Freitag, 2. August 2024

Mercedes-AMG stellt den Bereich GT Sport strategisch neu auf

  •  Mercedes-AMG gründet Affalterbach Racing GmbH
  •  Neues Unternehmen übernimmt die Entwicklung des AMG GT3-Nachfolgemodells
  •  Restrukturierung als starkes Commitment von Mercedes-AMG zum GT Sport

Foto: Jens Hawrda

Mercedes‑AMG hat wegweisende Maßnahmen vollzogen, um den Bereich Motorsport für die zukünftigen Anforderungen und Pläne strategisch neu auszurichten. Die Performance- und Sportwagenmarke von Mercedes‑Benz hat unter dem Namen „Affalterbach Racing GmbH“ eine neue Tochtergesellschaft gegründet. Das Unternehmen wird in Zukunft alle konzeptionellen und technischen Kundensport-Aktivitäten von AMG, darunter auch die Entwicklung des neuen Mercedes‑AMG GT3‑Fahrzeugs, verantworten. Darüber hinaus plant die Mercedes‑AMG GmbH einen Teil des langjährigen Partners HWA AG zu übernehmen. Beide Unternehmen haben eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet. Mit dieser Restrukturierung bekräftigt AMG sein Bekenntnis zum GT Sport.

Affalterbach Racing GmbH projektiert Mercedes‑AMG GT3‑Nachfolgemodell

Motorsport ist in der DNA von Mercedes‑AMG fest verankert. Diese Gene sowie die entsprechende Fachkompetenz ziehen sich durch alle Bereiche und Entwicklungsabteilungen hindurch. Jene Kompetenzen werden durch das Fachwissen der Affalterbach Racing GmbH ergänzt und fokussiert für die Konzeption und Entwicklung von zukünftigen Projekten eingesetzt. Auf kürzesten Wegen können so Synergieeffekte mit verschiedenen Entwicklungsbereichen der AMG Straßenfahrzeuge geschaffen werden. Ein noch tiefgreifender technologischer Austausch in beide Richtungen ist geplant.

Die Zusammenführung des großen technischen Know-hows hat als erstes Projekt das Ziel, das Nachfolgemodell des Mercedes‑AMG GT3 zu entwickeln. Mit dieser Neukonzeption soll die Erfolgsgeschichte des internationalen Customer Racing Programms von AMG fortgeschrieben werden.

Das nächste GT3-Rennfahrzeug „Made in Affalterbach“ basiert auf einem Derivat der Mercedes‑AMG GT Familie. Die zweite Generation des zweitürigen AMG GT wurde 2023 präsentiert und seitdem wächst die Sportwagenfamilie stetig. Das bereits fünfte Mitglied, der Mercedes‑AMG GT 63 PRO 4MATIC+1,2, hat vor kurzem erst in Brooklands (England) seine Weltpremiere gefeiert.

Die Affalterbach Racing GmbH hat ihren Hauptsitz, wie AMG, in Affalterbach und wird im engen Schulterschluss mit dem Mercedes‑AMG Motorsport-Team agieren, das die Gesamtkoordination der internationalen Motorsportaktivitäten weiterhin innehat.
Zukünftige Zusammenarbeit mit der HWA AG

Neben der Gründung des neuen Unternehmens ist ein zusätzlicher strategischer Schritt geplant. Mit dem langjährigen Partner HWA AG werden intensive Gespräche geführt, den Geschäftsbereich Kunden‑Motorsport zu übernehmen. Beide Parteien haben hierfür bereits ein nicht‑bindendes Term Sheet unterzeichnet und befinden sich in der Abstimmungsphase. Durch die beabsichtigte Integration soll der hohe Standard im Bereich Mercedes‑AMG Customer Racing in Zukunft weiter ausgebaut werden. Dazu zählen neben der Bündelung von Entwicklungskompetenzen auch der internationale Kunden-Service an den Rennstrecken sowie der Ersatzteile-Support in Europa, USA, China und Australien.

Die HWA AG führt ihre sonstigen Geschäftsbereiche fort, so beispielsweise das Projekt HWA EVO. Die Neuinterpretation des ikonischen Mercedes‑Benz 190 E 2.5‑16 Evolution II wird weiterhin von der HWA AG eigenverantwortlich entwickelt, gebaut und verkauft. AMG steht dem Wiederaufleben dieses einzigartigen Fahrzeugs positiv gegenüber.

