Mittwoch, 13. Juni 2018

Kurzinterview mit Lucas di Grassi

Lucas di Grassi
Foto: Audi Communications Motorsport / Michael Kunkel
Ihren Sieg haben Sie mit einem Sprung in den Zürichsee gefeiert. Sind die Klamotten schon wieder getrocknet vom Champagner und Wasser?

Ja, obwohl mir der Champagnerduft am Overall prinzipiell immer gut gefällt, war der Rennanzug inzwischen in der Waschmaschine. Aber das schöne Gefühl bleibt! Und mit ein paar Tagen Abstand und nachdem ich die ganzen Berichte gelesen habe, ist es vielleicht sogar noch größer geworden: So viele Jahre nach dem letzten Motorsportevent in der Schweiz dieses Rennen zu gewinnen, bedeutet mir sehr viel. Auch deshalb, weil es rundum ein so fantastisches Wochenende war.

Wird so ein Sprung jetzt zur Tradition bei Ihnen? Auch beim nächsten Rennen in New York liegt die Rennstrecke ja direkt am Wasser …

(lacht) Ich glaube, das lasse ich bei der starken Strömung des East River mal lieber bleiben und überlege mir etwas Neues. Aber im Ernst: Die kurze spontane Party, bei der nach mir ja auch noch Dieter Gass und Allan McNish in den See gesprungen sind, symbolisiert ganz gut, wie ausgezeichnet die Stimmung bei uns im Team ist: Wir arbeiten hart und konzentriert. Wir haben unser Ziel klar im Blick. Und gleichzeitig können wir bei Erfolgen auch kräftig feiern.

Nach drei Rennen noch Letzter, jetzt schon Dritter in der Meisterschaft, fünf Podiumsplätze hintereinander – kein anderer Pilot hat in den letzten fünf Rennen mehr Punkte geholt als Sie. Wie gut fühlt sich das an?

Solche Statistiken schaue ich mir immer mit gemischten Gefühlen an: Einerseits ist es natürlich toll, was für eine starke Serie wir als Team gerade hinlegen und welche Rekorde wir vielleicht aufstellen. Auf der anderen Seite denke ich auch manchmal: Was wäre, wenn für uns zu Saisonbeginn alles etwas glatter gelaufen wäre? Oder wenn wir auch noch das inzwischen abgesagte Rennwochenende in Montreal hätten, um weiter aufzuholen? Es ist aber müßig, zu viele Gedanken daran zu verschwenden. Wir konzentrieren uns jetzt voll auf die Zukunft und unser großes Ziel, den Teamtitel in der Formel E.

Den Rückstand auf Techeetah in der Teamwertung hat Ihre Mannschaft auf 33 Punkte verkürzt. Sie haben Erfahrung mit großen Aufholjagden am Finalwochenende. Was ist die Strategie für die beiden letzten Rennen in New York?

In der vergangenen Saison bin ich mit 23 Punkten Rückstand zu den beiden Finalrennen gekommen und konnte Sébastien Buemi noch überholen. Jetzt sind es 33 Zähler, die Daniel und ich an zwei Tagen gutzumachen haben – eine ganze Menge, aber nicht unmöglich. Unsere Konkurrenz wird in New York bestimmt stark sein, also müssen wir 48 Stunden lang den besseren Job machen.

Vor diesem Motorsport-Höhepunkt wartet mit der Geburt Ihres ersten Sohnes noch ein besonderes persönliches Erlebnis auf Sie. Was sind die Pläne für die nächsten Wochen?

Es steht noch ein wenig Testarbeit mit unserem Auto für die nächste Saison auf dem Programm, aber den Großteil der Zeit werde ich bei meiner Frau in Brasilien verbringen können. Ich bin superaufgeregt und freue mich auf die Geburt unseres Sohnes – und natürlich ebenso darauf, als frischgebackener Vater und topmotiviert nach New York zu kommen.

