Samstag, 9. Oktober 2021

Götz macht mit Sieg am Norisring den Titelkampf noch spannender

„Kiwi“ Lawson am Sonntag mit den besten Karten auf den DTM-Titel

  • DTM Norisring powered by BWT am Sonntag auf dem Siedepunkt
  • Mercedes-AMG-Fahrer Götz siegt vor Inder Maini, Lawson und van der Linde
  • Zweimaliger DTM-Champion Wittmann scheidet beim Heimspiel aus Titelkampf aus
  • Ferrari-Team AF Corse gewinnt vorzeitig den Team-Titel
  • Die Entscheidung: Sonntag, Start um 13:30 Uhr, live ab 13:00 Uhr in SAT.1

Sieg am Samstag; Maximilian Götz
Foto: dtm.com

Die DTM wird am Sonntag ihren Siedepunkt erreichen. Liam Lawson, Kelvin van der Linde und Maximilian Götz werden im allerletzten Saisonrennen bei der DTM Norisring powered bei BWT den heißbegehrten Titel unter sich ausmachen. Der Uffenheimer Maximilian Götz triumphierte im Samstagrennen und machte mit seinem zweiten Saisonsieg den Titeldreikampf noch spannender. Liam Lawson brachte seinen Red Bull-Ferrari hinter dem überraschend starken Inder Arjun Maini im GetSpeed-Mercedes als Dritter ins Ziel, Kelvin van der Linde fuhr im ABT-Audi als Vierter über die Linie.

Damit schickt sich der erst 19-jährige Neuseeländer Liam Lawson an, am Sonntag der jüngste DTM-Champion aller Zeiten zu werden. Mit 224 Zählern hat der „Kiwi“ aus dem Team Red Bull AlphaTauri AF Corse die besten Karten, die Fahrerwertung der DTM 2021 für sich zu entscheiden. 18 Punkte Vorsprung hat der smarte Blondschopf auf van der Linde als seinen ärgsten Widersacher, 19 auf Götz. Am Sonntag gibt es noch maximal 28 Punkte zu gewinnen, drei für die Pole-Position und 25 für den letzten Saisonsieg. Dagegen hat sich der zweimalige DTM-Champion Marco Wittmann ausgerechnet auf seiner Hausstrecke aus dem Titelkampf verabschiedet; im Walkenhorst-BMW blieb er als Zwölfter ohne Punkte. Die Entscheidung fällt im ultimativen Finale am Sonntag. Der Start erfolgt um 13:30 Uhr, das Rennen wird live ab 13:00 Uhr in SAT.1 und weltweit in über 60 Ländern übertragen. Auch in Neuseeland, der Heimat von Titelfavorit Lawson, wird die DTM live im Fernsehen gezeigt.

„Es ist ein Traum, hier zu gewinnen! Das ist sicherlich mein wichtigster Sieg – einfach großartig“, jubelte Maximilian Götz im Ziel. „Ich habe auf der Auslaufrunde sogar geweint. Im Qualifying habe ich es nicht ganz auf den Punkt gebracht, wir sind etwas zu spät rausgefahren. Aber wie so oft hat sich gezeigt, dass am Norsiring alles möglich ist. Der Kampf um den Titel ist noch nicht zu Ende.“

Überschwänglich war die Freude beim zweitplatzierten Arjun Maini, der vor allem in seiner Heimat unzählige Fans hat. „An den vergangenen Wochenenden wurde unser Speed immer besser, und hier auf dem Norisring hat sich das auch in ein zählbares Ergebnis umgemünzt. Der Boxenstopp war in diesem Rennen ein entscheidender Faktor“, so der GetSpeed-Mercedes-Pilot. „Ich freue ich unglaublich über diesen Erfolg. Im Startgetümmel habe ich mir einen leichten Schaden an der Aufhängung vorne rechts eingefangen. Da dachte ich schon, dass das Rennen für mich zu Ende ist. Es ist unglaublich, dass ich jetzt auf dem Podium stehe.“

