Dienstag, 3. November 2020

DTM-Rekordmeister Schneider über DTM-Trophy-Champion Heinemann: „Sein Speed ist beeindruckend.“

  •     Tim Heinemann: der erste Champion der neuen DTM Trophy im Porträt
  •     Sein Einstieg: Im virtuellen Motorsport gewonnen, bei realem Test überzeugt
  •     Sechs Siege: starkes Paket mit Mercedes-AMG und HP Racing International

Sehen wir Tim Heinmann nächsten Jahr in der DTM
Foto: dtm.com



Bernd Schneider hat fünf Mal die DTM gewonnen, gilt als „Mr. DTM“. Der gebürtige Saarländer genießt hohes Ansehen in der Szene, sein Wort hat also Gewicht. Und der eher als zurückhaltend geltende Bernd Schneider gerät regelrecht ins Schwärmen, wenn er von DTM-Trophy-Champion Tim Heinemann spricht. „Sein Speed ist beeindruckend.“ Vor zwei Jahren hat Heinemann den ehemaligen DTM-Star überzeugt, der ihn fortan förderte. In der Saison 2020 startete der 23-Jährige in der neuen DTM Trophy, um im Umfeld der DTM sein Können zu zeigen – in einer neuen Rennserie, in der nur der Fahrer zählt, in der es keine Fahrerwechsel gibt, und die sich von Anfang an als hochkarätige Rennserie etablierte. Tim Heinemann machte genau das: Er zeigte sein Können, gewann sechs Rennen in Folge, stand weitere drei Mal auf dem Podium und eroberte den Titel im Sturm, bereits vor dem noch ausstehenden Finale vom 06. bis 08. November in Hockenheim.

Titelgewinn im virtuellen Motorsport beschert ihm das reale Cockpit

„Es ist beeindruckend, wie Tim die Dinge umsetzt. Er hält sich an das, was man ihm sagt, arbeitet sehr professionell – und er macht nichts kaputt“, beschreibt Schneider die Vorzüge seines Schützlings. Dabei klingt die Geschichte des Tim Heinemann wie ein modernes Märchen. 2010 und 2011 fuhr er Kartrennen, aber mehr als Hobby. Er wechselte zum SimRacing und fand im virtuellen Motorsport in die Erfolgsspur. 2018 gewann er eine im DTM-Umfeld von Mercedes ausgeschriebene virtuelle Meisterschaft. Der Lohn: Testfahrten im GT4- und GT3-Sportwagen – unter den Augen von Bernd Schneider, und gegen den Rekordmeister. Schneider war verblüfft: „Tim war genauso schnell wie ich.“ Und das, obwohl mit Langstrecken-Spezialist Manuel Metzger noch ein Rennfahrer an Tims Seite saß. „Im GT4 war ich einen Tick schneller“, korrigiert Heinemann mit einem Lächeln und ergänzt mit tiefer Dankbarkeit: „Bernd spielt eine große Rolle. Wir haben fast täglich Kontakt, und er hilft mir mit Rat und Tat.“

Es ist ein starkes Paket, auf das Tim Heinemann bauen kann. Bernd Schneider zählt genauso dazu wie der ausgereifte Mercedes-AMG GT und vor allem das Team HP Racing International. Daniel Weber hat als Teammanager und Fahrzeug-Ingenieur eine Schlüsselfunktion. „Wir sind ein kleines Team, wir sind wie eine Familie“, sagt Weber. Dass der Rennstall aus dem baden-württembergischen Weil der Stadt nur ein Auto einsetzt, hat Vor- und Nachteile: Einerseits gibt es keinen Teamkollegen, mit dem Tim Heinemann die Daten vergleichen könnte, andererseits konzentriert sich das Team zu hundert Prozent auf ihn. „Wir ziehen an einem Strang, jedes Wochenende aufs Neue“, so Weber.

