Donnerstag, 27. Juni 2024

Brisante Führungswechsel bei der IDM in Most

Neue Spitzenreiter, Doppelsieger und Gastfahrer. Die dritte Saisonrunde der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) hatte alles zu bieten. Im tschechischen Most wurde am vergangenen Wochenende Rennsport vom Feinsten zelebriert.

Das war der Kampf in Rennen 2 in Most Alt #1 hauchdünn vor Mikhalchik #17
Foto: Jens Hawrda
IDM Superbike

In der Top-Klasse IDM Superbike, in der mit über 200 PS und mehr als Tempo 300 gefahren wird, überschlugen sich die Ereignisse. Titelverteidiger Florian Alt (Holzhauer Racing Promotion) war als Titelverteidiger und Führender in der Gesamtwertung auf Honda angetreten. Der Vorsprung zu Ilya Mikhalchik (Champion Alpha Van Zon BMW), seinem direkten Verfolger in der Tabelle, betrug zwei Punkte.

Das erste der beiden Superbike-Rennen entwickelte sich zum Drama mit spektakulärem Abgang einer der Hauptakteure. Rundenlang lag Florian Alt vorne. Aber im Geschlängel passierte ihm in Führung liegend ein Fehler, den der 28-jährige Engelskirchener nicht ausbügeln konnte. BMW-Fahrer Patrick Hobelsberger vom sächsischen Team GERT56 und Mikhalchik sahen ihre Chance zum Überholen und zogen an Alt vorbei. Auf der Bremse war die Konkurrenz in dem Moment stärker als der Titelverteidiger. Hobelsberger übernahm die Führung, dann war Mikhalchik an der Reihe und schließlich mischte auch noch Hannes Soomer (Enos Motorsport) mit. Der Este war zur Halbzeit auf seiner BMW richtig in Fahrt gekommen. Alles, was er wollte, war endlich ein Sieg in der Top-Klasse. Dieser fehlte ihm bisher. In der zwölften Runde holte der 26-Jährige aus Tallinn zum großen Schlag aus und zeigte dem bereits dreifachen Meister Mikhalchik das Hinterrad der blauen BMW. Jetzt hatte der Este noch vier Runden zu überstehen, um endlich seinen ersten großen Triumph feiern zu können. Und dann: Sturz im letzten Umlauf. Soomer rutschte das Vorderrad weg. Mikhalchik ging zum dritten Mal in der aktuellen Saison als Sieger eines Rennens hervor und knöpfte dem Zweiten Florian Alt damit auch gleich die Tabellenführung ab. Jan-Ole Jähnig wurde sensationell Dritter. Der 23-jährige wird bereits hoch gehandelt für die Zukunft. Er hatte mit seinem Teamkollegen Hobelsberger um den noch verbleibenden Podiumsplatz gekämpft, wobei Hobelsberger von der Ideallinie abgekommen war.

Den zweiten Lauf gewann Alt. Mikhalchik krabbelte Alt fast in den Auspuff der Honda, so eng ging es um den Sieg zu. Was sich in den letzten Runden auf der Strecke abspielte, war eine Wucht. Es ging hin und her. Mikhalchik und Alt wehrten sich beide vom Feinsten und erst auf der Ziellinie war klar, dass Alt am Ende mit 0,031 Sekunden Vorsprung gewonnen hatte. Die IDM-Führung hat er sich auch zurückgeholt. Es steht genauso wie es vor der Veranstaltung war: „Flo“ hat zwei Meisterschaftspunkte mehr als Mikhalchik. Soomer hatte sich aus dem Trubel herausgehalten und war glücklich, nach seinem fatalen Sturz im ersten Lauf nun endlich einen Pokal erhalten zu dürfen. Seiner Crew versprach er für den Abend eine Palette Bier, denn sie hatte viel Arbeit gehabt, um dem Fahrer für das zweite Rennen ein funktionierendes Motorrad hinstellen zu können. Die BMW war nach dem Crash im ersten Rennen nicht mehr in einem Stück gewesen. Auch ein Blick in die Gesamtwertung der IDM Superbike lohnt sich. Der Deutsche Florian Alt führt auf Honda vor dem Ukrainer Ilya Mikhalchik auf BMW und dem Italiener Lorenzo Zanetti auf Ducati. Kawasaki rangiert mit Leandro Mercado aus Argentinien in den Top Ten sowie auch der Österreicher Maximilian Kofler auf Yamaha.

