Donnerstag, 26. Juni 2025

GERT56 mit Podestplatzierung und vielen Punkten aber auch Pech in Most

Toni Finsterbusch, BMW M 100 RR #56
Foto: Jens Hawrda

Toni Finsterbusch hat bei der dritten Saisonstation der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft in der IDM Superbike-Klasse ein weiteres Podest gefeiert. Im zweiten Lauf am Sonntag fightete er spektakulär mit Honda-Werkspilot Florian Alt und verpasste das Podest nur knapp. Teamkollege Jan-Ole Jähnig hatte mit Pech zu kämpfen, verlor aber nie seinen Kampfgeist und brachte ebenfalls gut Punkte in die Tabelle.

Jähnig und Finsterbusch holten im Qualifying die Startplätze vier und fünf und standen damit nebeneinander in der zweiten Startreihe. Wie geschlossen die Teamleistung einmal wieder war zeigt, dass Finsterbusch nur 0,019 Sekunden auf Jähnig verlor. Beide fuhren Rundenzeiten im Bereich von 1:32 Minuten.

Im ersten Rennen landete Finsterbusch auf dem vierten Rang und verpasste das Podest nur um drei Sekunden. Im zweiten Lauf dann zeigte er einen spektakulären Kampf ganz vorn an der Spitze mit Altmeister Florian Alt, der ihm nur um eine reichliche halbe Sekunde den Sieg verwehrte. Alt gewann vor Finsterbusch und Hannes Soomer.

Jan-Ole Jähnig, BMW M 1000 RR #14
Foto: Jens Hawrda

Nach ein paar Schwierigkeiten am Start konnte Jähnig den ersten Lauf auf dem siebten Rang beenden. Den Ritterschlag aber erzielte er in Umflauf zwei, nachdem er gelich in der ersten Kurve in einen Sturz verwickelt war. An der seiner BMW brachen Fußraste rechts und der Bremshebel ab und dennoch holte er auf dem 14. Platz noch zwei Punkte und bewegte sich damit mit einer Rennbestzeit von 1:34 Minuten im Bereich der Spitze.

Hinsichtlich der PIRELLI Einheitsreifen gab es in Most eine Besonderheit: Aufgrund der gemachten Erfahrungen aus dem Vorjahr und der World Superbike mit den aggressiven Grip Verhältnissen in Most, hat man sich entschieden die Range der Mischungen einzuschränken. Am Hinterrad stand den Teams nur die SC1 Standardmischung oder der WSBK – Spezifikationsreifen D0922 zur Verfügung, den GERT56 durchgängig genutzt haben.

Die erzielten Rundenzeiten und die Performance auch über die Distanz haben gezeigt, dass die der richtige Weg war und auch hinsichtlich Support und Beratung hat Pirelli hier wirklich einen guten Job gemacht.

Nach sechs von 14 Saisonrennen liegen Finsterbusch und Jähnig auf den Tabellenrängen vier und fünf. Finsterbusch hat 85 Zähler gesammelt und liegt damit 27 Punkte hinter dem Gesamtführenden Hannes Soomer. Jähnig hat 60 Punkte angehäuft und liegt damit 25 Zähler hinter seinem Teamkollegen. 

Stimmen zum Rennwochenende in Most

Toni Finsterbusch:

Ich bin zufrieden, wie es gelaufen ist. Wir konnten am Freitag ein gutes Setup erarbeiten und hatten auch mit gebrauchten Reifen eine gute Pace. Im Qualifying ist mir mit Startplatz fünf auch eine solide Runde geglückt. Im ersten Rennen hatte ich keinen guten Start und musste mich erst wieder nach vorn kämpfen. Da war aber die Lücke zu den ersten Dreien schon aufgegangen, das konnte ich dann nicht mehr bieten. Das Rennen war allgemein langsamer, als ich gedacht hatte, aber ich hatte ja selber Schwierigkeiten, die Pace an den Tag zu legen. Im zweiten Rennen bin ich ganz gut weg gekommen. Als Tulo [Lukas Tulovic] die Kette verloren hat, war ich dann kurz in Führung, habe aber auch selber noch einen Fehler eingebaut. Ich hatte für die letzte Runde noch einen Schlachtplan, aber der ist leider nicht aufgegangen. Mit Platz vier und zwei habe ich aber super gepunktet und bin da auch zufrieden. Ich war im zweiten Rennen in Schlagdistanz und das gibt Rückenwind! Die Jungs aus dem Team haben einen Super-Job gemacht und ich hoffe, dass wir darauf aufbauen können und dass es in eine ähnliche Richtung weiter geht.

