Montag, 8. September 2025

Gipfelstürmer gesucht: DTM-Titelkampf geht in Österreich in vorletzte Runde

  • Meisterschaftsrennen unvorhersehbar – Top-Neun trennen nur 28 Punkte
  • Zwei Österreicher auf Titeljagd: Tabellenführer Auer und Verfolger Preining
  • Kamrad-Konzert als Highlight im Rahmenprogramm der DTM in Spielberg

Foto: Jens Hawrda

In den österreichischen Bergen startet die DTM kommendes Wochenende (12. bis 14. September) in einen hochspannenden Endspurt der Saison. Am Red Bull Ring presented by VKB-Bank inmitten der imposanten Alpenkulisse der Steiermark entscheidet sich, wer im DTM-Titelkampf vor dem Finale die Spitze erklimmt und mit der optimalen Ausgangslage nach Hockenheim reist. Die Tabellensituation verspricht einen echten Krimi: Nur 28 Punkte trennen die Top-Neun, maximal 112 Zähler gibt es noch zu holen. Mit dem Gesamtführenden Lucas Auer (Mercedes-AMG Team Landgraf) und Porsche-Pilot Thomas Preining (Manthey EMA) auf Rang fünf zählen auch zwei Lokalmatadore zur Spitzengruppe. Tickets für die DTM in Spielberg gibt es ab 49 Euro unter dtm.com. Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren haben in Begleitung eines Erwachsenen freien Eintritt. ProSieben überträgt beide Rennen live im TV und berichtet am Samstag sowie am Sonntag ab 13 Uhr vom Red Bull Ring. Im kostenlosen Stream sind die Läufe bei Joyn, ran.de, ServusTV ON und auf dem YouTube-Kanal der DTM zu sehen.

Keyfacts, Red Bull Ring, Spielberg, Saisonrennen 13 und 14 von 16

  • Streckenlänge: 4.326 Meter
  • Layout: zehn Kurven (sieben Rechts-, drei Linkskurven), im Uhrzeigersinn befahren
  • Sieger 2024, Rennen 1: Mirko Bortolotti (SSR Performance, Lamborghini Huracán GT3 Evo2)
  • Sieger 2024, Rennen 2: René Rast (Schubert Motorsport, BMW M4 GT3)

Nächste Runde im Duell Auer gegen Aitken

An der Tabellenspitze ging es an den vergangenen Rennwochenenden hin und her. Viermal wechselte die Führung zwischen Auer und Ferrari-Fahrer Jack Aitken (GB) von Emil Frey Racing. Am Red Bull Ring dürfen sich die Fans auf das nächste Kapitel dieses Duells freuen. Auer kommt als Spitzenreiter zu seinem Heimspiel und bringt dabei die Erfahrung aus zehn DTM-Saisons ein: Als einziger Fahrer fuhr der Tiroler dieses Jahr in jedem Rennen in die Punkteränge. Mit nur zwei Zählern Rückstand peilt Aitken die nächste Attacke auf die Spitze an. „Im Titelkampf ist Konstanz der Schlüssel, auch wenn das in der DTM ziemlich schwierig ist. Der Red Bull Ring war in der Vergangenheit nicht wirklich unsere Strecke, aber dieses Jahr wollen wir uns steigern, um beim Finale in Hockenheim vorne voll dabei zu sein“, kündigt der Tabellenzweite an.

Die weiteren Verfolger von Auer sind ebenfalls im Angriffsmodus. Ayhancan Güven (Manthey EMA) hat das Titelrennen der DTM furios aufgemischt: Der türkische Porsche-Pilot jubelte über zwei Siege am Sachsenring, sprang von Rang acht auf drei und möchte am Red Bull Ring nachlegen – nur sechs Zähler trennen ihn von der Spitze. Auch der punktgleiche Jordan Pepper (ZA/TGI Team Lamborghini by GRT) hat in seiner ersten DTM-Saison mit drei Pole-Positions und seinem Debütsieg am Norisring gezeigt, dass er den Speed für ganz vorne hat.

