Montag, 19. September 2022

Letzter Auftritt des Jahres im Hockenheim-Motodrom

Fotos: © MPS/Dino Eisele

Wenn die Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft (IDM) nach Hockenheim kommt, naht der Saisonabschluss. Es ist zur Tradition geworden, dass das Finale von Deutschlands höchster Motorradrennsportserie im badischen Motodrom ausgetragen wird. Vom 23. bis 25. September 2022 wird die Luft über dem Asphalt wieder brennen. Die Spannung in vier IDM-Klassen und drei Cups im Rahmenprogramm ist auf dem Siedepunkt. 

Auch wenn der Meister schon fest steht: In der IDM Superbike ist das letzte Wort nicht gesprochen. Es geht immer noch darum, dass Florian Alt den nunmehr vierfachen Titelträger Markus Reiterberger (BCC-alpha-Van Zon-BMW) in diesem Jahr noch ein Mal schlagen kann. Das Motodrom in Hockenheim ist seine letzte Gelegenheit dazu. Alles muss passen. Hatte „Reiti“ seinen Gegner zuletzt auf dem Red Bull Ring gerade noch in Schach halten können, setzt Alt nun alles auf eine Karte, um den Spieß in „Hoggene“ umzudrehen. Der 26-jährige Fahrer und Meisterschafts-Vize vom Team Wilbers-BMW-Racing ist der Einzige, der es an der Spitze mit dem 28-jährigen Reiterberger aufnehmen kann. Alt hat sich beim 100. Bol d’Or Langstrecken-Jubiläum am vergangenen Wochenende mit einem Sieg der legendären 24-Stunden von Le Castellet eine extra Portion Motivation geholt. Der Countdown vor dem letzten Einsatz läuft.

Im Windschatten kämpfen mit Rob Hartog (Team SWPN) und Pepijn Bijsterbosch (BCC-alpha-Van Zon-BMW) zwei Niederländer um den dritten Platz in der Meisterschaft. Beide trennen nur fünf Punkte. Hartog ist auf seiner Yamaha der einzige Fahrer, der eine komplette BMW-Übermacht an der Spitze verhindern kann. Wie Reiterberger und Bijsterbosch auf BMW gehört er zu den drei Konkurrenten, die bisher in allen Saisonrennen ins Ziel gekommen sind und Punkte geholt haben. Doch die Entscheidung wird nicht ohne die Beteiligung von Bastien Mackels (Kawasaki Weber-Motos Racing), Luca Grünwald (Holzhauer Racing Promotion), Kamil Krzemien (BCC-alpha-Van Zon-BMW) oder auch Philipp Steinmayr (Eder Racing) fallen. Sie könnten zum Zünglein an der Waage werden.

In der IDM Supersport hat sich Max Enderlein (M32 Racing) vorzeitig seinen dritten Meister-Titel geholt. Zurücklehnen wird er sich in Hockenheim dennoch nicht. Frisch aus dem Urlaub wiedergekommen, wird er sich nicht zurückhalten, wenn es zwischen Luca de Vleeschauwer (Kawasaki Weber-Motos Racing), Andreas Kofler (Kawasaki Schnock Team Motorex) und Melvin van der Voort (Team SWPN) zum Showdown kommt und es um den zweiten und dritten Tabellenrang zur Sache geht. Belgien gegen Österreich und die Niederlande. Bei dieser Kombination ist nichts vorhersehbar. De Vleeschauwer schwächelte zuletzt auf dem Red Bull Ring leicht und fuhr erstmals ohne Podiumsplatz nach Hause, aber er hat mit den meisten Punkten auf dem Konto die besten Aussichten auf den Vizetitel. Koflers Saisonbilanz verläuft in leichten Wellen. Van der Voort wiederum ist in der zweiten Saisonhälfte immer besser geworden und hat viele Punkte aufgeholt. Spannend ist auch die Frage, welche Rolle Jan-Ole Jähnig oder Twan Smits (Team Apreco) in Hockenheim spielen. Jähnig (M32 Racing) ist heiß darauf, zum Saisonende aufs Siegerpodest zu fahren, nachdem er das letzte Rennen in Österreich nicht beendet hat.

Eine ganz heiße Sache ist der Titelkampf in der IDM Supersport 300. Die Nachwuchsklasse ist ein fliegendes Klassenzimmer, in dem es beim Erreichen der Ziellinie regelmäßig um Tausendstelsekunden geht. Leo Rammerstorfer (Freudenberg KTM-Paligo Racing) oder Marvin Siebdrath (Füsport-RT Motorsports by SKM-Kawasaki)? Der Kampf um die IDM-Krone ist noch völlig offen und die Anwärter trennen lediglich sieben Meisterschaftspunkte. Während Siebdrath auf der Kawasaki Ninja 400 alleine klarkommen muss, hat Rammerstorfer auf der KTM RC 390 R Unterstützung von seinen Teamkollegen Walid Khan und Scott Deroue, die auf den Positionen vier und fünf in der Tabelle stehen und eine wichtige Rolle spielen.