Jan-Ole Jähnig:

Das Wochenende ist relativ gut los gegangen und ich war von Anfang an vorne dabei. Wir hatten auf jeden Fall den Speed. Dadurch, dass es die Temperaturen relativ unterschiedlich von Freitag/Samstag zu Sonntag waren, wussten wir halt nicht so richtig, wie wir stehen. Wir hatten schon Freitag mitbekommen, dass es am Vorderrad nicht ganz so gepasst hat, wie es hätte sein sollen. Aber es war trotzdem ok. Qualifying war auch relativ gut mit Platz vier – zweite Startreihe ist immer eine gute Ausgangsposition.

Im ersten Rennen musste ich beim Start ein paar Positionen einbüßen und mehr oder weniger einfach mein Rennen gefahren – und hatte auch keine Probleme mit dem Vorderrad, auch wenn es mir nicht ganz die Stabilität vermittelt hat, die ich gebraucht hätte. Aber das ist vielleicht auch etwas meinem Fahrstil geschuldet, dass das nicht so 100-prozentig zusammen gepasst hat. Das zweite Rennen war natürlich ärgerlich da schon in der ersten Kurve zu liegen, in jemand anderen reinzufahren und da sind auch noch andere mit rein gefahren. Ich konnte zum Glück das Motorrad aufheben und weiter fahren und mir noch zwei Punkte sichern. Ich glaube das ist wichtig gewesen, man weiß ja noch nicht, für was das noch gut ist. Ich sage mal: Es war nicht ganz das Wochenende, wie wir uns das vorgestellt haben, aber sonst Tip-Top.

Quelle: gert56.de


Mittwoch, 25. Juni 2025

IDM: Hitzeschlacht in Most – Der Rückblick

Weit über 30 Grad im Schatten und Asphalttemperaturen von 45 Grad machten das dritte Rennwochenende in der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft zu einer Hitzeschlacht.

Hannes Soomer verteidigt Tabellenführung
Foto: Jens Hawrda

Soomer behauptet sich an der Tabellenspitze

Nicht nur die Temperaturen liefen, während der dritten IDM-Runde vom 20. bis 22. Juni 2025 zur Höchstform auf, auch Ducati-Fahrer Lukas Tulovic (Triple M Racing Ducati Frankfurt) sorgte für eine Bestmarke. Der 25-jährige Bayer ging mit der Fabelzeit von 1:31,885 Minuten in der Superpole in die Geschichte ein. Damit stand er zweifelsohne auf dem ersten Startplatz in der IDM Superbike.

Doch aus einem Sieg für Tulovic wurde es an diesem Wochenende nichts. Er musste einen Dämpfer in seiner Erfolgsstory einstecken. Stattdessen gewann mit Hannes Soomer (Masteroil Alpha Van Zon BMW) ausgerechnet der Kontrahent, dem Tulovic eigentlich die Führung hätte streitig machen wollen. Nur ein einziger Punkt trennte die Beiden vor dem ersten Lauf. Und Florian Alt (Holzhauer Racing Promotion) kam auf der einzigen Honda im Feld auch noch vor ihm ins Ziel.

Florian Alt, Honda CBR 1000 RR-R #66
Foto: Jens Hawrda

Florian Alt behielt im zweiten IDM Superbike-Lauf die Nerven. Er siegte nach 16 Runden vor Toni Finsterbusch (GERT56 by RS Speedbikes) und Hannes Soomer. Zuerst hatte „Tulo“ das Rennen angeführt. Ein Schlag an dessen Motorrad änderte die Situation abrupt. Die Kette war gerissen und das Rennen für ihn beendet. Dadurch hat sich auch einiges in der Gesamtwertung gedreht. Soomer hat jetzt sogar neun Punkte Vorsprung, jedoch nicht mehr auf Tulovic, sondern auf Alt. Tulovic ist auf den dritten Rang gerutscht. Hinter im lauert Finsterbusch – mit genau einem Punkt Rückstand.

