Donnerstag, 5. September 2024

IDM Nürburgring: Geschafft! Ilya Mikhalchik holt Titel-Nummer 4

4.IDM Superbike-Titel für Ilya Mikhalchik 
Foto: Jens Hawrda

Mit der Reise in die Eifel bog die Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft IDM am vergangenen Wochenende auf die Zielgerade der Saison 2024 ein. Bei der sechsten von sieben Veranstaltung ging es im Team Champion-alpha-Van Zon-BMW um den belgischen Werner Daemen wieder um die heiß begehrten Meisterschaftspunkte in der IDM Superbike. Am Start Ilya Mikhalchik (Ukraine), Bálint Kovács (Ungarn), Jan Mohr (Österreich) und Philipp Steinmayr (Österreich). Weiter pausieren musste verletzungsbedingt Max Schmidt (Deutschland).


Hauptthema des ersten Tages war weniger Racing, sondern viel mehr der anhaltende Nebel und die nasse Strecke. Mit wenig aussagkräftigen Runden ging es mit einem 30-minütigen Freien Training am Samstagmittag im Trockenen am Abend in das erste und auch gleichzeitig letzte Qualifying.

Ilya Mikhalchik hatte schon vor dem IDM-Wochenende in der Eifel ein paar Probe-Runden auf dem Nürburgring gedreht, um seine Strecken-Kenntnisse aufzufrischen. Immerhin war der letzte IDM-Besuch auf der früheren GP-Piste fünf Jahre her. Hielt sich der Ukrainer am nassen Freitag noch dezent zurück, musste er sich am Samstag ordentlich langmachen, um die angepeilte Pole-Position zu ergattern. Denn die Abstände zwischen den Konkurrenten betrug manchmal nur wenige Hundertstel. Doch in der letzten Runde des Qualifyings war es mal wieder der Ukrainer, der nochmals nachlagen konnte. Mit einer weiteren Pole-Position konnte er sich in die IDM-Annalen eintragen. Doch ausruhen konnte er sich auf den Pole-Lorbeeren nicht, denn schon 0,047 Sekunden hinter ihm wartete die Konkurrenz.

Ins erste Rennen ging es für Mikhalchik auch gleich gut los, doch die Konkurrenz, vor allem in Form des Esten Hannes Soomer, ließ ihn nicht in Ruhe, sondern mischte kräftig mit im Kampf um die Spitze. Soomer erwies als harte Nuss, die Mikhalchik erst in der letzten von 18 Runden knacken konnte, um damit ein weiteres Mal als Sieger über die Ziellinie zu fahren. «In den ersten fünf, sechs Runden konnte ich mein Rennen und Pace wie geplant fahren», berichtet er nach IDM-Sieg Nr. 8. «Doch dann stürzte jemand und ich sah die gelb-rot gestreifte Flagge, und ich dachte, oh, vielleicht eine Ölspur. Es lagen auch noch Teile rum und ich musste weitgehen, um nicht drüber zu fahren. Dann kam Soomer vorbei und ich habe mir die Sache angeschaut. Und ich habe ein wenig angefangen, mir Gedanken zu machen. Nicht zu viel puschen, nicht über dem Limit fahren. Ich hatte alles unter Kontrolle und begann am Ende mehr Druck zu machen. Und habe gewonnen. Danke. Danke an mein Team und der Sieg geht auch an meine Familie, die hier ist. Vor allem an meine Großmutter, die das erste Mal dabei ist.»

Noch mehr zum Feiern gab es für den Ukrainer dann in Lauf 2. Auch wenn es nicht der Sieg war, sondern ‚nur‘ Platz 2 hinter einem stark kämpfenden Hannes Soomer, so reichte ihm doch der zweite Platz, um sich seinen vierten Meisterschaftstitel vorzeitig zu sichern. «Ich hatte zwar den Start gewonnen, aber dann kam Soomer wieder vorbei», erzählt der neue Champion, «ich habe abgewartet, denn es war inzwischen sehr heiß geworden. Ich kam dann nochmal vorbei, aber ich hatte meine Reifen ein wenig zu sehr rangenommen. Ich wollte nur ankommen und Hannes hat wirklich hart gekämpft. Der zweite Platz ist auch gut und ich freue mich auch für Hannes und seinen ersten Sieg. Ich habe die Meisterschaft gewonnen und schicke meinen Dank an mein Team. Wir waren jedes Wochenende schnell, egal unter welchen Bedingungen, das Bike war immer fantastisch.»