IDM Supersport

In der etwas kleiner IDM Supersport-Klasse führte in Most kein Weg an Andreas Kofler aus Österreich vorbei. Der Yamaha-Fahrer erreichte gemeinsam mit dem Familienteam das beste Ergebnis seiner Supersport-Karriere. Er startete von der Pole Position und gewann beide Rennen. Weil Luca de Vleeschauwer (MotoLife), der Triumph-Doppelsieger von Oschersleben, nicht die besten Tage hatte, beträgt Koflers Vorsprung in der Gesamtwertung auf den Belgier nun 31 Punkte statt bisher zwei. Einen Befreiungsschlag gab es für den Niederländer Twan Smits (Team Apreco), den Vizemeister von 2023. Nach einem missglückten Saisonstart fühlte sich sein zweiter Platz hinter Kofler nach 14 Runden an wie ein Sieg. Im zweiten Rennen startete der Niederländer von Position 6 gleich direkt an die Spitze durch, um sich mit Kofler auseinander zu setzen, stürzte aber später. Im Ziel hatte Kofler jetzt 2,024 Sekunden Luft zum Zweitplazierten Daniel Blin (AF Racing Team, Ducati). Die nächsten Plätze wurden von Jonas Kocourek und Marcel Brenner, den beiden Gastfahrern mit WM-Hintergrund, belegt. Umso bedeutsamer ist der fünfte Platz des erst 17-jährigen Triumph-Nachwuchsfahrers Luca Göttlicher (Triumph Germany Supersport Racing). Da Kocourek und Brenner außer der Wertung fuhren, erhielt Göttlicher Meisterschaftspunkte, als ob er als Dritter hinter Blin ins Ziel gekommen wäre. Der Erfolg sorgte dafür, dass Göttlicher in der Tabelle gleich fünf Positionen gutmachte und er jetzt Siebter ist.

IDM Supersport 300

In der Nachwuchsklasse IDM Supersport 300 gab es einen Führungswechsel in der Meisterschaft. Der zweifache WM-Sieger Jeffrey Buis (Freudenberg KTM-Paligo Racing) sicherte sich in beiden Rennen den zweiten Platz hinter dem Gaststarter und WM-Fahrer Marco Gaggi (BrCorse), der beide Läufe gewann. Da der Italiener nicht gewertet wurde, erhielt Buis die volle Punktzahl und ist mit drei Zählern Vorsprung auf seinen Teamkollegen Oliver Svendsen neuer Spitzenreiter in der Gesamtwertung. Ein Wochenende zum Vergessen erlebte hingegen Phillip Tonn (Freudenberg KTM-Paligo Racing). Nach einem unverschuldeten Ausfall im ersten Lauf am Samstag musste er am Sonntag einen weiteren Sturz verkraften.

FIM Seitenwagen WM

Die Führung der FIM Seitenwagen-Weltmeisterschaft liegt nach den Läufen in Most wieder in deutschsprachiger Hand. Markus Schlosser und Luca Schmidt (Team Schlosser/LCR Yamaha) zeigten in den Rennen Nervenstärke und Ausdauer und konnten jedes Mal den Kampf um den Sieg gegen Harry Payne/Kevin Rousseau (Steinhausen Racing / ARS Yamaha) knapp für sich entscheiden. In der Sidecar-Meisterschaft der IDM ging das Vater-Sohn-Team Ted und Vincent Peugeot (Seventy Four Racing Team/LCR Yamaha) als Doppelsieger hervor. Der Schweizer Lukas Wyssen kam zusammen mit seiner französischen Nachwuchs-Beifahrerin Ema Salmon (Team Gustoil Sidecar Racing/LCR Yamaha) in beiden Rennen auf den zweiten Platz.

Mittwoch, 26. Juni 2024

GERT56: Jähnig mit Podest, Hobelsberger mit Pech, Finsterbusch stark

Patrick Hobelsberger war mit dem Rennwochenende in Most nicht zufrieden
Foto: Jens Hawrda


Jan-Ole Jähnig hat im Autodrom Most mit einem dritten Platz im ersten Lauf sein zweites Podest in der IDM Superbike – der höchsten deutschen Rennsportklasse in der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) - gefeiert. Toni Finsterbusch und Patrick Hobelsberger mussten sich jeweils ein Mal aus dem hinteren Feld wieder nach vorn kämpfen und Schadensbegrenzung betreiben.

Jan-Ole Jähnig holte im ersten Rennen zur IDM Superbike im tschechischen Most den dritten Platz – wenn auch nicht ganz ohne Drama. Teamkollege Patrick Hobelsberger war weit gegangen, kam auf die Linie zurück und kollidierte mit Jähnig. Der blieb sitzen, Hobelsberger musste durch’s Kies und eine Verfolgungsjagd starten, die noch mit drei Pünktchen belohnt wurde. Dabei hatte der Bayer allerdings mit Reifenproblemen zu kämpfen.