Kofler betreibt Schadensbegrenzung und Geiger stürzt

Dirk Geiger (MCA Racing) machte in der IDM Supersport dort weiter, wo er zuletzt aufgehört hatte. Der gebürtige Mannheimer gewann auf der Honda CBR 600 RR am Samstag sein viertes Saisonrennen. Marvin Siebdrath wurde Zweiter und sorgte damit für einen Triumph im Team Yamalube Motorsport Kofler, in dem der Hauptakteur Andreas Kofler als Fünfter Schadensbegrenzung betrieb. Der Titelverteidiger aus Österreich, der sich bei seinem Sturz auf dem Schleizer Dreieck Blessuren am ganzen Körper zugezogen hatte, musste die Zähne zusammenbeißen. Ein weiterer Abflug im Training hatte dem 20-jährigen Yamaha-Fahrer noch den Rest an der besonders lädierten Schulter gegeben. Der dritte Platz von Štěpán Zuda (Eder Racing) war eine faustdicke Überraschung, auch wenn es sich für den Tschechen um das Heimrennen handelte.

Im zweiten Rennen war Schluss mit der anhaltenden Erfolgsserie von Dirk Geiger. Der 22-Jährige stürzte spektakulär aus dem Geschehen. Erstmals ging der hart umkämpfte Sieg in der Klasse an Daniel Blin (AF Racing Team) aus Polen. Zweiter wurde der Tscheche Štěpán Zuda (Eder Racing). Titelverteidiger Andreas Kofler (Yamalube Motorsport Kofler) zitterte sich auf den dritten Platz und machte dadurch wieder Boden in der Gesamtwertung gut. Jetzt ist Geiger nur noch 24 Punkte entfernt. Sein Kumpel Lennox Lehmann (Apreco Ten Kate Yamaha Racing) war bisher glücklos, meldete sich in Most aber in den Top 5 zurück. Zum ersten Mal in diesem Jahr schafften es Luca Göttlicher und Valentino Herrlich vom offiziellen Kawasaki-Team (Kawasaki Weber Racing) gemeinsam in die Top 10.

Triumph-Fahrer machen Siege unter sich aus

Oliver Svendsen (Triumph Germany Racing Team) dominierte das erste Rennen der IDM Sportbike-Klasse in Most und fuhr ungefährdet zum Sieg. Der Däne hatte nie einen Zweifel daran gehabt, auch wenn sich ihm der Triumph-Kollege Iñigo Iglesias nach einer Aufholjagd genähert hatte. Dessen Einstand im neuen Team Wematik Racing by RT Motorsports verlief turbulent. Noch während der Sighting Lap riss die Kette am Motorrad des Spaniers. Statt von Startplatz zwei ins Rennen zu gehen, musste er in die Boxengasse abbiegen und eine neue Kette aufziehen lassen. Eile war geboten, damit Iglesias rechtzeitig zum Start des Rennes zurück war, dass er allerdings von ganz hinten aufnehmen musste. Der WM-erfahrene Iglesias gab auf der Strecke alles, nur Svendsen holte er nicht mehr ein. Der Tscheche Petr Svoboda (WRP Racing) beeindruckte auf seiner Heimstrecke mit Platz drei und vielen Rangeleien mit Iglesias.

Ein Foto–Finish entschied, dass Inigo Iglesias im zweiten Lauf als Sieger über Oliver Svendsen hervorging. Nach dem Start verteidigte Svendsen noch seine Pole, doch Iglesias kam schneller als erwartet. Wenn zwei sich rangeln, freut sich der Dritte, der in diesem Fall wieder Petr Svoboda hieß. Der Tscheche schoss von hinten aus dem Nichts an Iglesias vorbei und belegte damit Position zwei. Von da an war der Kampf unter den drei Piloten entfacht und es ging hin und her. Sieger Iñigo Iglesias kam 0,005 Sekunden vor Svendsen ins Ziel.

Schlosser/Schmidt übernehmen die Führung in der Sidecar-WM

In Most wurden zwei Läufe zur Sidecar World Championship ausgetragen. Harry Payne und Kevin Rousseau setzen ihren Erfolgslauf fort und holten sich den Sieg im Sprintrennen. Die Christie-Brüder Sam und Tom sicherten sich den zweiten Platz, während Markus Schlosser und Luca Schmidt (Team Schlosser/LCR Yamaha) nach einem Zwischenfall Schadensbegrenzung betreiben mussten. Sie waren mit Payne/Rousseau (Steinhausen Racing/ARS Yamaha) zusammengeprallt. Für Schlosser hatte die Kollision Folgen. Die Lenkung funktionierte nicht mehr korrekt. Er musste zwischendurch ins Grüne, erkämpfte sich aber den dritten Platz auf dem Siegerpodium.