Einen Schreckmoment musste auch Tabellenführer Liam Lawson wegstecken. „Im Startgetümmel war ich mittendrin. Zuerst hatte ich einen Reifenschaden befürchtet, aber es war zum Glück nicht so. Ich war etwas überrascht, als auf einmal der Audi angeflogen kam“, berichte der Neuseeländer. „Dann gab es eine leichte Berührung mit Philip Ellis, ich konnte ich mich ja nicht in Luft auflösen, habe mich aber gewundert, dass er sich gedreht hat, denn die Berührung war wirklich nur sehr leicht. Mein Team hat mir Runde für Runde immer wieder gesagt, dass ich ruhig bleiben und keine Risiken eingehen soll. Schön, dass die Team-Meisterschaft schon entschieden ist. Das ist eine großartige Belohnung für meine Mannschaft. Für Sonntag bin ich noch cool. Ich denke schon, dass ich schlafen kann. Mal schauen, wie es am Sonntag läuft.“

Mit seiner dritten Pole-Position hatte Lawson die beste Ausgangssituation für das 15. Saisonrennen geschaffen. Und es war angerichtet für ein taffes Duell zwischen Lawson und Kelvin van der Linde, denn der Südafrikaner eroberte den zweiten Startplatz in der ersten Reihe für sich. Doch die erste Kurve machte ihrem Ruf wieder alle Ehre. Noch bevor Lawson in die Spitzkehre einlenken konnte, schoss innen van der Linde vorbei, der offensichtlich den Bremspunkt verpasst hatte. Dann wurde Lawson von Maini getroffen. Philipp Ellis fand den besten Weg durch das Getümmel und übernahm die Führung vor Lawson und dessen Landsmann Nick Cassidy, der anstelle von Alex Albon (THA) den AlphaTauri-Ferrari steuerte. Dahinter lauerte bereits Götz, der sich Platz um Platz nach vorne schob und schließlich die Führung übernahm. Über die gesamte Renndistanz fuhr Götz auf souveränem Siegkurs, auch wenn aufgrund der Pflichtboxenstopps zwischenzeitlich andere Fahrer an der Spitze fuhren, darunter für lange Zeit Cassidy, der sich rundenlang mit van der Linde ein spannendes Duell lieferte.

Mit Platz drei für Lawson und Platz fünf für Cassidy sicherte sich das Team Red Bull AlphaTauri AF Corse vorzeitig den Titel in der Team-Wertung der DTM. Bereits zuvor hatte Mercedes-AMG die Marken-Wertung für sich entschieden. Liam Lawson bereits seit dem drittletzten Rennwochenende des Junior-Titels fest.  

Nachdem das Norisring-Rennen im Sommer Corona-bedingt aufgefallen war, zeigte das Traditionsrennen auf dem Stadtkurs in Nürnberg schon am Samstag, warum dieses Rennen als Saisonhöhepunkt gilt, in diesem Jahr auch im Oktober mehr denn je. Die zahlreichen Zuschauer jedenfalls kamen bei einem abwechslungsreichen DTM-Rennen und einem insgesamt vollgefüllten Programm voll auf ihre Kosten. Und am Sonntag werden die DTM und der Norisring den Siedepunkt erreichen, denn zum ersten Mal in der langen Geschichte der DTM fällt die Titelentscheidung auf der Rennstrecke am Dutzendteich.


DTM: Lawson und v.d. Linde in der ersten Startreihe am Samstag

Titelanwärter in der ersten Startreihe
Foto: dtm.com

Spannender könnte die Ausgangslage nicht sein: Mit Liam Lawson im Red Bull-Ferrari und Kelvin van der Linde im ABT-Audi stehen die beiden favorisierten Titelanwärter nebeneinander in der ersten Startreihe für das Samstagsrennen bei der DTM Norisring powered by BWT. Tabellenführer Lawson fuhr auf dem 2,3 Kilometer kurzen Stadtkurs in Nürnberg eine Zeit von 48,913 Sekunden und war damit 0,184 Sekunden schneller als van der Linde, aktuell Zweiter in der Fahrerwertung. Damit vergrößerte Lawson seinen Vorsprung auf seinen Rivalen um einen Punkt auf 15 Zähler.

"Die Pole-Position war unser erstes Ziel für heute", sagte Lawson. "Jetzt gilt es, alle hinter mir zu halten. Gestern haben wir zwischen FP1 und FP2 einen großen Schritt gemacht und auch heute Morgen war das Auto top. Kelvin wird auf dem Weg zur ersten Kurve natürlich pushen wie verrückt. Er hat den Vorteil, dass er für das Rennen kein Zusatzgewicht an Bord hat."

