Freitag, 9. September 2022

Ardennen-Achterbahn: Spa-Francorchamps fordert die DTM-Stars

  •  Herausforderung über 7,004 Kilometer: Die längste Rennstrecke im DTM-Kalender
  •  Mann der Stunde: BMW-Werksfahrer Sheldon van der Linde führt vor Mirko Bortolotti
  •  Kunst aus dem Königshaus: Esteban Muths BMW von Prinzessin Delphine designed

Foto: Jens Hawrda

La Source, Eau Rouge, Raidillon, Blanchimont – das sind Streckenpassagen des belgischen Grand-Prix-Kurses Spa-Francorchamps, die jedem Rennfahrer Respekt und auch eine gewisse Ehrfurcht einflößen. Sie sind nicht nur berühmt, sie sind vor allem eine echte Herausforderung für Mensch und Maschine. Wenn am Wochenende (9. bis 11. September) die DTM zum sechsten Saisonauftritt in Belgien startet, sind auch die DTM-Stars gefordert. Spa-Francorchamps ist eine Strecke, auf der fahrerisches Können und auch eine gesunde Portion Mut mehr zählen als auf den meisten anderen Rennstrecken. Mit 7,004 Kilometer Länge ist die Ardennen-Achterbahn zudem die längste Strecke im DTM-Kalender, in dem auch kein anderer Kurs eine Höhendifferenz von hundert Metern aufweist.

Jeder der 27 DTM-Asse kennt den Kurs von Spa-Francorchamps. Die berühmteste Kurve der Welt, die Eau Rouge, jene atemberaubende Links-Rechts-Kombination in der Senke, davor der lange Anlauf ab der Spitzkehre La Source, danach die monumentale Streckenpassage Raidillon – eine der größten Herausforderungen im Motorsport. Vollgas oder doch leicht Lupfen – das ist hier die Frage. Der Grand-Prix-Kurs südöstlich von Lüttich, nicht weit von der deutsch-belgischen Grenze entfernt, präsentiert sich mit einer teilweise neu asphaltierten Rennstrecke und – sehr zur Freude der Zuschauer – mit einer eindrucksvollen neuen Tribüne, von der aus Eau Rouge und Raidillon bestens überblickt werden können.

Belgien hat die DTM-Geschichte seit der Premiere 1984 mitgeschrieben, durch Rennstrecken, Fahrer und Teams. Nach 2005 und 2020 steht Spa-Francorchamps zum dritten Mal ein DTM-Gastspiel ins Haus, und gleich zwei Fahrer haben ein Heimrennen: Laurens Vanthoor im SSR Porsche und Esteban Muth im Walkenhorst BMW. Dabei erhält Muth wie schon im Vorjahr in Zolder Unterstützung aus dem belgischen Königshaus. Prinzessin Delphine de Saxe-Coburg, Tochter des ehemaligen Königs Albert II, hat für den #10 BMW M4 ein neues Design gestaltet, das bei der Ausfahrt zu Beginn des ersten Freien Trainings am Freitagmittag (12:15 Uhr) erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wird.

Sheldon van der Linde ist in der DTM der „Mann der Stunde“. Am Nürburgring eroberte der Südafrikaner im Schubert BMW bereits seinen dritten Saisonsieg – mehr als einen Sieg hat sonst niemand, sein Verfolger Mirko Bortolotti wartet noch immer auf den ersten Sieg überhaupt. Mit 110 Punkten liegt der 23-Jährige vor den Saisonrennen elf und zwölf auf Rang eins der Fahrer-Wertung. 21 Zähler trennen ihn vom Italiener Mirko Bortolotti (GRT Lamborghini), der auf dem Nürburgring 28 Punkte liegen ließ. Lucas Auer (AUT, 85) im WINWARD Mercedes-AMG hat den dreimaligen DTM-Champion René Rast (GER, 81) im ABT Audi von Rang drei verdrängt, Luca Stolz (GER, 73) ist nach seinem Sonntagssieg im HRT Mercedes-AMG auf Rang fünf hinter Rast vorgerückt.

Die DTM liefert auch in Belgien ein erstklassiges Motorsport-Programm mit insgesamt sieben Rennserien und 14 Rennen. Naturgemäß steht die DTM im Fokus, darüber hinaus sorgen die Talentschmiede DTM Trophy, der DTM Classic Cup mit überwiegend ehemaligen DTM-Fahrzeuge aus den Jahren 1984 bis 2007 ebenso für beste sportliche Unterhaltung wie der Einsteiger-Markenpokal BMW M2 Cup, ehemalige Formel-1-Boliden aus der MAXX Formula, die Ferrari Club Deutschland Racing Series und der Lotus Europe Cup.