Lucas di Grassi: „Hart arbeiten, kräftig feiern“

  • Neuer Rekord in der Formel E: Audi-Pilot holt fünf Pokale in Folge
  • Lucas di Grassi kämpft sich auf Platz drei in der Meisterschaft vor
  • Alle Titelentscheidungen fallen erst am Finalwochenende in New York 

Seinen Sieg feiert Lucas di Grassi mit einem Sprung in den Zürichsee
Foto: Audi-Motorsport
Der Champion ist wieder da: Mit dem Sieg beim Formel-E-Rennen in Zürich hat sich Lucas di Grassi am Sonntag auf den dritten Platz in der Meisterschaft nach vorn gekämpft.  Im Kampf um die Krone in der Teamwertung der Formel E bleibt es unterdessen extrem spannend, die Entscheidung fällt erst bei den beiden Finalrennen in New York (14./15. Juli).

Es war 20:40 Uhr am Sonntagabend, als Lucas di Grassi nach seinem spektakulären Sieg endlich mit seinem Team feiern durfte. Zuvor hatte der Brasilianer einen kleinen Marathon aus Podiumszeremonie, Pressekonferenz, zahlreichen TV-Interviews und Dopingtest absolviert. Am Ufer des Zürichsees löste di Grassi dann sein Versprechen, das er seinen Mechanikern drei Tage zuvor gegeben hatte, ein und sprang aus gut sechs Metern Höhe mit einem Salto ins Wasser.


Gründe für eine ausgelassene Party gab es genug: Mit seinem Sieg beim ersten internationalen Autorennen in der Schweiz seit 1954 hat Lucas di Grassi ein kleines Stück Motorsportgeschichte geschrieben. Es war sein fünfter Pokal in Folge und der 25. Podiumsplatz insgesamt – beides Bestwerte in der vollelektrischen Rennserie. Und das nächste Ziel steht schon fest: Bei den letzten beiden Rennen in New York Mitte Juli wollen Daniel Abt und Lucas di Grassi nach dem Titel in der Teamwertung greifen.

Mikhalchik rast allen davon

Die zweite Saisonrunde der IDM Superbike 1000 in Oschersleben wurde ein Freudenfest für BMW. Vor 12.500 Zuschauern standen im Rahmen der Endurance-Weltmeisterschaft nach dem ersten Lauf ausschließlich Fahrer der deutschen Motorradmarke auf dem Podium. Nach dem zweiten Rennen zwängte sich dank des kurzfristig verpflichteten Italieners Lorenzo Lanzi ein Yamaha-Pilot dazwischen. In keinem Fall aber ging der Weg an Doppelsieger Ilya Mikhalchik (alpha Racing-Van Zon-BMW) vorbei.
Ilya Mikhalchik für die Meisterschaft klar an
Foto: Jens Hawrda
Die IDM Superbike 1000 war das Highlight des WM-Rahmenprogramms und die Fans standen hinter ihren Favoriten. „Der Erfolg des kurzfristig verpflichteten Italieners trug dazu bei, dass seit dem Saisonbeginn bisher vier der fünf Markenpartner in der IDM Superbike 1000 einen Podiumsplatz feiern konnten: BMW, Honda, Suzuki und Yamaha. Nur Kawasaki fehlt jetzt noch“, sagt Matthias Schröter vom IDM-Promoter Motor Presse Stuttgart und ergänzt: „Es gibt bereits eine mündliche Vereinbarung, dass wir im nächsten Jahr bei der German Speedweek 2019 mit noch mehr IDM-Klassen an den Start gehen.“ 
Bastian Mackels nun Meisterschaftszweiter
Foto: Jens Hawrda
Superbiker Ilya Mikhalchik lieferte in der Motorsport Arena eine tadellose Leistung in Deutschlands höchster Motorradstraßenrennsportklasse ab. Er holte zwei Start- und Zielsiege und übernahm ganz klar die Führung in der Gesamtwertung. Diese hatte er sich nach dem Saisonauftakt mit Bastien Mackels (Wilbers-BMW) geteilt. Der Ukrainer sowie auch der Belgier waren punktgleich nach Oschersleben angereist. Mikhalchik beendete beide Läufe mit über drei Sekunden Vorsprung vor der Konkurrenz. Nach dem ersten Rennen stiegen Mackels und Mikhalchiks Teamkollege Julian Puffe zu ihm aufs Podium. Es war der totale BMW-Triumph. Nach dem zweiten Lauf war Mackels erneut mit von der Partie. Nur drängte sich Lorenzo Lanzi (Yamaha MGM) dazwischen.
Jan Halbich, belegt momentan Platz vier in der Meisterschaft
Foto: Jens Hawrda
Schnellster Honda-Fahrer ist weiterhin Jan Halbich (Holzhauer Racing Production) auf dem vierten Tabellenplatz. Dahinter folgt die erste Suzuki. Dominic Schmitter (HPC Power) aus der Schweiz hat hier im internen Markenduell den Leipziger Toni Finsterbusch (Mayer Suzuki) verdrängt. Die Kawasaki-Fraktion mit Lucy Glöckner (Kawasaki Schnock Team Motorex) und Mathieu Gines (Weber Motos) war in Oschersleben im Stress. Die Beiden hatten sich für einen Doppelstart in der IDM Superbike 1000 und der Endurance-WM entschieden.

