Dienstag, 2. Juli 2024

Altfrid Heger über den Norisring und die alten DTM-Zeiten

  •  Erinnerungen an eine Siegerehrung mit Franz-Josef Strauß
  •  Heger genießt Fahrten in DTM-Autos der 80er oder 90er Jahre
  • „Auf den Norisring haben wir uns früher alle gefreut“

DTM Classic 2022 am Norisring
Foto: Jens Hawrda

40 Jahre DTM: Beim Saisonhighlight auf dem Norisring (5. – 7. Juli) feiert die DTM ihren 40. Geburtstag. Teil der Geburtstagsparty sind zwei Rennen der DTM Classic mit Fahrzeugen aus vier Dekaden DTM-Geschichte. Im Feld der DTM Classic dabei sind auch vier Audi, darunter zwei V8, Meisterauto der Jahre 1990 und 1991. Eine der Limousinen aus Ingolstadt wird von Altfrid Heger gesteuert. Der Essener startete zwischen 1988 und 1992 mit einem BMW M3 in der DTM und freut sich nun auf den Einsatz mit dem bärenstarken Audi.


Herr Heger, welche persönliche Highlights verbinden Sie mit dem Norisring?

„Sehr viele. Zuerst denke ich an eine Siegerehrung Mitte oder Ende der 80er Jahre. Den Pokal hat mir der damalige bayrische Ministerpräsident Franz-Josef Strauß überreicht, was durchaus etwas Besonderes war. Mein bestes Norisring-Resultat in der DTM war ein zweiter Platz, den ich Ende der 80er Jahre mit einem BMW M3 des Teams Linder erreichen konnte. Vielleicht wäre noch mehr möglich gewesen, wenn ein gewisser Michael Schumacher mich nicht einige Jahre später in der ersten Kurve abgeräumt hätte – denn damals bin ich aus der ersten Startreihe losgefahren.“

Was macht den Norisring für Sie noch besonders?

„Der Norisring ist als Strecke einzigartig. Wir haben damals zwei 100-Kilometer-Rennen mit einer kurzen Pause zwischen den beiden Läufen bestritten und im Zusammenspiel mit der Hitze, die wir in Nürnberg oft vorgefunden haben, hat uns das echt an unsere Grenzen gebracht – zumal der Kurs keine Möglichkeit zur Erholung bietet und die Mauern verdammt nah sind. Aber auch neben dem sportlichen Geschehen war das Norisring-Wochenende immer sehr besonders mit dem schönsten Fahrerlager, den besten Partys und auch einer großen Fannähe.“

Mit welchem Auto treten Sie bei der DTM Classic an?

„Ich fahre einen Audi V8. Die Karosserie ist original aus 1990, die Technik darin stammt aus 1991. Das Auto wurde ausschließlich mit Original-Teilen von Audi Sport aufgebaut, hat kein ABS und eine H-Schaltung. Ich bin mit diesem V8 bereits zu Beginn der Saison beim ADAC Hockenheim Historic angetreten und konnte da beide Rennen für mich entscheiden. Ich finde es übrigens klasse, dass ich auch mal mit einem Audi auf dem Norisring fahren kann, denn damals, als ich noch für BMW in der DTM unterwegs war, hat Audi uns in Nürnberg immer fürchterlich geärgert…“

Erklären Sie uns Ihre Sympathie zu den historischen DTM-Fahrzeugen.

„Sie sind für mich eine schöne Erinnerung an eine Zeit, in der ich einige Erfolge feiern konnte und sie stellen die Herausforderung dar, die ich als Rennfahrer immer noch suche. Man muss beim Runterschalten noch Zwischengas geben und es gibt kein ABS, was den Fahrer mehr fordert als es moderne Rennwagen tun. Ich genieße diese Herausforderung und wenn ich aussteige, bin ich happy und ausgeglichen. Auf dem Norisring ist mein Anspruch irgendwie schon, ganz vorne zu landen, aber noch wichtiger ist der Spaß. Ich freue mich schon auf die beiden Läufe der DTM Classic.“

Montag, 1. Juli 2024

DTM-Stars erwartet das Highspeed-Abenteuer Norisring

 Schnellste Stadtrundfahrt Deutschlands

  •     40 Jahre DTM: Geburtstag-Event mit der DTM Classic und den Stars von früher
  •     Elektro-Premiere: Vollelektrischer NXT Gen Cup mit vier Rennen am Norisring
  •     Fußball-Fieber: Magath und Augenthaler im Schaeffler Innovationstaxi

