Wenn die EURO MOTO vom 4. bis 6. September am Fuße der Burgruine Nürburg Station macht, nimmt der Titelkampf richtig Fahrt auf. Die Motorrad-Top-Serie biegt in die vorletzte Saisonrunde des Jahres 2026 ein. Auf dem Nürburgring werden in den drei Prädikatsklassen Superbike, Supersport und Sportbike die Weichen für den Endspurt im Hockenheim-Finale gelegt. In der Eifel erwartet die Fans ein einzigartiges Spektakel auf zwei Rädern, das von vier Cup-Klassen umrahmt wird. Unter anderem gibt der extravagante Bagger Racing League European Cup ein Gastspiel.
Tulovic fehlt nur ein kleiner Schritt
Vor allem aber stellt sich die Frage: Holt Lukas Tulovic auf dem Nürburgring vorzeitig den Titel in der Superbike-Klasse? In den letzten vier Wochen hatte es viel Aufregung um den 26-Jährigen Fahrer vom Team Triple M Racing Ducati Frankfurt gegeben. Nach vier Siegen in Folge musste aus Gründen der Balance of Performance eine Drehzahlreduzierung an der Panigale V4R erfolgen. Da die elektronische Umsetzung bis zum Rennwochenende in Assen noch nicht möglich war, musste Tulovic selbst aufpassen, die Grenze von 15.600 Umdrehungen nicht zu überschreiten. Unter erschwerten Bedingungen errang er zwei Podiumsplätze.
Die Siege gingen allerdings beide an den Niederländer Twan Smits auf Yamaha. Mit etwas Glück kann Tulovic am kommenden Wochenende jedoch vorzeitig den Titel gewinnen. Mit zwei Siegen hätte er sein Saisonziel erreicht.
Allerdings kann ihm vor allem Marcel Schrötter (BMW) einen Strich durch die Rechnung machen. Denn auch für den Zweiten in der Meisterschaftswertung ist noch alles drin. Den Ex-WM-Fahrer trennen in seiner ersten EURO MOTO Superbike-Saison 46,5 Punkte vom Spitzenreiter.
Und es stellt sich die Frage: Was machen Markus Reiterberger (BMW), Twan Smits (Yamaha), Florian Alt (Honda) oder Kevin Orgis (BMW)? Vielleicht wird sogar Hannes Soomer (BMW) zum entscheidenden Faktor im Titelrennen. Der Este ist bekannt dafür, keine Geschenke zu verteilen. Vier Motorradmarken sind am Titelkampf beteiligt. Die Bikes haben über 200 PS und erreichen Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 300 km/h. Es herrschen Voraussetzungen, die den Adrenalinpegel bei Fahrern, Teams und Fans bis an die Belastungsgrenze bringen.
Geiger und Blin im Duell für den Endspurt
Dirk Geiger führt die EURO MOTO Supersport-Wertung an. Doch 13 Punkte Vorsprung sind kein Polster, auf dem man sich ausruhen kann. Der Pole Daniel Blin sitzt dem Deutschen dicht im Nacken.
Zu Beginn der Saison schien Daniel Blin (Ducati) kaum zu stoppen. Der Pole gewann die ersten vier Rennen und setzte sich früh an die Spitze. Inzwischen hat Dirk Geiger den Spieß umgedreht. Der Yamaha-Fahrer hat die Führung übernommen und reist mit 13 Punkten Vorsprung in die Eifel.
Für Geiger geht es dabei um mehr als nur eine gute Ausgangsposition. Er möchte sich unbedingt mit dem Meistertitel aus der Supersport-Klasse verabschieden. Denn sein nächster Schritt steht bereits fest: 2027 steigt der 24-Jährige in die EURO MOTO Superbike auf.
Doch bevor es so weit ist, wartet noch ein heißer Zweikampf. Gelingt es den beiden Favoriten, sich in der Eifel vom Rest des Feldes abzusetzen und ein Duell an der Spitze auszutragen? Oder bekommt Lennox Lehmann (Yamaha) endlich seine Chance auf den ersten Saisonsieg. In Assen verlor der Sachse in Führung liegend die Kontrolle über sein Motorrad und vergrub die möglichen 25 Punkte im Kiesbett.
Einen Höhenflug erlebt die Crew von MV Agusta. Luca Göttlicher hat in der F3 800 RR seine Berufung gefunden und mit dem Motorrad bereits drei Podiumsplatzierungen geholt. Dort will auch Marvin Siebdrath auf der Honda hin. Sein letzter Sprung aufs Treppchen ist über ein Jahr her. Das Gleiche gilt für den Belgier Luca de Vleeschauwer (Yamaha), der es in der laufenden Saison vier Mal nur knapp verfehlte.
46 Punkte Vorsprung für Zuda und Triumph
Wie in der großen Superbike-Klasse wäre auch bei den kleinen Sportbikes ein vorzeitiger Titelgewinn möglich. Štěpán Zuda reist mit einem komfortablen Vorsprung von 46 Punkten in die Eifel. Der Tscheche auf der Triumph hat damit alle Trümpfe in der Hand.
Sein Verfolger ist der Österreicher Tobias Kitzbichler (Aprilia). In der Konstellation liegt jede Menge Brisanz. Denn Kitzbichler ist wiederum punktgleich mit dem Niederländer Ruben Bijman. Und auch die Entschlossenheit des zweifachen Laufsiegers Jakob Rosenthaler ist nicht zu unterschätzen. Der Triumph Daytona 660-Fahrer ist momentan Tabellen-Vierter. Langweilig wird es im Sportbike-Feld also garantiert nicht.
Am Ring geht es rund am kommenden Wochenende. Im Rahmen der EURO MOTO werden der Twin Cup, der Pro Superstock Cup, der Kawasaki ZX-6R-Cup sowie der Bagger Racing Europe Cup ausgetragen. Letzterer sorgt schon rein optisch für einen besonderen Auftritt. Vor allem Harley-Davidson gehen an den Start. Dazu kommen bekannte Namen wie der Brite James Ellison. Er ist ein zweifacher Superstock-1000-Europameister und Endurance-Weltmeister. Ebenfalls dabei: Milan Merckelbagh, der eigentlich in der EURO MOTO Superbike zu Hause ist. Auf ihn wartet auf dem Nürburgring ein außergewöhnlicher Doppelstart, wenn er die BMW gegen die Harley-Davidson tauscht.
Offenes Fahrerlager – Mittendrin statt nur dabei
Die Motor Presse Stuttgart garantiert als Ausrichter und Promoter der EURO MOTO eine Unterhaltung, die jede Minute wert ist. In allen Tickets fürs Wochenende ist der Fahrerlagereintritt und der Zugang zum Fan-Walk enthalten. EURO MOTO in Oschersleben – das ist nicht nur Rennsport auf der Strecke, sondern auch zum Anfassen.
Quelle: euromoto.racing / Anke Wieczorek