Montag, 7. September 2020

Robin Frijns feiert emotionalen ersten DTM-Sieg

  • Endlich wieder vor Zuschauern: erster niederländischer DTM-Sieg seit 5.970 Tagen
  • Wechsel in der Tabelle: Frijns neuer Zweiter vor Rast, Müller bleibt vorn
  • Nur 0,9 Sekunden: spannender Dreikampf um den Sieg zwischen Frijns, Duval und Müller

Podium Rennen 1 in Assen: Robin Frijns feiert ersten DTM-Sieg
Foto: dtm.com


Premierensieg mit Ansage: Audi-Pilot Robin Frijns fliegt vor heimischer Kulisse zu seinem ersten DTM-Sieg. Beim ersten Rennen, bei dem Zuschauer wieder zugelassen waren, bescherte der 29-Jährige aus Maastricht den Fans den ersten DTM-Sieg eines Niederländers seit Christijan Albers 2004 in Estoril. Frijns, der in diesem Jahr schon vier Pole-Positions nicht zu seinem ersten Sieg nutzen konnte, setzte sich im Samstagrennen vom zweiten Startplatz aus in einem spannenden Dreikampf durch. Bis zur Ziellinie saßen ihm die Verfolger Loïc Duval (FRA), der von Startplatz eins in Rennen gegangen war, und der Meisterschaftsführende und frisch gebackene Vater Nico Müller (SUI) im Nacken. Nur neun Zehntelsekunden trennte das Audi-Trio auf den ersten drei Plätzen. Die erstmals in dieser Saison wieder zugelassenen Zuschauer auf den Tribünen entlang der Start-Ziel-Geraden feierten ihren Landsmann Frijns mit Standing Ovations.

Vor dem achten Saisonrennen der DTM am Sonntag (ab 13:00 Uhr live in SAT.1) liegt Nico Müller mit nun 149 Zählern weiter an der Spitze der Tabelle. Frijns hat sich mit seinem Sieg mit 119 Punkten auf Rang zwei vorgeschoben, Titelverteidiger Rast ist mit 107 Zählern auf Rang drei abgerutscht.

Viel Grip, hoher Reifenverschleiß

Die Startaufstellung zum siebten Saisonlauf wurde erstmals wieder vor Zuschauern zelebriert, und die Freude war auf beiden Seiten groß, bei den Zuschauern ebenso wie bei den Fahrern. Vor dem Start herrschte Unsicherheit bezüglich der Reifenstrategie: Nicht nur, dass nach dem Qualifying ein heftiger Regenguss auf den TT Circuit niedergegangen war und es noch zahlreiche feuchte Stellen gab, auch der erst im Februar erneuerte Asphalt in Assen sorgte für Ungewissheit hinsichtlich der richtigen Reifenstrategie. Alle Fahrer starteten schließlich auf Slicks, und die Einstoppstrategie erwies sich sich letztendlich als richtig.

Polesitter Duval kam gut vom ersten Startplatz weg und machte an der Spitze alles richtig, während Frijns sich zunächst Ferdinand Habsburg (AUT, Audi) geschlagen geben musste. Der Österreicher erwischte vom der vierten Startposition einen Blitzstart, verlor im Laufe des Rennens jedoch an Boden und musste sich am Ende mit Rang acht begnügen.

Duval verteidigte seine Führung, sah aber Frijns zunehmend größer in seinem Rückspiegel. Sieben Runden vor dem Ziel setzte der Lokalmatador die entscheidende Attacke und setzte sich an die Spitze. Duval folgte dichtauf mit Müller im Schlepptau, so dass sich Frijns bis zur Ziellinie nicht sicher fühlen konnte.

Südafrikaner Aberdein als bester BMW-Pilot Sechster: Rückschlag für die Münchner

Nach dem Doppel-Triumph beim Sonntagrennen auf dem Lausitzring vor zwei Wochen musste die BMW-Armada einen Rückschlag hinnehmen: Der Südafrikaner Jonathan Aberdein wurde mit Rang sechs bester BWM-Pilot vor seinem Landsmann Sheldon van der Linde. Timo Glock (GER, BMW), der auf dem Lausitzring mit einem tollen zweiten Platz glänzte, musste sich mit Platz neun zufrieden geben. Dessen Markenkollege und früherer Formel-1-Fahrer Robert Kubica (POL) erzielte als Zehnter seinen ersten Meisterschaftspunkt in der DTM. Vorjahressieger Marco Wittmann (GER, BMW) erwischte keinen guten Assen-Auftakt und kam nach einem unverschuldeten Dreher nur auf Rang 14 ins Ziel.