Nächstes Ziel: mit einem GT3-Sportwagen in der DTM

„Die Vorbereitung von Tim auf die Rennen ist einfach mega“, sagt der Fahrzeug-Ingenieur. „Er zieht sich endlos Daten und Videos rein und setzt all das beim Rennen fehlerlos um. Er geht unglaublich konzentriert zu Werke, ist sehr ehrgeizig, hinterfragt alles, verträgt auch Kritik und ist immer auf den nächsten Schritt fokussiert.“ Der nächste Schritt – das ist die große Frage. Wohin führt ihn sein Weg nach diesem Titelgewinn? „Ich sehe ihn in der GT3, am besten in der DTM“, sagt Bernd Schneider. „Wir würden ihn gern behalten und mit ihm den Weg weitergehen“, ergänzt Daniel Weber. Und wie lautet das Ziel von Time Heinemann? „Ich will mich weiterentwickeln, will nicht stehen bleiben. Also würde ich gerne eine Stufe aufsteigen, am liebsten in die GT3. Mein Ziel ist die DTM, das wäre mein Traum“, fasst Tim Heinemann seine Pläne in Worte.

Heinemann, in Essen geboren und in Heinsberg aufgewachsen, wohnt mittlerweile in Fichtenberg. Als Industriekaufmann arbeitet er bei einem Fahrwerks-Unternehmen, das auch im Motorsport aktiv ist und zu dem auch ein SimRacing-Anbieter gehört. Da schließt sich der Kreis. Am liebsten sitzt er im Cockpit. Zeit verbringt er aber auch mit SimRacing, beim Laufen und beim Tennis. Selbst bezeichnet er sich als Spaßvogel, „als lockeren Typ, mit dem man Spaß haben kann.“ Im Fahrerlager wirkt Tim Heinemann allerdings eher anders, eben konzentriert, fokussiert. So ist Bernd Schneider auch sicher, dass Tim Heinemann seinen Weg machen wird, allein schon aufgrund seines „beeindruckenden Speeds“, und der ist im Motorsport immer noch das Wichtigste.

McLaren mit zweitem Saisonsieg in der ADAC GT4 Germany

  • Aleksey Sizov und Christopher Dreyspring holen ersten Sieg in der ADAC GT4 Germany
  • Sizov gewinnt auch die Junior-Wertung
  • Tom Kieffer und Christian Kosch triumphieren in Trophy-Wertung


Der siegreiche McLaren 570S GT4 von Dörr Motorsport
Foto: ADAC-Motorsport



Aleksey Sizov (17/RUS) und Christopher Dreyspring (22/Nürnberg, beide Dörr Motorsport) sind im McLaren 570S GT4 die Sieger der Sonntagsrennens der ADAC GT4 Germany auf dem DEKRA Lausitzring. Hinter dem McLaren belegten ADAC Stiftung Sport-Förderpilot Hugo Sasse (16/Aschersleben) und William Tregurtha (20/GBR, beide T3-HRT-Motorsport) im Audi R8 LMS GT4 Platz zwei. Das Podium komplettierten Tim Heinemann (23/Fichtenberg) und Moritz Oestreich (28/Langenselbold, beide Prosport Racing) im Aston Martin Vantage GT4. "Wir sind natürlich richtig glücklich über den Sieg. Schon am Red Bull Ring waren wir sehr nah dran. Nun hat es endlich geklappt", jubelte Dreyspring über seinen ersten Triumph überhaupt in der ADAC GT4 Germany.

Marvin Dienst (23/Lampertheim, DLV-Team Schütz Motorsport) übernahm im Mercedes-AMG GT4 nach dem Start die Führung im Mercedes-AMG GT4, wurde aber direkt nach der ersten Runde durch das Safety-Car wieder eingebremst. Hendrik Still (33/Kempenich, Team Zakspeed) drehte sich im Mercedes-AMG GT4 in der Startrunde bei der Anfahrt auf die Gegengerade und touchierte dabei den McLaren von Phil Dörr (19/Butzbach, Dörr Motorsport). Reinhard Kofler (35/AUT, True Racing) konnte dem McLaren im KTM X-Bow GT4 Evo nicht mehr ausweichen. Zur Bergung der verunfallten Fahrzeuge wurde das Rennen mit der roten Flagge unterbrochen.

