Freitag, 29. April 2022

Rallye-Star Sébastien Loeb startet beim DTM Saisonauftrakt in Portimão

Heißer Tipp von Titelverteidiger Götz an DTM-Rookie Loeb: „Bleib einfach auf dem Asphalt“

  • DTM-Piloten blicken mit großem Respekt auf Rallye-Star Sébastien Loeb
  • Nur Esmee Hawkey wagt einen Favoriten-Tipp: Teamkollege Nicki Thiim wird Champion
  • Lob für neuen Renndirektor Scot Elkins und die Rennstrecke von Portimão

Der amtierende DTM-Champion: Maximilian Götz (GER),
Mercedes-AMG Team WINWARD Racing © DTM

Rallye-Superstar Sébastien Loeb steht beim Saisonauftakt der DTM im portugiesischen Portimão im Fokus. Alle DTM-Piloten blicken mit großem Respekt auf den neunmaligen Rallye-Weltmeister. Den entscheidenden Tipp erhielt der Franzose vom DTM-Titelverteidiger Maximilian Götz: „Ich habe mich heute Morgen mit ihm unterhalten, und ich habe ihm gesagt, er soll einfach auf dem Asphalt bleiben“, so Götz (Mercedes-AMG Team WINWARD Racing) mit einem Augenzwinkern und ergänzt: „Loeb ist für mich ein absoluter Hero, er steht auf der gleichen Stufe wie Michael Schumacher und Valentino Rossi. Es ist toll, gegen einen solchen Star anzutreten.“ Loeb debütiert in den beiden ersten Saisonrennen am Samstag und Sonntag (Rennstart jeweils um 13:30 Uhr MESZ) – live auf ProSieben, am Samstag ab 12:30, am Sonntag ab 13:00 Uhr MESZ – im Ferrari 488 des Teams Red Bull AlphaTauri AF Corse. „Er ist einer der talentiertesten und komplettesten Rennfahrer auf der Welt. Er muss niemandem etwas beweisen und es ist bemerkenswert, dass er sich dieser schwierigen Aufgabe stellt“, ergänzte Thomas Preining (Porsche 911, KÜS Team Bernhard) in der offiziellen DTM-Pressekonferenz am Mittwoch.

Mit Spannung sehen die Fahrer dem Auftakt entgegen, und auch mit großem Respekt vor dem eindrucksvollen Starterfeld mit 29 Rennwagen und Piloten aus 15 Nationen. „Ich weiß, wie es sich anfühlt, DTM-Champion zu werden, deshalb würde ich das tolle Gefühl gerne wiederholen, zumal erfolgreiche Titelverteidigungen in der DTM selten sind. Ich würde mein Geld auf jeden setzen“, meinte Götz und unterstrich damit die einhellige Meinung, dass das Starterfeld nicht nur enorm stark, sondern auch ausgeglichen ist. Auch Thomas Preining, Philipp Eng (BMW M4, Schubert Motorsport) und Marius Zug (Audi R8, Attempto Racing) wollten keinen Titelfavoriten nennen, auch wenn Eng letztlich augenzwinkernd auf sich selbst tippte. Mut bewies die einzige Frau im DTM-Feld: Esmee Hawkey (Lamborghini Huracán, T3 Motorsport) hatte einen klaren Tipp parat: „Ich tippe auf meinen Teamkollegen, auf Nicki Thiim!“ Die Britin, die vom Sohn des 1986-er DTM-Champions Kurt Thiim viel lernen will, wünscht sich mehr Frauen in der DTM, weiß aber auch, wie schwer es ist, sich durchzusetzen. „Im vergangenen Jahr wollte ich erste Punkte holen, das habe ich geschafft. Aber in diesem Jahr wird es bei der Stärke des Feld ungleich schwieriger in die Punkte zu fahren“, ist sie sich der Schwere der Aufgabe bewusst.