Michael Schiebe, Vorsitzender der Geschäftsführung Mercedes‑AMG GmbH
„Motorsport ist Teil der DNA von Mercedes‑AMG. Dazu zählt aktuell vor allem auch der GT Sport, in dem wir seit Jahren sehr erfolgreich sind. Diese Erfolge möchten wir in Zukunft nicht nur fortführen, sondern weiter ausbauen. Wir sehen ein nach wie vor wachsendes Interesse an GT3-Fahrzeugen und arbeiten dementsprechend auch intensiv an unserem Nachfolgemodell. Um unsere Inhouse-Kompetenz noch effektiver zu nutzen, haben wir durch die neue Business Unit am Standort Affalterbach den Motorsport-Bereich strategisch weiter gestärkt und wichtige Weichen für die Zukunft gestellt. Mit der Affalterbach Racing GmbH werden wir nun noch flexibler und schneller agieren können.“

Christoph Sagemüller, Leiter Mercedes‑AMG Motorsport
„Es freut mich sehr, dass wir mit der Neugründung der Affalterbach Racing GmbH unser langfristiges und nachhaltiges Bekenntnis zum Kundensport nochmals bekräftigen. Wir sind bestrebt, unser global äußerst erfolgreiches GT-Kundensportprogramm weiter auszubauen. Im ersten Schritt steht für die neue GmbH die Entwicklung des neuen GT3-Rennfahrzeugs im Fokus, damit wir unseren internationalen Kunden auch weiterhin ein sicheres, siegfähiges und zuverlässiges Fahrzeug anbieten können.“

IDM Superbike: Bálint Kovács ist der Team-Star hinter Mikhalchik

Bálint Kovács BMW #27
Foto: Jens Hawrda

Zwar steht er im Schatten des Tabellenführers und Teamkollegen Ilya Mikhalchik (Champion-Alpha-Van Zon-BMW), doch den eher unscheinbaren Ungarn Bálint Kovacs sollte man zunehmend auf der Rechnung haben. Nach zwei achten Plätzen auf dem Schleizer Dreieck ist sein siebter Rang in der Gesamtwertung beinahe wie eingemeißelt. Aber er will noch weiter nach vorn.

Fünf Fahrer hat Teamchef Werner Daemen für seinen seine BMW-Auftritt dieses Jahr an Land gezogen: Ilya Mikhalchik (UKR), die Österreicher Jan Mohr und Philipp Steinmayr, den 21-jährigen Max Schmidt aus Wuppertal und Bálint Kovács aus Ungarn. Eben dieser hat sich in seiner zweiten IDM Superbike-Saison im Team als bisher standhaft erwiesen. Nach seinen zwei Podiumsplätzen in Oschersleben ist er zum erfolgreichsten Fahrer hinter Mikhalchik in Daemens Kader avanciert. Wie auch der Ukrainer punktete der Ungar auf dem Schleizer Dreieck in beiden Rennen auf dem gleichen Platz. Kovács ergatterte zwei Mal acht Zähler und hat sich damit auf seinem Tabellenplatz behauptet.

Schon in den Trainings ließ er keinen Zweifel daran, dass er wie schon die letzten Rennen um einen der Top-Plätze kämpfen wollte. Zumal er an die 3,805 Kilometer lange Naturrennstrecke beste Erinnerungen hatte. „2019 war ich dort mit dem Suzuki-Cup am Start und konnte die Pole-Position, die schnellste Rennrunde und zwei Laufsiege verbuchen.“ In vergangenen Jahr nahm er bei den Superbikes zwar nur sechs Punkte mit, „aber jetzt starte ich mit mehr Erfahrung und auch mehr Wissen in das Wochenende“, meinte er im Vorfeld.

Vom achten Startplatz ging es für den BMW-Mann ins erste Superbike-Rennen des Tages. „Komplett zufrieden bin ich nicht“, offenbarte der 22-Jährige aus dem 60 Kilometer vom Balaton entfernten Székesfehérvár vor dem Start. „Mein Ziel sind die Top-Fünf. Doch was meine Rennpace angeht, bin ich zuversichtlich.“ So ganz geschmeidig verlief die Anfangsphase des ersten Laufes für ihn dann nicht, denn seine erste Runde beendete er als Zwölfter. Bis auf den neunten Platz kämpfte er sich nach vorne. Den zweiten Lauf beendete genauso. „Es ging alles sehr eng zu. In der zweiten Hälfte konnte ich sogar um den sechsten Platz mitkämpfen, mit Blick auf Platz 5. Ein Überholversuch hat mich wegen einer Berührung zwei Sekunden gekostet. Aber jetzt kommt Assen. Die Strecke mag ich und auch letztes Jahr lief es da gut für mich.“ 

Quelle: idm.de / Anke Wieczorek

Mittwoch, 31. Juli 2024

Zusammenfassung des IDM Rennwochenendes am Schleizer Dreieck

 Volles Haus und Doppelsiege auf dem Schleizer Dreieck

Packende Kämpfe nicht nur, wie hier bei den Superbikes, gab es wieder in Schleiz
Foto: Jens Hawrda

Atemberaubende Duelle, Doppelsieger in allen IDM-Klassen, ständig wechselnde Emotionen und über 30.500 Zuschauer machten die Rennen zur Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) am vergangenen Wochenende zu einer einzigartigen Sause. Deutschlands Top-Serie im Motorradrennsport feierte auf dem Schleizer Dreieck den Saisonhöhepunkt.

