Freitag, 4. September 2020

Audi-Piloten freuen sich auf Assen

  • Niederlande erlauben 10.000 Zuschauer pro Tag auf den Tribünen
  • TT Circuit in Assen mit einer der schnellsten Kurven der Saison
  • Schon zwölf Siege für Audi bei DTM-Rennen in den Niederlanden

Foto: Jens Hawrda

Am ersten September-Wochenende gastiert die DTM auf dem berühmten TT Circuit in Assen (Niederlande). Die vor allem für Motorradrennen bekannte Rennstrecke begeisterte die Audi-Piloten schon bei der Premiere im Vorjahr. Dieses Mal ist die Vorfreude auf Assen gleich doppelt so groß: Erstmals sind bei DTM-Rennen in diesem Jahr Zuschauer an der Rennstrecke zugelassen.

„Assen war bei der Premiere im vergangenen Jahr auf Anhieb eines der Highlights im DTM-Kalender“, sagt Audi-Motorsportchef Dieter Gass. „Der Promoter hat einen hervorragenden Job gemacht. Es waren viele Fans vor Ort. Die Atmosphäre war klasse und beide Rennen spannend. Auch wenn die riesigen Tribünen wegen der strengen Hygienevorschriften nicht ganz so voll sein dürfen wie im vergangenen Jahr, ist es toll, dass wir mit der DTM erstmals wieder vor Zuschauern fahren.“

Ähnlich sehen es die Audi-Piloten. „Holland hat sehr enthusiastische Fans, die Racing lieben“, sagt Tabellenführer Nico Müller. „Dass erstmals in diesem Jahr bei der DTM Zuschauer vor Ort sein dürfen, macht die Rennen in Assen für uns zu ganz besonderen Rennen. Die DTM ist jahrelang in Zandvoort gefahren. Mit Assen hat die DTM in den Niederlanden eine tolle neue Heimat gefunden. Die Strecke ist spektakulär und sehr flüssig. 2019 habe ich in beiden Rennen um den Sieg gekämpft – das möchte ich auch dieses Jahr.“

Titelverteidiger René Rast erlebte im vergangenen Jahr zwei schwierige Rennen in Assen: Im Regen am Samstag wurde er hinter Marco Wittmann (BMW) und Nico Müller Dritter. Am Sonntag lag er souverän in Führung, ehe er durch einen Reifenschaden auf Platz neun zurückfiel. Am Ende reichte es noch zu Platz fünf. „Ich hoffe, es läuft in diesem Jahr besser“, sagt Rast. „Ich mag schnelle Strecken. Assen hat eine der schnellsten Kurven im Kalender, die wir mit rund 255 km/h fahren. Und dass pro Tag 10.000 Zuschauer an der Strecke sein dürfen, ist ein gutes Zeichen für den Motorsport.“

Die Niederlande werden für Rast immer eine ganz besondere Bedeutung haben: 2016 feierte er in Zandvoort ein unverhofftes DTM-Debüt, als Adrien Tambay am Sonntag verletzungsbedingt ausfiel. Der Anruf, der Rasts Karriere verändern sollte, kam am Samstagabend. „Wir haben den 30. Geburtstag meiner Freundin gefeiert, als gegen neun, halb zehn mein Handy klingelte“, erinnert sich der Audi-Pilot. „Ob ich nicht Lust habe, DTM zu fahren. Natürlich habe ich sofort zugesagt. Zum Glück hatte ich noch meinen Helm im Kofferraum liegen.“

Rast war den Audi RS 5 DTM nie zuvor gefahren und hinterließ bei seinem DTM-Debüt ohne jegliche Vorbereitung einen so guten Eindruck, dass er beim Finale als Vertretung für Mattias Ekström erneut einspringen durfte. Das Ergebnis: ein sechster Platz, erste Punkte und die klare Empfehlung für eine volle DTM-Saison. Es folgte der Titel im Rookie-Jahr 2017, der zweite in der Saison 2019 plus mehrere Rekorde in der DTM.

