Mittwoch, 23. September 2020

Zweiter Sieg für Porsche-Duo Engelhart/Ammermüller

  •  Piloten von SSR Performance übernehmen auch Tabellenführung
  •  Tim Zimmermann gewinnt in der Pirelli-Junior-Wertung
  •  Elia Erhart siegt in der Pirelli-Trophy-Wertung

Jubel bei den Siegern Ch.Engelhart (l.) und M.Ammermüller
Foto: ADAC-Motorsport




Starker Auftritt: Christian Engelhart (33/Starnberg) und Michael Ammermüller (34/Rotthalmünster, beide SSR Performance) sicherten sich im Samstagsrennen des ADAC GT Masters in Hockenheim nicht nur den Sieg, sondern übernahmen auch die Tabellenführung. Als Zweite kamen die Vorjahreschampions Patric Niederhauser (28/CH) und Kelvin van der Linde (24/ZA, beide Rutronik Racing) im besten Audi R8 LMS ins Ziel, Rang drei holten sich die Lamborghini-Fahrer Tim Zimmermann (24/Langenargen) und Steijn Schothorst (25/NL, beide GRT Grasser Racing Team). "Wir hatten heute erneut ein super Auto", freute sich Sieger Michael Ammermüller. "Das Team hat wieder toll gearbeitet. Christian hat mit seinem Überholmanöver im Kampf um die Führung den Grundstein für unseren Erfolg gelegt."
    
 
Engelhart übernimmt Führung
 
Christian Engelhart und Michael Ammermüller drückten dem Rennen schon früh ihren Stempel auf. Zwar blieb Engelhart in den Anfangsrunden noch hinter Pole-Setter Dennis Marschall (24/Eggenstein, Rutronik Racing) im Audi. Doch als das Rennen in Runde acht nach einer Unterbrechung zur Bergung einer gelösten Werbetafel wieder freigegeben wurde, schlug die Stunde des Porsche-Piloten. Engelhart nutzte den Windschatten und zog vor der Spitzkehre an Lokalmatador Marschall vorbei. Nach den Fahrerwechseln behauptete Partner Ammermüller weiterhin die Führung. Der kontrollierte das Geschehen und fuhr zwischenzeitlich ein Zeitpolster von fast fünf Sekunden heraus. Schließlich sah er mit 1,8 Sekunden Vorsprung als Erster die Zielflagge. Dank ihres zweiten Saisonsiegs übernahmen Engelhart und Ammermüller erstmals in dieser Saison die Führung in der Gesamtwertung.
 
Platz zwei ging schließlich an die Titelverteidiger Patric Niederhauser und Kelvin van der Linde. Niederhauser hatte als Vierter das Auto an seinen Partner übergeben, der gleich zu Beginn seines Stints mehre Plätze nach vorn fuhr. Noch mehr Positionen auf dem Weg zum Podium machten die Drittplatzierten Tim Zimmermann und Steijn Schothorst gut. Als Neunte gestartet, zeigte vor allem Schothorst in der zweiten Rennhälfte eine starke Aufholjagd. Die Belohnung: das erste Podium im ADAC GT Masters. Zimmermann holte damit auch den Sieg in der Pirelli-Junior-Wertung.
 
Auch im Kampf um die weiteren Positionen gab es zahlreiche Überholmanöver. Klaus Bachler (29/A) und Simona De Silvestro (32/CH, beide Küs Team75 Bernhard) sicherten sich mit ihrem Porsche den vierten Rang vor Franck Perera (36/F) und Albert Costa Balboa (30/E, beide GRT Grasser Racing Team) in einem weiteren Lamborghini.
 
Als beste Mercedes-AMG-Fahrer kamen Philip Ellis (27/GB) und Raffaele Marciello (25/I, beide Knaus-Team HTP-Winward) auf Rang sechs. Siebte wurden Robert Renauer (35/Vierkirchen) und Sven Müller (28/Bingen am Rhein, beide Precote Herberth Motorsport), die anfangs mit ihrem Porsche lange auf dem dritten Rang lagen.
 
