Samstag, 6. Juli 2024

DTM Classic: Pole für Stefan Mücke

Stefan Mücke (Mercedes-Benz C-Klasse DTM) wurde seiner Favoritenrolle im ersten Qualifying der DTM Classic gerecht und eroberte die Pole Position für den ersten Lauf. Der Berliner war 2,167 Sekunden schneller als Stefan Rupp (Audi A4 DTM), der das Zeittraining als Zweiter beendete. „Es läuft bei mir immer besser, ich kann sehr zufrieden sein. Es macht einfach nur Spaß, diese Autos zu bewegen“, strahlte Stefan Mücke, nachdem er aus seinem Mercedes geklettert ist. „Ich musste fast ein wenig aufpassen, nicht zu viel Risiko zu gehen, so gut war ich im Rhythmus.“ Mücke ist aber nicht nur vom Fahren an sich begeistert, sondern auch von der DTM Classic. „Dass wir für unsere alten DTM-Autos diese Plattform bekommen ist einzigartig.“

In das gleiche Horn stößt auch Stefan Rupp. „Mit der DTM zusammen zu fahren ist für uns sehr schön, aber ich denke, diese Autos gehören auch auf diese Plattform. Es ist die Geschichte der DTM, die von vielen Fans geliebt wird. Am Norisring ist zudem die Organisation toll, alle sind nett und es herrscht insgesamt eine familiäre Atmosphäre – ich fühle mich bei der DTM Classic sehr wohl.“ Und auch mit seiner eigenen Leistung war der Landshuter glücklich. „Ich habe vom ersten freien Training zum Qualifying über 1,3 Sekunden gefunden und liege nun gut zwei Sekunden hinter einem ehemaligen DTM-Profi wie Stefan Mücke. Aus meiner Sicht haben ich als Fahrer, aber auch mein Team einen wirklich guten Job gemacht.“

Altfrid Heger (Audi V8 DTM), Ronny Scheer (Ford Sierra RS500 BTCC) und Anton Werner (Audi 200 M86 MTM) klassierten sich auf dem Plätzen drei bis fünf, gefolgt von Yannik Dinger (BMW E36). „Mein Ziel war die Top Ten und das habe ich geschafft, obwohl ich Probleme mit der Leistung meines Autos hatte und auch mit nicht ganz neuen Reifen gefahren bin. Ich denke, ohne die Leistungsprobleme hätte ich vielleicht noch eine oder zwei Zehntelsekunden schneller sein können, aber das hätte an meiner Platzierung nichts geändert“, so der Schwarzwälder Dinger. „Jetzt freue ich mich auf morgen, wenn der Norisring wieder voll mit Zuschauern ist und wir in einer tollen Atmosphäre unsere Rennen bestreiten dürfen.“

Klaus Hoffmann (Opel Astra Coupé V8 DTM) und René Ruch (BMW M3 DTM), der im zweiten freien Training aufgrund technischer Probleme zuschauen musste, belegten die Ränge sieben und acht.

Quelle: dtm.com

DTM Classic: Bestzeit im zweiten Freien Training für Stefan Mücke

Schnellster im zweiten freien Training der DTM Classic war Peter Mücke (Mercedes-Benz C-Klasse DTM). Der Berliner, der sich den Mercedes mit Sohn Stefan Mücke teilt, realisierte die Bestzeit von 55,679 Sekunden wenige Augenblicke vor Ende des Trainings – obwohl er von einer Rippelprellung gehandicapt wurde, die er sich beim Jetski-Fahren zugezogen hatte. Mücke schob Altfrid Heger (Audi V8 DTM), der lange die Spitze inne hatte, auf den zweiten Rang.

Der Essener war dennoch zufrieden: „Im ersten freien Training ging meine Antriebswelle nach ein paar Runden kaputt, aber die wenigen Umläufe haben gereicht, um die Bremsbalance zu optimieren. Jetzt fühle ich mich total wohl in dem Auto. Auch die minimale Änderung am Fahrwerk, die wir beim ADAC Hockenheim Historic gemacht hatten, bringt hier sehr viel.“ Auf den Norisring hatte Heger sich mit dem Audi V8 sowieso sehr gefreut. „Als diese Autos Anfang der 90er Jahre in der DTM fuhren, haben die Audis uns Fahrer der anderen Hersteller – wie mich als BMW-Werkspiloten – immer geärgert. Ich sehe heute noch die roten Audi-Kappen auf der Steintribüne. Jetzt bin ich in der Situation, die Vorzüge des Audi V8 zu genießen – und den einen oder anderen zu ärgern…“, lachte er.