Lokalmatador in Assen ist Robin Frijns. Der Niederländer startete in diesem Jahr bei vier der bisherigen sechs DTM-Rennen von der Pole-Position und möchte in Assen endlich seinen ersten Sieg in der DTM feiern. „Dass es zuletzt auf dem Lausitzring so gut lief, lässt mich hoffen“, sagt Frijns. „Der Lausitzring lag mir noch nie besonders gut. Assen ist dagegen genau mein Ding, auch wenn ich dort im vergangenen Jahr Pech hatte. Die Strecke ist sehr flüssig, vergleichbar mit Spa. Sie ist hart zu den Reifen, aber diesbezüglich haben wir inzwischen viel Erfahrung. Dass Fans dabei sein dürfen, ist großartig. Denn wenn man auf der Startaufstellung steht und es ganz leise ist, weil keine Fans da sind, ist das schon sehr komisch.“

Auch Loïc Duval, Jamie Green und Mike Rockenfeller freuen sich auf die beiden DTM-Rennen in der „Cathedral of Speed“. Rockenfeller gewann im vergangenen Jahr in Assen das Sonntagsrennen, in dem das Reifenmanagement eine entscheidende Rolle spielte. „Vor Fans zu fahren sind wir gar nicht mehr gewohnt“, sagt Rockenfeller. „Ich hoffe, es funktioniert alles gut und die Fans werden für eine schöne Atmosphäre sorgen.“

Teamkollege Loïc Duval schwärmt ebenfalls von der „coolen, flüssigen“ Strecke. „Im vergangenen Jahr war sie für uns alle Neuland“, sagt der Franzose. „In diesem Jahr wissen wir mehr. Ich freue mich sehr auf Assen und die Niederlande. Dieses Land liebt den Motorsport.“

Jamie Green hatte im vergangenen Jahr zwei schwierige Qualifyings. „Im Regen am Samstag konnte ich mich gut nach vorne arbeiten“, sagt der Brite, der einer von acht Audi-Piloten ist, die in den Niederlanden bereits ein DTM-Rennen gewinnen konnten: 2016 gewann Green das Sonntagsrennen in Zandvoort, einer seiner absoluten Lieblingsstrecken.

Mit vier Siegen der erfolgreichste Audi-Pilot bei DTM-Rennen in den Niederlanden ist Mattias Ekström. Der Schwede feierte 2002 in Zandvoort auch seinen ersten Sieg in der DTM. Am selben Tag gewann Laurent Aiello im Abt-Audi TT-R den DTM-Titel, obwohl er vom letzten Startplatz aus ins Rennen gehen musste. Insgesamt elf Siege feierte Audi von 2002 bis 2018 in Zandvoort.

„Audi war in Zandvoort sehr erfolgreich“, sagt Audi-Motorsportchef Dieter Gass. „In Assen konnten wir im vergangenen Jahr daran anknüpfen. Wir haben gesehen, dass die Strecke extrem hart für die Reifen ist. Darauf werden wir uns bei der Vorbereitung fokussieren.“

Die beiden DTM-Rennen in Assen beginnen am Samstag und am Sonntag zur gewohnten Zeit um 13.30 Uhr MESZ. SAT.1 überträgt an beiden Tagen jeweils ab 13 Uhr live aus Assen.


Intensive Wochen für die BMW DTM-Teams: „Triple-Header“ in Assen und auf dem Nürburgring

Foto: BMW-Motorsport

Drei Wochenenden, drei Rennveranstaltungen – so lautet das Programm der BMW DTM-Teams in den kommenden Wochen. Im Rahmen der kompakten DTM-Saison 2020 erwartet sie ein Triple-Header mit den Saisonrunden vier bis sechs. Zunächst ist der BMW M4 DTM vom 4. bis 6. September in Assen (NED) im Einsatz. Danach folgen zwei Veranstaltungen auf dem Nürburgring (GER / 11. bis 13. September und 18. bis 20. September).