Spielberg-Spezialisten Preining und Rast

Der Tabellenfünfte Preining begeisterte zuletzt mit vielen Überholmanövern. Am Sachsenring kosteten den DTM-Champion 2023 zwei Kollisionen mit Konkurrenten allerdings wichtige Punkte. Bei seinem Heimspiel wird es für Preining darauf ankommen, in Zweikämpfen die richtige Balance zu finden. „Ich habe zwar nur 15 Punkte Rückstand, allerdings stehen auch nur noch vier Rennen an. Daher müssen wir liefern. Der Red Bull Ring gehört zu meinen Lieblingsstrecken. Bislang stand ich dort an jedem DTM-Wochenende auf dem Podium“, sagt der Lokalmatador aus Linz, der bereits vor drei Jahren vor heimischen Fans gewann. Auch René Rast (Schubert Motorsport) zählt in Spielberg zu den Favoriten. Der im österreichischen Bregenz lebende BMW-Pilot ist mit fünf Rennsiegen erfolgreichster DTM-Fahrer auf dem Red Bull Ring. Gelingt Rast erneut eine Galavorstellung, geht der aktuelle Siebte mit guten Chancen auf seinen vierten Titel ins Finale. Sogar Rasts Teamkollege Marco Wittmann (Fürth) liegt auf Rang neun mit einem Rückstand von nur 28 Punkten in Schlagdistanz zur Spitze.

DTM-Stopp vor imposanter Naturkulisse

Der Red Bull Ring zählt mit seiner einmaligen Lage inmitten der steirischen Bergwelt zu den spektakulärsten Rennstrecken im DTM-Kalender. Vor allem die langen Geraden im ersten Abschnitt haben es in sich und machen den Red Bull Ring zur schnellsten Station im Kalender: Mit über 240 km/h jagen die DTM-Fahrzeuge durch die Steiermark. Im zweiten Teil geht es bergab, fast wie auf einer Rodelbahn, wenn die Fahrer durch eine Reihe schneller Kurven fegen. Die kürzeste Anreise hat das TGI Team Lamborghini by GRT aus dem benachbarten Knittelfeld. Auch Titelverteidiger Mirko Bortolotti (I) vom Lamborghini-Team Abt Sportsline hat als Wahl-Wiener eine kurze Anfahrt.

Rennaction, Track Safari und Kamrad-Konzert

Insgesamt fünf Serien und zehn Rennen sorgen beim Österreich-Stopp der DTM für ein spannendes Programm. Die Besucher dürfen sich neben dem ADAC GT Masters auch auf die ADAC GT4 Germany freuen. Darüber hinaus wird das DTM-Wochenende in Spielberg zur Bühne für das Saisonfinale des Prototype Cup Germany. Außerdem ist der Porsche Sixt Carrera Cup Deutschland auf dem Red Bull Ring dabei. Bereits am Freitag geht es für die Teilnehmer der Track Safari in einer separaten Session in Bussen gleichzeitig mit den DTM-Fahrzeugen auf die Strecke.

Neben packendem Motorsport erwartet die Fans auch ein musikalisches Highlight. Kamrad presented by TGI steht am Samstag ab 13 Uhr auf dem Podium und verwandelt den Red Bull Ring mit seinem Auftritt direkt vor Rennstart in eine Konzertbühne. Mit Hits wie „I Believe“, „Feel Alive“ oder „In Time“ hat sich der Singer-Songwriter längst einen festen Platz in den Radio- und Streaming-Charts gesichert.


IDM Nürburgring: Ein Titel und vier Pokale für Team Masteroil-alpha-Van Zon-BMW

Die vorletzte Reise der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft IDM 2025 ging am vergangenen Wochenende an den Nürburgring und die Eifel spendierte ganz untypisch reichlich Sonnenschein. Werner Daemen, Chef des Teams Masteroil-alpha-Van Zon-BMW, war wieder in voller Mannschaftsstärke am Start. Hannes Soomer (Estland), Leandro Mercado (Argentinien), Bálint Kovács (Ungarn) und Milan Merckelbagh (Niederlanden) waren in der Top-Klasse Superbike unterwegs. Ricardo Brink (Niederlande), Julius Ilmberger (Deutschland) und Ouri Bikkem (Belgien) griffen bei der Pro Superstock 1000 an.

Hannes Soomer
Foto: Jens Hawrda

Hannes Soomer hatte die Pause seit der Assen-Reise genutzt, um seine Verletzung an der rechten Hand auszukurieren. Die Top-Zeiten im Training zeugten von einer vollständigen Genesung. «Mit dem extra Testtag war es ein bisschen ein anderes IDM-Wochenende», meinte er vor Dienstantritt. «Ich werde bis zum letzten Rennen um den Sieg kämpfen. Letztes Jahr lief es für uns gut am Nürburgring.»