Einen bemerkenswerten Eindruck hat bereits Scot Elkins, der neue Renndirektor der DTM, auf die Fahrer gemacht. „Ich kenne Scot Elkins bereits aus der Formel E. Er ist ein Mann der klaren Ansagen, also genau das, was man vom Renndirektor erwartet“, berichtete Philipp Eng, einer von vier Österreichern in der DTM. „Jeder Fahrer schaut mit Respekt zu ihm auf. Das war eine gute Entscheidung, ihn zu holen.“ Und Götz ergänzte: „Man hat bereits in der ersten Fahrer-Besprechung mit ihm gemerkt: Jeder hört wirklich zu.“ So erwartet auch Thomas Preising vor allem klare, nachvollziehbare Entscheidung vom US-Amerikaner.

Dass beim zweiten offiziellen Test der DTM am Dienstag und Mittwoch bis in die Dunkelheit gefahren wurde, fand den Zuspruch aller. „In den Sonnenuntergang hinein zu fahren, ist immer cool“, so Eng. „Ein Nachtrennen am Norisring, das wäre cool, das würde ich sehr begrüßen“, sagte Preising. „Das wäre ein echtes Spektakel, auf der Rennstrecke und auch mit großer Party für die Fans im Fahrerlager“, malte sich Götz bereit aus, und Marius Zug bekräftige: „Eine großartige Idee!“ Vor allem aber die Formel-1-Rennstrecke von Portimão an der Algarve-Küste stößt auf großen Zuspruch. „Das ist eine echte Achterbahn, und es ist sehr schwierig, eine perfekte Runde zusammenzubekommen“, musste Preining zugeben. „Ich mag die Strecke“, fasste Zug kurz und knapp zusammen. „Eine gute Ergänzung für den DTM-Kalender. Ich bin sicher, wir werden auf dieser Strecke tolles Racing erleben“, ist Eng überzeugt.

„Für mich geht ein Kindheitstraum in Erfüllung. Die DTM war immer mein Ziel“, erklärte Marius Zug, mit 19 Jahren der Jüngste im Feld, der vor allem die „ultimative Konkurrenz“ wertschätzt. Auch Preining, wie Zug ein Neueinsteiger in die Traditionsserie, spricht vom „Traum DTM“, der sich für ihn nun erfüllt. „Die DTM ist einfach etwas Besonderes.“ Eng, der ein Jahr in anderen Serien am Start war, bringt es auf den Punkt: „Wenn Du in der DTM fährst, weiß jeder Bescheid, wovon Du sprichst. Ich bin absolut happy, wieder in der DTM zurück zu sein.“ Der amtierende DTM-Champion Maximilian Götz bekräftigt: „In der DTM fahren die besten Fahrer. Es sieht sehr vielversprechend für die neue Saison aus, denn jeder kann gewinnen. Ich bin sicher, es wird ein Kampf bis zum Finale, bis zur letzten Runde.“ Dieser Kampf startet am Wochenende in Portimão, die Vorfreude ist bei allen Beteiligten groß.


Donnerstag, 28. April 2022

Zweiter DTM-Testtag in Portimão

 SSR Performance-Porsche mit erster Bestzeit in der DTM

  •     Norweger Dennis Olsen Schnellster vor Müller im Audi und Thiim im Lamborghini
  •     Fleißiger Rallye-Star: Sébastian Loeb dreht im Ferrari 75 Runden
  •     23 Fahrer in einer Sekunde: Heiße Positionskämpfe zum DTM-Auftakt erwartet

Der DTM-Jahrgang 2022: Am Wochenende startet die Traditionsserie
mit einem Rekord-Starterfeld in die neue Saison © DTM

