Sonntag, 1. Juni 2025

IDM Superbike: Richtige Reifenwahl ermöglicht ersten Saisonsieg von Florian Alt

erster Saisonsieg für Florian Alt durch kluge Reifenwahl
Foto: Jens Hawrda

Es ist vollbracht. Florian Alt hat im ersten IDM Superbike-Rennen auf dem Schleizer Dreieck seinen ersten Saisonsieg geholt. Der 29-jährige Westfale ist der einzige Honda-Fahrer in Deutschlands höchster Motorradklasse. Ihm folgten Lukas Tulovic und Leandro „Tati“ Mercado aufs Podium.

Die Voraussetzungen für einen „normalen“ Superbike-Lauf waren denkbar ungünstig. Die Start-Ziel-Linie war nach einem ordentlichen Regenguss komplett nass. Andere Stellen trockneten gerade ab. „Wenn wir noch zehn Minuten warten, würden wir alle auf Slicks fahren“, meinte Florian Alt (Holzhauer Racing Promotion). Er ist der Meister von 2023 und zugleich Vize des letzten Jahres.

Das Wetter pendelte entlang der ältesten Naturrennstrecke Deutschlands zwischen Sonnenbrillen-Feeling und Regencape-Stimmung. Jan-Ole Jähnig (GERT56 by RS Speedbikes), der sich im Qualifying die Pole Position geholt hatte, war hin- und hergerissen. „Die Pole wollen wir heute mal nicht überbewerten. Wir haben völlig neue Bedingungen.“

Es gab zwei Einführungsrunden, wobei jeder Fahrer auf den andern schaute, um sich zu orientieren. Von den Top-Teams wechselten Jan-Ole Jähnig, Florian Alt, Tati Mercado (Masteroil Alpha Van Zon BMW), Lorenzo Zanetti und Lukas Tulovic (Triple M Racing Ducati Frankfurt) noch in Windeseile von Regenreifen auf Slicks. Die optimale Reifenwahl war eine riskante Entscheidung für alle Fahrer im Feld. Es stellte sich die Frage: Wie lange hält ein Regenreifen im Trockenen und trocknet die Strecke überhaupt ab? Das Wetter konnte in alle Richtungen gehen.

Das Verhältnis musste irgendwann kippen

Aus der ersten Runde kam Auftaktsieger Hannes Soomer (Masteroil Alpha Van Zon BMW) in Führung liegend zurück. Leon Orgis (ORM Racing Team), Toni Finsterbusch (GERT56 by RS Speedbikes), Bálint Kovács (Masteroil Alpha Van Zon BMW), Kevin Orgis, Milan Merckelbagh (Masteroil Alpha Van Zon BMW), Soma Görbe und Martin Vugrinec (Skach Motors Kawasaki Racing) folgten wie am Schnürchen. Florian Alt und seine Slick-Kameraden tauchten erst ab P16 auf. Alt war der Schnellste von ihnen, aber der Abstand zur Gruppe mit den Regenreifen vergrößerte sich zusehends und betrug bald über eine halbe Minute. Aber die Strecke trocknete immer weiter ab und schließlich kippte das Verhältnis. Ab der neunten Runde flogen Alt und Tulovic förmlich durchs Feld. Im neunten Umlauf wurde Alt bereits auf P6 und Tulo auf P9 gesichtet. Und in dem Tempo ging es weiter.

Lucas Tulovic, Ducati Panigale V4R #3
Foto: Jens Hawrda

Ab Runde 15 lag Alt bravourös in Führung. Tulo tauchte als Zweiter auf und Auftaktsieger Soomer als Dritter. Doch der kernige Este wurde zum Schluss noch von seinem Teamkollegen Tati Mercado geschnupft. Leandro Zanetti war in die Wiese gestürzt.