Van der Linde kommentierte: "Für uns war ein Platz unter den ersten Drei das Ziel, das haben wir geschafft. Die erste Kurve wird Chaos, wir müssen sehen, wie wir da nach vorne kommen. Vor allem das Timing des Boxenstopps wird entscheidend, denn nach dem Stopp kommt man immer in den Verkehr."

Hinter Lawson und van der Linde fuhr Lucas Auer im WINWARD-Mercedes auf Rang drei und führte damit ein Mercedes-Quintett an, vor Arjun Maini (Team GetSpeed), Maximilian Götz (Team HRT), Philip Ellis (Team WINWARD) und Daniel Juncadella (Team GruppeM). Nick Cassidy qualifizierte sich im AlphaTauri-Ferrari als Achter, vor Nico Müller (Audi, Team Rosberg) und Esteban Muth (Lamborgini, T3 Motorsport). Sophia Flörsch (Audi, Team ABT) schaffte als 15. ihr bislang bestes Qualifying-Ergebnis. Weit abgeschlagen hingegen Lokalmatador Marco Wittmann, der im Walkenhorst-BMW nicht über Startplatz 19 hinauskam.

Quelle: dtm.com


Vorteil Liam Lawson – Tabellenführer fährt Bestzeit am Freitag

  • 19-Jähriger im Red Bull-Ferrari Schnellster vor drei Mercedes-AMG-Fahrern
  • Herausforderer Kelvin van der Linde: Fünftschnellster und Vertragsverlängerung
  • Auf und neben der Rennstrecke: Spektakel bei DTM Norisring powered by BWT
  • DTM Trophy: Tabellenführer Ben Green Schnellster am Trainingstag

Liam Lawson setzt erste Bestzeit am Norisring
Foto: dtm.com

Der Titelkampf spitzt sich zu: Tabellenführer Liam Lawson unterstrich mit der Bestzeit am ersten Tag der DTM Norisring powered by BWT seine Ambitionen. Auf dem nur 2,3 Kilometer langen Stadtkurs in Nürnberg, wo er noch nie zuvor gefahren ist, fuhr der 19-jährige Neuseeländer im Red Bull-Ferrari mit 49,375 Sekunden die Bestzeit. Sein härtester Widersacher im Titelkampf, der Südafrikaner Kelvin van der Linde im ABT-Audi, beendete den Trainingstag als Fünftschnellster. Am Samstag und Sonntag stehen jeweils ein Zeittraining und ein Rennen (jeweils Start um 13:30 Uhr, live ab 13:00 in SAT.1) auf dem Programm. Maximal 56 Punkte sind noch zu vergeben, 14 Punkte trennen Lawson und van der Linde. Auch Maximilian Götz im HRT-Mercedes-AMG und Marco Wittmann im Walkenhorst-BMW verfügen noch über Titelchancen. 

Zum Start ins DTM-Finalwochenende standen am Freitag zwei Freie Trainings auf dem Programm. Im ersten Training war es Maximilian Götz, der im HRT-Mercedes mit einer Zeit von 49,568 Sekunden die Rangliste anführte, vor seinem Markenkollegen Lucas Auer (Team WINWARD) und die beiden Titelkandidaten Kelvin van der Linde und Liam Lawson. Im zweiten Durchgang konnten viele Fahrer ihre Rundenzeiten nochmals verbessern, vor allem Liam Lawson, der den Tag schließlich als Schnellster abschloss.

Dem Neuseeländer folgten drei Mercedes-Fahrer: Arjun Maini (Team GetSpeed), Maximilian Götz und Lucas Auer. Hinter van der Linde komplettierten Daniel Juncadella (Mercedes-AMG, Team GruppeM), Philip Ellis (Mercedes-AMG, Team WINWARD), Nico Müller (Audi, Team Rosberg), Vincent Abril (Mercedes-AMG, Team HRT) und Mike Rockenfeller (Audi, Team ABT Sportsline) die Top Ten. Newcomer Nick Cassidy, der an diesem Wochenende den AlphaTauri-Ferrari von Alex Albon (THA) übernommen hat, belegte Rang elf.