Auch nicht ganz optimal lief der erste Lauf für Toni Finsterbusch. In der Anfangsphase musste er nach einem Bremsproblem durchs Kiesbett fahren und sich am Ende des Feldes wieder einreihen. Der Krostitzer wurde noch Zehnter.

Im zweiten Rennen mischte Finsterbusch ganz vorn mit, konnte dann aber nach einer konservativen Reifenwahl die Pace am Ende nicht mehr mitgehen und landete auf dem vierten Platz knapp hinter dem Podest. Hobelsberger wurde Siebter, Jähnig Sechster.

In der Gesamtwertung liegt Finsterbusch mit 69 Punkten auf Platz vier, Hobelsberger folgt mit sechs Zählern weniger auf Rang fünf. Jähnig hat 62 Punkte gesammelt und ist Sechster.

Patrick Hobelsberger:

„Der Freitag startete sehr gut, wir konnten in allen Trainings vorne mitmischen und führten diese teilweise sogar an. Das Motorrad konnten wir Millimeter für Millimeter immer besser abstimmen und uns perfekt für die Rennen und Qualis vorbereiten. Für das Quali hatten wir einen guten Plan zurechtgelegt und diesen perfekt durchgezogen. Am Ende belegten wir P3 mit einer 1,32,516. Die Rundenzeit ist nur eine halbe Sekunde langsamer als die schnellste WSBK-Rennrunde. Im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung von 1,2 Sekunden, damit waren wir mehr als zufrieden.

Im ersten Rennen war mein Start gut, in der Schikane fand ich einen sauberen Weg außen rum und konnte in dem Gedrängel direkt meine Position verteidigen. Mein Gefühl war wie das ganze Wochenende sehr gut und ich entschied mich so früh es geht zu attackieren und nach vorne zu fahren. Ich konnte in Runde fünf die Führung übernehmen und das Rennen managen. Das Bike funktionierte Weltklasse und die Pace war in den tiefen 1,33er Zeiten. Zur Rennhalbzeit bekamen wir merkwürdige Probleme. Ein großes Stück Gummi hatte sich aus meinem Reifen gelöst und das Bike wurde fast unfahrbar. Vibrationen, Chattering und kaum Grip. Ich verlor viel Zeit und musste die Führung abgeben. Als ich versuchte, Schadensbegrenzung mit stumpfen Waffen zu betreiben, hatte ich einen Kontakt mit meinem Teamkollegen Jan-Ole, bei dem ich ins Kies musste. Nach unserem kurzen Liebesaustausch musste ich das Bike auf die Strecke, durch das Kies zurückschieben und kam gefühlt als fast Letzter auf die Strecke zurück, konnte mich aber noch auf P14 vorarbeiten, mit einem Reifen der komplett am Ende war. Das Letzte, was wir wollen, ist, dass solche Situationen mit einem Teamkollegen passieren und so viele Punkte verloren gehen. Die Aktion war definitiv nicht mit Absicht und wir verstehen uns immer noch sehr gut.

Im zweiten Rennen war mein Start weit weg von gut, in der Schikane wurde ich durch einen Kontakt stark eingeklemmt und ich kam durch den ersten Sektor auf P12. Von der ersten Runde an hatte ich kaum Gefühl fürs Motorrad. Es kam kaum Feedback und alles fühlte sich ganz anders an, als das ganze Wochenende. Ich habe alles gegeben und versucht so weit es geht nach vorne zu fahren, P7 war aber das Maximum, was ich erreichen konnte. Bis jetzt haben wir noch keine Idee woher die Probleme kamen, man sieht in den Daten wie schwer ich mich tat, jedoch schaut der Rest relativ ähnlich aus wie immer. Es war weit weg von der Pace vom Wochenende und ich konnte kaum pushen und musste Runde für Runde versuchen keinen Fehler zu machen und zu stürzen.