Hinter Heger eroberte Ronny Scheer (Ford Sierra RS500 BTCC) Position drei vor Anton Werner (Audi 200 M86 MTM). „Ich habe noch nicht die perfekte Abstimmung gefunden“, gestand Werner. „Das Problem sind für mich aktuell vor allem die Bodenwellen. Ich denke, wir müssen uns nochmal näher mit den Dämpfern beschäftigen.“

Yannik Dinger / Harald Grohs (BMW E36), Thomas Braun (Porsche 964 Cup), Henry Walkenhorst (BMW M3 E30) und Guido Momm (Ford Mustang) folgten auf den Plätzen.

Quelle: dtm.com

Freitag, 5. Juli 2024

Maro Engel mit starkem Auftakt am Norisring

  • Mercedes-AMG-Pilot am Freitag Tagesschnellster auf dem Stadtkurs in Nürnberg
  • Dreifach-Champion René Rast beendet Trainingssessions im BMW auf Position zwei
  • Spannung garantiert: Die ersten zehn Fahrer trennen nur 0,202 Sekunden

Maro Engel Schnellster im Freien Training am Norisring
Foto: Jens Hawrda

Starker Auftakt von Maro Engel (Monaco) beim 40-jährigen Jubiläumswochenende der DTM am Norisring. Der Mercedes-AMG-Pilot vom Team Mercedes-AMG Team Winward war am Freitag mit 49,060 Sekunden nicht nur schnellster Fahrer im zweiten Freien Training – der Routinier setzte mit dieser Zeit auch die Tagesbestmarke. „Alle Kurven am Norisring haben es richtig in sich. Jede Tausendstelsekunde kann hier über eine Startreihe entscheiden, das macht die Strecke aus. Ich bin mir sicher, dass wir im Qualifying bei anderen Bedingungen nochmal schnellere Rundenzeiten sehen werden. Da müssen wir den nächsten Schritt machen, wenn wir vorne dabei sein wollen“, sagte Engel, der am Sonntag sein 100. DTM-Rennen bestreiten wird.

Mit einem Rückstand von nur 0,014 Sekunden wurde René Rast (Bregenz) im BMW M4 GT3 von Schubert Motorsport Zweiter. Die drittschnellste Runde auf dem Stadtkurs in Nürnberg gelang Lamborghini-Pilot Nicki Thiim (DK/SSR Performance), sein Teamkollege Mirko Bortolotti (I) belegte Rang vier. Sheldon van der Linde (ZA) steuerte einen weiteren BMW von Schubert Motorsport zum Auftakt des vierten DTM-Rennwochenendes auf Platz fünf.

Das zweite Freie Training am Freitag war bei Temperaturen von 24 Grad wesentlich schneller als die erste Session am Vormittag. Es dauerte nur wenige Minuten, ehe die Piloten auf der 2,162 Kilometer langen Strecke unter der 50-Sekunden-Marke blieben. Mit seiner besten Runde lag Rast lange Zeit auf Platz eins, doch gut sieben Minuten vor Schluss setzte sich Engel in seinem 30. Umlauf mit der schnellsten Zeit des Tages an die Spitze. Die Abstände waren am Norisring äußert gering, die Top Ten lagen innerhalb von 0,202 Sekunden.

Im ersten Freien Training am Vormittag fuhr Spitzenreiter Kelvin van der Linde (ZA) im Audi R8 LMS GT3 Evo2 von Abt Sportsline die Bestzeit. „Als Tabellenführer an den Norisring zu kommen und in der ersten Session direkt die Bestzeit zu fahren, gibt mir ein gutes Gefühl. Das Wetter wird sich übers Wochenende aber wohl nochmal ändern, dann könnte es schon wieder anders aussehen. Ich bin unglaublich gern am Norisring, ein Sieg hier wäre was Besonderes für mich“, erklärte der Südafrikaner.