Position acht fuhren die Audi-Fahrer Max Hofer (21/A) und Christopher Haase (32/Kulmbach, beide Montaplast by Land Motorsport) ein, Neunte wurden Indy Dontje (27/NL) und Maximilian Götz (34/Uffenheim, beide Mann-Filter-Team HTP-Winward). Pole-Setter Dennis Marschall (24/Eggenstein) und Carrie Schreiner (22/Völklingen, beide Rutronik Racing) mussten sich am Ende mit dem zehnten Rang begnügen.
 
Die bisherigen Tabellenführer Maro Engel (35/Monte Carlo) und Luca Stolz (25/Brachbach, beide Toksport WRT) blieben als 18. in ihrem Mercedes-AMG ohne Punkte. Elia Erhart (32/Röttenbach, EFP Car Collection by Tece), der sich einen Audi mit Pierre Kaffer (43/Schlieren) teilt, gewann zum ersten Mal die Pirelli-Trophy-Wertung für nicht professionelle Piloten.
 
 
Stimmen der Sieger:
 
Michael Ammermüller (SSR Performance, Porsche 911 GT3 R):
"Für uns rennentscheidend war Christians Überholmanöver gegen den bis dahin Führenden, meine Aufgabe war es dann, unseren Vorsprung zu verwalten und keine Fehler zu machen. Bis zum Rennende war ich am Limit unterwegs, jedoch ohne das Auto zu sehr zu strapazieren."
 
Christian Engelhart (SSR Performance, Porsche 911 GT3 R):
"Nach einem schwierigen Start ins Rennen war es wichtig, zunächst keine Fehler zu machen. Leider kam die Rennunterbrechung zu einem Zeitpunkt, an dem wir gerade erst in den Rhythmus gekommen waren. Mit dem Re-Start konnte ich an Dennis [Marschall] dranbleiben und direkt seinen Windschatten nutzen. Das Überholmanöver war ein wichtiger Schritt, um anschließend einen kleinen, aber ausreichenden Puffer herauszufahren. Der Verkehr auf der Strecke hatte uns dann den Zeitpunkt unseres Boxenstopps mehr oder weniger diktiert, letztendlich haben wir aber kaum Zeit verloren und konnten den Sieg nach Hause fahren."

IDM-Finale in Hockenheim mit Zuschauern und Livestream

Foto: Jens Hawrda

Mit seinem Auftritt als Wildcard-Pilot in der Superbike-WM hat Jonas Folger am vergangenen Wochenende in Barcelona mächtig Eindruck gemacht. Erst wenige Minuten vor dem ersten Lauf  konnten die Mechaniker die Yamaha startklar machen. Die Ausbeute des Spanien-Trips: Nach den insgesamt zwei Rennen hat sich Folger nicht nur seine ersten neun WM-Punkte in der Klasse, sondern auch allgemeine Anerkennung in der Superbike-Weltmeisterschaft erkämpft.

Mit dem Schwung des letzten Wochenendes reist der ehemalige Grand-Prix-Pilot zum Finale der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) nach Hockenheim. Vom 25. bis 27. September herrscht im badischen Motodrom Hochstimmung, denn in allen IDM-Soloklassen fallen die Titelentscheidungen.

Gute Nachricht für die Fans: Erstmals in diesem Jahr sind bei der IDM Zuschauer zugelassen. Die Karten werden nur vorab und online verkauft. Alle Details, unter anderem auch die Information zu den Eintrittspreisen, online unter: www.hockenheimring.de. Wer kein Ticket ergattert, kann trotzdem dabei sein. Die Rennen werden per Livestream unter www.idm.de/live übertragen.

