Samstag, 26. September 2026

Euro Moto Superbike: Große Party und ein Eintrag ins Goldene Buch

Held in Obing. Markus Reiterberger wurde nach dem
Gewinn des Weltmeistertitel auf der Langstrecke ausgiebig gefeiert.
Foto: Markus Reiterberger

Ein ganzes Dorf feiert Markus Reiterberger. In der Gemeinde Obing herrschte am Dienstag der Ausnahmezustand. 50 Jahre nach dem Erfolg von Seitenwagen-Legende Sepp Huber hat die bayrische Gemeinde erneut einen Weltmeister zu feiern: Markus Reiterberger. Vor knapp einer Woche holte der 32-Jährige mit dem BMW Motorrad World Endurance Team den Titel in der Langstrecken-Weltmeisterschaft.

Die Begeisterung auf dem Rathausplatz war gigantisch. Raketen stiegen in die Luft, das Bier ist geflossen, zur Live-Musik wurde abgebrockt. Als Reiterberger vom 24-Stunden-Rennen im französischen Le Castellet nach Hause kam, gab es für die Fans im 5000-Seelen-Ort kein Halten mehr. Für Ex-Rennfahrer Adi Stadler war es eine Ehrensache, den Champion persönlich durch den Ort zu chauffieren – stilvoll im Wehrmachtsgespann auf der Basis einer BMW R75, Baujahr 1942.

Eintrag ins Goldene Buch

Die Motorradfahrergemeinschaft Obing (MFG), sein Fanclub und hunderte Einwohner bereiteten dem 32-Jährigen einen Empfang, der einmal mehr zeigte, welchen Stellenwert der Motorradrennsport in seiner Heimat genießt. Vor allem: Bei der Feier durfte sich der frischgebackene Weltmeister auch im Goldenen Buch der Gemeinde verewigen.

Zum EURO MOTO-Finale nach Hockenheim ist der Fanclub von Reiti in einer Stärke von 30 Personen angereist. Die Logistik steht. Die Steiner Brauerei spendiert die Gertränke für den Ausflug, die Tankstelle in Obing den Sprit und die örtliche Bäckerei das Essen. Die Fans müssen gestärkt sein. Mit etwas Glück kann Reiterberger am Sonntag noch auf den dritten Platz in der Gesamwertung der EURO MOTO Superbike nach vorn rücken. Nach dem WM-Titel wäre das zwar nur noch die Zugabe – aber Obing hat ja offenbar eine gesunde Feierlaune.

Quelle: euromoto.racing / Anke Wieczorek


Euro Moto Superbike: Jan Mohr gibt Rücktritt bekannt

Jahn Mohr #5 bestreitet am Hockenheimring sein letztes Rennwohenende
Foto: Jens Hawrda

Jan Mohr bestreitet beim großen Hockenheim-Finale seine letzten beiden Superbike-Rennen in der EURO MOTO. Der Österreicher vom Team Masteroil Alpha Van Zon BMW hat seinen Rücktritt bekanntgegeben.

„Ich habe viele Jahre versucht, in diesem Sport nach vorne zu kommen und ich muss erkennen, dass ich das Vorhaben nicht umsetzen kann“, erklärt Mohr seine Entscheidung. „Ich habe ein tolles Team hinter mir, ein gutes Motorrad und zum Glück keine Verletzungen gehabt in der laufenden Saison. Trotzdem bin ich weit weg von den Resultaten, die ich mir als Ziel gesteckt habe.“

Neun Jahre ist Jan Mohr in der Superbike-Klasse gefahren. Entweder auf BMW oder Yamaha. Highlight ist bis heute sein zweiter Platz auf dem Lausitzring im Jahr 2022.

In derselben Saison erlebte er aber auch den wohl schwierigsten Moment seiner Karriere. Im Juli stürzte er auf dem Schleizer Dreieck bei rund 250 km/h schwer. Damals war sogar offen, ob der heute 28-Jährige überhaupt noch einmal Rennen fahren würde. Er kämpfte sich zurück. Sein Bruder Ken hielt diesen harten Weg zurück an die Rennstrecke sogar in einem emotionalen Dokumentarfilm fest.

In der laufenden Saison war Mohr der einzige Österreicher in der höchsten EURO MOTO-Klasse – mit Ergebnisse, die seinen Ansprüchen nicht genügten. „Der Level in der Klasse liegt extrem hoch und es besteht kaum eine Chance, weiter nach vorne zu kommen. Ich bin schneller geworden, aber es reicht nicht“, sagt Mohr. Sieben Top-Ten-Plätze in zwölf Rennen, aber keiner davon in Podiumsnähe, stellen ihn nicht zufrieden.

Nun stehen noch zwei Rennen aus. Und die will der Österreicher aus Hohenems genießen: „Jetzt freue ich mich darauf, in Hockenheim noch einmal gemeinsam zu feiern und alles zu geben, um ein möglichst gutes Ergebnis zu erreichen.“ Nach dem letzten Rennen möchte sich Mohr in der Sachs-Kurve von seinen Fans verabschieden.