Nach dem Restart setzte sich Pole-Setter Nicolaj Møller Madsen (27/DNK, Team Allied-Racing) im Porsche 718 Cayman GT4 an die Spitze. Wenige Minuten später musste das Safety-Car abermals auf die Strecke, da der BMW M4 GT4 von Alesia Kreutzpointner (21/Töging am Inn, MRS GT-Racing) im Kiesbett steckte. Während der Safety Car-Phase ging das gesamte Feld zum obligatorischen Fahrerwechsel an die Box. Der große Gewinner war dabei McLaren-Fahrer Aleksey Sizov, der als Erster vor Porsche-Pilot Dennis Fetzer (19/Buseck, Team Allied-Racing) und Tregurtha im Audi wieder auf die Strecke ging. Nach dem Restart mit 18 Minuten Restrenndauer blieb Sizov an der Spitze, dahinter schoben sich erst Tregurtha und dann auch noch Tim Heinemann im Aston Martin vorbei an Fetzer auf die Plätze zwei und drei. Nach einem weiteren Kontakt zwischen Marcus Suabo (51/Malsch, DLV-Team Schütz Motorsport) im Mercedes-AMG und Cedric Piro (22/Heusweiler, Team Piro Sports Caffè d´Italia) in der Ginetta G55 GT4 ging das Safety Car abermals auf die Strecke, ehe das Rennen sieben Minuten vor dem Rennende mit der roten Flagge vorzeitig abgebrochen wurde.

"Ich war zunächst auf Regenreifen gestartet. Doch während der roten Flagge haben wir auf Slicks gewechselt. Da es im ersten und dritten Sektor schon eine komplette Trockenlinie gab, war die Entscheidung richtig", erklärte Sieger Dreyspring, der an Position drei liegend an Teamkollege Sizov übergab.

"Unser Boxenstopp war einfach perfekt gewesen. Wir waren genau am Limit und haben somit keine Zeit verloren. Hier hat das Dörr-Team richtig gute Arbeit geleistet. Das war einer der Schlüssel zum Sieg. In meinem Stint musste ich im Fahrzeug konzentriert fahren, da ich auf den Trockenreifen die richtige Linie finden musste", erklärte Sizov, der auch die Junior-Wertung gewann.

Hinter den Podiumsplätzen kamen Fetzer und dessen Teamkollege Joel Sturm (18/Brühl) auf Platz vier vor den weiteren Porsche von Jan Kasperlik (41/Huglfing) und Nicolaj Møller Madsen (27/DNK, beide Team Allied-Racing) sowie Alexander Tauscher (18/Mitterfels) und Levi O'Dey (16/Jülich, beide Küs Team75 Bernhard). Die BMW M4 GT4 von Michael Schrey (37/Wallenhorst) und Gabriele Piana (34/ITA, beide Hofor Racing by Bonk Motorsport) bzw. Claudia Hürtgen (49/Aschheim) und Sebastian von Gartzen (27/Linden, beide Hofor Racing by Bonk Motorsport) belegten die Plätze sieben und acht. Rang neun ging an Tom Kieffer (45/LUX) und Christian Kosch (43/LUX, beide Team Allied-Racing) im Porsche, die auch die Trophy-Wertung für sich entschieden. Die Top Zehn komplettierten Cristian Stingu (33/ROM) und Domenico Solombrino (32/Stuttgart, beide Hella Pagid - Racing One) im Audi R8 LMS GT4.

Die ADAC GT4 Germany macht keine Pause. Bereits am kommenden Wochenende (6. bis 8. November) steht das Saisonfinale in der Motorsport Arena Oschersleben auf dem Programm. Nach Platz elf im Sonntagsrennen reist das Mercedes-AMG-Duo Julien Apothéloz (19/CHE) und Luca Trefz (18/Wüstenrot, beide Mann-Filter Team HTP-Winward) dorthin als Tabellenführer. Laufsieger Sizov fährt zudem optimistisch in die Magdeburger Börde. "Wir wollen auf jeden Fall wieder in die Top Fünf kommen. Ich würde mich aber auch gerne wieder auf dem Podium sehen", blickte er auf die beiden Rennen in Oschersleben voraus.

Im Vorfeld des Sonntagsrennen der ADAC GT4 Germany auf dem DEKRA Lausitzring wurde auch nochmals das Ergebnis zu Lauf eins korrigiert. Gegen die ursprünglichen Laufsieger Heinemann/Oestreich wurde nachträglich noch eine Strafe wegen Überholens unter gelber Flagge ausgesprochen. So ging der Sieg an das Porsche-Duo Jan Kasperlik und Nicolaj Møller Madsen.