Läuft alles nach Plan, feiert Jonas Folger in Hockenheim seinen ersten Titel in der IDM Superbike 1000. Er hatte zum Jahresbeginn die deutsche Topklasse auserkoren, um von dort aus den Sprung für ein WM-Comeback zu wagen. Seine Zukunft heißt aber nicht mehr MotoGP, sondern Superbike-WM. Sieben Punkte fehlen dem 27-jährigen Bayer aber jetzt noch zum IDM-Titel. Das heißt: Ein siebter Platz würde ihm reichen, um den Titel in jedem Fall vor dem zweifachen Meister Ilya Mikhalchik auf BMW zu sichern. Doch das ist nicht der Anspruch des Yamaha-Stars. Folger will die Saison abschließen wie er es bei allen bisherigen Veranstaltungen getan hat: mit der schnellsten Trainingszeit und Siegen in den zwei ausgetragenen Rennen. Dominic Schmitter (Yamaha), Vladimir Leonov (BMW), Alessandro Polita (Honda) und Marc Moser (Yamaha) kämpfen um die weiteren Platzierungen. Theoretisch ist für alle noch mindestens der dritte Platz in der Gesamtwertung greifbar. Kawasaki schickt mit dem Franzosen Valentin Debise einen Ersatzfahrer für Erwan Nigon ins Rennen, der am gleichen Wochenende seinen Vertrag in der Endurance-WM erfüllt. Debise hat wie Folger an der Superbike-WM-Runde in Barcelona teilgenommen, blieb aber punktelos.

Während es mit Folger in der Königsklasse einen klaren Favoriten gibt, ist die Entscheidung in den 600er-Meisterschaften völlig offen. In der IDM Supersport 600 führt Luca Grünwald mit seiner Kawasaki das Championat mit nur drei Punkten vor Lausitzring-Doppelsieger Martin Vugrinec auf Yamaha an. Ihm folgt Titelverteidiger Max Enderlein. Der Yamaha-Fahrer hat nur einen einzigen Punkt weniger als der Markenkollege aus Kroatien. Deshalb sind seine Chancen, den dritten Titel in Folge einzufahren, im grünen Bereich. In der seriennahen IDM Superstock 600 liegt Paul Fröde mit der einzigen Honda im Feld in Führung. Späteinsteiger Jan-Ole Jähnig auf Yamaha ist mit drei Punkten Rückstand vor den beiden entscheidenden Rennen in Schlagdistanz.

In der IDM Supersport 300 könnte Rick Dunnik auf Yamaha als erster Holländer den Titel holen. Der 18-Jährige startet mit 15 Punkten Vorsprung in die beiden Finalrennen der Nachwuchsklasse. Die Talente aus dem Nachbarland bilden zwar die zweitgrößte Teilnehmergruppe in der IDM Supersport 300, aber bislang konnte keines von ihnen die Meisterschaft gewinnen. Auch Dunnik ist noch nicht auf der sicheren Seite. Die über 35 Fahrerinnen und Fahrer des fliegenden Klassenzimmers sind immer für Überraschungen gut. In den sechs Läufen gab es in dieser Saison bislang fünf verschiedene Sieger. Und wie schlägt sich Lokalmatador Dirk Geiger auf seiner Heimstrecke? Eigentlich bestreitet der 18-jährige Mannheimer die Moto3-Junior-WM, aber diese hat gerade Pause. Also nimmt Geiger in der Zwischenzeit an der IDM teil und fuhr auf dem Lausitzring prompt aufs Podium. Wird er im Titelrennen vielleicht zum Zünglein an der Waage?

Nach einem rabenschwarzen Auftaktwochenende in Assen für den Titelverteidiger und achtmaligen Weltmeister Tim Reeves ist die IDM Sidecar 600 zu einem Überraschungspaket geworden. Die Schweizer Markus Schlosser und Marcel Fries reisen als Titelfavoriten nach Hockenheim. Sie könnten für eine vorzeitige Entscheidung sorgen. Ansonsten fallen die abschließenden Ergebnisse beim Sidecar-Festival Anfang Oktober in Oschersleben. In der WM sind sie nicht zugelassen, aber in der IDM finden auch die Sidecars mit 1000 cm³-Antrieb eine Heimat. Hier haben Mike Roscher/Anna Burkard bisher alle Rennen gewonnen.

Umrahmt wird das IDM-Finale in Hockenheim von den Rennen zum BMW Motorrad Boxer Cup, dem Pro Superstock Cup, dem Twin Cup sowie dem Northern Talent Cup.