Foto:Jens Hawrda

Stadt-Spektakel voraus: Am kommenden Wochenende (5. bis 7. Juli) gastiert die DTM in Nürnberg auf dem einzigen Stadtkurs in Deutschland. Auf dem Norisring steigt für die DTM der Abschluss der ersten Saisonhälfte. Als Tabellenführer reist Audi-Pilot Kelvin van der Linde (Abt Sportsline) an den Norisring. Der Südafrikaner darf im DTM-Stadtverkehr allerdings nicht in den Stau geraten – Lamborghini-Ass Mirko Bortolotti aus Italien lauert mit nur acht Punkten Rückstand. Im Rahmenprogramm der DTM gibt es eine Premiere: Beim 81. Rennen auf dem Norisring ist erstmals eine Elektro-Rennserie am Start, der vollelektrische NXT Gen Cup trägt dort vier Läufe aus. Dazu feiert die DTM am Norisring ihr 40-jähriges Jubiläum, die Fans erwarten zwei Rennen mit historischen Rennfahrzeugen aus vier Dekaden DTM-Geschichte und Stars aus den vergangenen 40 Jahren. ProSieben zeigt die Läufe vom Norisring live im deutschen Free-TV am Samstag und Sonntag ab 13 Uhr.

Keyfacts, Norisring, Nürnberg, Saisonrennen 7 und 8 von 16

    Streckenlänge: 2.162 Meter
    Layout: Vier Kurven (eine Rechts-, drei Linkskurven), gegen den Uhrzeigersinn befahren
    Sieger 2023, Rennen 1: Sheldon van der Linde (Schubert Motorsport, BMW M4 GT3)
    Sieger 2023, Rennen 2: Thomas Preining (Manthey EMA, Porsche 911 GT3 R)

Lokalmatador will Aufwind nutzen

Ein DTM-Fahrer kommt mit besonders großer Vorfreude an den Norisring: Marco Wittmann. Für den BMW-Werkspiloten aus Fürth wird das Wochenende zum Heimspiel. Kaum jemand kennt die Strecke so gut wie Wittmann, der dieses Jahr sein elftes Norisring-Wochenende bestreitet. „Die Freude auf den Norisring ist riesig. Es wäre ein Traum, dort zu gewinnen oder zumindest aufs Podium zu fahren“, sagt der Lokalmatador. In der Saison 2018 gewann Wittmann in Nürnberg – ein Highlight seiner Karriere. „Das war mein mit Abstand emotionalster Sieg. Mit den Fans auf den Tribünen, Freunden und meiner Familie zu feiern, hat sich großartig angefühlt. Das war etwas ganz Besonderes“, erinnert sich der 34-Jährige. Die Formkurve zeigt bei Wittmann pünktlich zum Heimspiel nach oben: Am vergangenen Rennwochenende in Zandvoort holte der zweimalige Champion von Schubert Motorsport seinen ersten Saisonsieg. Auch Teamkollege Sheldon van der Linde hat gute Erinnerungen an den Norisring. Der Südafrikaner gewann dort im vergangenen Jahr. Als Wahl-Münchener hat van der Linde ebenfalls eine kurze Anreise ins fränkische Nürnberg.

Kelvin van der Linde an der Spitze, Verfolger eng zusammen

Spitzenreiter Kelvin van der Linde möchte auch nach den beiden Läufen auf dem Norisring ganz vorne stehen. Fünf verschiedene Sieger aus den ersten sechs Rennen zeigen allerdings, wie umkämpft und ausgeglichen die DTM 2024 ist. Van der Linde will in Nürnberg seine gute Bilanz mit zuletzt drei Podestplätzen in vier Rennen fortsetzen: „Ich hatte dort immer die Pace, um ganz vorne mitzufahren, aber bisher nicht das nötige Glück. Ich hoffe, wir können dieses Mal das erste Podium feiern.“ Dafür erhält er prominenten Support, der auch beim Fußball-Fachsimpeln unterstützt: Die Abt-Mannschaft hat die Fußball-Legenden Felix Magath und Klaus Augenthaler eingeladen, die beide den Norisring im von Ex-Formel-1-Fahrer Lucas di Grassi gesteuerten Schaeffler Innovationstaxi kennenlernen werden. Lamborghini-Speerspitze Bortolotti ist als schärfster Verfolger von van der Linde heiß auf Top-Ergebnisse am Norisring. Der Fahrer von SSR Performance überzeugte im Lamborghini Huracán GT3 Evo2 vor allem im Qualifying und holte dabei als bester DTM-Fahrer starke acht Punkte.

