Freitag, 6. November 2020

Offener Schlagabtausch beim Finale in Hockenheim – DTM Trophy stellt Weichen für die zweite Saison

  • Dreikampf um den Vize-Titel – Heinemann der erste Champion der neuen DTM Trophy
  • Dreimaliger Tourenwagen-Weltmeister José Maria López erneut am Start
  • DTM Trophy 2021: Einschreibung läuft, Erfolgsgewichte, 150.000 Euro Preisgeld

Foto: dtm.com

Beherztes Gasgeben statt taktisches Kalkül – das Finale zur DTM Trophy wird zum offenen Schlagabtausch. In Hockenheim will am Wochenende (06.–08. November) jeder Rennfahrer noch einmal sein Können zeigen und sich für ein Cockpit im Jahr 2021 empfehlen. In einer überaus spannenden Saison mit packendem Motorsport hat die neue DTM Trophy für seriennahe GT-Sportwagen auf Anhieb Fahrer, Teams und Fans begeistert. Längst sind die Weichen für die zweite Saison 2021 gestellt, die Einschreibung der Teams läuft bereits.

Jan Kisiel, Ben Green oder Ben Tuck: Wer wird Zweiter hinter Champion Heinemann

Ein Dreikampf um den zweiten Rang in der Meisterschaftstabelle steht bei den Saisonrennen elf und zwölf – am Samstag und Sonntag start jeweils um 15:15 Uhr, live auf DTM Grid – im badischen Motodrom im Fokus. Der Pole Jan Kisiel aus dem Team Leipert Motorsport (Mercedes-AMG), nach vier dritten Plätzen zuletzt in Zolder erstmals Zweiter, hat mit 141 Punkten die besten Karten. Bei 56 noch zu vergebenden Punkten liegen die beiden britischen BMW-Piloten Ben Green (FK Performance Motorsport, 120) und Ben Tuck (Walkenhorst Motorsport, 105) noch absolut in Schlagdistanz. Aber es geht um mehr als nur den so genannten Vize-Titel, es geht um viel Preisgeld, um 50.000 Euro für den zweiten und 25.000 Euro für den dritten Platz in der Abschlusstabelle. So lange zumindest der dritte Rang und damit 25.000 Euro theoretisch noch in Reichweite sind, werden auch der ehemalige DTM-Pilot Peter Terting (GER, PROsport Racing, Porsche, 72) und Zolder-Zweifachsieger Lucas Mauron (SUI, Hella pagid – racing one, Audi, 69) als Tabellenvierter und -fünfter das Gaspedal beherzt bis zum Bodenblech durchtreten.

Frei von jeglicher Last kann in Hockenheim auch Tim Heinemann sich mit seinem Mercedes-AMG ins muntere Renngetümmel stürzen. Der 23-Jährige hat nach sechs Siegen in Folge und drei weiteren Podiumsplätzen den Titel schon seit Zolder in der Tasche. Heinemann geht damit als erster Champion in die Geschichte der DTM Trophy ein und kassiert dafür 75.000 Euro Preisgeld. Auch sein Team HP Racing International aus Weil der Stadt hat die Team-Wertung bereits vorzeitig für sich entschieden.

Erster Sieg für Toyota? Argentinier López greift an

Eine Rechnung offen mit der DTM Trophy hat José Maria López. Der Argentinier, dreimaliger Tourenwagen-Weltmeister und Toyota-Werksfahrer, war beim Lauf am Lausitzring am Start und setzte gleich im ersten Training mit der Bestzeit ein Ausrufezeichen. Die beiden Rennen verliefen allerdings unglücklich, es blieb nur ein enttäuschender achter Platz. Jedoch ist López in Hockenheim in einer Favoritenrolle, denn das Team Ring Racing hat den Toyota Supra deutlich verbessert. Zuletzt in Zolder eroberte der Belgier Nico Verdonck als Zweiter den ersten Podiumsplatz für die Mannschaft vom Nürburgring. Schon mit Blick auf 2021 setzte die Mannschaft von FK Performance Motorsport aus Bremen neben den BMW M4 für die Junioren Ben Green und Luke Wankmüller (GER) erstmals einen dritten BMW für Christian Konnerth (GER) ein.

