Freitag, 14. August 2020

Neun Siege in Folge: Audi RS 5 DTM auf Rekordkurs

  •  Audi in der DTM seit einem Jahr ungeschlagen
  • Lausitzring nächster Schauplatz mit vier Rennen an zwei Wochenenden
  • Jamie Green mit drei Siegen erfolgreichster DTM-Pilot auf dem Lausitzring

Vor einem Jahr am Lausitzring: Renè Rast vor Nico Müller (beide Audi RS 5 DTM)
Foto: Jens Hawrda

Seit dem 11. August 2019 ist Audi in der DTM ungeschlagen. Nach der eindrucksvollen Vorstellung des Audi RS 5 DTM beim Saisonauftakt in Spa geht es in der Tourenwagen-Rennserie mit vier Rennen auf dem Lausitzring weiter. Dort siegte Audi in der DTM schon neunmal und feierte im vergangenen Jahr einen ganz besonderen Triumph.

Im 500. Rennen der DTM-Geschichte sicherte sich Audi 2019 auf dem Lausitzring mit einem Fünffachsieg am Sonntag schon vier Rennen vor Saisonende vorzeitig den Herstellertitel, Gleichzeitig kamen alle acht Audi RS 5 DTM unter die besten neun – eindrucksvoller kann man „Vorsprung“ kaum verdeutlichen. 

„Der Lausitzring ist eine Strecke, auf der wir in der Vergangenheit immer ganz gut zurechtgekommen sind“, sagt Audi-Motorsportchef Dieter Gass. „Ich gehe davon aus, dass die Abstände nicht so groß sein werden wie in Spa und es spannender wird. Ich denke aber, dass wir mit unserem derzeitigen Paket überall gut aussortiert sind.“ Das unterstreichen (saisonübergreifend) neun Pole-Positions und neun Siege in Folge für den Audi RS 5 DTM – beides neue Bestmarken in der DTM. 

Der Lausitzring ist seit seiner Eröffnung im Jahr 2000 Bestandteil der Rennserie und war schon Schauplatz vieler spannender und teilweise auch kurioser DTM-Rennen.

Beim ersten Lausitzring-Einsatz nach dem werkseitigen Comeback in der DTM feierte Audi 2004 mit dem A4 DTM gleich einen Sieg. Mattias Ekström wurde allerdings erst nachträglich zum Sieger erklärt, nachdem Gary Paffett wegen einer zu geringen Restmenge Benzin im Tank seines Mercedes-Benz aus der Wertung genommen wurde. 

Ekström und Paffett waren ein Jahr später die Hauptdarsteller eines der spannendsten Duelle der DTM-Geschichte. Die beiden fuhren praktisch das ganze Rennen Stoßstange an Stoßstange um den Kurs. Obwohl Paffett schneller war, gelang es dem Briten nicht, Ekström zu überholen – Überholhilfen wie Push-to-Pass oder DRS gab es in der DTM damals noch nicht.

2006 gab es erneut eine „Benzinkrise“ – dieses Mal bei Mattias Ekström. Der Schwede kämpfte um den Sieg, als er zwei Runden vor Rennende stehenblieb. Ein Problem mit der Tankkanne sorgte beim zweiten Boxenstopp dafür, dass Ekström in der Schlussphase nicht mehr genügend Benzin hatte, um das Rennen zu beenden. Später wurde das Nachtanken in der DTM aus Sicherheitsgründen verboten, weil es immer wieder zu gefährlichen Zwischenfällen kam.

2007 erlebten die Zuschauer am Lausitzring die totale Konfusion, als sich das Safety-Car nicht vor den Spitzenreiter setzte, sondern mitten ins Feld fuhr. Zudem funktionierte die Ampel an der Boxenausfahrt nicht, wodurch mehrere Fahrer eine Runde gewannen. Das Rennen wurde trotzdem gewertet.

2010 verlor Audi in der Startrunde seine in der Meisterschaft bestplatzierten Autos durch eine markeninterne Kollision. Auch dieser „Albtraum“ führte dazu, dass Audi trotz zahlreicher Podiumsergebnisse sechs Jahre lang auf den nächsten Sieg in der Lausitz nach 2005 warten musste. Den machte Martin Tomczyk in der Saison 2011 perfekt – ein wichtiger Schritt zum späteren Titelgewinn des Deutschen mit einem zwei Jahre alten Audi A4 DTM.

