Freitag, 6. November 2026

Felix Hirsiger und Finn Zulauf im Interview: Das steckt hinter ihrem Erfolg

  • Traumsaison für die Champions mit dem Liqui Moly Team Engstler Motorsport
  • Die Meister über Harmonie, gegenseitige Kritik und ihr Saisonhighlight

Die Champions des ADAC GT Masters 2026: Finn Zulauf und Felix Hirsiger
Foto: ADAC-Motorsport

Vor rund einem Monat krönten sich Felix Hirsiger (28/CHE) und Finn Zulauf (22/Königstein im Taunus) zu den neuen Champions des ADAC GT Masters. Mit fünf Saisonsiegen, zwei Podiumsplatzierungen und fünf herausgefahrenen Pole-Positions gewannen die Piloten des Liqui Moly Team Engstler Motorsport die Meisterschaften in der Fahrerwertung, dem Silver Cup und Zulauf sicherte sich zudem noch den Sieg in der „Road to DTM“. Im Interview sprechen die beiden Lamborghini-Piloten über ihre Saison, ihr Geheimrezept und ihre Pläne für die Zukunft.

War seit dem Titelgewinn mittlerweile Zeit, alles etwas sacken zu lassen?

Felix Hirsiger: Tatsächlich bin ich sehr schnell wieder im normalen Alltag und meiner Arbeit angekommen. Es ist wunderschön, gewonnen zu haben und ich genieße es sehr – zumal ich jetzt drei Jahre in Folge in verschiedenen Serien Meister geworden bin. Gleichzeitig bedeutet das Ende einer Saison den Beginn der nächsten und die Menschen vergessen schnell. Deshalb heißt es jetzt: Die Form nochmal verbessern und nächstes Jahr wieder angreifen – die Konkurrenz schläft nie.

Finn Zulauf: Ich war tatsächlich sehr viel unterwegs, sogar in Südamerika, um dort zu coachen und auch selbst etwas zu fahren. Dazu kamen Testfahrten und einige Aufgaben in Verbindung mit meiner Rolle als ‚Official Lamborghini GT3 Junior‘. Gleichzeitig habe ich versucht, mich nach all dem Trubel etwas auszuruhen und den Titel einfach zu genießen und zu realisieren.

Gab es Glückwünsche, die besonders schön waren?

Felix Hirsiger: Ein paar waren dabei, vor allem von anderen Fahrern – zum Beispiel von Kiano Blum. Er hat es wirklich ehrlich gemeint und das hat mich gefreut. Ansonsten natürlich DTM Piloten wie Jules Gounon oder Marco Wittmann. Das ist nicht selbstverständlich, denn sie sind selbst so erfolgreich. Dass sie unsere Leistung sehen und würdigen, bedeutet mir viel.

Finn Zulauf: Es waren unglaublich viele Nachrichten und Anrufe. Ich habe einige Tage gebraucht, um wirklich alle zu lesen und zu beantworten. Es waren auch viele Leute dabei, von denen ich sehr lange nichts mehr gehört hatte. Beispielsweise mein Schrauber aus Kart-Zeiten, darüber habe ich mich schon sehr gefreut.

Wart ihr von Anfang an überzeugt von euren Meisterschaftschancen?

Finn Zulauf: Wir sind beide extrem ambitioniert und selbstkritisch und wollen in keiner Rennserie um die goldene Ananas fahren. Ich wusste, das Team macht einen super Job und mir war klar, dass Felix am Lenkrad drehen kann. Deshalb war die Hoffnung von Anfang an da – und auch das Vertrauen in Felix. Ich war immer entspannt, wenn er im Auto saß.

Felix Hirsiger: Meine Erwartungshaltung war gemischt. Ich bin zuvor nur einmal ein GT3-Rennen gefahren und konnte mich im Verhältnis zur Konkurrenz schwer einschätzen. Ich wusste aber, dass Finn wirklich fahren kann – vor allem in diesem Auto. Das hat auch Druck aufgebaut. Ich wollte performen, wenn es der Teamkollege macht. Deshalb war die Kombination so spannend.

Was hat euch als Teamkollegen so stark gemacht?

Finn Zulauf: Wir haben beide einen ähnlichen Fahrstil, was uns in den Rennen unglaublich viel Spielraum bezüglich der Strategie gegeben hat. Wenn die anderen früh reinkamen, blieben wir länger draußen und andersherum. So haben wir beispielsweise in Zandvoort gewonnen.