Die beiden Qualifyings werden am Norisring in jeweils zwei Gruppen ausgetragen. Auf Basis der Zeiten in den Trainings-Sessions gehen die Fahrer auf den ungeraden Plätzen am Samstag ab 9:00 Uhr auf die 20-minütige Zeitenjagd. Die Fahrer auf den geraden Positionen folgen um 9:25 Uhr. Im Zeittraining am Sonntag starten die Gruppen in umgekehrter Reihenfolge. Mit diesem System sollen die unterschiedlichen Streckenbedingungen bei den zeitversetzten Qualifyings neutralisiert werden. Fans können das Zeittraining live im Stream auf ran.de verfolgen. ProSieben zeigt alle 16 Saisonrennen live im Free-TV, die Übertragungen beginnen am Samstag und Sonntag jeweils eine halbe Stunde vor dem Rennstart. Die Meisterschaftsläufe werden in über 150 Territorien live oder re-live ausgestrahlt.


Stefan Mücke dominiert 1.Freies Training der DTM Classic

Mit dem ersten freien Training stieg die DTM Classic am Freitagvormittag in ihr Norisring-Wochenende ein. Bei sonnigem Wetter markierte Stefan Mücke (Mercedes-Benz C-Klasse DTM) auf dem Nürnberger Stadtkurs schon früh in der Session die Bestzeit, die er immer weiter steigerte. Am Ende des Trainings stand er mit einer Rundenzeit von 50,594 Sekunden auf Rang eins des Klassements.

„Wir haben erstmal nicht verbissen auf die schnellstmögliche Runde hingearbeitet; ich denke, es geht noch schneller“, zeigte sich der Berliner motiviert. Dass er den Mercedes zusammen mit seinem Vater Peter Mücke überhaupt auf dem Norisring einsetzen kann, freut ihn sehr. „Es ist toll, dass wir diese Autos in diesem Umfeld präsentieren können. Die alten Fahrzeuge haben kein ABS, keine Traktionskontrolle und auch das Schalten ist anders als bei modernen Rennwagen; das alles macht einfach nur Spaß. Aber nicht nur für mich als Fahrer, sondern auch für unsere Mechaniker ist dieses Wochenende besonders. Als wir den Mercedes in der Werkstatt haben warmlaufen lassen, gab es nur strahlende Augen.“ Die C-Klasse mit der Startnummer 17 war 2006 der Renner von Stefan Mücke in seiner letzten DTM-Saison, wurde davor von Bernd Schneider pilotiert und danach noch von Susie Stoddard. „Wir haben das Auto über zwei Jahre wieder aufgebaut und es ist klasse, dass es wieder fährt.“

Hinter dem Berliner Stefan Mücke reihte sich Stefan Rupp (Audi A4 DTM) ein, Ronny Scheer (Ford Sierra RS500 BTCC) belegte den dritten Platz. „Dieses erste freie Training war für mich mehr eine Funktionskontrolle und es fühlte sich alles gut an.“ Scheer bewegt einen rechtsgelenkten Ford Sierra, mit dem Rob Gravett 1990 in der britischen Tourenwagen-Meisterschaft dominierte. „Ich mag den historischen Motorsport generell, liebe aber auch dieses Auto. Es hat einen Turbomotor, was die Leistungsentfaltung besonders macht. Ich komme mit diesem Ford und auch mit der Rechtslenkung, die er als ehemaliges britisches Auto natürlich hat, sehr gut zurecht“, erzählte er mit strahlenden Augen. Dass er mit seiner Einschätzung nicht falsch liegt, zeigte Scheer schon im Vorjahr an gleicher Stelle, als er beide Rennen von der letzten Position beginnen musste und jeweils den zweiten Rang eroberte.

Anton Werner (Audi 200 M86 MTM) beendete das erste freie Training auf Platz vier, gefolgt von Klaus Hoffmann / Tim Schrick (Opel Astra Coupé V8 DTM), Altfrid Heger (Audi V8 DTM), Yannik Dinger / Harald Grohs (BMW E36) sowie Hans-Joachim Stuck (Audi V8). Das zweite freie Training der DTM Classic wird heute um 15:00 Uhr gestartet, um 17:55 Uhr steht dann noch das erste Zeittraining auf dem Programm.