Leandro Mercado, BMW M 1000 RR #36 sicherte sich kurz vor Schluss noch Platz drei
Foto: Jens Hawrda

Nach 17 Runden hatte Florian Alt eine Glanzleistung in seinem zweiten Wohnzimmer vollbracht. Weder Ducati und auch nicht die komplette BMW-Flotte hatten den Honda-Fahrer einbremsen können. Als Ehemann einer Einheimischen siegte er – mit neuem Selbstvertrauen ausgerüstet – mit 6,117 Sekunden Vorsprung. „Ich wusste, dass der Punkt kommt, an dem wir mit Slicks im Vorteil sind. Mein Team hat mir an der Boxenmauer in der zehnten Runde einen Rückstand von 34 Sekunden angezeigt. Ich wusste, dass ich zehn Sekunden schneller fahren kann, wenn die Zeit gekommen ist“, resümierte der blonde Hüne in der roten Lederkombi bei der Siegerehrung und wurde noch ganz emotional, als er sagte: „Den Sieg widme ich Schleiz und meiner wunderschönen Traumfrau Kimberly. Ich bin froh, dass ich Dich geheiratet habe.“

Tulo war nicht ganz so amüsiert, musste sich aber mit dem zweiten Platz zufrieden geben. Mercado wiederum strahlte. Der BMW-Neuzugang aus Argentinien ist gleich bei der zweiten Veranstaltung auf dem Podium angekommen. Teamchef Werner Daemen war glücklich, dass Tati im Reifenchaos alles richtig gemacht hatte. Die Pokale in der Superbike-Klasse übergab auf dem Schleizer Dreieck der Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow. Er war zuvor auch jahrelang der Ministerpräsident des Freistaates Thüringen.

Ergebnis IDM Superbike, Rennen 1 (Top-Five)

1. Florian ALT (DEU), Honda

2. Lukas TULOVIC (DEU), Ducati

3. Leandro MERCADO (ARG), BMW

4. Hannes SOOMER (EST), BMW

5. Toni FINSTERBUSCH (DEU), BMW

Quelle: idm.de / Anke Wieczorek


IDM Supersport: Kofler kriegt für Handshake kaum den Arm hoch

Andreas Kofler mit Handicap in Schleiz verliert die Tabellenführung
Foto: Jens Hawrda

Dirk Geiger hat mit seinem Honda-Sieg im ersten Supersport-Rennen die Meisterschaftsführung an sich gerissen. Andreas Kofler (Yamalube Motorsport Kofler) hat an seinem Verlust der Tabellenführung schwer zu knabbern, doch ihm sind die Hände gebunden.

Der Oberösterreicher kam als Zehnter ins Ziel und ist froh, überhaupt über die Distanz gekommen zu sein. Das Wochenende macht dem letztjährigen Meister aus Attnang-Puchheim schwer zu schaffen. Der 20-Jährige stürzte am Freitag im Training in der Seng, dem schnellsten Abschnitt des Schleizer Dreiecks. „Ich bin bei 240 km/h abgeflogen. Das Vorderrad ist eingeklappt. Warum, das weiß ich nicht“, ist Kofler ratlos.

Seitdem ist er in Schonhaltung unterwegs. „Zum Glück habe ich mir nichts gebrochen, aber mir tut alles weh. Alleine aufstehen kann ich nicht. Der ganze Bewegungsapparat hat einen mitgekriegt“, erzählt Kofler, der mit Mühe gerade eben eine Tasse hochhalten kann. Das Ganze hat ihn mitgenommen.

Im Qualifying konnte sich der Yamaha YZF-R6-Fahrer noch den elften Startplatz fürs Rennen sichern. Dort machte er nach dem üblichen Kofler-Blitzstart sofort Positionen gut. Er war Vierter, als der Körper seine Belastungsgrenze anmeldete und er fiel bis auf den zehnten Platz zurück, weil ein kleines Teilchen am Motorrad dafür sorgte, dass es beim Bremsen Schwierigkeiten gab und nicht mehr alles mit der Elektronik harmonierte.

Sieger Dirk Geiger (MCA Racing) knöpfte ihm bei dieser Gelegenheit die Meisterschaftsführung ab und hat jetzt acht Punkte Vorsprung. Kofler schnauft und will am liebsten gar nicht darüber nachdenken, weiß aber, dass es im Moment nicht besser für ihn wird. Aber wie gewohnt kommt der Kämpfer durch: „Morgen werde ich den Start wiederholen und sehen, dass ich mit vorne bleibe.“ Seine Wunden pflegen kann er später.