Der legendäre „TT Circuit“ in Assen war im vergangenen Jahr erstmals Gastgeber für die DTM. Dabei sorgte vor allem BMW DTM-Fahrer Marco Wittmann (GER) für Aufsehen. Am Samstag holte er die Poleposition und den Sieg, am Sonntag fuhr er mit einer beeindruckenden Aufholjagd vom letzten Startplatz aus als Zweiter auf das Podium. Den Rundenrekord für die schnellste Rennrunde auf der 4,555 Kilometer langen Strecke hält BMW DTM-Fahrer Philipp Eng (AUT) mit 1:27,860 Minuten. In Assen können erstmals in dieser Saison Fans die Rennen live von den Tribünen aus erleben. Je Renntag sind 10.000 Zuschauer an der Rennstrecke zugelassen.

Nach den Läufen in Assen reisen die BMW DTM-Teams direkt weiter an den Nürburgring. Dort wird, wie bereits am Lausitzring (GER), auf zwei verschiedenen Streckenvarianten gefahren. Die fünfte Runde der DTM-Saison 2020 wird auf dem 5,148 Kilometer langen Grand-Prix-Kurs ausgetragen, Runde sechs eine Woche später auf der 3,629 Kilometer langen Kurzanbindung.

Für vier der BMW DTM-Fahrer geht es nach dem DTM-Triple-Header ohne Pause gleich weiter: Wittmann, Eng, Lucas Auer (AUT) und Sheldon van der Linde (RSA) sind direkt eine Woche später beim 24-Stunden-Rennen auf der Nordschleife des Nürburgrings (26./27. September) im Einsatz.

Donnerstag, 3. September 2020

Endlich wieder Fans an der Rennstrecke: Die DTM startet in Assen vor Zuschauern

  • Ein DTM-Saisondrittel in nur 16 Tagen: Assen und zweimal Nürburgring 
  • 04.–06. September: DTM öffnet Tribünen der „Cathedral of Speed“ 
  • Heimspiel für „Die Maschine“: Für Robin Frijns soll nach vier Pole-Positions der erste Sieg folgen 
  • Nach Doppelsieg in der Lausitz: BMW will Vorjahrestriumph von Assen wiederholen  

Localmatador Robin Frijns wills in Assen wissen
Foto: dtm.com





Mit dem Publikum kehrt ein Stück Normalität zurück: Beim vierten Saisonlauf der DTM im niederländischen Assen (04.–06. September) werden erstmals wieder Zuschauer auf den Tribünen Platz nehmen. Es ist das Ende der „Einsamkeit“, wie es Audi-Werksfahrer Robin Frijns beschreibt. Nach vier Pole-Positions in sechs Saisonrennen strebt Frijns in seiner Heimat den langersehnten ersten DTM-Sieg an. Assen ist der Auftakt einer intensiven Phase der hochkarätigen Tourenwagen-Rennserie mit drei Läufen an drei aufeinanderfolgenden Wochenenden. Nach Assen geht es sofort zum Nürburgring in die Eifel, wo zunächst auf dem Grand-Prix-Kurs (11.–13. September) und dann auf der Sprintstrecke (18.–20. September) um Punkte gefahren wird. Damit steht innerhalb von nur 16 Tagen ein ganzes Saisondrittel auf dem Programm.

Wenn am Samstag und Sonntag jeweils ab 13:30 Uhr – ab 13:00 live in SAT.1, Qualifying und Training live auf im Streaming-Portal DTM Grid – die Saisonrennen sieben und acht ausgetragen werden, könnten die Voraussetzungen für spannungsgeladene Motorsport-Action kaum besser sein. Schließlich gewann auf dem Lausitzring Titelverteidiger René Rast (GER) das dritte Saisonrennen mit nur 0,089 Sekunden Vorsprung vor Tabellenführer und Audi-Markenkollege Nico Müller (SUI) – kein Rennen der langen DTM-Geschichte endete knapper. Und im sechsten Saisonrennen beendete BMW mit einem Doppelsieg durch Lucas Auer (AUT) und Timo Glock (GER) die über ein Jahr währende Siegesserie von Audi.