DTM als Bühne mit Strahlkraft: Neues und Bewährtes in der DTM Trophy 2021

Die Einführung der DTM Trophy auf der vielbeachteten Bühne der DTM gilt schon vor dem Finale als Erfolg. So verzeichnet die Rennserie, die sich vor allem an ambitionierte Nachwuchsfahrer richtet, im Premierenjahr 26 Teilnehmer aus elf Nationen mit GT-Sportwagen von sechs Herstellern. Die Ausgeglichenheit der verschiedenen Fahrzeuge belegen vier Marken auf den ersten sechs Plätzen der Punktetabelle. Die Basis dieser hohen Chancengleichheit gründet auf der eigenständigen und umfassenden Fahrzeug-Einstufung (Balance of Performance) durch die DTM-Dachorganisation ITR. Dass ein Fahrer ein Fahrzeug pilotiert und es in den Rennen keinen Fahrerwechsel und keinen Reifenwechsel gibt, sorgt für reichlich Action auf der Strecke und grenzt die DTM Trophy von anderen GT-Rennserien ab.

Auf diese bewährten Elemente baut auch die DTM Trophy 2021. Unverändert werden die beiden Rennen je Rennwochenende am Samstag und Sonntag mit fliegendem Start über 30 Minuten plus eine Runde jeweils am Samstag und Sonntag ausgetragen. Beide Qualifyings und beide Rennen sind auch künftig via YouTube, ran.de und über der Streaming-Plattform DTM Grid weltweit zu sehen. Neu in der mit 150.000 Euro dotierten DTM Trophy 2021 sind fahrerbezogene Erfolgsgewichte. Die drei Erstplatzierten jeden Rennens müssen 25, 18 bzw. 15 Kilogramm zuladen, jedoch nur für das folgende Rennen. Die Einschreibung für die DTM Trophy 2021 läuft bereits. Bis zum 11. Dezember gilt ein attraktiver "Early Bird"-Tarif, die reguläre Einschreibefrist endet am 28. Februar.


Donnerstag, 5. November 2020

Drei Fragen an ... Nico Müller

Nico Müller
Foto: Jens Hawrda

Nach einem sehr starken Saisonverlauf hattest Du es vor allem in Zolder schwer. Dennoch zeigte die Formkurve zuletzt mit Platz zwei wieder nach oben. Wie planst Du, diesen Trend für Hockenheim fortzuschreiben?


Nico Müller: „In den ersten zwei Dritteln der Saison war die Performance sehr gut. Wir waren an allen Wochenenden sehr stark und haben Rennen gewonnen. Am Nürburgring wurde unser Lauf dann etwas gebrochen, zunächst mit dem technischen Problem am ersten Wochenende und danach, als ich umgedreht wurde. In Zolder fehlte uns erstmals Performance im Qualifying. Wenn man weiter hinten startet, kann schneller etwas schiefgehen. Auch wenn die Performance gut genug war, um noch aufs Podium zu fahren, gab es den einen oder anderen Rückschlag. René Rast hat das perfekt ausgenutzt und viele Punkte gesammelt. Wir haben aber gezeigt, dass wir uns, auch wenn es schwierig ist, gut aus der Affäre ziehen können. Das Sonntagsrennen am zweiten Zolder-Wochenende ist dafür ein sehr gutes Beispiel: Wir waren zwar nicht in der Lage, zu gewinnen, aber wir haben das Maximale herausgeholt. Für Hockenheim bin ich sehr zuversichtlich. Das ist eine Strecke, die wir gut kennen. Ich fühle mich dort pudelwohl, und ich glaube, dass wir bestens gerüstet sind. Im Vorjahr habe ich das Finale gewonnen, ich habe meine erste DTM-Pole-Position dort geholt. Ich weiß, dass wir es können. Wir werden uns auf unsere Stärken fokussieren und als Team alles dafür geben, dass wir den Rückstand aufholen können. Wir werden voll angreifen und können hoffentlich den Kampf noch zu unseren Gunsten entscheiden.”

