Samstag, 17. Juni 2017

DTM: Überraschungssieg für Paul Di Resta

Das Podium des Samstagsrennens vom Hungaroring
Foto: dtm.com
Damit hatte nach dem Qualifying niemand gerechnet: Nach einer erdrückenden Audi-Dominanz im Zeittraining jubelten nach Rennen eins auf dem Hungaroring Paul Di Resta (Mercedes-AMG), Timo Glock und Bruno Spengler (beide BMW) auf dem Siegerpodest. Alle drei profitierten von ihrer auf einen frühen Stopp ausgelegten Boxenstrategie sowie einer Safetycar-Phase. Bester Audi-Fahrer war Mike Rockenfeller, der seinen überlegenen Rennspeed voll ausspielte, mehr als 20 Sekunden Rückstand aufholte, am Ende trotzdem nicht an Spengler vorbeikam und auf Platz vier die Zielflagge sah.

„Ich habe gut mit meinen Reifen gehaushaltet und konnte so viele Runden am Stück fahren“, sagte Sieger Di Resta nach dem Rennen. „Wir mussten eine sehr aggressive Strategie wählen, weil Audi sehr, sehr schnell war. Timo Glock hatte ich im Griff, er war einfach nicht nah genug an mir dran.“ Für Di Resta ist es der achte Sieg in der DTM, zuletzt stand der Mercedes-AMG-Pilot beim Auftaktrennen 2016 in Hockenheim auf der obersten Stufe des Podests. Den Sieg widmete der Schotte seiner Frau Laura und der neugeborenen Tochter Perla, die am Montag zur Welt gekommen war.

Zufrieden mit Platz zwei war Timo Glock. „Damit haben wir absolut nicht gerechnet“, sagte er. „Zum Glück haben wir vor der Safetycar-Phase gestoppt, das war Gold wert. Ohne diese Situation hätten wir heute keinen Blumentopf gewonnen, geschweige denn 18 Punkte geholt. Am Anfang war ich schneller als Paul, habe mich aber bewusst zurückgehalten, um meine Reifen zu schonen.“ Der Hungaroring scheint Glock zu liegen: 2008 stand er hier als Zweitplatzierter erstmals bei der Formel 1 auf dem Podium.

Spenglers Erfolgsgeheimnis war ein zweiter Boxenstopp zum richtigen Zeitpunkt, unmittelbar zu Beginn der Safetycar-Phase. „Nach dem Reifenwechsel nach der ersten Runde musste ich noch einmal stoppen, sonst hätte ich gegen Rennende sicher Probleme mit den Reifen bekommen“, sagte der kanadische DTM-Champion von 2012, der sich in den letzten zwei Runden mit Händen und Füßen erfolgreich gegen Rockenfellers Angriffe wehren konnte. „Mike war schnell unterwegs, der schnellste Fahrer im Feld heute. Wenn das Rennen länger gedauert hätte, hätte ich ihn wohl kaum hinter mir halten können.“

René Rast, der im Audi RS 5 DTM im Qualifying seine erste Pole-Position eingefahren hatte, musste sich mit Platz sechs hinter seinen Markengefährten Mike Rockenfeller und Mattias Ekström begnügen. Grund für die Safetycar-Phase war der Ausfall von BMW-Pilot Maxime Martin, der nach acht Runden ausrollte und seinen BMW M4 DTM auf der Strecke parkte. Für die Bergung des Boliden schickte die Rennleitung das Führungsfahrzeug auf die Strecke.

Tabellenführer Lucas Auer (Mercedes-AMG) blieb im Samstagsrennen auf dem Hungaroring punktelos, behielt aber dennoch seine Führung. Der Vorsprung auf die ersten Verfolger Green und Rockenfeller ist auf acht beziehungsweise 16 Zähler geschrumpft.


Ergebnis 1. Rennen (Top.Five):

1. Paul Di Resta (Mercedes-Benz)
2. Timo Glock (BMW)
3. Bruno Spengler (BMW)
4. Mike Rockenfeller (Schaeffler Audi RS 5 DTM/Audi Sport Team Phoenix)
5. Mattias Ekström (Red Bull Audi RS 5 DTM/Audi Sport Team Abt Sportsline)

Sensationelle erste DTM-Pole für René Rast im Audi

Renè Rast holt seine erste DTM-Pole
Foto: Jens Hawrda
René Rast sicherte sich auf dem Hungaroring seine erste Pole-Position in der DTM. Der 30-jährige Audi-Werksfahrer setzte sich im Qualifying für das Samstagsrennen gegen die Konkurrenz durch und fuhr in 1:34,742 Minuten die Bestzeit. Die erste Pole von Rast ist gleichzeitig die erste Pole-Position für Audi in der DTM-Saison 2017.