Felix Hirsiger: Ego hatte zwischen uns nie einen Platz. Wenn das Team meinte, komm früher rein, habe ich das nicht hinterfragt oder kritisiert. Es gab weder von Finn noch von mir böse Worte, dass er oder ich aber länger im Auto waren. Keiner von uns beiden hatte die Sorge, schlechter als der andere zu sein. Wir waren ausgeglichen und das hat uns so viele Freiheiten ermöglicht.

Die Harmonie war auch nach außen hin sichtbar. Wie wichtig war sie für den Erfolg?

Felix Hirsiger: Ich hätte sie früher für nicht so wichtig gehalten. Im Nachhinein kann ich aber sagen, dass sie extrem wichtig war. Es war essentiell in Diskussionen über die Strategie, das Auto und generell. In einer positiven Umgebung sind die Schritte zum Erfolg deutlich größer.

Finn Zulauf: Es entsteht automatisch weniger Druck für einen persönlich. Besonders in schwierigen Momenten greift man seinen Teamkollegen dann vielleicht an und erzeugt Spannungen. Vielleicht mag das dem ein oder anderen auch helfen, aber für mich bewirkt es eher das Gegenteil. Bei Felix und mir wusste ich immer, dass alles rundherum passt und wir gar nicht erst in eine so unangenehme Situation kommen können.

Macht ein so gutes Verhältnis Kritik aneinander nicht schwieriger?

Finn Zulauf: Es wird einfacher. Er war immer ehrlich und ich auch. Ich bin durchaus selbstkritisch und der Meinung, dass jeder Mensch an sich arbeiten und sich verbessern kann. Wenn ich einen Fehler gemacht habe, stehe ich dazu. Das ist wichtig, um sich weiterzuentwickeln.

Felix Hirisger: Die Kritik zwischen uns fand immer auf eine lustige Art und nie vorwurfsvoll statt. Er ist beispielsweise ein super Qualifying gefahren, aber der letzte Sektor war nicht optimal. Darauf habe ich ihm gesagt, schau mal meine Onboard an, da kannst du noch was lernen. Genauso hat er es gemacht, weil er in einem anderen Sektor stärker war. Auf diesem Level macht die Zusammenarbeit Spaß und keiner ist dem anderen wegen irgendetwas böse.

Was war rückwirkend betrachtet das Saisonhighlight?

Felix Hirsiger: Das zweite Rennen am Salzburgring steht bei mir sehr hoch im Kurs. Wir hatten dort ein rabenschwarzes Wochenende und wurden aus verschiedenen Gründen nicht für unsere starken Leistungen belohnt – bis zum Sonntag. Wir haben beide Leistungen abgerufen wie nie zuvor, obwohl wir schon gewonnen hatten. Es war nicht einfach ein weiterer Sieg, sondern stand auf einem Level mit dem Erfolg am Red Bull Ring in der letzten Kurve.

Finn Zulauf: Ich sehe es wie Felix, definitiv der Sieg am Salzburgring. Das war einer der schönsten, die ich in meiner Karriere erleben durfte. Vom letzten Startplatz zum Sieg zu fahren, war schon sehr cool – besonders durch die Situation mit dem technischen Ausfall am Tag zuvor und dem Verlust der Meisterschaftsführung. Das Team hat die gesamte Nacht gearbeitet und dieser Erfolg war eine Genugtuung für uns und die gesamte Mannschaft.

Wie sehen die Pläne für die kommende Saison aus?

Finn Zulauf: Es ist cool, dass ich die „Road to DTM“ gewonnen habe und ich würde mich natürlich sehr freuen, wenn es tatsächlich mit dem Aufstieg klappen würde. Wir pushen auch in diese Richtung und es laufen einige Dinge im Hintergrund, aber ich weiß wirklich noch nicht mehr.

Felix Hirsiger: Ich sitze auf jeden Fall wieder im Auto, viel mehr kann und darf ich aktuell noch nicht verraten. Allerdings bin ich zuversichtlich, dass wir bald etwas verkünden können. Es wird auf jeden Fall ein cooles und intensives Jahr werden. Jeder Kilometer ist Gold wert und bringt mich weiter in Richtung Profi und hoffentlich auch in Richtung DTM.




