Mittwoch, 25. Mai 2022

IDM Superbike Oschersleben

Kämpfe auf höchstem Level und der große Showdown von Oschersleben

Der spannende Kampf zw. Reiterberger #28 und Alt #66 kennzeichnete
das erste Rennen am Sonntag in Oschersleben
Foto: Jens Hawrda

Die Internationale Deutsche Meisterschaft (IDM) gehört in Oschersleben wie das Feuer zur Flamme. Die deutschlandweiten Unwetter verschonten die Magdeburger Börde. Ein Mix aus Wolken und Sonne ließ die Rennen in Deutschlands höchster Motorradserie zum Erlebnis auf und an der Rennstrecke werden.

Die Top-Stars in der Königsklasse Superbike machten den Kampf auf den über 200 PS starken Motorrädern unter sich aus: Florian Alt auf der Wilbers-BMW und Markus Reiterberger (BCC-alpha-Van Zon-BMW) waren die heißen Favoriten auf den Sieg. Alt hatte nach dem wegen technischer Defekte völlig verkorksten Saisonauftakt auf dem Lausitzring viel aufzuholen. Reiterberger dagegen war dort ein Doppelsieg gelungen. Doch der Bayer wusste, dass Alt ihm Paroli bieten würde, wenn alles passt. Das geschah im ersten Lauf des Tages. Die beiden BMW-Fahrer lieferten sich ein Nerven zerreißendes Duell. In der letzten Runde gelang Alt die entscheidende Attacke auf Reiterberger. Der 26-Jährige bescherte Alt seinem Team, allen voran Chef Benny Wilbers einen Tag nach dessen 70. Geburtstag, den so ersehnten ersten Saisonsieg. 

Reiterbergers Revanche folgte im zweiten Lauf. Die Startaufstellung erfolgte in den ersten drei Reihen in umgekehrter Reihenfolge des ersten Zieleinlaufs. Alt stand somit auf Position neun, Reiterberger auf acht. Dem Meisterschaftsführenden gelang ein Traumstart. Schon nach zwei Kurven war er an der Spitze des Feldes zu sehen. Alt brauchte länger, um freie Fahrt zu haben. An Reiterberger kam er zwar nicht mehr heran, aber er spielt wieder mit im Kampf um die Superbike-Krone. Mit Vladimir Leonov (Hertrampf Mo Yamaha Racing) hat jetzt auch der dritte Top-Star ins Geschehen eingegriffen und sorgt auf einer Yamaha für Abwechslung. Er stieg nach beiden Rennen als Dritter aufs Podest. Gold wert ist aber auch die Konstanz in den Rennen. Für Toni Finsterbusch (GERT56) zahlen sich nach einem erfolgreichen Saisonauftakt auch zwei vierte Plätze in Oschersleben mit dem zweiten Platz in der Gesamtwertung aus. In der IDM Superbike ist an der Spitze Europas Elite am Start. Für den Japaner Hikari Okubo waren die Rennen eine große Erfahrung. Ihm gelang auf der Honda des HRP-Teams in beiden Läufen der Sprung in die Top Ten. In vier Wochen, vom 24. bis 26. Juni 2022, werden die Kämpfe im tschechischen Most fortgesetzt.


IDM Supersport Oschersleben

Enderlein erneut ungeschlagen 

Max Enderlein mit vier Siegen Meisterschaftsführender
Foto: Jens Hawrda

In der IDM Supersport blieb Max Enderlein (M32 Racing) erneut ungeschlagen. Seine bisherige Bilanz: vier Rennen, vier Siege. Der Sachse bekam in der Motorsport Arena aber erstmals Druck von Andreas Kofler (Kawasaki Schnock Team Motorex). Der Österreicher wuchs über sich selbst hinaus. Der 17-Jährige qualifizierte sich zum ersten Mal in seiner Supersport-Karriere für einen Platz in der ersten Startreihe und einen Tag später stand er auf dem Siegerpodest. Mit Luca de Vleeschauwer (Kawasaki Weber-Motos Racing) beginnt ein weiterer Nachwuchsstern zu strahlen. 

