Samstag, 18. Juni 2022

Fabelhafte Renaissance der DRM-Boliden

Peter Mücke steuert legendären Zakspeed-Capri in Imola zum Sieg

  • Zwei edle BMW M1 von Kammermann und Scheer auf den Plätzen zwei und drei
  • Michael Hess im besten Porsche auf Rang vier
  • Automobile Schätze trotzten der Hitze von Imola – Zweiter Lauf am Sonntag

Peter Mücke im Ford Zakspeed Capri Turbo
Foto: Jens Hawrda

50 Jahre nach der Einführung der Deutsche Rennsport-Meisterschaft im Jahr 1972 hat die DRM eine erfolgreiche Renaissance gefeiert. Bei der Premiere des DTM Classic DRM Cup in Imola lieferten die vielbewunderten automobilen Schätze trotz größter Hitze mit Temperaturen von weit über 30 Grad eine grandiose Show. Der Sieg ging an den legendären Ford Zakspeed Capri Turbo, pilotiert vom Berliner Peter Mücke. Das Podium wurde komplettiert vom Schweizer Michael Kammermann und dem Dresdner Ronny Scheer, die beiden einen der edlen BMW M1 Procar steuerten.

„Es ist ein Privileg, dieses Auto fahren zu dürfen. Das macht einfach nur Spaß“, beschrieb der 75 Jahre alte Teamchef von BWT Mücke Motorsport aus Berlin, der jede Runde sichtlich genossen hatte. Dass er den Siegerpokal aus den Händen des aktuellen DTM-Champions Maximilian Götz entgegennehmen durfte, rührte Peter Mücke. „Das hätte ich auch nicht erwartet, dass ich mal einen Siegerpokal von meinem ehemaligen Schützling überreicht bekomme.“ Die Freude am Fahren stand auch bei Michael Kammermann im Vordergrund: „Den M1 zu fahren ist ein Traum. Natürlich war es ganz schön heiß im Cockpit, aber während des Rennens habe ich das gar nicht so wahrgenommen“ schilderte der Schweizer, der sich über die gesamte Distanz angestrengt hatte, seinen BMW M1 Procar möglichst zu schonen und um die Curbs herumzutragen, um keinen Schaden zu riskieren. Spaß hatten alle Piloten auch auf der fahrerisch anspruchsvollen Strecke im traditionsreichen Autodromo Enzo e Dino Ferrari in der Emilia-Romagna. „Das ist eine wunderschöne Strecke“, attestierte auch Ronny Scheer.

Der Niederländer Donald Molenaar im raren Alfa Romeo Montreal Gruppe 4 und Jürgen Adi Schumann (GER) im BMW 635 CSi kollidierten in der Startrunde unglücklich. Aus der ersten Startreihe heraus hatte Kammermann zunächst die Führung vor Michael Hess (GER) im Porsche Carrera RSR übernommen, bis Scheer für eine Doppelführung des zeitlos schönen M1 sorgte. Doch von weiter hinten im Feld stürmte Peter Mücke nach vorne, nachdem er aufgrund eines Flaggen-Vergehens seine Pole-Position verloren und aus der elften Position starten musste. Schon in Runde vier übernahm der Berliner die Führung und baute diese aus. „Als ich in der Acque Minerali kurz neben der Strecke war, habe ich etwas Tempo rausgenommen.“ Am Ende siegte Mücke aber mit deutlichem Abstand.

Neben dem Zakspeed-Capri, mit dem 1981 Klaus Ludwig den DRM-Titel gewann, und den beiden M1 sorgten zahlreiche Porsche, Alfa Romeo und weitere BMW-Modelle für ein buntgemischtes Bild. Als bester Porsche-Fahrer landete Michael Hess auf Rang vier vor seinem Markenkollegen Hans-Ulrich Kainzinger (GER). Das zweite Rennen wird am Sonntag um 16:15 Uhr gestartet und über die Streaming-Plattform DTM Grid (grid.dtm.com) live übertragen.


