Donnerstag, 6. Juni 2024

Comeback in Zandvoort: ADAC GT Masters nimmt Kurs auf die niederländische Küste

  • Rückkehr an die Nordsee verspricht packenden Motorsport
  • Oosten fiebert seinem Heimspiel auf dem Circuit Zandvoort entgegen
  • Rennaction vom zweiten Saisonstopp läuft live auf Sport1

Foto: Jens Hawrda

Keine Erholung für die Fahrer des ADAC GT Masters im Urlaubsort: An der niederländischen Nordseeküste geht das ADAC GT Masters in Zandvoort im Rahmen der DTM vom 7. bis 9. Juni in die zweite Runde. Auf dem anspruchsvollen Dünenkurs mit seinen Steilkurven gilt es dann wieder volle Konzentration zu bewahren. Als Tabellenführer reisen Tom Kalender (Hamm/Sieg) und Elias Seppänen (FI, beide Landgraf Motorsport) im Mercedes-AMG an die Strecke westlich von Amsterdam. Der aktuell zweitplatzierte und Sieger beim Saisonstart, Maxime Oosten (Niederlande/FK Performance) blickt erwartungsvoll auf sein Heim-Event im BMW M4 GT3: „Die herausfordernden Passagen, die Nähe zum Meer und die vielen fantastischen Fans schaffen immer eine großartige Atmosphäre. Dort zu gewinnen, wäre für mich ein besonderes Erlebnis.“ Die Meisterschaftsläufe drei und vier gibt es am Samstag ab 15:15 Uhr sowie Sonntag ab 13:25 Uhr live auf Sport1 im deutschen Free-TV zu sehen.

Nach einer einjährigen Pause kehrt das ADAC GT Masters mit insgesamt sieben verschiedenen Premiumherstellern auf die aktuelle Formel-1-Rennstrecke von Zandvoort zurück. Ein spektakuläres Comeback auf dem Küstenkurs ist garantiert, denn mit seinen blinden Kuppen und den Steilkurven hat der Circuit Zandvoort einiges zu bieten. Zum Favoritenkreis in den Niederlanden zählen vor allem Seppänen und Kalender im Mercedes-AMG GT3, die auch in der „Road to DTM“-Wertung die Nase vorne haben. „Nach dem super Saisonstart wollen wir auch in Zandvoort wieder voll angreifen und das Maximale aus unserem Fahrzeug herausholen. Tom und ich sind hoch motiviert und startklar für die zweite Runde“, sagt Seppänen, der als letztjähriger Champion die Titelverteidigung anstrebt.

Motiviert ist auch David Schumacher. Der 22-Jährige holte beim Saisonstart in Oschersleben eine Pole-Position, Technikpech vereitelte jedoch ein gutes Ergebnis. Gemeinsam mit Titelverteidiger Salman Owega will der Sohn von Ex-Formel-1- und DTM-Fahrer Ralf Schumacher nun in Zandvoort im Mercedes-AMG GT3 vom Haupt Racing Team das erste Podium einfahren. Dieses Ziel verfolgen auch die Teams von Aston Martin und Lamborghini, die in Oschersleben ohne Podestplatzierung blieben.

Ebenfalls gute Chancen rechnen sich Leon Köhler (Erlenbach am Main) und sein Teamkollege Oosten aus. Das Duo verbuchte genauso wie Kalender/Seppänen beim Auftakt einen Sieg. An den letzten Auftritt in Zandvoort des ADAC GT Masters im Jahr 2022 erinnert sich vor allem das Team Emil Frey Racing gerne zurück. Damals gewann die Mannschaft aus der Schweiz beide Rennen. Seit dieser Saison vertraut die Equipe aus Safenwil im ADAC GT Masters auf den Ferrari 296 GT3 und die Dienste des Schweizer Duos Jean Luc´Auria und Alain Valente.

DTM und Meer: Wer jubelt in den Dünen von Zandvoort?

  • Ricardo Feller reist als Sieger des ADAC Ravenol 24h Nürburgring an die Nordsee
  • Lokalmatador Thierry Vermeulen: „Werden viele Überholmanöver sehen“
  • Zweimaliger Rallye-Weltmeister Kalle Rovanperä debütiert auf der DTM-Plattform

Foto: Jens Hawrda

Vollgas mit Meerblick: Am kommenden Wochenende (7. bis 9. Juni) sorgt die DTM für ein Strand-Spektakel an der niederländischen Nordseeküste. Als Spitzenreiter fährt der Südafrikaner Kelvin van der Linde (Abt Sportsline) zum dritten Tourstopp am Circuit Zandvoort. Auf dem Formel-1-Kurs mitten in den Sanddünen darf sich der Audi-Pilot allerdings keinen Ausrutscher erlauben. Titelverteidiger Thomas Preining (A) ist pünktlich zum Gastspiel westlich von Amsterdam in Form und hat im Porsche 911 GT3 R als Tabellenzweiter nur acht Punkte Rückstand. Zu Kelvin van der Lindes härtesten Verfolgern zählt auch sein eigener Teamkollege Ricardo Feller (CH), der als Dritter ebenfalls voll in Schlagdistanz liegt und am vergangenen Wochenende das ADAC Ravenol 24h Nürburgring gewonnen hat. Neben den DTM-Stars in Zandvoort erstmals im Rahmen der DTM unterwegs: der zweifache Rallye-Weltmeister Kalle Rovanperä, der sein Renndebüt auf der Rundstrecke im Porsche feiert. Das Samstagsrennen der DTM wird um 13.30 Uhr gestartet, der Lauf am Sonntag beginnt später als gewohnt um 16.30 Uhr. ProSieben zeigt die Action aus Zandvoort live im deutschen Free-TV und geht jeweils eine halbe Stunde vor Rennbeginn auf Sendung.

