Sonntag, 16. Oktober 2016

Audi sichert sich zwei der drei DTM-Titel

  • Klarer Sieg in der Herstellerwertung
  • Audi Sport Team Abt Sportsline gewinnt die Teamwertung
  • Finalsieger Edoardo Mortara fehlen die Punkte aus Zandvoort zum Fahrertitel
Foto: Audi-Motorsport
Audi hat sich beim Finale in Hockenheim zwei der drei DTM-Titel gesichert. Zum dritten Mal ist Audi Hersteller-Champion der DTM und das Audi Sport Team Abt Sportsline zum vierten Mal Teammeister. Den Fahrertitel verpasste Audi-Pilot Edoardo Mortara im Castrol EDGE Audi RS 5 DTM trotz seines fünften Saisonsieges um vier Punkte nur ganz knapp.

„Das war der bitterste Sieg, an den ich mich erinnern kann“, sagt Dieter Gass, Leiter DTM bei Audi Sport. „Der Super-GAU ist eingetreten: Wir haben die Teammeisterschaft und die Herstellermeisterschaft gewonnen, was gut ist. Aber in der Fahrerwertung fehlen uns weniger als jene Punkte, die Edoardo Mortara in Zandvoort unberechtigterweise verloren hat. Das ist ganz bitter und schwer zu verdauen.“

Kurze Rückblende: Im neunten Saisonrennen lag Edoardo Mortara in Zandvoort hinter seinem Markenkollegen Jamie Green an sechster Stelle, als gegen den Italiener eine Durchfahrtsstrafe wegen einer angeblichen Verletzung der Slow-Zone-Regeln verhängt wurde. Noch am selben Abend räumte die Rennleitung Unstimmigkeiten im offiziellen GPS-System ein.

„Natürlich sind wir traurig, dass uns nun genau diese Punkte zum Titelgewinn fehlen“, sagt Edoardo Mortara. „Aber damit muss ich leben. Mein Team, mein Renningenieur, meine Mechaniker: Alle haben in diesem Jahr einen fantastischen Job gemacht und ich habe mich in meinem Audi RS 5 DTM sehr wohl gefühlt. Ich konnte heute nicht mehr machen, als das Rennen zu gewinnen. Es war mein fünfter Sieg in diesem Jahr, darauf bin ich sehr stolz.“
Wie schon am Vortag begeisterte der neue Vizechampion der DTM die Zuschauer mit einer eindrucksvollen Aufholjagd. Trotz eines technischen Problems im Qualifying war Mortara auf Startplatz sechs der schnellste Audi-Pilot. Im Rennen benötigte er nur sechs Runden, um sich an die Spitze des Feldes zu kämpfen und anschließend einen überlegenen Sieg herauszufahren.

Dabei überholte Mortara in Runde sechs auch Marco Wittmann und damit seinen direkten Rivalen im Titelkampf. Obwohl der BMW-Pilot des Tempo Mortaras nicht mitgehen konnte, reichte Wittmann am Ende ein vierter Platz zum knappen Gewinn der Fahrerwertung. Endstand: 206:202.

In der Herstellerwertung setzte sich Audi mit 700 Punkten deutlich vor BMW (647 Punkte) und Mercedes-Benz (471 Punkte) durch. Nach 2004 und 2014 ist es der dritte Herstellertitel für Audi in der DTM. Mit erneut zehn Siegen in 18 Rennen ist der Audi RS 5 DTM genau wie im Vorjahr das erfolgreichste Auto der Saison.

Die Teamwertung ging nach 2004, 2007 und 2011 zum vierten Mal an das Audi Sport Team Abt Sportsline mit Edoardo Mortara, Mattias Ekström und Mike Rockenfeller, der den neuen Rallycross-Weltmeister Ekström beim Finale in Hockenheim vertrat.

Den dritten Platz in der Fahrerwertung sicherte sich Jamie Green, der sich im Hoffmann Group Audi RS 5 DTM des Audi Sport Team Rosberg nach einer Rangelei am Start vom 22. bis auf den achten Platz nach vorn kämpfte. Neben Edoardo Mortara war er der einzige Audi-Pilot, der am Sonntag Punkte sammelte.

Mike Rockenfeller (Schaeffler Audi RS 5 DTM), Nico Müller (Playboy Audi RS 5 DTM) und Miguel Molina (Teufel Audi RS 5 DTM) verpassten Punkte auf den Positionen elf, 13 und 14 nur knapp. René Rast (Red Bull Audi RS 5 DTM) kam als bester Fahrer des Audi Sport Team Phoenix als 17. ins Ziel, Timo Scheider beendete sein letztes DTM-Rennen nach einer Durchfahrtsstrafe im AUTO BILD MOTORSPORT Audi RS 5 DTM auf Rang 18. Adrien Tambay (Speedweek.com Audi RS 5 DTM) schied nach einer Kollision im Startgetümmel vorzeitig aus.