Erste Bestzeit für SSR Performance-Porsche in der DTM: Der Norweger Dennis Olsen war am zweiten Tag des zweiten offiziellen DTM-Tests in Portimão der Schnellste. Im Porsche 911 des Münchner Teams SSR Performance umrundete Olsen den 4,653 Kilometer langen Formel-1-Kurs an der Algarve-Küste in 1:41,378 Minuten. Als bester Audi-Pilot kam der Schweizer Nico Müller (Team Rosberg) in 1:41,647 auf Rang zwei vor dem Dänen Nicki Thiim im Lamborghini Huracán von T3 Motorsport (1:41,690). Der neunmalige Rallye-Weltmeister Sébastien Loeb (FRA) bereitete sich mit 75 Runden im Ferrari des Teams Red Bull AlphaTauri AF Corse – nur drei Piloten drehten am Mittwoch mehr Runden – auf seine DTM-Premiere am Wochenende vor. Mit einem Rekord-Starterfeld von 29 Piloten aus 15 Nationen und Rennwagen von sechs Marken startet die DTM am Samstag und Sonntag (Rennstart jeweils um 13:30 Uhr MESZ) mit den ersten beiden von insgesamt 16 Saisonrennen in ihre 36. Saison. In den deutschsprachigen Ländern überträgt ProSieben live am Samstag im Rahmen des Super Motorsport Samstag auf ProSieben ab 12:30 – im Anschluss an die DTM folgt die Übertragung der Formel E – und am Sonntag ab 13:00 Uhr MESZ.

Bei idealen Testbedingungen mit Temperaturen knapp unter zwanzig Grad lieferte der zweite und letzte Testtag vor dem Saisonauftakt den ersten interessanten Schlagabtausch. Am Ende der fünfstündigen Testfahrten, die wie am Vortag mit Einbruch der Dunkelheit endeten, lagen die Rundenzeiten von 23 der 29 Piloten innerhalb einer Sekunde. Schnellster Mercedes-AMG-Pilot war wie am Dienstag Luca Stolz (GER) aus dem Meister-Team HRT mit 1:41,926 auf Rang acht, unmittelbar gefolgt vom Südafrikaner Sheldon van der Linde (Schubert Motorsport) im bestplatzierten neuen BMW M4 (1:41,971). Auf Rang elf sortierte sich der Brasilianer Felipe Fraga im Red Bull-Ferrari (1:42,005) ein. Für die einzige Unterbrechung des Tests sorgte der zweimalige DTM-Champion Marco Wittmann (GER) durch einen Ausrutscher mit dem BMW M4 von Walkenhorst Motorsport.

„Das waren zwei gute Tage“, konstatierte der 26-jährige Dennis Olsen. „Wir haben am Ende des Tages eine gute Rundenzeit erzielt und vor allem eine gute Fahrzeug-Balance erarbeitet. Es ist immer schön, wenn man an der Spitze steht, auch wenn es nur ein Test ist. Ich bin jedenfalls sehr begeistert, in der DTM zu starten.“ Mit Olsen am Mittwoch und dem Schweizer Ricardo Feller (Audi, Team ABT Sportsline) waren an beiden Tagen zwei DTM-Neulinge die Schnellsten. Auch Nico Müller, DTM-Vizemeister 2020, zog ein positives Fazit: „Ich bin mit dem zweiten Testtag mehr zufrieden als mit dem Vortag, denn ich konnte mehr Runden fahren. Allerdings sollte man das Ergebnis nicht überinterpretieren, denn es waren nur Testfahrten und nicht jeder hat seine Karten schon komplett aufgedeckt.“ Spätestens beim ersten Qualifying am Samstagvormittag werden Fahrer und Teams ihr Potenzial endgültig aufzeigen.