Keyfacts, Circuit Zandvoort, Zandvoort, Saisonrennen 5 und 6 von 16

Streckenlänge: 4.259 Meter

Layout: 14 Kurven (zehn Rechts-, vier Linkskurven), im Uhrzeigersinn befahren

Sieger 2023, Rennen 1: Maro Engel (Mercedes-AMG Team Mann-Filter, Mercedes-AMG GT3)

Sieger 2023, Rennen 2: Ricardo Feller (Abt Sportsline, Audi R8 LMS GT3 Evo2)

Preining gegen das Audi-Duo

Kelvin van der Linde ist nach Sieg und der Tabellenführung zuletzt am Dekra Lausitzring motiviert für das Holland-Gastspiel: „Der Sieg am Lausitzring hat uns als Team zusätzliche Energie gegeben. Wir reisen mit großer Motivation nach Zandvoort. Das ist eine Strecke wie zu alten Zeiten, wo jeder Fehler bestraft wird. Am besten gefällt mir der zweite Sektor, wenn es den Berg hoch geht und dann die schnelle Rechtskurve folgt. Da ist es meistens echt am Limit und der Fahrer kann einen großen Unterschied machen“, sagt Kelvin van der Linde. Auch Preining vom Team Manthey EMA ist nach dem schwachen Auftakt in Oschersleben in Form. Der Tabellendritte Feller stand 2023 in Zandvoort ganz oben auf dem Treppchen und möchte auch in diesem Jahr wieder dorthin. Sein hartes Manöver gegen Kelvin van der Linde in der Lausitz machte deutlich, dass auch der Teamkollege im Kampf um Positionen und Punkte nicht geschont wird. Trotz seiner angriffslustigen Fahrweise ist Feller zusammen mit Preining als einziger DTM-Pilot in den zurückliegenden 20 Rennen immer in die Punkte gefahren.

Engel glänzt mit Aufholjagten, Bortolotti und Sheldon van der Linde brauchen Top-Resultate

Den Sprung nach ganz oben auf das Podium in Zandvoort will Vorjahressieger Maro Engel (Monaco/Mercedes-AMG Team Winward) schaffen. Zweimal fuhr Engel in dieser Saison bereits aufs Podium, und das jeweils nach mäßigen Positionen im Qualifying mit einer starken Aufholjagd. Insgesamt machte er in den bisherigen vier Rennen 35 Positionen gegenüber dem Qualifying gut. Vergangene Saison feierte der Routinier in Zandvoort seinen zweiten DTM-Erfolg – auch in diesem Jahr ist mit dem versierten Taktiker zu rechnen. Zu seinen Gegnern zählt dabei Mirko Bortolotti (I). Der Lamborghini-Werksfahrer von SSR Performance benötigt konstantere Leistungen, wenn er sich vom fünften Rang an die Spitze heranarbeiten möchte. Die Top-Plätze hat auch Sheldon van der Linde im Blick. Der Südafrikaner liegt als bester BMW-Pilot von Schubert Motorsport auf der siebten Position. Ein zweiter Rang wie vergangenes Jahr in Zandvoort wäre für den DTM-Champion von 2022 ein Befreiungsschlag.

Der Lokalmatador möchte für tolle Show sorgen

Lokalmatador Thierry Vermeulen freut sich als einziger Niederländer im DTM-Feld auf sein Heimspiel. „Vor den Augen meiner Familie, Freunde und Partner zu fahren, ist immer etwas Besonderes“, sagt der 21-Jährige, der im Ferrari 296 GT3 von Emil Frey Racing antritt. „Zandvoort ist eine echte ‚Old-School-Rennstrecke‘ und ich bin mir sicher, dass wir viele Überholmanöver sehen werden. Meine Vorfreude auf das Wochenende ist riesig. Ich werde alles geben und hoffe, dass wir den vielen Fans eine tolle Show bieten.“

ADAC GT Masters, Markenpokal-Action und Formel-Debüt

Mit einem prominenten Namen gibt der Porsche Carrera Cup Benelux seine Saisonpremiere auf der DTM-Plattform. Der zweimalige Rallye-Weltmeister Kalle Rovanperä startet erstmal in seiner Karriere auf der Rundstrecke und pilotiert einen Porsche 911 GT3 Cup vom Team Red Ant Racing. In der Saison 2022 kürte sich der heute 23-jährige Finne in der FIA World Rally Championship zum jüngsten Gesamtsieger aller Zeiten. Vergangenes Jahr gelang Rovanperä bei der Central European Rally in Deutschen, Österreich und Tschechien die WM-Titelverteidigung. In Zandvoort möchte der Rallye-Star sein Talent im Rundstreckenrennen zeigen.

Auch der Porsche Sixt Carrera Cup Deutschland zählt in den Niederlanden zum Rahmenprogramm. Nach einjähriger Pause feiert das ADAC GT Masters am kommenden Wochenende sein Zandvoort-Comeback. Zwei Rennen mit sieben Premiumherstellern versprechen beste Unterhaltung. Zum ersten und einzigen Mal in dieser Saison ist die Formula Regional European Championship by Alpine bei der DTM dabei. Zwei Meisterschaftsläufe trägt die Formel-3-Serie an der Nordsee aus. Karten für das DTM-Rennwochenende in Zandvoort gibt es online unter dtm.com bereits ab 39 Euro. Sowohl der Zugang ins Fahrerlager als auch der Pitwalk ist für alle Ticketbesitzer kostenlos – perfekt für Autogrammjäger und Selfies mit den DTM-Stars.