Besonders eng geht es in der DTM hinter dem Führungsduo zu: Als Dritten trennen Kelvin van der Lindes Teamkollegen Ricardo Feller (CH) gerade einmal neun Punkte von Schubert-Motorsport-Pilot René Rast (Bregenz) auf Platz neun. Dazwischen steht unter anderem Titelverteidiger Thomas Preining (A). Der Porsche-Werksfahrer von Manthey EMA sucht noch nach seiner Konstanz aus der Meistersaison, als er den ersten seiner vier Laufsiege am Norisring holte. Ein besonderes Wochenende erwartet Maro Engel (Monaco) vom Mercedes-AMG Team Winward. Der Routinier auf Rang sechs bestreitet am Sonntag das 100. DTM-Rennen seiner Karriere. Mit Selbstvertrauen im Gepäck reist Lamborghini-Fahrer Nicki Thiim nach Nürnberg. Der Däne von SSR Performance gewann am vergangenen Wochenende das 24-Stunden-Rennen in Spa-Francorchamps.

Herausforderung Norisring

Zwei scharfe Kurven und dazwischen fast durchgehend mit Vollgas geradeaus – auf den ersten Blick wirkt der Norisring eher unscheinbar. Doch der Stadtparcours stellt die DTM-Stars vor einige Herausforderungen. Statt Auslaufzonen oder Kiesbetten beschränken größtenteils Mauern oder Leitplanken die Fahrbahn. Vor der Spitzkehre am Dutzendteich und der Grundig-Kehre müssen die Fahrer stark abbremsen, dazwischen erleben die Zuschauer Vollgas-Racing mit Windschatten-Duellen. Dazu ist der Norisring mit 2,162 Kilometer die mit Abstand kürzeste Strecke im Kalender.

Elektro-Premiere und Jubiläums-Festival

Neben der DTM sorgt auch der NXT Gen Cup für Rennaction am Dutzendteich. Die weltweit erste vollelektrische Junioren-Tourenwagenserie aus Schweden debütiert am Norisring. Als einheitliches Fahrzeug kommt der bis zu 230 PS starke LRT NXT 1 zum Einsatz, der auf dem straßenzugelassenen Mini Cooper SE basiert. Nostalgisches Flair versprüht die DTM Classic. In zwei Rennen treten DTM-Legenden wie Hans-Joachim Stuck, Harald Grohs oder Altfrid Heger gegeneinander an. Für ordentlich Rauch sorgen die Red Bull Driftbrothers, die mit ihren über 1.000 PS starken BMW M4 vor den DTM-Rennen ein Drift-Spektakel abfeuern. Am Norisring feiert die DTM zudem ihr 40-jähriges Jubiläum. Die Besucher erwarten unter anderem Talks mit Motorsport-Legenden in der DTM Fan Zone. Am Samstagabend wird das Fahrerlager zur Partymeile, wenn die After Race Party von Sunshine Live mit DJ Falk steigt.

Donnerstag, 27. Juni 2024

Wittman vor DTM-Heimrennen am Norisring

Marco Wittmann: „Das war der emotionalste Sieg meiner Karriere“

  • BMW-Pilot ist nach dem Zandvoort-Sieg pünktlich zum Heimspiel in Form
  • Wittmann beschreibt seine Verbindung zum Norisring, spricht über die besondere Teamkonstellation mit drei Champions und erklärt seinen Aufschwung

Marco Wittmann, BMW #11, bestreitet am Norisring sein Heimrennen
Foto: Jens Hawrda

Dieses Event zählt zu den absoluten Highlights im DTM-Kalender. Vom 5. bis 7. Juli steigt der vierte Tourstopp auf dem Norisring. Der einzige Stadtkurs Deutschlands hat seinen ganz eigenen Charme und garantiert ein Motorsport-Spektakel auf den Straßen Nürnbergs. Einer steht dabei besonders im Fokus: Marco Wittmann. Der Fürther hat die kürzeste Anreise aller DTM-Fahrer und fiebert seinem Heimspiel bereits entgegen. „Die Vorfreude auf den Norisring ist extrem groß. Die vielen Fans, die Familie, der Freundeskreis und der Fanclub vor Ort machen das Wochenende für mich zu einem absoluten Highlight. Dazu gab es dort in den vergangenen Jahren viele spektakuläre Rennen“, sagt der zweimalige Champion. Wittmann kommt mit einer ordentlichen Portion Selbstvertrauen an den Norisring. Am letzten Rennwochenende im niederländischen Zandvoort holte der BMW-Werksfahrer seinen ersten Saisonsieg.