Der 19-jährige Belgier fuhr im vergangenen Jahr noch in der kleineren Klasse IDM Supersport 300 und jetzt stand er als Rookie in der IDM Supersport wie schon in der Lausitz auf dem Podium - und das sogar auf dem zweiten Platz. Seinen bisher größten Erfolg konnte auch Chris Beinlich (Roto-Store BRT) verbuchen: ein dritter Platz im ersten Rennen. Und was ist mit dem Titelfavoriten Thomas Gradinger aus Österreich, der die IDM als optimales Sprungbrett für die Rückkehr in die Supersport-Weltmeisterschaft nutzen will? Der 25-jährige Yamaha-Fahrer vom Team Eder-Racing hat sich verletzt. Bei einem Highsider in der Einführungsrunde des ersten Supersport-Rennens brach er sich die Speiche in der rechten Hand.


IDM Supersport 300 Oschersleben

Das Team Freudenberg KTM_Paligo Racing kann feiern
Foto: Jens Hawrda

In der IDM Supersport 300 dominierte KTM an diesem Wochenende erneut. Scott Deroue und Walid Khan vom Team Freudenberg KTM-Paligo Racing gingen als Sieger hervor. Titelfavorit Marvin Siebdrath (Füsport – RT Motorsports by SKM – Kawasaki) konnte nach dem ersten Rennen mit dem zweiten Platz zwar seine Führung in der Gesamtwertung ausbauen, weil er im zweiten Rennen jedoch patzte und punktemäßig leer ausging, führt als neuer Spitzenreiter Leo Rammerstorfer (Team Freudenberg KTM-Paligo Racing) die Meisterschaft an. Zwischen ihm und Siebdrath liegen aktuell zwei Punkte. 

Der 16jährie Màtè Számadó feiert sein erstes IDM Podium
Foto: Jens Hawrda

Mit Máté Számadó (Hungarian Racing Engineering Team) sah man am Wochenende ein neues Gesicht auf dem Siegerpodest. Der einzige Ungar im Fahrerfeld schaffte es im zweiten Rennen auf Rang drei. Der 16-Jährige feierte damit sein erstes Podium in der IDM.


Michael Schrey/Gabriele Piana feiern Doppelsieg auf dem Red Bull Ring

  •  Actionreiches Rennen mit fünf Safety-Car-Phasen
  •  Schrey/Piana seit vier Rennen in Spielberg ungeschlagen
  •  Tano Neumann und Joachim Bölting mit zweitem Triumph in der Trophy-Wertung

Schrey/Piana seit vier Rennen ungeschlagen
Foto: Jens Hawrda

Michael Schrey (39/Wallenhorst) und Gabriele Piana (35/ITA, beide Hofor Racing by Bonk Motorsport) sind die Könige des Red Bull Rings. Nach dem Triumph im Samstagsrennen gewannen die BMW M4 GT4-Piloten auch den turbulenten und von fünf Safety-Car-Phasen geprägten Lauf am Sonntag. Damit haben die amtierenden Meister ihren Spielberg-Doppelsieg aus dem Jahr 2021 wiederholt. Rang zwei ging an die Tabellenführer Indy Dontje (29/NLD) und Phil Dörr (21/Butzbach, beide Dörr Motorsport) im Aston Martin Vantage GT4. Deren Markenkollegen Tom Wood (20/GBR) und Euan McKay (26/GBR, beide Racing One) komplettierten das Podium. „Die Freude ist unbeschreiblich groß. Wir hätten nie damit gerechnet, hier erneut zwei Erfolge einfahren zu können“, erklärte Schrey nach dem Rennen.


Von der Pole-Position ging zunächst Simon Connor Primm (17/Großschirma, Dörr Motorsport) ins Rennen. Der Aston Martin-Pilot behauptete zu Beginn auch die Führung und wurde von BMW-Fahrer Schrey verfolgt, der in einer starken Startrunde von Platz vier auf zwei nach vorne fuhr. Die Top Drei komplettierte Théo Nouet (19/FRA, CV Performance Group) im Mercedes-AMG GT4. Nach einer Kollision im Hinterfeld musste nach knapp zehn Rennminuten das Safety-Car auf die Strecke geschickt werden.

Kurz nach dem Re-Start, den Primm gewann, rollte der Mercedes-AMG von Nouet in Kurve drei aus, was erneut eine Safety-Car-Phase zur Folge hatte. Das Feld blieb somit dicht beisammen und versprach einen weiter packenden Rennverlauf. Nach der erneuten Freigabe behielt Primm abermals die Führung. Der Junior-Pilot kam wenig später jedoch eingangs der Start/Zielgeraden leicht von der Strecke ab, sodass Schrey profitieren konnte und die Spitzenposition übernahm. „Ich hatte das perfekte Rennen, insbesondere da ich gleich zwei Plätze gut gemacht hatte und später auch die Rennführung erobern konnte. Somit schaffte ich eine gute Ausgangslage für Gabriele“, blickte Schrey auf die erste Rennhälfte zurück. Der Aston Martin von Primm fiel im weiteren Rennverlauf mit einem Kühlerschaden aus.