Zusammenfassung IDM Rennwochenende in Oschersleben

Doppelsiege und eine Premiere

Doppelsiege, ein Wechsel in der Tabellenführung und Wetterwarnungen, die sich nicht bestätigten. Der zweite Saison-Event der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) in der Motorsport Arena Oschersleben hatte in jeder Hinsicht etwas zu bieten. Besonders in der Top-Klasse IDM Superbike ging es turbulent zu.

Foto: Jens Hawrda

Dass sich der Kampf in den beiden Superbike-Läufen vorwiegend zwischen Ilya Mikhalchik (Champion Alpha BMW) und Florian Alt (HRP-Honda) stattfinden würde, war vorauszusehen. Dass der Ukrainer das erste Rennen aber mit sechs Sekunden Vorsprung in der Motorsport Arena Oschersleben gewinnen würde, kam doch überraschend. Der 27-jährige dreifache Meister funktionierte im Gegensatz zum Vorjahr wie ein Uhrwerk. Vor zwölf Monaten hatte er in Oschersleben mit Stürzen in beiden Superbike-Läufen eine herbe Schlappe einstecken müssen. Heute lief es für ihn hervorragend, „obwohl ich am Anfang nicht wusste, ob ich pushen soll oder nicht.“ Bei Honda-Titelverteidiger Alt hatte nach der Hälfte der Distanz der Reifen Schwierigkeiten gemacht. „Seit den Rennen auf dem Sachsenring haben wir ein neues Fahrwerk. Bis zum zweiten Rennen werden wir noch Kleinigkeiten verändern.“ Dritter in der höchsten deutschen Motorradrennsportklasse wurde Mikhalchiks Teamkollege Bálint Kovács aus Ungarn, der zum ersten Mal in seiner Superbike-Karriere auf dem Podest stand.

Wer an der Spitze fehlte, war Patrick Hobelsberger auf der GERT56-BMW. Der als Tabellenführer angereiste Bayer musste das Rennen nach einem Desaster in der Qualifikation aus der fünften Reihe in Angriff nehmen. Nach 18 Runden kam er als Sechster ins Ziel. Gleichzeitig war sein Vorsprung in der Gesamtwertung auf einen einzigen Punkt geschrumpft.

Im zweiten Lauf profitierte der Bayer vorn einem sensationellen Start. Innerhalb von wenigen Sekunden wirbelte er vom 14. Platz auf die sechste Position im Feld. Aber es war ein Frühstart gewesen, stellte die Rennleitung fest. Der BMW-Fahrer wurde mit einer doppelten Long Lap bestraft. Weil er nicht alle Regeln einhielt und weitere Strafen erfolglos blieben, „hat das zur Disqualifikation geführt und für Hobelsberger wurde die schwarze Flagge zum Verlassen der Strecke geschwenkt“, sagte Rennleiter Ottmar Bange abschließend.

Der Sieg im zweiten Lauf ging wie schon im ersten Rennen an Mikhalchik, der noch loswerden wollte: „Ich habe an diesem Wochenende auch den Rundenrekord geknackt, wenn auch nur im Training.“ Der Vorsprung zu Alt war mit 1,429 Sekunden Vorsprung deutlich knapper. Der deutsche Honda-Treiber fuhr trotz des Doppelsiegs der Konkurrenz als neuer Meisterschafts-Führender nach Hause. Der Nordrhein-Westfale hatte beim Saisonauftakt auf dem Sachsenring schon ordentlich Punkte gebunkert. Zum Zweiten Mikhalchik besteht nur ein kleines Polster von zwei Zählern. Dritter ist Lorenzo Zanetti (Ducati Frankfurt). Der Italiener nahm zwei siebte Plätze aus Oschersleben mit. Hobelsberger rutschte von der Spitze auf den vierten Tabellenrang ab. Fünfter ist Toni Finsterbusch (GERT56, BMW) und Kovács als Sechster machte zwei Positionen gut. Er war auch im zweiten Lauf aufs Siegerpodest gefahren.

In der Supersportklasse gab es den ersten Triumph-Sieg in der IDM-Geschichte. Der Doppelsieg von Luca de Vleeschauwer war eine faustdicke Überraschung. Der Belgier war eine Woche vor dem Rennen auf dem gleichen Kurs heftig gestürzt und bis zum Donnerstag wusste niemand, ob er überhaupt antreten würde. Der 21-Jährige vom Team MotoLife hatte am ganzen Körper Prellungen und grüne und blaue Flecken. Doch er biss die Zähne zusammen und arbeitete sich jeweils vom fünften Startplatz nach vorn. Der favorisierte Österreicher Andreas Kofler (Yamalube Kofler) konnte nichts dagegen machen, die IDM-Führung behielt er trotzdem. Zweimal aufs Podium kam Lennox Lehmann, der schon Dritter in der Gesamtwertung ist. Dabei ist der Dresdner noch ein Neuling in der IDM Supersport, wenn auch mit einer beachtlichen Karrierebilanz in kleineren Klassen.

In der Nachwuchsklasse IDM Supersport 300 dominierte der Niederländer Jeffrey Buis vom Team Freudenberg KTM-PALIGO Racing vor seinen Teamkollegen Ruben Bijman und Oliver Svendsen. Am zweiten Renntag wiederholte Buis seinen Triumph, dieses Mal vor Svendsen und dem KTM-Piloten Philipp Tonn. Trotz des Doppelsieges von Buis konnte Svendsen die Gesamtführung in der Meisterschaft weiter behaupten.