Tempo-Kathedrale: DTM kehrt nach Premiere 2019 zurück

Assen, berühmt für seine Motorradrennen, feierte im Juli 2019 eine viel beachtete DTM-Premiere. Vor großartiger Kulisse und Europas längster Tribüne duellierten sich Audi und BMW mit unentschiedenem Ausgang. Im Samstagrennen siegte vor einem Jahr Marco Wittmann (GER) für BMW vor dem Audi-Duo Müller und Rast, im Sonntagrennen triumphierte Audi-Mann Mike Rockenfeller (GER) vor Wittmann und Müller. Auf dem 4,542 Kilometer langen Kurs, südlich von Groningen und etwa 40 Kilometer von der Grenze zu Deutschland gelegen, setzte im vergangenen Jahr der Österreicher Philipp Eng (BMW) mit 1.27,638 Minuten den ersten DTM-Rundenrekord. Diesen Bestwert gilt es an diesem Wochenende zu unterbieten.

Nico Müller, am Montag nach dem Lausitzring-Rennen (24. August) erstmals Vater geworden, reist mit einem gut gefüllten Meisterschaftskonto mit 133 Punkten in die Niederlande. Der Vizemeister von 2019 hat derzeit 36 Zähler Vorsprung auf den zweimaligen DTM-Champion Rast (97). Frijns liegt mit 92 Punkten ebenfalls in Schlagdistanz. Mit 52 Zählern rangiert Ex-Formel-1-Pilot Glock als Bester des BMW-Kaders auf Rang vier.

Robin Frijns: Heimspiel für den Top-Qualifier des Jahres 2020

Im Fokus steht allen voran Frijns. Vier Pole-Positions haben ihm unter Fahrerkollegen bereits den Spitznamen „Die Maschine“ eingebracht, aber noch keinen Sieg. Für den 29-Jährigen aus Maastricht, bislang viermal auf dem Podium, wäre ein Sieg in der Heimat und dann auch noch vor Zuschauern das höchste der Gefühle. Seit immerhin 44 Rennen wartet der ehemalige Formel-1-Testfahrer auf seinen ersten DTM-Triumph. Noch länger wartet das Motorsport-enthusiastische niederländische Publikum auf einen DTM-Sieg eines Fahrers aus den eigenen Reihen. Zuletzt gewann Christijan Albers am 02. Mai 2004 ein DTM-Rennen – damals in Estoril in Portugal.

Strategie entscheidet mit: Reifen und Boxenstopps im Fokus

Der „TT-Circuit Assen“ ist eine spektakuläre Rennstrecke, geprägt von schnellen und mittelschnellen Kurven. Aus dem Vorjahr wissen die DTM-Piloten, dass auf diesem anspruchsvollen Kurs die Reifen überaus hart gefordert werden, ähnlich wie beim Saisonauftakt in Spa-Francorchamps (BEL). Auch wenn Fahrer und Teams mittlerweile mehr Erfahrung mit den Einheitsreifen von Hankook haben, so wird es auch in Assen auf den vorsichtigen Umgang mit dem „schwarzen Gold“ ankommen. Schon jetzt stellen sich einige Fahrer die Frage, ob es bei einem Pflichtstopp bleibt oder auch ein zweiter Reifenwechsel von Vorteil sein könnte – und die Rennen somit um ein mögliches Spannungselement bereichert.

Rückkehr der Emotionen: Zuschauer im „Covid-19-Jahr“ erstmals zugelassen

Der vierte DTM-Saisonlauf ist ein ganz besonderes Event, denn erstmalig sind wieder Zuschauer auf den Tribünen zugelassen – wenn auch nur in begrenzter Anzahl (Tickets sind bis Sonntag, 12:00 Uhr, für 49 Euro über den DTM-Ticketshop tickets.dtm.com oder über die DTM-Tickethotline +49 1806 386 386 erhältlich). Dabei geht es um weit mehr als die reine Anwesenheit von Publikum. Mit Fahnen, Bannern sowie Trommeln und Trompeten sorgen die Fans auf der Tribüne zumindest teilweise für die bunte und stimmungsvolle Atmosphäre, wie sie vor der Corona-Pandemie seit jeher die DTM prägte. Geboten wird den Zuschauern nicht nur die DTM, sondern auch die Belcar Endurance Serie, die Tourenwagen Classics, die Supercar-Challenge und der Mazda MX-5 Cup – insgesamt also fünf Rennserien.