Vor genau 100 Jahren fand auf der berühmten Naturrennstrecke in Thüringen der erste Lauf zur Deutschen Motorradmeisterschaft statt. In der höchsten Kategorie waren nichtsteuerfreie Krafträder über 500 ccm am Start. Das Rennen über 200 Kilometer gewann Toni Bauhofer auf Megola. Ihm gelang mit 78 km/h auch die schnellste Durchschnittsgeschwindigkeit des Tages.

Jetzt, 100 Jahre später, haben die Motorräder in der Topklasse über 200 PS und sind mindestens 300 km/h schnell. Ilya Mikhalchik (Champion Alpha Van Zon) gewann am Wochenende beide Rennen vor Gastfahrer Markus Reiterberger (Masteroil by MRP) und Florian Alt (Holzhauer Racing Promotion). Damit knöpfte der BMW-Fahrer aus der Ukraine dem deutschen Titelverteidiger auf Honda die Führung in der Gesamtwertung ab. Alts Rückstand auf den neuen Spitzenreiter beträgt jetzt acht Punkte. Der 28-Jährige Engelskirchener hatte Schadensbegrenzung betrieben. Zu Beginn des ersten Laufes hatte er vor dem 30-jährigen vierfachen Superbike-Meister Markus Reiterberger die Spitze des Feldes übernommen. Der Publikumsliebling war von der dritten Position gestartet. Die Beiden lieferten sich ein Battle auf Augenhöhe. Alt hatte sich schon im Vorfeld auf den Gastfahrer gefreut.

Mikhalchik sah sich den Zweikampf von hinten an und sein Fahrstil strahlte regelrecht Gelassenheit aus. Aber es war absehbar, dass vom 27-jährigen BMW-Fahrer noch etwas kommen würde. Und Mikhalchik war tatsächlich abgezockt genug, um sich zuerst Alt und später den Bayern zurecht zu legen. Mikhalchiks viertem Saisonsieg stand nichts mehr im Wege.

Der zweite Lauf war wie eine Kopie des ersten Rennens, nur dass sich Reiterberger und Mikhalchik an der Spitze beharkten, was erneut zu Gunsten des Ukrainers ausging. Es herrschte Wehmut in Reiterbergers Brust, der als Gastfahrer keine Punkte bekam, aber schon gerne in seinem grünen Wohnzimmer gewonnen hätte. Der Bayer genießt in Schleiz Kultstatus und ist seit seinem ersten Streckenrekord im Jahr 2013 auf einer Ehren-Stele in der Stadt verewigt. Er ist fest im Glauben: „Wenn wir am Freitag mit dem nagelneu aufgebauten Motorrad so begonnen hätten, wie es heute dasteht, hätte ich die letzten 100 Meter führend ins Ziel gebracht.“ Aufregend: Florian Alt bekam Gesellschaft durch Jan-Ole Jähnig. Der erst zwei Jahre in der IDM Superbike fahrende Thüringer setzte den Titelverteidiger sogar richtig unter Druck. Und dieser wusste längst, dass man „JO“ neuerdings auf dem Zettel haben muss. Das Küken aus der GERT56-Maschinerie ist flügge geworden und wurde Vierter. Kawasaki und Yamaha haben weiterhin mit Leandro Mercado aus Argentinien und dem Österreicher Thomas Gradinger die heißesten Eisen im Feuer. Beide holten einen Top Ten-Platz. Ducati-Star Lorenzo fehlte in Schleiz verletzungsbedingt: Schlüsselbeinbruch links.

In der Auslaufrunde wurden alle Fahrer wie Helden gefeiert. Mikhalchik trennte sich von seinen Knieschonern und warf sie in die Menge. Die Zuschauer stürmten die Strecke, um die Fahrer abzuklatschen. Bengalos ließen gelbe Rauchschwaden in die Luft ziehen. So geht ein Rennen auf dem Schleizer Dreieck zu Ende.

In der IDM Supersport war es das Wochenende von Twan Smits. Der Niederländer hatte sich zum Saisonbeginn so schwer getan, jetzt ist die Welt wieder in Ordnung: Doppelsieg für den 20-jährigen Yamaha-Fahrer vom Team Apreco aus den Niederlanden.

Andreas Kofler war wie schon fast üblich ein Blitzstart von der Pole Position aus gelungen. Nach zwei Runden hatten sich Dirk Geiger (MCA Racing, Honda), Lennox Lehmann (Yamalube Motorsport Kofler), Twan Smits und Luca de Vleeschauwer (MotoLife) hinter dem Österreicher eingefädelt.