Montag, 2. November 2020

Mercedes-AMG-Piloten Wishofer/Boccolacci siegen am Lausitzring, Titelkampf im ADAC GT Masters noch spannender

  •  Fahrerduo von Team Zakspeed BKK Mobil Oil Racing gewinnt am Sonntag
  •  Wishofer siegt auch in Pirelli-Junior-Wertung
  •  Noch 5 Titelkandidaten beim Finale am kommenden Wochenende


Dorian Boccolacci, Mick Wishofer, Team Zakspeed BKK Mobil Oil Racing
Foto: ADAC-Motorsport


Von Startplatz 17 zum Sieg: Mit einer starken Leistung gelang den Mercedes-AMG-Piloten Mick Wishofer (21/A) und Dorian Boccolacci (22/F, beide Team Zakspeed BKK Mobil Oil Racing) im Sonntagsrennen des ADAC GT Masters auf dem Lausitzring ein Überraschungscoup. Das Duo sicherte sich bei nassen Bedingungen seinen ersten Sieg in der "Liga der Supersportwagen". Rang zwei holten sich Robert Renauer (35/Vierkirchen) und Klaus Bachler (29/A, beide Precote Herberth Motorsport). Renauer verbesserte sich damit auf den zweiten Gesamtrang. Die dritte Position holte sich das Schwesterauto von Alfred Renauer (35/Jedenhofen) und Sebastian Asch (34/Ammerbuch, beide Precote Herberth Motorsport). Bei zwei noch ausstehenden Rennen führen die Audi-Fahrer und Titelverteidiger Patric Niederhauser (29/CH) und Kelvin van der Linde (24/ZA, beide Rutronik Racing) weiter die Tabelle an und liegen fünf Punkte vor Renauer und sieben Punkte vor dem Porsche-Duo Christian Engelhart (33/Starnberg) und Michael Ammermüller (34/Rotthalmünster, beide SSR Performance). "Ein Megaergebnis!", jubelte Sieger Dorian Boccolacci. "Ich bin wirklich stolz auf unser Team, denn unser Auto war schon das ganze Rennwochenende über wirklich gut."

Starker Beginn von Boccolacci

Mick Wishofer und Dorian Boccolacci legten den Grundstein für ihren Sieg mit einem beeindruckenden Stint von Startfahrer Boccolacci. Der Franzose ging von Platz 17 ins Rennen und war nach der ersten Runde bereits Neunter. Auch danach machte der ehemalige Formel-2-Pilot weitere Positionen gut und lag vor den Boxenstopps bereits auf Rang fünf. Nach einem späten Fahrerwechsel kam Partner Wishofer als Dritter auf die Strecke zurück. Nur wenige Runden später ging der Österreicher am zweitplatzierten Porsche von Robert Renauer vorbei und übernahm direkt danach Rang eins, als der bis dahin führende Audi der Pole-Setter Benjamin Goethe (17/Monte Carlo) und Frédéric Vervisch (34/B, beide Team WRT) eine Durchfahrtstrafe wegen eines Vergehens beim Boxenstopp absolvieren musste. Wishofer kontrollierte anschließend das Rennen und sah mit 4,6 Sekunden Vorsprung als Erster die Zielflagge. Der 21-Jährige und Teamkollege Boccolacci feierten damit ihren Premierenerfolg im ADAC GT Masters, Wishofer siegte gleichzeitig auch in der Pirelli-Junior-Wertung. Für ihren Rennstall Zakspeed war es der insgesamt sechste in der "Liga der Supersportwagen" und der erste seit 2016.

Robert Renauer und Klaus Bachler lagen das ganze Rennen über auf Podiumskurs und durften sich am Ende mit Platz zwei über ihr zweites Top-3-Ergebnis des Wochenendes freuen. Renauer verbesserte sich damit auf den zweiten Gesamtrang. Der Bayer wurde nach hinten vom Schwesterauto von Sebastian Asch und Alfred Renauer abgeschirmt, die ihr erstes Podium des Jahres holten.