Nicki Thiim hat immer davon geträumt, eines Tages an die großartige Karriere seines Vaters Kurt – Meister 1986, 19 Siege und 16 Pole-Positions in 211 Rennen – anzuknüpfen. Jetzt ist der 33-Jährige, der als Aston-Martin-Werksfahrer schon zweimal GT-Langstrecken-Weltmeister wurde, endlich in der DTM angekommen. Seine Freude sprudelte förmlich aus ihm heraus. „Das war ein unglaublicher Tag, für mich und ich glaube auch für mein Team. Ich bin fertig im Kopf von den vielen Runden. Unser Auto ist ganz neu, daher mussten wir viele Kilometer abspulen, um die Kinderkrankheiten aufzuspüren“, so ein emotionaler Nicki Thiim, der einen Lamborghini Huracán des Dresdner Teams T3 Motorsport pilotiert. „Am Donnerstag habe ich einen freien Tag, die Jungs müssen noch viel Arbeiten, dass Auto komplett zerlegen und neu aufbauen.“ Ähnlich wie sein Vater Kurt Thiim, der die Testfahrten wieder vor Ort verfolgte und immer für einen Spruch gut ist, meinte Nicki auf die Frage der Umstellung auf den italienischen Sportwagen: „Das ist ein Auto und hat vier Räder und ein Lenkrad.“

Sébastian Loeb übernahm am zweiten Testtag den Ferrari mit der Startnummer 37 von Red Bull AlphaTauri AF Corse. Der Franzose ersetzt in Portimão Stammpiloten Nick Cassidy (NZL). „Es lief ganz gut. Ich habe ein ziemlich gutes Gefühl für diese Strecke und für das Auto bekommen. Jetzt geht es darum, eine gute Abstimmung zu erarbeiten und einen guten Rhythmus zu finden.“ Fleißiger als Loeb mit 75 Runden waren am Mittwoch nur der Amerikaner Dev Gore (Audi R8/Team Rosberg) mit 85, Dennis Olsen mit 80 und der jüngste Fahrer im Feld, Marius Zug (GER) im Audi R8 von Attempto Racing, mit 79 Runden.

Den Teams bleibt ein Tag zur Vorbereitung bis zum mit Spannung erwarteten DTM-Auftakt. Am Freitag stehen zwei Freie Trainings auf dem Programm, am Samstag und Sonntag folgenden jeweils ein Qualifying und ein Rennen über 55 Minuten plus eine Runde inklusive Pflichtboxenstopp zum Reifenwechsel auf Zeit.

Audi vor Porsche am ersten DTM-Testtag in Portimão

 Erneut fährt ein DTM-Rookie die Bestzeit

  •     Schweizer Ricardo Feller im Audi Schnellster vor Thomas Preining im Porsche
  •     DTM-Trophy-Champion Ben Green: Test im Mercedes-AMG als Belohnung
  •     Vor dem Saisonauftakt am Wochenende: Zweiter Testtag am Mittwoch

Ricardo Feller (SUI), Audi, Team ABT Sportsline © DTM


Audi vor Porsche – so lautete die Reihenfolge am Ende des ersten Testtages der DTM unmittelbar vor dem Saisonauftakt in Portimão. Der Schweizer Ricardo Feller war im Audi R8 von Team ABT Sportline mit einer Zeit von 1:41,573 Minuten der Schnellste vor dem Österreicher Thomas Preining (1:41,658) im Porsche 911 aus dem KÜS Team Bernhard. Mit dem 21-jährigen Feller fuhr wie schon beim ersten offiziellen DTM-Test Anfang April ein DTM-Neuling die Bestzeit. In Hockenheim war es mit Marius Zug (Pfaffenhofen) der mit 19 Jahren jüngste Fahrer im Feld, der am Dienstag in Portimão mit der drittbesten Zeit (1:41,757) im Audi von Attempto Racing seine Leistung untermauerte. Die 29 Fahrer des Rekord-Starterfeldes der DTM 2022 setzen den zweiten offiziellen Test am Mittwochnachmittag fort. Die ersten beiden von insgesamt 16 Saisonrennen werden am Samstag und Sonntag (Rennstart jeweils um 13:30 Uhr MESZ) auf dem 4,653 Kilometer langen Kurs an der Algarve ausgetragen. Im deutschsprachigen Raum überträgt ProSieben die Rennen live, am Samstag ab 12:30, am Sonntag ab 13:00 Uhr MESZ.