Vizemeister Smits war es anzumerken, dass er verdammt gut drauf ist. Im zweiten Sektor fuhr er fast eine Sekunde schneller als der führende Kofler. Und dieser war auch völlig überrascht, dass der 20-jährige Niederländer plötzlich neben ihm auftauchte und ihn sogar überholte. Die beiden Yamaha-Fahrer gaben nun den Takt an. In der zehnten Runde ging es drunter und drüber. Smits und Kofler rutschten parallel von der Strecke. Das sah nach einer Ölspur aus. Zwei weitere Fahrer folgten. Die rote Flagge wurde geschwenkt. Gewertet wurde die Reihenfolge der Fahrer nach der letzten vollen Runde. Sie müssen aber innerhalb von fünf Minuten samt Motorrad zurück in der Box sein. Das waren von der Spitzengruppe Twan Smits, Lennox Lehmann, Dirk Geiger, Daniel Blin. Einer fehlte: Andreas Kofler. Er fiel aus der Wertung. Es gab nur die halbe Punktzahl für die absolvierten neun statt der angesetzten 15 Runden.

Im zweiten Rennen wurde Kofler Dritter hinter dem dominierenden Twan Smits und Lennox Lehmann aus Dresden. Weil seine unmittelbare Konkurrenz auf der Naturrennstrecke nicht ganz vorn war, bleibt Kofler aber ganz lässig der Führende in der Gesamtwertung. Was sonst noch aufgefallen ist: Alle Motorradmarken, die in dieser Klasse vertreten sind, haben im Rennen Punkte geholt: Yamaha, Ducati, Triumph, Honda, Kawasaki, MV Agusta.

In der Nachwuchsklasse IDM Supersport 300 gewann Oliver Svendsen (Freudenberg KTM-Paligo Racing) beide Rennen. Der 20-jährige Däne, der kürzlich als Gaststarter sein Debüt in der Weltmeisterschaft gab und auf Anhieb Sechster wurde, gewann den ersten Lauf mit dem hauchdünnen Vorsprung von 0,065 Sekunden vor seinen Teamkollegen Ruben Bijman und Philipp Tonn. Das zweite Rennen wurde aufgrund einer Ölspur auf der Fahrbahn vorzeitig abgebrochen. Svendsen verließ Schleiz als neuer Tabellenführer in der Meisterschaft.

Die Schleizer Fans bekamen in der Klasse der Seitenwagen an diesem Wochenende eine Mischung aus wetterbedingten Herausforderungen sowie Freud und Leid geboten. Die britischen Gebrüder Sam und Tom Christie (Hannafin/LCR Yamaha) gewannen zwar beide Rennen, wurden aber als Gaststarter nicht gewertet. Stattdessen konnten die Franzosen Ted und Vincent Peugeot (Seventy Four Racing Team/LCR Yamaha) zwei Siege verbuchen und ihre Tabellenführung in der IDM-Wertung deutlich ausbauen, die in Schleiz im Mittelpunkt stand. Weil das Schleizer Dreieck mitsamt seiner Atmosphäre eine Ausnahmestellung hat, waren auch WM-Fahrer wie Pekka Päivärinta, Titelverteidiger Todd Ellis und Bennie Streuer angereist. Ausgerechnet Markus Schlosser und Lokalmatador Luca Schmidt (Team Schlosser/LCR Yamaha) mussten Federn lassen. Im Sprintrennen wählten sie die falschen Reifen und im zweiten Lauf rollte ihr Sidecar in Führung liegend in der letzten Runde aufgrund eines Motorschadens direkt vor den Zuschauern auf dem Buchhübel aus.

Fazit: Schleiz war wieder eine Reise wert und das Programm wurde durch drei Cup-Klassen und eine Autogrammstunde im Fahrerlager garniert. Das ist Motorsport zum Anfassen.


In Schleiz lief es für das Team GERT56 richtig gut

Hobelsberger vor Jähnig und Finsterbusch
Foto: Jens Hawrda

In beiden Läufen der vierten Saisonstation der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) landeten die drei GERT56-Piloten direkt hintereinander im Ziel. Im ersten Lauf sammelte Patrick Hobelsberger die Punkte für Rang drei, gefolgt von Toni Finsterbusch und Jan-Ole Jähnig. Im zweiten Rennen holte Jähnig die Punkte für Rang drei, gefolgt von Hobelsberger und erneut Finsterbusch, der aber eine unglaubliche Aufholjagd präsentieren konnte.