Im zweiten Rennen knöpften Payne/Rousseau dem Polesetter die Führung ab. In der vierten Runde streikte der Motor. Das britisch-französische Team rollte aus. Schlosser ließ nichts anbrennen, kehrte zurück an die Spitze und genoss den Sieg nach den Rückschlägen in der letzten Zeit in vollen Zügen. Die Christie-Brüder wurden wie am Vortag Zweite. Ein Novum gab es auf dem dritten Platz. Paul Leglise/Marjorie Cescutti aus Frankreich feierten ihr erstes WM-Podium überhaupt.

Das IDM-Wochenende bot den Zuschauern Abwechslung und Spannung ohne Ende, die durch Cups im Rahmenprogramm zusätzlich angeheizt wurden. Die nächste Show lässt auch gar nicht lange auf sich warten. Vom 4. bis zum 6. Juli ist die IDM in Oschersleben zu Gast.

Quelle: idm.de / Anke Wieczorek


Nicki Thiim und der Norisring: „Adrenalin-Kick im Cockpit”

  • Lamborghini-Pilot feierte vor einem Jahr ersten DTM-Sieg auf dem Stadtkurs
  • Heimspiel seines Teams Abt Sportsline wird für den Dänen ein Motorsport-Fest

Nicki Thiim feierte in Zandvoort sein erstes DTM-Podium für Abt Sportline
Foto: dtm.com / ADAC-Motorsport

Am ersten Juli-Wochenende werden die Straßen in Nürnberg zur DTM-Bühne: Der Norisring ist Schauplatz des vierten Saisonstopps und genießt bei Fahrern und Fans Kultstatus. Auf dem einzigen Stadtkurs Deutschlands gab es in der Vergangenheit immer wieder denkwürdige Momente. An einen erinnert sich Nicki Thiim (DK) besonders gern. „Auf dem Norisring habe ich vergangenes Jahr mein erstes DTM-Rennen gewonnen. Diese Strecke wird für immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben“, erzählt der Lamborghini-Pilot.

Mit diesem Erfolg schrieb der Däne Geschichte, denn damit trug sich zum ersten Mal ein Vater-Sohn-Gespann in die Siegerliste der Rennserie ein. Vater Kurt gewann in seiner DTM-Karriere 20 Rennen, darunter zwei am Norisring. Sohn Nicki hat die Chance, zumindest im „Fränkischen Monaco” gleichzuziehen. Seine Formkurve zeigt nach oben – beim Samstagslauf in Zandvoort machte Thiim als Zweiter den ersten Podiumsplatz in der neuen Lamborghini-Ära von Abt Sportsline klar.

Der 36-Jährige kennt jedoch die Tücken des 2,16 Kilometer langen Stadtkurses im Herzen von Nürnberg. „Auf dem Papier sieht die Strecke mit nur vier Kurven einfach aus. Aber jeder Fehler wird hart bestraft. Man muss das Risiko richtig einschätzen, denn auf dem Norisring sind Mauer und Leitplanken sehr nah. Das erfordert Millimeter-Arbeit und sorgt für einen Adrenalin-Kick im Cockpit”, erklärt Thiim.

Ein weiterer Stressfaktor ist der Fahrbahnbelag. „Über die Strecke rollt das ganze Jahr lang der Straßenverkehr. Der Asphalt ist deshalb sehr uneben und wellig. Wenn man dann in einem DTM-Auto mit über 250 km/h darüberfährt, muss man teilweise andere Linien fahren, um mehr Grip zu bekommen. Auch das macht den besonderen Reiz aus.” Thiim blickt optimistisch auf die Saisonläufe sieben und acht: „Neben den DTM-Fans erwarten wir viele Freunde, Bekannte und Unterstützer beim Heimspiel der Abt-Familie auf dem Norisring. Sie alle werden ein Motorsport-Fest erleben.”


Dienstag, 24. Juni 2025

IDM Most: Hannes Soomer baut IDM-Führung aus

Fahrer des Teams Masteroil-alpha-Van Zon-BMW erfolgreich in Most

Im tschechischen Most trafen sich am vergangenen Wochenende Fans und Fahrer zum dritten von sieben Events der diesjährigen Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft IDM. Der belgische Teamchef Werner Daemen war für die Rennen der Superbike-Klasse mit seinem Fahrer-Quartett des Teams Masteroil-alpha-Van Zon-BMW, bestehend aus Hannes Soomer (Estland), Leandro Mercado (Argentinien), Bálint Kovács (Ungarn) und Milan Merckelbagh (Niederlande), angereist. Bei hochsommerlichen Temperaturen wurde besonders der Rennsonntag zu einer hitzigen Angelegenheit.