2015 gelang Audi in der Lausitz ein ähnlich dominantes Wochenende wie zuletzt in Spa: Vierfachsieg am Samstag, Fünffachsieg am Sonntag. Hauptdarsteller: Jamie Green, der beide Rennen gewann. Besonders eindrucksvoll war sein Triumph im Samstagsrennen: Der Brite war gesundheitlich angeschlagen und konnte kaum sprechen, weshalb die Kommunikation über Funk mit seinem Team erschwert war. Zudem funktionierte das Drag-Reduction-System (DRS) an seinem Auto nicht. 2017 siegte Green ein drittes Mal auf dem Lausitzring und ist damit der erfolgreichste aller aktiven DTM-Piloten auf der ostdeutschen Rennstrecke. 

Seinem Teamkollegen René Rast gelang 2017 auf dem Lausitzring in seinem erst sechsten DTM-Rennen das erste Podium. Ein Jahr später überstand er einen spektakulären Überschlag mit seinem Audi RS 5 DTM unverletzt. „Der Unfall sah von außen schlimmer aus, als ich ihn im Auto wahrgenommen habe“, sagt er. „Dass ich im zweiten Rennen am Sonntag nicht starten konnte, hat mich aber 2018 möglicherweise den Titel gekostet. Schließlich haben am Saisonende nur vier Punkte gefehlt.“ Ohne den unfreiwilligen Salto in der Lausitz wäre Rast heute vielleicht schon dreimaliger DTM-Champion.

2019 schied der Deutsche auf dem Lausitzring im ersten Rennen in Führung liegend wegen eines technischen Problems aus. 24 Stunden später siegte er souverän. Der amtierende Champion weiß die positiven Seiten des Lausitzrings zu schätzen: „Die Strecke bietet alles, was man als Rennfahrer braucht: langsame Kurven, schnelle Kurven und eine lange Gerade, auf der man mit DRS und Push-to-Pass gut überholen kann. Deshalb gibt es auf dem Lausitzring meistens sehr gute Rennen.“

Gleich zwei Wochenenden in Folge ist die DTM auf dem Lausitzring zu Gast. Am 15. und 16. August wird der 3,478 Kilometer kurze Sprintkurs genutzt. Die Rundenzeiten auf der 4,570 Kilometer langen Streckenvariante, die am 22. und 23. August verwendet wird, sind rund 20 Sekunden länger. „Auf der kurzen Variante sind wir zuletzt 2017 gefahren“, sagt Lausitzring-Experte Jamie Green. „Sie bietet nicht so viele Überholmöglichkeiten wie die längere Variante, die wir eine Woche später fahren – also kommt es noch stärker auf die beiden Qualifyings an, um sich mit guten Startpositionen seine Chancen in den Rennen zu sichern.“

Stimmen – Vorschau DTM Lausitzring

 

Foto: Jens Hawrda

Gerhard Berger, 1. Vorsitzender ITR e. V.
„Jetzt geht es Schlag auf Schlag in der DTM. Drei Rennen im Doppelpack auf dem Lausitzring, auf dem Nürburgring und in Zolder – das verlangt Fahrern und Teams Einiges ab. Wie jede andere Sportart auch, vermissen wir natürlich die Zuschauer, unsere Fans. Umso größer ist die Freude darüber, beim vierten DTM-Lauf in Assen wieder Besucher begrüßen zu dürfen. Wir können die Rückkehr der Fans kaum erwarten, denn sie machen das einzigartige Flair der DTM aus. Und wir arbeiten hart daran, dass sich die Tribünen auch auf anderen Rennstrecken wieder öffnen.“

 
Mike Rockenfeller, Audi Sport Team Phoenix
„Ich habe jede einzelne Runde in Spa genossen, und ich bin super happy, dass die DTM-Saison gestartet ist. Endlich wieder Rennen – und das ab jetzt fast an jedem Wochenende. Das bringt auch für mich neue Erfahrungen. Mein Team und ich bleiben die ganze Woche an der Rennstrecke. Es gibt viel zu tun, an den Autos und mit den Ingenieuren. Der Lausitzring ist knifflig und nicht mein Favorit unter den Rennstrecken. Aber beide Streckenvarianten sind gut zum Überholen. Persönlich finde ich die lange Version etwas schöner. Nach dem es in Spa für mich nicht ganz nach Plan gelaufen ist, hoffe ich, dass wir die richtigen Schlüsse gezogen haben. Ich glaube, es wird in jeder Beziehung ein heißes Wochenende.“