Mit einer Granaten-Zeit von 1:23,969 Minuten hatte sich Jähnig in der Superpole als Dritter in die erste Startreihe katapultiert. Dabei blieb er nur 57 Tausendstelsekunden hinter dem amtierenden Meister Florian Alt auf Startplatz zwei. Pole-Sitter Ilya Mikhalchik, Alt und Jähnig waren die einzigen drei Fahrer, die in dieser Session die Schallmauer von 1:24 Minuten durchbrechen konnten. Damit blieb Jähnig sogar noch knapp drei Zehntelsekunden vor dem vierfachen Meister Markus Reiterberger, der am Wochenende einen Gaststart am Schleizer Dreieck absolvierte. 

Im ersten Rennen raufte sich das GERT56-Trio zu einem wahren D-Zug zusammen und pflügte gemeinsam um das Schleizer Dreieck. Am Ende wurde Hobelsberger als Vierter abgewunken, nur 8,078 Sekunden hinter Sieger Mikhalchick. Um knappe 63 Tausendstelsekunden hielt er Finsterbusch hinter sich, Jähnig hatte weitere 0,343 Sekunden Rückstand auf Finsterbusch. Da Reiterberger auf Platz zwei keine Meisterschaftszähler bekam, feierte Hobelsberger ein „Punkte-Podest“ mit 16 Zählern für Rang drei. 

Im zweiten Rennen fuhr Jähnig wie entfesselt. Er heftete sich an die Spitzengruppe, kannte keinen Respekt vor großen Namen und fightete mit Alt auf der letzten Rille. Mehrfach überholten sich die Beiden, wobei Jähnig fast die stärkere, fahrerische Leistung gezeigt haben dürfte, denn der Top-Speed-Vorteil der Holzhauer-Honda von Alt war beim Rausbeschleunigen und auf den Geraden mehr als mit bloßem Auge zu erkennen. Erst auf der letzten Runde musste sich Jähnig dann doch „geschlagen“ und mit Rang vier – aber Punkten für Platz drei – zufriedengeben. 

Das Schleizer Dreieck war die vierte von sieben Saisonstationen. Toni Finsterbusch liegt mit 93 Punkten auf dem Konto auf dem dritten IDM-Superbike-Tabellenrang. Er hat einen Punkt Vorsprung auf Teamkollege Patrick Hobelsberger. Jan-Ole Jähnig ist mit 89 Punkten auf dem fünften Rang keinesfalls abgeschlagen von seinen Teamkollegen, verliert nur drei Zähler auf Hobelsberger. 

Stimmen der Piloten zum Rennwochenende in Schleiz

Patrick Hobelsberger:

„Das Schleizer Dreieck ist eine Strecke, auf der ich in der Vergangenheit sehr viele Schwierigkeiten hatte. Die Piste ist definitiv die größte Herausforderung der Saison für mich. Am Freitag konnten wir uns in den freien Trainings sehr schnell auf ein gutes Niveau fahren. Das Team hat sauber und strukturiert gearbeitet und jede Session war ein guter Fortschritt erkennbar. Im Qualifying konnten wir uns direkt für die Superpole 2 qualifizieren. Mit einem weiteren Schritt gelang uns Startplatz fünf. Das war für mich viel mehr als erwartet in Schleiz. Vielen Dank an meinen Teamkollegen Jan-Ole der mir etwas aushalf auf meiner schnellsten Runde. Teamwork! 

In Rennen eins erwischte ich einen guten Start und konnte als Fünfter in die erste Kurve einbiegen. Ich klemmte mich direkt an die Führungsgruppe und übernahm noch auf der ersten Runde Rang vier. Ich bin konstante Quali-Zeiten gefahren. Bis zur Rennhalbzeit konnte ich mit der Führungsgruppe mitgehen, jedoch war durch die vielen Zweikämpfe direkt eine Lücke aufgebrochen. P4 konnte ich bis zum Ende verteidigen und ein sehr starkes Rennen ins Ziel bringen!

Im zweiten Rennen war mein Start richtig gut, leider habe ich die Außenlinie gehabt und verlor auf der Ölspur und dem Bindemittel eine Position. Durchgekämpft auf P5 ging die Jagd erneut identisch los, wie im ersten Rennen. Einige Runden war ich an der Führungsgruppe dran, wenige Runden vor Schluss konnte ich meinen fünften Platz nach hinten absichern und ins Ziel bringen. 

Die Strecke, die für mich als die größte Herausforderung galt, ist mit Punkten für die Ränge drei und vier perfekt gemeistert worden. Jetzt geht es nach Assen! Wir haben Fortschritte gemacht und stark gepunktet auf Strecken, auf denen niemand mit uns gerechnet hat! Ich kann es kaum erwarten die letzten Strecken zu fahren, auf denen ich sehr gute Ergebnisse hatte und sehr viel Erfahrung habe!