Kaum jemand kennt den Norisring so gut wie Wittmann, der dort als Fahrer bereits zehn DTM-Rennwochenenden erlebte. Respekt vor der besonderen Streckencharakteristik hat er trotzdem. „Die Herausforderung ist speziell, weil du extrem nah an den Leitplanken entlangfährst, es keine Auslaufzonen gibt und du dir daher eigentlich keinen einzigen Fehler erlauben darfst“, erklärt Wittmann. Der Matchplan für ihn: „Man muss extrem fokussiert und konzentriert sein. Der Norisring hat zwar nur vier Kurven, aber genau das macht die Strecke auch so schwierig. Denn die Rundenzeiten liegen sehr eng beisammen. Das macht den Norisring aus, genauso wie das einmalige Flair und die Atmosphäre.“

Für Wittmann stand vor seiner zwölften DTM-Saison eine Veränderung an. Nach einem schwachen DTM-Jahr 2023 ging der 34-Jährige zu Schubert Motorsport. Ein Wechsel mit Wirkung. Beim Auftakt in Oschersleben verhinderte mangelnder Benzindruck kurz vor Schluss einen Traumstart mit Sieg, danach platzierte Wittmann seine „Green Machine“ in den Farben seines Partners Schaeffler in allen fünf Rennen in den Punkten. In Zandvoort folgte der erste DTM-Sieg seit dem Saisonfinale 2022. „Nach einem Teamwechsel musst du zuerst deine Ingenieure sowie Mechaniker kennenlernen und auch schauen, in welche Richtung du von der Setup-Einstellung gehst. Wir konnten uns immer weiter verbessern, in Zandvoort hat es zum ersten Mal richtig Früchte getragen“, beschreibt Wittmann die Entwicklung.

Der Sieg in Zandvoort, Wittmanns 19. DTM-Erfolg überhaupt, markiert den bisherigen Saison-Höhepunkt. Weitere sollen folgen. „Die Stimmung im Team ist richtig gut. Natürlich hoffe ich, dass der Aufschwung weitergeht und ich die Form bestätigen kann“, sagt Wittmann. Die Konstellation bei Schubert Motorsport birgt dabei durchaus Potenzial für Reibung. Neben Wittmann bilden mit René Rast und Sheldon van der Linde zwei weitere Champions das Line-up. Zusammen hat das Trio insgesamt sechs DTM-Titel eingefahren. Starke Konkurrenz innerhalb eines Rennstalls, trotzdem bewertet Wittmann die Situation positiv: „Es ist ein gesunder, aber auch respektvoller Kampf zwischen uns. Ich denke, wir alle drei wissen, um was es geht. Letztlich kann das Team davon nur profitieren.“

Das Ziel für sein Heimspiel am Norisring ist klar gesetzt: Den Aufwärtstrend in seinem BMW M4 GT3 bestätigen und vorne angreifen. Wie sich ein Sieg in seinem DTM-Wohnzimmer anfühlt, weiß Wittmann ganz genau: „Mein Erfolg am Norisring 2018 war für mich mit Abstand der emotionalste Sieg, den ich in meiner Karriere je erlebt habe. Mit den ganzen Fans auf den Tribünen und der Familie zu feiern, war etwas ganz Besonderes. Es wäre natürlich ein Traum, wenn das oder zumindest der Sprung aufs Podium dieses Jahr klappen würde.“

Tickets für das DTM-Rennwochenende auf dem Norisring gibt es ab 74 Euro online unter dtm.com. Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren haben in Begleitung eines Erwachsenen freien Eintritt. In allen Karten inbegriffen ist eine kostenlose Anreise im Verkehrsverbund Großraum Nürnberg sowie der freie Zugang zum Fahrerlager aller Serien.

Brisante Führungswechsel bei der IDM in Most

Neue Spitzenreiter, Doppelsieger und Gastfahrer. Die dritte Saisonrunde der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) hatte alles zu bieten. Im tschechischen Most wurde am vergangenen Wochenende Rennsport vom Feinsten zelebriert.