Dienstag, 22. September 2020

Erster Saisonsieg für Hyundai-Pilot Antti Buri

  •  Fugel-Brüder gemeinsam auf dem Podium
  •  Dominik Fugel übernimmt wieder die Gesamtführung, Marcel Fugel bester Junior
  •  Beide HP Racing International-Piloten scheiden aus

Antti Buri holt ersten Saisonsieg
Foto: ADAC-Motorsport



Erlösung für Antti Buri (31, Finnland, Hyundai Team Engstler): Der 31-Jährige hat das Sonntagsrennen auf dem Hockenheimring gewonnen und seinen ersten Saisonsieg gefeiert. Der Finne triumphierte im Hyundai i30 N TCR und holte damit zugleich seinen ersten Erfolg seit dem Wechsel zum Hyundai Team Engstler. Zweiter wurde Dominik Fugel (23, Chemnitz, Honda ADAC Sachsen) im Honda Civic TCR, er holte sich damit die Führung in der Gesamtwertung zurück. Rang drei ging an Marcel Fugel (19, Chemnitz, Honda ADAC Sachsen), der damit bester Starter der Honda Junior Challenge war.
 
"Es fühlt sich gut an - sogar noch ein bisschen besser nach unserem schwachen Samstagsrennen", sagte Buri: "Das Rennen war gut, ich habe mich aus dem Gröbsten heraushalten können, und das Auto war super. Ich konnte das Rennen gut verwalten und musste den Honda nicht zu früh angreifen. Die Attacke hat dann gesessen - und von da an konnte ich die Pace gut kontrollieren."
 
"Mein Start war mittelmäßig, ich habe aber schnell gemerkt, dass bei mir mehr geht als bei den Jungs vor mir. Aber das Vorbeifahren ist dann doch immer etwas anderes", meinte Dominik Fugel: "Vielleicht wäre sogar noch mehr möglich gewesen, aber so ist es ein sehr guter Abschluss des Wochenendes." In der Gesamtwertung liegt der Chemnitzer mit nun 95 Punkten wieder vorne, dahinter folgen Vizemeister Harald Proczyk (44, Österreich, HP Racing International) mit 91 Zählern und Tagessieger Buri mit 89. Jan Seyffert (22, Stuttgart, HP Racing International), am Samstag erfolgreich), hat als Vierter 82 Punkte auf dem Konto. Bei noch acht verbleibenden Rennen verspricht die Meisterschaft im weiteren Verlauf Hochspannung.
 
Am Sonntag schieden die beiden HP Racing International-Piloten Harald Proczyk und Jan Seyffert nach einer Kollision in der ersten Runde aus. Auch der im Qualifying schnelle Nico Gruber (19, Österreich, Hyundai Team Engstler) und Gaststarter Niki Schelle (54, Böbing, Hyundai Team Engstler) im VIP Auto konnten das Rennen nicht fortsetzen.
 
Nach einer zehnminütigen Safety-Car-Phase war Marcel Fugel beim Restart zunächst vorne, Antti Buri aber saß dem Honda-Piloten im Nacken und versuchte immer wieder, sich an dem führenden Fugel vorbeizudrängen. Marcel Fugel wehrte sich aber nach Kräften - erst in der Schlussphase war er machtlos: Buri setzte sich mit seinem Hyundai in der Spitzkehre neben Fugel, hatte beim Herausbeschleunigen die Nase vorn und ließ sich den Sieg nicht mehr nehmen.
 
Dahinter zeigte Dominik Fugel ein herausragendes Rennen: Von Platz zehn gestartet, fand er sich in der Spitzengruppe wieder. Und dort bewies er Geduld und Nervenstärke. Zunächst überholte er Junior René Kircher (20, Hünfeld, Volkswagen Team Oettinger) und seinen Bruder Marcel. Nach erneuter Betrachtung des Überholmanövers ordnete die Rennleitung jedoch an, dass Dominik Fugel die Plätze mit Kircher tauschen müsse. Dadurch fiel der Tabellenführer erneut auf Platz vier zurück, wovon er sich allerdings nicht entmutigen ließ. Am Ende schloss er das Rennen dennoch als Zweiter ab und freute sich über wichtige 20 Punkte. Sein Bruder Marcel jubelte derweil über seine erste Podiumsplatzierung in dieser Saison. "Das war ein super Rennen. Ich war lange in Führung, am Ende waren Antti und Dominik aber schneller", sagte er.
 