Premierensieg in Imola

Niederländer Colin Caresani triumphiert erstmals in der DTM Trophy

  • Der BMW-Pilot legt mit einem starken Start die Basis für den Erfolg
  • Jacob Riegel im Aston Martin und Moritz Löhner im BMW ebenfalls auf dem Podium
  • Heiße Kämpfe um den letzten Platz auf dem Siegertreppchen

Foto: Jens Hawrda

Der Niederländer Colin Caresani hat beim ersten Rennen der DTM Trophy in Imola seinen ersten Sieg erzielt. Im BMW M4 vom Team Project 1 sah Caresani nach 17 Runden im Autodromo Enzo e Dino Ferrari in seinem erst dritten Rennen in der Talentschmiede auf der DTM-Plattform als Erster die Zielflagge. Jacob Riegel (GER) erreichte im Aston Martin Vantage vom Team Speed Monkeys Rang zwei vor Landsmann Moritz Löhner im FK Performance BMW.

Den Grundstein für seinen Premierenerfolg legte Caresani gleich am Start. Bereits in der ersten Kurve setzte er sich außen neben den vom ersten Startplatz ins Rennen gegangenen Franzosen Edouard Cauhaupé (BWT Mücke Motorsport). Der Mercedes-AMG-Pilot verteidigte sich mit harten Bandagen, Caresani kam letztlich trotzdem vorbei. Cauhaupé fiel im Verlauf der ersten Runde sogar bis auf den fünften Platz zurück. Danach bestimmte Caresani gemeinsam mit Riegel das Geschehen an der Spitze, ihr Vorwärtsdrang wurde zwischenzeitlich nur von zwei Safety-Car-Phasen gebremst.

Die erste Neutralisierung verursachte der Brasilianer Thiago Vivacqua. Er parkte seinen von Heide-Motorsport eingesetzten Audi R8 bereits in der ersten Runde am Streckenrand. Die zweite Safety-Car-Phase löste Löhners Teamkollege Steriyan Folev in Runde 14 aus. Der Bulgare stand nach einem technischen Defekt ausgangs der Tosa-Kurve neben der Strecke. Bei beiden Restarts behaupteten Caresani und Riegel ihre Positionen an der Spitze. Das Duo trennte im Ziel 5,557 Sekunden.

Spektakuläre Kämpfe gab es um den letzten Podiumsplatz. Löhner setzte sich bereits in der Startrunde an die dritte Position und verteidigte diese mit allen Mitteln gegen seinen deutschen BMW-Markenkollegen Theo Oeverhaus (Walkenhorst Motorsport) und Cauhaupé. Der Franzose zog zwischenzeitlich an Oeverhaus vorbei und setzte Löhner stark unter Druck. Eine harte Attacke von Cauhaupé in Runde 14 schlug jedoch fehl, stattdessen eroberte Oeverhaus Rang vier wieder zurück. An dieser Reihenfolge änderte sich bis ins Ziel nichts mehr: Löhner brachte den dritten Platz vor Oeverhaus und Cauhaupé nach Hause. Dahinter kam Cauhaupés Teamkollege Rodrigo Dias Almeida aus Mosambique als Sechster ins Ziel. Er behauptete sich gegen Caresanis Teamkollegen Louis Henkefend (GER) und Löhners Stallgefährten Marc de Fulgencio (ESP).

Toyota-Pilot Tim Heinemann (Toyota Gazoo Racing Germany powered by Ring-Racing) schied vorzeitig aus, behält aber trotz des Ausfalls die Gesamtführung. Der Deutsche hat weiterhin 57 Punkte auf seinem Konto, Caresani folgt mit 43 Zählern vor Oeverhaus mit 38 Punkten. Da zweite Rennen der mit seriennahen GT-Sportwagen ausgetragenen DTM Trophy startet am Sonntag um 15:15 Uhr und wird live über die Streaming-Plattformen ServusTV ON (servustv.com) und DTM Grid (grid.dtm.com) übertragen.


