorletzten Saisonlauf brachte ich mich in eine gute Ausgangslage und sicherte mir den Titel.

Es gab am Finalwochenende zwei Meisterfeiern: Samstagabend in der Team-Hospitality und Sonntagabend eine vom ADAC organisierte Feier im Fahrerlager. Welche Party ist intensiver ausgefallen?

Definitiv die Meisterfeier des ADAC. Durch das Rennen und die Party am Vortag war ich etwas erschöpfter. Wir haben noch bis Montagmorgen um 5 Uhr gefeiert.

Als Champion erhält man sicherlich viele Nachrichten: Welche war die schönste?

Ja, ich habe wirklich viele Nachrichten bekommen. Das ging aber schon das ganze Jahr über so. Auch nach dem Gewinn der 24h von Spa-Francorchamps und der GT World Challenge Europe stand das Handy nicht still. Ich bin übrigens der dritte Fahrer aus der Schweiz, der in den vergangenen drei Jahren das ADAC GT Masters gewann. Deshalb haben Ricardo Feller, der Meister 2021 wurde, der 2019er Champion Patric Niederhauser und ich uns auch darüber ausgetauscht. Nach Hockenheim habe ich aber einige Tage gebraucht, um alle Nachrichten zu beantworten.

Zu welchem Zeitpunkt bzw. an welchem Rennwochenende haben Sie realisiert, dass die Meisterschaft im Bereich des Möglichen liegt?

Ich wusste, dass der Mercedes-AMG GT3 Evo ein verdammt schnelles Auto ist. Nach dem Nürburgring-Wochenende lag ich in der Meisterschaft mit einem guten Vorsprung in Führung, von da an habe ich den Titel bewusst ins Auge gefasst. Der Schlüssel zum Erfolg war über die komplette Saison unsere Konstanz. Im ADAC GT Masters geht es darum, fleißig Punkte zu sammeln.

Zwar haben Sie die Meisterschaft als Fahrer allein gewonnen, hinter dem Erfolg steht aber mit dem Mann-Filter Team Landgraf eine starke Mannschaft. Wie funktionierte das Zusammenspiel?

Der Saisonstart war für mich nicht leicht, denn ich bin ein ziemlich geradliniger Typ und nicht immer happy mit der Fahrerkonstellation gewesen. Aber das Team um Klaus Landgraf hat mich voll unterstützt und alles dafür getan, dass ich zufrieden bin. Lorenzo Ferrari brachte viel Speed mit. Mit der Hilfe von Maro Engel und Daniel Juncadella konnte ich dann letztlich den Titel einfahren. Das Team und ich haben eine super Beziehung. Sie schreiben mir sogar Nachrichten auf deutsch, aber ich benutze dann immer den Übersetzer. Leider habe ich die Sprache nicht gelernt, obwohl mein Vater aus dem deutschsprachigen Teil der Schweiz kommt. Ich kenne nur die schlechten Wörter (lacht). Dafür spreche ich aber Englisch, Italienisch, Französisch und verstehe ein bisschen Spanisch.

Champion im ADAC GT Masters, Gewinner der 24h von Spa-Francorchamps und Meister in der GT World Challenge Europe in einer Saison: Woher nimmt ein erfolgreicher Rennfahrer all die Kraft und Motivation?

Ich möchte einen bleibenden Eindruck im Motorsport hinterlassen. Die Fans sollen sich noch lange an meine Titel und Erfolge erinnern und zurückblicken. Das motiviert mich. Außerdem unterscheide ich mich in meinen Auftritten sicherlich von vielen meiner Kollegen, denn ich bin ein sehr direkter Mensch. Ich versuche immer, der Beste zu sein.

Ihr Helm ist pink und blau gehalten, außerdem sind noch einige Fische abgebildet. Wofür steht das Design?

Das sind die Farben meines Sponsors BWT. Ich wollte aber nicht einen komplett pinken Helm tragen und sprach deshalb mit meinem Designer darüber. Durch die außergewöhnliche Gestaltung hatte ich die Absicht eine Nachricht zu transportieren und auf die Verschmutzung der Meere hinzuweisen. Deshalb ist auf meinem Helm beispielsweise ein Fisch in einer Plastikflasche und ein anderer in der Kette gefangen.

Abseits der Rennstrecke sitzen Sie gerne auf dem Rennrad. Was ist das Besondere am Rennradfahren und gibt es sogar Parallelen zum Motorsport?

Ich lebe in Lugano und kann auf dem Rennrad die schöne Umgebung nochmal komplett anders erkunden. Bormio, der berühmte Stelvio-Pass und die Dolomiten sind auch nicht weit entfernt. Rennradfahren ist ein sehr sozialer Sport, denn währenddessen ist es möglich, viele Gespräche zu führen. Das mache ich dann gemeinsam mit Marco Mapelli. Er ist definitiv der bessere Rennradfahrer und tritt kräftiger in die Pedale als ich. Auf dem Rad hole ich mir die Fitness für die Rennen. Was ich auf zwei Rädern gut trainiere, ist die mentale Fitness. Es geht darum Hürden und seinen inneren Schweinehund zu überwinden. Auf dem Rad versuche ich, genau wie im GT3-Auto, immer weiter zu pushen und mein Bestes zu geben. Ich habe sogar auch einen pink-blauen Fahrradhelm, er sieht genauso aus wie mein Motorsport-Helm.