In der IDM Sidecar spielt sich der Titelkampf zwischen dem achtfachen Weltmeister Tim Reeves und seinem Beifahrer Kevin Rousseau (Bonovo Action/Team Reeves Racing) und Josef Sattler mit Luca Schmidt (Bonovo Action) im Boot ab. Reeves hat bisher drei Saisonsiege aufzubieten. Sattler jagt seinem ersten Triumph noch hinterher, liegt aber trotzdem nur neun Punkte hinter dem Führenden. Eine endgültige Entscheidung wird es in Hockenheim nicht geben. Der Meister wird erst eine Woche später beim großen Sidecar-Festival in Oschersleben gekürt. 

Für das kommende Wochenende in Hockenheim ist ein voller Zeitplan und jede Menge Action geplant. Im Rahmenprogramm geht es im Twin Cup, dem Pro Superstock Cup und dem Yamaha R3 bLU cRU Cup um den Titel. Beim IDM-Pitwalk kommen die Zuschauer den Fahrern so nah wie sonst nirgendwo. Eine echte Augenweide sind auch die beiden Weltmeister-Motorräder aus der MotoGP (die Yamaha M1 von Fabio Quartararo) und WorldSBK (die Yamaha R1 von Toprak Razgatlıoğlu), die im IDM-Paddock ausgestellt sein werden. IDM-Poolpartner Gilles stellt die Original-Motorräder in Hockenheim zur Schau. Technik-Fans erwarten mit der YZR-M1 und der WSBK Yamaha R1 echte Leckerbissen. 

Traditionell ist das Hockenheim-Finale der IDM eine Race-Party, die im Gedächtnis bleibt. Dabei sein ist alles. Freitags freier Eintritt, Samstag 19,00 Euro, Sonntag 25,00 Euro, Wochenendticket 35,00 Euro. Für Kinder und Jugendliche bis einschließlich 17 Jahren ist der Besuch der Rennveranstaltung kostenfrei.  Den Livestream der Rennen können unsere Zuschauer auch wieder von zu Hause aus unter www.idm.de/live genießen.


Mittwoch, 14. September 2022

GERT56: Zum Finale viele Dankeschöns

 

Julien Puffe (l.) und Toni Finsterbusch - Gute Besserung
Foto: German Endurance Racing Team - GERT56


GERT56 wird beim Finale der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) auf dem Hockenheimring die beiden verletzten Piloten Julian Puffe und Toni Finsterbusch in der IDM Superbike ersetzen. Als Dankeschön und aus gegenseitigem Respekt für Fans, Veranstalter und Organisatoren schickt man „wenigstens“ eine BMW M 1000 RR an den Start. GERT56 wäre nicht GERT56, wenn es dafür nicht auch eine schöne Geschichte gäbe: Der Ersatz-Pilot wird der Österreicher Stefan Kerschbaumer. Er war an beiden FIM Endurance World Superstock-Siegen bei den 24-Stunden von Le Castellet (Bol d’Or) und den 24 Stunden von Le Mans bei GERT56 beteiligt. Einen Sieg holte er zusammen mit Puffe, einen mit Finsterbusch.

Das sächsische Rennteam aus der Nähe von Pirna kennt „Höhen und Tiefen“ in kurzer, wie in langer Zeit aus der Team-Geschichte in der Langstrecken-Weltmeisterschaft wie wohl keine andere Racing-Equipe im deutschsprachigen Raum. 2022 musste man lernen, dass dies nicht nur ein Spruch aus dem Endurance-Sport ist, sondern auch im Sprintbereich seine Richtigkeit hat: Die Ziele für die zweite Saison in der IDM ist für GERT56 mit vielen Teilerfolgen geglückt, aber leider vorzeitig beendet gewesen.

Höhen und Tiefen trafen das Team am Schleizer Dreieck förmlich wie der berühmte Blitz. Beim Saisonhighlight auf der Naturrennstrecke in Thüringen feierte man mit dem Lokal-Hero Julian Puffe vor über 30.000 Fans zwei Podestplätze. Allerdings verletzte sich Teamkollege Finsterbusch bei einem unverschuldeten Sturz so schwer, dass für ihn die Saison 2022 bereit vorzeitig beendet war. Das Schleizer Dreieck war und bleibt für den Ausgang der Meisterschaft richtungsweißend und setzt den Trend für die letzten Saisonrennen.