Als Vierte sammelten die Mercedes-AMG-Piloten Luca Stolz (25/Brachbach) und Maro Engel (35/Monte Carlo, beide Toksport WRT) ebenfalls wichtige Punkte im Titelkampf, in dem sie als Gesamtvierte nur 14 Punkte hinter der Tabellenspitze liegen. Stolz und Engel waren als 19. gestartet und zeigten ebenfalls eine starke Aufholjagd. Hinter den Markenkollegen Indy Dontje (27/NL) und Maximilian Götz (34/Uffenheim, beide Mann-Filter Team HTP-Winward) behaupteten Patric Niederhauser (29/CH) und Kelvin van der Linde (24/ZA, beide Rutronik Racing) mit Platz sechs ihre Tabellenführung, die sie auf fünf Punkte ausbauten. Das Duo lag bis zu einem missglückten Boxenstopp, der eine Durchfahrtstrafe nach sich zog, auf dem zweiten Rang.

Marvin Dienst (23/Lampertheim) und Philipp Frommenwiler (31/CH, beide DLV-Team Schütz Motorsport) kamen mit ihrem Mercedes-AMG GT3 auf Rang sieben, dahinter folgten Albert Costa Balboa (30/E) und Franck Perera (36/F, GRT Grasser Racing Team) im besten Lamborghini vor Goethe und Vervisch, die sich nach langer Führung mit Rang neun zufriedengeben mussten. Die Top 10 komplettierten Henric Skoog (24/S) und Sheldon van der Linde, 21/ZA, beide Schubert Motorsport) mit ihrem BMW M6 GT3. Mit Position 11 wahrte das Porsche-Duo Christian Engelhart und Michael Ammermüller seine Meisterschaftschancen. Die beiden Fahrer reisen als Tabellendritte zum Saisonfinale in der kommenden Woche in Oschersleben.

Den Rennsieg in der Pirelli-Trophy-Wertung holte sich Audi-Fahrer Filip Salaquarda (36/CZ, Team ISR).

 
Stimmen der Sieger:

Mick Wishofer (Team BKK Mobil Oil Racing, Mercedes-AMG GT3 Evo):
"Das Team hat heute wirklich einen mega Job gemacht. Dorian [Boccolacci] hatte einen tollen Start, an mir lag es dann, das Rennen in der zweiten Hälfte zu einem guten Ende zu bringen. Aus meiner Position heraus konnte ich relativ schnell den Porsche überholen und das Rennen dann gut kontrollieren. Wir waren gestern schon schnell, das Auto war sehr gut, doch heute haben wir unsere Leistung dann wirklich auf den Punkt gebracht."

 
Dorian Boccolacci (Team BKK Mobil Oil Racing, Mercedes-AMG GT3 Evo):
"Die ersten Runden des Rennens waren wirklich klasse! Ich habe glücklicherweise die richtigen Entscheidungen getroffen und ausreichend Platz für meine Überholmanöver gefunden. Dann war es wichtig, schnell in einen guten Rhythmus zu finden. Auf das Team bin ich wirklich stolz, denn unser Auto war schon das ganze Rennwochenende über wirklich gut, deswegen haben wir für das heutige Rennen nicht viel anpassen müssen. Auch mit Mick [Wishofer] harmoniere ich sehr gut, der Schlüssel zum Erfolg war heute, das Limit zu finden, aber bei diesen schwierigen Verhältnissen nicht darüber hinauszugehen."

Sonntag, 1. November 2020

Erster Sieg für Aston Martin in der ADAC GT4 Germany

  • Tim Heinemann und Moritz Oestreich gewinnen Samstagsrennen
  • Langstrecken-Atmosphäre bei Nachtrennen auf dem Lausitzring
  • Jan Marschalkowski triumphiert in der Junior-Wertung

ungewohnte Lichtverhältnisse beim Start der ADAC GT4 Germany am Lausitzring
Foto: ADAC-Motorsport