Auf eine stattliche Fan-Abordnung von in den Niederlanden lebenden Polen setzt in Assen auch Robert Kubica. Dem Formel-1-Piloten fällt der Wechsel in die DTM noch schwer, wie etlichen Grand-Prix-Kollegen zuvor. Besser als für BMW-Pilot Kubica läuft es bislang für die drei Audi-Fahrer der belgischen WRT-Mannschaft. Vor allem Ferdinand Habsburg zog mit einem vierten Startplatz und einem sechsten Platz im Rennen das Interesse auf sich. Wie die meisten DTM-Akteure hat auch der 23-jährige Österreicher beste Erinnerungen an die DTM-Premiere vor einem Jahr, an die enthusiastischen Fans und auch an die Gemeinde Assen selbst. In einer launigen Online-Pressekonferenz vor dem Rennwochenende erinnerte sich Habsburg vor allem an „Hagelslag“, zu Deutsch Schokostreusel. Prompt versprach Frijns, ihm den klassischen holländischen Brotbelag mitzubringen, worauf Habsburg „drohte“, sich mit einem Kuss zu bedanken.

Keine Verschnaufpause: Acht DTM-Piloten starteten beim 6h-Rennen auf dem Nürburgring

In der überaus kompakten Saison mit neun Läufen bildet der September das zweite Drittel der Meisterschaft. Für Fahrer und Teams bedeutet der anstehende Kalender eine äußerst intensive Zeit mit verkürzten Vorbereitungs-Intervallen für die bis zu 640 PS starken Tourenwagen, zumeist fernab der heimischen Werkstatt. Hatten Rast, Müller und Frijns zwischen Spa und Lausitzring zusätzlich noch sechs Rennen zur Formel E bestritten, so gönnte sich das halbe DTM-Fahrerfeld zwischen Lausitzring und Assen kein Wochenende zum Ausruhen. Das Audi-Quartett Frijns, Müller, Rockenfeller und Jamie Green (GBR) sowie die BMW-Fahrer Eng, Wittmann, Auer und Sheldon van der Linde (RSA) waren auf GT3-Sportwagen beim Sechs-Stunden-Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife im Einsatz. Frijns war als Zweitplatzierter im 160 Autos starken Starterfeld der beste DTM-Vertreter – wenn das kein gutes Omen für Assen ist. Sie alle werden sich im September gleich für drei Wochen in der Eifel einquartieren, denn nach zwei DTM-Rennen sind die DTM-Stars vom 24.–27. September beim 24-Stunden-Klassiker in der „Grünen Hölle“ am Start.

IDM Comeback auf dem Sachsenring mit Fahrern der Welt-Elite

Foto: Jens Hawrda
 

Nach sieben Jahren kehrt die Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft (IDM) in der kommenden Woche am 7./8. September 2020 auf den Sachsenring zurück. Sie ist in diesem Jahr das absolute Highlight auf dem Traditionskurs, gespickt mit einem exzellenten Fahrerfeld und fesselnden Rennen. Die IDM hat sich unter der Leitung der Motor Presse Stuttgart zu einer europäischen Top-Meisterschaft entwickelt. Ungewöhnlich ist, dass die Serie an einem Montag und einem Dienstag ausgetragen wird und das Geschehen auf zwei statt drei Tage komprimiert ist. In diesem Zeitraum darf sich kein Teilnehmer einen Fehler leisten. In allen Klassen treffen starke Lokalmatadoren und Sachsenring-Kenner auf die weitere IDM-Elite. Gerade in der Motorradhochburg rund um Hohenstein-Ernstthal verleiht das den Rennen eine besondere Würze.