Schrey übergab zu Rennmitte den BMW an Teamkollege Piana, der sich schnell einen kleinen Vorsprung aufbauen konnte. Doch dieser hielt nicht lange, denn wenig später sorgte eine weitere Kollision im Hinterfeld für die dritte Safety-Car-Phase. Hinter Piana hatten zuvor Robin Falkenbach (20/Niederkassel) im Mercedes-AMG von Schnitzelalm Racing und Cedric Piro (24/Heusweiler, Piro Sports - Burg Zelem Foundation) im Toyota GR Supra GT4 die Plätze zwei und drei übernommen.

Genau diese beiden kollidierten jedoch kurz nach der Rennfreigabe und sorgten somit für die nächste Gelbphase. Somit übernahm der Aston Martin von Dontje den Platz hinter Leader Piana. Das Rennen blieb erneut nur kurz unter Grün. Abermals sorgte eine Kollision zweier Fahrzeuge für eine Safety-Car-Phase, die letztendlich auch bis zum Rennende andauerte. „Ich musste in meinem Stint die Motortemperatur unter Kontrolle halten, denn die Außentemperaturen waren sehr hoch. Mir war zudem klar, dass der Aston Martin hinter mir zum Rennende stark sein würde. Somit habe ich in den wenigen Runden unter Grün immer gepusht. Während der Safety-Car-Phase wurde auch unsere Bremse stets ein wenig heiß. Somit war es perfekt, dass das Rennen unter Gelb abgewinkt wurde. Ich freue mich sehr über den Sieg“, bilanzierte Piana.

Hinter Dontje überquerte Aston Martin-Markenkollege Tom Wood auf Platz drei die Ziellinie. Vierte wurden Patrick Steinmetz (21/Nittel) und Michael von Zabiensky (21/Oschersleben, beide Schubert Motorsport) im BMW vor dem Porsche 718 Cayman GT4 RS CS-Duo Moritz Wiskirchen (19/Euskirchen) und Alexander Hartvig (19/DNK, beide Allied-Racing), das sich somit auch den Sieg in der Junior-Wertung sicherte. Platz sechs ging an die Markenkollegen Pavel Lefterov (24/BUL) und Stefan Bostandjiev (17/BUL, beide Overdrive Racing). Ricardo Dort (19/Solingen) und Ferdinand Winter (18/Schweinfurt, beide CV Performance Group) im Mercedes-AMG sowie Tano Neumann (47/BUL) und Joachim Bölting (55/Gelsenkirchen, beide Overdrive Racing) folgten auf den weiteren Plätzen. Das Porsche-Duo Neumann/Bölting holte sich zudem den Sieg in der Trophy-Wertung. Die Top Zehn komplettierten Jan Philipp Springob (21/Olpe) und Nico Gruber (20/AUT, beide Drago Racing Team ZVO) im Mercedes-AMG GT4 sowie die Porsche-Fahrer Tom Kieffer (47/LUX) und Christian Kosch (45/LUX, beide Allied-Racing).

Weitere Stimmen zum Rennen:

Phil Dörr – Platz zwei auf Aston Martin: „Wir konnten mit Platz zwei die Tabellenführung verteidigen. Das ist natürlich ein mega Gefühl. Wir hatten in Lauf zwei unsere Pace wieder gefunden, nachdem wir uns am Samstag ein wenig mit dem Set-up verkalkuliert hatten. Wir haben heute wieder gezeigt, was wir können und wo wir hingehören. Das ist sehr zufriedenstellend.“

Indy Dontje – Platz zwei auf Aston Martin: „Der BMW war dieses Wochenende zu stark für uns. Mit Platz zwei haben wir aber gute Punkte für die Meisterschaft eingefahren. Phil hat heute eine super Vorarbeit geleistet. Beim Boxenstopp haben wir einen Platz verloren, da wir ein Problem mit unserer Stoppuhr hatten. Durch die Safety-Car-Phasen konnte ich in meinem Stint insgesamt nicht viel ausrichten. Jetzt fahren wir als Führender in der Meisterschaft zu meinem Heimspiel in Zandvoort. Auf dieses Rennwochenende freue ich mich sehr. Ich hoffe, dass mich viele Zuschauer an der Strecke anfeuern werden.“