Aus der Pressekonferenz: Teamchefs mit der Entwicklung der DTM mehr als zufrieden

Zum Saisonausklang waren es nicht die Fahrer, die in der traditionellen Pressekonferenz am Freitag Rede und Antwort standen, sondern die Chefs der besten Teams je Marke: Thomas Biermaier (ABT Sportsline, Audi), Jens Feucht (T3 Motorsport, Lamborghini), Ulrich Fritz (Team HRT, Mercedes-AMG), Niclas Königbauer (Walkenhorst Motosport, BMW) und Ron Reichert (Red Bull AlphaTauri AF Corse, Ferrari). ABT-Teamchef Biermaier nutzt die Medien-Präsenz, um die Vertragsverlängerung mit Kelvin van der Linde und den Einsatz von mindestens zwei Audi R8 LMS in der DTM 2022 zu bestätigen. Auch T3 Motorsport und das Team von Hubert Haupt bestätigten die Teilnahme an der nächstjährigen DTM, und AF Corse und Walkenhorst Motorsport ließen keinen Zweifel daran, wieder dabei sein zu wollen. Alle fünf Teamchefs zeigten sich mehr als zufrieden mit der Entwicklung der DTM. „Vor einem Jahr hätte das niemand für möglich gehalten, dass die DTM eine so starke Saison abliefert“, stellte Thomas Biermaier fest und ergänzte, dass die DTM-Plattform zusammen mit DTM Trophy, DTM Classic sowie DTM Esports und künftig DTM Electric eine große Zukunft hat.

Ron Reichert hob den Stellenwert der DTM heraus: „Unser Team war schon in so vielen Meisterschaften am Start, auch bei Weltmeisterschaften, aber ein solches Ausmaß an Berichterstattung überall auf der Welt ist für uns eine absolut neue, großartige Erfahrung. Auch in Italien ist die DTM zunehmend populär.“ Wichtig ist die Strahlkraft der DTM auch für den Nachwuchs in der DTM Trophy, wie Niclas Königbauer herausstellte: „Wo sonst steht ein 16-Jähriger als Sieger in der DTM Trophy so im Rampenlicht als auf der DTM-Plattform, die so hervorragend für den Nachwuchs ist.“

Ulrich Fritz stellte positive Veränderungen in der Traditionsserie fest: „Die DTM 2021 ist schon anders, im guten Sinne. Es herrscht eine neue Philosophie, Teams und die DTM-Organisation ITR arbeiten gemeinsam für eine gute Show und können wirklich zufrieden auf das blicken, was in dieser Saison erreicht wurde.“ Jens Feucht bekräftige: „Die DTM ist die Formel 1 der Tourenwagen und GT-Rennwagen. Es ist eine wundervolle Serie mit einem sehr fairen Wettkampf auf aller höchstem Niveau.“ Wie intensiv bereits die Vorbereitungen für die DTM 2022 laufen, betonte Ron Reichert: „Es ist eindrucksvoll, wie eng die Teams in verschiedenen Arbeitsgruppen mit der ITR zusammenarbeiten. Schon im August fand das erste gemeinsame Meeting für die nächste Saison statt.“ 

DTM Trophy: Tabellenführer Green startet mit Tagesbestzeit ins finale Wochenende

Ben Green, mit nur drei Punkten Vorsprung Tabellenführer der DTM Trophy, startete gut ins Finalwochenende: In der Addition der beiden Freien Trainings auf dem Norisring belegte der Brite im BMW des Teams FK Performance Motorsport mit einer Zeit von 54,275 Sekunden, gefahren im zweiten Training, die Spitzenposition. Sein härtester Rivale William Tregurtha hingegen kam im Mercedes-AMG der CV Performance Group nicht über Platz fünf hinaus; er hatte einen Rückstand von 0,268 Sekunden auf seinen Landsmann.

Dazwischen rangierten Reinhard Kofler (True Racing by Reiter Engineering, KTM), Neueinsteiger Gabriele Piana (Hofor Racing by Bonk Motorsport, BMW) und Lokalmatador Moritz Löhner (FK Performance Motorsport, BMW). Auf Rang sechs hinter Tregurtha landete Nico Verdonck im Toyota des Teams Ring-Racing, der im ersten Freien Training schnellster gewesen war. Die BMW-Fahrer Yann Zimmer (FK Performance Motorsport), Michael Schrey (Hofor Racing by Bonk Motorsport) und Theo Oeverhaus (Walkenhorst Motorsport) sowie Lucas Mauron im Heide-Motorsport-Audi komplettierten die Top Ten.