Auch im Vorjahr hattest Du auch noch lange Chancen im Titelkampf. Wie wirst Du jetzt an das Finale herangehen?

Nico Müller: „Da fiel die Entscheidung am Nürburgring, wo wir ein suboptimales Wochenende hatten. Damals fuhr ich als Zweitplatzierter der Meisterschaft nach Hockenheim und konnte mir da noch den Vizetitel sichern. Dafür ist die Ausgangslage in diesem Jahr deutlich besser. Wir haben mehr als nur intakte Chancen. Der Rückstand ist zwar groß, aber man hat schon sehr oft gesehen, dass solche Lücken noch zugefahren wurden und der Verfolger am Ende doch der glückliche Sieger war. Wir sind jetzt die Verfolger und werden alles dafür geben, diese 19 Punkte aufzuholen.“

Wie 2019 ist René Rast Dein härtester Gegner im Titelkampf. Was sind aus Deiner Sicht seine Stärken und Schwächen?

Nico Müller: „Zu Renés Stärken gehört sicherlich, und besonders in diesem Jahr, dass er in der Lage ist, in Situationen, in denen er nicht um den Sieg fährt, trotzdem das Maximale herauszuholen. Gerade in der Saison, in der wir drei Titelaspiranten über weite Strecken dominiert haben, war es ihm dadurch immer noch möglich, aufs Podium zu fahren, viele Punkte zu holen und so weiterhin im Titelkampf mitzumischen. Und wenn es für ihn lief, hat er es auch geschafft, das Potenzial zu maximieren. Seine Schwäche war speziell in dieser Saison wohl das Reifenmanagement. Da waren wir klar einen Schritt besser.”

Titelkandidat Nico Müller – analytischer Herausforderer

  • Die Antagonisten im Titelkampf – René Rast und Nico Müller im Porträt
  • Showdown in Hockenheim: Duell um den 2020er-DTM-Titel entscheidet sich auf der Zielgeraden der Saison
  • Titel, Thesen, Temperamente: Krimi um die große Trophäe wird zur Frage nach Format, Charakter und Mentalität


Nico Müller
Foto: dtm.com

Scharfer Verstand, eloquentes Auftreten, ein in sich ruhender Racer: Nico Müller ist nicht nur ein Vorzeige-Athlet, er ist auch PR-Managers Liebling. Doch hin und wieder zeigt der Schweizer seine Ecken und Kanten. Bei Funk-Tiraden in Richtung Markenkollegen. Oder bei wohlmeinenden Respektsbekundungen mit ausgestrecktem Mittelfinger. Wer Müller nur nach seinem smarten Äußeren beurteilt, springt zu kurz. Ein Porträt eines modernen Motorsportlers.

Laut? Nur in Ausnahmefällen

Müller wirkt eher als ruhiger Zeitgenosse. Er ist keiner, der gern laute Sprüche von sich gibt. Aber er kann auch anders, wie sein Ausraster am Boxenfunk im Sonntagsrennen am zweiten Zolder-Wochenende zeigte. Als ihm Audi-Markenkollege Jamie Green das Leben auf der Strecke schwer machte, äußerte Müller über Funk unmissverständlich seinen Unmut über das Fahrverhalten des Briten. „Das passiert bei Nico nicht oft, aber wenn ihm etwas nicht passt, dann sagt er es auch“, weiß Thomas Biermaier, Chef des Audi Sport Team Abt Sportsline, für das Müller seit 2016 in der DTM an den Start geht.