Bálint Kovács hatte wenige Tage vor der Reise an den Nürburgring noch seinen 23. Geburtstag gefeiert. Für den Ungar war es der erste Besuch auf der ehemaligen Formel 1-Strecke. «Auf den ersten Blick schien die Strecke nicht schwierig», urteilte er im Vorfeld, «aber die Asphaltwechsel und der Höhenunterschied machen sie zu einer Herausforderung.» Einer Herausforderung, der sich der Ungar auch mit wenig Trainingskilometern stellte, Ausrutscher inklusive. Die ersten Runden drehte er im Regen. «Der Nebel war so dicht, dass wir nicht mehr als 50-100 Meter weit sehen konnten, was mit 200 PS-Motoren ziemlich gefährlich war», urteilte er. Im Qualifying der Ausrutscher. Doch Kovács konnte nach kurzer Reparatur wieder zurück auf die Strecke und blieb nur sieben Zehntel hinter Polesetter Ilya Mikhalchik.

In den beiden Rennen machte der Ungar seine Sache perfekt. Nach dem Start konnte er sich beide Male gut in der Verfolgergruppe behaupten und mit den Plätzen 8 und 7 zwei Top-Ten-Ergebnisse einfahren. «Ich bin wirklich glücklich», versicherte er nach einem anstrengende Tag. «Ich war das erste Mal überhaupt auf der Strecke, aber konnte zwei starke Rennen abliefern. Im Qualifying hatte ich einen Fehler gemacht, aber zum Glück bin ich mit einem Lowsider und nicht mit einem Highsider gestürzt. Meine Crew konnte das Motorrad wieder aufbauen und ich habe es dann geschafft, mich noch als Elfter zu qualifizieren. Die Rennen waren mehr als gut, die Pace war nahe an der der Spitzenleute. Ich würde mal sagen, auf einer neuen Strecke ohne Test war das ein starkes Ergebnis.»

Doch seine Gedanken gingen auch an seinen Teamkollegen Philipp Steinmayr und Ilya Mikhalchik. «Ich wünsche Phil, der in Rennen 1 einen bösen Sturz hatte, alles Gute», so Kovács, «und natürlich meine Glückwünsche an Ilya zum Gewinn des Meisterschaft,»

Jan Mohr kam aus Österreich an den Nürburgring gereist und fuhr mit einer Verbesserung in der Gesamttabelle um satte drei Plätze wieder ab. Bis auf Rang 12 konnte sich Mohr nach seiner über ein Jahr andauernden Verletzungspause wieder eindrucksvoll in der Meisterschaft etablieren. Vom Qualifying bis zum letzten Rennen trieb sich der Österreicher stets in den Top-Ten herum. Am Sonntag überzeugte er mit zwei sechsten Plätzen.

«Es war ein deutlicher Schritt nach vorne», beschreibt er sein Nürburgring-Wochenende in eigenen Worten. «Vom ersten Training an habe ich mich auf dem Motorrad wohler gefühlt als noch zuletzt in Assen. Sogar bei den nassen Bedingungen. Ich hatte im Qualifying nur 0,6 Sekunden auf die Pole-Zeit. Mit dem geringen Abstand war es mein bestes Quali bisher. Es war extrem, wie viel Fahrer in nur einer Sekunde waren. Die Rennen waren beide gut. Das erste besser als das zweite.»

«Ich musste mich in Lauf 1 ein wenig nach vorn kämpfen«», erzählt er. «Zum Schluss wollte ich noch Florian Alt attackieren, aber mir sind in der ersten Kurve zwei Fehler unterlaufen, die mich gleich sieben oder acht Zehntel gekostet haben. Ich war dann wieder dran, aber es ging sich nicht aus. Nach Ilya Mikhalchik habe ich die zweitschnellste Runde gefahren. Im zweiten Rennen hatte ich einen guten Kampf mit meinem Teamkollegen Bálint Kovács. Doch er war am Ende schneller. Das Problem mit dem Vorderreifen hatten aufgrund der hohen Temperaturen alle, aber ich wohl ein wenig mehr. Aber ich bin happy mit dem Ergebnis.»