Stimmen – 1. Rennen, Assen


Robin Frijns (NED), Audi, Sieger

 „Ich habe drei Jahre gebraucht, um den ersten DTM-Sieg zu erzielen. Ich war einige Male nah dran, und ich hatte häufiger das Gefühl, dass ich auch die Pace habe, um es zu schaffen. Irgendetwas hat mich immer zurückgeworfen. Ich habe einige Podiumsplatzierungen erzielt. Jetzt bin ich wirklich happy, dass es hier in Assen passiert ist, wo die Fans endlich wieder auf die Tribünen durften. Es hätte an keinem besseren Ort passieren können als in Assen.“

Loïc Duval (FRA), Audi, 2. Platz

 „Natürlich ist es eine Enttäuschung, wenn man das Rennen so lange angeführt hat und dann doch nur Zweiter wird. Wir waren uns etwas unsicher mit unserer Strategie. Vielleicht haben wir etwas zu früh gestoppt. Anderenfalls hätte ich Robin Frijns vielleicht ein, zwei Runden länger hinter mir halten können, und dann wäre es eventuell anders ausgegangen. Zum Schluss waren noch Reserven übrig, so dass wir noch einmal dicht herangekommen sind – aber Aufschließen und Überholen sind nun einmal zwei Paar Schuhe. Letzten Endes war es ein Mix aus verschiedenen Faktoren. Aber die Performance stimmt, und am Sonntag werden wir alles daran setzen, noch besser zu werden.“

Nico Müller (SUI), Audi, 3. Platz

„Es gab viele Überraschungen im Rennen. Ich habe natürlich gehofft, meinen dritten Startplatz zu verteidigen. Es war dann aber in Kurve eins etwas rutschig, so dass ich Plätze verloren habe. Was die Reifen angeht, hatte ich eigentlich mit zwei Stopps gerechnet, am Ende hat einer gereicht. Das war dann noch eine Überraschung. Nach meinem Stopp hatte ich als Drittplatzierter das Problem, dass Loïc vor mir auch DRS benutzen konnte, um Robin zu attackieren. Das war am Ende das entscheidende Problem. Aber ich freue mich sehr für Robin und natürlich für das Team.“


Ergebnis – 1. Rennen, Assen (Top-Ten):


01. Robin Frijns (NED), Audi RS 5 DTM, 36 Runden in 53:45,729 Minuten
02. Loïc Duval (FRA), Audi RS 5 DTM, + 0,505 Sek.
03. Nico Müller SUI), Audi RS 5 DTM, + 0,950 Sek.
04. Mike Rockenfeller (GER), Audi RS 5 DTM, + 3,188 Sek.
05. René Rast (GER), Audi RS 5 DTM, + 13,735 Sek.
06. Jonathan Aberdein (RSA), BMW M4 DTM, + 26,768 Sek.
07. Sheldon van der Linde (RSA), BMW M4 DTM, + 31,336 Sek.
08. Ferdinand Habsburg (AUT), Audi RS 5 DTM, + 31,604 Sek.
09. Timo Glock (GER), BMW M4 DTM, + 36,888 Sek.
10. Robert Kubica (POL), BMW M4 DTM, + 43,576 Sek.

Schnellste Rennrunde: Fabio Scherer (SUI), Audi RS 5 DTM, 1.26,123 Min.
Pole-Position: Loïc Duval (FRA), Audi RS 5 DTM, 1.23,341 Min.
Wetter: 18°C, bewölkt
Strecke: 21°C, trocken

Freitag, 4. September 2020

Audi-Piloten freuen sich auf Assen

  • Niederlande erlauben 10.000 Zuschauer pro Tag auf den Tribünen
  • TT Circuit in Assen mit einer der schnellsten Kurven der Saison
  • Schon zwölf Siege für Audi bei DTM-Rennen in den Niederlanden

Foto: Jens Hawrda

Am ersten September-Wochenende gastiert die DTM auf dem berühmten TT Circuit in Assen (Niederlande). Die vor allem für Motorradrennen bekannte Rennstrecke begeisterte die Audi-Piloten schon bei der Premiere im Vorjahr. Dieses Mal ist die Vorfreude auf Assen gleich doppelt so groß: Erstmals sind bei DTM-Rennen in diesem Jahr Zuschauer an der Rennstrecke zugelassen.