 
Lucas Auer, BMW Team RMR
„Zum Lausitzring habe ich eine spezielle Verbindung. Mit meinem damaligen Team von Peter Mücke habe ich viel auf dieser Rennstrecke getestet, mit der Formel 3 und mit Tourenwagen – und meinen ersten DTM-Sieg gefeiert. Ich mag beide Varianten, auf beiden ist Überholen gut möglich, vor allem auf der längeren Strecke. Nach Spa war ich grundsätzlich zufrieden, Qualifyings und Rennen sind für mich ganz gut gelaufen. Aber alle BMW waren nicht schnell genug, daher arbeiten wir im 24/7-Modus, um uns zu verbessern. Ich glaube, dass der Freitag mit zwei Freien Trainings sehr wichtig für uns sein wird.“

 
Fabio Scherer , WRT Team Audi Sport
„Durch die Eau Rouge mit Vollgas zu fahren, ist immer etwas Spezielles. Wenn man das Auto optimal positioniert, nimmt man viel Schwung mit für die Bergauf-Gerade. Dass ich in Spa den DTM-Geschwindigkeitsrekord geknackt habe, habe ich erst nach dem Rennen erfahren. Nach meinem Umstieg von den Formel-Autos habe ich beim ersten Tourenwagen-Rennen sehr viel gelernt und beinahe sogar die ersten Punkte geholt. Es ist noch einiges Potential vorhanden. Dass es am Lausitzring wieder den Trainings-Freitag gibt, kommt mir entgegen. Als DTM-Rookie sind alle Rennen für mich eine neue Herausforderung.“

Novum in der DTM: Doppeltes Wochenende auf dem Lausitzring

  • 14.–16. August: Schlagabtausch zwischen Audi und BMW unter neuen Vorzeichen
  • Nur eine Woche später: wieder Lausitzring, andere Strecken-Variante
  • Nach dem Auftakt in Spa: Vizemeister Nico Müller und Audi erste Tabellenführer


Näher dran: SAT.1 und neue Streaming-Plattform grid.dtm.com liefern vielfältige Perspektiven
Der erste Double-Header der DTM steht unmittelbar bevor: Auf dem Lausitzring treffen die 640 PS starken Boliden von Audi und BMW am Wochenende (14. bis 16. August) zum zweiten Schlagabtausch aufeinander. Runde drei folgt nur eine Woche später an gleicher Stelle, allerdings auf einer anderen Strecken-Variante. Nach dem erfolgreichen Saisonauftakt der führenden Tourenwagen-Rennserie im belgischen Spa-Francorchamps gehen Vize-Meister Nico Müller (Schweiz) und Audi als erste Tabellenführer des Jahres an den Start. Zuschauer sind aufgrund der Corona-Pandemie auch in der Lausitz nicht erlaubt. Dafür überträgt SAT.1 die Rennen live und exklusiv im TV (Samstag und Sonntag jeweils ab 13:00 Uhr ) , die neue Streaming-Plattform grid.dtm.com liefert zudem faszinierende Bilder ausgewählter Sessions, unterschiedlicher Kameraperspektiven und Rahmenserien live und auf Abruf auf den heimischen Bildschirm und auch aufs Smartphone.

Foto: Jens Hawrda


Vizemeister Nico Müller und Audi erste Tabellenführer der DTM 2020


Wie ernst es Nico Müller mit seinen Titelambitionen meint, unterstrich der Audi-Pilot gleich beim Auftakt: Sieg im ersten, Platz zwei im zweiten Rennen. Mit 46 Punkten führt der 23-Jährige die Tabelle an, vor Titelverteidiger René Rast (39) und dem Briten Jamie Green (30). Aktuell belegen ausschließlich Werkspiloten des Ingolstädter Automobil-Herstellers die ersten sechs Plätze. BMW wurde auf dem Grand-Prix-Kurs in den Ardennen deutlich geschlagen. Aber die Münchner zeigten, dass sie in Sachen Zuverlässigkeit und Höchstgeschwindigkeit zugelegt haben.