Zuschauer sind in Bezug auf die Sicherheitsbestimmungen wegen COVID-19 am Sachsenring nicht zugelassen. Alle Rennen werden aber per Livestream unter idm.de/live übertragen.  
 

Einer, der besonders gern an den Sachsenring kommt, ist Jonas Folger. Der 27-jährige Yamaha-Fahrer feierte hier vor drei Jahren seinen größten Erfolg als Zweiter im Rennen der MotoGP-Weltmeisterschaft. Kopf an Kopf hatte er damals mit dem mehrfachen Weltmeister Marc Márquez um den Sieg gekämpft. Nun hofft der Bayer nach einer krankheitsbedingten Pause auf den Sprung in die Superbike-Weltmeisterschaft. Die IDM Superbike 1000 als Bühne für sein Comeback auserkoren. Bereits nach dem Auftakt stellte er fest: „Für eine nationale Meisterschaft war ich schon begeistert und ich weiß das Level auch zu schätzen.“
Der ehemalige WM-Pilot gewann beim IDM-Auftakt beide Rennen in der Königsklasse, in der die Marken BMW, Honda, Kawasaki, Suzuki und Yamaha ums Prestige kämpfen. Bei den hochgezüchteten Superbikes handelt es sich in der Basis um käufliche 1000 ccm-Motorräder, die für die Meisterschaft veredelt werden. Sie haben reichlich 200 PS und erreichen auf den schnellen Strecken über 300 km/h. Dass Folger auch auf dem Sachsenring gewinnen will, steht außer Frage. Doch wie geht Titelverteidiger Ilya Mikhalchik damit um? Der bisher so selbstsichere BMW-Pilot aus der Ukraine hat in Folger vorerst seinen Bezwinger gefunden und mit dem Sachsenring ist er nicht vertraut. Der 24-Jährige ist aber bekannt dafür, sich den maximalen Erfolg holen zu wollen.

Die IDM Superbike 1000 strotzt vor großen Namen wie Erwan Nigon aus Frankreich, Alessandro Polita aus Italien, Dominic Schmitter aus der Schweiz oder Bastien Mackels aus Belgien. Insgesamt sind Fahrer aus zehn Nationen vertreten. Während sich an der Spitze eine Verfolgungsjagd von Mikhalchik auf Folger abzeichnet, folgt dahinter eine extrem starke Gruppe, in der sich neun Kontrahenten mit Rundenzeiten innerhalb einer Sekunde bewegen. Hier wird jede Lücke zum Überholen genutzt, auch wenn sie noch so klein ist. Als Dritter in der Gesamtwertung reist BMW-Kollege Florian Alt zum Sachsenring. Spannung verspricht auch der zweite Auftritt des Schleizers Julian Puffe auf Honda. Zum Saisonauftakt wirkte der letztjährige Vizemeister noch sehr angespannt, jetzt ist die Zeit für richtig schnelle Runden gekommen.
 

In der IDM Supersport 600, der bewährten Mittelklasse hat sich Max Enderlein das Triple vorgenommen. Der zweifache Meister wohnt direkt am Sachsenring und kennt die 3,67 Kilometer lange Berg- und Talbahn wie im Schlaf. Kann er vor seiner Haustür auf der Yamaha siegen? Die Meisterschaft wird derzeit vom erst 18 Jahre alten Holländer Sander Kroeze angeführt. Er hat elf Zähler Vorsprung auf Enderlein, der wiederum punktgleich mit Luca Grünwald (Kawasaki) in der Tabelle steht. Mit etwa 135 PS am Hinterrad erreichen die Fahrer auf ihren Motorrädern Spitzengeschwindigkeiten um 270 km/h. Für den IDM-Einsatz dürfen an den Serienmaschinen eine Rennverkleidung und ein komplett anderer Auspuff montiert werden. Änderungen an Gabel und Federbein sind ebenfalls zulässig. Für die Feinheiten darf eine Kit-Elektronik des jeweiligen Motorrad-Herstellers verwendet werden. Kit-Steuergeräte, Cartridges, große Kühler und noch einiges mehr ist erlaubt. Anders als in der WM sind auch Blipper zugelassen.