Hannes Soomer hat seine Tabellenführung in Most ausgebaut
Foto: Jens Hawrda

Hannes Soomer hatte sich nach IDM-Event Nummer 2 mit einem Punkt Vorsprung in der Gesamtführung auf den Weg ins belgische Spa gemacht, war dort nach der erfolgreichen Endurance-WM-Teilnahme ins japanische Suzuka gereist, um an einem BMW-Test für den WM-Einsatz zu testen, und düste dann wieder zurück, um in Most die nächste IDM-Bewährungsprobe zu bestehen. «Reichlich Kilometer auf verschiedenen Motorrädern», fasste der Este seine Reise zusammen. «Für Most müssen wir noch ein bisschen mehr Geschwindigkeit finden, damit ich um den Sieg mitkämpfen kann. Aber ich fühle mich hervorragend.»

Vom ersten Training an sah man den Esten stets in der Spitzengruppe der IDM Superbike und die Rennen nahm er vom zweiten Startplatz aus in Angriff. Dort blieb er in Rennen 1 nicht lange, denn schon nach der ersten Schikane waren die ersten Führungsmeter fällig. Doch ein Selbstläufer wurde die Nummer mit dem Sieg nicht. Erst leistete Lukas Tulovic erbitterten Widerstand und auch Florian Alt erwies sich als zäher Gegner. Die Ziellinie kam für Soomer rechtzeitig. Mit schmalen 0,059 Sekunden Vorsprung rauschte er als Sieger über die Ziellinie. «Der Kampf ging schon in der ersten Ecke der ersten Runde los», so Soomer, «und ging über die gesamte Distanz bis zur letzten Ecke. Es war hart. Der Reifen ging mehr ein als ich es vermutet hatte bei den heißen Bedingungen. Ich schätze, in der letzte Runde sind alle ziemlich gerutscht. Es war wirklich ein großer Kampf mit Florian Alt. Er ist harte Manöver gefahren, und ich auch. Wenn es so ausgeht wie jetzt, macht sowas Spaß.»

Nachdem es im zweiten Rennen zu einem Gerangel in der ersten Schikane gekommen war, ging es vor allem gegen Rennende für den Esten ruhiger zur Sache. Auch wenn er beim Kampf um den Sieg nicht mitmischen konnte, fuhr er souverän einen dritten Platz nach Hause. «Es war heißer», hielt Soomer anschließend fest, «und ich hatte eindeutig weniger Spaß. Im Vergleich zu Rennen 1 hatte ich an Pace verloren. Beim Kampf mit Tati Mercado habe ich keine Zeit verloren, es ging einfach nicht schneller. Aber ich habe es aufs Podium geschafft und führe noch die Meisterschaft an. Ich würde sagen, wir sind auf einem guten Weg.» Beim Blick auf die Tabelle zeigt sich, dass Soomer seinen Vorsprung von einem Zähler auf neun Punkte ausgebaut hatte.

Leandro Mercado war nach seinem Superstock-WM-Sieg beim Acht-Stunden Rennen von Spa um einen Pokal reicher. «Natürlich fühle ich mich echt gut», versicherte er vor seiner Abreise aus seiner italienischen Wahlheimat in Richtung Most, «sowas gibt einem nochmal ein Stück Extra-Motivation. Doch jetzt liegt der Fokus wieder auf der IDM. Bei den ersten beiden IDM-Events hat mir ja ein wenig das Glück gefehlt und ich habe viele Punkte liegenlassen. Klar ist die Meisterschaft hart, aber ich tue mein Bestes, wie immer. Ich will in Most viele Punkte holen und klar, mein Ziel ist wie immer der Sieg. Arbeiten, fokussieren und pushen.»