Eine Frage der Abstimmung: Auf dem Sprintkurs ist optimale Traktion gefragt


Der Schlagabtausch zwischen Audi und BMW findet auf dem Lausitzring unter anderen Vorzeichen statt. In Spa zählte vor allem der aerodynamische Abtrieb, auf dem 3,478 Kilometer langen Sprintkurs in der Lausitz ist in den zahlreichen engen und eher langsamen Kurven in erster Linie mechanischer Grip erforderlich. Dazu kommen die berüchtigten Bodenwellen, die den Ingenieuren bei der Fahrwerksabstimmung ebenso einiges abverlangen wie Fahrern und Material während der Renndistanz.


Gab es schon auf dem Grand-Prix-Kurs in den Ardennen zahlreiche Überholmanöver im gesamten Feld, gilt der Sprintkurs bei Klettwitz südlich von Cottbus als Garant für spektakuläre Ausbremsmanöver. Spa setzte mit seinen ultraschnellen Kurven und Kompressionen den Reifen enorm zu. Der Lausitzring verlangt von den Einheitsreifen von Ausrüster Hankook aufgrund der hohen Traktion andere Qualitäten ab. Doch wie in Spa gilt: Nur wer sich seine Reifen über die Distanz gut einteilt und seine Fahrzeugabstimmung reifenschonend ausgelegt hat, wird mit Meisterschaftspunkten belohnt.


Lucas Auer: Punktbester BMW-Pilot mit zwei Lausitz-Siegen


Einer, der auf dem Lausitzring bereits zweimal ganz oben auf dem Treppchen stand, ist Lucas Auer. Der Österreicher feierte 2016 auf dem Sprintkurs seinen ersten DTM-Sieg, den er ein Jahr später prompt wiederholte. Der Lausitzring ist die Hausstrecke seines damaligen Teams Mücke aus Berlin. Für die Saison 2020 ist Auer in die DM zurückgekehrt. In Spa hat der 26-Jährige ein erstes Ausrufezeichen gesetzt und reist als punktbester BMW-Fahrer in den Osten, vor seinem Landsmann Philipp Eng, Sheldon van der Linde und Ex-Formel-1-Pilot Timo Glock.


DTM mit neuem Rekordwert: Tempo 302 auf dem GP-Kurs von Spa


Von den DTM-Rookies hat vor allem der junge Schweizer Fabio Scherer beim Saisonbeginn seine Visitenkarte abgegeben. Der 21-Jährige hatte die ersten Punkte scheinbar schon sicher auf dem Konto, doch dann ließen drei Runden vor Schluss die Reifen abrupt nach und das Punktekonto blieb vorerst leer. Trotzdem hat Fabio Scherer, der aus dem Formel-Sport in den Audi RS 5 DTM umstieg, bereits DTM-Geschichte geschrieben. Als erster DTM-Pilot durchbrach er auf dem GP-Kurs von Spa die 300-km/h-Mauer, am Ende des Tages wurde sowohl für Scherer als auch für Harrison Newey (Audi) und Philipp Eng (BMW) ein Höchstwert von 302 km/h gemessen.


Wenig Zeit, viel Arbeit: Teams und Fahrer bleiben am Lausitzring


Anders als der Auftakt in Spa, wo Training, Qualifyings und beide Rennen auf zwei Tage komprimiert wurden, ist der Lausitzring wieder ein DTM-Wochenende nach üblichem Muster – mit zwei Freien Trainings am Freitag, mit Qualifying und Rennen (Start jeweils 13:30 Uhr) jeweils am Samstag und Sonntag. Danach bleiben alle Teams und (fast) alle Fahrer bis zum nächsten Auftritt in der Lausitz. Während die Teams die spektakulären Tourenwagen mit ihrem ebenso kraftvollen wie effizienten Zweiliter-Turbomotoren in kürzester Zeit wieder auf Vordermann bringen, tüfteln die Fahrer neben ihrem üblichen Fitness-Programm zusammen mit Ingenieuren an den Abstimmungs-Verbesserungen für den 4,570 Kilometer langen Grand-Prix-Kurs, die technische Herausforderung für den dritten DTM-Auftritt.