Etwas weniger verändert werden darf in der IDM Superstock 600. Die Klasse wurde in diesem Jahr aufgewertet. Der ehemalige Cup hat das IDM-Prädikat erhalten. Die IDM Superstock 600 ist ins Feld der IDM Supersport 600 integriert, jedoch bei getrennter Wertung. Äußerlich sind die Klassen ganz einfach zu unterscheiden. Die IDM Supersport 600-Piloten fahren mit blauen Startnummern auf weißem Grund, die IDM Superstock 600-Teilnehmer mit weißen Nummern auf blauem Grund. An der Spitze der Yamaha-Armada liegt der Belgier Tom Kohnen. Es gibt nur eine einzige Honda im Feld. Sie gehört Paul Fröde aus Hohenstein-Ernstthal. Nach seinem unverschuldeten Sturz gleich in der ersten Kurve beim Saisonauftakt war er ziemlich geknickt. Der zweite Platz im zweiten Rennen sorgte zwar für einen versöhnlichen Abschluss. Trotzdem hat der 18-Jährige in der kurzen Saison jetzt viel aufzuholen.

Marvin Siebdrath aus Wildenfels ist der schnellste Deutsche in der Nachwuchsklasse IDM Supersport 300. Er ist Teil des Teams RT Motorsports by SKM-Kawasaki, das insgesamt fünf Ninja 400 an den Start schiebt. Der 16-Jährige kommt als Sechster im Gesamt-Championat zum Sachsenring. An der Spitze wird Niederländisch gesprochen. Der 15 Jahre alte Melvin van der Voort reist mit seiner Yamaha als IDM-Spitzenreiter an die prestigeträchtige Grand-Prix-Strecke. Mit Rick Dunnik, dem Vizemeister des Vorjahres, folgt ihm der nächste schnelle Landsmann. Hochgradige Spannung ist vorprogrammiert. Auf einen Vorteil durch ihre guten Streckenkenntnisse lauern der erst 14-jährige Dresdener Lennox Lehmann aus der Freudenberg WorldSSP Academy, der im vergangenen Jahr den Lauf zum ADAC Junior Cup auf der Strecke gewann, sowie Toni Erhard aus Schwarzenberg. Der 19-Jährige hat den Titel in der IDM Supersport 300 vor zwei Jahren gewonnen. Beide sächsischen Talente starten auf einer KTM.

Mittwoch, 26. August 2020

Rekordserie nach zwölf Siegen beendet: Frijns Dritter auf dem Lausitzring

  • Spektakuläre Duelle zum Abschluss der beiden Lausitzring-Wochenenden
  • Boxenstopp-Strategie von Frijns, Müller und Rast geht nicht auf
  • Audi-Motorsportchef Dieter Gass: „Für die Fans ein fantastisches Rennen“

Copyright: Audi Communications Motorsport / Michael Kunkel

Im bisher „verrücktesten“ DTM-Rennen des Jahres war Robin Frijns vom Audi Sport Team Abt Sportsline auf Platz drei der beste Audi-Pilot, obwohl der Holländer bereits zum vierten Mal in diesem Jahr von der Pole-Position startete.

„Leider hat es wieder nicht mit meinem ersten DTM-Sieg geklappt“, sagte Frijns, nachdem er sich mit einem Überholmanöver kurz vor dem Ziel den dritten Platz geholt hatte. „Es war definitiv ein verrücktes Rennen. Ich bin von der Pole gestartet und hatte das Gefühl, gut unterwegs zu sein. René (Rast) und Nico (Müller) hinter mir waren ähnlich schnell. Wir sind alle drei relativ spät zum Reifenwechsel an die Box gekommen. Als ich zurück auf die Strecke kam, war ich nur noch Siebter. Es war unheimlich schwierig, sich wieder nach vorne zu kämpfen.“