Vierter und gleichzeitig bester VW-Pilot wurde René Kircher, dahinter folgten Albert Legutko (23, Polen, Albert Legutko Racing) im Honda Civic TCR und Gaststarter Philipp Walsdorf (19, Berlin, Lubner Motorsport) im Opel Astra TCR. Für Dziugas Tovilavicius (28, Litauen, Skuba Racing Team), der am Samstag Dritter geworden war, sprang diesmal Platz sieben heraus. Szymon Ladniak (17, Polen, GT2 Motorsport) als Achter, Steffen Redlich (28, Lubner Motorsport) als Neunter und Günter Benninger (59, Österreich, Wimmer Werk Motorsport) im neuen Cupra Leon Competición TCR komplettierten die Top Ten.
 
Die Piloten der ADAC TCR Germany können nun nur kurz durchschnaufen: Kommendes Wochenende steht das ADAC TOTAL 24h-Rennen auf dem Nürburgring auf dem Programm, anschließend geht es vom 2. bis 4. Oktober auf dem Sachsenring ins vierte Rennwochenende der Saison.

Montag, 21. September 2020

„Robin Good“: Audi-Pilot Frijns siegt erneut

  •  Niederländer feiert auf dem Nürburgring seltenen Start-Ziel-Sieg in der DTM
  •  Titelverteidiger René Rast macht Audi-Doppelsieg perfekt
  •  Tabellenführer Nico Müller nach Dreher und Aufholjagd noch starker Fünfter

Robin Frijns
Copyright: Audi Communications Motorsport / Michael Kunkel


Zweiter Sieg in Folge: Robin Frijns vom Audi Sport Team Abt Sportsline hat nach seinem Erfolg auf dem Grand-Prix-Kurs am vergangenen Sonntag auch das erste der beiden DTM-Rennen auf dem Sprintkurs des Nürburgrings gewonnen. Dem „Fliegenden Holländer“ gelang ein in der DTM extrem seltener Start-Ziel-Sieg, obwohl sein Vorsprung gleich dreimal durch das Safety-Car zunichte gemacht wurde.

„Das war heute im Auto ziemlich nervenaufreibend“, sagte Frijns nach seinem knappen Sieg vor Titelverteidiger René Rast vom Audi Sport Team Rosberg. „Jedes Mal, wenn ich mir etwas Vorsprung herausgefahren hatte, kam das Safety-Car. Als René in den letzten Runden direkt hinter mir lag und permanent Push-to-Pass und DRS nutzen konnte, wusste ich, dass ich mir nicht den kleinsten Fehler leisten durfte. Mein Auto war großartig und der Schlüssel zum Sieg heute mein guter Start.“

Von Startplatz zwei aus gewann Frijns das Startduell gegen René Rast, der sich am Vormittag mit einer eindrucksvollen Runde die Pole-Position gesichert hatte. „Der Start war entscheidend“, bestätige der zweimalige DTM-Champion. „Am Freitag hatten wir im ersten freien Training ein technisches Problem und auch nach dem zweiten Training konnte ich keinen Start üben. Das heute war mein erster echter Start – und der war nicht gut.“

Rast fiel im Rennen zeitweise noch hinter BMW-Pilot Marco Wittmann auf den dritten Platz zurück, holte sich Platz zwei beim letzten Restart aber wieder zurück und machte in der Schlussphase Jagd auf den Spitzenreiter. „Ich wollte Robin erst in der letzten Runde überholen, aber vielleicht habe ich etwas zu spät attackiert“, sagte Rast. „Es war ein sehr schwieriges Rennen. Ein zweiter Platz ist nicht mein Ziel, aber noch immer ein gutes Ergebnis.“

Rasts langsamer Start hatte indirekt auch Auswirkungen auf Tabellenführer Nico Müller. „Ich hing hinter René fest, der kaum Grip zu haben schien, deshalb haben mich in den ersten Kurven zwei BMW überholt“, sagte der Schweizer. Nach dem ersten Restart kam es für ihn noch dicker: „Ich war zwischen zwei Autos eingequetscht, wurde von hinten getroffen und umgedreht.“ Vom letzten Platz kämpfte sich Müller mit einem frühen Boxenstopp und der mit Abstand schnellsten Rennrunde noch auf Platz fünf nach vorn. Damit verteidigte er Platz eins in der Fahrermeisterschaft, sein Vorsprung schrumpfte jedoch auf 13 Punkte. „Das ist etwas frustrierend, denn heute war definitiv mehr drin“, sagte Müller.