Donnerstag, 8. September 2022

DTM-Legende Olaf Manthey schreibt im DTM Classic Cup seine Erfolgsgeschichte fort

  •     Vorletzter Lauf: Zweimaliger DTM-Vizemeister führt die Fahrerwertung an
  •     Wie im DTM-Premierenjahr 1984: BMW 635 CSi auf Titelkurs
  •     Spa-Francorchamps: Großer Fahrspaß für Amateure und Ex-Profis in den Ardennen

Olaf  Manthey im BMW 635 CSi
Foto: Jens Hawrda

Im DTM Classic Cup könnte sich die Geschichte wiederholen: Mit einem BMW 635 CSi führt DTM-Legende Olaf Manthey die Fahrerwertung der zu Saisonbeginn eingeführten Rennserie für historische Tourenwagen aus den Jahren 1984 bis 2007 an. Zweimal beendete der gebürtige Bonner die DTM als Vizemeister, 1984 und 1985 jeweils auf Rover Vitesse. Im DTM Classic Cup schreibt der ehemalige Rennprofi und erfolgreiche Teamchef seine Erfolgsgeschichte fort. In diesem Fall würde der Titel wie im DTM-Premierenjahr 1984 an den Fahrer eines BMW 635 CSi gehen. Damals wurde Volker Strycek, der spätere Opel-Motorsportchef, ohne einen einzigen Rennsieg DTM-Titelträger, eben mit einem BMW 635 CSi.


Für Manthey und all seine Fahrerkollegen im historischen Rennsport auf der hochkarätigen DTM-Plattform stehen weniger Titel als der Spaß am Bewegen toller Rennwagen im Vordergrund. Das gilt vor allem für das Wochenende (9. bis 11. September) beim siebten und achten Lauf zum DTM Classic Cup auf dem Grand-Prix-Kurs von Spa-Francorchamps. Eine Runde auf der Ardennen-Achterbahn misst 7,004 Kilometer und ist gespickt mit einzigartigen, meist schnellen Kurven. Vor allem die atemberaubende Links-Rechts-Links-Passage in der Senke „Eau Rouge“, die eine gesunde Kombination aus Mut und Respekt erfordert, lässt jedes Rennfahrer-Herz höherschlagen.

Der 67-jährige Manthey wechselt sich mit Jürgen Adi Schumann am Steuer des erfolgreichen BMW 635 CSi ab. Mit 52 Punkten führt Manthey, gefolgt von zwei weiteren BMW-Fahrern, deren Fahrzeuge aus Münchener Produktion vom Team 2.0 Automotive vorbereitet werden: Marc Hessel (42,1 Punkte), der DTM-Dritte von 1987, und der erst 23 Jahre alte Moritz Horn (36,8 Punkte). Hinter Thomas Wandel (34) im Audi 200 quattro und Ex-DTM-Pilot Stefan Mücke (32,8) folgen gleich drei Fahrer mit 31 Zählern: Ex-DTM-Fahrer Kris Nissen (DEN, BMW), Lausitzring-Sieger Ronny Scheer (GER, Ford) und Peter Schumann (GER, BMW). Albrecht Kamenzin (GER, 29,5, BMW) und Norisring-Sieger Gerhard Füller (GER, 26,5, Opel) komplettieren die Top Ten der 33 Teilnehmer, die bislang im DTM Classic Cup gepunktet haben.

In Belgien bringt Jan van Elderen zu seinem Heimrennen einen weiteren Ford Sierra Cosworth RS500 an den Start. Mit einem solchen „Cossie“ zählen Mücke/Scheer seit Saisonbeginn zur Stammbesetzung. Wie schon Ex-DTM-Profi Roland Asch und Markus Wüstefeld am Nürburgring, bereichert auf dem Ardennen-Kurs der Niederländer Ko Koppejan mit einem Mercedes-Benz 190E 2.5 Evo das Starterfeld, in dem der ehemals von Formel-1-Weltmeister Keke Rosberg pilotierte Opel Calibra 2.5 V6 4x4 als „Eyecatcher“ gilt. Im Opel wechseln sich auch in den Ardennen Ronny Scheer und Stefan Mücke ab.