Philipp Steinmayr hatte das sonnige Österreich gegen die verregnete und nebelige Eifel getauscht. Sicherlich wäre auch Steinmayr gerne mehr Trainingskilometer auf dem doch fremden Nürburgring gefahren, doch kam ihm der Samstagsmodus mit einem Freien und einem 30-minütige Qualifying entgegen. Zeit genug, letzte Set-up-Arbeiten zu erledigen und ordentlich in Schwung zu kommen. Am Ende des langen Tages belohnte sich Steinmayr mit dem zehnten Startplatz.

In Rennen 1 konnte er die Mühen seines Qualifyings nicht in ein zählbares Ergebnis ummünzen. Der sonst so sattelfeste BMW-Pilot landete im Kies. Per Hubschrauber landete er dann in der Klinik und tauchte auch nicht mehr zu Rennen 2 auf. «Ich werde noch wegen einer möglichen Wirbelverletzung untersucht», meldete er sich am Abend aus dem Krankenhaus, «ansonsten geht’s mir gut. Aber mit Fahrern wird es in dieser Saison wohl nichts mehr.»

Werner Daemen freute sich mit seinem Schützling Ilya Mikhalchik und der Crew über den erneuten Titelgewinn. «Absolut professionell», beurteilt der Teamchef Mikhalchiks Leistung. «Der Auftakt am Sachsenring war nicht so gut, aber dann hat es sich um 360 Grad gedreht. Ilya hat gewonnen oder hat Platz 2 geholt. Er hat kein Fehler gemacht, wie eine Maschine.»

Gemeinsam reist das Team Champion-alpha-Van Zon-BMW nach einer kurzen Pause vom 20. bis 22. September 2024 an den Hockenheimring, um das große Finale der IDM zu feiern. Am liebsten noch mit ein paar guten Ergebnissen.


Dienstag, 3. September 2024

IDM SBK: Soomer holt den Sieg, Mikhalchik den Titel

Hannes Soomer, BMW #38
Foto: Jens Hawrda

Es ist vollbracht. Ilya Mikhalchik (Champion Alpha Van Zon BMW) hat zum vierten Mal den Superbike-Titel in der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) gewonnen. Der Ukrainer hätte den Erfolg nur zu gerne mit einem Sieg im zweiten Lauf des Tages gekrönt, doch diesen schnappte ihm Hannes Soomer (Enemat Enos Motorsport) weg.


Nach 18 Runden über 3,618 Kilometer stand es endgültig fest: Der 28-jährige Ukrainer Ilya Mikhalchik ist auf BMW vorzeitig IDM-Champion in der Topklasse und das zum vierten Mal. Viel konnte nicht schiefgehen. Dem Führenden in der Meisterschaft, der mit 58 Punkten Vorsprung vor Titelverteidiger Florian Alt (Holzhauer Racing Promotion) in die Eifel reiste, hätte schon sehr viel passieren müssen, um die Entscheidung aufzuhalten. Nach seinem Sieg im ersten Lauf, mittlerweile dem achten in der laufenden Saison, bekam er den Titel fast auf dem Silbertablett serviert. Dafür hatte er in den letzten Monaten selbst gesorgt. Mikhalchiks Lebensgefährtin Milana, Mutter Ludmilla, die Tante und sogar die Oma waren auf den Nürburgring gekommen, um ihren persönlichen Superstar zu feiern. Der BMW-Fahrer marschierte nach seinem großen Triumph standesgemäß mit der blau-gelben Flagge der Ukraine zur Siegerehrung ins Fahrerlager ein.

Die große Meisterfeier startet erst zum IDM-Finale in Hockenheim in drei Wochen vom 20. bis 22. September. In der Eifel gab es für den neuen Meister zunächst die Trophäe für den zweiten Platz im Rennen. Der größte Pokal ging an Hannes Soomer. Der Este trug sich als neuer Sieger in die Historie der IDM Superbike ein. Er hatte schon so lange alles daran gesetzt und war immer wieder kurz vor dem Ziel gescheitert – so wie am heutigen Vormittag. Eine glorreiche Platzierung in der Gesamtwertung hat sich der 26-Jährige aus Tallinn nach ein paar Patzern schon lange abgeschminkt. Für ihn stand jetzt nur noch ein Sieg im Fokus. Der 1. September 2024 geht als Meilenstein in seine ganz persönliche Geschichte ein. 