Insgesamt präsentierten sich die Ingolstädter im Qualifying stark, denn mit Jamie Green, Mattias Ekström, Nico Müller und Mike Rockenfeller folgten Rast vier weitere Audi-Fahrer auf den Positionen zwei bis fünf.

Schnellster BMW-Pilot war Augusto Farfus als Sechster. Der Rückstand des Brasilianers auf die Bestzeit von Rast betrug 0,533 Sekunden. Hinter Loïc Duval auf Rang sieben belegte der aktuelle DTM-Tabellenführer Lucas Auer als schnellster Mercedes-AMG-Pilot Rang acht. Die Top 10 komplettierten Gary Paffett (Mercedes-AMG) und Tom Blomqvist (BMW).


Stimmen nach dem Qualifying:

Rene Rast (Audi), Platz eins: „Ich bin mega happy. Das kann man kaum beschreiben. Die Pole Position ist sehr unerwartet für mich. Ich habe mich bisher jedes Rennwochenende gesteigert. Das sah am Anfang mit P9 nach dem ersten Reifensatz nicht gut aus, da hatte ich auch ein bisschen Verkehr. Mir fehlten da noch acht Zehntel zur Spitze. Mit dem zweiten Reifensatz hat das viel besser geklappt, das war gigantisch.“

Jamie Green (Audi), Platz zwei: „Ich bin sehr zufrieden, ich hatte nach der ersten Runde noch eine große Lücke nach vorne. Aber ich habe mich gesteigert. Rene hat einen sehr guten Job gemacht. Schauen wir mal, wie der Start verläuft, wir sind Markenkollegen, aber natürlich würde ich gerne gewinnen. Ich bin in einer guten Ausgangslage für meinen dritten Saisonsieg. Wir wollten ja nicht nur an den Sonntagen wettbewerbsfähig sein. Offensichtlich sind wir dieses Mal auch an einem Samstag auf dem richtigen Weg.“

Mattias Ekström
(Audi), Platz drei: „Wir haben das optimale aus dem Wagen herausgeholt. Rene und Jamie waren noch schneller als ich. Aber P3 ist immer gut.“

Zweites Freies Training Audi zeigt sich wieder stark

Jamie Green Schnellster im zweiten Freien Training
Foto: Jens Hawrda
Auch im zweiten Freie Training war Audi wieder stark. Wie am Freitag platzierten sich alle sechs Audi-Piloten in den Top Ten. Im zweiten Freien Training war die Audi-Dominanz sogar noch stärker , die Ingolstädter belegten nach Ende ser Session die ersten fünf Plätze.

Jamie Green war der Schnellste in 1:35,674 Minuten. Nico Müller wurde wiederum Zweiter in 1:35,722 Minuten. Mike Rockenfeller, am Samstag noch Schnellster im Freien Training, fuhr diesmal auf Rang drei (1:35,796). Das Audi-Quintett komplettierten Mattias Ekström (1:35,888) und Rene Rast (1:35,973). Loic Duval fuhr erneut auf Rang zehn (1:36,626). Maro Engel war bester Mercedes-AMG-Pilot auf Platz sechs (1:36.336), Timo Glock schnitt bei BMW als Siebter in 1:36,533 Minuten als Bester ab. Lucas Auer (Mercedes-AMG), der Führende der Gesamtwertung, wurde Neunter (1:36,608).

„Das war knifflig heute Morgen hier zu fahren. Es war sehr windig. Die Autos waren ein wenig unberechenbar. Wir haben unser normales Programm beim Qualifying abgespult. Es sieht so aus, als hätten wir das Fahrverhalten des Autos gegenüber gestern verbessert. So weit, so gut“, sagte Jamie Green nach Platz eins.
     