Unterstützung hat sich für Leopold Prinz von Bayern angekündigt. Der heute 79 Jahre alte ehemalige DTM-Fahrer und BMW-Markenbotschafter, der sich mit Marc Hessel das Cockpit des BMW E30 320is teilt, erwartet zahlreichen Besuch von königlicher Verwandtschaft.

„Die DTM Classic war die beste Idee der vergangenen Jahre. Die DTM-Plattform ist der beste Platz, um historische Rennwagen aus DRM und DTM zu präsentieren“, hat Olaf Manthey unlängst kundgetan und bekräftigt damit die schnell wachsende Popularität in der aufstrebenden Rennserie für historischen Motorsport im Rahmen der international angesehenen DTM. Auf der herausfordernden Rennstrecke von Spa-Francorchamps müssen die Teilnehmer zwei Rennen über 25 Minuten plus eine Runde meistern, die am Samstag und Sonntag jeweils um 16:15 Uhr MESZ gestartet werden. Alle Trainings und Rennen der DTM Classic werden live auf ServusTV On (servusTV.com), der Video- und Streaming-Plattform von ServusTV, sowie über DTM TV (tv.dtm.com) übertragen.

Spannung im DTM-Titelkampf wächst

DTM-Spitzenreiter Sheldon van der Linde in Spa-Francorchamps auf maximale Punkte fokussiert

  •     Dreimaliger DTM-Champion René Rast: „Will alle Titelkonkurrenten hinter mir lassen“
  •     Porsche-Werksfahrer Laurens Vanthoor: „Meine härteste Saison seit langem“
  •     Lokalmatador Esteban Muth: Vorfreude auf spezielles Design von Prinzessin Delphine

Renè Rast hat den Kampf um den Titel 2022 lange noch nicht aufgegeben
Foto: Jens Hawrda


Drei, zwei, eins – DTM-Champion. Spa-Francorchamps ist am Wochenende (9. bis 11. September) die drittletzte Station der bislang äußerst intensiven Saison 2022, der Titelkampf spitzt sich spürbar zu. Sheldon van der Linde will als DTM-Spitzenreiter (110 Punkte) davon aktuell nichts wissen. „Ich bin nicht auf die Meisterschaft fokussiert, ich will einfach möglichst viele Punkte gewinnen“, erklärte der 23-jährige Südafrikaner aus dem BMW-Team Schubert Motorsport in der üblichen DTM-Pressekonferenz. René Rast (GER), im ABT Audi zuletzt am Nürburgring auf Tabellenrang vier (81) hinter Mirko Bortolotti (ITA, 89) im GRT Lamborghini und Lucas Auer (AUT, 85) im WINWARD Mercedes-AMG zurückgefallen, will alles tun, um seine Titelchancen zu wahren. „Das Ziel sind viele Punkte und alle Titelkonkurrenten hinter mir zu lassen.“


Mit dem Titelkampf haben die beiden Belgier im Feld der 27 DTM-Rennwagen nichts zu tun. Porsche-Werksfahrer Laurens Vanthoor gibt unumwunden zu: „Das ist die härteste Saison für mich seit langer Zeit.“ Gründe dafür sieht er vor allem darin, dass es für ihn, für sein Team SSR Performance und für Porsche die erste Saison in der DTM ist. „Wir haben gute Ingenieure und arbeiten, dass wir uns weiter verbessern“, so Vanthoor, der sich selbst ein klares Ziel gesetzt hat: „Ich will mehr zeigen und noch möglichst einen Sieg einfahren, zumindest einmal auf dem Podium stehen.“ Teamkollege Dennis Olsen (NOR) ist dies bereits zweimal gelungen. Geht es nach Vanthoor, ist seine Heimstrecke der beste Ort dafür, schließlich feierte er 2014 bei den 24h von Spa zusammen mit René Rast und Markus Winkelhock mit dem Gesamtsieg einen seiner größten Erfolge.

Für seinen Landsmann Esteban Muth geht es zunächst einmal um die ersten Saisonpunkte überhaupt. „Meine zweite Saison ist härter als die erste, vor allem im Qualifying tun wir uns schwer. Wir müssen alles zusammenbringen, dann klappt es auch mit den Punkten.“ Besondere Motivation zieht der 20 Jahre alte Lokalmatador aus der Unterstützung durch Prinzessin Delphine, die seinen Walkenhorst BMW neu gestaltet hat. „Rennen vor heimischer Kulisse sind immer etwas Besonders, und die Unterstützung durch Prinzessin Delphine macht es noch besser.“ Das neue Design des #10 BMW wird am Freitag vor Beginn des ersten Freien Trainings auf der Rennstrecke von Spa-Francorchamps präsentiert.