„Assen war bei der Premiere im vergangenen Jahr auf Anhieb eines der Highlights im DTM-Kalender“, sagt Audi-Motorsportchef Dieter Gass. „Der Promoter hat einen hervorragenden Job gemacht. Es waren viele Fans vor Ort. Die Atmosphäre war klasse und beide Rennen spannend. Auch wenn die riesigen Tribünen wegen der strengen Hygienevorschriften nicht ganz so voll sein dürfen wie im vergangenen Jahr, ist es toll, dass wir mit der DTM erstmals wieder vor Zuschauern fahren.“

Ähnlich sehen es die Audi-Piloten. „Holland hat sehr enthusiastische Fans, die Racing lieben“, sagt Tabellenführer Nico Müller. „Dass erstmals in diesem Jahr bei der DTM Zuschauer vor Ort sein dürfen, macht die Rennen in Assen für uns zu ganz besonderen Rennen. Die DTM ist jahrelang in Zandvoort gefahren. Mit Assen hat die DTM in den Niederlanden eine tolle neue Heimat gefunden. Die Strecke ist spektakulär und sehr flüssig. 2019 habe ich in beiden Rennen um den Sieg gekämpft – das möchte ich auch dieses Jahr.“

Titelverteidiger René Rast erlebte im vergangenen Jahr zwei schwierige Rennen in Assen: Im Regen am Samstag wurde er hinter Marco Wittmann (BMW) und Nico Müller Dritter. Am Sonntag lag er souverän in Führung, ehe er durch einen Reifenschaden auf Platz neun zurückfiel. Am Ende reichte es noch zu Platz fünf. „Ich hoffe, es läuft in diesem Jahr besser“, sagt Rast. „Ich mag schnelle Strecken. Assen hat eine der schnellsten Kurven im Kalender, die wir mit rund 255 km/h fahren. Und dass pro Tag 10.000 Zuschauer an der Strecke sein dürfen, ist ein gutes Zeichen für den Motorsport.“

Die Niederlande werden für Rast immer eine ganz besondere Bedeutung haben: 2016 feierte er in Zandvoort ein unverhofftes DTM-Debüt, als Adrien Tambay am Sonntag verletzungsbedingt ausfiel. Der Anruf, der Rasts Karriere verändern sollte, kam am Samstagabend. „Wir haben den 30. Geburtstag meiner Freundin gefeiert, als gegen neun, halb zehn mein Handy klingelte“, erinnert sich der Audi-Pilot. „Ob ich nicht Lust habe, DTM zu fahren. Natürlich habe ich sofort zugesagt. Zum Glück hatte ich noch meinen Helm im Kofferraum liegen.“

Rast war den Audi RS 5 DTM nie zuvor gefahren und hinterließ bei seinem DTM-Debüt ohne jegliche Vorbereitung einen so guten Eindruck, dass er beim Finale als Vertretung für Mattias Ekström erneut einspringen durfte. Das Ergebnis: ein sechster Platz, erste Punkte und die klare Empfehlung für eine volle DTM-Saison. Es folgte der Titel im Rookie-Jahr 2017, der zweite in der Saison 2019 plus mehrere Rekorde in der DTM.

Lokalmatador in Assen ist Robin Frijns. Der Niederländer startete in diesem Jahr bei vier der bisherigen sechs DTM-Rennen von der Pole-Position und möchte in Assen endlich seinen ersten Sieg in der DTM feiern. „Dass es zuletzt auf dem Lausitzring so gut lief, lässt mich hoffen“, sagt Frijns. „Der Lausitzring lag mir noch nie besonders gut. Assen ist dagegen genau mein Ding, auch wenn ich dort im vergangenen Jahr Pech hatte. Die Strecke ist sehr flüssig, vergleichbar mit Spa. Sie ist hart zu den Reifen, aber diesbezüglich haben wir inzwischen viel Erfahrung. Dass Fans dabei sein dürfen, ist großartig. Denn wenn man auf der Startaufstellung steht und es ganz leise ist, weil keine Fans da sind, ist das schon sehr komisch.“