Das Rennen ging für den Piloten des Teams Masteroil-alpha-Van Zon-BMW von Startplatz 6 los. Schon in den ersten Runden fasste sich Mercado ein Herz und sicherte sich einen Platz in der direkten Verfolgergruppe des Führungs-Trios. Gemeinsam mit BMW-Kollege Toni Finsterbusch lieferte sich Mercado ein flottes Rennen, das für ihn mit Platz 5 endete. Das zweite Rennen dagegen ging für Mercado mit einem Schreckmoment los. In der ersten Schikane wurde er von einer wilden Karambolage im Umfeld aus dem Konzept gebracht. Doch mit einem wilden Schlenker konnte der Argentinier sein Rennen fortsetzen. Auch wenn die Sache mit dem Gewinnen fürs Erste vom Tisch war. Es folgte noch eine nettes Duell mit Teamkollege Soomer, das für Mercado mit dem vierten Rang endete.

«Es war ein hartes Wochenende für mich», gestand Mercado im Anschluss. «Am Donnerstag bekam ich Fieber und daher war mein Energielevel nicht so hoch wie gewohnt. Dazu noch die Hitze, ich habe mich zeitenweise nicht wie ich selbst gefühlt. Trotzdem habe ich für mich das Maximum rausgeholt. Im ersten Rennen versuchte ich, mit der ersten Gruppe mitzukommen, aber mein Gefühl war ehrlich gesagt nicht so toll. Auf der Bremse hatte ich ein paar Probleme mit der Front. Auch wenn es hart war, habe ich es auf Platz 5 zu Ende gebracht. Nach ein paar Änderungen am Motorrad habe ich mich in Rennen 2 gleich viel wohler gefühlt. Fürs Podest hat es leider nicht gereicht. Platz 4 war das Maximum. Ich habe mich echt schlecht gefühlt. In Oschersleben geht’s mir wieder besser und ja, wir kämpfen weiter.»

Bálint Kovács war erst beim Rennen in Schleiz in die IDM eingestiegen, nachdem vorher noch sein gebrochenes Schlüsselbein wieder zusammenwachsen musste. «Schleiz war hart», bewertete er sein Comeback. «Aber mehr bedingt durch die lange Pause vorher. Danach war ich echt fertig.» Doch nach den EWC-Rennen in Spa, wo er fünf der acht Stunden allein stemmen musste, und ein paar Extra-Trainingseinheiten war der Ungar für Most wieder voll auf der Höhe. Sein letztjähriger IDM-Most-Besuch verlief nicht ganz reibungslos und das Qualifying war eher mittelprächtig. «Im zweiten Rennen bin ich dann auch noch gestürzt», erinnerte er sich. «Ich will dieses Jahr zeigen, dass ich es besser kann.» Das gelang Kovács in der Superpole, bei der er sich den achten Startplatz schnappte.

Doch schon im ersten Rennen kam zu den unschönen Erinnerungen noch eine weitere schlechte dazu. Nach einer gelungenen Anfangsphase dann der unplanmäßige Ausflug ins Kiesbett. Der Ungar blieb unverletzt, doch das Rennen war für ihn gelaufen. «Ich war eigentlich recht komfortabel auf dem achten Rang unterwegs», schilderte er nach seinem Ausfall. «Vor mir hatte ich Platz und ich begann meinen Vorsprung vor den Verfolgern auszubauen. Dann habe ich in der langgezogenen Haarnadel-Kurve die Kontrolle über das Vorderrad verloren. Es war kein heftiger Abflug, aber das Rennen war gelaufen.»

Auch das zweite Rennen war für den Ungarn ein wenig mühsam, aber immerhin schaute das Resultat mit Platz besser aus. «Wir hatten noch ein kleines technisches Problem aus dem ersten Rennen gelöst», berichtete er. «Bei der Karambolage in der ersten Schikane nach dem Start habe ich einen ordentlichen Schlag abbekommen. Im Anschluss habe ich dann einiges an Zeit und Plätzen verloren und war irgendwo auf Platz 11 unterwegs. Ich habe dann Platz für Platz gutgemacht. Most ist ja nicht so meins und ich habe mir die Probleme selbst gemacht. Aber ich habe mein Maximum gegeben und freue mich jetzt auf das nächste Rennen in Oschersleben.»

Milan Merckelbagh ist in diesem Jahr neu im Team Masteroil-alpha-Van Zon-BMW und will sein Nachwuchstalent am liebsten mit einem Platz unter den ersten Fünf unter Beweis stellen. Nach dem Schleiz-Ausflug gönnte sich der Niederländer nur eine kurze Pause, bevor er sich bei der Superbike-Meisterschaft im eigenen Land an den Start stellte – und eine Sieg holte. «Es waren anstrengende Wochen», gab er zu, «aber ich bin bereit für Most. Es ist keine einfache Strecke, aber ich mag sie.»