Besonders seit seinem Wechsel von der Rosberg-Mannschaft ins Abt-Team zeigt Müllers Formkurve in der Serie nach oben. Biermaier: „Nico braucht ein ruhiges, gefestigtes Umfeld, damit er sich wohl fühlt und seine beste Leistung abrufen kann. Das findet er seit Jahren bei uns.“ Bereits beim ersten Auftritt für das Allgäuer Team feierte Müller seinen ersten Podiumsplatz in der DTM, kurz darauf folgte der erste Sieg. Im vergangenen Jahr mischte er bis zum vorletzten Rennwochenende um den Titel mit, in dieser Saison gehörte er zu den drei Fahrern, die das Geschehen in der DTM dominierten.

Analyse: auch aus Fehlern lernen

Dennoch läuft es auch bei Müller nicht immer wie das sprichwörtliche Schweizer Uhrwerk: Im Juli 2019 kam es im Sonntagsrennen auf dem Norisring in der ersten Runde zur unglücklichen Kollision mit Markenkollegen René Rast. „Das war dämlich von mir“, gab Müller ehrlich zu. Auch am Nürburgring hatte er 2019 ein harziges Wochenende, das ihn um die noch verbliebenen Titelchancen brachte: Frühstart am Samstag, verpatztes Qualifying am Sonntag. „Aber auch dann setzt er sich hin, analysiert, und versucht, daraus zu lernen“, weiß sein Teamchef.

Überhaupt, die Analyse. Eine Disziplin, die Müller gut beherrscht, wie Abt-Teamkollege Robin Frijns aus eigener Beobachtung bestätigt: „Er verbringt sehr viel Zeit vor dem Computer, während ich mir diese Kurven und Grafiken nie länger als eine Stunde ansehen kann.“ Frijns und Müller verbindet mittlerweile eine Freundschaft, im vergangenen Jahr fuhren sie sogar zusammen in den Sommerurlaub. Sie kennen sich bereits aus gemeinsamen Tagen im Formelsport: „Dort haben wir aber nie wirklich miteinander gesprochen. Das änderte sich, als wir bei Audi im GT-Sport erstmals gemeinsam unterwegs waren“, sagt Frijns. „Er hat einen recht trockenen Humor, was er vielleicht ein bisschen von mir gelernt hat. Es braucht eine Weile, aber wenn man ihn kennt, kann man wirklich Spaß mit ihm haben!“

Der Kampf um die DTM-Krone: zwischen Frustration und Hauptgewinn

Frijns beschreibt Müller als „sehr korrekt, immer pünktlich. Das ist wohl eine typische Schweizer Eigenschaft. Er bleibt auch fast immer gelassen, flippt nahezu nie aus, auch wenn er dazu einen Anlass hätte. Da ist er anders als ich. Die Situation mit dem Funk in Zolder war da wohl eher eine Ausnahme, das war eher untypisch.“ Da spielte vielleicht auch eine gewisse Frustration mit, denn die beiden Rennwochenenden in Zolder waren für Müller schwierig. „Es läuft alles gegen uns“, sagte er ins Mikrofon von TV-Sender SAT.1.

Dennoch: Platz zwei im Sonntagsrennen des zweiten Zolder-Wochenendes war ein versöhnlicher Abschluss und so reist Müller mit intakten Titelchancen zum Saisonfinale nach Hockenheim. Egal, wie der Kampf um die DTM-Krone ausgeht: Einen Hauptgewinn hatte er bereits. Im August, pünktlich nach dem zweiten Lausitzring-DTM-Wochenende, wurden Müller und seine langjährige Partnerin Victoria zu stolzen Eltern eines Sohnes namens Fynn. „Ein unbeschreibliches Glück“, sagte Müller nach der Geburt. Manche behaupten, ein Kind mache einen Rennfahrer langsamer. Bei Müller ist davon keine Rede, wie seine Leistung auf der Strecke zeigt.