Die nächste IDM-Veranstaltung findet vom 06. – 08. Juli 2018 auf dem Circuit Zolder in Belgien statt.

Meisterschaftsstand nach 4 von 14 Rennen: (Top-Five):

1. Ilya Mikhalchik BMW S 1000 RR           95 Pkt.
2. Bastian Mackels BMW S 1000 RR         81 Pkt.
3. Julian Puffe BMW S 1000 RR                55 Pkt.
4. Jan Halbich Honda CBR 1000 RR         45 Pkt.
5. Dominic Schmitter Suzuki GSX-R1000  38 Pkt.

Montag, 11. Juni 2018

F.C.C. TSR Honda siegt im 8-Stundenrennen von Oschersleben

F.C.C. TSR Honda, die Sieger von Oschersleben
Foto: Jens Hawrda
12.500 Besucher sahen am vergangenen Wochenende in Oschersleben ein packendes WM-Rennen bei brütender Hitze und jede Menge Action in den Rahmenserien und neben der Strecke. Das japanische Team von F.C.C. TSR Honda hat das 8-Stunden-Rennen der FIM Endurance Langstrecken-Weltmeisterschaft in der Motorsport Arena Oschersleben gewonnen. Freddy Foray, Alan Techer (beide FRA) und Joshua Hook (AUS) schafften mit einer fehlerfreien Fahrt den Sieg vor SRC Kawasaki und GMT94 Yamaha.
Das zweitplazierte Team SRC Kawasaki
Foto: Jens Hawrda
Die Zweitplatzierten Kawasaki-Piloten Mathieu Gines, Randy de Puniet und Jeremy Guarnoni (alle FRA) mussten bis zum Schluss des Rennens in einem engen Kampf mit der GMT94 Mannschaft um Mike di Meglio (FRA), Niccolò Canepa (ITA) und Davd Checa (ESP) ihre Position verteidigen.
Den dritten Platz holte das Team GMT94 Yamaha
Foto: Jens Hawrda
Eine Safety Car Phase 15 Minuten vor Rennende  hatte das Feld eng zusammengezogen und sorgte dadurch für Spannung in den letzten Minuten. In dieser war es dann Mike di Meglio, der dem Druck nicht standhielt und ins Kiesbett rutschte, seine stark lädierte Maschine aber als Dritter noch über den Zielstrich rettete.

Einen starken vierten Platz holte das heimische Team von NRT48. Die BMW von Kenny Foray (FRA), Stefan Kerschbaumer (AUT) und Lucy Glöckner (GER) fuhr konstant unter den besten fünf mit, konnte kurz vor Schluss aber vom Ausrutscher der GMT-Truppe nicht mehr profitieren. In der Gesamtwertung konnte F.C.C. seine Führung vor dem letzten Lauf in Suzuka von einem auf zehn Punkte ausbauen.