Mittwoch, 4. November 2026

ADAC GT Masters: Die Teamchampions von FK Performance Motorsport

Aller guten Dinge sind drei: FK Performance Motorsport hat die Teamwertung des ADAC GT Masters gewonnen. Die Mannschaft aus Bremen hat nach zwei Vizetiteln 2026 den Sprung nach ganz oben geschafft. Mit drei BMW M4 GT3 Evo ging das Team rund um die Gründer Fabian Finck und Martin Kaemena in ihre vierte Saison im ADAC GT Masters und erzielte zudem Rang zwei in der Fahrermeisterschaft und dem Silver Cup mit Tim Zimmermann und Leyton Fourie. „Wir freuen uns sehr, dass wir nun auch im GT3-Bereich eine Meisterschaft gewonnen haben“, erklärt Finck. „Das Gesamtpaket hat gepasst. Ob Fahrer, Ingenieure, Mechaniker oder die Menschen im Hintergrund; es lief alles nahezu fehlerfrei.“

#11 Leyton Fourie / Tim Zimmermann / BMW M4 GT3 Evo / FK Performance Motorsport
Foto: ADAC-Motorsport

Am zweiten Rennwochenende platzte der Knoten. Fourie und Zimmermann fuhren zum ersten Saisonsieg und ließen nur einen Tag später Platz zwei folgen. Die Freude komplett machte das Debütpodium von Fabio Rauer und Storm Gjerdrum - mit 18 Jahren, vier Monaten und 26 Tagen waren sie das drittjüngste Fahrerduo der Serien-Geschichte, das den Sprung aufs Podest geschafft hat. Fourie und Zimmermann ließen Siege am Lausitzring und Salzburgring folgen, übernahmen immer wieder die Tabellenführung und gingen mit dieser auch ins Finale. Trotz eines weiteren Podiumsplatzes – dem fünften für das Team – mussten sie sich am Ende knapp geschlagen geben. In der Teamwertung gab es mit 39 Punkten Vorsprung aber keinen Weg vorbei an FK Performance Motorsport.

Die beiden Säulen des Teams sind Freundschaft und Leidenschaft. Denn die beiden Teamgründer Finck und Kaemena sind nicht nur seit knapp 30 Jahren Freunde, sondern waren auch gemeinsam auf der Rennstrecke unterwegs. Als Fahrer starteten sie früher in der Nürburgring Langstrecken-Serie, fuhren drei bis vier Mal im Jahr mit dem Trailer zur Strecke und hatten einfach Spaß. 2013 folgte der entscheidende Schritt: Aus dem F von Finck und dem K von Kaemena formte sich FK Performance Motorsport und es entwickelte sich eine Partnerschaft, die Jahr für Jahr wuchs und Fahrt aufnahm.

Während FK Performance Motorsport zuerst nur am Nürburgring unterwegs war, kam 2020 schließlich der Einstieg in die DTM Trophy und damit in den Sprint-Bereich – mit Erfolg. Schon ein Jahr danach feierte die Mannschaft den Sieg in der Fahrerwertung gemeinsam mit dem späteren DTM-Piloten Ben Green. Seit 2023 startet das Team nun im ADAC GT Masters sowie in der ADAC GT4 Germany. Zwei Vizetitel in der Fahrer- und Teamwertung standen in der GT3-Nachwuchsliga des ADAC bereits zu Buche, nun ist die Teammeisterschaft dazugekommen. 

Mindestens genauso wichtig wie die reinen Ergebnisse ist für FK Performance Motorsport aber die Stimmung innerhalb der Mannschaft. „Das Team fühlt sich schon seit meinen GT4-Zeiten wie Familie an. Die Atmosphäre ist immer gut und positiv“, lobt beispielsweise Fourie. Für die Teamgründer ist das essentiell, um selbst mit Spaß in die Wochenenden zu starten und eventuell bei allen Teammitgliedern und Fahrern noch das Quäntchen mehr Leistung abrufen zu können. „Wir haben eine super Mannschaft um uns herum, die belastbar, voller Leidenschaft und Engagement ist“, freut sich Kaemena. „Unser technischer Leiter Roman Kajtov ist beispielsweise seit 2009 als Freund dabei und seit 2019 fest angestellt.“

Seit 2026 startet FK Performance Motorsport zusätzlich noch im BMW M2 Cup und bietet somit Cockpits über die gesamte Nachwuchsplattform der „Road to DTM“ an. Ziel ist, die jungen Talente länger als nur ein Jahr im Team zu behalten und sie innerhalb einer erfolgreichen Partnerschaft auf dem Weg nach oben zu begleiten. Ob in Zukunft noch eine weitere Stufe hinzukommen wird, lässt sich Finck offen: „Der Mensch ist so veranlagt, dass er immer nach mehr strebt. Was das am Ende bedeutet, wird die Zeit zeigen.“


Quelle: adac-motorsport.de