Viertbester Audi-Pilot im Samstagsrennen war Ferdinand Habsburg vom Kundenteam WRT Team Audi Sport. Der Österreicher wurde Siebter.

Enttäuschend verlief der Samstag für das Audi Sport Team Phoenix. Mike Rockenfeller und Loïc Duval waren beide auf schnellen Runden, als das Qualifying mit der Roten Flagge unterbrochen wurde. Von den Startplätzen 12 und 13 ins Rennen gegangen, waren beide in harte Positionskämpfe verwickelt. Während sich Rockenfeller noch zwei Punkte für Platz neun erkämpfte, musste Duval nach einem Ausrutscher in der Spitzkehre und einer Kollision vorzeitig aufgeben.
Auch Jamie Green sah die Zielflagge nicht. Der Brite nutzte die dritte Safety-Car-Phase, um sich ein zweites Mal frische Reifen zu holen, fing sich bei der anschließenden Aufholjagd jedoch einen Reifenschaden ein.

„Wow, was für ein Rennen!“, sagte Audi-Motorsportchef Dieter Gass. „Robin war heute herausragend. Er hat kein einziges Mal Push-to-Pass oder DRS gehabt und sich trotzdem vorne gehalten. Das war eine extrem starke Leistung. Auch, dass er sich bei all den Safety-Cars und Restarts null Fehler geleistet hat. Fantastisch! René hat mit Platz zwei einen Doppelsieg für Audi perfekt gemacht. Dass Nico, nachdem er umgedreht wurde, noch auf Platz fünf vorgefahren ist, war mega.“

Interview mit dem aktuellen DTM-Spitzenreiter Nico Müller

Audi-Pilot Nico Müller: „Ich fühle mich nicht wie der Gejagte“

Nico Müller
Copyright: Audi Communications Motorsport / Malte Christians

Der Schweizer Audi-DTM-Pilot Nico Müller zieht nach zehn von insgesamt 18 Rennen in der Saison 2020 Bilanz. Zudem spricht der 28-Jährige über sein Verhältnis zu seinem Teamkollegen und ersten Verfolger in der Fahrerwertung Robin Frijns und gibt Einblicke in sein Familienleben.

Über die Hälfte der Saison 2020 hat der DTM-Tross schon absolviert. Wie fällt dein Zwischenfazit aus?
Natürlich sehr positiv. Vier Siege sind mir und meiner Crew gelungen und es könnten sogar mehr sein. Ich denke, das spricht für sich. Ich bin sehr happy mit der Arbeit, die wir als Team bisher vollbracht haben. Alle sind top motiviert und machen einen ausgezeichneten Job. Und ich fühle mich einfach wohl im Auto und kann abliefern. Von daher war es für mich eine sehr positive erste Hälfte, auf die sich aufbauen lässt.

Hat das erste Rennwochenende auf dem Nürburgring bereits ausgereicht, dass du deinen Frieden mit der Rennstrecke schließen konntest?
Ich glaube, es war das stärkste Wochenende meiner DTM-Karriere. Was meine Performance angeht, aber auch die meiner Crew. Wir waren eigentlich in jeder einzelnen Session von Freitag bis Sonntag das schnellste Auto im Feld. Viel besser kann man nicht Frieden schließen. Das Einzige war der Zwischenfall im Rennen am Sonntag mit dem defekten Sensor ab der fünften Runde. Das tut natürlich weh, wenn man so Punkte liegen lassen muss. Aber es gibt schlussendlich viel mehr Positives mitzunehmen von diesem Wochenende, als dass wir dem Sonntag lange hinterhertrauern sollten. Dafür bleibt uns in dieser kompakten Saison auch gar keine Zeit.