Erster DTM-Sieg nach 587 Tagen

Rast gewinnt in Imola

  • Dreifach-Champion im ABT Audi gewinnt erstmals seit November 2020
  • Sheldon van der Linde behält die Führung in der Fahrerwertung
  • Bortolotti holt nach Aufholjagd Heim-Podium für GRT Lamborghini

Renè Rast (Audi)
Foto: Jens Hawrda

René Rast ist endgültig zurück in der DTM! Nach einem Jahr Pause in der Saison 2021 und einem ersten Podium am Lausitzring sicherte sich der dreimalige Meister in Imola seinen ersten Sieg seit 587 Tagen. Damals hatte der Deutsche im November 2020 seinen dritten Titel in Hockenheim perfekt gemacht. Im italienischen Glutofen mit Temperaturen weit über 30 Grad blieb der ABT Audi-Pilot cool und fuhr zu einem Start-Ziel-Sieg. Platz zwei ging an Markenkollege Nico Müller (SUI) vom Team Rosberg, auf Rang drei kam Mirko Bortolotti (GRT Lamborghini) ins Ziel. Der Italiener entriss kurz vor dem Ende des Rennens Thomas Preining (AUT) und dem KÜS Team Bernhard das erste Podium für Porsche in der DTM.

Rast war natürlich überglücklich: „Überragend! Es war einfach ein perfektes Rennen: Start, Pitstop, Rennen, alles lief reibungslos. Es war sehr, sehr heiß, man muss ständig kämpfen im Auto.“ Auch Bortolotti war mehr als zufrieden: „Absolut unglaublich. Die Strategie, lange draußen zu bleiben und am Ende mit frischen Reifen anzugreifen, ging voll auf. Riesiger Dank ans Team!“

In der Meisterschaftswertung führt weiter Sheldon van der Linde (RSA/Schubert BMW) mit 70 Punkten, der als Achter hinter dem besten BMW-Piloten Marco Wittmann (GER) immerhin vier Zähler sammelte. Allerdings schrumpfte sein Vorsprung auf Bortolotti auf drei Zähler. Auf Platz drei liegt Müller mit 58 Punkten, dahinter liegt jetzt schon Rast, der auf 49 Zähler kommt.

Das Rennen bei heftiger Hitze in Imola verlangte Piloten und Boliden alles ab. Dabei schaffte es Rast, den Start für sich zu entscheiden und danach trotz der Temperaturen cool zu bleiben. Pech hatte Timo Glock bei seinem DTM-Comeback: Der Gaststarter vom BMW Team Ceccato Racing musste nach einem Kontakt in der ersten Runde unverschuldet seinen beschädigten M4 gleich wieder abstellen.

Im weiteren Verlauf machte vor allem Bortolotti auf sich aufmerksam. Der GRT-Pilot musste wegen einer Startplatzstrafe von Rang 16 ins Rennen gehen, lieferte mit perfekter Strategie und kompromisslosen Überholmanövern eine starke Aufholjagd und sicherte so das Podium für Lamborghini. Weniger gut lief es für Ferrari beim Heimrennen: Nick Cassidy (NZL) wurde im AlphaTauri AF Corse 14., Felipe Frage fiel im Red Bull AF Corse aus. Bester Mercedes-AMG-Pilot war Maro Engel (GER) vom Team GruppeM, der als Zehnter noch einen Punkt holte.


Renè Rast holt Pole für Rennen 1 in Imola


 

Freitag, 17. Juni 2022

Heiß auf und in Imola: 22 DTM-Fahrer innerhalb von einer Sekunde

  • Nico Müller im Rosberg Audi mit 1:40,909 Minuten zur Tagesbestzeit
  • DTM Trophy: Project 1-Youngsters Henkefend und Caresani in letzter Minute an die Spitze
  • DTM Classic DRM Cup: Rennsport-Klassiker begeistern

Nico Müller (Audi) - Schnellster im ersten Training in Imola
Foto: Jens Hawrda

Enger geht es kaum noch: Vom Tagesschnellsten Nico Müller (SUI, Team Rosberg, Audi) bis hin zum Kanadier Mikaël Grenier, der im Mercedes-AMG des Teams GruppeM Racing den 22. Platz belegte, lagen die Rundenzeiten der DTM-Fahrer im zweiten Freien Training auf dem 4,909 Kilometer langen Autodromo Enzo e Dino Ferrari in Imola innerhalb von nur einer Sekunde. Müller blieb mit einer Zeit von 1:40,909 Minuten als einziger Fahrer unter der 1:41er-Marke und schloss damit den Trainingstag für das DTM-Gastspiel in der Emilia Romagna als Schnellster ab.