Toni Finsterbusch:

„Ich habe mir leider schon am Freitag im FP1 mein Wochenende schon bisschen versaut, da ich leider einen Sturz bei 230 km/h hatte. Danach war ich etwas angeschlagen. Ich war gut ins Wochenende und gleich auf Zeiten gekommen, aber danach hat mir etwas das Vertrauen gefehlt und ich hatte auch etwas Schmerzen. Ich habe mich trotzdem gut durchgekämpft und die Jungs haben das Motorrad richtig schnell wieder aufgebaut. Im Qualifying hatten wir eine große Änderung gemacht, die wir aufgrund des nassen FP3 nicht testen konnten. Mit Rang sieben konnte ich noch einen halbwegs vernünftigen Startplatz herausfahren. Rennen eins ist relativ schnell erzählt: Wir hatten einen GERT56-Zug. Ich habe mich hinter JO aufgehalten, Pax war vorne. Auf den letzten vier Runden wollte ich attackieren, aber das hat nicht ganz gereicht. Trotzdem war ich mit Platz fünf zufrieden. Im zweiten Lauf wurde ich direkt am Start nach außen geschoben und musste über das Bindemittel in Kurve eins fahren, da habe ich viele Plätze verloren. Runter zur Stadt habe ich wieder ein paar Plätze verloren und war nach der ersten Runde nur fünfzehnter oder so. Ich habe trotz der ganzen Überholmanöver dann ein gutes Tempo angeschlagen und konnte mich noch nach vorne schieben. Ich hätte vorne mitmischen können, aber so wurde es nur Schadensbegrenzung. Im Endeffekt hat das Wochenende fast geendet, wie es angefangen hat.“

Jan-Ole Jähnig:

Das war ein gelungenes Wochenende. Schon am Freitag war ich in den freien Trainings von Anfang an vorne mit dabei. Schade war, dass wir durch das Wetter hier und da Trainingszeit eingebüßt haben. Aber wir haben auf jeden Fall auch alles richtig gemacht, das Warmup nicht zu fahren. Ich hätte gerne ein paar Dinge noch probiert. Mit meiner Quali-Pace bin ich mega-happy, also eine 1:23 hatte ich mir erhofft zu fahren und das ist mir auch gelungen und das war auch noch die erste Reihe. 

Ich muss sagen: Fürs erste Mal erste Startreihe war ich echt entspannt. Im ersten Rennen hatte ich aber einen wirklich beschissenen Start und habe dann mehr oder minder das ganze Rennen hinter Pax fest gehangen und nicht vorbei gekommen. Das hat mich schon ein wenig geärgert. Im zweiten Rennen bin ich deutlich besser weg gekommen und konnte mich gleich als Vierter einsortieren. Ich war die ganze Zeit an der Führungsgruppe dran. Leider habe ich nach fünf, sechs Runden links meinen Knieschleifer verloren. Daher war ich etwas eingeschränkt, aber doch nicht so, wie ich erst dachte. Ich konnte gut mit Alt mit fahren und ihn sogar ein paar Mal angreifen. Leider knapp am Podium vorbei, aber ich bin trotzdem zufrieden.

Dienstag, 30. Juli 2024

IDM Superbike Schleiz: Team Champion-Alpha-Van Zon-BMW mit Doppelsieg und Führung in der Meisterschaft

Ilya Mikhalchik holt sich in Schleiz den Doppelsieg und die Führung in der Meisterschaft
Foto: Jens Hawrda

Zehntausende Fans säumten am vergangenen Wochenende die Strecke rund um das in Thüringen gelegene Schleizer Dreieck, wo nach wie vor noch auf zum Teil öffentlichen Straßen gefahren wird und welches für Mensch und Maschine eine absolute Herausforderung im Kalender der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft IDM darstellt. Am Start der Klasse Superbike wie immer das Team Champion-alpha-Van Zon-BMW um den Belgier Werner Daemen mit seinem Fahrerquartett Ilya Mikhalchik (Ukraine), Philipp Steinmayr (Österreich), Bálint Kovács (Ungarn) und dem wieder genesenen Jan Mohr (Österreich). Nicht dabei sein konnte Max Schmidt, der sich bei einem Sturz auf der Grand-Prix-Strecke von Barcelona verletzt hatte.


Ilya Mikhalchik hatte eine mittlere Weltreise hinter sich gebracht, bevor es zum ersten Freien Training in Schleiz ging. Denn nur wenige Tage zuvor war der Ukrainer im Dienste von Hersteller BMW noch bei der Langstrecken-Weltmeisterschaft im japanischen Suzuka unterwegs gewesen, wo er mit seinen Kollegen den fünften Platz erobert hatte. Doch von Jetlag war bei Mikhalchik nichts zu merken und er erledigte seinen Job mit Bravour. Mit einer Runde von 1.23,444 min fuhr er die schnellste Zeit. Das Rennen ging für ihn dann aber von Startplatz 4 los. Die Rennleitung hatte ihn strafversetzt, da im dritten Freien Training bei halbnassen Bedingungen sein Rücklicht nicht wie gefordert leuchtete. Teamchef Werner Daemen setzte sich noch tatkräftig für seinen Schützling ein, doch am Ende musste man die Strafe schlucken.