Puffe übernahm beim seinem Heimrennen den dritten Zwischenrang der IDM Superbike von Teamkollege Finsterbusch. Diese Platzierung sollte bei der nächsten Saisonstation auf dem TT Circuit Assen in den Niederlanden verteidigt werden. Bis da hin hatte GERT56 als Team bereits sechs Podeste aus acht Rennen gesammelt, der dritte Gesamtrang entsprach der gemeinsamen Zielsetzung für 2022.

Doch in Assen schlug „die nächste Tiefe“ zu: Nach zehn Minuten im ersten freien Training war Julian Puffe per Highsider von seinem Motorrad abgeworfen worden. Puffe brach sich den Fuß – vorzeitiges Saisonende. Damit war nicht nur die zweite M 1000 RR des Teams ein Totalschaden, sondern auch die Hoffnung auf einen erfolgreichen Saisonabschluss zunichte.

Die Zeit zwischen Assen und der sechsten Saisonstation auf dem Red Bull Ring war zu kurz, um die Technik gemäß der Ansprüche des Teams vorzubereiten und einen Ersatzfahrer zu testen. Als Privatteam, wo alle noch einem regulären Job nachgehen, gibt es solche außerordentlichen Zeitfenster nicht.

Doch GERT56 wäre nicht die gestandene und engagierte Truppe, wenn sie sich nicht zum IDM Finale Fans und Partnern nochmal präsentieren würde. Dass das Handy von Teamchef Karsten Wolf hinsichtlich der Gaststartangebote nicht mehr stillstand und sich viele Fahrer anboten zu helfen, war für die sächsische Mannschaft zum einen eine Ehre und zum anderen die Bestätigung ein attraktives Paket am Start zu haben.

Geworden ist es dann das, was GERT56 ausmacht: Eine Entscheidung mit einer Mischung aus Herz, Verstand und Qualität. Und da gab es nur einen, der die DNS des Teams und die der IDM gleichwohl in sich vereint – Stefan Kerschbaumer. Damit bringt man den einzigen GERT56 Piloten auf das Bike, welcher an beiden Siegen bei 24-Stunden-Rennen beteiligt war: 2018 beim Bol d‘Or (mit Julian Puffe) und 2020 bei den 24 Stunden von Le Mans (mit Toni Finsterbusch). Und genau für seine alten Team-Mates wird er die GERT56 BMW M 1000 RR um den, ihm aus vielen IDM Jahren gut vertrauten, Kurs von Hockenheim prügeln.

Die von RS Speedbikes und GERT56 neu aufgebaute M 1000 RR erlebte diese Woche Montag durch Kerschbaumer auf dem Autodrom Most bei der Moto Racing School ein erstes Roll-Out als Vorbereitung auf das IDM-Finale. „Kersch“ konnte sich damit auf seinen Einsatz vorbereiten.

Zudem werden in Hockenheim auch die beiden GERT56 ProSuperstock Piloten Jan Schmidt und Rico Löwe wieder an den Start gehen. Beide möchten sich nochmal mit Topergebnissen aus der Saison verabschieden und die Saison innerhalb der Top-10 erfolgreich beschließen.

Das bedeutet Full House in der GERT56 Box beim Finale in Hockenheim. Neben den drei eingesetzten Motorrädern, werden auch Julian Puffe und Toni Finsterbusch vor Ort sein, um Stefan Kerschbaumer zu unterstützen. Damit setzen alle zusammen ein Zeichen für die Fans und Organisatoren: Man will so schnell es geht in voller Stärke als Team wieder in diese Meisterschaft zurückkehren.

Stefan Kerschbaumer: „GERT56 und ich haben einige Erfolge zusammen gefeiert und natürlich ist es jetzt schön, dass wir endlich auch in der IDM einmal zusammen finden – wenngleich die Umstände natürlich nicht die schönsten sind. Ich freue mich aber, dass Toni und Julian wenigstens zum Zusehen dabei sein werden. Am Montag waren wir in Most zu einem Roll-Out testen. Das hat Spaß gemacht, denn ich bin jetzt schon einige Zeit kein Rennmotorrad mehr gefahren. Daher sollte man die Erwartungen an Hockenheim auch nicht so hoch schrauben, aber ich freue mich auf jeden Fall, dass wir zusammen am Start sein werden.“

Toni Finsterbusch: „Ich versuche gerade relativ schnell wieder auf die Beine und zu Kräften zu kommen, damit ich hoffentlich in nicht allzu langer Zeit wieder auf das Motorrad komme. Kersch wünsche ich auf jeden Fall viel Spaß – er weiß ja, dass dieses Motorrad auf das Podium fahren kann. Da kann er ja vielleicht noch mal einen raus kucken lassen – ganz ohne Druck! [lacht].“