Direkt hinter Frijns fuhr Jamie Green vom Audi Sport Team Rosberg auf Platz vier über die Ziellinie. „Ich habe ziemlich früh gestoppt und konnte danach ein gutes Polster herausfahren“, sagte Green. „Als Führender darf man weder Push-to-Pass noch DRS nutzen. Deshalb haben mich Timo Glock und Lucas Auer eingeholt und überholt. Danach konnte ich mit den beiden BMW-Piloten gut mithalten, ich wollte am Ende aber kein Gewaltmanöver probieren. Beim Versuch, Timo Glock zu überholen, bin ich schlecht aus der letzten Kurve gekommen, und so hat mich Robin leider noch erwischt. Schade, denn ein Podium wäre heute toll gewesen.“

Mit einem ähnlichen Manöver verdrängte Tabellenführer Nico Müller auf der Zielgeraden noch Titelverteidiger René Rast von Platz fünf. Nur 0,011 Sekunden trennten die beiden Titelrivalen – 78 Tausendstel weniger als bei ihrem Fotofinish vor einer Woche.

„Das war ein sehr seltsames Rennen“, sagte Nico Müller. „Im ersten Moment habe ich nicht verstanden, was wir falsch gemacht haben. Wir haben spät gestoppt und dadurch Plätze verloren. Aber das ist normal. Seltsam war nur, dass wir die Positionen trotz der frischeren Reifen nicht wieder gutmachen konnten. Alle haben sich mit DRS verteidigt. So haben wir die Chance verloren, die beiden BMW an der Spitze einzuholen. Als René kein DRS mehr hatte, habe ich ihn quasi auf der Ziellinie noch überholt. Das war das einzige Highlight. Bis zum Boxenstopp dachte ich, dass wir auch heute um den Sieg kämpfen würden. Das war leider nicht der Fall.“

René Rast zog ein ähnliches Fazit: „Im Kampf zwischen Robin, Nico und mir haben wir uns wohl zu sehr auf uns selbst konzentriert und dabei übersehen, dass die BMW sehr früh an die Box gekommen sind und ihnen ein Undercut gelungen ist. Das ist wirklich schade, denn Nico, Robin und ich hätten heute alle gewinnen können.“

Loïc Duval vom Audi Sport Team Phoenix sammelte auf Platz acht ebenfalls Punkte. Mike Rockenfeller verpasste nach einem missglückten Experiment bei der Fahrzeugabstimmung die Punkteränge als Elfter nur knapp.

„Das war ein unglaubliches Rennen“, sagte Audi-Motorsportchef Dieter Gass. „Von der ersten bis zur letzten Runde waren die Abstände unheimlich eng. Die ersten neun Autos lagen im Ziel innerhalb von 4,2 Sekunden. Endlich haben wieder beide Marken um den Sieg gekämpft. Unser Spitzentrio hat heute etwas zu hoch gepokert. Wenn man spät die Reifen wechselt, muss man am Ende andere Autos überholen – das hat nicht funktioniert. Es ist schade, dass unsere Siegesserie zu Ende gegangen ist. Wenn man drei Autos auf den ersten drei Startplätzen hat, möchte man natürlich gewinnen. Aber für die Fans war es ein fantastisches Rennen. Sie haben sich harte Duelle auch unter Markenkollegen gewünscht. Und genau die gab es heute.“

Mit zwölf Siegen in Folge hat Audi in der DTM einen neuen Rekord erzielt. Ein Jahr und 13 Tage waren die Vier Ringe in der DTM ungeschlagen – auch das hat es nie zuvor gegeben. In der Herstellermeisterschaft hat Audi nach dem ersten Saisondrittel mehr als doppelt so viele Punkte wie BMW.

Die nächsten beiden Rennen gehen am 5. und 6. September auf dem berühmten TT Circuit in Assen (Niederlande) über die Bühne. Dort sind erstmals in diesem Jahr auch wieder Zuschauer an der Strecke zugelassen.