Einig waren sich in der Pressekonferenz alle fünf Fahrer, dass Spa-Francorchamps, mit 7,004 km der längste Kurs im DTM-Kalender, zu den besten Rennstrecken überhaupt gehört. „Spa ist eine der besten Rennstrecken in der Welt“, sagt auch Clemens Schmid (GRT Lamborghini). „Ich mag Spa sehr.“ Kein Wunder, eroberte der Österreicher immerhin schon einmal die Pole-Position beim 24h-Klassiker auf der anspruchsvollen Berg- und Tal-Bahn in den Ardennen. Laurens Vanthoor ist überzeugt: „Diese Strecke erlaubt richtig gutes Racing. Der Kurs macht uns Fahrern Spaß, und es wird sehr interessant.“ Während Muth erstmals im GT-Rennwagen in Spa antritt („Das wird eine neue Erfahrung für mich.“), hat der dreimalige DTM-Champion René Rast erst Anfang des Monats auf der Ardennen-Achterbahn getestet. „Grundsätzlich ist die Strecke unverändert, nur gibt es durch neu asphaltierte Passagen weniger Bodenwellen und auch mehr Kiesbetten.“ Und Sheldon van der Linde, der in Spa schon mal gemeinsam mit Bruder Kelvin auf dem Podium stand und wie am Nürburgring auch in Spa gerne wieder einen Doppelsieg des Brüderpaares feiern würde, äußert: „Das ist eine Old-School-Strecke, die viel Spaß macht.“

Dass die Saisonrennen elf und zwölf (Rennstart am Samstag und Sonntag jeweils um 13:30 Uhr MESZ, live auf ProSieben ab 13:00 Uhr MESZ sowie im Online-Stream auf tv.DTM.com) um fünf Minuten auf 55 Minuten plus eine Runde verkürzt wurden, ändert nichts an der Strategie der Fahrer und Teams. „Wir geben vom Start bis zum Ziel Vollgas, wie immer“, bekräftigt Muth. Mehr Gedanken machen sich die Fahrer ums Wetter. „Wir haben das Wetter auf dem Radar, vor allem den Samstag, an dem es regnen könnte. Aber wir haben zuletzt schon im Regen getestet“, fühlt sich DTM-Spitzenreiter Sheldon van der Linde auch für das ab und an tückische Ardennen-Wetter gut gerüstet.

Vorteil Heinemann: Mit Punktepolster zur DTM Trophy nach Belgien

  • 39 Punkte Vorsprung: Toyota-Pilot Tim Heinemann führt Fahrerwertung souverän an
  • Herausforderung Spa-Francorchamps: Prüfstein für die Fahrer der Talentschmiede
  • Saisonrennen neun und zehn: Live auf ServusTV und DTM TV

Titelkandidat 2022: Tim Heinemann 
Foto: Jens Hawrda

Spa-Francorchamps gilt als eine Rennstrecke, auf der sich die Spreu vom Weizen trennt. Gerade für die Fahrer der Talentschmiede DTM Trophy werden die Saisonrennen neun und zehn auf dem 7,004 Kilometer langen Grand-Prix-Kurs in den Ardennen ein echter Prüfstein. Einer, der dieser Herausforderung entspannt entgegensehen kann, ist Tim Heinemann. Er kennt die belgische Berg- und Tal-Bahn bereits aus dem Debütjahr der DTM Trophy, als er in Spa-Francorchamps mit zwei zweiten Plätzen den Grundstein für den Titelgewinn legte. Außerdem reist der 24-jährige Deutsche aus dem Team Toyota Gazoo Racing Germany powered by Ring-Racing als Tabellenführer in der Fahrer-Wertung der Talentschmiede auf der DTM-Plattform nach Belgien, und das mit einem ordentlichen Punktepolster.

Es sind 39 Punkte, die der erste Titelträger der DTM Trophy vor seinem ärgsten Verfolger liegt, vor dem Niederländer Colin Caresani aus dem BMW-Team Project 1. Heinemann hat 151 Punkte auf seinem Konto, Caresani 112. Weitere 35 Punkte zurück liegt der Brasilianer Thiago Vivacqua (77) aus dem Audi-Team Heide-Motorsport auf dem dritten Tabellenrang. Es ist jedoch allenfalls eine erste Vorentscheidung, denn in den sechs noch ausstehenden Rennen sind insgesamt noch maximal 174 Punkte (25 je Rennen, drei je Qualifying, ein je schnellster Rennrunde) zu verdienen.