Julian Puffe: „Ich hatte in Assen beim Sturz ja sofort gemerkt, dass in meinem Bein etwas ziemlich gebrochen war. Mir war da schon auch klar, dass meine Saison gelaufen war, als ich das erste Mal auftreten wollte und gesehen habe, wie mein Fuß so steht. Es war wirklich ein sehr komplizierter Bruch, Schien-Waden-Bein gebrochen, etc. Ich habe jetzt eine Platte und ganz viele Schrauben drin – jeder Arzt hat bis jetzt gesagt, dass es einige Zeit dauern wird. Seit vier Wochen liege ich zuhause rum und habe das Bein eigentlich nur hoch gelagert. Ich muss Ruhe halten und darf nicht belasten bis die Röntgen-Bilder sagen, dass der Knochen halbwegs zusammen gewachsen ist. Ich denke aber, dass ich spätestens nächstes Jahr wieder voll fit bin und angreifen kann. Ich freue mich, dass das Team Stefan Kerschbaumer in Hockenheim als Ersatzfahrer präsentiert, GERT56, er und ich haben zusammen den Bol d’Or gewonnen. Es war riesiges Pech für das ganze Team, dass Toni und ich ausgefallen sind, daher freue ich mich für die ganze Truppe, dass sie in Hockenheim noch mal an den Start gehen. Kerschi drücke ich die Daumen und ich werde auch selbst vor Ort sein und mir das ganze mal von der anderen Seite anschauen.“

Karsten Wolf: „Den Totalausfall und das vorzeitige Saisonende beider Superbike-Piloten zu akzeptieren fällt mir sehr schwer. Während mich der Rennunfall und die Verletzung von Julian in Assen traurig stimmt, ärgert mich der Hergang und die Umstände des unverschuldeten Crashs von Toni Finsterbusch in Schleiz heute noch enorm. Hier habe ich nach der Genesung aller Beteiligten auch noch Gesprächsbedarf. Wir haben ab der Lausitz gezeigt, dass wir im Winter mit Fahrwerkspartner Mototech SPV und Technikpartner RS Speedbikes genau die richtigen Schlüsse gezogen und Änderungen vorgenommen haben, um erfolgreich zu sein. Dies gepaart mit der Top-Form beider Piloten, die auf fast identischem Niveau agierten, brachte sofort die Ergebnisse, denen man im Vorjahr noch nachgelaufen ist. Aber was will man machen, scheinbar müssen wir in Zukunft drei Fahrer aufbieten, um einen durchzubringen? Schauen wir mal… Menschlich und sportlich freue ich mich Stefan Kerschbaumer wieder auf unserem Bike zu sehen. Er verkörpert wie kein anderer die erfolgreichste Zeit bei GERT56 und war viele Jahre fester Bestandteil der IDM. Ich denke Fans und Aktive gleichermaßen freuen sich auf das Wiedersehen. Es gibt keinerlei Ergebnisansprüche, außer seiner eigenen. Wir stellen ihm ein vollgetanktes und perfektes Bike hin und dann sollen er und wir Spaß haben. Schon in der Endurance hatte ich immer Ruhepuls, wenn ich ihm das Bike in den schwierigsten Phasen anvertraut habe und so ist es auch diesmal. Danke Kerschi!“

Montag, 12. September 2022

Podiumserfolg und drei weitere Top-Ten-Platzierungen für Mercedes-AMG Customer Racing beim DTM-Rennwochenende in Spa

Die Mercedes-AMG Kundensport-Teams haben beim sechsten Rennwochenende der DTM auf dem Circuit de Spa-Francorchamps einen Podiumserfolg und drei weitere Top-Ten-Platzierungen erzielt. Im Samstagsrennen bestätigte Maximilian Götz (GER) vom Mercedes-AMG Team WINWARD Racing, Titelverteidiger der Fahrerwertung, seine gute Form und sicherte sich mit Platz zwei sein erstes Saisonpodium. Einen Tag später fuhren sein Teamkollege Lucas Auer (AUT), Luca Stolz (GER) und Mikaël Grenier (CAN) in die Top Ten.

  •     Rennen 1: Platz zwei für Maximilian Götz
  •     Rennen 2: Drei Top-Ten-Platzierungen für die Mercedes-AMG Kundenteams
  •     Lucas Auer verbessert sich in der Fahrerwertung auf Platz zwei

Maximilian Götz holt Platz 2 im ersten Rennen
Foto: Jens Hawrda

Das sechste von insgesamt acht Rennwochenenden der DTM fand auf dem legendären Circuit de Spa-Francorchamps in Belgien statt. Aufgrund der langen Hochgeschwindigkeitspassagen der auch als „Ardennen-Achterbahn“ bekannten Strecke und dem damit einhergehenden erhöhten Kraftstoffverbrauch wurde die Dauer der beiden Rennen auf jeweils 50 Minuten plus eine Runde reduziert.