Das war der Kampf in Rennen 2 in Most Alt #1 hauchdünn vor Mikhalchik #17
Foto: Jens Hawrda
IDM Superbike

In der Top-Klasse IDM Superbike, in der mit über 200 PS und mehr als Tempo 300 gefahren wird, überschlugen sich die Ereignisse. Titelverteidiger Florian Alt (Holzhauer Racing Promotion) war als Titelverteidiger und Führender in der Gesamtwertung auf Honda angetreten. Der Vorsprung zu Ilya Mikhalchik (Champion Alpha Van Zon BMW), seinem direkten Verfolger in der Tabelle, betrug zwei Punkte.

Das erste der beiden Superbike-Rennen entwickelte sich zum Drama mit spektakulärem Abgang einer der Hauptakteure. Rundenlang lag Florian Alt vorne. Aber im Geschlängel passierte ihm in Führung liegend ein Fehler, den der 28-jährige Engelskirchener nicht ausbügeln konnte. BMW-Fahrer Patrick Hobelsberger vom sächsischen Team GERT56 und Mikhalchik sahen ihre Chance zum Überholen und zogen an Alt vorbei. Auf der Bremse war die Konkurrenz in dem Moment stärker als der Titelverteidiger. Hobelsberger übernahm die Führung, dann war Mikhalchik an der Reihe und schließlich mischte auch noch Hannes Soomer (Enos Motorsport) mit. Der Este war zur Halbzeit auf seiner BMW richtig in Fahrt gekommen. Alles, was er wollte, war endlich ein Sieg in der Top-Klasse. Dieser fehlte ihm bisher. In der zwölften Runde holte der 26-Jährige aus Tallinn zum großen Schlag aus und zeigte dem bereits dreifachen Meister Mikhalchik das Hinterrad der blauen BMW. Jetzt hatte der Este noch vier Runden zu überstehen, um endlich seinen ersten großen Triumph feiern zu können. Und dann: Sturz im letzten Umlauf. Soomer rutschte das Vorderrad weg. Mikhalchik ging zum dritten Mal in der aktuellen Saison als Sieger eines Rennens hervor und knöpfte dem Zweiten Florian Alt damit auch gleich die Tabellenführung ab. Jan-Ole Jähnig wurde sensationell Dritter. Der 23-jährige wird bereits hoch gehandelt für die Zukunft. Er hatte mit seinem Teamkollegen Hobelsberger um den noch verbleibenden Podiumsplatz gekämpft, wobei Hobelsberger von der Ideallinie abgekommen war.

Den zweiten Lauf gewann Alt. Mikhalchik krabbelte Alt fast in den Auspuff der Honda, so eng ging es um den Sieg zu. Was sich in den letzten Runden auf der Strecke abspielte, war eine Wucht. Es ging hin und her. Mikhalchik und Alt wehrten sich beide vom Feinsten und erst auf der Ziellinie war klar, dass Alt am Ende mit 0,031 Sekunden Vorsprung gewonnen hatte. Die IDM-Führung hat er sich auch zurückgeholt. Es steht genauso wie es vor der Veranstaltung war: „Flo“ hat zwei Meisterschaftspunkte mehr als Mikhalchik. Soomer hatte sich aus dem Trubel herausgehalten und war glücklich, nach seinem fatalen Sturz im ersten Lauf nun endlich einen Pokal erhalten zu dürfen. Seiner Crew versprach er für den Abend eine Palette Bier, denn sie hatte viel Arbeit gehabt, um dem Fahrer für das zweite Rennen ein funktionierendes Motorrad hinstellen zu können. Die BMW war nach dem Crash im ersten Rennen nicht mehr in einem Stück gewesen. Auch ein Blick in die Gesamtwertung der IDM Superbike lohnt sich. Der Deutsche Florian Alt führt auf Honda vor dem Ukrainer Ilya Mikhalchik auf BMW und dem Italiener Lorenzo Zanetti auf Ducati. Kawasaki rangiert mit Leandro Mercado aus Argentinien in den Top Ten sowie auch der Österreicher Maximilian Kofler auf Yamaha.