Den Grundstein für seine aktuelle Führung hatte Heinemann bereits mit einem Doppelsieg zum Saisonauftakt bei der DTM Lausitzring Turn 1 powered by Autohero gelegt. Zuletzt konnte der aus dem virtuellen in den realen Motorsport aufgestiegene Fichtenberger auf dem Nürburgring zwei weitere Siege hinzufügen. Es waren zwei Heimsiege für seine im Nürburgring-nahen Boxberg beheimatete Mannschaft Ring-Racing um Teamchef Uwe Kleen. Obwohl nur mit einem Toyota Supra im Feld der DTM Trophy vertreten, ist Toyota Gazoo Racing Germany powered by Ring-Racing, so der offizielle Teamname, mit 150 Zählern Zweiter in der Teamwertung hinter Project 1 mit 167 Punkten und vor BWT Mücke Motorsport (109) – beide mit jeweils zwei Fahrzeugen im Feld.

Das Team Selleslagh Racing Team, kurz SRT, hat zumindest auf dem Papier einen Heimvorteil. Der Rennstall mit Sitz in Berlare nordwestlich von Brüssel setzt einen Mercedes-AMG für Alexander Papadopulos ein. Der 23 Jahre alte US-Amerikaner griechischer Abstammung fuhr zuletzt im Sonntagrennen auf dem Nürburgring zum zweiten Mal in diesem Jahr in die Punkteränge.


Dienstag, 6. September 2022

IDM Red Bull Ring: Erfolg auf der ganzen Linien für das deutsch-belgische Team BCC-alpha-Van Zon-BMW

#7 Kamil Krzemien, BMW M 1000 RR
Foto: Jens Hawrda

Der Kalender der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft IDM 2022 führte das deutsch-belgische Team BCC-alpha-Van Zon-BMW am vergangenen Wochenende nach Österreich. Auf dem Red Bull Ring fand der vorletzte der insgesamt sieben Läufe statt. Mit ihrem Piloten Markus Reiterberger (D) hatten die beiden Teamchefs Werner Daemen und Andy Gerlich bereits beim letzten Rennen den Titel in der IDM Superbike klargemacht. Neben Reiterberger, dem nun vierfachen IDM-Champion, waren auch wieder der Pepijn Bijsterbosch (NL) und Kamil Krzemien (PL) mit dabei. Mit seiner weiteren Genesung ist derweil der Österreicher Jan Mohr beschäftigt.

Markus Reiterberger war vom Test mit dem BMW-Langstrecken-Team von Südfrankreich direkt nach Österreich gekommen und ließ trotz gewonnenem IDM-Titel nicht locker. Daher dürfte es ihm auch nicht ganz geschmeckt haben, dass ihm sein Dauer-Konkurrent Florian Alt die vorletzte Pole-Position der Saison vor der Nase wegschnappte. Im zweiten Quali waren die Temperaturen nochmals in die Höhe geklettert und trotz zahlreicher schneller Runden blieb es für ‚Reiti‘ bei Startplatz 2.

Das erste Rennen war dann nichts für schwache Nerven. Mit Alt und Superbike-WM-Pilot Leandro Mercado lieferte sich der frisch gekürte Champion einen ansehnlichen Dreikampf, bei dem es hart, aber herzlich zuging. Das entscheidende Manöver hatte sich Reiterberger für die letzte Runde aufgespart. Ausgangs der neuen Münzer-Schikane übernahm der Bayer die Führung und gab diese bis ins Ziel nicht mehr her. «Ich habe mich auf dem härteren Reifen wohler gefühlt», so Reiterbergers Analyse, «das war stabiler, obwohl ich im Rennen nicht so viel Grip hatte wie im Quali. Doch ich konnte mich rantasten und den Rhythmus der Jungs mitgehen. Auf der Gerade gab es keine Chance vorbeizukommen. Daher das Manöver in der Schikane. Es war haarscharf, ähnlich wie das von Alt in Oschersleben, doch es hat gepasst.»

In Lauf 2 musste Reiterberger wegen der in der IDM geltenden Regel des Reverse Grid von Platz 9 aus starten. Doch kein Problem für den Mann mit der Startnummer 28. Schon nach den ersten Kurven hatte er den Weg an die Spitze gefunden und kontrollierte das Rennen von der Spitze weg. Der zweiter Tagessieg der verdiente Lohn. «Als ich vorne war», berichtet er, «konnte ich schön fahren. Als ich gesehen habe, dass sich mein Vorsprung verringert, habe ich nochmal gepusht und mir dabei leider meine Reifen ruiniert. Die letzten Runden waren nicht einfach, aber ich habe es durchs Ziel gebracht. Danke an alle, die Zuschauer und an mein Team, das wieder perfekt gearbeitet hat.»