Wie viele Kilometer spult der Deutsche GT-Meister denn pro Jahr auf dem Rennrad ab?

Rennradfahren ist seit drei Jahren ein Teil meines Lebens und ich fahre in einem guten Jahr rund 5.000 Kilometer. Zum Vergleich: Marco Mapelli sitzt etwa 12.000 Kilometer pro Jahr im Sattel. Hätte es mit seiner Karriere als Rennfahrer nicht geklappt, wäre er vermutlich Profi-Rennradfahrer. Gemeinsam nehmen wir auch schonmal das Rad mit an die Rennstrecke, wie beispielsweise zu den Rennen am Nürburgring.

Auf beiden Unterarmen prangt jeweils ein Flügel als Tattoo. Welche Bedeutung haben diese?

Seit etwa drei Jahren habe ich eine Schwäche für Tattoos, mittlerweile sind es bereits rund 20 kleine Kunstwerke geworden. Allerdings unterscheiden sich die beiden angesprochenen Motive: Auf dem rechten Arm habe ich den Flügel eines Teufels, die linke Seite hingegen symbolisiert Jesus, also die gute Seite.

Wie verbringen Sie die lange Winterpause?

Für mich gibt es keine wirkliche Auszeit. In den Wintermonaten fahre ich die Langstreckenrennen in Abu Dhabi und Dubai. Vor oder nach diesen Veranstaltungen nehme ich mir aber sicherlich eine kleine Verschnaufpause. Zu Beginn des kommenden Jahres stehen dann prestigeträchtige Events wie das 24-Stunden-Rennen von Daytona oder auch die 12h in Bathurst an. Im März beginnen bereits die Testfahrten für die Saison in Europa, ich bin also ständig unterwegs. Aber dafür lebe ich, ich liebe das Rennfahren.

Kurzer Ausblick auf das nächste Jahr: Werden Sie 2023 Ihren Titel in der Deutschen GT-Meisterschaft verteidigen?

Natürlich möchte ich den Titel im ADAC GT Masters verteidigen. Der Konkurrenzkampf ist sehr groß und ich würde gerne meine Leistung bestätigen. Ich habe die Saison 2022 sehr genossen.

Sonntag, 23. Oktober 2022

Ayhancan Güven feiert im letzten Qualifying erste Pole-Position

Letztes Qualifying, erste Pole. Ayhancan Güven (24/TR) vom Team Joos Sportwagentechnik hat sich am Sonntagmorgen beim Zeittraining zum 14. und finalen Saisonlauf im ADAC GT Masters auf dem Hockenheimring Baden-Württemberg ein besonderes Geschenk gemacht. Mit 1:37,899 Minuten knackte der 24-Jährige im Porsche 911 GT3 R mit der Startnummer 91 als einziger die 1:38,000-Minuten-Schallmauer und machte damit seine erste Pole-Position in der Deutschen GT-Meisterschaft klar. Mit den drei Zusatzpunkten für den Pirelli Pole Position Award ist Güven und seinem Fahrerkollegen Christian Engelhart (35/Starnberg) die Vizemeisterschaft kaum noch zu nehmen.

„Endlich meine erste Pole-Position im ADAC GT Masters. Ich war schon mehrmals nahe dran und diesmal haben wir alles zusammenbekommen und es hat geklappt. Wenn das Auto auch im Rennen so gut ist, können wir die Saison mit einem Sieg beenden und gehen mit einem guten Gefühl in die Winterpause“, erklärte Ayhancan Güven.

Der aktuelle Champion Ricardo Feller (22/CH) von Montaplast by Land-Motorsport belegte im Audi R8 LMS GT3 Evo II #29 mit einem Rückstand von 0,118 Sekunden Platz zwei. Damit haben er und sein Partner Jusuf Owega (20/Köln) eine gute Chance, die Saison so zu beenden, wie sie für das Audi-Duo begonnen hat – mit einem Sieg. Dritter wurde Jules Gounon (27/F) vom Drago Racing Team ZVO, der zusammen mit Fabian Schiller (25/Troisdorf) im Mercedes-AMG GT3 Evo #4 bisher drei Erfolge und damit die meisten ersten Plätze eingefahren hat. Marco Mapelli (35/I) und Maximilian Paul (22/Dresden) von Paul Motorsport gehen im Lamborghini Huracán GT3 Evo #71 von Rang vier aus in das finale Sonntagsrennen. Ihre Markenkollegen Jack Aitken (27/GB) und Albert Costa Balboa (32/E) von Emil Frey Racing haben sich den fünften Startplatz erkämpft.

Wie bereits am Samstag begann die Zeitenjagd beim Qualifying am Sonntagmorgen erst in den letzten Minuten. Zunächst markierten die Audi mit den aktuellen Meistern Christopher Mies (33/Düsseldorf) und Ricardo Feller Bestzeiten. Am Ende des Zeittrainings fuhr Ayhancan Güven seine schnellste Runde, mit der er sich an die Spitze setzte. Jules Gounon gelang am Schluss ebenfalls eine Zeit unter 1:38,000 Minuten, die jedoch wegen Verlassens der Strecke in Kurve eins gestrichen wurde.

Quelle: adac-motorsport.de