Soomer hatte gleich zu Beginn des Rennens eine Lücke gesehen und huschte an Mikhalchik vorbei. Der Konter ließ nicht lange auf sich warten. Im Schlepptau mit Toni Finsterbusch (GERT56) war es die gleiche Besetzung des Spitzen-Trios wie am Vormittag. Mit etwas Abstand folgten Jan-Ole Jähnig (GERT56) und Florian Alt sowie ein entfesselter Lorenzo Zanetti (Triple M Racing Ducati Frankfurt), der sich die Gegner gleich im Doppelpack schnappte und drei Zehntelsekunden schneller als das Spitzen-Trio unterwegs war. Der Italiener war im Startgetümmel zurückgefallen, entpuppte sich aber schnell als Wundertüte und fuhr auf den vierten Platz nach vorn. Aus dem vorhandenen Trio an der Spitze wurde somit ein Quartett.

Florian Alt, der sich das ganze Jahr über als Einziger dauerhaft erfolgreich gegen die BMW-Armada in der IDM Superbike behauptete, bewegte seine Honda auf dem fünften Platz ohne Bedrohung von irgendeiner Seite. Mit seinen Rundenzeiten hätte er durchaus auch vorne mitfahren können, doch dazu war der 28-jährige Engelskirchener zu Beginn zu vorsichtig gewesen. Was er leistete, war ohnehin unbeschreiblich. Es gibt nur wenige Fahrer, die mit so einer Handverletzung überhaupt gestartet wären und gleich gar nicht in zwei Superbike-Rennen an einem Tag. Er hatte höllische Schmerzen. Aber das ist Florian Alt: Aufgeben ist kein Thema.

In der zwölften Runde machte Mikhalchik einen Fehler, behielt aber die Führung vor Soomer. Einen Umlauf später war Spätbremser Finsterbusch wirklich zu spät auf der Bremse. Zanetti schlüpfte durch und gab den dritten Platz auch nicht mehr ab. Finsterbusch durfte sich aber mit 1:25.443 Minuten (Schnitt 152,438 km/h) der schnellsten Rennrunde erfreuen. Der Eifel-Showdown fand seinen Zenit in der 16. Runde. In der Querspange bügelte Soomer an Mikhalchik vorbei und ließ sich den Sieg diesmal wirklich nicht mehr nehmen, „ich hab gepusht bis ans Limit.“

Was sonst noch passiert ist: Luca Grünwalds (BCC Alpha Ilmberger Racing) Odyssee geht weiter. Er verließ das Rennen in Richtung Box. Max Enderlein (Yamaha Racing by M32) holte zwei Punkte für Yamaha und war nach den Ausfällen von Thomas Gradinger (Eder Racing) und Maximilian Kofler (Yamalube Kofler Motorsport) einzig verbliebener YZF-R1-Fahrer. 


IDM Superbike, Rennen 2 (Top-Five)

1. Hannes SOOMER (EST), BMW
2. Ilya MIKHALCHIK (UKR), BMW
3. Lorenzo ZANETTI (ITA), Ducati
4. Toni FINSTERBUSCH (DEU), BMW
5. Florian ALT (DEU), Honda

Quelle: idm.de / Anke Wieczorek

Jetzt ist Ilya Mikhalchik dem vierten Titel ganz nah

Ilya Mikhalchik könnte bereits am Nürburgring den Titel holen
Foto: Jens Hawrda

Mit seinem Sieg auf dem im ersten Rennen in der IDM Superbike ist Ilya Mikhalchik (Champion Alpha Van Zon BMW) dem vierten Titelgewinn in Deutschlands höchster Motorradrennsportklasse wieder ein Stück näher gerückt. Wenn der 28-jährige Ukrainer im zweiten Lauf unter den ersten 13 Fahrern ins Ziel kommt, ist er heute schon vorzeitig Meister. Die Krone liegt auf dem Silbertablett. Mikhalchik muss nur noch zugreifen.