Pepijn Bijsterbosch hatte nach seinem erfolgreichen IDM-Assen-Ausflug hochmotiviert die lange Reise von den Niederlanden in die österreichische Steiermark angetreten. Von den Tipps, die ihm beim letzten Rennen der Vorjahrsmeister Ilya Mikhalchik mit auf den Weg gegeben hatte, konnte er auch am Red Bull Ring noch profitieren und überzeugte in den beiden Zeittrainings mit dem fünften Startplatz.

Im ersten Rennen musste er die Top-Drei im Kampf um den Sieg zwar ziehen lassen, doch Bijsterbosch konnte sich in der Verfolgergruppe gekonnt durchsetzen und sich von seinen Konkurrenten absetzen. Platz 4 das überzeugende Resultat. Für den zweiten Lauf durfte der Niederländer durch die umgekehrte Startreihenfolge dann auf der Pole-Position Platz nehmen und hatte somit beste Voraussetzungen für einen erfolgreichen Nachmittag. Eigentlich. Denn nach einem Regenschauer war die Strecke zwar wieder abgetrocknet, nur die rechte, im Schatten der Haupttribüne liegende, Seite der Start-Ziel-Geraden nicht. Somit stand Bijsterbosch auf einem komplett nassen Startplatz. «Das ist wohl die blödeste Pole-Position, die ich je hatte», meinte er mit einem Blick nach unten.

Nach dem Start wurde es eng in der ersten Kurve und Bijsterbosch kollidierte mit einem anderen Fahrer. Er blieb zwar sitzen, konnte sich wieder im Feld einreihen, doch das vor allem am Red Bull Ring dringend benötigte Kühlsystem seiner Bremszange hatte etwas abbekommen. «Dadurch überhitzte die Bremse am Ende und es ging einmal geradeaus», so der Bericht des Niederländers. «Deshalb war ich nach dem siebten Platz im Ziel schon ein klein wenig enttäuscht.» Für Bijsterbosch zählt in der Schlussphase der Meisterschaft jeder Punkt, denn er hat gute Chancen, die Meisterschaft auf Platz 3 der Gesamtwertung zu beenden.

Kamil Krzemien kam wie immer gut gelaunt und voller Tatendrang nach Österreich gereist. Als einer von wenigen Fahrern gelang es dem Polen, seine persönliche Bestzeit im zweiten Qualifying noch zu verbessern. Vom 13. Startplatz aus ging es für den BMW-Piloten in das erste Rennen des Tages. Und er blieb seinem bekannten Muster der bisherigen Saison treu. Im Training gingen ihm die Zeiten noch nicht ganz so geschmeidig von der Hand, dafür steigerte er sich im Rennen deutlich und eroberte mit Rang 8 erneut ein Top-Ten-Ergebnis.

Dank des Reverse-Grid ging Lauf 2 für Krzemien dann aus der zweiten Reihe los. Gekonnt setzte er die gute Start-Position mit Platz 6 in ein gutes Ergebnis um. «Im zweiten Quali hatten wir noch was probiert», verriet er anschließend, «was nicht so gut war. Daher sind wir für das erste Rennen wieder mit dem Set-up zurück auf die Q1-Einstellung gegangen. Damit war ich happy. Mit dem weichen Reifen war ich im ersten Rennen in den letzten vier, fünf Runden ziemlich am Limit. Aber ich war natürlich zufrieden, dass ich mit meinem Ergebnis in er zweiten Startreihe für Lauf 2 gelandet bin.»

«Beim zweiten Lauf haben wir beim Set-up wieder ein wenig riskiert», berichtet der Pole. «Ich war mit einem ähnlichen Set-up wie mein Teamkollege Markus Reiterberger unterwegs. Dadurch konnte ich beim Bremsen das Maximum herausholen und hatte Grip am Kurvenausgang. Ich habe dann alles probiert, um an Bastien Mackels auf Platz 5 vorbeizukommen, aber es gab keine Gelegenheit, ihn noch zu attackieren. Aber die Ergebnisse werden früher oder später von mir kommen. Ich hoffe natürlich früher.»

Kaum angefangen, geht die Saison 2022 auch schon wieder Ende. Letzte Station der IDM ist vom 23. bis 25. September der Hockenheimring.