Donnerstag, 7. Oktober 2021

Herzschlagfinale der DTM am Norisring

Duell zwischen Lawson und van der Linde oder doch Vierkampf mit Götz und Wittmann

  • Quartett mit Titelchancen: erstmals DTM-Finale auf dem Stadtkurs in Nürnberg
  • Red Bull-Junior Lawson könnte der jüngste DTM-Champion aller Zeiten werden
  • Fahrerwechsel: Nick Cassidy feiert Premiere und ersetzt Alex Albon im AlphaTauri-Ferrari
  • Fan-Festival: offenes Fahrerlager, Pitwalk und viel Unterhaltung im Fan-Village
  • Tickets auf tickets.dtm.com und unter der DTM-Ticket-Hotline 01806 991166
  • Live vom Norisring: weltweit in über 60 Ländern, SAT.1 im deutschsprachigen Raum

Das Titel-Quartett der DTM 2021t: Maximilian .Götz, Marco Wittmann, Liam Lawson,
Kelvin van der Linde (l-r) © DTM

Tage des Donners am Norisring! Erstmals ist der Stadtkurs in Nürnberg die ultimative Bühne für den Showdown der traditionellen Rennserie. Liam Lawson, der erst 19-jährige Neuseeländer im Red Bull-Ferrari, oder der sechs Jahre ältere Südafrikaner Kelvin van der Linde im ABT-Audi – das ist hier die Frage. Wer gewinnt den heißumkämpften DTM-Titel, wer wird Nachfolger des dreimaligen DTM-Champions René Rast? Auch Lokalmatador Maximilian Götz (GER) im HRT-Mercedes-AMG mischt im Titelkampf mit, und rein rechnerisch hat auch Marco Wittmann im Walkenhorst-BMW noch Chancen auf den Titel, dessen Wert im internationalen Motorsport überaus hoch ist. Motorsport-Kenner wissen, dass auf dem nur 2.300 Meter langen Norisring alles passieren kann, wirklich alles.

Genau das macht diese kurze, aber schwierige Rennstrecke rund um die geschichtsträchtige Steintribüne auch für Fans so interessant. Sie sind verdammt nah dran und nirgendwo sonst kommen die Rennwagen häufiger vorbei – etwa doppelt so oft wie auf üblichen Strecken –, 69 Runden werden in jedem der beiden DTM-Rennen erwartet. Der Norisring ist auch berühmt für seine einzigartige Atmosphäre am Dutzendteich, für die Fan-Nähe im offenen Fahrerlager und das Fan-Village mit Programm und DJs.

Norisring – das ist höchste Tradition im deutschen Motorsport allgemein, denn schon 1947 wurde an der Zeppelinwiese das erste Rennen gefahren, und auch in der DTM. Seit 1984 wurden schon 46 DTM-Rennen ausgetragen, immer mitten im Sommer. Nach dem Ausfall im Vorjahr machte Corona in diesem Jahr eine Verlegung des ursprünglich angedachten Termins im Juli erforderlich, und jetzt erlebt der Norisring das Herzschlagfinale der DTM 2021. Die Wetteraussichten für da Wochenende sind allerdings vielversprechend. Es ist die ultimative Herausforderung für alle Fahrer und Teams, und der ultimative Action-Faktor für die Fans. Immerhin wird auf der nicht-permanenten Rennstrecke Tempo 260 erreicht. Die errechnete Rundenzeit liegt knapp unter 50 Sekunden (49,6s), die Renndistanz wird voraussichtlich 69 Runden betragen. Vor allem die Bremsen werden auf dem Norisring extrem belastet, wenn vor der Grundig-Spitzkehre fast 70 Mal brachial von 260 auf etwa 47 km/h heruntergebremst werden muss. Dazu kommt ein Volllastanteil von 67 Prozent. Ein Belastungstest für Mensch und Maschine!