Auch Loïc Duval, Jamie Green und Mike Rockenfeller freuen sich auf die beiden DTM-Rennen in der „Cathedral of Speed“. Rockenfeller gewann im vergangenen Jahr in Assen das Sonntagsrennen, in dem das Reifenmanagement eine entscheidende Rolle spielte. „Vor Fans zu fahren sind wir gar nicht mehr gewohnt“, sagt Rockenfeller. „Ich hoffe, es funktioniert alles gut und die Fans werden für eine schöne Atmosphäre sorgen.“

Teamkollege Loïc Duval schwärmt ebenfalls von der „coolen, flüssigen“ Strecke. „Im vergangenen Jahr war sie für uns alle Neuland“, sagt der Franzose. „In diesem Jahr wissen wir mehr. Ich freue mich sehr auf Assen und die Niederlande. Dieses Land liebt den Motorsport.“

Jamie Green hatte im vergangenen Jahr zwei schwierige Qualifyings. „Im Regen am Samstag konnte ich mich gut nach vorne arbeiten“, sagt der Brite, der einer von acht Audi-Piloten ist, die in den Niederlanden bereits ein DTM-Rennen gewinnen konnten: 2016 gewann Green das Sonntagsrennen in Zandvoort, einer seiner absoluten Lieblingsstrecken.

Mit vier Siegen der erfolgreichste Audi-Pilot bei DTM-Rennen in den Niederlanden ist Mattias Ekström. Der Schwede feierte 2002 in Zandvoort auch seinen ersten Sieg in der DTM. Am selben Tag gewann Laurent Aiello im Abt-Audi TT-R den DTM-Titel, obwohl er vom letzten Startplatz aus ins Rennen gehen musste. Insgesamt elf Siege feierte Audi von 2002 bis 2018 in Zandvoort.

„Audi war in Zandvoort sehr erfolgreich“, sagt Audi-Motorsportchef Dieter Gass. „In Assen konnten wir im vergangenen Jahr daran anknüpfen. Wir haben gesehen, dass die Strecke extrem hart für die Reifen ist. Darauf werden wir uns bei der Vorbereitung fokussieren.“

Die beiden DTM-Rennen in Assen beginnen am Samstag und am Sonntag zur gewohnten Zeit um 13.30 Uhr MESZ. SAT.1 überträgt an beiden Tagen jeweils ab 13 Uhr live aus Assen.


Intensive Wochen für die BMW DTM-Teams: „Triple-Header“ in Assen und auf dem Nürburgring

Foto: BMW-Motorsport

Drei Wochenenden, drei Rennveranstaltungen – so lautet das Programm der BMW DTM-Teams in den kommenden Wochen. Im Rahmen der kompakten DTM-Saison 2020 erwartet sie ein Triple-Header mit den Saisonrunden vier bis sechs. Zunächst ist der BMW M4 DTM vom 4. bis 6. September in Assen (NED) im Einsatz. Danach folgen zwei Veranstaltungen auf dem Nürburgring (GER / 11. bis 13. September und 18. bis 20. September).

Der legendäre „TT Circuit“ in Assen war im vergangenen Jahr erstmals Gastgeber für die DTM. Dabei sorgte vor allem BMW DTM-Fahrer Marco Wittmann (GER) für Aufsehen. Am Samstag holte er die Poleposition und den Sieg, am Sonntag fuhr er mit einer beeindruckenden Aufholjagd vom letzten Startplatz aus als Zweiter auf das Podium. Den Rundenrekord für die schnellste Rennrunde auf der 4,555 Kilometer langen Strecke hält BMW DTM-Fahrer Philipp Eng (AUT) mit 1:27,860 Minuten. In Assen können erstmals in dieser Saison Fans die Rennen live von den Tribünen aus erleben. Je Renntag sind 10.000 Zuschauer an der Rennstrecke zugelassen.

Nach den Läufen in Assen reisen die BMW DTM-Teams direkt weiter an den Nürburgring. Dort wird, wie bereits am Lausitzring (GER), auf zwei verschiedenen Streckenvarianten gefahren. Die fünfte Runde der DTM-Saison 2020 wird auf dem 5,148 Kilometer langen Grand-Prix-Kurs ausgetragen, Runde sechs eine Woche später auf der 3,629 Kilometer langen Kurzanbindung.