Toni Finsterbusch:

„Insgesamt mit Platz zehn und vier ein gutes und ein schlechtes Ergebnis. Im Qualifying ist mir mit 32,7 eine wirklich sau-schnelle Runde gelungen, wenn man das mit World-Superbike-Zeiten vergleicht und es war nur knapp an Reihe eins vorbei. In Rennen eins musste ich leider in der vorletzten Kurve der dritten Runde gerade aus gehen, weil ich ein kleines Problem mit der Bremse hatte. Ich konnte es gerade noch so vor den Airfence stoppen und bin als Vorletzter wieder auf die Strecke. Das Rennen hat eigentlich sehr viel Spaß gemacht, auch wenn es sich sehr weit hinten abgespielt hat. Ich bin wieder gut vorwärts gekommen und mit Platz zehn habe ich noch paar Punkte geholt. Auch die Zeiten waren gut das hätte für die Top-Fünf gereicht. Im zweiten Rennen hatte ich einen besseren Start und ich konnte mich auf Platz zwei vor schieben. Dort war ich dann auch das halbe Rennen, habe aber leider noch ein paar Fehler eingebaut und so wurde es Platz vier. Aber 1,7 Sekunden Rückstand auf den Sieger ist auf jeden Fall sehr nah dran. Wir hatten nicht ganz die richtige Reifenwahl, ich war auf Nummer sicher gegangen. Ich bin zwei gute Rennen gefahren, auch wenn es die Ergebnisse nicht so sehr zeigen.“

Jan-Ole Jähnig:

„Das war ein Spitzen-Wochenende! Es hat schon ziemlich gut angefangen, ich war immer in den Top-Ten, unter den ersten Sechs. Es war gut, dass wir Freitag gleich ins Q2 eingezogen sind und wir auch nur einen Reifen fahren mussten. Damit hatten wir fürs Q2 einen über und konnten noch einen zweiten Schuss setzen. Die Longruns waren nicht so optimal, wir haben es mit dem SC0 und dem SCX probiert, aber es war nicht immer so perfekt. Startposition sechs im Quali war auch ganz gut und mit der Zeit – meine erste 32 – war ich sehr zufrieden. Aber die anderen ziehen halt auch mit, daher war es ‚nur‘ Platz sechs. Das erste Rennen war bisschen Reifenpoker, weil es nicht so warm war, wie gedacht. Ich habe mich für den Nuller entschieden und das war eine gute Wahl. Am Anfang konnten wir mitschwimmen und am Ende hatten wir Reifenmaterial übrig. Ich konnte in den Kurvensektionen teilweise schneller fahren, als die anderen, aber dort kommt man halt schlecht vorbei. Ich bin leider mit Pax noch zusammen gekommen, aber ich bin glücklicherweise sitzen geblieben. Hintenraus gab es dann mit Platz drei das erste Podest dieser Saison, da bin ich natürlich super-happy. Das zweite Rennen war um einiges wärmer, wir haben trotzdem noch mal den Nuller genommen – das war solide, vielleicht nicht perfekt und ideal, aber wir haben auf Platz sechs gute Punkte mitgenommen.“

Karsten Wolf:

„Als mich jemand nach Lauf eins fragte, warum sich unsere Fahrer im Rennen gegenseitig berühren, habe ich ihm leicht angefressen - sorry dafür - geantwortet: Weil wir‘s können! Hinterher dachte ich mir: sehr geile Antwort und trifft den Kern. Alle drei Fahrer sind auf annährend gleichem Niveau unterwegs und deshalb halten sie sich auch an den gleichen Stellen in der Spitzengruppe auf. Die Gesamtwertung spiegelt gerade exakt unsere Situation wider: Wir haben den Kontakt zur absoluten Spitze etwas verloren, bilden dahinter aber einen geschlossenen Block bestehend aus Attacke, Erfahrung und jugendlicher Unbeschwertheit.

Interessant war auch, wie viele nach Rennen eins gleich Bescheid wussten, was passiert ist. Einfach faszinierend. Dass sich ein enttäuschter Pax dann kurz zurückzieht und ein grandios aufgeigender Jan-Ole Jähnig das zweite Mal auf ein SBK-Podium fährt und sich im Siegesjubel Vorwürfe macht, zeigt doch den respektvollen und würdigen Umgang, den wir pflegen. Ein Blick aufs Video, ein kurzes Gespräch und die Dinge waren abgeglichen: Unterschiedliche Reifenwahl, JO kann schneller, Pax etwas weit, JO rein und Touché – so einfach können die Dinge manchmal sein. Und warum? Weil wir’s können. Und da ist er wieder der Blick auf die Gesamtwertung und der sagt uns: Wir bleiben optimistisch, passen aber unsere Ziele etwas an. Feuer frei in jedem Rennen, Pokal geht vor Punkte, Spaß vor Strategie und dann schauen wir im September wie die Dinge stehen.“


Dienstag, 25. Juni 2024

IDM Most: Mikhalchik verlängert Podest-Abonnement

Ilya Mikhalchik kann zufrieden sein Platz 1 und 2 in Most
Foto: Jens Hawrda

Bei der dritten Runde der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft hatte der Chef des Teams Champion-alpha-Van Zon-BMW Werner Daemen sicherlich die weiteste Anreise. Der Belgier, der für Hersteller BMW auch die Geschicke des Langstrecken-WM-Teams leitet, kam direkt von Testfahrten im japanischen Suzuka zum IDM Superbike-Wochenende im tschechischen Most. Erwartet wurde er von seinem Fahrer-Quartett Ilya Mikhalchik (Ukraine), Philipp Steinmayr (Österreich), Bálint Kovács (Ungarn) und Max Schmidt (Deutschland). Jan Mohr (Österreich) war verletzungsbedingt nur als Maskottchen dabei, sein Einsatz auf der Strecke muss noch warten.