Freitag, 16. Juni 2017

Mike Rockenfeller (Audi) Schnellster im ersten Training am Hungaroring

Mike Rockenfeller (Audi) Schnellster im ersten Freien Training am Hungaroring
Foto: Jens Hawrda
Audi demonstriert im ersten Freien Training am Hungaroring Stärke in bringt alle secht Piloten der Marke in die Top-Ten. Die Bestzeit im ersten Freien Training der DTM auf dem Hungaroring legte Mike Rockenfeller (Audi) vor. Für die 4,381 Kilometer am Hungaroring benötigte der Audi-Pilot 1:36,404 Minuten, er war damit 0,160 Sekunden schneller als sein Markengefährte Nico Müller. Die drittschnellste Zeit fuhr der amtierende DTM-Champion Marco Wittmann im BMW M4 DTM mit 1:36,984.
Zweitschnellster im ersten Freien Training Nico Müller (Audi)
Foto: Jens Hawrda
„Ganz am Ende hat es stark angefangen zu regnen, aber wir konnten 30 Minuten im Trockenen trainieren und uns auf das Rennen vorbereiten“, sagte Rockenfeller. „Es lief ganz gut und hat mir viel Spaß gemacht. Der Hungaroring ist eine tolle Strecke und ich hoffe, morgen läuft es bei mir ähnlich gut.“

Hinter dem Spitzentrio belegten Mattias Ekström (Audi), Augusto Farfus (BMW), René Rast, Jamie Green (beide Audi) und Timo Glock (BMW) die Positionen vier bis acht. Als Neunter beendete Tabellenführer Lucas Auer im Mercedes-AMG C 63 DTM die freitägliche Trainingssitzung. Die Top-10 komplettierte Audi-Pilot Loic Duval.

Das zweite Freie Training der DTM auf dem Hungaroring findet morgen um 9:40 Uhr statt.

Donnerstag, 15. Juni 2017

„Flacher Teller“ stellt hohe Anforderungen: Die DTM ist am Wochenende in Budapest

  • Viertes Gastspiel der DTM in Ungarn
  • Hungaroring ist für die Fahrer eine echte Herausforderung
  • Leader Lucas Auer ist der Gejagte
Foto: Jens Hawrda
Zum ersten Mal in dieser Saison betritt die DTM am kommenden Wochenende internationalen Asphalt. Auf dem Hungaroring stehen die Rennen Nummer fünf und sechs auf dem Plan. Nach 1988, 2014 und 2016 ist die renommierte Tourenwagenserie zum vierten Mal in Budapest zu Gast. Im Fokus stehen der Führende der Gesamtwertung, Lucas Auer im Mercedes-AMG, sowie sein engster Verfolger, der Audi-Pilot Jamie Green. Nachholbedarf hat BMW.

Scheinbar spielerisch läuft es momentan für den Österreicher Auer und den Briten Green. Vor dem ersten Auslandsstopp in 2017 ist für „Luggi“ alles rosarot: zwei Siege auf zwei verschiedenen Rennstrecken, in allen vier Rennen in den Punkten. In Hockenheim verteidigte er nach Pole Position in der Schlussphase des ersten Rennens seinen Erfolg gegen den ihm im Nacken sitzenden Timo Glock, am Lausitzring fuhr er im ersten Lauf einen unangefochtenen Start-Ziel-Sieg heraus. Von weiter hinten kann er es aber auch. In Hockenheim ging es in Rennen zwei von acht auf vier, am Eurospeedway von 15 auf zehn. Auer stapelt dennoch tief: „Wir haben bisher vier von achtzehn Rennen gefahren. Davon konnte ich zwei gewinnen, was an sich ja schon ein Wahnsinn ist. Budapest ist eine coole Stadt und hat eine coole Rennstrecke. Die letzten Rennen waren für uns hier aber nicht einfach. Allerdings müssen wir abwarten, wie es in diesem Jahr mit dem neuen Reglement und den Reifen aussieht. Ich werde wie immer 100 Prozent geben und dann warten wir ab, was dabei herauskommt.“

Fakt ist, der 22-jährige Mercedes-AMG-Pilot führt die Wertung mit 69 Punkten an, 16 Zähler vor Audi-Pilot Jamie Green, der die anderen beiden Rennen gewinnen konnte. Der Brite wird am Mittwoch 35 und ist ein großer Fan des Hungarorings: „Die Strecke zählt für mich zu den größten Herausforderungen im Rennkalender. Aufgrund der vielen Kurven und kurzen Geraden muss man ständig bremsen und direkt wieder beschleunigen. Es gibt keinen Abschnitt, in dem man das Lenkrad locker halten kann, man hat keine Zeit, um nachzudenken.“