„Es ist brutal warm heute“, kommentierte Nico Müller die Bedingungen mit einer Außentemperatur von 34 Grad und einer Asphalttemperatur von etwa 50 Grad. „Dementsprechend ist es auch nicht einfach. Die Reifen kommen schnell ans Limit und dann ist es schwierig, eine Runde zusammenzubringen. Heute ist es einigermaßen gelungen. Morgen werden allerdings die Karten neu gemischt. Jetzt gilt es, zu analysieren, was heute gut war und wo wir vielleicht noch etwas rausholen können. Wir müssen über Nacht hart daran arbeiten, noch etwas Performance zu finden, aber es ist immer gut, schnell ins Wochenende zu starten.“

Auch Kelvin van der Linde (RSA, Team ABT Sportsline, Audi) war gut aufgelegt: Nachdem er im ersten Freien Training die Rangliste angeführt hatte, fuhr er im zweiten Durchgang auf Rang zwei. Dahinter folgte Philipp Eng (AUT, Schubert Motorsport) als schnellster BMW-Fahrer auf Position drei, vor René Rast (GER, Team ABT) in einem weiteren Audi und Thomas Preining (AUT, KÜS Team Bernhard) im schnellsten Porsche. Tabellenführer Sheldon van der Linde (RSA, Schubert Motorsport, BMW) beendete den Tag auf der sechsten Position, vor Lokalmatador Mirko Bortolotti (ITA, GRT, Lamborghini).

DTM Trophy: Project 1-Youngsters Henkefend und Caresani in letzter Minute an die Spitze

In der DTM Trophy belegten die beiden Youngsters des Teams Project 1, Louis Henkefend (GER) und Colin Caresani (NED) nach einer starken Schlussoffensive im zweiten Freien Training die ersten zwei Positionen in der Tagesaddition. Die Zeit von Henkefend, 1:53,132 Minuten, war dabei die Bestzeit am Trainingstag der Talentschmiede auf der DTM-Plattform.

Lange Zeit sah es danach aus, als ob der US-Amerikaner JP Southern im Audi R8, eingesetzt von Eastside Motorsport, mit seiner Zeit von 1:53,380 Minuten im ersten Freien Training auch die Tagesbestzeit für sich in Anspruch nehmen würde, aber im zweiten Training erhöhten Henkefend und Caresani, beide Aufsteiger aus dem letztjährigen BMW M2 Cup, doch noch einmal das Tempo. Auch Theo Oeverhaus (GER) im BMW des Teams Walkenhorst Motorsport, unterbot am Nachmittag noch die Zeit von Southern, Letztgenannter belegte im Tagesergebnis den vierten Rang.

DTM Classic DRM Cup: Rennsport-Klassiker begeistern

Am Freitag gab es auch ein Freies Training für den neuen DTM Classic DRM Cup, der in Imola Premiere feiert. Am Vormittag wurde das Training nach nur wenigen Minuten beendet, da eine Ölspur auf der Strecke eine Fortsetzung unmöglich machte. Am späten Nachmittag erhielten die Teilnehmer eine erneute Chance, sich auf die beiden Zeittrainings und Rennen vorzubereiten. Die klassischen Rennsportwagen aus den siebziger Jahren sorgten dabei optisch und akustisch für Begeisterung.

Die DTM gastiert an diesem Wochenende zum ersten Mal auf dem Grand-Prix-Kurs von Imola in der Emilia-Romagna. Jeweils am Samstag und Sonntag starten die Rennen um 13:30 Uhr MESZ, die jeweils ab 13:00 Uhr auf ProSieben live im deutschsprachigen Raum übertragen werden. Alle Trainings sowie beide Rennen sind zudem über die Streaming-Plattform DTM Grid (grid.dtm.com) live zu sehen.