Zuschauer beim vierten DTM-Lauf in Assen geplant


Auch auf dem Lausitzring muss die DTM ohne die unmittelbare Unterstützung durch Fans vor Ort auskommen. Doch die Dachorganisation ITR ist zuversichtlich, dass schon bald wieder Zuschauer auf den Tribünen für das stimmungsvolle DTM-Flair sorgen. Beim vierten Saisonrennen der DTM 2020 vom 04. bis 06. September im niederländischen Assen sind nach aktuellem Planungsstand am Samstag und Sonntag jeweils bis zu 10.000 Besucher (Tickets sind für 49 Euro über den DTM-Ticketshop tickets.dtm.com oder über die DTM-Tickethotline +49 1806 386 386 erhältlich) zugelassen. Weitere DTM-Events sollen diesem Beispiel folgen.

Donnerstag, 13. August 2020

WTCR-Champion Michelisz in der ADAC TCR Germany

  • Der Ungar startet im VIP Auto für das Hyundai Team Engstler
  • Gaststarter aus Polen und Schweden ergänzen das Feld
  • Nico Gruber reist als Führender der Gesamtwertung und der Honda Junior Challenge an

Foto: Jens Hawrda

Der WTCR-Champion gibt sich die Ehre, die Bäckman-Geschwister kehren mit dem einstigen Meisterteam Target Competition zurück und der Pole Szymon Ladniak ist als Gaststarter im VW Golf GTI TCR dabei: Die ADAC TCR Germany ist startklar für ihr zweites Rennwochenende der Saison auf dem Nürburgring (14. bis 16. August). Dabei können sich die Fans der Tourenwagenserie auf einen ganz besonderen Gaststarter freuen. Norbert Michelisz (36, Ungarn), 2019 Gesamtsieger des Tourenwagen-Weltcup FIA WTCR, startet im VIP Auto des Hyundai Team Engstler, also in einem 350 PS starken Hyundai i30 N TCR. SPORT1 zeigt beide Rennen der ADAC TCR Germany im TV, online sind die Läufe auf SPORT1.de, der Facebookseite der ADAC TCR Germany und auf adac.de/motorsport zu sehen.

"Es ist immer eine große Herausforderung, an einer neuen Meisterschaft teilzunehmen. Das gilt diesmal umso mehr, da ich die Sprintstrecke des Nürburgring-Grand-Prix-Kurses noch nicht gefahren bin", sagt Michelisz, der am Samstag und Sonntag seine ersten Rennen in diesem Jahr absolvieren wird: "Aber als Rennfahrer sucht man immer nach Herausforderungen und ich freue mich sehr über die Chance, an diesem Wochenende in der ADAC TCR Germany dabei zu sein."

Das Hyundai Team Engstler setzt sein VIP Auto seit dem vergangenen Jahr ein, 2019 triumphierte der viermalige Rallye-Vizeweltmeister Thierry Neuville (32, Belgien) bei seinem Gaststart auf dem Nürburgring. Bei den Rennen am Red Bull Ring war zudem Gabriele Tarquini, ehemaliger Formel-1-Fahrer und WTCR-Champion von 2018, dabei. Beim Auftaktwochenende dieser Saison Anfang August saß der Journalist Guido Naumann von AutoBild Motorsport im VIP Auto, weitere namhafte Fahrer werden im Laufe der Saison folgen.

Michelisz hat als Weltcupsieger natürlich den Anspruch, auch in der ADAC TCR Germany auf Anhieb mit der Spitze mitzuhalten. "Die ADAC TCR Germany ist eine der besten nationalen TCR-Meisterschaften und man hat in den vergangenen Jahren gesehen, dass die Fahrer, die dort ganz vorne mitfahren, auch in anderen, internationalen TCR-Serien erfolgreich sein können", meint der Ungar: "Ich erwarte harte Kämpfe auf der Strecke und ein sehr kompetitives Starterfeld. Mein Ziel ist es dennoch, mindestens ein Rennen zu gewinnen." An seiner Seite starten der Meisterschaftsführende Nico Gruber (18, Österreich) und Routinier Antti Buri (31, Finnland), also zwei Fahrer, die beim Auftakt auf Anhieb zu den schnellsten im Feld zählten.

Nach dem packenden Auftakt Anfang August auf dem Lausitzring verspicht auch das zweite Rennwochenende der Saison Hochspannung. Wie schlägt sich Michelisz im Hyundai i30 N TCR beim Kräftemessen in der ADAC TCR Germany? Kann der Meisterschaftsführende Nico Gruber an sein tolles Auftaktwochenende anknüpfen? Oder schlägt die Stunde der Konkurrenz um Antti Buri (31, Finnland), Harald Proczyk (44, Österreich, HP Racing International), Mike Halder (24, Meßkirch, Profi Car Honda ADAC Sachsen) und Dominik Fugel (23, Chemnitz, Profi Car Honda ADAC Sachsen)?