IDM Supersport

In der etwas kleiner IDM Supersport-Klasse führte in Most kein Weg an Andreas Kofler aus Österreich vorbei. Der Yamaha-Fahrer erreichte gemeinsam mit dem Familienteam das beste Ergebnis seiner Supersport-Karriere. Er startete von der Pole Position und gewann beide Rennen. Weil Luca de Vleeschauwer (MotoLife), der Triumph-Doppelsieger von Oschersleben, nicht die besten Tage hatte, beträgt Koflers Vorsprung in der Gesamtwertung auf den Belgier nun 31 Punkte statt bisher zwei. Einen Befreiungsschlag gab es für den Niederländer Twan Smits (Team Apreco), den Vizemeister von 2023. Nach einem missglückten Saisonstart fühlte sich sein zweiter Platz hinter Kofler nach 14 Runden an wie ein Sieg. Im zweiten Rennen startete der Niederländer von Position 6 gleich direkt an die Spitze durch, um sich mit Kofler auseinander zu setzen, stürzte aber später. Im Ziel hatte Kofler jetzt 2,024 Sekunden Luft zum Zweitplazierten Daniel Blin (AF Racing Team, Ducati). Die nächsten Plätze wurden von Jonas Kocourek und Marcel Brenner, den beiden Gastfahrern mit WM-Hintergrund, belegt. Umso bedeutsamer ist der fünfte Platz des erst 17-jährigen Triumph-Nachwuchsfahrers Luca Göttlicher (Triumph Germany Supersport Racing). Da Kocourek und Brenner außer der Wertung fuhren, erhielt Göttlicher Meisterschaftspunkte, als ob er als Dritter hinter Blin ins Ziel gekommen wäre. Der Erfolg sorgte dafür, dass Göttlicher in der Tabelle gleich fünf Positionen gutmachte und er jetzt Siebter ist.

IDM Supersport 300

In der Nachwuchsklasse IDM Supersport 300 gab es einen Führungswechsel in der Meisterschaft. Der zweifache WM-Sieger Jeffrey Buis (Freudenberg KTM-Paligo Racing) sicherte sich in beiden Rennen den zweiten Platz hinter dem Gaststarter und WM-Fahrer Marco Gaggi (BrCorse), der beide Läufe gewann. Da der Italiener nicht gewertet wurde, erhielt Buis die volle Punktzahl und ist mit drei Zählern Vorsprung auf seinen Teamkollegen Oliver Svendsen neuer Spitzenreiter in der Gesamtwertung. Ein Wochenende zum Vergessen erlebte hingegen Phillip Tonn (Freudenberg KTM-Paligo Racing). Nach einem unverschuldeten Ausfall im ersten Lauf am Samstag musste er am Sonntag einen weiteren Sturz verkraften.

FIM Seitenwagen WM

Die Führung der FIM Seitenwagen-Weltmeisterschaft liegt nach den Läufen in Most wieder in deutschsprachiger Hand. Markus Schlosser und Luca Schmidt (Team Schlosser/LCR Yamaha) zeigten in den Rennen Nervenstärke und Ausdauer und konnten jedes Mal den Kampf um den Sieg gegen Harry Payne/Kevin Rousseau (Steinhausen Racing / ARS Yamaha) knapp für sich entscheiden. In der Sidecar-Meisterschaft der IDM ging das Vater-Sohn-Team Ted und Vincent Peugeot (Seventy Four Racing Team/LCR Yamaha) als Doppelsieger hervor. Der Schweizer Lukas Wyssen kam zusammen mit seiner französischen Nachwuchs-Beifahrerin Ema Salmon (Team Gustoil Sidecar Racing/LCR Yamaha) in beiden Rennen auf den zweiten Platz.

Mittwoch, 26. Juni 2024

GERT56: Jähnig mit Podest, Hobelsberger mit Pech, Finsterbusch stark

Patrick Hobelsberger war mit dem Rennwochenende in Most nicht zufrieden
Foto: Jens Hawrda


Jan-Ole Jähnig hat im Autodrom Most mit einem dritten Platz im ersten Lauf sein zweites Podest in der IDM Superbike – der höchsten deutschen Rennsportklasse in der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) - gefeiert. Toni Finsterbusch und Patrick Hobelsberger mussten sich jeweils ein Mal aus dem hinteren Feld wieder nach vorn kämpfen und Schadensbegrenzung betreiben.

Jan-Ole Jähnig holte im ersten Rennen zur IDM Superbike im tschechischen Most den dritten Platz – wenn auch nicht ganz ohne Drama. Teamkollege Patrick Hobelsberger war weit gegangen, kam auf die Linie zurück und kollidierte mit Jähnig. Der blieb sitzen, Hobelsberger musste durch’s Kies und eine Verfolgungsjagd starten, die noch mit drei Pünktchen belohnt wurde. Dabei hatte der Bayer allerdings mit Reifenproblemen zu kämpfen.