Jetzt also Finale, und es könnte kaum besser angerichtet sein. 206 zu 192 steht es zwischen Lawson und van der Linde. Lawson holte drei Pole-Positions und drei Siege, van der Linde fünf Pole-Positions und vier Siege. Nicht abzuschreiben sind auch Maximilian Götz mit 180 und Marco Wittmann mit 165 Zählern. Mit einem GT-Rennwagen hat noch keiner Erfahrung auf dem Norisring gesammelt, das ist die erste Herausforderung. Für Lawson und sein Team ist der Norisring komplett Neuland, während van der Linde auf die Erfahrung aus 25 Rennen und zwölf Podiumsplätzen des ABT-Teams am Dutzendteich seit 2000 bauen kann und selbst hier schon im Rahmen des Scirocco-Cups gefahren ist. Wenn er seinen Punktevorsprung über die Runden bringen sollte, wäre Liam Lawson mit 19 Jahren der jüngste DTM-Champion der Geschichte. Und dieser Titel käme dem Red Bull-Junior, der trotz all seines Lobes für die DTM längst auf die Formel 1 fokussiert ist, gerade zur rechten Zeit. Zum Finale erhält der „Kiwi“ Unterstützung aus seiner neuseeländischen Heimat, wo das DTM-Finale sogar live im Fernsehen übertragen wird. Weil Alex Albon seinen Verpflichtungen als Formel-1-Ersatzfahrer von Red Bull Racing beim Grand Prix in der Türkei nachkommen muss, übernimmt der Neuseeländer Nick Cassidy erstmals den AlphaTauri-Ferrari mit der Nummer 23. Und den Norisring kennt der 27-Jährige bereits aus Formel-3-Zeiten 2013 und 2016. Inklusive Gaststarter Lucas di Grassi, dem ehemaligen Formel-E-Champion im vierten ABT-Audi, präsentiert sich die DTM mit 20 GT-Rennwagen in der Franken-Metropole.

Tages des Donners stehen dem Norisring bevor, ein „Speedweekend“ der Extra-Klasse. Dafür sorgt nicht nur die DTM, die zum Abschluss auf eine furiose Saison zurückblickt, sondern ein geballtes Motorsport-Paket mit der Nachwuchsserie DTM Trophy mit seriennahen GT-Sportwagen, mit der DTM Classic Tourenwagen Legenden, dem BMW M2 Cup, der P9 Challenge sowie den Demo-Fahrten von DTM Electric und BMW-Legenden. Allein die DTM präsentiert ein Fahrerfeld der Weltelite, aber auch sonst präsentiert sich am Dutzendteich das Who-is-who des Rennsports mit Fahrern wie Hans-Joachim Stuck, Klaus Ludwig, Christian Danner, Kurt Thiim und Klaus Niedzwiedz in der DTM Classic sowie Johnny Cecotto, Leopold von Bayern und Norisring-Rekordsieger Bruno Spengler.

Mittwoch, 6. Oktober 2021

Offener Schlagabtausch um den Titel in der DTM Trophy

Nur drei Punkten trennen Green und Tregurtha

  •     204 zu 201 – Ben Green hauchdünn vor William Tregurtha
  •     Zwei Briten im Fokus: Das sagen ihre Teamchefs
  •     Live vom Norisring: SPORT1 und DTM Grid zeigen beide Rennen
 
Ben Green (m) und William Tregurtha (r) - ein enges, aber faires Titelduell in der DTM Trophy © DTM


Wie in der DTM, ist auch in der DTM Trophy das Titelrennen noch offen. Nur drei kleine Pünktchen trennen die Titelaspiranten Ben Green und William Tregurtha vor den beiden alles entscheidenden Saisonrennen 13 und 14 am Wochenende (08.-10. Oktober) auf dem Norisring. Green oder Tregurtha, das bedeutet auch BMW oder Mercedes-AMG. Nur eines ist klar: Der Nachfolger von Vorjahres-Champion Tim Heinemann kommt aus Großbritannien. Hockenheim erlebte am vergangenen Wochenende zwei spektakuläre Rennen zur DTM Trophy, und am Norisring wird es kaum anders sein. „Das Racing wird sehr intensiv sein“, sagt Herausforderer Tregurtha voraus.

Dabei war Ben Green im badischen Motodrom auf dem besten Weg, den Sack schon halbwegs zuzumachen. Mit dem BMW von FK Performance Motorsport eroberte er am Samstag und Sonntag die Pole-Position, auch in beiden Rennen kreuzte er die Ziellinie als Erster, doch den Sieg am Samstag verlor er wieder durch eine unglückliche Strafe, weil er aufgrund eines technischen Problems den Abstand zum Safety-Car nicht korrekt eingehalten hatte. Statt Maximalpunktzahl 56 waren es am Wochenende für ihn somit nur 33 Zähler. Drama bei Green also, aber auch bei Tregurtha. Nach der turbulenten Startrunde am Samstag fand er sich am Ende des Feldes wieder, kämpfte sich aber mit beherzter Fahrt wieder bis auf Rang zwei nach vorne.