Grelles Scheinwerferlicht, rot glühende Bremsscheiben und ein enger Zieleinlauf bei Dunkelheit. Das erste Rennen der ADAC GT4 Germany auf dem DEKRA Lausitzring war spektakulär und eines der Highlights in der bisherigen Serien-Geschichte. Am Ende siegten Tim Heinemann (23/Fichtenberg) und Moritz Oestreich (28/Langenselbold, beide Prosport Racing), die an diesem Wochenende im Aston Martin Vantage GT4 einen Gaststart absolvieren. Sie sorgten zudem für den ersten Triumph eines Aston Martin in der ADAC GT4 Germany. Jan Kasperlik (41/Huglfing) und Nicolaj Møller Madsen (27/DNK, beide Team Allied-Racing) kamen im Porsche 718 Cayman GT4 auf Platz zwei vor Jan Marschalkowski (17/Inning) und Hendrik Still (33/Kempenich, beide Team Zakspeed) im Mercedes-AMG GT4. "Für mich persönlich war das eine Rückkehr nach Maß. Doch im ganzen Team könnte Stimmung nach dem Sieg jetzt nicht besser sein", jubelte Heinemann, der nach über einem Jahr Pause sein Comeback in der ADAC GT4 Germany gab.

Heinemann hatte das Rennen schon von der Pole-Position aus begonnen. Nach dem Start setzte er sich mit starken Zeiten kontinuierlich an der Spitze des Feldes ab. Bis zu den obligatorischen Fahrerwechseln hatte er bereits einen Vorsprung von rund acht Sekunden auf den zu diesem Zeitpunkt zweitplatzierten Jan Marschalkowski im Mercedes-AMG herausgefahren. "Ich hatte einen guten Start. Doch in der ersten Kurve waren wir trotzdem zu dritt oder zu viert nebeneinander. Ich konnte die Führung behaupten und danach eine Lücke herausfahren. Beim Boxenstopp waren wir etwas konservativ. Es hat aber gereicht, um vorne zu bleiben", blickte Heinemann auf seine erste Rennhälfte zurück.

Kurz nachdem alle Fahrerwechsel vollzogen waren, hatte Marschalkowskis Teamkollege Hendrik Still die Führung übernommen. Die Rennleitung schickte dann das Safety-Car heraus, da die Ginetta G55 GT4 von Cedric Piro (22/Heusweiler, Team Piro Sports Caffè d´Italia) neben der Strecke stand. Dadurch wurde das gesamte Feld wieder eng zusammengebracht. Hinter Still kämpfte Moritz Oestreich, der nun im Aston Martin von Heinemann saß, mit Porsche-Pilot Nicolaj Møller Madsen um die zweite Position, die sich zunächst der Däne vom Deutschen eroberte. Kurz drauf wurde daraus sogar die Rennführung, da Still von der Strecke abkam und bis auf die neunte Position zurückfiel. Oestreich nutzte wenig später einen Fahrfehler Møller Madsens, sicherte sich wieder die Spitze und fuhr danach mit einem Vorsprung von 1,773 Sekunden zum Sieg. "Nach dem Restart hat mich Nicolaj zunächst überholt. Dadurch konnte ich aber recht gut seine Linie studieren und mir einige Dinge abschauen", so Laufsieger Oestreich. "Kurz später hat er dann einen Fehler gemacht und so konnte ich wieder vorbeifahren. Bis zum Ende des Rennen musste ich meinen Vorsprung schließlich nur noch verwalten, auf meine Reifen achten und den Sieg nach Hause bringen."

Hinter dem zweitplatzierten Möller Madsen machte Still in den letzten Rennminuten noch sechs Plätze gut und schaffte es noch bis auf das Podium, was für Teamkollege Jan Marschalkowski auch den Sieg in der Junior-Wertung bedeutete.

Platz vier ging an die Tabellenführer Julien Apothéloz (19/CHE) und Luca Trefz (18/Wüstenrot, beide Mann-Filter Team HTP-Winward) im Mercedes-AMG GT4 vor dem BMW M4 GT4-Duo Michael Schrey (37/Wallenhorst) und Gabriele Piana (34/ITA, beide Hofor Racing by Bonk Motorsport). Alexander Tauscher (18/Mitterfels) und Levi O'Dey (16/Jülich, beide Küs Team75 Bernhard) holten sich im Porsche 718 Platz sechs und lagen damit vor Fred Martin-Dye (31/GBR) und Phil Dörr (19/Butzbach, beide Dörr Motorsport) im McLaren 570S GT4 sowie Claudia Hürtgen (49/Aschheim) und Sebastian von Gartzen (27/Linden, beide Hofor Racing by Bonk Motorsport) in einem weiteren BMW. Rang neun sicherten sich Lennart Marioneck (31/München) und Jan Krabec (37/CZE, beide RTR Projects) im KTM X-Bow GT4. Krabec triumphierte somit auch in der Trophy-Wertung. Die Top Zehn komplettierten Stephan Grotstollen (52/Langenhagen) und Georg Braun (49/Pfullingen, beide Team Lillestoff) im BMW M4 GT4.