Quelle: euromoto.racing / Anke Wieczorek


Euro Moto Superbike: 34,5 Punkte Vorsprung und trotzdem Vollgas

Lukas Tulovic, Ducati Panigale V4 R #1
Foto: Jens Hawrda

34,5 Punkte Vorsprung vor Marcel Schrötter und trotzdem Vollgas in Hockenheim: Lukas Tulovic denkt offenbar nicht einmal daran, es beim EURO MOTO-Superbike-Finale ruhiger angehen zu lassen. Im Superpole Pre-Practice setzte sich der Titelverteidiger an die Spitze. Die Hand ist fast schon an der Meisterkrone, doch der Ducati-Fahrer will nicht nur verwalten. Ganz vorn zu stehen, ist sein Anspruch.

Trotz allem war es eine enge Entscheidung. Jan-Ole Jähnig (GERT56) fehlten gerade einmal 0,052 Sekunden auf Tulovic (Triple M Racing Ducati Frankfurt). Markus Reiterberger (Masteroil Alpha Van Zon BMW) lag 0,123 Sekunden zurück. Insgesamt blieben elf Fahrer innerhalb einer Sekunde. Nur für die schnellsten sechs geht es ohne Umweg in die Superpole 2, die morgen auf dem Zettel steht.

Behutsame Wiedereingliederung

Reiti strahlte wie lange nicht. Mit dem Rückenwind des Weltmeistertitels aus der Langstrecken-WM führte er heute die Zeitenliste im zweiten freien Training an. Sein Reifentechniker hatte ihn nach der 24-Stunden-Tortur vor einer Woche in Le Castellet in langsamen Schritten wieder an den EURO-MOTO-Sprint gewöhnt: zunächst mit gebrauchten Slicks und erst später mit einem frischen Pirelli SC1, dem Allrounder mit seinem breiten Temperaturfenster.

Florian Alt (Holzhauer Racing Promotion), Marcel Schrötter (GERT56) und Toni Finsterbusch (GERT56) schafften ebenfalls den Direkteinzug in die Superpole 2. Theoretisch könnte auch Schrötter noch der neue EURO MOTO Superbike-Champion werden und Tulovic die Krone entreißen. Bei den Rennen auf dem Nürburgring kam er beide Mal vor Tulovic ins Ziel. Schrötter und das Team GERT56 hoffen, dass es jetzt zwei Siege werden – mit möglichst vielen Fahrern zwischen sich und Tulovic.

„Und dann werden wir sehen, was am Ende herauskommt“, sagt der 33-jährige BMW-Fahrer und fügt hinzu, „Was den Streckenverlauf angeht, wird es für mich wieder einmal spannend. Es ist schon sehr lange her, dass ich in Hockenheim ein Rennen gefahren bin. Zumindest konnte ich mich vor zwei Monaten als Coach bei einem Hafeneger-Renntraining wieder mit der Strecke vertraut machen. Es war definitiv keine schlechte Idee, ein paar Runden zu drehen, auch wenn ich weit vom echten Renntempo entfernt war.“

Martin Vugrinec (BCC Racing), Hannes Soomer (Masteroil Alpha Van Zon BMW), Kevin Orgis (ORM), Jan Mohr (Masteroil Alpha Van Zon BMW), Lorenzo Zanetti (Triple M Racing Ducati Frankfurt) Milan Merckelbagh (Masteroil Alpha Van Zon BMW), Marco Fetz (MF Racing Powered by Jung) und Bálint Kovács (Deussen Engines) müssen morgen in der Superpole 1 antreten. Für die drei Schnellsten geht es noch weiter in die Superpole 2 ein. Dort werden die endgültigen Startplätze für die ersten drei Reihen der beiden Sonntagsrennen vergeben.

Kovács muss bis dahin erst einmal seinen Trainingssturz verdauen. Der Gastfahrer aus Ungarn ging in der ersten Kurve der zweiten Runde zu Boden.Und vielleicht bekommt auch Leon Orgis morgen noch seine Chance. Der jüngere der beiden Orgis-Brüder stürzte im freien Training, blieb selbst unverletzt, musste wegen eines Kratzers am Helm allerdings im Medical Center vorstellig werden. Dort bekam er anschließend grünes Licht. Fraglich ist hingegen, ob die schwer verwundete BMW wieder gerettet werden kann.

Quelle: euromoto.racing / Anke Wieczorek


Freitag, 25. September 2026

Euro Moto Sportbike: Siebdrath bleibt auch 2027 bei Freudenberg

Nach einer erfolgreichen ersten Saison in der EURO MOTO machen Carsten Freudenberg und
Mika Siebdrath auch im nächsten Jahr wieder gemeinsame Sache.
Foto: Team Freudenberg

Noch vor dem Saisonfinale am Hockenheimring ist die Zukunft von Mika Siebdrath geklärt. Der junge Sachse wird auch 2027 für Freudenberg Paligo Racing in der EURO MOTO Sportbike an den Start gehen und weiterhin auf der Triumph Daytona 660 sitzen.