Ilya Mikhalchik kam mit breiter Brust nach Tschechien. Der BMW-Pilot hat mit Sachsenring und Oschersleben, dort sogar mit einem Doppelsieg, die beiden Rennstrecken im IDM-Kalender hinter sich gebracht, die auf seiner persönlichen Hit-Liste eher weiter hinten rangieren. In Most fühlte sich der Ukrainer, der mit gerade mal zwei Punkten Rückstand auf den aktuellen Tabellen-Ersten Florian Alt ins Wochenende startete, gleich pudelwohl und sicherte sich die Pole-Position für die beiden Rennen am Sonntag. Die Zeit von 1.32,086 min hätte im Vorjahr auch für einen guten Startplatz in der Superbike-Weltmeisterschaft gereicht. «Die Rundenzeiten sind schon gut», musste auch Mikhalchik zugeben. «Wenn man bedenkt, dass wir mit Stock-Motorrädern fahren. Alle IDM-Piloten sind schneller geworden. Das beweist das hohe Niveau der IDM.»

Beim allgemeinen Reifenpoker vor dem ersten Rennen, mal zeigte sich die Sommersonne, mal wieder nicht, entschied sich Mikhalchik für die nicht ganz so weiche Pirelli-Variante, um auch am Ende noch agieren zu können. Einige Zweikämpfe musste der BMW-Pilot hinter sich bringen, bevor er mit seinem letzten Überholmanöver in der vorletzten Ecke der letzten Runde ein für alle Mal die Führung übernahm. «Für mich war es ein eher ruhiges Rennen», erklärte er anschließend, «für die anderen eher nicht so. Wir hatten ein paar gute Fights. Es sind viele Jungs da vorne schnell, aber wir kennen uns ja schon lange. Ich hatte bis zum Schluss alles unter Kontrolle.» So ganz nebenbei übernahm der BMW-Pilot auch noch die Führung in der Gesamtwertung.

Die musste er nach dem zweiten Platz im zweiten Rennen aber wieder hergeben, nur um mit erneut zwei Punkten Rückstand auf Florian Alt wieder abzureisen. Nach einem guten Start musste sich Mikhalchik in der ersten Schikane als Vierter einreihen und fuhr von dort in kürzester Zeit die Lücke zur Spitze wieder zu. Dort bot er dann zusammen mit Alt Rennsport auf höchstem Niveau. Kaum eine Kurve, wo es nicht zum direkten Schlagab-tausch der beiden Kontrahenten kam. Millimeter-Arbeit war gefragt. Den Sieg verpasste Mikhalchik dann um wenigen hundertstel Sekunden. «Wir hatten überall tolle Kämpfe», versichert er, «nicht nur mit Florian Alt. Es war dieses Mal kein ruhiges Rennen für mich. Ich bin dennoch zufrieden, denn ich den Ecken habe ich gewonnen und lediglich auf den Geraden ein wenig verloren. Eines ist klar, ich werde stärker zurückkommen.»

Philipp Steinmayr war nach seinem Einsatz in der Langstrecken-Weltmeisterschaft noch zu einem kurzen Test ans Schleizer Dreieck gereist, wo Ende Juli ein weiterer IDM-Lauf stattfindet. «Auch wenn es nur ein paar Runden waren», berichtet der Österreicher von seinem Ausflug nach Thüringen, «hat es geholfen, mich wieder auf die BMW und die Pirelli-Reifen einzustimmen und ein gutes Gefühl mit nach Most zu nehmen.» Leider hielt das gute Gefühl nicht allzu lange an. Steinmayr musste im Freien Training einen Sturz verkraften und verpasste eine wichtige Session, schaffte aber dann über den Umweg der Superpole 1 den Sprung in die Superpole 2. Dort wurde es für den Österreicher der 15. Startplatz, was ein ordentliches Stück Arbeit für die beiden Rennen am Sonntag bedeutete.