Die beiden Briten werden von ihren Teams im Titelkampf intensiv unterstützt. Während Green bereits die zweite Saison bei FK Performance Motorsport aus Bremen fährt und im Vorjahr als Vierter abschloss, ist Tregurtha ebenso neu in der DTM Trophy wie sein Team CV Performance Group aus Niederzissen unweit des Nürburgrings. „Ben ist einfach ein kompletter Rennfahrer“, sagt FK-Teamchef Martin Kaemena. Schwächen seines Fahrers fallen ihm keine ein, dafür aber Stärken: „Sein Fokus, das Auto abzustimmen und mit den Ingenieuren zusammenzuarbeiten. Sein technisches Verständnis ist absolut top.“ Kaemena führt es auf die GT3-Erfahrung von Green zurück, dass er  schnell die richtige Abstimmung findet. „Zudem ist er menschlich super, sehr gelassen. Und über den Winter hat er sich vor allem im Bereich der mentalen Stärke extrem weiterentwickelt.“ Für Kaemena ist klar: „Wir planen, die Zusammenarbeit mit Ben auch im kommenden Jahr fortzusetzen.“

Auch Christian Voß ist von seinem Fahrer William Tregurtha absolut überzeugt und voll des Lobes. „William ist ein absolut professioneller Rennfahrer. Er arbeitet sehr fokussiert, auch im Team. Wir schätzen auch seine enge Zusammenarbeit mit seinem jungen Teamkollegen Mathias Salonen“, äußert Voß, der nach seinen zahlreichen Erfolgen im Kartsport sich im Frühjahr zum Einstieg in die DTM Trophy entschloss. „William ist morgens der Erste, der kommt, und abends der Letzte, der geht. Er interessiert sich sehr für die Technik und redet in allen relevanten Themen mit, bringt sich ein, was ich sehr gut finde.“ Seine Ruhe, seine Konzentration und seine Erfahrung nennt Voß als Stärken von Tregurtha, ergänzt aber auch, dass sich der Brite manchmal etwas schwer tut, mit Kritik umzugehen. Von Druck vor dem Finale kann bei Tregurtha keine Rede sein. „Er ist die ruhigste Person im Team. Alle Ingenieure, Mechaniker und auch ich sind viel nervöser.“ Auch Voß hat einen klaren Plan, will 2022 mit Tregurtha weiter zusammenarbeiten und will möglichst sogar vier Autos in der DTM Trophy einsetzen. Mit Blick auf das Finale am Norisring sagt der CVPG-Teamchef: „Jetzt stehen Will und ich hier am Ende der Saison und fahren um die Meisterschaft. Damit hätte niemand gerechnet, denn für uns ist es das erste Jahr mit den seriennahen GT-Sportwagen.“

Die Voraussetzungen sind für Green und Tregurtha nahezu gleich: nur drei Punkte Unterschied, und keine Erfahrungen auf dem Norisring. „Ich bin noch nie am Norisring gewesen. Aber ich liebe Straßenkurse. Der Norisring ist etwas Einzigartiges, und ich empfinde es als eine Ehre, dort fahren zu dürfen“, freut sich Tregurtha auf das Duell gegen seinen Landsmann Green, mit dem er seit Jahren im Gleichschritt durch die Motorsport-Welt marschiert. „Die Strecke sieht aufregend aus. Ich gehe selbstbewusst in die Rennen und will bis zum Fallen der Zielflagge im Sonntagrennen kämpfen, um den Titel zu holen“, lässt Green keinen Zweifel an seiner Entschlossenheit aufkommen.

Der Titel in der DTM Trophy ist das erklärte Ziel von beiden, aber nur einer kann Champion der Nachwuchsserie DTM Trophy werden. Das Ziel, 2022 in die DTM aufzusteigen, können beide erreichen. Die Qualitäten der beiden Briten sind den DTM-Teamchefs sicher nicht entgangen.