Nach fünf Jahren ist die Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft auf den Nürburgring zurückgekehrt. Damals gab die Superbike-Klasse im Rahmen des Truck Grand Prix eine Kostprobe des hohen sportlichen Levels, auf der sie sich bewegt. Das Comeback verlief nicht ganz glatt. An zwei Tagen hatten alle Klassen stundenlang im Nebel gestochert und etliche Trainings fielen aus. Gegen das Eifelwetter ist immer noch kein Kraut gewachsen und es verfolgt eigene Gesetze.

Am heutigen Rennsonntag präsentiert sich der Himmel rund um die Nürburg glasklar und die Sonne strahlte mit aller Kraft. Wird das ein Traumtag für Ilya Mikhalchik, der vorzeitig zum Meistertitel greifen kann? Sein großer Kontrahent Florian Alt (Holzhauer Racing Promotion) hatte sich nach seinem verhängnisvollen Sturz vor zwei Wochen in Assen, bei dem er tiefe Fleischwunden in der rechten Hand erlitt, kaum noch Hoffnungen auf eine Verteidigung gemacht, wollte aber nicht kampflos aufgeben. Der 28-jährige Honda-Fahrer hatte im warm-up sechs Runden absolviert. Die getapte und geschiente Hand hielt durch, „aber wie es über 18 Runden und besonders in den letzten davon geht, weiß ich nicht“, meinte Alt und gab dann in der Startaufstellung sogar zu, „ich habe Schmerzen wie Sau, aber ich probiere es.“

Zwei Rennen stehen auf dem Plan. In Lauf 1 gab es in den ersten Kilometern nach dem Start das berühmte Gerangel um die vorläufigen Positionen. Als sich alles geordnet hatte, kam Mikhalchik vor Hannes Soomer (Enemat Enos Motorsport), dem GERT56-Trio Patrick Hobelsberger, Toni Finsterbusch und Jan-Ole Jähnig sowie Florian Alt und Maximilian Kofler (Yamalube Motorsport Kofler aus der zweiten Runde zurück.

Max Enderlein (Yamaha Racing by M32) und Oliver König (Hertrampf Racing Ducati)stürzten. Der Nürburgring ist keine einfache Strecke, zumal es sich um einen Autokurs handelt, auf dem jetzt auch die Trainingserfahrung fehlte. Auch Jähnig kam nur sechs Runden weit. Er war als Zweiter aus der ersten Startreihe losgefahren. Das Küken vom Team GERT56 hat zur Zeit eine Pechsträhne. In Assen war er zuletzt von der dritten Position in die Sonntagsrennen gegangen und in beiden Rennen gestürzt. Das Gute: Das Team steht felsenfest hinter dem Thüringer. Der 23-Jährige hat in diesem Jahr einen riesigen Schritt in der Entwicklung gemacht und muss und darf auch die Grenzen erfahren.

Was mittlerweile an der Spitze passierte, war Action auf allerhöchstem Niveau. Hannes Soomer kassierte Mikhalchik ein. Dahinter klebte Finsterbusch. Lorenzo Zanetti (Triple M Racing Ducati Frankfurt), der als Vierter ins Rennen gegangen und auf die neunte Position zurückgefallen war und sich dann wieder nach vorn gearbeitet hatte, überholte Alt. Finsterbusch konnte das Tempo des Führungsduos nicht mehr mitgehen, „in Richtung Hatzenbach bin ich zurückgefallen. Aber jetzt bin ich Dritter. Diesen Platz hatte ich noch nie. Ich war immer Zweiter. Jetzt fehlt nur noch der Sieg“, resümierte er später. Mikhalchik mochte Soomer am Ende nicht länger vor sich haben. Es ging hin und her zwischen den Beiden. Am Ende war der Ukrainer so clever und abgezockt, dass er den Esten mit seinem Überholmanöver doch noch überraschen konnte.

Das gab wieder 25 Punkte in die Kasse von Mikhalchik, der kund gab: „Nach den Stürzen dachte ich schon, es wäre Öl auf der Strecke gewesen und habe kurz nachgedacht. Aber dann hatte ich alles unter Kontrolle.“ Mit seinem achten IDM Superbike-Sieg in diesem Jahr hat sich der 28-Jährige in der Gesamtwertung noch weiter von seinem Verfolger Florian Alt entfernt. Der Abstand beträgt vor dem nächsten Rennen 72 Punkte. Alt kam trotz seiner lädierten Hand bravourös als Fünfter ins Ziel.