Für vier der BMW DTM-Fahrer geht es nach dem DTM-Triple-Header ohne Pause gleich weiter: Wittmann, Eng, Lucas Auer (AUT) und Sheldon van der Linde (RSA) sind direkt eine Woche später beim 24-Stunden-Rennen auf der Nordschleife des Nürburgrings (26./27. September) im Einsatz.

Donnerstag, 3. September 2020

Endlich wieder Fans an der Rennstrecke: Die DTM startet in Assen vor Zuschauern

  • Ein DTM-Saisondrittel in nur 16 Tagen: Assen und zweimal Nürburgring 
  • 04.–06. September: DTM öffnet Tribünen der „Cathedral of Speed“ 
  • Heimspiel für „Die Maschine“: Für Robin Frijns soll nach vier Pole-Positions der erste Sieg folgen 
  • Nach Doppelsieg in der Lausitz: BMW will Vorjahrestriumph von Assen wiederholen  

Localmatador Robin Frijns wills in Assen wissen
Foto: dtm.com





Mit dem Publikum kehrt ein Stück Normalität zurück: Beim vierten Saisonlauf der DTM im niederländischen Assen (04.–06. September) werden erstmals wieder Zuschauer auf den Tribünen Platz nehmen. Es ist das Ende der „Einsamkeit“, wie es Audi-Werksfahrer Robin Frijns beschreibt. Nach vier Pole-Positions in sechs Saisonrennen strebt Frijns in seiner Heimat den langersehnten ersten DTM-Sieg an. Assen ist der Auftakt einer intensiven Phase der hochkarätigen Tourenwagen-Rennserie mit drei Läufen an drei aufeinanderfolgenden Wochenenden. Nach Assen geht es sofort zum Nürburgring in die Eifel, wo zunächst auf dem Grand-Prix-Kurs (11.–13. September) und dann auf der Sprintstrecke (18.–20. September) um Punkte gefahren wird. Damit steht innerhalb von nur 16 Tagen ein ganzes Saisondrittel auf dem Programm.

Wenn am Samstag und Sonntag jeweils ab 13:30 Uhr – ab 13:00 live in SAT.1, Qualifying und Training live auf im Streaming-Portal DTM Grid – die Saisonrennen sieben und acht ausgetragen werden, könnten die Voraussetzungen für spannungsgeladene Motorsport-Action kaum besser sein. Schließlich gewann auf dem Lausitzring Titelverteidiger René Rast (GER) das dritte Saisonrennen mit nur 0,089 Sekunden Vorsprung vor Tabellenführer und Audi-Markenkollege Nico Müller (SUI) – kein Rennen der langen DTM-Geschichte endete knapper. Und im sechsten Saisonrennen beendete BMW mit einem Doppelsieg durch Lucas Auer (AUT) und Timo Glock (GER) die über ein Jahr währende Siegesserie von Audi.

Tempo-Kathedrale: DTM kehrt nach Premiere 2019 zurück

Assen, berühmt für seine Motorradrennen, feierte im Juli 2019 eine viel beachtete DTM-Premiere. Vor großartiger Kulisse und Europas längster Tribüne duellierten sich Audi und BMW mit unentschiedenem Ausgang. Im Samstagrennen siegte vor einem Jahr Marco Wittmann (GER) für BMW vor dem Audi-Duo Müller und Rast, im Sonntagrennen triumphierte Audi-Mann Mike Rockenfeller (GER) vor Wittmann und Müller. Auf dem 4,542 Kilometer langen Kurs, südlich von Groningen und etwa 40 Kilometer von der Grenze zu Deutschland gelegen, setzte im vergangenen Jahr der Österreicher Philipp Eng (BMW) mit 1.27,638 Minuten den ersten DTM-Rundenrekord. Diesen Bestwert gilt es an diesem Wochenende zu unterbieten.

Nico Müller, am Montag nach dem Lausitzring-Rennen (24. August) erstmals Vater geworden, reist mit einem gut gefüllten Meisterschaftskonto mit 133 Punkten in die Niederlande. Der Vizemeister von 2019 hat derzeit 36 Zähler Vorsprung auf den zweimaligen DTM-Champion Rast (97). Frijns liegt mit 92 Punkten ebenfalls in Schlagdistanz. Mit 52 Zählern rangiert Ex-Formel-1-Pilot Glock als Bester des BMW-Kaders auf Rang vier.