Siebdrath hat in seiner ersten Saison in der Sportbike Klasse schnell Fuß gefasst und sich im Spitzenfeld etabliert. Als bester Rookie und bester deutscher  Sportbike-Pilot der reist er zum Finale nach Hockenheim. Zu den Höhepunkten seiner bisherigen Saison zählt sein Podiumsplatz in Most.

Für Siebdrath selbst war die Verlängerung eine Entscheidung, die gut passt. Er blickt zufrieden auf sein erstes gemeinsames Jahr mit der Mannschaft zurück und fühlt sich im Team wohl. „Ich freue mich wirklich, dass es nächstes Jahr weitergeht. Ich bin mit dieser Saison sehr zufrieden, fühle mich im Team sehr wohl und die Zusammenarbeit passt einfach“, sagt Siebdrath.

Wunschkandidat für 2027

Auch Teamchef Carsten Freudenberg sieht in der Verlängerung den nächsten logischen Schritt. Vor allem die Entwicklung des jungen Sachsen habe ihn in dessen erster Sportbike Saison überzeugt.

„Mika hat uns in seiner ersten Sportbike Saison wirklich beeindruckt. Nicht nur durch seine Ergebnisse, sondern vor allem durch seine Entwicklung, seine Lernbereitschaft und die Art, wie er sich in unser Team eingebracht hat“, sagt Freudenberg. „Für uns war Mika deshalb ganz klar unser Wunschkandidat für 2027.“

Nach einem starken ersten gemeinsamen Jahr soll in der kommenden Saison nun der nächste Schritt folgen. Das Ziel für Siebdrath ist klar: 2027 möchte er regelmäßig um die Podiumsplätze kämpfen.

Quelle: euromoto.racing / Rowena Hinzmann


Euro Moto Sportbike: Neue Box für Rammerstorfer beim Saisonfinale

Eigentlich hatte Luis Rammerstorfer das Saisonfinale der EURO MOTO Sportbike am Hockenheimring schon fast abgehakt. Nach seinem Sturz am Nürburgring war seine Maschine ein Totalschaden. Bis zum Finale blieben gerade einmal drei Wochen und in dieser kurzen Zeit ließ sich das Motorrad zu Hause in Österreich nicht wieder aufbauen. Nun ergab sich kurzfristig eine andere Möglichkeit: Rammerstorfer fährt an diesem Wochenende für RT Motorsports rund um Teammanager Rob Vennegoor.

Eine schnelle und unkomplizierte Lösung, durch die der Österreicher seine Saison doch noch auf der Rennstrecke beenden kann. Mit einem Wechsel weg von Freudenberg RoRa Paligo Racing hat der Einsatz allerdings nichts zu tun. Ausschlaggebend ist einzig das nach dem Nürburgring fehlende einsatzfähige Motorrad. „Ich bin einfach froh, dass ich an diesem Wochenende doch noch fahren kann. Nach dem Nürburgring hatte ich schon damit gerechnet, dass das Saisonfinale ohne mich stattfinden würde. Umso dankbarer bin ich RT Motorsports, dass sie mir diese Möglichkeit geben. So kann ich die Saison doch noch auf der Strecke beenden“, sagt Rammerstorfer.

Rosenthaler muss beim Finale zuschauen

Dass bei RT Motorsports überhaupt ein Platz frei geworden ist, hat allerdings einen weniger schönen Grund. Jakob Rosenthaler kann beim Saisonfinale nicht antreten. Der aktuell Viertplatzierte der Meisterschaft hatte sich bei seinem Sturz am Nürburgring an der Hand verletzt. Die Verletzung ist noch nicht vollständig ausgeheilt und ein Start in Hockenheim kommt deshalb für ihn nicht infrage.

Damit wurde bei RT Motorsports ein Motorrad frei und Teammanager Rob Vennegoor zögerte nicht lange, Rammerstorfer unter die Arme zu greifen. „Wir hatten an diesem Wochenende die Möglichkeit, Luis zu helfen, weil Jakob leider nicht fahren kann. Wenn wir ihm damit ermöglichen können, beim Saisonfinale doch noch am Start zu stehen, machen wir das natürlich gerne“, erklärt Vennegoor.

So kommt Rammerstorfer nach dem Rückschlag am Nürburgring doch noch zu seinem Saisonabschluss. Zwar in einer anderen Box und auf einem anderen Motorrad als ursprünglich geplant, aber vor allem mit der Chance, die Saison noch sportlich und auf der Rennstrecke zu beenden. 

Quelle: euromoto.racing / Rowena Hinzmann