Im ersten Rennen ging es für Steinmayr dann auch einen ordentlichen Schritt nach vorne. «Am Samstag haben wir noch viel an der Balance des Motorrads gearbeitet», verriet er, nachdem er als Achter durchs Ziel gerauscht war. «Am Start bin ich gut weggekommen und habe auch die erste Schikane gut erwischt. Das Feld war eng beisammen und das Niveau wirklich sehr hoch. Doch die meisten wissen, was zu tun ist. Mit dem Top Ten-Platz war ich dann sehr zufrieden.» Den peilte Steinmayr dann auch in Lauf 2 an und es schaute anfangs auch ganz danach aus. Doch es kam anders. «Ich kam etwa als Neunter raus. Dann überholte mich mein Teamkollege Bálint Kovács und als er dann Mercado angriff, sah ich es schon kommen. Er hatte da eine Lücke gesehen, die es nicht wirklich gab. Als er stürzte, wollte ich innen durchschlüpfen, aber er landete genau vor mir. Mir blieb, damit ich ihn nicht überfahre, nur der Weg durch den Kies. Von hinten habe ich mich dann irgendwie wieder vorgekämpft.» Enttäuscht war er nach Platz 13 dennoch. Der Start war wieder top und auch sein Speed stimmte, dass die Top Ten absolut machbar gewesen wären.

Bálint Kovács hatte beim letzten IDM-Wochenende in Oschersleben mit zwei dritten Plätzen für Furore gesorgt und konnte den Erfolg auch in seiner ungarischen Heimat genießen, wo Kovács unermüdlich für sich und seinen Sport die Werbetrommel rührt und ihm das Doppel-Podium sogar ein TV-Interview bescherte. «Mit meinem Trainings-Bike konnte ich noch ein paar Runden in Most drehen», verriet er noch, «daher fühlte ich mich gut vorbereitet auf das IDM-Wochenende. Ich mag die Strecke, obwohl die IDM-Rennen im Vorjahr für mich schwierig waren. Doch ich habe sonst gute Erinnerungen, das Most-Rennen im Suzuki-Cup konnte ich damals gewinnen.» Mit Startplatz 12 war Kovács nach der Superpole am Samstag nicht ganz so happy.

So richtig aufregend wurde es für Kovács im ersten Rennen. Nach der Hälfte der Distanz löste der Airbag seiner Lederkombi unplanmäßig aus. «Ich konnte zwei Runden lang kaum atmen», beschreibt der BMW-Pilot seinen beschwerlichen Rennverlauf. «Ich rutschte bis auf Platz 15 zurück, konnte mich aber in den letzten fünf, sechs Runden wieder an die Spitze herankämpfen.» Am Ende holte Kovács den siebten Platz, mit nur kleinem Rückstand bis zu Platz 5. «Für das zweite Rennen am Nachmittag erwarte ich ein gutes Ergebnis, denn insgesamt bin ich in guter Form», versprach er anschließend.

Im zweiten Rennen wollte Kovács dann zu viel. Nach einem guten Start hatte er sich in der ersten Runde schon bis auf den zehnten Platz nach vorne gearbeitet. «Als ich versuchte, noch einen Konkurrenten zu überholen, bin ich gestürzt», so der enttäuschte BWM-Pilot. Fast 30 Sekunden kostete ihn dieser Ausflug ins Kiesbett und als absolut Letzter nahm er das Rennen mit einem nicht mehr ganz so intakten Motorrad wieder auf. Am Ende reichte es noch für Rang 18. «Was mich wirklich ärgert», gab er anschließend zu, «ist, dass ich die Pace gehabt hätte, um viel besser zu sein.»

Max Schmidt hatte mit seinen Kollegen Pepijn Bijsterbosch und Jan Bühn bei einem Fünf-Stunden-Rennen im belgischen Zolder unter den wachsamen Augen seines Teamchefs Werner Daemen einen Sieg eingefahren und war mit entsprechend guter Laune in Most angekommen. «Ich habe erst mal ganz tief in den Daten gegraben», meinte er nach den Freien Trainings, «wir arbeiten noch an der perfekten Abstimmung. Ich bin froh, so eine gute Mannschaft um mich zu haben.» Dem BMW-Piloten gelang auf Anhieb der Sprung in die Superpole 2, in der auf dem 14. Platz landete.