Was sonst noch aufgefallen ist: Der nach dem Qualifying ratlose Luca Grünwald kämpfte sich vom 18. Startplatz auf P10 nach vorn. Philipp Steinmayr stürzte und wurde mit dem Hubschrauber zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht. Es gab ein komplettes BMW-Podium, doch Zanetti, Alt und Kofler sorgten dafür, dass noch andere Marken in den Top Ten Einzug hielten.

IDM Superbike, 1. Rennen (Top-Five)

1. Ilya MIKHALCHIK (UKR), BMW
2. Hannes SOOMER (EST), BMW
3. Toni FINSTERBUSCH (DEU), BMW
4. Lorenzo ZANETTI (ITA), Ducati
5. Florian ALT (DEU), Honda

 Quelle: idm.de / Anke Wieczorek

Montag, 2. September 2024

Heißes Titelrennen: Schlägt Bortolotti auf dem Sachsenring zurück?

  •  Lamborghini-Fahrer und DTM-Spitzenreiter Kelvin van der Linde trennen nur sieben Punkte
  •  Lokalmatador Paul freut sich auf Heimspiel: „Der Sachsenring ist eine besondere Strecke“
  •  Neues Wochenendformat sorgt für noch mehr Action am Samstag

Mirko Bortolotti #92
Foto: Jens Hawrda

Der Sachsenring wird vom 6. bis 8. September zum Schauplatz für die sechste Runde im Meisterschaftskampf der DTM. Setzt sich dort der Schlagabtausch an der Tabellenspitze fort? Kelvin van der Linde (Abt Sportsline) eroberte zuletzt die Gesamtführung zurück und ist in Hohenstein-Ernstthal der Gejagte. Der Audi-Pilot aus Südafrika kann seinen schärfsten Konkurrenten Mirko Bortolotti (I) von Lamborghini-Team SSR Performance allerdings deutlich im Rückspiegel sehen. Für zusätzliche Spannung sorgen die Verfolger des Führungsduos, die mit Top-Ergebnissen am kommenden Wochenende die Spitze ins Visier nehmen wollen. Fahrer und Fans erwartet in Sachsen zudem ein neues Event-Format. Erstmals gehen die DTM-Stars am Freitag nur für ein Freies Training auf die Strecke. Die zweite Trainings-Session findet am Samstagmorgen vor dem Qualifying statt. Die Zuschauer erleben somit noch mehr Action an einem der beiden Hauptveranstaltungstage. ProSieben zeigt die DTM-Läufe vom Sachsenring am Samstag und Sonntag jeweils ab 13 Uhr live im deutschen Free-TV. Online sind die Rennen live bei Joyn, ran.de sowie dem YouTube-Kanal @DTM zu sehen.


Keyfacts, Sachsenring, Hohenstein-Ernstthal, Saisonrennen 11 und 12 von 16

Streckenlänge: 3.645 Meter
Layout: 14 Kurven (vier Rechts-, zehn Linkskurven), gegen den Uhrzeigersinn befahren
Sieger 2023, Rennen 1: Luca Stolz (Mercedes-AMG Team HRT, Mercedes-AMG GT3)
Sieger 2023, Rennen 2: Mirko Bortolotti (SSR Performance, Lamborghini Huracán GT3 Evo2)

Wechselspiel an der Spitze

Van der Linde, Bortolotti und dann wieder der gebürtige Johannesburger – an den vergangenen beiden Rennwochenenden ging es an der DTM-Tabellenspitze hin und her. Mit einem knappen Sieben-Punkte-Vorsprung im Gepäck reist van der Linde an den Sachsenring. Für den 28-Jährigen spricht zudem, dass er nach einem schwierigen Saisonstart schnell seine Form fand und seitdem konstant Punkte holt. Bortolotti weiß allerdings genau, was er am Sachsenring zu tun hat. Im Vorjahr holte der Italiener dort einen Sieg und damit auch die Tabellenführung. „Letztes Jahr lief es richtig gut, aber das bedeutet nicht automatisch, dass ich wieder gewinne. In der DTM gibt es keine Garantien“, betont der 34-Jährige und ergänzt: „Wir sind als Team auf einem sehr hohen Niveau unterwegs und bestens vorbereitet für den Sachsenring.“