Interview mit Hans-Jürgen Abt

„Die DTM war und ist die wichtigste Meisterschaft im deutschen Motorsport“

Kelvin v. d. Linde Audi #3 Abt Sportsline führ die Meisterschaft momentan an
Foto: Jens Hawrda

Die DTM feiert an diesem Wochenende im Rahmen des Norisring-Rennens ihren 40. Geburtstag. ABT Sportsline ist seit 25 Jahren in der DTM am Start und mit 76 Siegen, 256 Podien, fünf Fahrer- und fünf Teamtiteln das erfolgreichste aktive DTM-Team. Hans-Jürgen Abt, CEO der ABT Gruppe, im Interview zum Jubiläum.

Was fällt Ihnen als erstes ein, wenn Sie die drei Buchstaben „DTM“ hören?

Hans-Jürgen Abt: „Die DTM war und ist die wichtigste Meisterschaft im deutschen Motorsport, die tolles Racing bietet und viele Fans anlockt. Wir haben uns in der DTM als Team von Anfang an wohlgefühlt und seit 2000 jede Menge Pokale geholt, zahlreiche Rennen und Meisterschaften gewonnen. Wir sind jetzt seit 25 Jahren dabei und stolz, eines der erfolgreichsten DTM-Teams zu sein.“

Wie ist vor 25 Jahren die Idee entstanden, in die DTM einzusteigen?

Hans-Jürgen Abt: „Eigentlich aus der Not heraus. 1998 waren wir Audi-Werksteam in der STW (Supertourenwagen-Meisterschaft, Red.). Als sich Audi entschieden hat, im großen Stil nach Le Mans zu gehen, haben wir als Privatteam in der STW weitergemacht. Plötzlich gab es die STW nicht mehr. Das heißt, wir hatten ein professionelles Team aufgebaut, aber kein Betätigungsfeld mehr. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion ist das TT-Konzept entstanden. Mit einem einzigen Blatt Papier und einer Zeichnung haben wir uns bei der ITR (DTM-Dachorganisation bis 2020, Red.) beworben. Es war gar nicht so einfach, überhaupt eine Startgenehmigung in der DTM zu bekommen.“

Zunächst war es ein Wettlauf gegen die Zeit, überhaupt beim ersten Rennen in der DTM am Start zu stehen, oder?

Hans-Jürgen Abt: „Ja, das war verrückt. Wir haben in 100 Tagen ein Auto gebaut. Das würde es heute in dieser Form nicht mehr geben. Wir haben es letztendlich geschafft, die Autos fertigzubekommen und den Roll-out in Hockenheim zu machen – am Rennwochenende! Nur um erst einmal festzustellen, dass wir relativ weit weg von der Pace waren. Aber diese Herkulesaufgabe hat uns alle zusammengeschweißt und ein Team mit dieser einzigartigen DNA hervorgebracht.“

Am Anfang wurde ABT Sportsline belächelt, aber das Lachen ist den Wettbewerbern schnell vergangen: erste Punkte in der ersten Saison, der erste Sieg in der zweiten und der Meistertitel in der dritten.

Hans-Jürgen Abt: „Als Team waren wir mit unseren gelben Autos – und später auch den blauen – von Anfang an sehr beliebt bei den Fans. Es gab große ABT Fahnenmeere. Die Fahrer haben sich dafür geopfert, das Auto von Wochenende zu Wochenende zu verbessern. Auch das Engagement der Mechaniker war unglaublich. Opel haben wir irgendwann überholt und dann mit Mercedes um Siege gekämpft.“

Ein ganz besonderer Sieg gegen Mercedes war sicher 2002 auf dem Norisring, als Laurent Aiello Bernd Schneider in der letzten Kurve überholt hat?