Gut lief es für den Esten dann auch im Training. In jeder Session war er auf den ersten Plätzen zu finden und er war einer von nur zwei Piloten, die eine 1.23er-Runde schafften. Die Rennen gingen für den Fahrer des Teams Masteroil-alpha-Van Zon-BMW von Startplatz 2 los. Und auch am Sonntag zeigte sich der Este ausgeschlafen und holte im Ziel die Plätze 2 und 3. «Wir haben ein gutes Rennen gemacht», meinte er nach Lauf. «Ich hatte einen guten Start. Ich bin vielleicht an zwei Ecken mal ein wenig weitgegangen, das Rennen war nahezu perfekt. Wir waren schnell, eine Sekunde schneller als im Vorjahr. Aber noch nicht schnell genug. Es gibt noch einen Fahrer vor mir, der uns jedes Wochenende zeigt, dass er noch einen Schritt weiter ist. Glückwunsch an ihn. Wir versuchen es wieder.»

Den Sieg im zweiten Lauf schnappte sich erneut Lukas Tulovic. Soomer hatte unterdessen mit Florian Alt zu tun, den er nur mit einem beherzten Manöver in Schach halten konnte. «Der Plan war, Zweiter zu werden», stellte Soomer nach Rang 3 klar. «Wegen der gestiegenen Temperaturen hatten wir am Motorrad noch ein wenig nachjustiert, doch leider hatten wir da den falschen Weg eingeschlagen. Ich wusste schon in der Warm-up-Runde, dass ich in diesem Rennen Probleme kriegen würde. Ein bisschen enttäuscht bin ich schon. Aber der Kampf mit Florian war nett, ich werde mir das Manöver nochmals auf YouTube anschauen. In beiden Rennen konnte ich heute aufs Podium fahren. Nach dem heftigen Sturz in Oschersleben bin ich zurück. Es war eine harte Zeit, deswegen bin ich heute wieder happy.»

Leandro ‚Tati‘ Mercado kam aus seiner Wahlheim Italien in die Eifel gereist. «Bei mir ist alles okay», vermeldete er. «Mein Gefühl zum Motorrad ist definitiv besser geworden und auf diesem Weg will ich weitergehen. Ich will den Abstand zu Spitze verkürzen und Lukas Tulovic zu erwischen. Wir arbeiten weiter und ich bin immer noch auf der Jagd nach einem Sieg in dieser Saison. Wir müssen das Maximum rausholen und am Sonntag in Sachen Meisterschaft so viel Punkte wie nur möglich holen.» Mit Startplatz 5 eroberte sich der Mann vom Team Masteroil-alpha-Van Zon-BMW in dem mehr als engen Feld einen Platz in der zweiten Startreihe.

Am Sonntag strahlte die Sonne über dem Nürburgring und Mercado tat es ihr nach. In den beiden Rennen holte sich der Argentinier die Plätze 3 und 2. «Wir waren eng beieinander», urteilte er nach dem ersten Lauf mit Blick auf die Kämpfe in der Verfolgergruppe. «Die Pace war echt heftig. Wir fuhren beinahe in jeder Runde 1.24er-Zeiten. Mit meinem Gefühl bin ich zufrieden. Ich habe natürlich versucht, die Lücke zu Hannes vor mir zu schließen. In den letzten drei Runden ließ ein wenig der Grip nach, vor allem in den Rechtskurven. Aber ich bin happy.»

Das Gefühl hatte er auch nach Platz 2 in Rennen 2. «Ich meine», so sein Statement, «wir waren das ganze Wochenende stark. Nach Rennen 1 haben wir kleine Veränderungen vorgenommen, die mir geholfen haben, vor allem zu Beginn des Rennens. Mit der Pace bin ich echt zufrieden. Um den Sieg mitkämpfen zu können, sieht aktuell leider unmöglich aus. Aber wir geben unser Maximum und daher geht mein Dank auch an alle Leute vom Team für die harte Arbeit. Ich hoffe, wir werden in Hockenheim näher dran sein.»

Bálint Kovács wollte seinen Aufwärtstrend der letzten Wochen auch auf dem Nürburgring fortsetzen. Bevor er seinen vierten Platz im Abschlusstraining in einer erfolgreichen Superpole 2 feiern konnte, gab es für den Ungar des Teams Masteroil-alpha-Van Zon-BMW schon die erste schöne Überraschung: «Beim Bol d’or 2025, dem Finale der Langstrecken-Weltmeisterschaft, werde ich das mehrfacher Stock-Rennsieger-Team Champion Tecmas Racing Team verstärken. Ich danke MRP für das Vertrauen und freue mich schon sehr auf das Rennen.»