Nur fünf Punkte hinter dem Zweitplatzierten Bortolotti folgt Maro Engel (Monaco), der mit zuletzt drei Podiumsplätzen in Serie seine Titelambitionen unterstrich und großer Sachsenring-Fan ist. In seiner bereits achten DTM-Saison verbuchte der Routinier vom Mercedes-AMG Team Winward zwar noch keinen Sieg, fuhr aber bereits fünfmal unter die Top-Drei – öfter als jeder andere Fahrer. Mit Rückenwind kommt auch Sheldon van der Linde (ZA) von Schubert Motorsport an den Sachsenring. Der Champion aus 2022 markierte am Nürburgring den 100. DTM-Rennsieg für BMW und feierte damit erstmals seit rund einem Jahr wieder ganz oben auf dem Podium. Mit 40 Punkten Rückstand auf die Spitze muss der Tabellenvierte aber weitere Top-Resultate einfahren, um eine Aufholjagd zu starten.

Heimspiel für Lamborghini-Pilot Paul

Die DTM gastiert kommendes Wochenende erst zum fünften Mal auf dem verwinkelten Traditionskurs westlich von Chemnitz. Insgesamt 14 Kurven erstrecken sich über den 3,645 Kilometer langen Sachsenring. Ein maximales Gefälle von 12,8 Prozent ist Höchstwert im diesjährigen DTM-Kalender. „Wir freuen uns auf die Heimrennen“, sagt Maximilian Paul, der mit seinem Lamborghini-Rennstall Paul Motorsport aus Dresden kommt. „Nicht einsehbare Passagen sowie viele schnelle Kurven machen den Sachsenring zu einer besonderen und coolen Strecke. Entscheidend wird sein, die optimale Balance vom Fahrzeug zu finden.“

Prototypen, Porsche-Power und Elektro-Renner

Beim DTM-Wochenende auf dem Sachsenring erwartet die Fans ein abwechslungsreiches Programm. Während Le-Mans-Prototypen im Prototype Cup Germany an den Start gehen, erleben die Zuschauer beim NXT Gen Cup vollelektrische Rennaction. Rasante Unterhaltung verspricht zudem der Porsche Sixt Carrera Cup Deutschland, der beim DTM-Event seinen sechsten Saisonstopp austrägt. Beste Stimmung ist auch neben der Strecke garantiert: Am Samstagabend unmittelbar nach letzten Rennen steigt in der DTM Fan Zone die Sunshine Live After Race Party. Tickets für das DTM-Wochenende am Sachsenring gibt es ab 39 Euro unter dtm.com. Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren haben in Begleitung eines Erwachsenen freien Eintritt.

Sonntag, 1. September 2024

Titelkampf durch Sprint-Sieg für BMW-Team FK Performance weiter spannend

  • Maxime Oosten und Leon Köhler mit dem dritten Saisonerfolg im ADAC GT Masters
  • Landgraf Motorsport behält Tabellenführung, Seppänen holt die „Road to DTM“-Wertung
  • Schweizer Team Fach Auto Tech triumphiert in der ProAm-Wertung


Ein wichtiger Sieg für Maxime Oosten (NL) und Leon Köhler (Erlenbach am Main) im BMW M4 GT3 von FK Performance: Auf der belgischen Ardennen-Achterbahn von Spa-Francorchamps verbuchte das deutsch-niederländische Duo im 40-minütigen Sprintrennen des ADAC GT Masters seinen dritten Triumph in der laufenden Saison. „Ich bin überglücklich, dass wir gewonnen haben. Durch den ersten Platz konnten wir einige Punkte auf die Tabellenführer aufholen und unsere Titelchancen deutlich verbessern“, sagte Oosten. Sein Teamkollege Köhler zeigte sich nach dem Rennen erleichtert: „Insgesamt war es ein schwieriges Wochenende für uns. Vor allem die Kupplung machte uns zu schaffen, aber am Ende haben wir gewonnen und darüber freue ich mich sehr.“ Das BMW-Team aus Bremen sah zwar auf der zweiten Position die Zielflagge, doch eine 15-Sekunden-Strafe für die ursprünglichen Rennsieger Tom Kalender (Hamm/Sieg) und Elias Seppänen (FIN/beide Landgraf Motorsport) machte die Truppe aus der Hansestadt eineinhalb Stunden später zum Gewinner. Rang zwei ging an Alexander Schwarzer (D) und Alexander Fach (CH) im Porsche 911 GT3 R von Fach Auto Tech, vor dem Audi R8 LMS GT3 Evo2 von Jonas Karklys (LIT) und Pablo Schumm (CH/beide Liqui Moly Team Engstler by NordVPN) auf dem dritten Platz. Für beide Teams war es das beste Saisonergebnis.