Vor dem ersten Rennen hatte es noch kräftig geregnet und die Grip-Verhältnisse waren entsprechend schlecht. Kein Problem für Mikhalchik. «Es kommt drauf an», erläuterte er kurz vor dem Start, gut beschirmt von seiner aus Kiew angereisten Mama, «keinen Fehler zu machen wie im letzten Jahr. Die Stadt runter waren noch ein paar feuchte Stellen und ich werde es ruhig angehen lassen und mir das Ganze erst mal anschauen.» Gesagt, getan. In den ersten Runden hielt er sich hinter Florian Alt und Markus Reiterberger noch vornehm zurück. Nach der ersten Rennhälfte kassierte er dann Alt und in der letzten Runde war BMW-Kollege Reiterberger dran. Mit einer Sekunde Vorsprung gewann Mikhalchik das Rennen, schenkten diesen seiner Lebensgefährtin Milana zum Geburtstag und übernahm damit auch die Gesamtführung in der Tabelle.

Das identische Bild bot sich den Fans dann am Nachmittag. Wieder hatte Mikhalchik erst Florian Alt niedergekämpft und sich in der letzten Runde nach sehenswerter Aufholjagd noch Markus Reiterberger geschnappt. «Das zweite Rennen musste man clever angehen», meinte er nach seinem Doppelsieg, auch nachdem einiges an Ölbindemittel auf der Strecke lag. «Aber mein Pace war vor allem ab Rennmitte gut und ich habe mich besser gefühlt als im ersten Rennen. Ich hatte alles unter Kontrolle und musste es auf die letzte Runde ankommen lassen. Doch es hat geklappt und ich konnte meinen insgesamt achten Sieg in Schleiz einfahren.» Seinen Vorsprung in der Gesamtwertung konnte er mit dem Doppelsieg auf acht Punkte ausbauen.

Philipp Steinmayr war froh, dass es endlich wieder losging. «Vier Wochen ohne Motorrad», beschrieb er seine IDM-Pause und der damit einhergehenden Sehnsucht nach seinem fahrbaren Untersatz. Der Sprung in die Superpole 2, bei denen es um die 12 besten Startplätze ging, gelang dem Österreicher auf Anhieb.

Auf der Wunschliste stand eine Top-Ten-Platzierung. Das gelang Steinmayr im ersten Rennen des Tages mit Rang 12 nicht so ganz. Nach einem guten Start rauschte Steinmayr als Neunter nach der ersten Runde bei seiner Boxenmannschaft vorbei. Nach der Halbzeit ging es zurück auf Rang 12, den Steinmayr dann bis über die Ziellinie brachte. «Das Rennen selbst war jetzt nicht so sehr zum Strahlen», gab er anschließend zu, als er fleißig Autogramme schrieb. «Es war alles eng beieinander und ich hatte Platz 7 oder 8 angepeilt. Und ich war erst guter Dinge. Doch dann hatte ich mit dem Grip zu tun, der ab Rennmitte stark abgebaut hat. Da beißt man sich dann fest und der Arm macht immer mehr zu. Es schleicht sich dann auch der eine oder andere kleine Fehler ein. Am Ende konnte ich mich wieder sammeln und blieb an den Jungs vor mir dran, vorbei gings aber nicht mehr.»

Auf Platz 11 kam er dann im zweiten Lauf am Nachmittag im Ziel an. «Der Verlauf war ähnlich», so der Bericht des Österreichers. «Mein Team hatte nochmal was umgebaut und der Grip war spürbar besser. Mein Start war gut, aber aufgrund der vielen Ölspuren war ich etwas zögerlich. Das hat mich ein wenig aus dem Konzept gebracht, denn man schaut dann doch dahin, wo man nicht hinschauen sollte. Und trifft dann die Linie nicht perfekt. Mein Fehler, aber gegen Ende wurde es besser und auch meine Zeiten waren besser als in Lauf 1, aber leider zu spät.»

Bálint Kovács hatte in den vier Wochen IDM-Pause wieder kräftig die Werbetrommel für sich und seinen Sport gerührt und dem ungarischen Plattensee und der Strecke im tschechischen Brünn einen Besuch abgestattet. Die Erinnerungen an die doch spezielle Rennstrecke in Schleiz passen bei Kovács. «2019 war ich dort mit dem Suzuki-Cup am Start und konnte die Pole-Position, die schnellste Rennrunde und zwei Laufsiege verbuchen. Im letzten Jahr lief es für mich in der IDM Superbike in Schleiz nicht so gut, aber jetzt starte ich mit mehr Erfahrung und auch mehr Wissen in das Wochenende.»