„Natürlich fühlt es sich gut an, Schnellster zu sein, aber ich will nicht im Test Schnellster sein, sondern im Qualifying“, sagte DTM-Rookie Feller nach Testende am Dienstagabend. „Es ist jedenfalls mega cool in der DTM. Die Professionalität ist extrem, der Level unglaublich hoch.“ Sichtlich zufrieden war auch Thomas Preining, einer von vier Österreichern in der DTM. „Wir haben uns gut durch unser Programm gearbeitet. Mit der Performance bin ich für heute happy, aber wir werden wohl erst am Samstag im ersten Qualifying sehen, wo wir wirklich stehen“, so Preining. „Wie erwartet, ist alles super eng“, ergänzte sein Teamchef, der ehemalige Langstrecken-Weltmeister und Le-Mans-Sieger Timo Bernhard.

Vier der sechs Marken, die in diesem Jahr in der DTM antreten, waren am ersten Testtag auf den ersten sieben Plätzen zu finden, neben Audi und Porsche auch BMW und Lamborghini. Schnellster im neuen BMW M4 war der Südafrikaner Sheldon van der Linde (Schubert Motorsport, 1:41,919) als Fünfter. Schnellster unter den sechs Lamborghini-Fahrern war Neuzugang Nicki Thiim (T3 Motorsport, 1:41,940) als Siebter. „Das Team hat das neue Auto erst am Donnerstag in Italien abgeholt, deshalb mussten wir das Auto heute zunächst ein bisschen einfahren und anpassen“, berichtete ein gut aufgelegter Nicki Thiim, Sohn von Kurt Thiim, DTM-Legende und Meister von 1986. „Es ist ein Privileg, was ich hier mache. Das schätze ich sehr. Ich lebe meinen Traum“, unterstrich der Däne, welche Bedeutung sein Beruf und die DTM für ihn haben.

Mercedes-AMG, die erfolgreichste Marke des Vorjahres, hielt sich zum Testauftakt augenscheinlich noch zurück. Schnellster war der Deutsche Luca Stolz aus dem Team HRT, der mit 1:42,167 Rang 14 belegte. Einen Platz dahinter rangierte der Brasilianer Felipe Fraga (1:42,172) im Ferrari 488 aus dem Team Red Bull AlphaTauri AF Corse. Im zweiten Ferrari war am Dienstag Stammpilot Nick Cassidy (NZL) unterwegs, der am Mittwoch das Auto an den neunmaligen Rallye-Weltmeister Sébastien Loeb übergibt. Der Franzose debütiert am Wochenende in der DTM.

In das eindrucksvolle Starterfeld mischte sich Ben Green. Der 23-jährige Brite hatte in der vergangenen Saison den Titel in der DTM Trophy gewonnen, der Talentschmiede auf der DTM-Plattform. Als Belohnung erhielt Green eine DTM-Testfahrt. Im Mercedes-AMG des Meister-Teams HRT machte Ben Green auf Anhieb eine gute Figur. „Ich habe jede Runde genossen. Das Team HRT hat mich super unterstützt, mich mit dem Mercedes-AMG und der neuen Strecke vertraut zu machen. Nach einem technischen Defekt mussten wir etwas früher als geplant aufhören, jetzt freue mich auf Mittwoch, wenn ich mit neuen Reifen angreifen kann“, so Ben Green. „Die DTM ist mein absolutes Ziel, und ich glaube, dass ich diesem Ziel hier in Portimão ein Stück näher komme.“