Robin Frijns: Heimspiel für den Top-Qualifier des Jahres 2020

Im Fokus steht allen voran Frijns. Vier Pole-Positions haben ihm unter Fahrerkollegen bereits den Spitznamen „Die Maschine“ eingebracht, aber noch keinen Sieg. Für den 29-Jährigen aus Maastricht, bislang viermal auf dem Podium, wäre ein Sieg in der Heimat und dann auch noch vor Zuschauern das höchste der Gefühle. Seit immerhin 44 Rennen wartet der ehemalige Formel-1-Testfahrer auf seinen ersten DTM-Triumph. Noch länger wartet das Motorsport-enthusiastische niederländische Publikum auf einen DTM-Sieg eines Fahrers aus den eigenen Reihen. Zuletzt gewann Christijan Albers am 02. Mai 2004 ein DTM-Rennen – damals in Estoril in Portugal.

Strategie entscheidet mit: Reifen und Boxenstopps im Fokus

Der „TT-Circuit Assen“ ist eine spektakuläre Rennstrecke, geprägt von schnellen und mittelschnellen Kurven. Aus dem Vorjahr wissen die DTM-Piloten, dass auf diesem anspruchsvollen Kurs die Reifen überaus hart gefordert werden, ähnlich wie beim Saisonauftakt in Spa-Francorchamps (BEL). Auch wenn Fahrer und Teams mittlerweile mehr Erfahrung mit den Einheitsreifen von Hankook haben, so wird es auch in Assen auf den vorsichtigen Umgang mit dem „schwarzen Gold“ ankommen. Schon jetzt stellen sich einige Fahrer die Frage, ob es bei einem Pflichtstopp bleibt oder auch ein zweiter Reifenwechsel von Vorteil sein könnte – und die Rennen somit um ein mögliches Spannungselement bereichert.

Rückkehr der Emotionen: Zuschauer im „Covid-19-Jahr“ erstmals zugelassen

Der vierte DTM-Saisonlauf ist ein ganz besonderes Event, denn erstmalig sind wieder Zuschauer auf den Tribünen zugelassen – wenn auch nur in begrenzter Anzahl (Tickets sind bis Sonntag, 12:00 Uhr, für 49 Euro über den DTM-Ticketshop tickets.dtm.com oder über die DTM-Tickethotline +49 1806 386 386 erhältlich). Dabei geht es um weit mehr als die reine Anwesenheit von Publikum. Mit Fahnen, Bannern sowie Trommeln und Trompeten sorgen die Fans auf der Tribüne zumindest teilweise für die bunte und stimmungsvolle Atmosphäre, wie sie vor der Corona-Pandemie seit jeher die DTM prägte. Geboten wird den Zuschauern nicht nur die DTM, sondern auch die Belcar Endurance Serie, die Tourenwagen Classics, die Supercar-Challenge und der Mazda MX-5 Cup – insgesamt also fünf Rennserien.

Auf eine stattliche Fan-Abordnung von in den Niederlanden lebenden Polen setzt in Assen auch Robert Kubica. Dem Formel-1-Piloten fällt der Wechsel in die DTM noch schwer, wie etlichen Grand-Prix-Kollegen zuvor. Besser als für BMW-Pilot Kubica läuft es bislang für die drei Audi-Fahrer der belgischen WRT-Mannschaft. Vor allem Ferdinand Habsburg zog mit einem vierten Startplatz und einem sechsten Platz im Rennen das Interesse auf sich. Wie die meisten DTM-Akteure hat auch der 23-jährige Österreicher beste Erinnerungen an die DTM-Premiere vor einem Jahr, an die enthusiastischen Fans und auch an die Gemeinde Assen selbst. In einer launigen Online-Pressekonferenz vor dem Rennwochenende erinnerte sich Habsburg vor allem an „Hagelslag“, zu Deutsch Schokostreusel. Prompt versprach Frijns, ihm den klassischen holländischen Brotbelag mitzubringen, worauf Habsburg „drohte“, sich mit einem Kuss zu bedanken.