Sensationeller Vierkampf um den Sieg im DTM Classic Cup auf dem Lausitzring

 Klassisches BMW-Ford-Duell 

  •     Ronny Scheer gewinnt Sonntagsrennen im Ford Sierra RS500 Cosworth
  •     Ex-DTM-Asse Marc Hessel und Kris Nissen um eine Hunderstelsekunde getrennt
  •     Nächstes Gastspiel am Norisring – in Imola debütiert der DTM Classic DRM Cup

Ronny Scheer im Ford Sierra RS500 Cosworth
Foto: Jens Hawrda

Erinnerungen an ehemalige Rennsport-Duelle zwischen BMW und Ford weckte das Sonntagrennen zum neuen DTM Classic Cup auf dem Lausitzring Turn 1 powered by Autohero. Drei BMW und ein Ford lieferten sich einen sensationellen Vierkampf um den Sieg, beim Fallen der Zielflagge trennten gerade einmal 1,75 Sekunden die ersten Vier. Der Sieg ging an den Dresdener Ronny Scheer im Ford Sierra RS500 Cosworth, während die Entscheidung um Platz zwei erst auf dem Zielstrich fiel. Mit nur einer Hundertstelsekunde Vorsprung konnte der Bonner Marc Hessel, DTM-Vizemeister von 1987, seinem dänischen BMW-Markenkollegen Kris Nissen den zweiten Platz entreißen. Vierter wurde Leonard Batenburg (NLD) in einem weitere BMW.

Mit seinem Sieg sorgte Ronny Scheer auch für einen Heimerfolg von BWT Mücke Motorsport. Das Berliner Team bereitet nicht nur den „Cossie“, einem rechtsgelenkten Fahrzeug und ein ehemaliges Meisterauto aus der britischen Tourenwagen-Meisterschaft (BTCC) vor, sondern auch den legendären Opel Calibra V6 4x4, mit dem 1995 der ehemalige Formel-1-Pilot Keke Rosberg in der DTM angetreten war. Der über 500 PS starke Calibra erwies sich mit Stefan Mücke am Steuer im Samstagrennen als absoluter Publikumsliebling, doch der greifbare Sieg entglitt Mücke durch ein technisches Problem zwei Runden vor Schluss. Während der Calibra am Sonntag nicht am Start war, sorgten Scheer, Nissen, Hessel und Co. mit beherztem Racing für Kurzweil auf den gut gefüllten Rängen.

Am Start übernahm zunächst Samstag-Sieger Yannik Trautwein im BMW E36 STW vom Team Schnitzer Classic die Führung, aber nur ganz knapp vor Teamkollege Nissen im BMW E30 M3. Obwohl aus der dritten Reihe gestartet, gesellte sich schon auf der Gegengeraden Scheer mit dem bärenstarken Ford zum Führungsduo. Auch nach einer kurzen Safety-Car-Phase bestimmte dieses Trio das Geschehen an der Spitze. Dann zog Nissen mit Überschuss an Trautwein vorbei, der schließlich ausschied. Nissen, mit BMW, Alfa Romeo und ABT-Audi in der DTM erfolgreich, griff tief in die Trickkiste, um Scheer zu besiegen, doch auf den Geraden zog der Ford immer wieder davon. Von hinten rückten Hessel und Batenburg immer näher und machten aus dem Zweikampf einen Vierkampf. Einmal klopfte Nissen am Ford-Heck an, doch Scheer hielt das Auto unter Kontrolle. Schließlich versuchte Nissen kurz vor der Zielflagge eine letzte Attacke, doch weil der Ford leicht querging, verlor der Däne kurz den Schwung, was Hessel ausnutze, um hauchdünn Nissen noch von Platz zwei zu verdrängen.

Nach der erfolgreichen Premiere in der Lausitz wird der DTM Classic Cup auf dem traditionsreichen Norisring (1.-3. 3. Juli) sein zweites Gastspiel geben. Zuvor kommt es beim dritten Rennwochenende der DTM 2022 vom 17. bis 19. Juni im italienischen Imola zum Debüt des neuen DTM Classic DRM Cup mit legendären Rennwagen aus der Deutschen Rennsport-Meisterschaft (DRM) der Siebzigerjahre.