Nach der bislang stärksten DTM-Saison seiner Karriere geht Nico Müller mit guten Titelchancen ins Finale auf dem Hockenheimring. Sollte es ihm gelingen, den Titel einzufahren, wäre er der erste Schweizer Gesamtsieger der populären Rennserie. Mit aktuell neun Siegen ist der Audi-Werksfahrer ohnehin schon fast der erfolgreichste Eidgenosse. Nur Edoardo Mortara hat einen Sieg mehr auf seinem Konto. Gewinnt Müller einmal in Hockenheim, würde er mit dem Italo-Franco-Schweizer gleichziehen.


Mittwoch, 4. November 2020

Oschersleben: Spannender Fünfkampf um Titel in ADAC GT4 Germany

  •  Fahrer von fünf Marken können noch Meister der ADAC GT4 Germany werden
  •  Julien Apothéloz und ADAC Stiftung Sport-Förderpilot Luca Trefz Tabellenführer
  •  Titelentscheidungen in allen vier Wertungen fallen in Oschersleben

Foto: Jens Hawrda


In der ADAC GT4 Germany steht am kommenden Wochenende (6. bis 8. November) in der Motorsport Arena Oschersleben das Finale der Saison 2020 an. Dabei wird es einen packenden Fünfkampf zwischen Piloten der fünf Marken Mercedes-AMG, BMW, Porsche, KTM und McLaren um den Titel in der Fahrermeisterschaft geben. Als Tabellenführer reisen die Mercedes-AMG-Fahrer Julien Apothéloz (19/CHE) und Luca Trefz (18/Wüstenrot, beide Mann-Filter Team HTP-Winward) in die Magdeburger Börde. Auch in der Team-, Junior- und Trophy-Wertung steht die Meisterschaftsentscheidung noch aus. Die Rennen finden gemäß den geltenden Auflagen ohne die Beteiligung von Zuschauern statt und werden nach einem vom ADAC GT Masters entwickelten und behördlich genehmigten Hygiene- und Infektionsschutzkonzept ausgetragen. Sie werden von SPORT1 und SPORT1+ live im Fernsehen übertragen und sind wie üblich auch auf SPORT1.de, adac.de/motorsport und youtube.com/adac im Livestream zu sehen.
 
Die beiden Junioren Julien Apothéloz und Luca Trefz haben in Oschersleben die beste Ausgangslage. Im Mercedes-AMG GT4 führen sie die Tabelle mit 15 Punkten Vorsprung an, 50 Punkte werden in Oschersleben noch für die Sieger in den beiden Rennen vergeben. "Vor der Saison war mein Ziel die Top Drei. Da wir jetzt aber vorne liegen, wollen wir natürlich auch den Titel holen. Ich reise mit guten Erwartungen nach Oschersleben. Die Strecke sollte unserem Fahrzeug ganz gut passen, bereits letztes Jahr war ich dort stark unterwegs", erklärt ADAC Stiftung Sport-Förderpilot Trefz. "Ich fühle aber keinen Druck. Ich will einsteigen, fahren und mir einfach nicht zu viele Gedanken machen. Denn so etwas geht immer schief. Obwohl Julien und ich noch sehr junge Fahrer sind, bin ich mir sicher, dass wir in Oschersleben unser Ding machen werden. Die Konkurrenz ist zwar hochkarätig, doch wir bleiben entspannt."
 
Ebenfalls auf den Titel abgesehen haben es Michael Schrey (37/Wallenhorst) und Gabriele Piana (34/ITA, beide Hofor Racing by Bonk Motorsport) im BMW M4 GT4. "Ehrlich gesagt bin ich überrascht, dass wir noch immer im Titelrennen mit dabei sind. Ich verstehe nicht warum, aber 2020 ist einfach nicht das Jahr des BMW", erläutert Piana. "Dass wir auf Platz zwei liegen, sagt somit viel über unsere Leistung als Piloten aus. Wir müssen in Oschersleben unsere Stärken ausspielen. Das sind Erfahrung und Konstanz. Ich rechne nicht mit Laufsiegen und sehe Porsche, Mercedes-AMG und KTM dort stark. Wir haben nichts zu verlieren und werden unser Bestes geben." Piana hat im Titelkampf der ADAC GT4 Germany bereits Erfahrung. 2019 sicherte er sich die Vize-Meisterschaft.
 