Auch nicht ganz optimal lief der erste Lauf für Toni Finsterbusch. In der Anfangsphase musste er nach einem Bremsproblem durchs Kiesbett fahren und sich am Ende des Feldes wieder einreihen. Der Krostitzer wurde noch Zehnter.

Im zweiten Rennen mischte Finsterbusch ganz vorn mit, konnte dann aber nach einer konservativen Reifenwahl die Pace am Ende nicht mehr mitgehen und landete auf dem vierten Platz knapp hinter dem Podest. Hobelsberger wurde Siebter, Jähnig Sechster.

In der Gesamtwertung liegt Finsterbusch mit 69 Punkten auf Platz vier, Hobelsberger folgt mit sechs Zählern weniger auf Rang fünf. Jähnig hat 62 Punkte gesammelt und ist Sechster.

Patrick Hobelsberger:

„Der Freitag startete sehr gut, wir konnten in allen Trainings vorne mitmischen und führten diese teilweise sogar an. Das Motorrad konnten wir Millimeter für Millimeter immer besser abstimmen und uns perfekt für die Rennen und Qualis vorbereiten. Für das Quali hatten wir einen guten Plan zurechtgelegt und diesen perfekt durchgezogen. Am Ende belegten wir P3 mit einer 1,32,516. Die Rundenzeit ist nur eine halbe Sekunde langsamer als die schnellste WSBK-Rennrunde. Im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung von 1,2 Sekunden, damit waren wir mehr als zufrieden.

Im ersten Rennen war mein Start gut, in der Schikane fand ich einen sauberen Weg außen rum und konnte in dem Gedrängel direkt meine Position verteidigen. Mein Gefühl war wie das ganze Wochenende sehr gut und ich entschied mich so früh es geht zu attackieren und nach vorne zu fahren. Ich konnte in Runde fünf die Führung übernehmen und das Rennen managen. Das Bike funktionierte Weltklasse und die Pace war in den tiefen 1,33er Zeiten. Zur Rennhalbzeit bekamen wir merkwürdige Probleme. Ein großes Stück Gummi hatte sich aus meinem Reifen gelöst und das Bike wurde fast unfahrbar. Vibrationen, Chattering und kaum Grip. Ich verlor viel Zeit und musste die Führung abgeben. Als ich versuchte, Schadensbegrenzung mit stumpfen Waffen zu betreiben, hatte ich einen Kontakt mit meinem Teamkollegen Jan-Ole, bei dem ich ins Kies musste. Nach unserem kurzen Liebesaustausch musste ich das Bike auf die Strecke, durch das Kies zurückschieben und kam gefühlt als fast Letzter auf die Strecke zurück, konnte mich aber noch auf P14 vorarbeiten, mit einem Reifen der komplett am Ende war. Das Letzte, was wir wollen, ist, dass solche Situationen mit einem Teamkollegen passieren und so viele Punkte verloren gehen. Die Aktion war definitiv nicht mit Absicht und wir verstehen uns immer noch sehr gut.

Im zweiten Rennen war mein Start weit weg von gut, in der Schikane wurde ich durch einen Kontakt stark eingeklemmt und ich kam durch den ersten Sektor auf P12. Von der ersten Runde an hatte ich kaum Gefühl fürs Motorrad. Es kam kaum Feedback und alles fühlte sich ganz anders an, als das ganze Wochenende. Ich habe alles gegeben und versucht so weit es geht nach vorne zu fahren, P7 war aber das Maximum, was ich erreichen konnte. Bis jetzt haben wir noch keine Idee woher die Probleme kamen, man sieht in den Daten wie schwer ich mich tat, jedoch schaut der Rest relativ ähnlich aus wie immer. Es war weit weg von der Pace vom Wochenende und ich konnte kaum pushen und musste Runde für Runde versuchen keinen Fehler zu machen und zu stürzen.