„Auch wenn wir den Fahrertitel so knapp verpasst haben, war es insgesamt eine starke DTM-Saison für Audi“, so die abschließende Bilanz von Dieter Gass. „Wir hatten das stärkste Paket und haben insgesamt zehn Rennen und zwei der drei möglichen Titel gewonnen. Ich möchte mich bei jedem bedanken, der dafür hart gearbeitet hat: bei der ganzen Mannschaft von Audi Sport in Neuburg und Neckarsulm. Bei unseren Kollegen in Ingolstadt. Bei unseren drei Teams, unseren Fahrern und natürlich auch unseren Partnern.“

Mortara gewinnt das letzte Saisonrennen – Marco Wittmann ist DTM-Champion 2016

Sieger des letzten Saisonrennens: Edoardo Mortara
Foto: Audi-Motorsport
Ein vierter Platz im Sonntagsrennen beim DTM-Finale auf dem Hockenheimring Baden-Württemberg hat BMW-Pilot Marco Wittmann gereicht, um sich zum DTM-Champion 2016 zu krönen. Sein letzter verbliebener Konkurrent im Titelkampf, Edoardo Mortara im Audi RS 5 DTM, fuhr am Sonntag in Hockenheim zwar erneut ein starkes Rennen und siegte souverän, am Ende fehlten dem Italo-Schweizer trotz seines insgesamt achten DTM-Siegs aber vier Punkte auf den neuen Champion Wittmann. Für Marco Wittmann ist es nach 2014 bereits der zweite Titel in der DTM; BMW stellt nach 1987, 1989, 2012 und 2014 zum fünften Mal den DTM-Champion. „Das war ein turbulentes Rennen und Edoardo war sehr stark“, fasste Wittmann die Ereignisse zusammen und lobte seinen Konkurrenten. „Es ist ein wahnsinniges Gefühl, nach 2014 erneut den Titel zu holen. Das ist einfach der Wahnsinn.“

Beim DTM-Finale auf dem Hockenheimring präsentierte sich die DTM vor 142.000 Zuschauern am Rennwochenende von ihrer besten Seite – mit packendem Tourenwagensport und Tür-an-Tür-Duellen, die für ein würdiges Finale sorgten. Neben Rennsieger Edoardo Mortara verabschiedeten sich die beiden Mercedes-AMG-Piloten Christian Vietoris und Paul Di Resta auf den Plätzen zwei und drei mit Podestplatzierungen in die Winterpause.
Edoardo Mortara hat gekämft, aber ..., er hätte es auch verdient gehabt Meister zu werden
Foto: Audi-Motorsport
Edoardo Mortara hat alles getan, um die Titelentscheidung noch zu seinen Gunsten zu entscheiden: 17 Punkte betrug sein Rückstand vor dem Rennen. Nach einem verkorksten Start kämpfte er sich gegen zahlreiche BMW-Piloten Position für Position nach vorne und übernahm in Runde sechs die Führung vor Wittmann. Nach 39 Runden überquerte Mortara mit 3,040 Sekunden Vorsprung vor Vietoris die Ziellinie. Wittmann reichte der vierte Platz im letzten Saisonrennen zum Titelgewinn. Hinter ihm schafften es mit Timo Glock, Maxime Martin und Tom Blomqvist drei weitere BMW-Piloten in die Punkteränge. Diese wurden komplettiert durch Jamie Green und Robert Wickens auf den Positionen neun und zehn.

Auch die Team- und Markenwertung wurden erst im letzten Rennen entschieden. Das Audi Sport Team Abt Sportsine setzte sich in der Teamwertung mit 319 Punkten gegen das BMW Team RMG (290 Punkte) durch. In der Markenwertung siegte Audi mit 700 Punkten vor BMW (647 Punkte) und Mercedes-Benz (471 Punkte).