Hans-Jürgen Abt: „Das war natürlich das Ober-Highlight. Der Bernd war damals ganz schön angefressen. Er war ‚Mister DTM‘, der beste und erfolgreichste DTM-Fahrer aller Zeiten. Ihn so zu schlagen ist nur Aiello gelungen. Der hat ihn in der letzten Kurve ausgetrickst. Bernd meinte, eine gelbe Fahne gesehen zu haben. Aber da war keine, höchstens eine gelbe ABT Fahne. Der Norisring ist unser Heimrennen und dort zu gewinnen war schon immer besonders schwer. Es war einer der wenigen Audi-Siege auf dem Norisring, der uns sehr viel Aufmerksamkeit beschert hat. Solche Rennen gibt es nur selten.“

Nach einer langen Zeit als Werksteam ist ABT Sportsline in der DTM nun wieder als Privatteam aktiv. Wie finden Sie das?

Hans-Jürgen Abt: „Ich bin sehr glücklich, dass wir wieder unsere eigenen Wege gehen und alles im Team selbst entscheiden können. In den letzten Jahren der Werksdynastie konnten wir ja nicht einmal mehr an unseren eigenen Setups arbeiten. Alles war gläsern. Wenn wir etwas geändert haben, wussten das auch die anderen Teams von Phoenix und Rosberg. Unser einziges Asset waren am Ende eigentlich noch die Boxenstopps. Das war nicht mein Anspruch. Es ging nur noch um das Auto und die Marke. Schon im vierten Rennen wurde festgelegt, auf welchen Fahrer man setzt. Für mich war das nicht mehr real racing, wie wir es heute wieder haben: kämpfen, Spaß haben und auf der Strecke etwas riskieren.“

Die DTM als Privatteam zu stemmen geht aber nicht ohne starke Partner. Welche Rolle spielt Sportmarketingchef Harry Unflath dabei?

Hans-Jürgen Abt: „Harry ist einzigartig und ein Teil der Familie. Er hat den Motorsport bei ABT Sportsline gemeinsam mit mir von klein auf aufgebaut. Er hat damals auch Michael Beck von Hasseröder überzeugt, mit uns in die DTM zu gehen, sonst hätten wir das alles gar nicht geschafft. Selbst für Audi hat Harry später die Partner besorgt. Er ist der wichtige Mann im Hintergrund und versucht, die Partner in die Familie zu integrieren. Seine Strategie und sein Netzwerk sind einmalig.“

Mit Laurent Aiello, Mattias Ekström und Timo Scheider haben drei Fahrer für ABT Sportsline die DTM gewonnen. Wie sehen Sie die drei?

Hans-Jürgen Abt: „Laurent Aiello war ganz wild. Er war damals in der Szene der absolute Superstar mit seiner besonderen Art und Weise. Er war aber auch sehr familiär und ist deshalb so gerne bei uns gefahren. Er hat in seiner eigenen Welt gelebt, aber uns als Firma sehr viel gebracht. Wenn Leistung abzuliefern war, war er da. Er hat uns eigentlich erst dahin gebracht, wo wir heute sind. Dann kam Mattias Ekström, auch ein sehr starker Charakter. Er kam damals als kleiner Bub zu uns und hat sich das DTM-Cockpit mit Leistung erkämpft. Über viele Jahre war Mattias für uns, was Bernd Schneider für Mercedes war. Wir haben uns gegenseitig vertraut und auch heute noch ist Mattias überall, wo er fährt, erfolgreich. Timo Scheider wollte immer bei uns fahren und hat mit allen Mitteln versucht, zu uns ins sogenannte A-Team zu kommen. Ab dem Tag, an dem er bei uns war, war er sehr schnell und ist zweimal Meister geworden. Ich denke, alle drei sind heute froh, dass sie bei uns gefahren sind. Sie können uns auch etwas dankbar sein, dass wir einen Beitrag zu ihren Karrieren geleistet haben.“

Aktuell starten Kelvin van der Linde und Ricardo Feller für ABT Sportsline in der DTM. Ihre Meinung über die beiden?

Hans-Jürgen Abt: „Kelvin ist von der Performance her einer der besten im DTM-Fahrerlager und auch den Grundspeed von Ricardo schätze ich sehr. Beides sind starke Charaktere. Aber ich habe sie lieber in einem Team und handle sie, als dass sie gegen uns fahren würden. Wir sind mit beiden super aufgestellt und ich hoffe, dass sie noch lange für uns fahren.