Doch erst standen am Sonntag die beiden IDM Superbike-Läufe aufs Kovács Zettel, der sich in allen Trainings im dichten Feld unter den Top-Fahrern hatte behaupten können. Auch am Sonntag war der Ungar stets in den Kampf um einen Podestplatz dabei und konnte bei dem von den Top-Fahrern angeschlagenen Tempo gut mithalten. Mit den Plätzen 6 und 5 gab es zwar keinen Pokal, aber in der Gesamtwertung machte er kurz vor dem Finale noch eine Platz gut. «Insgesamt ein wirklich gutes Wochenende», meinte er nach getaner Arbeit. «Zum ersten Mal in diesem Jahr hatte ich mit Platz 4 ein ordentliches Qualifying. Auch die Rennen verliefen wirklich gut, ich hatte einige großartige Kämpfe mit meinen Teamkollegen sowie Florian Alt und Toni Finsterbusch.»

«Leider verlor ich im ersten Rennen meinen vierten Platz aufgrund einer Berührung mit Toni bei hoher Geschwindigkeit», so Kovács. «Ich musste mit 200 km/h Motocross fahren, daher war der sechste Platz gar nicht so schlecht. Das zweite Rennen war ebenfalls sehr gut, ich bin mit dem Ergebnis zufrieden. Wenn ich mich beim Reifenmanagement noch ein wenig verbessern kann, werde ich es wirklich unter die Ersten schaffen. Vielen Dank an das Team, wir konnten uns das ganze Wochenende über kontinuierlich verbessern.»

Milan Merckelbagh fuhr mit einer ordentlichen Packung Vorfreude zum Nürburgring. «Es ist nicht weit weg von meinem Zuhause», verriet der Niederländer. «Ein paar Freunde und Gäste kommen, um mich anzufeuern. Ich werde versuchen, schneller zu sein als beim letzten IDM-Wochenende. Aktuell bin ich Zehnter in der Gesamtwertung. Ich würde schon gerne noch ein wenig höher klettern. Mal sehen, wie es wird.» In den Trainings tat sich der Nachwuchspilot allerdings schwer. Erstmals in dieser Saison verpasste er den Einzug in die Superpole 2. «Jetzt muss ich von Platz 17 in die Rennen gehen», so sein nüchternes Resümee. «Mal schauen, was ich in dem wirklich starken Feld erreichen kann.»

Aufatmen konnte der Niederländer spätestens nach einem hart erkämpften elften Platz im zweiten Rennen. Lauf 1 hatte er mit Rang 14 ebenfalls in den Punkten beendet. Genug war Merckelbagh die Ausbeute dennoch nicht. «Mit Rennen 1 war ich in der Tat nicht sehr happy», gestand er anschließend. «Ich hatte das Potenzial zu einem Top Ten-Platz. Rennen 2 lief besser und endete mit einem echt knappen Kampf. Ich bin zufrieden damit, wie das Wochenende zu Ende gegangen ist. Aber es ist klar, für das Finale in Hockenheim muss ich mich verbessern. Denn am Ziel, unter den Top Ten abzuschließen, hat sich für mich nichts geändert.»

Ricardo Brink reiste als Spitzenreiter der Pro Superstock 1000 an den Nürburgring, mit einem klaren Plan im Reisegepäck: Vorzeitig den Titel holen. Mit einer deutlichen Bestzeit und 0,7 sec Vorsprung holte sich der Niederländer die Pole. Schon am Samstagnachmittag verwandelt er den Matchball und sicherte sich nach einer fehlerlosen Fahrt und einem Sieg in Rennen 1 vorzeitig die Meister-Krone. Am Sonntag setzte noch einen weiteren Sieg obendrauf. «Es war fantastisch», beschrieb Brink seine Gefühlswelt. «Ich bin total glücklich. Es ist lange her, dass ich mich in meiner bisherigen Laufbahn so stark gefühlt habe. Ich möchte ein großes Dankeschön an Werner Daemen und das ganze Team aussprechen. Ich habe jede Sekunde genossen und konzentriere mich jetzt auf die letzten Rennen.»