Mit dem Umweg über die Superpole 1 gelang ihm in der Superpole 2 dann nochmals eine Verbesserung in Sachen Rundenzeiten und er belohnte sich mit dem elften Startplatz. Im ersten Rennen wurde es dann nichts mit einer Belohnung. Merckelbagh stürzte, doch Aufgeben war keine Option für den Niederländer. Er schnappte sich seine leichte angekratzte BWM und jagte dem Feld mit Abstand hinterher. Mit Platz 16 ging er am Ende dennoch leer aus. 

Wenig gesprächig war der Niederländer verständlicherweise auch nach Rennen 2. Denn auch da hatte es ihn erwischt, weiterfahren ging nicht und das Rennen war schon nach wenigen Runden für ihn beendet. «Im ersten Rennen konnte ich zumindest noch weiterfahren», so sein Kommentar. «Mein Bremsdruck hatte nachgelassen und ich musste einen weiten Bogen fahren. Dabei bin ich dann auf dem dreckigen Asphalt gecrasht. Im zweiten Rennen lief es ähnlich. Ich bin spät eingebogen und bin auch da auf schmutzigem Asphalt weggerutscht.» Für Merckelbagh heißt es nun erst einmal, den Frust zu bewältigen, bevor er den Blick wieder nach vorne richten kann.

Relaxen im Sonnenschein ist auch nach dem IDM-Event in Tschechien nicht angesagt. Mit der IDM geht es für das Team Masteroil-alpha-Van Zon-BMW in zwei Wochen mit dem zweiten Besuch in der Motorsport Arena Oschersleben weiter. 


Montag, 23. Juni 2025

IDM Sportbike: Fotofinish-Sieg zwischen Iglesias und Svendsen

Im Ziel auf Platz 3: Petr Svoboda Aprilia RS660 #53
Foto: Jens Hawrda

Großes Kino lieferten die Sportbike-Fahrer der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) im zweiten Rennen am Sonntag in Most ab. Ein Foto–Finish entschied, dass Inigo Iglesias als Sieger hervorging.

Er wolle eine gute Show liefern, sagte Inigo Iglesias (Wematik Racing by RT Motorsports) vor dem Rennen im TV-Interview, als sich das Feld gerade für den zweiten Lauf vorbereitete – und er hielt Wort.

Nach dem Start verteidigte Svendsen (Triumph Germany Racing Team) noch seine Pole, doch Iglesias kam schneller als erwartet. Denn der Spanier fackelte nicht lange und nutzte seine Chance zum Überholen direkt nach der ersten Schikane. Doch Svendse war auf Zack und konterte direkt zum nächstmöglichen Zeitpunkt. Wenn zwei sich rangeln, freut sich der Dritte, der in diesem Fall Petr Svoboda (WRP Racing) war. Der Tscheche schoss von hinten aus dem Nichts an Iglesias vorbei und belegte damit Position zwei. Von da an war der Kampf unter den drei Piloten entfacht und es ging hin und her.

Überholmanöver am absoluten Limit 

Da es beim Sidecar-Rennen zuvor eine lange Ölspur gab und es einiges an Zeit in Anspruch nahm, die Strecke zu reinigen, verkürzte die Rennleitung das Sportbike-Rennen auf zehn von eigentlich angesetzten elf Runden. Zur Rennmitte hatte sich das Fahrerfeld vorerst etwas geordnet und vorne an der Spitze führte Svendsen das Rennen an, während Iglesias hinter ihm lauerte. Schließlich folgte in Runde sieben ein Überholmanöver, das beide Fahrer an ihr Limit brachte. Svendsen ging an einer Stelle etwas weit, und Iglesias griff an. Der Spanier versuchte an den Dänen vorbeizukommen, doch Svendsen hielt gegen, wobei sich sein Motorrad begann aufzuschaukeln. Dazu machte Iglesias plötzlich die Bremse auf und stach über die Kurbs, was dazu führte, dass beide aufs Grüne zusteuerten. “Während des Überholmanövers hatte ich das Gefühl, ein bisschen Öl am Reifen zu haben von der Spur auf der Strecke, weshalb ich die Bremse löste, sonst wären wir beide gestürzt”, berichtete der WM-Erfahrene nach dem Rennen. Doch sowohl Svendsen als auch Iglesias brachten ihre Bikes wieder unter Kontrolle und fuhren weiter – nun mit Iglesias an der Front.