23 Punkte zurück liegt das Porsche 718 Cayman GT4-Duo Jan Kasperlik (41/Huglfing) und Nicolaj Møller Madsen (27/DNK, beide Team Allied-Racing). "Wir wissen, dass wir in Oschersleben schnell sind. Wir haben im Frühjahr dort bereits drei Tage getestet. Dem Porsche sollte die Strecke liegen. Unsere einzige Chance, den Titel einfahren zu können, ist, wenn wir beide Rennen gewinnen. Insofern ist die Marschrichtung klar", so Møller Madsen. "Es darf auch nicht vergessen werden, dass mein Teamkollege Jan ein Bronze-Pilot ist und wir gegen reine Silberpaarungen antreten. Das zeigt sein Potenzial. Wir werden alles geben, um den Titel zu holen, wollen aber mindestens auf Tabellenplatz zwei abschließen. Ich mag Julien und Luca wirklich sehr. Sie hätten die Meisterschaft absolut verdient - gerade wenn man bedenkt wie jung sie noch sind."
 
Bei den beiden Rennen in Oschersleben werden insgesamt noch 50 Punkte verteilt. Somit haben auch Florian Janits (22/AUT) und Reinhard Kofler (35/AUT, beide True Racing), die im KTM X-Bow GT4 Evo 39 Punkte zurückliegen sowie Fred Martin-Dye (31/GBR) und Phil Dörr (19/Butzbach, beide Dörr Motorsport), denen im McLaren 570S GT4 47 Punkte auf die Spitze fehlen, noch theoretische Meisterschaftschancen.
 
Einen wahren Titelthriller verspricht der Blick auf die Junior-Wertung. Hier liegen die Top-Drei Jan Marschalkowski (17/Inning, Team Zakspeed) im Mercedes-AMG GT4, Porsche-Pilot Alexander Tauscher (18/Mitterfels, Küs Team75 Bernhard) und Apothéloz/Trefz innerhalb von 17 Punkten.
 
In der Trophy-Wertung liegen Tom Kieffer (45/LUX) und Christian Kosch (43/LUX, beide Team Allied-Racing) im Porsche mit 364 Punkten vorne, gefolgt von Stephan Grotstollen (52/Langenhagen) und Georg Braun (49/Pfullingen, beide Team Lillestoff) im BMW mit 348 Zählern sowie Tano Neumann (45/BUL) und Joachim Bölting (53/Gelsenkirchen, beide DLV-Team Schütz Motorsport) in einem weiteren Porsche mit 324 Punkten. In der Trophy-Wertung werden für die beiden Klassensiege noch maximal 100 Punkte vergeben, was den Spannungsbogen bis in die letzte Runde des Sonntagsrennens ziehen kann. Aufgrund einer angekündigten Berufung in Bezug auf das Samstagsrennen auf dem DEKRA Lausitzring ist die Punktverteilung in allen Wertungen der ADAC GT4 Germany aktuell noch vorläufig.
 
Beim Finale tritt nach einer Pause auch das Team AVIA Sorg Rennsport wieder an. Den BMW M4 GT4 pilotieren der junge Russe Ivan Berets sowie Heiko Eichenberg (46/Fritzlar), der bereits 2019 auf dem Nürburgring einen Gaststart in der ADAC GT4 Germany absolvierte.