IDM Supersport: Geiger siegt, Siebdrath später Dritter

Das erste Rennen der Supersport-Klasse bei der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) in Schleiz hatte alles zu bieten: Spannung, Aufholjagden, packende Duelle – und ein abruptes Ende. Am Ende sicherte sich Dirk Geiger einen souveränen Sieg, während Daniel Blin und Luca De Vleeschauwer das Podium komplettierten.

Dirk Geiger, Honda CBR  600 RR #60
Foto: Jens Hawrda

Geiger mit Traumstart – Van der Voort patzt

Bereits am Start zeichnete sich das Tempo des Rennens ab: Dirk Geiger (MCA Racing) erwischte den besten Start und schoss von Startplatz vier auf Rang zwei vor und setzte sich hinter den Schweizer Marcel Brenner (MotoLife). Ganz anders erging es Melvin van der Voort: Der Niederländer erwischte einen schwachen Start und fiel zunächst weit zurück. Am Ende der ersten Runde lautete die Reihenfolge: Geiger vor Brenner, Blin und dem stark aufkommenden Luca De Vleeschauwer (Track and Trades Wixx Racing), der sich von Startplatz acht bis auf vier vorkämpfte. Direkt dahinter: Andreas Kofler (Yamalube Motorsport Kofler), der von Rang elf ebenfalls einen Blitzstart hinlegte. Am Ende der ersten Runde übernahm Geiger bereits die Spitze. Brenner hielt sich auf Rang zwei, dahinter folgte Daniel Blin (AF Racing Team).

Daniel Blin, Ducati Panigale V2 #26
Foto: Jens Hawrda

Geiger dominiert – Blin auf dem Vormarsch

Während Dylan Czarkowski (Füsport – RT Motorsports by SKM) in Runde vier stürzte – und damit wie schon in Oschersleben vorzeitig ausschied – nahm Blin Kurs auf die Spitze und zog an Brenner vorbei auf Rang zwei. Geiger indes war außer Reichweite – mit konstant schnellen Rundenzeiten baute er seinen Vorsprung kontinuierlich aus. In Runde 13 betrug dieser bereits mehr als zwei Sekunden. Das war sein Plan: „Ich wusste, dass der Start von Platz vier nicht einfach wird, vor allem, weil Überholein Schleiz schwierig ist. Deshalb habe ich direkt Druck gemacht – das hat perfekt funktioniert”, erklärte Geiger zufrieden nach dem Rennen.

Marvin Siebdrath, Yamaha R6 #48
Foto: Jens Hawrda

Kollision nach Gegenkonter

Im Kampf um Platz drei blieb es weiter spannend: Erst lieferten sich Luca De Vleeschauwer und Kofler ein enges Duell, dann entbrannte in der zwölften Runde ein Zweikampf um Platz drei zwischen dem Belgier und Marvin Siebdrath, der bis dahin eine beeindruckendes Rennen ablieferte. In Runde 13 kam es schließlich zum entscheidenden Moment: Beim Versuch, seinen dritten Platz zu verteidigen, kam es zum Kontakt zwischen ihnen zum Kontakt, der in einer Kollision endete. „Marvin hatte mich zuvor überholt, weshalb ich zum Gegenkonter ausholte. Ich dachte, ich sei bereits an ihm vorbei, weil ich ihn nicht mehr sah – dadurch kam es leider zum Kontakt und zu den Stürzen“, schilderte De Vleeschauwer die Szene. Die Rennleitung reagierte sofort und brach das Rennen ab. Beide Piloten blieben glücklicherweise unverletzt und konnten ihre Maschinen rechtzeitig in die Box zurückbringen, um gewertet zu werden. Laut Reglement wird bei einem Abbruch die vorletzte vollständig absolvierte Runde gewertet – somit lag De Vleeschauwer rechnerisch auf Platz drei.