Keine Verschnaufpause: Acht DTM-Piloten starteten beim 6h-Rennen auf dem Nürburgring

In der überaus kompakten Saison mit neun Läufen bildet der September das zweite Drittel der Meisterschaft. Für Fahrer und Teams bedeutet der anstehende Kalender eine äußerst intensive Zeit mit verkürzten Vorbereitungs-Intervallen für die bis zu 640 PS starken Tourenwagen, zumeist fernab der heimischen Werkstatt. Hatten Rast, Müller und Frijns zwischen Spa und Lausitzring zusätzlich noch sechs Rennen zur Formel E bestritten, so gönnte sich das halbe DTM-Fahrerfeld zwischen Lausitzring und Assen kein Wochenende zum Ausruhen. Das Audi-Quartett Frijns, Müller, Rockenfeller und Jamie Green (GBR) sowie die BMW-Fahrer Eng, Wittmann, Auer und Sheldon van der Linde (RSA) waren auf GT3-Sportwagen beim Sechs-Stunden-Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife im Einsatz. Frijns war als Zweitplatzierter im 160 Autos starken Starterfeld der beste DTM-Vertreter – wenn das kein gutes Omen für Assen ist. Sie alle werden sich im September gleich für drei Wochen in der Eifel einquartieren, denn nach zwei DTM-Rennen sind die DTM-Stars vom 24.–27. September beim 24-Stunden-Klassiker in der „Grünen Hölle“ am Start.

IDM Comeback auf dem Sachsenring mit Fahrern der Welt-Elite

Foto: Jens Hawrda
 

Nach sieben Jahren kehrt die Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft (IDM) in der kommenden Woche am 7./8. September 2020 auf den Sachsenring zurück. Sie ist in diesem Jahr das absolute Highlight auf dem Traditionskurs, gespickt mit einem exzellenten Fahrerfeld und fesselnden Rennen. Die IDM hat sich unter der Leitung der Motor Presse Stuttgart zu einer europäischen Top-Meisterschaft entwickelt. Ungewöhnlich ist, dass die Serie an einem Montag und einem Dienstag ausgetragen wird und das Geschehen auf zwei statt drei Tage komprimiert ist. In diesem Zeitraum darf sich kein Teilnehmer einen Fehler leisten. In allen Klassen treffen starke Lokalmatadoren und Sachsenring-Kenner auf die weitere IDM-Elite. Gerade in der Motorradhochburg rund um Hohenstein-Ernstthal verleiht das den Rennen eine besondere Würze.

Zuschauer sind in Bezug auf die Sicherheitsbestimmungen wegen COVID-19 am Sachsenring nicht zugelassen. Alle Rennen werden aber per Livestream unter idm.de/live übertragen.  
 

Einer, der besonders gern an den Sachsenring kommt, ist Jonas Folger. Der 27-jährige Yamaha-Fahrer feierte hier vor drei Jahren seinen größten Erfolg als Zweiter im Rennen der MotoGP-Weltmeisterschaft. Kopf an Kopf hatte er damals mit dem mehrfachen Weltmeister Marc Márquez um den Sieg gekämpft. Nun hofft der Bayer nach einer krankheitsbedingten Pause auf den Sprung in die Superbike-Weltmeisterschaft. Die IDM Superbike 1000 als Bühne für sein Comeback auserkoren. Bereits nach dem Auftakt stellte er fest: „Für eine nationale Meisterschaft war ich schon begeistert und ich weiß das Level auch zu schätzen.“
Der ehemalige WM-Pilot gewann beim IDM-Auftakt beide Rennen in der Königsklasse, in der die Marken BMW, Honda, Kawasaki, Suzuki und Yamaha ums Prestige kämpfen. Bei den hochgezüchteten Superbikes handelt es sich in der Basis um käufliche 1000 ccm-Motorräder, die für die Meisterschaft veredelt werden. Sie haben reichlich 200 PS und erreichen auf den schnellen Strecken über 300 km/h. Dass Folger auch auf dem Sachsenring gewinnen will, steht außer Frage. Doch wie geht Titelverteidiger Ilya Mikhalchik damit um? Der bisher so selbstsichere BMW-Pilot aus der Ukraine hat in Folger vorerst seinen Bezwinger gefunden und mit dem Sachsenring ist er nicht vertraut. Der 24-Jährige ist aber bekannt dafür, sich den maximalen Erfolg holen zu wollen.