Mittwoch, 27. April 2022

Start in eine vielversprechende IDM-Saison

Foto: Jens Hawrda

IDM – das ist die Serie, in der die Spitze auf Weltklasseniveau fährt. Die Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft hat sich zu einer respektablen Größe im Rennsport entwickelt. Immer wieder werden hier Rohlinge zu Diamanten geschliffen. Alle Meister des letzten Jahres sind in eine Weltmeisterschaft aufgestiegen. Der 16-jährige Nachwuchsfahrer Lennox Lehmann ist nach seinem Debüt in der Supersport 300-Klasse sogar schon Dritter in der Gesamtwertung der Supersport300-WM. Vom 6. bis 8. Mai 2022 startet die IDM in die neue Saison. Der Auftakt findet auf dem DEKRA Lausitzring statt.

den Fahrern extrem viel technisches Können und Geschick ab. Die Linkskurve nach der Start- und Zielgeraden wurde schon oft zur spektakulären Herausforderung. Im südlichen Teil der Niederlausitz gastieren die IDM-Klassen Superbike, Supersport, Supersport 300 und Sidecar.

Prestige. Knapp 25 Fahrer haben sich eingeschrieben. Sie reisen aus Deutschland, den Niederlanden, Österreich, Belgien und Polen an. Gefahren wird auf BMW, Honda, Kawasaki oder Yamaha. Deren Vierzylindermotoren leisten rund 220 PS und erreichen in der Spitze über 300 km/h. Es handelt sich um Serienmotorräder, die für den IDM-Einsatz getunt werden. Fahrer mit Rang und Namen, wie Markus Reiterberger, Florian Alt, Bastien Mackels und Luca Grünwald sind Top-Kandidaten auf den Titel.

Die IDM Supersport ist die besonders umkämpfte mittlere Klasse. Mit etwa 135 PS am Hinterrad können die Fahrer auf ihren Motorrädern Spitzengeschwindigkeiten um 270 km/h erreichen. Für den Einsatz in der IDM dürfen an den Serienmaschinen von Kawasaki und Yamaha eine Rennverkleidung und ein anderer Auspuff montiert werden. Die Yamaha YZF-R6 ist in der Überzahl am Start, aber nicht unschlagbar, wie sich in der vergangenen Saison gezeigt hat. Patrick „Pax“ Hobelsberger, der Supersport-Meister von 2021, startet jetzt in der Supersport-Weltmeisterschaft durch.

Die IDM Supersport 300 ist die erste Stufe auf der Karriereleiter nach oben. Wie hoch das fahrerische Niveau hier ist, zeigt der WM-Einstieg von Lennox Lehmann, dem mit 16 Jahren jüngsten Meister aller Zeiten in der Nachwuchsklasse. Er kam, sah und fuhr gleich beim diesjährigen WM-Auftakt aufs Podium. Der Dresdner wird, sofern es sein Zeitplan zulässt, auch in diesem Jahr in der IDM antreten. Zum Saisonauftakt auf dem Lausitzring ist er dabei. Konkurrenz lauert im eigenen Team, denn dort hat man den Ex-Vizeweltmeister Scott Deroue verpflichtet, der nicht nur den IDM-Titel holen soll, sondern auch die neue Generation der KTM RC 390 R entwickeln wird. Es ist viel los in der kleinen Klasse. Das ausgeglichene Fahrerfeld auf KTM, Yamaha und Kawasaki wird für spannende Rennen mit packenden Windschattenkämpfen und garantierter Spannung bis zur Zielflagge sorgen. Neben Schnelligkeit und Strategiedenken zählt zum Erreichen des Titels vor allem die Konstanz während der ganzen Saison.

Ab 2022 gibt es zur Sicherheit der Fahrer eine Neuerung im Reglement. Ab diesem Jahr ist für alle Protagonisten ein Airbag vorgeschrieben. Zugelassen sind ausschließlich Lederkombis mit Airbag oder die handelsüblichen, elektronischen Airbag-Westen.