Ein Highlight jagte das andere, umrahmt von vier Cup-Klassen, in denen sich Junioren und gestandene Männer behaupten. In drei Wochen geht es weiter. Vom 21. bis 23. Juni gastiert die IDM im tschechischen Most.


Ein Doppelsieg und vier Pokale für das Team Champion-Alpha-Van Zon-BMW

Volle Punkteausbeute Für Ilya Mikhalchik in Oscherleben
Foto: Jens Hawrda


Das Team Champion-Alpha-Van Zon-BMW war am vergangenen Wochenende wieder auf Tour. In der Motorsport Arena Oschersleben traf man sich mit der Superbike-Konkurrenz der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft IDM zur zweiten Runde der Saison 2024. Die Erfolgsmannschaft um Teamchef Werner Daemen trat mit dem dreifachen Champion Ilya Mikhalchik aus der Ukraine, dem Österreicher Philipp Steinmayr, dem Deutschen Max Schmidt und dem Ungarn Bálint Kovács an. Jan Mohr war dieses Mal nur als Maskottchen dabei. Der Österreicher hatte sich bei Testfahrten im Vorfeld eine Verletzung am Schulterblatt zugezogen und musste in Oschersleben bei der Punktejagd aussetzen.

Ilya Mikhalchik hatte sich schon gut eine Woche vor dem IDM-Event bei einem Test auf der Strecke von Oschersleben warmgefahren und konnte entsprechend gut vorbereitet in das IDM-Wochenende starten. Am Freitag konnte er in den Freien Trainings und dem Pre-Practice für die Superpole mit den schnellsten Zeiten im 28 Mann starken Feld auftrumpfen. Am Samstag wurden auch das dritten Freie Training und die Superpole eine Beute des ukrainischen Titeljägers. «Ich bin happy», versicherte Mikhalchik, nachdem er den Vorjahres-Rekord pulverisiert hatte und sich mit 1.24,307 min die Pole-Position gesicherte hatte. «In dieser Runde habe ich im letzten Sektor sogar noch einen Fehler gemacht. Endlich fühle ich mich besser, ich war die ganze letzte Woche krank.» Sein Verhältnis zur Rennstrecke hat Mikhalchik, der im Vorjahr mit zwei Stürzen in zwei Rennen wohl seinen persönlichen IDM-Tiefpunkt erlebte, inzwischen geklärt. «Ich bin klar im Kopf», versicherte der Polesetter. «Ich mag die Strecke und die Strecke mag mich. Im Vorjahr habe ich viel gelernt und nutze diese Erfahrungen für die Zukunft.»

Im Rennen 1 fuhr der BMW-Pilot weiter auf der Erfolgswelle. Guter Start, Führung und am Ende ein Start-Ziel-Sieg mit sechs Sekunden Vorsprung vor einem seiner schärfsten Rivalen beim Kampf um die Meisterkrone, Florian Alt. Und das alles bei leichtem Nieselregen. «Das Rennen war nicht leicht und nicht schwer», so das Urteil des Siegers. «Irgendwas zwischendrin. Am Anfang schwankte ich zwischen Pushen und Warten. Ich habe mich dann ganz auf mich konzentriert. Der Reifen ging am Ende ein wenig ein, aber mein Vorsprung hat gepasst. Danke an mein Team, die mich mit ihren guten Vibes wieder nach vorne gebracht haben.» Weil es so schön war, schnappte sich Mikhalchik auch im zweiten Rennen den dicksten Pokal. Doch dieses Mal hatte er es ein wenig spannender gestaltet als noch am Vormittag. Lange war er in der Vier-Mann starken Spitzengruppe unterwegs, bevor er den ersten Platz übernahm und bis zur schwarz-weiß karierten Flagge uneinholbar vorne lag. «Toll», beschreibt der Ukrainer sein Gefühl, nachdem er von seiner aus Kiew angereisten Mutter und seiner Frau im Ziel in Empfang genommen worden war. «Oschersleben ist nicht meine Lieblingsstrecke, aber ich habe versucht, sie zu mögen. Klar hatten wir auf das Ergebnis gehofft. Und es war perfekt. Pole-Position, Rundenrekord und der Doppelsieg.» Damit ist Mikhalchik auch wieder erfolgreich zurück im Kampf um die Meisterschaft.


Bálint Kovács hatte beim gemeinsamen Test mit seinen Kollegen im Vorfeld des IDM-Wochenendes schon ordentlich rangeklotzt und strahlte am Freitagabend übers ganze Gesicht. «Ein Super-Tag», freute er sich. «Ich war die ganze Zeit vorne mit dabei, mit der drittbesten Zeit im Superpole Pre-Practice, und ich habe mich direkt für die Superpole 2 qualifiziert. Ich hatte ehrlich gesagt noch nie so einen guten Freitag in der IDM. Es hat einen großen Unterschied gemacht, die Strecke und das Motorrad vorher zu testen.» Am Samstag schlug sich der Ungar ebenfalls wacker und durfte sich nach der Superpole über den vierten Startplatz freuen.