Letzten Zentimeter entscheiden 

Der intensive Zweikampf spitzte sich dann in der letzten Runde zu: Svendsen klebte hinter seinem Gegner wie Kaugummi und wartete nur auf den richtigen Moment. Doch Iglesias machte sich auf der Strecke breit wie ein Bus und ließ keine Lücken für einen Angriff  zu. Also fiel die Entscheidung auf den finalen Zentimetern, nachdem Svendsen versuchte, nach der letzten Kurve mit Schwung aus dem Windschatten heraus an seinen Kontrahenten vorbeizukommen. Das Foto-Finish entschied den Sieger: Inigo Iglesias kam 0,005 Sekunden vor Svendsen ins Ziel. “Wir haben absolut an unseren Grenzen gekämpft und alles gegeben”, sagte Inigo Iglesias anschließend. “Ich bin so stolz darauf, dass ich meinem neuen Team gleich bei unserem ersten gemeinsamen Rennwochenende einen Sieg schenken konnte”, fuhr er fort. Sein Team Wematik Racing by RT Motorsports hat sein Manager Rob Vennegoor nach zwei Teamwechseln in den letzten drei Wochen nach Schleiz auf die Beine gestellt und wagte in Most einen Neustart. Der 23-Jährige sammelte nach den beiden Rennen insgesamt 45 Punkte, obwohl ihm noch vor dem ersten Lauf die Kette in der Sighting Lap gerissen war und die Mechaniker in Windeseile das Bike wieder fahrbereit machen mussten. Allerdings ging das Rennen für Iglesias dann von ganz hinten los.

Bei der Siegerehrung zeigte ein Mechaniker von Iglesias das kaputte Kettenschloss, das sie zufällig auf der Abendrunde auf der Strecke am Samstagabend wiedergefunden hatten und für den Kettenriss sorgte.

Oliver Svendsen war mit seinem zweiten Platz nach dem harten Kampf nicht zufrieden und monierte ein wenig das Fahrverhalten des Spaniers, das auf der Strecke seiner Ansicht nach teils sehr hart gewesen sei. “Nichtsdestotrotz sind die Punkte wichtig für die Meisterschaft – und das zählt am Ende”, kommentiert der 21-Jährige und weiterhin Tabellenführende, der in der Auslaufrunde noch seinen Landsmann Ty Henriksen einsammeln, der im Kampf um Platz sechs in der letzten Runde stürzte. Peter Svoboda konnte mit den beiden vorne zwar nicht mehr mithalten, konnte sich aber über Rang drei freuen.

Bestes Saisonergebnis für Anton Södergren, Triumph Daytona 660 #87
Foto: Jens Hawrda


Bestes Ergebnis für Södergren, Hänse hat Pech

Der Schwede Anton Södergren (Triumph Germany Racing Team) konnte im zweiten Lauf abliefern, nachdem er am Samstag ins Kiesbett gerutscht war. Für den Triumph-Piloten ist Rang vier die persönliche Bestleistung in seiner IDM-Saison. Rick Kooistra (Pearle Gebben Racing) wurde Fünfter, gefolgt von Ben Kugler (MotoLife) auf Position sechs.

Justin Hänse (Motorradtke GYTR by Penz13), der als Meisterschaftszweiter nach Most kam, verlief das Wochenende enttäuschend. Zwar kam er am Sonntag nicht zu Sturz, stattdessen versemmelte er den Start und hatte Schwierigkeiten, die gereinigte Ölspur zu ignorieren. Er kam hinter Alexander Weizel (AK Racing Team) auf Rang acht.

IDM Sportbike, Ergebnis Race 2 (Top-Ten)

  1. Inigo IGLESIAS (ESP), Triumph Daytona 660
  2. Oliver SVENDSEN (DNK), Triumph Daytona 660
  3. Petr SVOBODA (CZE), Aprilia RS 660
  4. Anton SÖDERGREN (SWE)
  5. Rick KOOISTRA (NLD), Triumph Daytona 660
  6. Ben KUGLER (DEU), Aprilia RS 660
  7. Alexander WEIZEL (DEU), Aprilia RS 660
  8. Justin HÄNSE (DEU), Yamaha YZF-R7
  9. Korbinian BRANDL (DEU), Aprilia RS 660
  10. Kristoffer KÖNIG (DEU), Aprilia RS 660

Quelle: idm.de / Rowena Hinzmann