Das finale Ergebnis

Doch der Fall wurde untersucht. Nach stundenlangen Beratungen und Fahreranhörungen entschieden die Sportkommissare um 18:50 Uhr, das Ergebnis zu korrigieren: De Vleeschauwer erhielt eine Strafe und wurde um eine Position zurückversetzt. Demnach wurde Marvin Siebdrath nachträglich auf Rang drei gewertet und De Vleeschauwer wurde Vierter.

Marcel Brenner, der erst vergangene Woche erstmals in Schleiz testete, wurde Fünfter, gefolgt von Melvin van der Voort auf sechs und Štepán Zuda auf Platz sieben.

Julius Caesar Rörig (MCA Racing) fing stark an, doch im Laufe des Rennen ging ihn die Luft aus. Er beendete das Rennen auf Rang neun. Zu den körperlichen Herausforderungen nach seinen schweren Sturz am Freitag, kamen bei Kofler noch technische Problemen in Laufe des Rennens hinzu. Er verlor an Tempo und fiel bis zum Rennabbruch bis auf Platz zehn zurück.

Ergebnis IDM Supersport, Race 1 (Top-Five)

  1. Dirk GEIGER (DEU), Honda
  2. Daniel BLIN (POL), Ducati
  3. Marvin SIEBDRATH (DEU), Yamaha
  4. Luca DE VLEESCHAUWER (BEL), Ducati
  5. Marcel BRENNER (CHE), Ducati


Quelle: idm.de / Rowena Hinzmann


IDM Sportbike: Iglesias feiert Einstand mit Sieg

Was für ein Einstand! Inigo Iglesias gewinnt gleich sein erstes Rennen in der Sportbike der Internationalen Deutschen Meisterschaft (IDM) auf dem Schleizer Dreieck. Der Spanier, der kurzfristig als Ersatz für den verletzten Luis Rammerstorfer ins Team Freudenberg RoRa-Paligo Racing rückte, krönte sein Debüt mit einem souveränen Sieg – aber bis dahin war es ein echter Krimi.

Svendsen startet stark – Iglesias übernimmt die Kontrolle

Schon am Start war klar: Das Rennen wird kein Spaziergang. Oliver Svendsen (Triumph Germany Racing Team), der nach einer Strafe von Startplatz fünf losfahren musste, katapultierte sich direkt auf Rang zwei hinter Pole-Mann Iglesias. Die beiden setzten sich bereits nach der ersten Runde vom Verfolgerfeld ab. Dahinter folgte Aprilia-Pilot Petr Svoboda (WRP Racing) auf und Justin Hänse (Motorradtke GYTR by Penz13) auf seiner Yamaha YZF-R7. Cedric Holme Nielsen (Motorradtke GYTR by Penz13) und Ben Kugler (MotoLife) komplettierten die erste Verfolgergruppe. Ein Ausrufezeichen setzte währenddessen der Däne Ty Henriksen: Vom letzten Startplatz (P13) pflügte der Däne durchs Feld und lag nach drei Runden bereits auf Rang sieben.

Führung gewechselt – Tropfen am Visier

In der dritten Runde wagte Svendsen schließlich den entscheidenden Angriff – und der saß. Der Däne übernahm die Führung von Iglesias, der sich in diesem Moment zum ersten Mal geschlagen geben musste. Kurz darauf zeigte die Rennleitung die Regenflagge, denn es begann leicht zu tröpfeln. Doch der Spuk war schnell vorbei, die Strecke blieb durchgehend befahrbar.

Hänse mit Aufholjagd – Iglesias kontert

Während Svendsen das Tempo an der Spitze bestimmte, kam Justin Hänse immer besser ins Rollen. Der Lokalmatador zog an Svoboda vorbei und nahm die Verfolgung der Führenden auf. Iglesias blieb an Svendsen dran, während Hänse Vollgas gab und Runde stetig Zeit gutmachte. In Runde acht unterlief Iglesias am Ende der Start-Ziel-Geraden ein Schaltfehler – Hänse war sofort zur Stelle und hing nun direkt am Heck des Spaniers.Parallel dazu musste Alexander Weizel sein Motorrad wegen technischer Probleme an der Boxeneinfahrt abstellen, weshalb ihm die Spiegelei-Flagge gezeigt wurde.