Mit frischem Selbstvertrauen nach seinem Sonntagssieg in der Lausitz und besten Erinnerungen an den Nürburgring reist Dominik Fugel in die Eifel. 2018 gewann der Honda Civic TCR-Pilot dort ein Rennen, und auch im vergangenen Jahr gehörte er zu den schnellsten Fahrern im Feld. "Ich gehe zuversichtlich in dieses Rennwochenende", sagt Fugel, der nach den ersten zwei von insgesamt 14 Rennen Platz drei der Gesamtwertung belegt: "Auf dem Nürburgring war ich immer schnell, die Strecke scheint auch dem Honda zu liegen."

Die Honda-Stärke auf dem Ring könnte auch Fugels Teamkollegen Mike Halder in die Karten spielen, der nach seinem durch einen defekten Kühler erzwungenen Aus im zweiten Lausitzringrennen auf Wiedergutmachung aus ist. "Wir wollen wieder das Maximum rausholen", sagt der Honda-Pilot, der sein fünftes Jahr in der ADAC TCR Germany natürlich mit dem Meistertitel krönen will.

Die Hyundai-Fahrer im Feld haben da natürlich etwas dagegen: Nicht nur Michelisz wird an diesem Wochenende im Hyundai i30 N TCR am Start sein, auch die Geschwister Andreas (24, Schweden) und Jessica (22, Schweden) Bäckman sitzen in einem Wagen des südkoreanischen Herstellers. Die beiden Schweden starten für Target Competition, jenem Team aus Südtirol, das 2016 und 2017 die Teamwertung gewonnen und mit Josh Files (29, Großbritannien) in diesen Jahren zudem den Meister gestellt hat.

Neu dabei an diesem Wochenende ist zudem Szymon Ladniak (17, Polen, GT2 Motorsport), der im VW Golf GTI TCR starten wird. Der 17-Jährige fuhr 2018 und 2019 im Renault Clio Cup Central Europe und plant weitere Gaststarts in der ADAC TCR Germany.

In der Honda Junior Challenge, deren Sieger am Saisonende einen neuen Honda Civic erhält, führt derzeit Nico Gruber. "Mein Fokus", sagt er, "liegt auf dem Gewinn der Honda Junior Challenge". Die von René Kircher (20, Hünfeld, Volkswagen Team Oettinger) angeführte Konkurrenz will dem Österreicher dort aber den Rang ablaufen und gibt sich längst nicht geschlagen.

Wie bereits beim Auftakt wird auch dieses Wochenende nach einem vom ADAC GT Masters entwickelten und behördlich genehmigten Hygiene- und Infektionsschutzkonzept durchgeführt. Eine limitierte Anzahl von Zuschauern kann die Rennen nach einem vom Nürburgring entwickelten Hygienekonzept live vor Ort verfolgen, Tickets sind ausschließlich online im Vorverkauf erhältlich.

IDM 2020: Auftakt in Assen mit großen Namen

Foto: Jens Hawrda

Die Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft (IDM) rollt wieder. Auch die Auswirkungen der Corona-Pandemie kann Deutschlands höchste Serie im Straßenrennsport nicht aufhalten. Zwar müssen wegen COVID-19 viele Sicherheitsauflagen erfüllt werden und die Saison wurde von acht auf vier Veranstaltungen gekürzt, dennoch haben sich so viele Teilnehmer angemeldet wie seit mehreren Jahren nicht. Die ersten Rennen finden vom 14. bis 16. August 2020 auf dem TT Circuit in Assen statt. 