Lauf zwei der ADAC GT4 Germany auf dem DEKRA Lausitzring startet am Sonntag um 16:40 Uhr und wird ab 16:55 Uhr live auf SPORT1 im Fernsehen übertragen. "Ein Doppelsieg wäre natürlich super. Doch das halte ich für ein wenig unrealistisch", schaute Heinemann auf das Rennen voraus. "Wir wollen einfach nochmals einen guten Job machen. Wenn wir wieder vorne mit dabei sind, können wir zufrieden sein. Nach dem Ergebnis heute ist alles, was morgen kommt, ein Bonus."

Samstag, 31. Oktober 2020

Audi-Duo Hofer/Haase gewinnt verregneten Samstagskrimi auf dem Lausitzring

  • Fahrerduo von Montaplast by Land-Motorsport holt ersten Saisonsieg
  • Jannes Fittje triumphiert in der Pirelli-Junior-Wertung
  • Elia Erhart gewinnt vorzeitig Pirelli-Trophy-Wertung

Max Hofer (l.) u. Christopher Haase, die Sieger vom Lausitzring
Foto: ADAC-Motorsport

Spannung bis zur letzten Sekunde bot das Samstagsrennen des ADAC GT Masters auf dem Lausitzring. Am Ende setzten sich die Audi-Fahrer Max Hofer (21/A) und Christopher Haase (33/Kulmbach, beide Montaplast by Land Motorsport) mit nur 0,147 Sekunden Vorsprung gegen das Mercedes-AMG-Duo Indy Dontje (27/NL) und Maximilian Götz (34/Uffenheim, beide Mann-Filter-Team HTP-Winward) durch. Mit Rang drei wahrte Robert Renauer (35/Vierkirchen, Precote Herberth Motorsport), der diesmal von Klaus Bachler (29/A) unterstützt wurde, seine Titelchancen. In der Gesamtwertung führen weiterhin die Audi-Fahrer und Titelverteidiger Patric Niederhauser (29/CH) und Kelvin van der Linde (24/ZA, beide Rutronik Racing). "Ich bin sehr zufrieden. Unser Team hat uns ein wirklich tolles Auto gegeben", so Sieger Christopher Haase im Ziel. "Es ist toll, wieder im ADAC GT Masters gewonnen zu haben. Hier gewinnt nur der, der das beste Paket hat. Und das hatten wir heute."

Renauer bleibt in erster Rennhälfte vorn

Die erste Hälfte des nassen elften Saisonrennens stand im Zeichen von Pole-Setter Robert Renauer. Der Porsche-Pilot blieb beim Start vorn, dahinter folgte Mercedes-AMG-Pilot Indy Dontje, der ebenfalls aus der ersten Reihe gestartet war. Das Spitzenduo setzte sich danach leicht vom Feld ab, bis in der achten Runde für drei Umläufe das Safety-Car zur Bergung des Audi R8 LMS von Hendrik von Danwitz ausrückte. Renauer und Dontje blieben auch danach bis zum Boxenstoppfenster vorn. Beide absolvierten schon früh die Fahrerwechsel zu Klaus Bachler und Maximilian Götz.

Auf einen späten Boxenstopp setzten dagegen die späteren Rennsieger Max Hofer und Christopher Haase und die Porsche-Piloten Alfred Renauer (35/Jedenhofen) und Sebastian Asch (34/Ammerbuch, beide Precote Herberth Motorsport), die bis dahin auf den Rängen vier und fünf lagen. Diese Taktik zahlte sich aus. Haase und Asch setzten sich nach dem Boxenstoppfenster an die Spitze des Feldes, dicht gefolgt von Bachler und Götz. Die Porsche-Fahrer und Götz lieferten sich anschließend hinter Spitzenreiter Haase einen spannenden Dreikampf um Platz zwei. Götz gelang es, zuerst an Bachler und anschließend auch an Ex-Champion Asch vorbeizugehen. Nach einer späten Safety-Car-Phase, die für einen über drei Runden gehenden Sprint ins Ziel sorgte, setzte Götz Haase noch einmal unter Druck, fand aber keinen Weg mehr vorbei. Hofer und Haase holten damit ihren ersten Saisonsieg, für Hofer war es der insgesamt Zweite im ADAC GT Masters, Partner Haase holte seinen insgesamt zwölften.