Diesen Platz in der zweiten Reihe nutze Kovács im ersten Rennen dann perfekt. Auch wenn sein Teamkollege Ilya Mikhalchik und Florian Alt an der Spitze ihr eigenes Ding machten, setzte sich Kovács in der Verfolgergruppe gekonnt durch, obwohl es anfangs zu kleineren und größeren Rangeleien mit der Konkurrenz kam. Am Ende fackelte der BMW-Pilot nicht lange und ließ den Rest der Verfolgergruppe hinter sich, fuhr das Rennen fehlerlos zu Ende und jubelte im Ziel mit Rang 3 über sein erstes IDM-Podium. «Der Wahnsinn», so seine Zusammenfassung. «Ich kriege das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Durch den Test bin ich gut ins Wochenende gestartet. Von Platz 4 ins Rennen zu gehen, macht die Sache natürlich leichter. Am Ende war das Reifen-Management der Schlüssel, das habe ich gut hinbekommen.» Und der Ungar hatte Geschmack an der Podiumsfeier gefunden. «Nach Platz 3 im ersten Rennen bin ich jetzt ruhiger», meinte er noch in der Startaufstellung für Rennen 2. «Alles, was jetzt noch kommt ist ein Geschenk.» Das Geschenk in Form eines weiteren Pokals macht sich der BMW-Pilot dann selbst. Er reihte sich nach dem Start in die Spitzengruppe ein, behauptete sich gekonnt gegen die Angreifer und landete im Ziel erneut auf Rang 3. «Einfach verrückt», so der feierfreudige Ungar. «Von Anfang an der Spitze mitfahren und mit Ilya und Florian Alt fighten ist schon nochmal was anderes. Der gute Startplatz hat es dieses Wochenende ausgemacht. Ich bin happy.»


Philipp Steinmayr hatte sich wie auch seine Teamkollegen beim zweitägige Oschersleben-Test intensiv auf das IDM-Wochenende vorbereiten können. «Es war echt gut, mal zum Fahren zu kommen», urteilt der Österreicher. «Vor allem in Anbetracht der durchwachsenen Wettervorhersage für das IDM-Wochenende muss man immer damit rechnen, dass die eine oder andere Session verloren geht. Die gröberen Baustellen sind bei mir selbst. Fahrerisch gibt es hier und da noch was zu holen und an dem werde ich arbeiten.»

Zuversichtlich war der Österreicher in das IDM-Wochenende gestartet und wider den Vorhersagen spielte sogar das Wetter mit. Der Freitag ging gut los uns auch der Samstag verlief für Steinmayr halbwegs zufriedenstellend. «Endlich hatten wir mal einen Schritt nach vorne gemacht», berichtet Steinmayr. «Im Zeittraining wollte ich mit den gebrauchten Reifen nicht zu viel riskieren.» Als er dann mit den neuen Reifen ausrückte, verlief das Training nicht ganz fehlerfrei und wurde mit einer roten Flagge früher beendet als geplant. Für Steinmayr blieb Startplatz 15. Mit den Plätzen 14 und 17 in den Rennen war er dann auch nicht happy. «Am Sonntagmorgen spielte das Wetter nicht ganz mit», beschreibt er, «und mir war klar, dass es von dem Startplatz aus schwierig werden würde. Der erste Start war noch gut, aber ich hatte sehr zu kämpfen, da ich Null Grip hatte, von Anfang an. Ich konnte meine Linie nicht fahren und kam nirgends vorbei. So blieb ich dahinten hängen.» Mehr Grip kam durch die Änderungen fürs zweite Rennen, doch dadurch entstanden neue Probleme. Abhaken und nach vorne schauen, das ist nach dem durchwachsenen Wochenende die beste Lösung für den BMW-Piloten.


Max Schmidt hatte sich nach dem Oschersleben-Test in der Vorwoche der IDM-Runde noch ein paar kleinere Arbeiten vorgenommen. «Das Motorrad steht ganz gut da», versicherte er vor den ersten Kilometern im IDM-Training, «am Grip gibt’s noch ein bisschen was zu tun.» Über den kleinen Umweg über die Superpole 2 schaffte der Student gekonnt den Sprung in die Superpole 1, wo es am Samstag um die besten Startplätze ging. Der BMW-Pilot konnte im Abschlusstraining nochmals nachlegen und eroberte sich die elfte Startposition für die beiden Rennen am Sonntag.

Beim ersten Rennen am Vormittag machte den Fahrer noch leichter Nieselregen das Leben schwer. Der war zwar zum Nachmittag verschwunden, aber dafür blies der Wind um so kräftiger. Wirklich ergiebig wurde Schmidts Punkteausbeute in Oschersleben nicht. Im ersten Rennen biss er sich noch tapfer durch und ergatterte für Platz 13 drei Meisterschaftspunkte. Dicker kam es in Lauf 2. Da kam Schmidt nämlich gar nicht erst im Ziel an. Er war gestürzt und damit das Rennen für ihn vorzeitig beendet. «Es ist suboptimal gelaufen», so der Bericht eines nicht ganz leichten Oschersleben-Wochenendes. «Prinzipiell war es nicht so schlecht. Aber meine Starts waren leider nicht so gut. Dann hing ich in hinten in einer Gruppe fest. Im ersten Rennen konnte ich mich nach vorne kämpfen, die Lücke weiter nach vorne entsprechend groß. Eigentlich wäre deutlich mehr möglich gewesen. Im zweiten Rennen war der Start etwas besser, aber auch nicht das Gelbe vom Ei. Dann hing ich hinter zwei Yamaha fest. Meine Pace war besser, ich kam gut hinterher, aber eben nicht vorbei. Dann setzt ich mich direkt hinter Thomas Gradinger, um vor der nächsten Kurve anzugreifen. Doch da verzögerte er beim Anbremsen länger als von mir erwartet. Ich habe sein Heck touchiert und bin oben drüber geflogen.» Unterkriegen lässt sich Schmidt nicht. «Weitermachen», seine Devise.

Weitermachen ist auch die Devise des Teamchefs und einem Teil seiner Mannschaft, für die es von Oschersleben direkt weitergeht zum Langstrecken-WM-Lauf in Belgien. Die IDM ist vom 21. – 23.Juni wieder dran, dann mit Wochenende Nummer 3 im tschechischen Most.