Pole für Félix da Costa – Wittmann und Mortara in Reihe drei

Wie am Samstag, holt sich BMW-Pilot António Félix da Costa auch am Sonntag die Pole-Position. Der Portugiese, der heute sein letztes DTM-Rennen fährt, sicherte den besten Startplatzvor Mercedes-Pilot Gary Paffett. Das Qualifying war aber vor allem wegen dem Kampf um den DTM-Titel interessant.

zweite Pole am Finalwochenende für Antonio Felix Da Costa
Foto: Jens Hawrda
Unfreiwillig war Edoardo Mortara – Zweitplatzierter in der DTM-Fahrerwertung und Verfolger von Marco Wittmann – Hauptdarsteller. Der Audi-Pilot beklagte im Qualifying Probleme mit der Lenkung und die Mechaniker arbeiteten in der 20-minütigen Session fieberhaft an seinem Audi RS 5 DTM. In seiner ersten gezeiteten Runde, nur wenige Minuten vor Ende des Qualifyings, fuhr er auf Anhieb vor Wittmann auf Platz fünf. Der konterte, verbesserte sich minimal und schob sich Mortara vorbei. In der Startaufstellung stehen die beiden Kandidaten nebeneinander in der dritten Startreihe auf den Positionen fünf und sechs – mit leichtem Vorteil für den um eine Position besser platzierten Wittmann.

Während Wittmann auf Schützenhilfe seiner Markenkollegen Tom Blomqvist und Maxime Martin auf den Startplätzen drei und vier hoffen kann, ist Mortara auf sich allein gestellt. Der nächstbeste Audi-Pilot ist Jamie Green auf Platz zehn. Dazwischen stehen Robert Wickens, Timo Glock und Christian Vietoris .


Stimmen nach dem Qualifying:

António Félix da Costa, Platz 1, BMW:
„Ein absolut fantastisches letztes Wochenenede meiner DTM-Karriere. Ich darf auch im zweiten Rennen von der Pole-Position starten – einfach perfekt. Es läuft einfach alles wie am Schnürchen. Das Auto fühlt sich großartig an und ist offensichtlich extrem schnell. Deshalb bin ich auch total entspannt und so kommt eines zum anderen. Jetzt will ich unbedingt das letzte DTM-Rennen meiner Karriere gewinnen und werde mächtig Gas geben. Ich hoffe, es läuft ein wenig besser, als gestern. Da haben die Reifen doch sehr stark abgebaut, was mich den Podiumsplatz gekostet hat.“


Marco Wittmann
, Platz 5, BMW:
„Für die Zuschauer ist diese Ausgangslage natürlich perfekt, es wird mit Sicherheit spannend. Edo und ich wissen beide, was wir zu tun haben. Ich selber bin total entspannt. Alles läuft hier eigentlich nach Plan. Wir haben zwei starke Qualifyings abgeliefert, obwohl in beiden vielleicht sogar ein Tacken mehr drin gewesen wäre. Aber, ich stehe auf Platz fünf und bin vorne mit dabei – im Titelkampf natürlich extrem wichtig.“

Edoardo Mortara, Platz 6, Audi:
„Unglaublich, wir haben an diesem Wochenende so viele Probleme, wie an keinem anderen in dieser Saison. Jetzt diese technischen Probleme im Qualifying. Dennoch habe ich es am Ende geschafft, ein gutes Resultat zu erzielen. Natürlich ist Marco jetzt im Vorteil und ich glaube ihm gerne, dass er ganz entspannt ist. Aber, noch ist hier nichts vorbei. Es gibt immer noch ein Rennen zu fahren, wir dürfen noch einmal fünf Kilogramm ausladen, während BMW fünf Kilo zuladen muss. Und so lange ich noch Chancen auf den Titel habe, werde ich alles versuchen und voll attackieren.

DTM: 3. Freies Training - Audi stark

Trainingsschnellster Nico Müller (Audi)
Foto: Jens Hawrda
Nico Müller (Audi) hat im dritten Freien Training die Bestzeit hingelegt. Edoardo Mortara wer Zweitschnellster vor seinen Audi-Teamkollegen Mike Rockenfeller und Renè Rast. Bester BMW-Pilot war Antonio Felix Da Costa auf Platz fünf. Titelaspirant Marco Wittmann erreichte nur Platz 17.
Ergebnis drittes Freies Training
Quelle: dtm.com

Audi trennt sich von Scheider, da bleiben Fragen offen

mit Timo Scheider verlässt einer der erfahrensten und erfolgreichsten Piloten die DTM
Foto: Jens Hawrda
Als am Samstag Nachmittag eine Pressekonferenz mit Timo Scheider angekündigt wurde ahnten viele was um 19.00 Uhr verkündet werden würde. Die Pressekonferenz war kurz und sehr emotional.

"Wie man sich vielleicht denken kann, ist der Anlass nicht gerade ein schöner", beginnt Scheider seine rund zehn Minuten lange Abschiedsrede und erklärt: "Ich habe vor zwei Tagen einen Anruf erhalten, bei dem mir mitgeteilt wurde, dass ich mit Audi in der DTM keine Zukunft mehr habe. Das Ganze ist natürlich ein Stück weit tragisch, weil ich es mir ehrlich gesagt ein bisschen anders vorgestellt hatte."