Toni Finsterbusch:

„Insgesamt mit Platz zehn und vier ein gutes und ein schlechtes Ergebnis. Im Qualifying ist mir mit 32,7 eine wirklich sau-schnelle Runde gelungen, wenn man das mit World-Superbike-Zeiten vergleicht und es war nur knapp an Reihe eins vorbei. In Rennen eins musste ich leider in der vorletzten Kurve der dritten Runde gerade aus gehen, weil ich ein kleines Problem mit der Bremse hatte. Ich konnte es gerade noch so vor den Airfence stoppen und bin als Vorletzter wieder auf die Strecke. Das Rennen hat eigentlich sehr viel Spaß gemacht, auch wenn es sich sehr weit hinten abgespielt hat. Ich bin wieder gut vorwärts gekommen und mit Platz zehn habe ich noch paar Punkte geholt. Auch die Zeiten waren gut das hätte für die Top-Fünf gereicht. Im zweiten Rennen hatte ich einen besseren Start und ich konnte mich auf Platz zwei vor schieben. Dort war ich dann auch das halbe Rennen, habe aber leider noch ein paar Fehler eingebaut und so wurde es Platz vier. Aber 1,7 Sekunden Rückstand auf den Sieger ist auf jeden Fall sehr nah dran. Wir hatten nicht ganz die richtige Reifenwahl, ich war auf Nummer sicher gegangen. Ich bin zwei gute Rennen gefahren, auch wenn es die Ergebnisse nicht so sehr zeigen.“

Jan-Ole Jähnig:

„Das war ein Spitzen-Wochenende! Es hat schon ziemlich gut angefangen, ich war immer in den Top-Ten, unter den ersten Sechs. Es war gut, dass wir Freitag gleich ins Q2 eingezogen sind und wir auch nur einen Reifen fahren mussten. Damit hatten wir fürs Q2 einen über und konnten noch einen zweiten Schuss setzen. Die Longruns waren nicht so optimal, wir haben es mit dem SC0 und dem SCX probiert, aber es war nicht immer so perfekt. Startposition sechs im Quali war auch ganz gut und mit der Zeit – meine erste 32 – war ich sehr zufrieden. Aber die anderen ziehen halt auch mit, daher war es ‚nur‘ Platz sechs. Das erste Rennen war bisschen Reifenpoker, weil es nicht so warm war, wie gedacht. Ich habe mich für den Nuller entschieden und das war eine gute Wahl. Am Anfang konnten wir mitschwimmen und am Ende hatten wir Reifenmaterial übrig. Ich konnte in den Kurvensektionen teilweise schneller fahren, als die anderen, aber dort kommt man halt schlecht vorbei. Ich bin leider mit Pax noch zusammen gekommen, aber ich bin glücklicherweise sitzen geblieben. Hintenraus gab es dann mit Platz drei das erste Podest dieser Saison, da bin ich natürlich super-happy. Das zweite Rennen war um einiges wärmer, wir haben trotzdem noch mal den Nuller genommen – das war solide, vielleicht nicht perfekt und ideal, aber wir haben auf Platz sechs gute Punkte mitgenommen.“

Karsten Wolf:

„Als mich jemand nach Lauf eins fragte, warum sich unsere Fahrer im Rennen gegenseitig berühren, habe ich ihm leicht angefressen - sorry dafür - geantwortet: Weil wir‘s können! Hinterher dachte ich mir: sehr geile Antwort und trifft den Kern. Alle drei Fahrer sind auf annährend gleichem Niveau unterwegs und deshalb halten sie sich auch an den gleichen Stellen in der Spitzengruppe auf. Die Gesamtwertung spiegelt gerade exakt unsere Situation wider: Wir haben den Kontakt zur absoluten Spitze etwas verloren, bilden dahinter aber einen geschlossenen Block bestehend aus Attacke, Erfahrung und jugendlicher Unbeschwertheit.

Interessant war auch, wie viele nach Rennen eins gleich Bescheid wussten, was passiert ist. Einfach faszinierend. Dass sich ein enttäuschter Pax dann kurz zurückzieht und ein grandios aufgeigender Jan-Ole Jähnig das zweite Mal auf ein SBK-Podium fährt und sich im Siegesjubel Vorwürfe macht, zeigt doch den respektvollen und würdigen Umgang, den wir pflegen. Ein Blick aufs Video, ein kurzes Gespräch und die Dinge waren abgeglichen: Unterschiedliche Reifenwahl, JO kann schneller, Pax etwas weit, JO rein und Touché – so einfach können die Dinge manchmal sein. Und warum? Weil wir’s können. Und da ist er wieder der Blick auf die Gesamtwertung und der sagt uns: Wir bleiben optimistisch, passen aber unsere Ziele etwas an. Feuer frei in jedem Rennen, Pokal geht vor Punkte, Spaß vor Strategie und dann schauen wir im September wie die Dinge stehen.“