Julius Ilmberger zeigte sich angetan von der Möglichkeit, bereits am Donnerstag zu testen und sich auf das Rennwochenende vorzubereiten. «Ich freu mich drauf, wird sicher toll», versicherte er im Vorfeld. Mit Startplatz 7 ging es für den BMW-Piloten aus der zweiten Reihe los. «Das Wetter war besser als erwartet und das Wochenende sehr erfolgreich», lautete Ilmbergers Zusammenfassung, nachdem er auf den Plätzen 7 und 8 im Ziel angekommen war. «Ich persönlich habe gute Schritte gemacht. Im Quali war ich 1,5 Sekunden schneller als meine Bestzeit aus dem Vorjahr. Die Renn-Pace war eine Sekunde oder mehr schneller als im Vorjahr. Für mich ist der Nürburgring eine sehr schwere Strecke, daher bin ich mit meinen Ergebnissen sehr zufrieden.»

Ouri Bikkem hatte nach zwei aufregenden Rennwochenenden den Fokus am Nürburgring auf eine gute Performance gelegt.  Nach Startplatz 15 holte er in den beiden Rennen der Pro Superstock 1000 den 13. und den elften Platz. «Ja, endlich mal ein gutes Wochenende», lautete seine Analyse. «Wir haben uns langsam hochgearbeitet. Und das Ergebnis hat sich in Rennen 2 ausgezahlt. Wir freuen uns auf das letzte Rennen in Hockenheim.»

In drei Wochen ist die Saison 2025 schon wieder beim letzten Rennen des Jahres angekommen. Das Finale findet vom 26.-28. September auf dem Hockenheimring statt.

IDM Supersport: Nerven liegen bei Revanche-Taktik blank

Dirk Geiger siegt im zweiten Lauf am Nürburgring
Foto: Jens Hawrda

Das lange Warten war das Ergebnis wert. Dirk Geiger (MCA Racing) gewann den zweiten IDM Supersport-Lauf auf dem Nürburgring in der allerletzten Runde vor Daniel Blin (AF Racing) und dem völlig überrumpelten Andreas Kofler (Yamalube Motorsport Kofler). Bis dahin wurde an der Spitze taktiert.

Andreas Kofler reist mit 15 Punkten Vorsprung zum Finale am Hockenheimring
Foto: Jens Hawrda

Es passierte gefühlte 15 Runden überhaupt nichts und trotzdem lagen die Nerven bei Yamaha, Honda und Ducati blank. Weil eben nichts passierte. Andreas Kofler führte auch der Yamaha YZF-R6 vor seinem Titelrivalen Dirk Geiger auf der Honda CBR 600-RR und dem polnischen Ducati-Fahrer Daniel Blin. Die nach dem Start entstandene Lücke zum davon geeilten Österreicher hatte Geiger in der achten Runde komplett geschlossen, wobei ihm die Honda mehrfach die Grenzen der Physik aufzeigte. Aber Geiger kämpfte wie ein Stier und hatte Revanche für die gestrige Niederlage geschworen. Der 23-Jährige bremste später als der Rest. Das Hinterrad stand desöfteren leicht in der Luft, aber die harten Manöver ermöglichten es Geiger, auch den nachfolgenden Polen dauerhaft hinter sich zu halten.

So ging es Runde für Runde. Vorne stand Kofler unter Beobachtung. Geiger taktierte. Blin war der eher passive Mitspieler, der sich nicht einmischte, aber zur Stelle gewesen wäre, wenn sich die Gelegenheit bietet. Es war wie das Sprichwort mit dem Kaninchen und der Schlange. Sie starren sich an und irgendwann kommt der Angriff.

An der Boxenmauer feuerten die Teams am Kommandostand ihre Fahrer an und in der letzten Runde war es endlich soweit. In der AMG-Arena zog Geiger an Kofler vorbei. Der Österreicher hatte keine Chance zu kontern. „Ich musste etwas Unerwartetes machen“, berichtete Geiger als strahlender Sieger. Also habe ich meinen Angriff etwas früher gestartet.“

Kofler kam sogar noch kurzzeitig aus dem Konzept und machte einen Fahrfehler. Das war genau der Moment, auf den wiederum Blin gewartet hatte. Auch der Pole schob sich konsequent am Österreicher vorbei, der am Ende Dritter wurde und sagte: „Ich habe mit dem Angriff von Dirk gerechnet, dann aber einen Fahrfehler gemacht und versucht, das Ganze noch zu retten. Das hat nicht funktioniert.“ Tausende Zuschauer hatten beim Öhlins-IDM-Lauf auf dem Nürburgring mitgefiebert.