Rennen 1: Maximilian Götz bestätigt seine gute Form mit erstem DTM-Saisonpodium

Der Samstag hatte mit einem verregneten Qualifying begonnen. Lucas Auer kam mit den schwierigen Bedingungen mit am besten zurecht und sicherte sich mit P3 folgerichtig eine gute Startposition für das Rennen, dicht gefolgt von Maximilian Götz auf P4. Auch Maro Engel auf P6 und David Schumacher (beide GER) auf P7 konnten mit guten Rundenzeiten überzeugen, wurden jedoch aufgrund von Regelverstößen beim letzten DTM-Wochenende auf dem Nürburgring für das anstehende Rennen zurückversetzt.

Beim Rennstart war die Ideallinie auf der Strecke weitestgehend trocken, sodass alle Fahrer auf Slicks begannen. Sowohl Lucas Auer als auch Maximilian Götz erwischten einen guten Start: Die beiden Fahrer vom Mercedes-AMG Team WINWARD konnten bereits in der ersten Runde je eine Position gutmachen und sich so in der Führungsgruppe festsetzen. Ihrem Markenkollegen Maro Engel gelang es sogar, gleich mehrere Konkurrenten zu überholen und sich auf P6 einzureihen.

Der Führende und Lucas Auer konnten sich in der Folge einige Sekunden vom Feld absetzen und lieferten sich ein aufregendes Duell um die Spitzenposition. Als der Österreicher gegen Rennmitte seinen Pflichtboxenstopp absolvierte, kam es allerdings zu Schwierigkeiten mit einer lockeren Radmutter. Auer fuhr zunächst weiter und holte die verlorene Zeit in beeindruckender Manier wieder auf, musste seinen Mercedes-AMG GT3 #22 jedoch sieben Runden später wegen eines Reifenschadens abstellen. Kurz zuvor hatte bereits Maro Engel, der sich mit einer starken Leistung immer näher an die Spitzengruppe herangearbeitet hatte, ein ähnliches Schicksal ereilt: Nach einem Kontakt, der von einem Konkurrenten verursacht wurde, kam es ebenfalls zu einem Reifenschaden, der das Rennen für den Fahrer vom Mercedes-AMG Team GruppeM Racing beendete.

Nun schlug die Stunde von Maximilian Götz: Der amtierende Titelverteidiger der DTM-Fahrerwertung war lange auf der Strecke geblieben und als einer der letzten Fahrer an die Box gekommen. Dank dieser Strategie fand er sich, nachdem alle Konkurrenten ihre Pflichtstopps absolviert hatten, auf P2 wieder. Im weiteren Rennverlauf profitierte Götz von seinen noch neuen Reifen und zeigte mehrere starke Rundenzeiten – darunter auch die schnellste Rennrunde des Tages.

Der 36-jährige Routinier setzte den Führenden immer wieder unter Druck, konnte jedoch keine entscheidende Attacke mehr setzen. So durfte sich Götz nach 50 Minuten plus einer Runde über Platz zwei freuen – seine erste Podiumsplatzierung der DTM-Saison. Zweitbester Mercedes-AMG Pilot war David Schumacher: Der gebürtige Salzburger sicherte sich mit Platz elf sein bislang bestes DTM-Ergebnis.

Rennen 2: Drei Mercedes-AMG GT3 in den Top Ten

Auch das Sonntags-Qualifying begann unter schwierigen Bedingungen: Aufgrund der anfangs noch nassen Strecke konnten die 27 Fahrer erst am Ende der Session gute Rundenzeiten setzen. Von den Mercedes-AMG Piloten sicherte sich Mikaël Grenier (CAN) vom Mercedes-AMG Team GruppeM Racing mit der viertschnellsten Zeit die beste Ausgangsposition für das zweite Rennen des DTM-Wochenendes. Sein Teamkollege Maro Engel und Maximilian Götz fuhren die Startpositionen fünf und sechs heraus.