In der IDM Sidecar geht es für Multi-Weltmeister Tim Reeves um den Titel. Der Brite nimmt nur an zwei WM-Veranstaltungen teil und gibt ansonsten der Tourist Trophy und der IDM den Vorrang, die er 2019 in der 600 cm³-Wertung gewann. Reeves gehört zu den besten Sidecar-Fahrern aller Zeiten und steht in der ewigen Bestenliste auf dem zweiten Platz hinter dem Schweizer Rolf Biland. Wie werden Josef Sattler/Luca Schmidt kontern? Die IDM-Gewinner des letzten Jahres hoffen auf eine Titelverteidigung.

Wie immer reißen auf dem Lausitzring mit dem Twin Cup und dem Pro Superstock Cup auch diverse Cup-Klassen die Fans von den Sitzen. Und so nah heran an Crews und Fahrer wie bei der IDM kommt man sonst nirgendwo. Die Serie bleibt trotz ihres Erfolgs eine Meisterschaft zum Anfassen, zum Beispiel beim beliebten Pitwalk, der für gewöhnlich am Veranstaltungs-Sonntag in der Mittagspause stattfindet.

Dienstag, 26. April 2022

Porsche-Sieg nach sensationeller Aufholjagd im Sonntagsrennen in Oschersleben

  •     Vincent Andronaco/Paul-Aurel König triumphieren im spannenden Finish in Oschersleben
  •     Serienneulige Tom Wood/Euan McKay dominieren lange und werden knapp Zweite
  •     Tom Kieffer/Christian Kosch mit zweitem Trophy-Sieg

Andronaco/König im Porsche 718 Cayman GT4 RS CS
Foto: Jens Hawrda

Spektakuläre Rad-an-Rad-Duelle, spannende Zweikämpfe im ganzen Feld, Dramen, Kollisionen und ein unerwartet Sieger. Das Sonntagrennen der ADAC GT4 Germany in der Motorsport Arena Oschersleben bot packende Unterhaltung. Von Startplatz 17 fuhren Vincent Andronaco (16/Wentorf bei Hamburg) und Paul-Aurel König (17/Hameln, beide Allied-Racing) im Porsche 718 Cayman GT4 RS CS nach einer fulminanten Aufholjagd zum knappen Sieg. Platz zwei ging an Tom Wood (20/GBR) und Euan McKay (26/GBR, beide Racing One) im Aston Martin Vantage GT4. Das Podium komplettierten in einem weiteren Aston Martin die Samstagssieger Indy Dontje (37/NLD) und Phil Dörr (21/Butzbach, beide Dörr Motorsport), die somit als Tabellenführer zum nächsten Saisonlauf auf dem Red Bull Ring/Österreich (20. bis 22. Mai 2022) reisen. „Diesen Sieg haben wir überhaupt nicht erwartet. Das Resultat ist einfach unglaublich schön“, jubelte König auf dem Siegerpodest.


Zunächst machte aber Aston Martin-Pilot Wood die Pace im Sonntagsrennen von Oschersleben. Von der Pole-Position aus gestartet, setzte sich der junge Brite schnell ein wenig vom Rest des Feldes ab. Markenkollege Dontje und Porsche-Fahrer Hendrik Still (34/Kempenich, W&S Motorsport) kämpften derweil sehenswert um die zweite Position. Hinter dem Führungstrio gab es in der ersten Rennhälfte unzählige Überholmanöver mit Piloten verschiedener Marken – ein Beleg dafür, wie dicht das Feld in der ADAC GT4 Germany 2022 zusammen ist.

Zu Rennmitte ereigneten sich dann zwei Kollisionen im Feld. Mercedes-AMG-Pilot Denis Bulatov (23/Köln, EastSide Motorsport) musste auf Platz vier liegend vorzeitig das Rennen aufgeben, da er von einem Aston Martin ins Kiesbett gedreht wurde. Genauso erging es den beiden Porsche von Nicolaj Møller Madsen (29/DNK, AVIA W&S Motorsport) und Leo Pichler (20/AUT, W&S Motorsport) nach einer Dreierkollision mit Markenkollege Axel Sartingen (57/Köln, Black Falcon Team Textar). Nachdem die Fahrerwechsel absolviert waren, entschied die Rennleitung das Safety-Car auf die Strecke zu bringen, um eine sichere Bergung der Fahrzeuge zu ermöglichen.