Zum großen IDM-Finale nach Hockenheim reist Kofler nun mit einem Vorsprung von 15 Punkten in der Meisterschaftswertung. Hinter den Top 3 kam es zur Grüppchenbildung, wobei die anfängliche Reihenfolge von Marcel Brenner (MotoLife), Marvin Siebdrath (Yamalube Motorsport Kofler), Luca de Vleeschauwer (Track and Trades Wixx Racing) und Lennox Lehmann (Apreco Ten Kate Yamaha Racing) völlig durcheinander gewirbelt wurde.

IDM Supersport, Rennen 2 (Top-Ten)

1. Dirk GEIGER (DEU), Honda

2. Daniel BLIN (POL), Ducati

3. Andreas KOFLER (AUT), Yamaha

4. Luca DE VLEESCHAUWER (BEL), Ducati

5. Lennox LEHMANN (DEU), Yamaha

6. Marcel BRENNER (CHE), Ducati

7. Marvin SIEBDRATH (DEU), Yamaha

8. Julius Caesar RÖRIG (DEU), Honda

9. Štěpán ZUDA (CZE), Yamaha

10.Filip FEIGL (CZE), Triumph

Quelle: idm.de / Anke Wieczorek

IDM Superbike: Tulovic trotz Strafe auf Meisterschaftskurs

Lucas Tulovic holt den nächsten Sieg
Foto: Jens Hawrda

Der Titel für Ducati wird immer greifbarer. Lukas Tulovic (Triple M Racing Ducati Frankfurt) holte beim Öhlins-IDM-Lauf auf dem Nürburgring den sechsten Saison-Sieg in der Superbike-Klasse. Sein Frühstart sorgte für ungewohnte Aufregung. Auf dem Podium wurde Tulo von den BMW-Teamkollegen Hannes Soomer und Leandro „Tati“ Mercado (Masteroil Alpha Van Zon BMW) umrahmt.

Tulo und Soomer waren in der Superpole die einzigen Fahrer gewesen, die eine Rundenzeit unter 1:24 Minuten vorzeigen konnten. Nichtsdestrotz ging es verdammt eng zu unter den ersten Sechs in der Startaufstellung. Als die Ampel „Grün“ zeigte, gab es kein Halten mehr. Nach dem ersten Umlauf über die 3,618 km lange Strecke kam Tulo in Führung liegend vor dem Trio Soomer, Bálint Kovács und Mercado auf der Start- und Zielgeraden zurück. Die drei Teamkollegen aus dem Masteroil Alpha Van Zon BMW-Team ließen nicht locker. Soomer hatte als Vorjahressieger auf dem Nürburgring eindeutig die besten Karten, dem Meisterschaftsführenden Tulovic auf Dauer folgen zu können.

Dann der Schock für den Deutschen auf der Ducati Panigale V4R: Die Rennleitung brummte ihm zwei Long-Lap-Runden wegen Frühstarts auf. Fünf Runden hatte er Zeit, die Strafe abzuarbeiten. „Ich war voll wütend“, platzte es aus ihm heraus. „Ich dachte nur noch: Entweder gewinne ich jetzt das Rennen oder ich schmeiße das Ding weg.“ Die Ducati hat das Urteil ohne einen einzigen Kratzer überlebt.

Schon in der dritten Runde fuhr Tulo mit vollem Tank sogar schneller als im Qualifying und baute eine Lücke zur BMW-Armada auf, die immer noch von Soomer angeführt wurde. Seine Strafe absolvierte Tulo allerdings so makellos, das sie im Hinblick auf den Abstand zum Esten kaum ins Gewicht fiel.

Mercado und Kovács hatten das Tempo nicht halten können. Das verbliebene Duo wuchs aber auch wieder zum Trio an. Toni Finsterbusch (GERT56 by RS Speedbikes) hatte sich meterweise nach vorne gearbeitet und krallte sich zum Schluss sogar den vierten Platz nach dem Zieleinlauf. Jan-Ole Jähnig war schon am Start der große Verlierer gewesen und als Dritter aus der ersten Reihe auf den achten Platz gerutscht. Am Ende wurde er sogar nur Neunter.