Wie fühlt es sich an, die Schweizer Fahne im Parc Fermé hochzuhalten?
Es ist ein überragendes Gefühl. Unser kleines Land vertreten zu dürfen auf einer internationalen Plattform wie der DTM ist einfach klasse. Es macht mich auf jeden Fall stolz, einer der Schweizer Rennfahrer zu sein, die unsere Fahne hochhalten – neben großen Namen wie Marcel Fässler, Sébastien Buemi und Neel Jani.

Bei acht der bisherigen zehn Rennen hast du auf dem Podium gestanden. Ärgern dich die beiden fünften Plätze dazwischen?
Ich würde lügen, wenn ich sage, dass es nicht so ist. Gerade der fünfte Platz am vergangenen Sonntag war ärgerlich. Einfach weil ich sicher bin, dass wir das Rennen gewonnen hätten. Das Auto fühlte sich von der Balance her optimal abgestimmt an. Doch technische Probleme gehören eben dazu. Am Lausitzring hingegen waren andere schlauer als wir, vor allem die Münchner. Das muss man anerkennen und damit kann ich dann auch leben.

Bist du eher jemand, der Vergangenes analysiert oder orientierst du dich mehr an dem, was vor dir liegt?
Ich glaube schon, dass es wichtig ist, zurückzublicken. Um Situationen besser zu durchleuchten und daraus wieder einen Schritt nach vorn zu machen. Man muss aber bedenken, dass wir in dieser Saison kaum noch Zeit zwischen den Rennen haben. Du hast vielleicht noch einen Tag Zeit, um zu reflektieren. Und dann musst du wieder den Schalter umlegen. Ich denke, dass diese Umstellung sehr wichtig ist und dass es im Moment auch eine unserer Stärken ist. Wir erkennen relativ schnell, wo wir noch Potenzial haben und wie wir gleichzeitig unsere Vorteile beibehalten können.

An den Samstagen warst du bisher sowohl im Qualifying als auch im Rennen immer unter den Top drei. Wie kommt es, dass ihr gerade an den ersten Renntagen des Wochenendes so erfolgreich seid?
Auch wenn es nur Trainings sind, zeichnet es sich für mich schon freitags ab. Ich glaube, ich war immer mindestens auf Platz zwei im Freien Training und sieben oder acht Mal Schnellster. Es zeigt, dass wir in der Vorbereitung einen guten Job machen. Wir haben immer von der ersten Session an ein Auto gehabt, das gut funktioniert, was uns die Arbeit vor allem am Samstag einfacher macht. Dadurch müssen wir nicht so umfangreiche Setup-Anpassungen oder Fahrstil-Änderungen vornehmen, um das Maximale aus unserem Paket rauszuholen. Das war bisher sicher unsere große Stärke und ich hoffe, dass wir es beibehalten können. Zum Sonntag hin rückt das Feld natürlich näher zusammen. Aber auch da konnten wir uns noch jedes Mal verbessern.

Dein Teamkollege Robin (Frijns) ist dir in der Meisterschaft dicht auf den Fersen. Wie geht ihr damit um, dass ihr beide Titelkandidaten seid?
Es ist eine lustige Situation. Wir haben wirklich ein sehr gutes Verhältnis. Das ist untypisch. Ich hatte so etwas bisher noch nie in meiner Karriere. Und dann auch noch im gleichen Team. Wir pushen uns gegenseitig extrem. Natürlich wollen wir den jeweils anderen auf der Strecke schlagen, das muss auch so sein. Aber es ist nicht so, dass schlechte Stimmung aufkommt, wenn einer den Kürzeren zieht. Wir haben zwei so starke Crews im Team und wer den besseren Job macht, hat es sich ganz einfach verdient. Das ist aus meiner Sicht eine sehr gesunde Basis. Ich bin überzeugt, dass Robin einer der talentiertesten Rennfahrer auf diesem Planeten ist. Und ich bin jedes Mal stolz, wenn ich ihn schlage. Ich freue mich aber auch für ihn, wenn er ein Rennen gewinnt. Ich glaube, dass im Moment unser gutes Verhältnis im Team zu unserer Stärke beiträgt. Ob einer von uns beim Finale in Hockenheim noch die Chance auf den Titel hat, werden wir sehen. Und dann hoffen wir auf einen heißen Showdown.