Lucas Auer, der von Position acht startete, erwischte bei nun trockenen Bedingungen auf der 7,004 Kilometer langen Strecke einen guten Start in das Rennen und konnte bereits in den ersten Runden mehrere Plätze gutmachen. Der Österreicher befand sich nun auf P4 und machte sich umgehend daran, die Führungsgruppe anzugreifen. Als das Boxenstopp-Fenster öffnete, entschied er sich für einen frühen Stopp und lag nach der Hälfte des Rennens boxenstoppbereinigt weiterhin auf Position vier und in Schlagdistanz zum Führungstrio. Mit Mikaël Grenier (P6), Maximilian Götz (P7), Maro Engel (P9) und Luca Stolz (P10) befanden sich zu diesem Zeitpunkt vier weitere Mercedes-AMG GT3 in den Top Ten.

Wenige Minuten vor Rennende schob eine Full-Course-Yellow-Phase das Feld zusammen und eröffnete den nun auf den Positionen vier bis sieben liegenden Mercedes-AMG Piloten die Chance, auf eine Podiumsplatzierung vorzufahren. Nach dem Restart kam es allerdings zu mehreren Kontakten, was im mittleren und hinteren Teil des Feldes diverse Verschiebungen im Klassement zur Folge hatte. Am Ende überquerte Lucas Auer als bester Mercedes-AMG Fahrer auf P4 die Ziellinie, direkt dahinter fuhr Luca Stolz nach Startposition 14 und einer beeindruckenden Aufholjagd auf P5. Mikaël Grenier (P6) sorgte für ein weiteres Top-Ten-Ergebnis für die Mercedes-AMG Customer Racing Teams.

DTM-Saison biegt auf die Zielgerade ein

Noch zwei weitere Rennwochenenden stehen im Kalender der DTM-Saison 2022. Die nächsten beiden Rennen finden am 24. und 25. September auf dem Red Bull Ring im österreichischen Spielberg statt, das Saisonfinale steigt vom 7. bis 9. Oktober auf dem Hockenheimring. Bestplatzierter Mercedes-AMG Pilot in der Fahrerwertung ist nach wie vor Lucas Auer: Als Dritter nach Spa gekommen, konnte er eine Position im Klassement gutmachen und liegt nach 12 von 16 Rennen aussichtsreich auf Position zwei.

Stimmen zum Rennen in Spa:

Thomas Jäger, Sporting Director DTM: „Unsere Kundenteams haben eine gute Gesamtleistung gezeigt, auch wenn es nicht für ganz vorne gereicht hat. Wir freuen uns sehr über die Podiumsplatzierung für Maximilian Götz am Samstag, im heutigen Rennen haben wir das Beste herausgeholt. Lucas Auer konnte sich sogar auf Platz zwei in der Fahrerwertung verbessern – auch wenn der Abstand zum Führenden recht groß ist. Wir konzentrieren uns nun auf die letzten beiden Events.“

Maximilian Götz, Fahrer Mercedes-AMG Team WINWARD Racing #1: „Das Qualifying am Samstag war super, auch im Rennen hat die Pace gestimmt. Es war traumhaft, endlich wieder auf dem Podium zu stehen und wichtige Punkte zu sammeln. Am Sonntag lag ich trotz des Erfolgsgewichts gut im Rennen und konnte einiges an Boden gutmachen. Dann habe ich gemerkt, dass etwas mit einem Reifen nicht stimmt und musste nochmal in die Box fahren. Sehr schade, denn damit war das Rennen gelaufen. Insgesamt aber ein gutes Rennwochenende – bis auf die letzten 15 Minuten.“

Lucas Auer, Fahrer Mercedes-AMG Team WINWARD #22: „Der Samstag war mit dem Reifenschaden ein bitterer Tag. Heute ist uns im Qualifying leider keine gute Runde gelungen, im Rennen lief es aber gut und ich konnte mich schnell nach vorne arbeiten. Am Ende hat dann etwas Geschwindigkeit gefehlt, Position vier war heute das Maximum.“

Luca Stolz, Fahrer Mercedes-AMG Team HRT #4: „Es war ein durchwachsenes Wochenende, was vor allem mit den Qualifyings zusammenhängt, die beide nicht optimal gelaufen sind. Gestern hatte ich es wegen dem Erfolgsgewicht schwer, nach vorne zu fahren, das hat heute besser funktioniert. Ich konnte mehrere Positionen gutmachen und bin am Ende Fünfter geworden. Ein versöhnlicher Abschluss, dennoch müssen wir am Qualifying arbeiten, um am Red Bull Ring wieder zurückschlagen zu können.“

Mikaël Grenier, Fahrer Mercedes-AMG Team GruppeM Racing #55: „Es war ein gutes Wochenende für uns, wir hatten schon am Freitag eine gute Pace. Das Samstags-Qualifying lief leider nicht gut, sodass ich von weit hinten starten musste. Dann war es schwierig, nach vorne zu fahren. Am Sonntag hat es mir natürlich geholfen, von einer guten Startposition aus ins Rennen zu gehen. In den letzten Rennen gab es Höhen und Tiefen, Platz fünf ist daher ein gutes Ergebnis und ein echter Fortschritt für unser Team. Es ist immer gut, Punkte zu sammeln.“