Es gab reichlich Bewegung in der Mitte des Feldes. Twan Smits (Team Apreco) torpedierte im Zweikampf fast die Honda von Florian Alt (Holzhauer Racing Promotion). Danach bekam es der Niederländer mit Soma Görbe (BCI MW Racing Team) aus Ungarn zu tun. Lorenzo Zanetti (Triple M Racing Ducati Frankfurt) fiel zwischendurch auf P16 zurück. Alt kämpfte bis zur Weißglut und kam noch als Fünfter mit dem Hauch von neun Hundertstelsekunden Abstand zu Toni Finsterbusch ins Ziel. Der nach seiner schweren Gehirnerschütterung zurückgekehrte Jan Mohr (Team SWPN) wurde bei seinem Comeback mit einem Punkt entschädigt.

Sieger Tulovic berichtete, dass auch er kein fehlerfreies Rennen hatte. „Ein paar Mal habe ich mich verbremst und ein Mal ist der Gang aus der Ducati gesprungen.“ Mit 1,755 Sekunden Vorsprung hat der Baden-Württemberger dennoch souverän gewonnen.

IDM Superbike, Rennen 1 (Top-Ten)

1. Lukas TULOVIC (DEU), Ducati

2. Hannes SOOMER (EST), BMW

3. Leandro MERCADO (ARG), BMW

4. Toni FINSTERBUSCH (DEU), BMW

5. Florian ALT (DEU), Honda

6. Bálint KOVÁCS (HUN), BMW

7. Twan SMITS (NLD), Yamaha

8. Soma GÖRBE (HUN), BMW

9. Jan-Ole JÄHNIG (DEU), BMW

10.Leon ORGIS (DEU), BMW

Quelle: idm.de / Anke Wieczorek

GT-Masters: Titelkandidaten Fourie/Zimmermann gewinnen auf dem Salzburgring

  • BMW-Team FK Performance Motorsport feiert zweiten Saisonsieg im ADAC GT Masters
  • Dörr Motorsport mit erneutem Podiumserfolg beim Salzburgring-Gastspiel
  • Schwarzer/Fach bejubeln fünften Saisonsieg im Pro-AM Cup

Tim Zimmermann/Leyton Fourie liegen nur noch acht Punkte hinter der Tabellenspitze
Foto: ADAC-Motorsport

Spannung pur im Titelkampf auf dem Salzburgring in Österreich. Tim Zimmermann (28/Langenargen)/Leyton Fourie (19/RSA) haben das ereignisreiche Sonntagsrennen des ADAC GT Masters gewonnen. Die Polesetter von FK Performance Motorsport im BMW M4 GT3 Evo feierten ihren zweiten Saisonsieg und rückten bis auf acht Zähler an die Tabellenführung heran. „Schon meine Runde im Qualifying war eine der besten, die ich je gefahren bin. Von diesem Moment an wussten wir, dass wir freie Fahrt und ein gutes Auto fürs Rennen haben und es nur richtig umsetzen mussten“, strahlte Fourie, der auch die „Road-to-DTM“-Wertung gewann. „Meine Outlap nach dem zweiten Stopp war recht gut, das hat uns vor dem McLaren gebracht und dann hieß es nur noch, die Pace aufrechtzuerhalten.“ Teamkollege Zimmermann strahlte über seinen insgesamt vierten Sieg im ADAC GT Masters und die gelungene Renntaktik. „Heute hat alles perfekt gepasst. Es war ein chaotisches Rennen, in dem viel passiert ist. Ich war zwischenzeitlich hinter dem McLaren, wusste aber, dass er als Gaststarter keine Punkte sammelt. Ich habe mich darauf konzentriert, sauber zu fahren, nicht zu übertreiben und Leyton noch gut erhaltene Reifen auf den letzten Stint mitzugeben.“ Das Podium komplettierten die McLaren-Piloten Ben Dörr (20/Butzbach)/Guilherme de Oliveira (20/POR/beide Dörr Motorsport) sowie die Meisterschaftsführenden Salman Owega (20/Köln)/Finn Wiebelhaus (19/Obertshausen/beide Haupt Racing Team) im Ford Mustang GT3.