In den beiden Rennen holte Schmidt die Plätze 11 und 15. Gerne hätte es noch etwas mehr sein dürfen. «Irgendwie lief es seit Samstag nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte», schildert er. «Ich bin wie vor eine Wand gefahren, es ging einfach nicht schneller. Im ersten Rennen war ich anfangs ein wenig eingeklemmt, aber dann lief es ganz okay. Zusammen mit Bálint Kovács bin ich dann der schnellen Gruppe hinterher. Vor der Schikane bin ich dann beim Schalten zwischen die Gänge geraten und ausgerechnet da versuchte Bálint, mich dann zu überholen, so dass mir nur der Notausgang blieb. Im zweiten Rennen habe ich mich dann für den Nuller-Reifen entschieden und der ist mir dann gegen Ende eingegangen. Ich kam immer quer aus den Kurven raus. Auf der Bremse ging es noch ganz gut, aber beim Bremsen habe ich mich schwergetan.»

Für die IDM-Mannschaft vom Team Champion-alpha-Van Zon-BMW bleibe nun vier Wochen Zeit, um die Daten und Ergebnisse des Most-Wochenendes aufzuwerten und sich auf IDM-Lauf Nummer 4 vom 26. – 28.Juli 2024 auf dem Schleizer Dreieck vorzubereiten.


Montag, 24. Juni 2024

IDM SBK Most: Alt besiegt Mikhalchik auf Messers Schneide

Florian Alt Honda #1 siegt und bleibt Tabellenführer
Foto: Jens Hawrda


So schnell wie Ilya Mikhalchik seinem direkten Gegner Florian Alt im ersten IDM Superbike-Lauf die Führung abgenommen hatte, so schnell war er sie auch wieder los. Denn Alt gewann das zweite Rennen nach einem explosiven Duell mit dem Ukrainer mit einem Vorsprung von 0,031 Sekunden. Es war der erste Sieg des Deutschen in der aktuellen Saison.

Nach dem Start fädelten sich alle 28 Fahrer in die erste Kurve ein. Keiner stürzte oder fuhr gerade aus. Das ist an der zentralen Stelle wichtig. Mikhalchik (Champion Alpha BMW) konnte seine Pole Position nicht umsetzen, sondern Alt (HRP-Honda) übernahm das Zepter vor Toni Finsterbusch (GERT56) und Hannes Soomer (Enemat Enos Motorsport). Patrick Hobelsberger (GERT56) hatte den Start vermasselt, kam auf P 10 aus der ersten Runde zurück und versuchte zu retten, was möglich war.

In der dritten Runde hatte sich das Feld sortiert. Die ersten Lücken wurden sichtbar. Die erste Gruppe war mit Alt, Finsterbusch, Mikhalchik, Soomer und Lorenzo Zanetti (Triple M Ducati) besetzt. Den zweiten Zug führte Jan-Ole Jähnig (GERT56) an. Vorne konnte sich Alt nicht absetzen, dafür nahm Zanetti in der Kurve den Notausgang und fuhr geradeaus. Das kostete Zeit und damit war der weitere Kampf ums Podium gegessen. Finsterbusch verteidigte seine Stellung hinter Titelverteidiger Alt und vor dem dreifachen Champion Mikhalchik, doch dieser bremste sich später sauber am Sachsen vorbei.

Mikhalchik krabbelte Alt fast in den Auspuff, so eng ging es fortan um den Sieg zu. Aber der Ukrainer setzte lange nicht zur Attacke an. Beide fuhren unterschiedliche Linien. Mikhalchik zeigte sich zwar immer wieder, doch der richtige Angriff blieb zunächst aus. Bis es richtig losging. Den Zeitpunkt konnte Alt nicht ansatzweise erahnt haben. Was sich in den letzten Runden auf der Strecke abspielte, war eine Wucht. Zwischen den Gegnern ging es hin und her. Sie fanden bislang fast unmögliche Stellen zum Überholen. Mikhalchik und Alt wehrten sich beide vom Feinsten und erst auf der Ziellinie war klar, dass Alt am Ende mit 0,031 Sekunden Vorsprung gewonnen hatte. Teamchef Jens Holzhauer schwenkte ganz verzückt seine Fähnchen. „Ich bin absolut happy“, kommentierte Alt sein Rennen, „es war fairer von den Reifen her und ich habe alles gegeben.“ Im ersten Lauf war der 28-Jährige mit der härtesten und im zweiten Rennen mit der weichsten Reifenmischung ausgerückt. Die IDM-Führung hat er sich auch zurückgeholt. Es steht genauso wie es vor der Veranstaltung war: „Flo“ hat zwei Meisterschaftspunkte mehr als Mikhalchik.