Das Team der Motor Presse Stuttgart rund um Serienmanager Normann Broy hat ganze Arbeit geleistet. Der IDM-Auftakt in den Niederlanden wird ein Spektakel. Allein in der IDM Superbike 1000 haben sich 30 Fahrer angemeldet. Das ist ein Drittel mehr als im vergangenen Jahr. Wie hochkarätig die Topklasse mit den reichlich 200 PS starken und über 300 km/h schnellen Motorrädern ist, zeigt, dass sich Jonas Folger dazu entschieden hat, hier sein Renn-Comeback zu starten. Der ehemalige MotoGP-Pilot und Testfahrer tritt auf Yamaha für das Team Bonovo Action by MGM Racing an. Der GP-Star gilt im Vorfeld als Maß der Dinge und als Titelfavorit. Aber lässt sich Titelverteidiger Ilya Mikhalchik auf der S 1000 RR BMW des EGS-alpha-Van Zon-BMW-Teams davon beeindrucken? Der 23-jährige Ukrainer aus Kiew war in den letzten zwei Jahren nicht zu bezwingen und ist fixiert auf den maximalen Erfolg. Damit nichts dazwischen kommt, residiert er bis zum Herbst in Belgien in der Nähe der Teambasis. Er verzichtet auf Heimflüge nach Osteuropa, um so den Problemen möglicher Reisebeschränkungen aus dem Weg zu gehen. In Assen treffen die Konkurrenten erstmals aufeinander. 

Die Rechnung an der Spitze wird auch nicht ohne Julian Puffe (Honda), Erwan Nigon (Kawasaki), Bastien Mackels (Yamaha), Florian Alt (BMW) Daniel Kartheininger (Suzuki) sowie den einheimischen Kollegen Ricardo Brink (Yamaha) und Pepijn Bijsterbosch (BMW) gemacht. Was die Angelegenheit noch brisanter macht: Keiner darf sich einen groben Fehler leisten, denn zum Ausbügeln ist die Saison diesmal zu kurz. 

In der IDM Supersport 600 will Max Enderlein (Yamaha) den Titel verteidigen. Auch hier hat sich das Feld spürbar verdichtet und kommt aus ganz aus Europa. Die Superstock 600-Klasse, in der weniger geschraubt werden darf, aber bei getrennter Wertung im gleichen Feld mitfährt, wurde 2020 aufgewertet. Dem bisherigen Cup wurde der IDM-Status verliehen. 

Wer Kämpfe vom Feinsten sehen will, kommt auch an der Nachwuchsklasse IDM Supersport 300 nicht vorbei. In Assen tummeln sich 35 Teilnehmer am Start und alle wollen gewinnen. Das Einstiegsalter liegt laut FIM-Reglement bei 13 Jahren. Die kleinste IDM-Klasse mit einer Motorleistung um die 50 PS hat sich zum Bestseller entwickelt und nicht selten entscheidet die letzte Kurve über Sieg und Niederlage. 

Auch Stars wie der achtfache Sidecar-Weltmeister Tim Reeves haben die IDM für sich entdeckt. Der Multi-Champion misst sich in der 600 cm³-Kategorie mit Markus Schlosser, Bennie Streuer, Pekka Päivärinta oder Josef Sattler. Ein stattlicher Teil des Feldes aus der Sidecar-Weltmeisterschaft hat hier eine weitere Spielwiese gefunden. Obwohl in der WM ausschließlich 600 cm³-Antriebe erlaubt sind, ist die IDM auch immer noch offen für Sidecars mit 1000cm³-Motoren, die separat gewertet werden. Wird 2020 endlich das Erfolgsjahr für den Sachsen Mike Roscher? 

In Assen werden die Grundsteine im Kampf um die IDM-Titel gelegt, die schon manchen Weg in die Weltmeisterschaft ebneten. Pro Klasse stehen zwei Rennläufe auf dem Zeitplan. Einen Blick in den Breitensport gewährt das Rahmenprogramm der IDM. Hier fahren der Pro Superstock Cup und der Twin Cup um Punkte. 

Die Zuschauerränge an der Rennstrecke bleiben aufgrund der Corona-Bestimmungen in diesem Jahr unbesetzt, doch die Fans können alle Läufe per Livestream und Livetiming direkt miterleben. Unter dem Link www.idm.de/live werden am Samstag die Eröffnungsläufe den Klassen IDM Supersport 300, IDM Supersport 600 und IDM Superstock 600 übertragen. Ab 15:55 Uhr geht es Schlag auf Schlag. Am Sonntag beginnt die Primetime 12:00 Uhr. Zu sehen sind der Twin Cup, die Top-Klasse IDM Superbike 1000, der Pro Superstock Cup, die IDM Supersport 300, die beiden 600 cm³-Klassen sowie die Sidecars. Die Übertragungszeit von einer Dauer von fast fünf Stunden ist eine Hommage an alle Fans, die in diesem Jahr draußen bleiben müssen.