Schwieriges Wochenende mit Lichtblicken für das GERT56 Team in der Motorsport Arena Oschersleben

In der Motorsport Arena Oschersleben, dem motorsportlichen Wohnzimmer von GERT56, fand am Wochenende die zweite Saisonstation der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) 2024 statt. Toni Finsterbusch und Jan-Ole Jähnig konnten mit ihren BMW M 1000 RR Maschinen satt punkten. Für Patrick Hobelsberger avancierte das Wochenende zum Desaster. 

Ein Wochenende zum Vergessen für Patrick Hobelsberger #52
Foto: Jens Hawrda

Als sich über der Motorsportarena Oschersleben dunkle Wolken vor dem IDM-Wochenende zusammenzogen, musste man mit dem Schlimmsten rechnen. Wettertechnisch blieb das Chaos aus, doch bei der GERT56 Truppe aus dem sächsischen Pirna schlug gleich mehrfach der Blitz ein. 

Patrick „PAX“ Hobelsberger war als Meisterschaftsführender und mit guten Testzeiten im Gepäck voller Optimismus in die Börde gereist. Nach Platz sechs in Rennen 1 und einer Disqualifikation im Nachmittagsrennen reiste er aber auch mit nahezu leeren Händen wieder ab. Nicht nur die Meisterschaftsführung war dahin, auch der Abstand von 20 Punkten zu Vorjahressieger Alt ist schon mal eine Herausforderung.

Bereits im FP1 schlug es kurz ein, als der Bayer Hobelsberger von der Strecke abkam und ihm eine durchgeweichte Stelle zum Verhängnis wurde. Die Schäden waren überschaubar, doch in FP2 traten an seiner BMW M 1000 RR erste technische Probleme auf. Seine Crew rund um den technischen Leiter Ronny Schlieder wechselten daraufhin alle Teile wo Benzin und Strom durchfließen: Einspritzung, Benzinpumpe und Kabelbaum. Danke an dieser Stelle an das Team RR SOCIA Racing für die uneigennützige Hilfe bei den Teilen. Als es dann zum Superpole Pre-Practice ging, stimmte die Performance mit Platz vier wieder. Doch Hobelsberger verwandelte das Sportgerät kurz vor Ende der Sitzung in einen veritablen Schrotthaufen. Eingangs der ehemaligen Shell-Esses hatte er den Vorderreifen ein wenig überpusht und das Vorderrad war ihm weg gerutscht. Das Superbike aus München wurde in Richtung Erdumlaufbahn geschickte. Das verschaffte den Mechanikern von GERT56 keine schlaflosen Nächte, aber einen späten Feierabend.  Mit Platz fünf für Toni Finsterbusch und Platz sieben für Jan-Ole Jähnig schloss man diesen anstrengenden Tag versöhnlich ab und hatte alle drei Piloten direkt in der Superpole 2. Erstes Ziel erfüllt!

Was darauf folgte war die 15-minütige Superpole am Samstag. Während sich ein bestens aufgelegter Routinier Finsterbusch grandios in die erste Startreihe katapultierte, konnte man sich auch über den Altenburger Jähnig freuen, der mit viel Einsatz sein bisher bestes Trainingsergebnis mit Rang fünf herausfuhr. 

Bei Hobelsberger nahm Drama Teil 2 seinen Lauf. Aufgrund des Sturzes fehlte ein neuer Reifen und so fuhr er die Session mit einem gebrauchten Pneu und 26-iger Rundenzeiten an, wechselte zur Halbzeit und wollte dann wieder auf die Strecke. Seine Maschine sprang nicht sofort an und als er dann endlich auf seiner schnellsten fliegenden Runde war, schaltete der Rennleiter für ein entfernt im Kiesbett liegendes Motorrad und einen unverletzten Fahrer rot und brach die Session ab. Ergebnis war ein 14. Startplatz für beide Rennen und Unverständnis für die diese Entscheidung bei Fahrer und Team. In Rennen 1 am Sonntagvormittag kämpfte sich Pax bis auf Rang sechs vor. Getoppt wurde das aber durch eine grandiose Leistung von Jähnig, der sich mit Platz vier nicht nur in den Top-10 etablierte, sondern sauber in Richtung Podium arbeitet. Der zehnte Platz von Finsterbusch läuft ganz klar unter „Shit Happens“. Erst hat es den SCX Reifen aufgefressen und dann der Rest den Toni. Fazit: Schadensbegrenzung Pax okay, Toni so naja und JO sehr geil!

Dann der zweite Lauf. Hobelsberger landete nach Frühstart am Anfang auf Platz fünf, doch für das Start-Vergehen gab es eine Double Long Lap Penalty. Hobelsberger fuhr die erste Strafe ab und hielt Platz fünf, bei der zweiten Strafe kam er noch als Siebter zurück auf die reguläre Linie. Doch ein Mitbewerber war in diesem Sektor gestürzt und unter gelb ist die Absolvierung der Long Lap Penalty gesperrt. Dieser Passus war aufgrund der Seltenheit weder Team noch Fahrer bekannt. Und so nahm das Unheil seinen Lauf. Mit der nochmaligen Aufforderung zu einer weiteren LLP konnte Hobelsberger nichts anfangen. Damit wurde ihm eine Durchfahrtstrafe und schließlich die schwarze Flagge und damit null Punkte aufgebrummt. Ein völlig frustrierter Hobelsberger reist nun mit 19 Punkten Rückstand nach Most, hat aber beim Einsteigen ins Wohnmobil zu einer Aufholjagd in Most eingeladen.