Die IDM Superbike 1000 strotzt vor großen Namen wie Erwan Nigon aus Frankreich, Alessandro Polita aus Italien, Dominic Schmitter aus der Schweiz oder Bastien Mackels aus Belgien. Insgesamt sind Fahrer aus zehn Nationen vertreten. Während sich an der Spitze eine Verfolgungsjagd von Mikhalchik auf Folger abzeichnet, folgt dahinter eine extrem starke Gruppe, in der sich neun Kontrahenten mit Rundenzeiten innerhalb einer Sekunde bewegen. Hier wird jede Lücke zum Überholen genutzt, auch wenn sie noch so klein ist. Als Dritter in der Gesamtwertung reist BMW-Kollege Florian Alt zum Sachsenring. Spannung verspricht auch der zweite Auftritt des Schleizers Julian Puffe auf Honda. Zum Saisonauftakt wirkte der letztjährige Vizemeister noch sehr angespannt, jetzt ist die Zeit für richtig schnelle Runden gekommen.
 

In der IDM Supersport 600, der bewährten Mittelklasse hat sich Max Enderlein das Triple vorgenommen. Der zweifache Meister wohnt direkt am Sachsenring und kennt die 3,67 Kilometer lange Berg- und Talbahn wie im Schlaf. Kann er vor seiner Haustür auf der Yamaha siegen? Die Meisterschaft wird derzeit vom erst 18 Jahre alten Holländer Sander Kroeze angeführt. Er hat elf Zähler Vorsprung auf Enderlein, der wiederum punktgleich mit Luca Grünwald (Kawasaki) in der Tabelle steht. Mit etwa 135 PS am Hinterrad erreichen die Fahrer auf ihren Motorrädern Spitzengeschwindigkeiten um 270 km/h. Für den IDM-Einsatz dürfen an den Serienmaschinen eine Rennverkleidung und ein komplett anderer Auspuff montiert werden. Änderungen an Gabel und Federbein sind ebenfalls zulässig. Für die Feinheiten darf eine Kit-Elektronik des jeweiligen Motorrad-Herstellers verwendet werden. Kit-Steuergeräte, Cartridges, große Kühler und noch einiges mehr ist erlaubt. Anders als in der WM sind auch Blipper zugelassen.

Etwas weniger verändert werden darf in der IDM Superstock 600. Die Klasse wurde in diesem Jahr aufgewertet. Der ehemalige Cup hat das IDM-Prädikat erhalten. Die IDM Superstock 600 ist ins Feld der IDM Supersport 600 integriert, jedoch bei getrennter Wertung. Äußerlich sind die Klassen ganz einfach zu unterscheiden. Die IDM Supersport 600-Piloten fahren mit blauen Startnummern auf weißem Grund, die IDM Superstock 600-Teilnehmer mit weißen Nummern auf blauem Grund. An der Spitze der Yamaha-Armada liegt der Belgier Tom Kohnen. Es gibt nur eine einzige Honda im Feld. Sie gehört Paul Fröde aus Hohenstein-Ernstthal. Nach seinem unverschuldeten Sturz gleich in der ersten Kurve beim Saisonauftakt war er ziemlich geknickt. Der zweite Platz im zweiten Rennen sorgte zwar für einen versöhnlichen Abschluss. Trotzdem hat der 18-Jährige in der kurzen Saison jetzt viel aufzuholen.

Marvin Siebdrath aus Wildenfels ist der schnellste Deutsche in der Nachwuchsklasse IDM Supersport 300. Er ist Teil des Teams RT Motorsports by SKM-Kawasaki, das insgesamt fünf Ninja 400 an den Start schiebt. Der 16-Jährige kommt als Sechster im Gesamt-Championat zum Sachsenring. An der Spitze wird Niederländisch gesprochen. Der 15 Jahre alte Melvin van der Voort reist mit seiner Yamaha als IDM-Spitzenreiter an die prestigeträchtige Grand-Prix-Strecke. Mit Rick Dunnik, dem Vizemeister des Vorjahres, folgt ihm der nächste schnelle Landsmann. Hochgradige Spannung ist vorprogrammiert. Auf einen Vorteil durch ihre guten Streckenkenntnisse lauern der erst 14-jährige Dresdener Lennox Lehmann aus der Freudenberg WorldSSP Academy, der im vergangenen Jahr den Lauf zum ADAC Junior Cup auf der Strecke gewann, sowie Toni Erhard aus Schwarzenberg. Der 19-Jährige hat den Titel in der IDM Supersport 300 vor zwei Jahren gewonnen. Beide sächsischen Talente starten auf einer KTM.