Am Start des 80-minütigen Endurance-Rennens setzte sich Owega zunächst gegen Polesetter Fourie durch, musste diese Position kurze Zeit später aber zurückgeben. Bis zur ersten Boxenstopp-Phase, in der sich nahezu alle Teams für den langen Halt mit Reifenwechsel entschieden, blieb der BMW-Pilot vorne. Im weiteren Verlauf fiel Teamkollege Zimmermann im Zweikampf hinter den McLaren von de Oliveira zurück. Eine rote Flagge sorgte schließlich für die Neutralisation des Rennens, beim folgenden Re-Start blieb die Reihenfolge an der Spitze jedoch unverändert. Der rennentscheidende Platztausch passierte während des zweiten Boxenstopps, als Fourie vor Dörr zurück auf die Strecke kam. Vom Sieg trennte das FK Performance Motorsport-Duo nur noch Alexander Schwarzer (36/DEU/Fach Auto Tech), dessen reglementbedingt kürzere Standzeit ihm die zwischenzeitliche Führung beschert hatte. Neun Minuten vor Rennende fanden zunächst Fourie, schließlich Dörr und auch Owega ihren Weg an Schwarzer im Porsche 911 GT3 R vorbei und sicherten sich so ihre Plätze auf dem Podium.

FK Performance Motorsport feierte den zweiten Saisonsieg im ADAC GT Masters
Foto: ADAC-Motorsport

„Wir haben nicht damit gerechnet, dass wir hier so gut abschneiden würden“, freute sich DTM Pilot Dörr über Rang zwei. „Wir haben zu Beginn des Wochenendes aber direkt gemerkt, dass die Strecke unserem McLaren liegt und wir gut dabei sind. Das Team hat einen super Job gemacht und wir beide ziemlich fehlerfreie Rennen abgeliefert. Im letzten Stint konnten wir die Pace des BMW nicht mehr mitgehen. Sie waren früher an der Box, konnten frei fahren und sind deshalb an uns vorbei. Mit Platz eins und zwei am Wochenende sind wir dennoch sehr zufrieden.“

In der Meisterschaft bleibt das Bild an der Spitze unverändert. Owega/Wiebelhaus liegen im Ford Mustang GT3 weiterhin vorne, bekommen mit lediglich acht Punkten Vorsprung aber Druck durch Zimmermann/Fourie. Umso wichtiger war für die Piloten des Haupt Racing Teams der dritte Rang im Sonntagslauf auf dem Salzburgring. „Wir haben heute das Maximum herausgeholt und sind zufrieden mit dieser Teamleistung, denn McLaren und BMW waren heute einfach stärker“, sagte Wiebelhaus. „Das Rennen war sehr chaotisch. Ich hatte zwei unverschuldete Kontakte und habe versucht, mich aus allem herauszuhalten. In Hinblick auf die Meisterschaft war es wichtig, gut durchzukommen und am Red Bull Ring wollen wir unseren Vorsprung jetzt wieder ausbauen.“

Auf Rang vier kamen die Zwillinge Sandro/Juliano Holzem (21/Polch/Schubert Motorsport) im BMW M4 GT3 Evo ins Ziel. Die Top-5 komplettierten ihre Markenkollegen Eduardo Coseteng (21/PHL)/Julian Hanses (28/Hilden/beide FK Performance Motorsport). Sie alle schoben sich in den letzten Runden noch an Schwarzer vorbei, der gemeinsam mit Alexander Fach (23/CHE/Fach Auto Tech) Rang sechs belegte und den fünften Saisonsieg im Pro-AM Cup feierte. Position acht ging an Finn Zulauf (20/Königsstein)/Simon Connor Primm (20/Großschirma/Paul Motorsport) im Lamborghini Huracán GT3 Evo2 vor den beiden Ford-Duos vom Haupt Racing Team, Dennis Fetzer (24/Gießen)/Jonathan Cecotto (26/VEN) und Max Reis (18/Ramstein)/Niklas Kalus (20/Duisburg). Die Top-10 wurden von den Lokalmatadoren Leo Pichler (23/AT)/Simon Birch (18/DNK/Razoon – more than racing) komplettiert. Die Porsche-Piloten starteten von Rang drei, vielen durch verschiedene Zweikämpfe aber zwischenzeitlich auf den letzten Rang zurück. In der Meisterschaft liegen sie immer noch auf dem dritten Rang, zur Spitze fehlen nun 31 Punkte.

Bereits am kommenden Wochenende macht das ADAC GT Masters auf dem Red Bull Ring in Österreich zum dritten Auslandsgastspiel der Saison Halt. Im Rahmen der DTM trägt die GT3 Nachwuchsliga des ADAC zwei Sprint-Rennen aus.