Scheider versuchte sich zusammenzureißen, aber bereits nach wenigen Sätzen stockte seine Stimme, um dann ganz zu versagen. Er kämpfte mit den Tränen und konnte diese schließlich nicht mehr zurück halten.

Bereits vor dem Finale in Hockenheim hatten Piloten aus dem BMW-Lager ihren Rücktritt erklärt, das war vorbereitet und hatte Stil. Im  Fall von Timo Scheider hatte man aber den Eindruck, er wurde von den Ereignissen selbst überrollt. Die Art und Weise mit der sich Audi von einem seiner langjährigsten Piloten getrennt hat ist allemal fragwürdig und lässt kein gutes Licht auf die Verantwortlichen fallen. Auch zeigt es das dass so gern vermittelte Bild von der Audi-Familie wohl nur ein in den Medien und gegenüber den Fans vermitteltes Zerrbild ist. Hinter der Fassade regiert das knallharte Geschäftsinteresse das keinen Platz für emotionale Momente lässt. Jedenfalls lässt das Gebaren von Audi in diesem Zusammenhang kein gutes Licht auf die Verantwortlichen Fallen und es bleiben Fragen offen.
Timo Scheider
Foto: Jens Hawrda
Sicherlich war die Leistung von Timo Scheider in den letzten beiden Jahren zu hinterfragen und sicherlich musste er sich selbst die Frage stellen, ob vor dem Hintergrund der im Raum stehen Reduzierung der Fahrer von 8 auf 6 pro Hersteller sein zukünftiger Platz im Audi-Kader nicht in Frage steht. Das er ein eventueller Streichkandidat für die Zukunft ist, war ihm sicherlich klar.

Aber Scheider ist zweimaliger DTM-Champion hat die 24h von Spa gewonnen, zahlreiche Podestplätze für die Marke erfahren. Muss man dann von bei Audi so mit einem seiner langjährigsten Piloten umgehen? Scheider ist traurig und enttäuscht und das kann man nachvollziehen.

Timo Scheider fährt heute (16.10.2016) sein letztes DTM-Rennen für die Ingolstädter. "16 Jahre DTM - das ist eine Zeit, die viele Emotionen gekostet hat. Es ist ein Moment in meinem Leben gekommen, der sehr schwierig ist", sagte der erfahrenste aller aktiven Fahrer im Deutschen Tourenwagen Masters am Samstag in Hockenheim. Das Rennen am Sonntag ist Nummer 181 für ihn. Der Meister von 2008 und 2009 saß seit 2006 für Audi am Steuer. Sein Vertrag läuft aus. Zuvor war der 37 Jahre alte Familienvater in der DTM fünf Jahre für Opel gefahren.

Er habe am Donnerstag einen Anruf erhalten, in dem ihm das Ende der Zusammenarbeit mitgeteilt worden sei. "Ich hätte das gerne anders zelebriert", betonte Scheider, der mit den Tränen kämpfte. "Ich hätte das gerne anders vorbereitet, um danke zu sagen."

Scheider kommt in seiner DTM-Karriere auf sieben Siege und 24 Podestplätze. Letztmals ganz oben auf dem Podium stand er vor einem Jahr beim Saisonfinale in Hockenheim. Nur fünf Rennfahrer haben mehr Einsätze in der DTM als Scheider.

"Zu meiner Zukunft kann ich heute noch nichts sagen. Ich habe viele Pläne und viele Gespräche. Aber heute ist es noch zu früh, um dazu etwas zu sagen. Ich bin Herzblut-Racer, und das möchte ich auch bleiben. Man darf sich sicher sein, dass ein Timo Scheider in Zukunft wieder in einem Rennauto sitzen wird. Ob das On- oder Offroad ist, das sei mal dahingestellt."

Im November wird Scheider einen Gaststart beim Finale der Rallycross-Weltmeisterschaft (WRX) in Argentinien absolvieren. "Alles, was darüber hinausgeht, werden wir sehen. Aber das ist nicht nicht die einzige Hoffnung und nicht der einzige Plan, den ich habe. Ich muss mir ein bisschen Zeit nehmen, um herauszufinden, was ich machen möchte, und wo ich meine Zukunft auch fahrerisch sehe", so Scheider.

Am Ende seiner Ansprache erhält Scheider von den Journalisten, Fotografen und seinen Teamkollegen, die ebenfalls anwesend sind, Standing Ovations.