Mit Martin Tomczyk ist ein ehemaliger DTM-Fahrer von ABT Sportsline nun Motorsportdirektor. Wie schlägt er sich?

Hans-Jürgen Abt: „Sehr gut, finde ich. Natürlich braucht jeder seine Zeit. Es ist ja gar nicht so einfach, Teamchef zu sein mit so vielen starken Persönlichkeiten in der Mannschaft. Ich finde, er macht das gut, bringt Ruhe rein und ist ja auch erfolgreich.“

Der heutige CEO von ABT Sportsline, Thomas Biermaier, hat seine Laufbahn bei ABT Sportsline in der DTM begonnen. Erinnern Sie sich daran?

Hans-Jürgen Abt: „Das war damals ein sogenannter ‚Edelpraktikant‘, den Harry Unflath mit ins Haus gebracht hat. Er ist durch seine Größe aufgefallen und hat sich von Anfang an sehr engagiert. Er wollte etwas in der DTM machen und so hat er den Job bekommen, als Praktikant in der DTM die Reifen zu waschen. In Amerika sagt man ‚Vom Tellerwäscher zum Millionär‘. Thomas hat es vom Reifenwäscher bis an die oberste Spitze von ABT Sportsline gebracht. Er genießt mein volles Vertrauen. Er hat einen mega Instinkt, wie man ein Rennteam oder eine Firma führt.“

Nach 25 gemeinsamen Jahren mit Audi in der DTM droht das Ende dieser Partnerschaft. Verstehen Sie die Entscheidung von Audi, das Kundensport-Programm einzustellen?

Hans-Jürgen Abt: „Ich kann mich mit dieser Firmenpolitik nicht identifizieren und würde mir wünschen, dass der aktuelle Audi-Vorstandsvorsitzende Gernot Döllner das noch einmal überdenkt. Kundensport ist ein Geschäftsmodell und mit relativ geringen Mitteln machbar. Noch dazu boomt er. Audi hat mit seinen Erfolgen weltweit über viele Jahre Kunden angesprochen und glücklich gemacht. Und dann kippt man so etwas. Ich glaube, dass das den Kunden überhaupt nicht gefällt und sie im schlimmsten Fall zu Mitbewerbern wie BMW oder Mercedes abwandern. Die wieder zurückzuholen kostet mehr Geld, als die Abteilung am Leben zu halten.“

Für ABT Sportsline ist die DTM aber weiter wichtig?

Hans-Jürgen Abt: „Natürlich. Wir sind ein innovatives Unternehmen. ‚Von der Rennstrecke auf die Straße‘ ist unser Slogan. Wir wollen den Leuten zeigen, dass wir gute Arbeit leisten, technisch versiert und zuverlässig sind. Durch den Motorsport kann man Vertrauen in unsere Produkte aufbauen. In der DTM beweisen wir unsere technische Kompetenz.“

Wie sehen Sie die Zukunft der DTM?

Hans-Jürgen Abt: „Der ADAC war früher Partner der DTM, seit dem vergangenen Jahr ist er Promoter und macht seinen Job meiner Meinung nach ganz gut. Wichtig ist, auf CO2-Reduktion durch nachhaltige Technologien, etwa beim Kraftstoff, zu setzen, um sich in Zukunft nicht angreifbar zu machen. Gleichzeitig sollte man die Teams stärken, damit sich diese langfristig engagieren, ohne zu sehr von den Herstellern abhängig zu sein. Formel 1 und MotoGP zeigen, wie ein Geschäftsmodell für Promoter, Veranstalter und Teams funktionieren kann. Da müssen wir mit der DTM in Deutschland auch hin. Ich finde es genau richtig, sich auf den deutschen Markt zu konzentrieren, mit ein paar Rennen in benachbarten Ländern. Das Interesse der Fans ist da. Die Zuschauerzahlen steigen und auch die TV-Quoten sind sehr ordentlich. Wenn der ADAC hart daran arbeitet, hat die DTM eine gute Chance, für die Zukunft gut aufgestellt zu sein.“