So wurde der Kampf an der Spitze nochmals angeheizt. McKay, der den führenden Aston Martin von Wood übernommen hatte, behielt zunächst die Führung. Derweil orientierte sich der spätere Laufsieger Andronaco immer weiter nach vorne. Innerhalb weniger Minuten fuhr der Youngster von Position sechs auf den zweiten Platz. Zu Leader McKay fehlten dem Norddeutschen aber einige Fahrzeuglängen. Eine zweite Safety-Car-Phase ließ das Feld jedoch abermals zusammenkommen. Davon profitierte Andronaco.

Wenige Augenblicke nach dem Re-Start überholte er schließlich den führenden Aston Martin und sicherte sich sowie Teamkollege König den ersten Saisonsieg 2022. „Diesen Gesamtsieg herauszufahren, ist etwas ganz Besonderes. Damit haben wir absolut nicht gerechnet. Gleich als ich aus der Box fuhr, habe ich festgestellt, dass das Auto viel besser war als gestern. Wir waren auch schneller als die direkten Konkurrenten. Das erste Safety-Car kam uns zugute, da das Feld zusammen gestaucht wurde. Danach war mir klar, dass es heute ganz nach vorne gehen könnte. Somit bin ich aufs Ganze gegangen. Das hat funktioniert“, meinte Andronaco, der gemeinsam mit König auch die Junior-Wertung für sich entschied.

Hinter McKay überquerte Indy Donjte die Ziellinie auf Platz drei. Vierte wurden Hugo Sasse (18/Aschersleben) und Mike David Ortmann (22/Ahrensfelde, beide Prosport Racing) in einem weiteren Aston Martin. Die 2021er Champions Michael Schrey (39/Wallenhorst) und Gabriele Piana (35/ITA, beide Hofor Racing by Bonk Motorsport) beendeten das Rennen im BMW M4 GT4 auf Platz fünf vor den beiden Porsche von Max Kronberg (35/Berlin) und Hendrik Still sowie Moritz Wiskirchen (19/Euskirchen) und Alexander Hartvig (19/DNK, beide Allied-Racing). Rang acht ging an Marek Böckmann (25/Lautersheim) und Miklas Born (20/CHE, beide Schnitzelalm Racing) im Mercedes-AMG GT4. Es folgten Marcel Lenerz (24/Ludwigsau) und Cedric Piro (24/Heusweiler, beide Piro Sports - Burg Zelem Foundation) im Toyota GR Supra GT4 sowie das Porsche-Duo Tom Kieffer (47/LUX) und Christian Kosch (45/LUX, beide Allied-Racing), die auf Platz zehn auch die Trophy-Wertung für sich entschieden.

Euan McKay - Platz zwei auf Aston Martin: „Hätte man uns dieses Ergebnis am Freitag angeboten, hätten wir direkt eingeschlagen. Nachdem wir aber über 95 Prozent des Rennens geführt hatten, ist es schwierig, sich ausgelassen zu freuen. Dennoch sind wir mit dem Resultat zufrieden. Ohne das zweite Safety-Car hätten wir das Rennen unter Kontrolle gehabt. Aber so ist es im Motorsport manchmal eben.“

Tom Wood - Platz zwei auf Aston Martin: „Ich hatte einen sehr guten Start und einen Plan für das Rennen im Kopf. Ich konnte die Spitze kontrollieren und somit auch ein wenig den Reifen für Euan schonen. Er hat im zweiten Stint einen super Job gemacht. Natürlich wollten wir gewinnen, aber Platz zwei ist nach einem eher durchwachsenen Samstagsrennen dennoch top. Wir freuen uns schon auf das nächste Saisonrennen auf dem Red Bull Ring. Dann wollen wir erneut angreifen.“