Der achte Meisterschaftslauf des ADAC GT Masters auf dem 7,004 Kilometer lange Circuit de Spa-Francorchamps begann voller Dramatik. In der ersten Kurve erwischte Kalender den Ferrari 296 GT3 des Pole-Setters Jean-Luc D´Auria (CH) am Heck. Der Schweizer fiel durch einen Dreher an das Ende des Feldes zurück und musste sein Fahrzeug während der Boxenstopps vor der Emil Frey Racing Garage abstellen. Durch diesen Vorfall übernahm Mike David Ortmann (Ahrensfelde) im Aston Martin Vantage GT3 von Walkenhorst Motorsport die Führung. Nach einer Safety-Car-Phase wegen der Bergung eines Fahrzeugs erhielt Ortmann für seinen Fehlstart eine Penalty-Lap, die ihn bis auf die achte Position zurückwarf. An der Spitze fuhr nun Kalender gefolgt von Köhler, die ihre Positionen auch nach den Boxenstopps behielten und in dieser Reihenfolge die Ziellinie überquerten. Allerdings erhielt Kalender für sein Manöver nach dem Start gegen D´Auria im Nachgang des Rennens eine 15-Sekunden-Zeitstrafe – der Sieg ging an Köhler.

In der Schlussphase entwickelte sich zudem auf den Gesamträngen drei bis fünf ein spannender Kampf um den Klassensieg in der ProAm-Wertung, den die Mannschaft von Fach Auto Tech am Ende für sich entschied. „Ich bin völlig überwältigt. Nachdem wir gestern unglücklich ausgefallen sind, stehen wir heute als Zweiter auf dem Gesamtpodium, es ist ein fantastisches Gefühl“, erzählte Alexander Schwarzer.

Auf der vierten Position kamen Benjamin Hites (CHL) und Tim Zimmermann in ihrem Lamborghini Huracán GT3 Evo2 ins Ziel. Die Top-5 komplettierten Denis Bulatov (Köln) und Ortmann im Aston Martin Vantage GT3 von Walkenhorst Motorsport. Rang sechs stand am Ende für Seppänen und Kalender zu Buche. David Schumacher (Salzburg) und Salman Owega (Köln) im Mercedes-AMG GT3 vom Haupt Racing Team belegten den siebten Platz vor Jannes Fittje und Finn Wiebelhaus (Obertshausen/beide Haupt Racing Team) in einem weiteren Mercedes-AMG GT3 auf der achten Position. Auf dem neunten Rang landete der dritte Haupt Racing Team Mercedes-AMG GT3 von Max Reis (Ramstein) und Kwanda Mokoena (ZAF/beide Haupt Racing Team). Die zehnte Position sicherten sich Simon Connor Primm (Großschirma) und Jonas Greif (Coswig) im Lamborghini Huracán GT3 Evo2 vom Team Paul Motorsport.

In der Fahrerwertung führen weiterhin Kalender und Seppänen mit 159 Punkten vor Oosten und Köhler mit 147 Zählern. Den Pokal in der „Road to DTM“-Wertung erkämpfte sich Seppänen, der in der Meisterschaft mit 182 Punkten vorne liegt. Auf dem Red Bull Ring in Österreich geht der Kampf um den Titel vom 27. bis 29. September in die nächste Runde. Auf der Strecke in der Steiermark bestreiten die Piloten die Meisterschaftsläufe neun und zehn.