Finale: Iglesias mit kühlem Kopf zum Sieg

Svendsen bekam Probleme mit seinem Hinterreifen, weshalb er etwas angeschlagen schien und seine Linie nicht mehr sauber halten konnte. Iglesias ließ nicht lange auf sich warten und machte Druck und Justin Hänse lauerte dicht dahinter. In der neunten Runde holte sich Iglesias schließlich die Führung von Svendsen zurück. Yamaha-Pilot Justin Hänse blieb zunächst noch dran, musste dann aber in der Schlussphase abreißen lassen.

In der vorletzten Runde drehte Iglesias drehte noch einmal richtig auf und fuhr fast eine Sekunde schneller als zuvor. Svendsen gab zwar alles, doch ein kleiner Verbremser in der letzten Runde besiegelte das Duell: Der Spanier überquerte als Erster die Ziellinie und feierte auf Anhieb seinen ersten IDM-Sieg in der neuen Sportbike-Klasse. „Das war einfach eine süße Revanche für all das Geschehen in den letzten Wochen“, sagte Iglesias strahlend vor der Siegerehrung. „Ich konnte endlich zeigen, was in mir steckt – und ich fühle mich hier in Schleiz und auf dem Motorrad fast wie zu Hause.“

Podium komplettiert – starke Kämpfe im Mittelfeld

Oliver Svendsen wurde verdient Zweiter und konnte sich damit wichtige Punkte für die Meisterschaft sichern. Justin Hänse belohnte sich mit Platz drei und seinem zweiten Podium der Saison – erneut eine starke Leistung des Thüringers auf seiner Heimstrecke. Petr Svoboda fuhr ein unauffälliges, aber solides Rennen auf Platz vier.

Ben Kugler musste nach einem schlechten Start viel Arbeit investieren, kämpfte sich aber mit starker Pace auf Rang fünf zurück. Cedric Holme Nielsen kam als Sechster ins Ziel, Aprilia-Pilot Kristoffer König (ViVa by Peuker & Streeb) fuhr mit Platz sieben sein bestes IDM-Ergebnis ein. Ty Henriksen (Henriksen Racing) kämpfte sich zwischenzeitlich bis auf Platz fünf vor, doch in der letzten Runde fing der 18-Jährige noch einen drohenden Highsider ab, wodurch er am Ende Achter wurde.

IDM Sportbike Ergebnis Rennen 1 (Top-Five)

  1. Inigo IGLESIAS (ESP), Triumph
  2. Oliver SVENDSEN (DNK), Triumph
  3. Justin HÄNSE (DEU), Yamaha
  4. Petr SVOBODA (CZE), Aprilia
  5. Ben KUGLER (DEU), Aprilia


Quelle: idm.de / Rowena Hinzmann


Samstag, 31. Mai 2025

IDM Superbike: Gegen Jähnigs Pole ist kein Kraut gewachsen

Jan-Ole Jähnig, BMW M 1000 RR #14
Foto: Jens Hawrda

Genau vor dem Beginn der Superpole-Entscheidung in der IDM Superbike zogen dicke Regenwolken über das Schleizer Dreieck. Der Blick zum Himmel gab Rätsel auf, doch es fiel kein einziger Tropfen. Jan-Ole Jähnig (GERT56 by RS Speedbikes) wird in den beiden Superbike-Rennen, die morgen ausgetragen werden, von der Pole Position starten.

Fünfzehn Minuten dauert normalerweise eine Session. In der Superpole 1, aus der die schnellsten drei Fahrer noch in die Superpole 2 aufrücken können, um eine Chance auf die vorderen Startplätze zu wahren, kam nach sieben Runde die rote Flagge. Abbruch. Max Schmidt (BCC Racing Team) war gestürzt. Die SP1 wurde nicht neu gestartet. Für Soma Görbe (BCI MW Racing Team), Martin Vugrinec (Skach Motors Kawasaki Racing) und Sandro Wagner (Motoforce Racing) ging es kerzengerade in die Superpole 2.

Im Feld der Titelanwärter und Verfolger machte Spider-Martin richtig fette Beute. Der 26-jährige Kroate haute, wie von Teamchef Oliver Skach erhofft, eine Runde heraus, die ihn letztlich auf den zehnten Startplatz katapultierte.