BMW in Meisterschaftswertung weiter vorn

Sheldon van der Linde fährt am Sonntag in Spa-Francorchamps als Zweiter aufs Podium und baut seine Gesamtführung aus

Sheldon van der Linde baut seine Meisterschaftsführung aus
Foto: Jens Hawrda

Nach drei Siegen ist Sheldon van der Linde (RSA) im Sonntagsrennen in Spa-Francorchamps (BEL) zum vierten Mal in dieser DTM-Saison aufs Podium gefahren. Als Zweiter baute er seine Führung in der Fahrerwertung weiter aus. Bei noch vier ausstehenden Läufen liegt er mit 130 Punkten 32 Zähler vor seinem ersten Verfolger. In der Teamwertung hat Schubert Motorsport 175 Punkte auf dem Konto, 37 mehr als die zweitplatzierte Mannschaft. Neben van der Linde konnten in Spa-Francorchamps auch Philipp Eng (AUT) und Marco Wittmann (GER) in die Top-10 fahren.

Das drittletzte Rennwochenende der DTM-Saison hatte für die BMW M Motorsport Teams zwei Gesichter. Am Samstag taten sich bei Regen im Qualifying und auf abtrocknender Strecke im Rennen alle BMW M4 GT3 sehr schwer. Letztlich war Wittmann der Einzige, der als Neunter Punkte sammeln konnte. Van der Linde ging als Zwölfter leer aus, hatte aber Glück im Unglück, dass auch die meisten seiner Titelkonkurrenten keine Punkte holen konnten.

Am Sonntag bewies van der Linde auf abtrocknender Strecke im Qualifying starke Nerven und fuhr als Zweiter in die erste Startreihe. Von dort übernahm er zunächst die Führung, die er jedoch wegen leichter Probleme beim Boxenstopp an den späteren Sieger Nick Cassidy (NZL, Ferrari) verlor. Dennoch baute er mit den 18 Punkten für Platz zwei und den zwei Zählern für sein Qualifying-Ergebnis die Gesamtführung deutlich aus. Sein Teamkollege Philipp Eng erkämpfte mit einigen starken Zweikämpfen Platz sieben im Sonntagsrennen. Am Samstag war er wegen technischer Probleme ausgeschieden. Wittmann wiederholte im zweiten Rennen seinen neunten Platz vom Vortag.

Esteban Muth (BEL) trat bei seinem Heimspiel in einem ganz besonderen Fahrzeugdesign an. Mit der von der belgischen Prinzessin Delphine de Saxe-Cobourg gestalteten Livery seines BMW M4 GT3 unterstützte Muth die Charity-Organisation „Make-A-Wish“. Er belegte in den beiden Rennen die Plätze 13 und 24.

Das vorletzte Rennwochenende der DTM-Saison findet vom 23-25. September auf dem Red Bull Ring (AUT) statt.


Stimmen zum DTM-Wochenende in Spa-Francorchamps.

Sheldon van der Linde (#31 BMW M4 GT3, Schubert Motorsport): „Der Sonntag ist super für mich gelaufen. Nachdem ich am Samstag keine Punkte geholt habe, konnte ich nun meine Führung in der Fahrerwertung sogar ausbauen – das ist großartig. Ich denke, ich hätte das Rennen sogar gewinnen können, aber leider haben wir beim Boxenstopp etwas Zeit verloren. So etwas passiert, die Jungs haben ansonsten das ganze Jahr über einen fantastischen Job gemacht. Im Zweikampf mit Nick Cassidy habe ich dann an die Punkte gedacht und nichts Verrücktes versucht. Natürlich sieht es in der Meisterschaft gut für mich aus, aber ich bin bisher immer gut damit gefahren, mich nur auf das nächste Rennen zu konzentrieren. Daran werde ich nichts ändern.“

Philipp Eng (#25 BMW M4 GT3, Schubert Motorsport): „Das war insgesamt ein schwieriges Wochenende für mich. Am Samstag habe ich im Qualifying den falschen Luftdruck für die Reifen gewählt und musste daher weit hinten starten. Im Rennen musste ich aufgrund eines technischen Problems dann aufgeben. Am Sonntag hat der Luftdruck gepasst. Danach hatte ich einen guten Start ins Rennen, generell gute Pace und auch einen guten Restart nach der Gelbphase. Platz sieben bedeuten gute Punkte. Jetzt hoffe ich auf Top-Ergebnisse bei meinem Heimspiel in Österreich.“