Wie gehst du damit um, der Gejagte zu sein?
Tatsächlich fühlt es sich für mich nicht so an. Für mich ist René als der amtierende Champion immer noch derjenige, den es zu schlagen gilt. Zusammen mit seinem Team hat er über die letzten drei Jahre hinweg einen so beeindruckenden Job abgeliefert, und er ist auch dieses Jahr wieder ein heißer Anwärter auf den Titel. Auch wenn er im Moment nicht die Meisterschaft anführt. Er ist doch immer oben mit dabei. Wir haben noch vier Wochenenden vor uns. Da kann noch sehr viel passieren.

Du hast souverän das Gerücht widerlegt, dass Rennfahrer, die schon Vater geworden sind, langsamer wären. Hat sich dennoch etwas in deinem Job geändert, seitdem ihr zu dritt seid?
Von diesem Mythos habe ich auch schon gehört. Aber ich denke, wir konnten beweisen, dass eher das Gegenteil der Fall ist. Das vergangene Wochenende war aus meiner Sicht das stärkste, das ich je abgeliefert habe. Und ich glaube eher, dass unser Glück mit Fynn mehr beflügelt als alles andere. Ich habe mich noch nie so geerdet gefühlt, wie ich es aktuell tue. Und ich bin sehr dankbar, dass ich eine so schöne kleine Familie zu Hause habe, die mich bei meiner Leidenschaft perfekt unterstützt. Daher bin ich mir sicher, dass es mich eher besser macht als schlechter.

Ist Motorsport bei euch zu Hause angesichts der kurzen Zeit, die du zu Hause verbringst, ein Tabuthema?
Nein, wir sprechen viel darüber. Manchmal zu viel. Ich glaube, das ist auch nötig, um das Geschehene zu verarbeiten. Sei es positiv oder negativ. Ich setze mich oft mit Vicky oder meinen Eltern, die direkt nebenan wohnen, einen oder zwei Tage nach den Rennen abends zusammen. Und dann sprechen wir auch darüber, was passiert ist. Die fiebern alle extrem mit und sind wahrscheinlich nervöser als ich an den Wochenenden.

Ihr seid im August auch noch in euer neues Zuhause eingezogen. Habt ihr genügend Platz für Pokale eingeplant?
Der sollte nie ausgehen. Und falls doch, wäre das ein Luxusproblem, um das ich mich gerne kümmere. Es war schon eine intensive Phase. Alles fiel ungefähr in die gleiche Zeit. Hausbau, Umzug, Nachwuchs. Wir hatten aber tolle Unterstützung von unseren Familien, wodurch ich auch den Freiraum hatte, um mich auf meinen Job zu konzentrieren. Das hat super geklappt.

Du bist auf Social Media aktiv und zeigst in deinem Driver’s Diary auch private Einblicke. Wie wichtig ist es dir, Kontakt zu den Fans zu halten?
Die sozialen Medien sind ein gutes Tool, um den Fans auch zwischen den Rennen Einblicke zu geben, um sie für unseren Sport zu begeistern und unsere Leidenschaft mit ihnen zu teilen. Da gehört das ein oder andere Private mit dazu. Ich versuche da einen gesunden Mix zu finden und hoffe, dass es die Leute freut, was sie zu sehen bekommen. Und dass damit auch bei ihnen die Vorfreude auf die Rennen steigt.

Wie sehen deine nächsten Wochen aus?
Es bleibt sehr intensiv. Diese Woche stehen die nächsten wichtigen DTM-Rennen auf dem Sprintkurs des Nürburgrings auf dem Programm. Und danach bleibe ich wahrscheinlich gleich in der Eifel. Denn dann folgen die 24 Stunden auf der Nordschleife – für mich immer ein großes Highlight im Jahr. Mein Ziel ist, nach unserem Erfolg 2015 noch einmal um den Gesamtsieg mitkämpfen zu können. Und erst danach habe ich mein erstes Wochenende seit dem DTM-Auftakt frei, bevor wir am zweiten Oktober-Wochenende schon wieder in Zolder fahren.