In den Trainings ließ der Ungar keinen Zweifel daran, dass er wie schon die letzten Rennen um einen der Top-Plätze kämpfen wollte. Von Startplatz 8 ging es für den BMW-Mann ins erste Superbike-Rennen des Tages. «Komplett zufrieden bin ich nicht», offenbarte er vor dem Start ins Rennen. «Mein Ziel sind die Top-Fünf. Doch was meine Rennpace angeht, bin ich zuversichtlich.» So ganze geschmeidig verlief die Anfangsphase des ersten Rennens für ihn dann nicht, denn seine erste Runde beendete er als Zwölfter. Doch Aufgeben ist für den ehrgeizigen Ungar, der bei der IDM in Oschersleben schon zwei Mal aufs Podest gefahren war, keine Option. Bis auf den neunten Platz kämpfte er sich dann noch nach vorne.
 
Das Top-Ten-Ergebnis war in Schleiz keine Eintagsfliege und Kovács erntete in Lauf 2 erneut den 9. Platz. «Im Vergleich zum Vorjahr hatte ich ein gutes Wochenende», versichert er. «Denn 2023 war das mein schwächstes. Jetzt lief es von Anfang an besser und ich konnte mit den schnellen Jungs mithalten. Es ging alles sehr eng zu. Im ersten Rennen musste ich mich nach einem schlechten Start erst wieder zurückkämpfen. Auch wenn es im zweiten Rennen wieder Platz 9 wurde, war es ein besseres Rennen. Meine Pace war besser und in der zweiten Hälfte konnte ich sogar um den sechsten Platz mitkämpfen, mit Blick auf Platz 5. Beim Überholversuch haben wir uns dann berührt, das hat mich zwei Sekunden gekostet. Jetzt kommt Assen, die Strecke mag ich und auch letztes Jahr lief es da gut.»

Jan Mohr war nach wochenlanger Verletzungspause endlich wieder dabei. Der Österreicher hatte sich im Mai bei Testfahrten in Oschersleben das Schulterblatt gebrochen und musste seit dem Zuschauen. «Ich konnte im Vorfeld nur ein paar Runden drehen», erklärte der Österreicher, «daher war die Vorbereitung nicht ganz ideal. Aber ich habe mich sehr gut gefühlt.»

In Schleiz war mit einer perfekt funktionierenden Schulter wieder Racing angesagt. Am Freitag sorgte Mohr dann für einen Schreckmoment, als er spektakulär abflog. Er selbst kam mit dem Schrecken und ein paar blauen Flecken davon, doch seine BMW war nach mehreren Salti im Kiesbett doch arg in Mitleidenschaft gezogen worden. «Ich habe das Vorderrad verloren, wie aus dem Nichts», so Mohr. «Wir wissen bis heute nicht, warum.» Für die Superpole war dann alles wieder hergerichtet und mit dem kleinen Umweg über die Superpole 1 schaffte Mohr den Sprung auf Startplatz 9. «Keine Glanzleistung», so sein Urteil, «aber für die Umstände war ich sehr zufrieden.»

Mit einem Top-Ten-Ergebnis wurde es für Mohr in Lauf 1 dann nichts. «Ich habe mich wohlgefühlt», meint Mohr, «aber nach ein paar Runden habe ich den Schalthebel verloren und musste an die Box. Beim zweiten Anlauf im Rennen 2 sprang dann der 12. Platz für ihn heraus. «Es war mir vorher klar, dass die 18 Rennrunden brutal hart werden», erläutert der Österreicher. «Ich war durch die Zeit der Verletzung einfach nicht fit genug. Ich habe versucht, mit meiner Energie zu haushalten, doch es wurde mega-anstrengend. Die zweite Hälfte war unfassbar mühsam, es ging einfach nicht mehr. Das Ergebnis war nicht so wichtig, es war mir einfach wichtig, wieder aufs Bike zu steigen. Vom Speed her war sich sehr zufrieden, ohne den Sturz wäre natürlich mehr gegangen. Aber ich bin froh, dass ich mit Schleiz nach dem Crash vor zwei Jahren Frieden geschlossen habe. Es war schön, das Rennen zu beenden und jetzt freu ich mich auf Assen. Dann bin auch dann auch wieder besser in Form.

Zwei Wochen Pause sind jetzt im Team Champion-alpha-Van Zon-BMW angesagt. Mitte August geht es dann mit dem fünften Event der Saison 2024 auf dem niederländischen Grand Prix-Kurs von Assen weiter.