Gegen Spitzenreiter Jan-Ole Jähnig war auf der Heimstrecke kein Kraut gewesen, obwohl er, wie er selbst sagt, nur Rand-Thüringer ist. Florian Alt (Holzhauer Racing Promotion) trieb dahinter die einzige Honda im Feld zu Höchstleistungen und bewies seine einzigartige fahrerische Klasse. Teamchef Jens Holzhauer hat mit dem langen Blonden einen wirklich wohlüberlegten Glücksgriff gemacht. Lukas Tulovic (Triple M Racing Ducati Frankfurt) komplettiert die erste Startreihe. Das heißt: ganz vorn stehen drei deutsche Fahrer auf BMW, Honda und Ducati. Panigale V4R-Fahrer Lorenzo Zanetti ist Vierter.

Ducati-Teamchef Matthias Moser war entzückt, dass alles so ausgegangen ist. „Lorenzo hatte gestern ein kleines technisches Problem und dadurch nicht die volle Leistung am Motorrad. Und weder Tulo noch Lorenzo kannten die Strecke. Letztes Jahr musste Lorenzo ja auf dem Schleizer Dreieck wegen seines Schlüsselbeinbruchs aussetzen“, erzählt Moser und fährt fort, „dass er jetzt in der zweiten Startreihe ist, darauf bin ich besonders stolz. Weil es die Italiener generell mit solchen Strecken nicht so haben. Das war schon immer so, wenn wir einen Italiener im Team hatten.“ Tulo und Lorenzo hatten Teamwork gemacht. Der Deutsche war seinem Kollegen zwischendurch vorgefahren und hatte ihn gezogen. Tulo schaffte in den 15 Minuten drei 1:23er-Runden. „Gestern war mein Ziel Top 5, heute Top 3. Hat funktioniert.“ Das hat auch seinem Teamvorgänger, Ex-Superbiker Marc Moser, der als Besucher kam, aber vom Streckensprecher kurzerhand als Co-Kommentator für die Superpole verpflichtet wurde, offensichtlich gefallen. Zumal es sich beim Teamboss um seinen Vater handelt.

Der BMW-Mannschaft von Meistermacher Werner Daemen war schon gestern im Superpole Pre-Practice komplett den Einzug in die Superpole 2 gelungen, musste heute aber Abstriche machen. Der Vorsprung gegenüber der Konkurrenz durch das Training auf der Naturrennstrecke letzte Woche ist relativiert. Der Meisterschaftsführende und Auftaktsieger Hannes Soomer (Masteroil Alpha Van Zon BMW) hatte in den entscheidenden Minuten die fünftschnellste Zeit und Leandro „Tati“ Mercado die siebtschnellste.

Superpole 1

  1. Soma GÖRBE (BMW), 
  2. Martin VUGRINEC (Kawasaki), 
  3. Sandro WAGNER (BMW), 
  4. Max SCHMIDT (BMW), 
  5. Twan SMITS (Yamaha), 
  6. Marco FETZ (BMW), 
  7. Christoph BEINLICH (BMW), 
  8. Philipp STEINMAYR (Kawasaki), 
  9. Maximilian KOFLER (Yamaha)

Superpole 2 

  1. Jan-Ole JÄHNIG (BMW), 
  2. Florian ALT (Honda), 
  3. Lukas TULOVIC (Ducati), 
  4. Lorenzo ZANETTI (Ducati), 
  5. Hannes SOOMER (BMW), 
  6. Toni FINSTERBUSCH (BMW), 
  7. Leandro MERCADO (BMW), 
  8. Bálint KOVÁCS (BMW), 
  9. Leon ORGIS (BMW), 
  10. Martin VUGRINEC (Kawasaki), 
  11. Soma GÖRBE (BMW), Kevin ORGIS (BMW), 
  12. Milan MERCKELBAGH (BMW), 
  13. Jan MOHR (Yamaha), 
  14. Sandro WAGNER (BMW).

Quelle: idm.de / Anke Wieczorek