Soomer hatte sich aus dem Trubel herausgehalten und war vielmehr glücklich, nach seinem fatalen Sturz im ersten Lauf nun endlich aufs Podium zu dürfen. Die BMW war nach seinem Abflug nicht mehr als ganzes Stück zurück in die Box gekommen. Seine Crew, die bis zum zweiten Rennen alles instand setzte, darf sich nun freuen, denn Soomer hat gesagt: „Da werde ich heute Abend wohl eine ganze Palette Bier spendieren.“

IDM Superbike, Rennen 2 (Top-Five)

1. Florian ALT (D/Honda)
2. Ilya MIKHALCHIK (UKR/BMW)
3. Hannes SOOMER (EST/BMW)
4. Toni FINSTERBUSCH (D/BMW)
5. Lorenzo ZANETTI (I/Ducati)

Quelle: idm.de / Anke Wieczorek

IDM SSP Most: Mehr Ausbeute als bei Kofler ist nicht möglich

Andreas Kofler siegt auch am Sonntag in Most
Foto: Jens Hawrda

Es war das beste Wochenende seiner Supersport-Karriere. Andreas Kofler hat im tschechischen Most auch das zweite Rennen in der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) gewonnen. Dem aktuellen Vizemeister Twan Smits klebt das Pech dagegen weiterhin an den Fersen.


Für Twan Smits (Team Apreco) war der Start das Beste, was ihm passieren konnte. Der Niederländer preschte auf seiner Yamaha vom sechsten Platz direkt an die Spitze. Ausgerechnet der sonstige Schnellstarter Andreas Kofler (Yamalube Kofler Motorsport) ließ diesmal auf sich warten und musste als Polesetter Verluste hinnehmen. Vom Trubel dahinter bekamen beide Fahrer nichts mit. Gastfahrer Jonas Kocourek (SP Race Project, Ducati) kriegte die erste Kurve nicht und fuhr geradeaus. Gleichzeitig ratterte Kyle Smith (Weber Kawasaki) an anderer Stelle durchs Kiesbett. Für den Briten war der Event beendet.

Smits und Kofler wechselten sich anschließend mit der Führung ab. Dirk Geiger (MCA Racing, Honda) und Kas Beekmans (Team Apreco) dominierten in der Verfolgergruppe. Lennox Lehmann (Yamalube Kofler Motorsport) fiel aus und Filip Feigl (Genius Racing Team) fuhr auf seiner Heimstrecke auf den vierten Platz nach vorn. Der Tscheche hatte nach vorne und hinten Luft. Das Gute daran: Der Platz war sicher.

Ein Trio mit Smits, Kofler und Daniel Blin (AF Racing, Ducati) führte das Feld in die zweite Halbzeit. Das Rennen ging über 14 Runden auf der 4,212 km langen Strecke. Feigl war dahinter inzwischen nicht mehr alleine und gleich gar nicht mehr sicher. Seine Verfolger hatten die Lücke zu ihm geschlossen.

Dann der Schock: Smits stürzte in Führung liegend aus dem Rennen. Das konnte fast nicht wahr sein. Gestern stand der Vizemeister des vergangenen Jahres nach vielen Rückschlägen endlich einmal auf dem Podium und hatte seinen Befreiungsschlag genossen. Heute fiel er wieder ganz nach unten. Seinen Traum, in diesem Jahr den Meistertitel zu holen, dürfte er kaum noch verwirklichen können.

Kofler war der strahlende Sieger im Ziel. Der 19-jährige Sproß aus dem österreichischen Familienteam hatte ein astreines Rennen bis zum Schluss gezeigt. Er konnte die Führung in der Meisterschaft ausbauen. „Es läuft“, war sein knapper Kommentar, dem nichts hinzuzufügen ist. Beide Rennen in Most gewonnen, dritte Pole Position gehabt, Tabellen-Erster. Was will man mehr. Weil Luca de Vleeschauwer, der Triumph-Doppelsieger von Oschersleben, heute nicht den besten Tag hatte, beträgt der Vorsprung von Kofler auf den Belgier nun 31 Punkte statt bisher zwei.

Feigl wurde noch von den Gastfahrern Jonáš Kocourek (der sich nach seinem anfänglichen Umweg wieder erholt hatte), Marcel Brenner (VIAMO Racing by MTM) sowie Luca Göttlicher (Triumph Germany Supersport Racing geschnupft. Da Kocourek und Brenner außer der Wertung fuhren, erhielt Göttlicher Meisterschaftspunkte, als ob er als Dritter hinter Blin ins Ziel gekommen wäre.

IDM Supersport, Rennen 2 (Top-Five)

1. Andreas KOFLER (A/Yamaha)
2. Daniel BLIN (PL/Ducati)
3. Jonáš KOCOUREK (CZ/Ducati)
4. Marcel BRENNER (CH/Kawasaki)
5. Luca GÖTTLICHER (D/Triumph)

Quelle: idm.de / Anke Wieczorek