Formel E: Historischer Sieg für Audi vor Rekordkulisse in Zürich

  • Lucas di Grassi gewinnt ersten E-Prix in der Schweiz
  • Audi e-tron FE04 erneut das stärkste Auto
  • Mehr als 100.000 Zuschauer an der Rennstrecke
 
Titelverteidiger Lucas di Grassi hat Audi in der Elektro-Rennserie Formel E einen historischen Sieg beschert. Der Brasilianer gewann in Zürich vor einer Rekordkulisse den ersten E-Prix auf Schweizer Boden.
Historischer Sieg für Audi durch Lucas Di Grassi
Foto: Audi Communications Motorsport / Michael Kunkel
Seit 1954 hatte es in der Schweiz kein internationales Rundstrecken-Rennen mehr gegeben. Die Rückkehr des internationalen Motorsports lockte weit über 100.000 Zuschauer an den Stadtkurs im Bankenviertel der Metropole. Diese erlebten eine eindrucksvolle Vorstellung der e-tron-Technologie von Audi: Von Startplatz fünf aus ins Rennen gegangen, benötigte Lucas di Grassi lediglich 18 Runden, um die vier vor ihm gestarteten Konkurrenten zu überholen und anschließend einen ungefährdeten Sieg herauszufahren. Nach 39 Runden hatte der Audi-Pilot 7,542 Sekunden Vorsprung auf den Zweitplatzieren Sam Bird im DS Virgin.
 
Für di Grassi war es der insgesamt siebte Triumph in der Formel E, das fünfte Podium in Folge und der erste Sieg in der Saison 2017/2018. „Es war ein großartiges Rennen, und ich bin extrem glücklich“, sagte der Audi-Pilot, der den Siegerpokal von Stadtpräsidentin Corine Mauch überreicht bekam. „Das erste Rundstrecken-Rennen auf Schweizer Boden nach mehr als 64 Jahren zu gewinnen ist einfach fantastisch. Mein Audi e-tron FE04 war heute superschnell und hat es mir erlaubt, das Rennen von Startplatz fünf aus zu gewinnen.“
 
Di Grassi schob sich mit seinem Sieg auf den dritten Platz der Fahrerwertung nach vorn und hat vor den letzten beiden Rennen in New York (USA) am 14. und 15. Juli noch Chancen auf die Vizemeisterschaft. Seinen Triumph in der Schweiz feierte der Brasilianer am Abend ausgelassen mit einem Sprung in den Zürichsee – das hatte er seinem Team vor dem Rennen im Falle eines Sieges versprochen.
Prof. Peter Gutzmer, Sam Bird, Lucas di Grassi, Jérôme d'Ambrosio (v.l.)
Foto: Audi Communications Motorsport / Michael Kunkel
Das Team Audi Sport ABT Schaeffler machte mit dem zweiten Sieg in Folge und dem dritten Erfolg der laufenden Saison elf weitere Punkte in der Teamwertung gut und liegt vor den letzten beiden Rennen nur noch 33 Punkte hinter Tabellenführer Techeetah auf Rang zwei.

Eine noch bessere Punkteausbeute verhinderte Nelson Piquet. Der Ex-Champion fuhr Daniel Abt in der ersten Runde ins Heck und riss dabei dessen Heckflügel ab. Der Audi-Pilot musste außerplanmäßig an die Box kommen und blieb als 13. ohne Punkte. „Die Jungs haben den Heckflügel superschnell montiert“, sagte Abt. „Aber wir hätten ein Safety-Car benötigt, um wieder ins Rennen zu kommen. Das kam leider nicht. Ich bin sehr enttäuscht, freue mich aber für Lucas (di Grassi) und das Team.“
 
„Für Daniel (Abt) war es sehr schade“, sagte Audi-Motorsportchef Dieter Gass. „Er war bei der Kollision in der ersten Runde absolut machtlos. Trotzdem war es ein toller Tag für uns. Es war ein fantastischer Event mit unheimlich vielen begeisterten Zuschauern, einer schönen Atmosphäre und einer tollen Anlage. Lucas (di Grassi) ist ein fantastisches Rennen gefahren. Es kommt nicht so oft vor, dass man von Startplatz fünf ins Rennen geht, alle Autos vor einem auf der Strecke überholt und das Rennen gewinnt.“
 
„Lucas hat seine Angriffe absolut perfekt abgepasst“, sagte Teamchef Allan McNish. „Ich freue mich besonders für seine Crew, die einen schwierigen Saisonstart hatte und nun wieder voll da ist. Und natürlich ist es fantastisch für Audi, nach dem Heimspiel in Berlin auch das erste Rundstrecken-Rennen in der Schweiz nach 64 Jahren gewonnen zu haben.“