Finsterbusch zeigte in Rennen zwei mit dem richtigen Reifen sein Potential, war lange in Kontakt mit der Spitze und bestätigte sein Vorjahresergebnis mit einem hervorragenden vierten Rang. Jan-Ole Jähnig war aber der herausragende GERT56-Pilot an diesem Wochenende. Im Vorjahr noch ohne Punkte aus Oschersleben abgereist, fuhr er 2024 in Rennen zwei mit Rang sechs eine weitere Top-Platzierung ein. Finsterbusch mit seiner Erfahrenheit und Konstanz und Jähnig mit seiner Unbekümmertheit sind nicht nur außerordentliche Rennfahrer, sondern auch starke Charaktere und Teamplayer, standen sie doch in diesen schwierige Stunden ihrem Teamkollegen Hobelsberger zur Seite!

Nach vier von 14 Rennen liegt Hobelsberger in der Meisterschaft auf Rang vier und hat 51 Punkte auf dem Konto, 19 weniger als Leader Alt. Teamkollege Finsterbusch ist mit nur einem Zähler weniger als Hobelsberger Fünfter. Jähnig ist Siebter und hat 36 Zähler auf dem Konto. 

Stimmen zum Rennwochenende

Patrick Hobelsberger:

„Ich habe fast keine Worte dafür, was am Sonntag passiert ist, das zweite Rennen war einfach nur ein Drama. Am Start habe ich einen Fehler gemacht und bin klar mit einem Frühstart losgefahren. Ich habe auf das Board gewartet, damit ich die Double-Long-Lap-Penalty antreten kann und bin dann auch zwei Mal da durch gefahren. Doch das Board blieb draußen und ich wusste nicht warum. Eine meiner LLPs habe ich wohl unter einer gelben Flagge in Turn 1 gemacht. Anstatt mir zu zeigen, dass ich noch mal eine LLP fahren muss, blieb das Board von Anfang an unverändert und hängen. Woher sollte ich wissen, dass ich dort noch mal durch soll? Soll ich mir bei 280 das Reglement durchlesen und schauen, warum das so ist? Sie haben mir dann eine Ride-Through-Penalty gegeben und mich schließlich disqualifiziert, weil ich weiter gefahren bin. Sie haben den Meisterschaftsführenden wegen einer nicht korrekten Long-Lap-Penalty aus dem Rennen genommen. Und das in der letzten Runde des Rennens, ohne mir die Möglichkeit zu geben, das Rennen zu Ende zu fahren und mich erklären zu können. Dann hätte man mich auch nachträglich noch bestrafen können, wie Florian Alt am Sachsenring mit drei Positionen zurück oder so. Warum gab es keine Zeitstrafe? Mir wurde das Rennen ganz am Schluss aus den Händen gerissen und ich konnte nichts dafür und muss nun null Punkte akzeptieren. Mir fehlen die Worte. Einen jungen Racer, der sein ganzes Leben, seine ganze Energie und Motivation in diesen Sport steckt, um weiter nach vorn zu kommen, macht mich einfach sprachlos. Warum soll ich nächste Woche wieder 110 Prozent in alles investieren? Warum soll ich weiter so hart trainieren und ständige Entbehrungen hinnehmen? Wenn dann Rennen so entschieden werden, ohne die Chance sich zu rechtfertigen und man einfach disqualifiziert wird. Nach zwei richtig heftigen Stürzen, habe ich mich das ganze Wochenende durch die Schmerzen gekämpft. Ich habe nie aufgegeben und dann steht da so ein Resultat auf dem Zettel, welches weder das Team, noch ich verdient haben und was auch nicht den ganzen Erfolgswillen von uns allen gerecht wird. Ich weiß, wo ich hingehöre und wir kommen zurück!“

Toni Finsterbusch:

Mit meinem Qualifying und Platz drei war ich sehr zufrieden, denn ich habe die Runde allein und ohne mich ziehen zu lassen gefahren. Klar, ich habe natürlich auch etwas vom Pech von Pax profitiert. Im ersten Rennen ist mir leider nach acht Runden komplett der Hinterreifen eingegangen, da wissen wir auch nicht warum. Freitag/Samstag sind wir 18 Runden darauf gefahren und da sah er gut aus. Ich bin dann von Platz drei ab Rennmitte wie ein Stein auf Platz zehn durchgereicht worden. Rennen zwei war deutlich besser, ich habe mich vor dem Start allerdings dazu entschieden doch auf den SC0 Reifen zu gehen, einfach aus Sicherheit. Am Anfang konnte ich gut vorn mithalten und war auch paar Mal in Führung. Auf den letzten Runden hatte ich dann mit meinem Arm zu kämpfen, als Ilya vorbei kam. Ich hatte auch ein paar Warnsignale und da habe ich lieber die Punkte für Platz vier mitgenommen. An sich bin ich mit dem Wochenende zufrieden, wenn auch sicherlich mehr drin gewesen wäre. 

Jan-Ole Jähnig:

Das Wochenende verlief alles in allem viel besser als erwartet. Ich war da relativ skeptisch ran gegangen, weil es letztes Jahr eigentlich unter aller Sau lief. Dieses Jahr sind wir einen Tag testen gewesen vorher und sind dann auch gut ins Wochenende gekommen. Das Wetter war ja dann aber viel besser, als vorher gesagt. Mit P5 im Qualifying war ich mega-happy. Aber dann natürlich auch sehr aufgeregt, so aus Reihe zwei. Im ersten Rennen habe ich einen Super-Start erwischt und ich konnte mich als Dritter einsortieren und vorn eine Weile mit fahren. Dann ist ein bisschen eine Lücke aufgegangen und ich habe noch ein paar kleine Fehler gemacht und hatte hart zu kämpfen. Das hat aber echt Spaß gemacht. Das war echt ein gutes Rennen, auch wenn wir das Podium nicht erreicht haben. Im zweiten Rennen habe ich keinen guten Start erwischt und bin auch nicht in meinen Rhythmus gekommen. Am Ende war es dann trotzdem Platz sechs und wir haben ordentlich Punkte mitgenommen. Schauen wir jetzt mal, was in Most geht. 