WTCR-Star Monteiro mit Gaststart im Honda beim Saisonfinale

  • Der Portugiese fährt im Team Honda ADAC Sachsen neben den Fugel-Brüdern
  • Monteiro: "Ich freue mich riesig auf die Herausforderung in der ADAC TCR Germany"
  • Monteiro und Dominik Fugel kennen sich: Klassensieg beim 24h-Rennen auf dem Nürburgring


Dominik Fugel, Team Honda ADAC Sachsen
Foto: ADAC-Motorsport


Highlight beim Saisonfinale der ADAC TCR Germany: WTCR-Star Tiago Monteiro wird am Wochenende (6. bis 8. November) für das Team Honda ADAC Sachsen in einem Honda Civic TCR einen Gaststart geben. Der 44-jährige Portugiese, der früher unter anderem in der Formel 1 am Start war, wird in Oschersleben an der Seite der Brüder Marcel (20, Chemnitz) und Dominik Fugel (23, Chemnitz) starten. "Ich freue mich wahnsinnig auf die Herausforderung in der ADAC TCR Germany und fiebere den Rennen bereits entgegen", sagt Monteiro.

Der Chemnitzer und der Portugiese kennen sich bestens: An der Seite von Dominik Fugel, Esteban Guerrieri und Markus Oestreich hatte Monteiro im September beim ADAC TOTAL 24h Rennen auf dem Nürburgring den Sieg in der TCR-Klasse geholt und damit den Triumph aus dem Vorjahr wiederholt. Nun bietet sich für Monteiro endlich die Gelegenheit, auch in der deutschen TCR ins Lenkrad zu greifen. Sein enger Terminkalender bietet passenderweise beim Finale der ADAC TCR Germany einen freien Platz: Am Wochenende davor und danach ist Monteiro jeweils in der FIA WTCR im MotorLand Aragón gefordert.

"Wir hatten die Idee schon beim 24h Rennen am Nürburgring und Tiago war davon sofort begeistert und hat ohne zu zögern zugesagt, da er weiß, wie spannend die Rennen hier sind", sagte Klaus Kniedel, Teamleiter und verantwortlich für den Bereich Motorsport bei Honda in Deutschland.

Monteiro fuhr in den Jahren 2005 und 2006 in der Formel 1. Seine beste Platzierung in der Königsklasse war ein dritter Rang beim Großen Preis der USA 2005, den Rekordweltmeister Michael Schumacher für sich entschied. Zudem nahm Monteiro mehrfach am 24-Stunden-Rennen von Le Mans teil, seit 2013 ist er für Honda aktiv. In diesem Jahr ist ein zweiter Platz beim WTCR-Rennwochenende auf dem Hungaroring das bis dato beste Ergebnis des 44-Jährigen.

"In einem Team mit Dominik und Marcel Fugel in der ADAC TCR Germany zu starten, ist eine tolle Sache. Ich bin mir sicher, dass es ein sehr spannendes Wochenende wird", sagte Monteiro "Ich verfolge die Serie schon seit langer Zeit, die beiden Fugel-Brüder haben mir viel erzählt, und ich kann es kaum erwarten, in Oschersleben nun zu starten. Und natürlich drücke ich Dominik die Daumen, dass er sich den Titel sichern kann."

In der Meisterschaft liegt Dominik Fugel derzeit auf Platz drei mit 18 Punkten Rückstand auf Tabellenführer Harald Proczyk (44, Österreich, HP Racing International) im Hyundai i30 N TCR. Zweiter ist Proczyks Markenkollege Antti Buri (31, Finnland, Hyundai Team Engstler), der neun Punkte weniger auf dem Konto hat als der Österreicher. Alle drei haben noch große Titelchancen: Im Idealfall sind an einem Wochenende mit zwei Siegen und der Pole Position 53 Punkte zu holen.

Monteiro ist der nächste namhafte Fahrer, der einen Gaststart in der ADAC TCR Germany absolviert. Zuvor waren unter anderem der frühere Formel-1-Pilot Gabriele Tarquini, Rallye-Superstar Thierry Neuville und der aktuelle WTCR-Champion Norbert Michelisz als Gäste dabei.