Dontje und Götz verpassten den Sieg zwar knapp, durften sich als Zweite aber über ihr erstes Podium der Saison freuen. Alfred Renauer und Sebastian Asch sahen als Dritte die Zielflagge, wurden aber nachträglich wegen eines Vergehens unter gelben Flaggen mit einer 30-Sekunden-Strafe belegt, die das Duo aus den Top 10 warf. Rang drei ging daher an ihre Teamkollegen Robert Renauer und Klaus Bachler. Renauer verkleinert damit als bestplatzierter Fahrer unter den Titelkandidaten seinen Punkterückstand zur Tabellenspitze auf 15 Punkte. Diese verteidigten als Fünfte hinter den Porsche-Fahrern David Jahn (29/Leipzig ) und Jannes Fittje (21/Langenhain, beide Küs Team75 Bernhard), dem Rennsieger der Pirelli-Junior-Wertung, die Titelverteidiger Patric Niederhauser (29/CH) und Kelvin van der Linde (24/ZA, beide Rutronik Racing) im Audi R8 LMS.

Direkt dahinter folgten als Sechste die Gesamtzweiten Christian Engelhart (33/Starnberg) und Michael Ammermüller (34/Rotthalmünster). Ihr Rückstand in der Gesamtwertung beträgt nun zwei Zähler, in der Teamwertung liegt deren Mannschaft SSR Performance nun drei Rennen vor Saisonende zwei Punkte vor Rutronik Racing an der Spitze. Hamza Owega (29/Köln) und Dennis Marschall (24/Eggenstein, beide Rutronik Racing) kamen mit ihrem Audi auf Rang sieben vor den Corvette-Fahrern Markus Pommer (29/Neckarsulm) und Jeffrey Schmidt (26/CH, beide Callaway Competition). Die Top 10 vervollständigten Ricardo Feller (20/CH) und Stefan Mücke (38/Berlin, beide BWT Mücke Motorsport) in einem weiteren Audi R8 LMS und Constantin Schöll (22/A) und Jordan Pepper (24/ZA, beide T3-HRT-Motorsport), die ihr bisher bestes Ergebnis mit dem Bentley Continental GT3 einfuhren.

Seinen dritten Saisonsieg in der Pirelli-Trophy-Wertung holte sich Elia Erhart (32/Röttenbach, EFP Car Collection by Tece). Der Audi-Fahrer gewann damit auch vorzeitig den Titel im Klassement für nicht-professionelle Piloten.

Stimmen der Sieger:

Christopher Haase (Montaplast by Land Moptorsport, Audi R8 LMS): "Unser Rennen war insgesamt gut. Max hat in der ersten halben Stunde mit einer guten Performance den Grundstein gelegt und auch unsere Strategie war genau richtig, insbesondere hinsichtlich der Safety-Car-Phase zur Rennmitte. Zum Ende setze mich Maxi Götz sehr unter Druck, ich hatte mich besonders im letzten Streckenabschnitt schwergetan, ausreichend Grip zu finden. Zum Glück konnten wir die erste Position dennoch halten, was nicht einfach war. Für die schwierigen Bedingungen war unser Audi R8 LMS aber wirklich sehr gut."

Max Hofer (Montaplast by Land Moptorsport, Audi R8 LMS): "Eine Herausforderung war heute sicherlich die schlechte Sicht, zudem lag viel Dreck auf der Strecke, den wir dann schnell auf der Windschutzscheibe hatten. Es war wirklich schwierig, da den Durchblick zu behalten und sicher ans Limit zu gehen. Letztendlich konnte ich die erste Rennhälfte aber solide absolvieren und hatte einen spannenden Kampf mit Steijn Schothorst. Ich konnte den Stint zu einem guten Ende bringen. Wegen der schwierigen Verhältnisse mussten wir in Sachen Strategie heute spontan agieren, der Grip wurde mit der Zeit zwar besser, doch ist die Strecke ist nur relativ langsam abgetrocknet."