Marco Wittmann (#11 BMW M4 GT3, Walkenhorst Motorsport): „Leider wieder ein hartes Wochenende für uns. Zum einen hat uns auch im Vergleich zu unseren Markenkollegen etwas die Pace gefehlt. Zum anderen haben wir leider in den Qualifyings keine guten strategischen Entscheidungen getroffen, was uns in der Startaufstellung jeweils weit zurückgeworfen hat. Positiv war, dass ich mich in beiden Rennen noch in die Punkte kämpfen konnte und dabei viele gute Zweikämpfte hatte. Aber die Ausbeute ist natürlich trotzdem mager.“

DTM Classic Cup: BMW gegen Ford

 Yannik Trautwein gewinnt nach spannendem Duell gegen Ronny Scheer in der DTM Classic

  •     In der Schlussrunde: Entscheidender Konter von Trautwein auf der Außenlinie
  •     Wie am Samstag: BMW siegt vor Ford und Mercedes-Benz
  •     Finale zum DTM Classic Cup vom 7. bis 9. Oktober auf dem Hockenheimring

R. Scheer, K. Koppejan, Y. Trautwein (l-r) © DTM

BMW vor Ford und Mercedes-Benz – der Zieleinlauf zum achten Saisonrennen im DTM Classic Cup war identisch zum Samstagrennen, der Sieger jedoch war ein anderer: Yannik Trautwein erzielte auf der Ardennen-Achterbahn von Spa-Francorchamps einen hartumkämpften Sieg. Im BMW E36 320is aus dem Team Schnitzer Motorsport Classic feierte der 23-Jährige seinen zweiten Erfolg nach dem Auftaktrennen auf dem Lausitzring. Nach einem sehenswerten Zweikampf mit Trautwein steuerte Ronny Scheer seinen Ford Sierra Cosworth RS500 wie im Samstagsrennen als Zweiter über die Ziellinie, der Niederländer Ko Koppejan wurde im Mercedes-Benz 190E 2.5 Evo erneut Dritter. Damit waren die drei Marken BMW, Ford und Mercedes-Benz, die Ende der Achtzigerjahre die DTM geprägt hatten, erneut auf dem Podium vertreten.

Der 7,004 Kilometer lange Grand-Prix-Kurs von Spa-Francorchamps machte es den Fahrern am Sonntag deutlich leichter als im Regenrennen am Samstag. Dafür war der Spaßfaktor auf der mit 19 Kurven gespickten Strecke umso größer. Schon im Qualifying hatten Trautwein, Scheer und Koppejan die ersten drei Plätze übernommen, gefolgt vom Samstagsieger Marc Hessel, der das Cockpit des BMW E30 320is kurzfristig von DTM-Legende Prinz Leopold von Bayern übernommen hatte.

Vom Start weg entwickelte sich ein unterhaltsames Wechselspiel zwischen Trautwein und Scheer um die Führungsposition. Schon auf den ersten Metern zog Scheer an Trautwein vorbei, der in der Spitzkehre „La Source“ auf der Außenlinie erfolgreich konterte, um sich dann auf der Anfahrt zur legendären „Eau Rouge“ wieder von Scheer überholen zu lassen. Der Dresdener nutze auf allen geraden Streckenpassagen die über 500 Turbo-PS des Sierra Cosworth voll aus, während Trautwein in den Kurvenpassagen die Fahrwerks-Qualitäten des ehemaligen STW-BMW ausspielte. Dieses muntere Spielchen dauerte bis zur Zielflagge, und Trautwein musste alles aufbieten, um in der finalen Runde sich in „Blanchimont“ erneut auf der Außenbahn am Ford vorbeizupressen und somit den Sieg vor Scheer einzufahren. Koppejan musste über die gesamte Distanz seinen dritten Platz gegen Marc Hessel verteidigen, doch der ehemalige BMW-Junior und DTM-Dritte von 1987 kam nicht vorbei und musste sich am Sonntag mit Rang vier begnügen. Hinter Audi-Pilot Thomas Wandel (GER) auf Rang fünf komplettierte ein BMW-Quintet mit Moritz Horn (GER), Mark Verhaegh (NLD), René Ruch (SUI), Jürgen Adi Schumann (GER) und Reinier van Abbe (NLD) die Top Ten.

Beim Finale zum DTM Classic Cup mit Tourenwagen aus den Jahren 1984 bis 2007, vor allem aus der DTM, das vom 7. bis 9. Oktober auf dem Hockenheimring ausgetragen wird, startet der zweimalige DTM-Vizemeister Olaf Manthey (GER) im BMW 635 CSi als Titelfavorit.