BMW liegt nach vier Rennen noch hinter den Erwartungen zurück. Timo Glock ist als Achter mit 25 Punkten bester Fahrer des Münchner Herstellers. In der Markenwertung liegt BMW bereits 123 Punkte hinter Mercedes und 113 hinter Audi. Titelverteidiger Marco Wittmann fährt als Gesamtelfter der Musik derzeit hinterher. „Es war ein schwieriger Start für uns. In Hockenheim habe ich aber mehr Punkte mit heimgenommen als letztes Jahr. Wir müssen jetzt kämpfen, um uns wieder nach vorne zu fahren“, unterstreicht der BMW-Werksfahrer.

Während Mercedes mit dem C63 AMG scheinbar die beste Lösung fürs Zeittraining auf die Hankook-Reifen gestellt hat, hat der RS 5 von Audi Vorteile über die Renndistanz, insbesondere dank des schonenden Umgangs mit den Reifen. „Wir haben im Winter bei den Tests sehr viel Wert darauf gelegt, weil wir wussten, dass die Renn-Performance bei den neuen Regeln entscheidend sein wird“, sagt Mattias Ekström, derzeit Gesamtsechster mit 32 Punkten. Beim zweiten Rennen am Lausitzring narrte der Schwede die Konkurrenz mit einem Boxenstopp in Runde eins, anschließend fuhr der „Reifenflüsterer“ von Rang acht beim Start bis auf Platz zwei vor.

Der Auftritt der DTM in Budapest ist für Audi gewissermaßen ein Heimspiel. Das Werk in Győr ist nur eineinhalb Stunden von der Rennstrecke entfernt, viele der rund 11.000 Mitarbeiter werden vor Ort sein. 2016 feierten die Ingolstädter zwei Doppel-Siege durch Mortara und Green sowie Ekström und Tambay. Insgesamt verzeichneten die Autos mit den vier Ringen in diesem Jahr elf Top-Ten-Platzierungen und zum ersten Mal gelang es einem Automobilhersteller, die ersten vier Startreihen bei einem DTM-Rennen für sich zu behaupten. BMW hofft derweil auf die Trendwende. Nicht ganz unbegründet. Insbesondere im zweiten Rennen des Vorjahres waren die Münchner mit den Plätzen drei, vier, fünf, sieben und neun omnipräsent in den Top Ten.

Der 4,381 Kilometer lange Hungaroring gilt als anspruchsvolle Strecke. Für Mercedes-AMG-Pilot Paul Di Resta ist der Kurs im Land der Magyaren „eine echte Herausforderung. Es ist schwierig, hier das richtige Setup zu finden. Die Charakteristik ist nämlich ganz anders als bei den übrigen Strecken“. Sein Markenkollege Gary Paffett ergänzt: „Die Strecke weist viele Kurven und nur relativ wenige Geraden auf. Die meisten Kurven sind mittelschnell, es gibt aber auch einige schnellere Kurven. Es ist ein interessantes Layout.“

Die Fahrer erwartet in der Tat ein Streckenverlauf, der ihre Grenzen auslotet. Zahlreiche langsame Kurven machen das Überholen zu einer kniffligen Aufgabe. Langsam ist es am Hungaroring an mehreren Stellen: Kurve eins und zwei werden jeweils im zweiten Gang genommen, gleiches gilt für die Schikane. Spannend wird es in den Kurven vier und elf, jeweils im vierten Gang bei rund 160 km/h, einmal nach links, einmal nach rechts. In diesen Passagen wirkt die höchste Querbeschleunigung. Und diese Passagen erwischt man besser präzise, denn ein Fehler im Kurvengeschlängel des „flachen Tellers“ rächt sich. Diesen Beinamen erhielt der Hungaroring aufgrund seiner Topografie. Während der Kurs in einem Tal liegt, können die Zuschauer von den höher gelegenen Tribünen rund 80 Prozent der Strecke einsehen. Die beste Gelegenheit zum Überholen bietet sich am Ende der langen Start-Ziel-Geraden, beim Anbremsen aus ca. 250 km/h, bevor die Strecke scharf nach rechts abknickt.