Karsten Wolf: 

Wer jetzt glaubt, ich beginne mit den Vorgängen von Rennen zwei der irrt gewaltig. Es ist schon schlimm genug, wenn die Ereignisse einen entfesselt fahrenden Jan-Ole Jähnig, der gemeinsam mit seiner Abteilung eine Entwicklung nimmt, die ihn, das Team und die Fans Gleichmaßen erfreut. Der Kontakt zur Spitze in der IDM ist da und nun gilt es sich in dieser Spitze zu etablieren, sie zu studieren und sie dann mit seinen von Talent gesegneten Fähigkeiten zu schlagen. 

Wie wichtig ein Toni Finsterbusch für das Team ist, können vielleicht Außenstehende gar nicht einschätzen. Wie er mit seinen Top Platzierungen seine individuelle Stärke zeigt, aber auch ohne Helm seine jungen Team-Mates stabilisiert, ist faszinierend. Meinungsstark und gefühlvoll zugleich ist er mit allen Mannschaftsteilen im Austausch, ist ansprechbar für Fans, Partner und Sponsoren und nachdem er sicher schon viel in seinem Leben gewonnen hat, ist seine neue Leichtigkeit für alle ein Gewinn. Als es bei der Anreise regnete, kamen viele andere schimpfend entgegen, worauf ich erwiderte: „Geil, es ist Finsterbusch Wetter!“. Ich lege mich fest. Er wird in diesem Jahr noch Rennen gewinnen.

Im Bericht steht ja nun, was passiert ist und ich soll das jetzt bewerten. Was soll ich sagen? Etwas politisch Korrektes, damit uns in Zukunft keine Nachteile entstehen? Das nimmt mir mein Team nicht ab und widerspricht meinen Werten. Vielleicht das, was die Fans und die sozialen Medien in ihre Aufgeregtheit hören wollen? Dem würden vielen Fakten und Informationen fehlen, die wir ja als Betroffene vor Ort haben und es würden einigen Personen und ihren Bemühungen nicht gerecht werden. Die Frage ist doch: Wird das Reglement mit seinen Auslegungen und die Möglichkeiten die, die Rennleitung hat, dem gerecht, was die Fahrer und Team zu leisten imstande sind?

Frühstart unser Fehler! Bestrafung DLLP völlig in Ordnung. Beide sofort angetreten innerhalb von fünf Runden, davon die letzte unter gelb in diesem Sektor – unser Fehler - Punkt! Eine LLP unter gelb zieht eine weiter LLP innerhalb von 3 Runden nach sich. Doch jetzt kommts. Klar wird das Schild DLLP weiter rausgehalten, doch wie soll der Fahrer erkennen, dass er einen Fehler gemacht hat und nochmal durch die Kurve muss und wie soll ihm das Team das in dieser kurzen Zeit mitteilen. Die darauf folgende Durchfahrtsstrafe mit anschließender schwarzer Flagge bewerten das Nichtnochmalige Antreten der LLP als Absicht. Was für ein Schwachsinn, denn seine zwei gefahrenen LLP haben ihm gerade zwei Plätze gekostet und auch eine dritte hätte ihn im Spiel um eine Top Platzierung gehalten. Man unterstellt ihm also diese Absicht, nachdem er schon zweimal durchgeballert ist, nimmt ihn aus dem Rennen, alle Punkte und greift aktiv in den Meisterkampf ein. Jeder der mich kennt, weiß, dass wir nach Siegen richtig feiern können, bei Niederlagen auf der Strecke uns aber stets fair und anständig zur Sache und zu unseren Mitbewerbern positionieren. Klar gibt es ein Reglement und darin finden sich Regularien, zu denen wir uns vollumfänglich bekennen. Es ist aber, wie mit allen Gesetzeswerken: sie sind weder vollumfänglich und einige Formulieren lassen Deutungsspielraum. Für diesen Bereich sagt das Reglement: „…oder eine Ersatzstrafe durch den Race Director…“.

Meines Wissens gab es in 2023 in beidem Premiumklassen SSP/SBK weder eine LLP, noch eine DLLP und schon gar keine LLP unter gelb. Selbst der Rennleiter spricht von einem seltenen Ereignis. Hier den Deutungsspielraum zu nutzen, eine Ersatzstrafe zu verhängen (+LLP-Zeit dazu nach Rennende), um dann alle Teilnehmer im nächsten Briefing darauf aufmerksam zu machen wäre Ansatz eins. Ansatz zwei wäre, technische Möglichkeiten zu schaffen, um Fahrern und Teams einen fehlerhafte LLP geeignet und sicher zu kommunizieren. Dafür würde man sicher schnelle gemeinsame Wege finden. 

Basis für unseres Engagements mit GERT56 war immer auf Plattformen zu fahren, wo Gleichbehandlung aller Wettbewerber oberstes Gebot ist. Dieses Gefühl haben wir aktuell aufgrund verschiedener Vorkommnisse bei der IDM und ihrem permanenten Race Director nicht. Sollte dies am Ende der Saison immer noch so sein, gilt es daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen.