Sonntag, 16. August 2026

EuroMoto Sportbike: Kitzbichler reagiert smart und erbt ersten Sieg

Tobias Kitzbichler, Aprilia RS 600 #38
Foto: Jens Hawrda

Das zweite Rennen der EURO MOTO Sportbike in Assen hatte es bis zum Schluss in sich. Eigentlich sah zunächst alles nach dem perfekten Heimwochenende für Ruben Bijman aus. Doch nach einem wilden Finale und einer nachträglichen Entscheidung der Rennleitung durfte am Ende ein anderer jubeln: Tobias Kitzbichler (ViVa by Peuker & Streeb) feierte seinen ersten Saisonsieg vor Ruben Bijman (Freudenberg RORA PALIGO Racing) und dessen Teamkollegen Stepan Zuda (Freudenberg RORA PALIGO Racing). Gerade einmal 0,141 Sekunden trennten die drei im Ziel.

Zuda erwischte von der Pole Position einen guten Start und setzte sich vor Bijman und Kitzbichler an die Spitze. Für Jakob Rosenthaler (RT Motorsports) war das Rennen dagegen schon in der ersten Runde vorbei. Der Österreicher stürzte auf Rang vier und sein Motorrad rutschte über die Strecke. Jeffrey Buis (Track & Trades Wixx Racing) konnte nicht mehr ausweichen, fuhr über die Triumph und kam ebenfalls zu Fall. Beide sind glimpflich davon gekommen, das Rennen war für sie danach jedoch beendet

Vorne entwickelte sich schnell ein Dreikampf zwischen Zuda, Bijman und Kitzbichler. Alle drei waren vom Sturz Rosenthalers unberührt geblieben und konnten dadurch direkt eine Lücke zu den Verfolgern aufreißen. Kitzbichler fand sich damit zwischen den beiden Freudenberg Fahrern wieder, hielt dem Druck aber selbstbewusst stand. Immer wieder schloss er die kleine Lücke zu Zuda, während Bijman direkt dahinter ebenfalls auf seine Chance lauerte.

Das Tempo an der Spitze war entsprechend hoch. Zuda setzte in Runde acht mit 1:45,049 Minuten die schnellste Rennrunde.

Entscheidung fällt erst nach der Zielflagge

So ging es mit Zuda vor Kitzbichler und Bijman in die letzte Runde. Im letzten Streckenabschnitt überschlugen sich dann die Ereignisse. Kitzbichler zog an Zuda vorbei, doch Bijman nutzte die Situation und schlüpfte ebenfalls durch. Nur eine Kurve später setzte der Niederländer auch gegen Kitzbichler nach und übernahm die Führung. Zuda nutzte anschließend den verlorenen Schwung des Österreichers und ging ebenfalls vorbei.

Bijman kam als Erster über die Ziellinie und schien nach seinem Sieg am Samstag den Doppelsieg auf seiner Heimstrecke perfekt gemacht zu haben.

„Die letzte Runde lief eigentlich richtig gut und in der vorletzten Kurve wurde es noch einmal ziemlich wild. Dabei bin ich wohl über die Track Limits gekommen und die Entscheidung muss ich akzeptieren. Trotzdem war es für mich ein super Wochenende. In beiden Rennen auf dem Podium zu stehen und am Samstag meinen ersten Sieg zu feiern, kann mir keiner mehr nehmen“, sagte Bijman.

Denn nach der Zieldurchfahrt war das Rennen noch nicht entschieden. Die Rennleitung schaute sich die letzte Runde noch einmal genauer an. Sowohl Bijman als auch Zuda hatten im Bereich der Kurven 17 und 18 die Track Limits überschritten und wurden jeweils um eine Position zurückversetzt. Kitzbichler war als einziger der drei innerhalb der Streckenbegrenzung geblieben und rückte damit nachträglich auf Platz eins vor.

Für Kitzbichler war es der lang ersehnte erste Sieg der Saison. Schon mehrfach war der Österreicher in diesem Jahr ganz nah dran gewesen. In Assen sah es zunächst wieder so aus, als würde ihm der Sieg auf den letzten Metern durch die Finger rutschen. Dieses Mal zahlte sich aber genau das aus, was ihm am Samstag noch zum Verhängnis geworden war: In der letzten Kurve hielt er sich dieses mal bewusst etwas zurück und blieb innerhalb der Streckenbegrenzung. „Ich bin gerade wirklich sprachlos. Wir hatten vor dem Rennen einen Plan und eine richtig gute Pace, aber ich hätte nicht gedacht, dass es bis zum Schluss so spannend bleibt. Eigentlich hatte ich mich schon mit Platz drei abgefunden. Nach meinem Fehler gestern in der letzten Kurve wollte ich heute dort nicht wieder zu viel riskieren und war deshalb etwas zurückhaltender. Umso cooler ist es, dass sich genau das am Ende ausgezahlt hat und daraus sogar der Sieg geworden ist“, freute sich Kitzbichler über seinen ersten Saisonerfolg.

Damit wird es auch hinter Meisterschaftsführer Zuda richtig eng. Kitzbichler und Bijman liefern sich nach dem Wochenende in Assen ein Kopf an Kopf Rennen um Rang zwei. Beide stehen nun bei jeweils 140 Punkten und sind damit punktgleich in der Meisterschaft.

Zuda musste sich dagegen mit Rang drei zufriedengeben. „Ich habe in der letzten Runde leider ein paar Fehler gemacht, die mich vielleicht den Sieg gekostet haben. Aber so ist Racing. Ansonsten war ich mit dem Rennen sehr zufrieden und bin meiner Mannschaft dankbar, dass sie mir so ein starkes Bike vorbereitet hat“, fasste der Meisterschaftsführer sein Rennen zusammen.

Hinter dem Spitzentrio fuhr Mika Siebdrath (Freudenberg RORA PALIGO Racing) mit knapp 15 Sekunden Rückstand  von Rand zehn bis auf Rang vier vor. Kiyano Veijer (Dutch Talent Racing) wurde Fünfter vor Maksymilian Palmowski (SP Race Project). Julian van Kalkeren (SRTD Pearle Gebben), Rick Kooistra (SRTD Pearle Gebben), Tom Kuil (RT Motorsports) und Jay Jay den Hoed (Team SWPN) komplettierten die Top Ten.

Luis Rammerstorfer (Freudenberg RORA PALIGO Racing) musste im zweiten Rennen seine zwei Long Lap Penalties aus dem Zwischenfall vom Samstag absolvieren und kam auf Rang 13 ins Ziel.

EURO MOTO Sportbike, Race 2 (Top-Ten)

  1. Tobias KITZBICHLER (#38/AUT), Aprilia RS660
  2. Ruben BIJMAN (#17/NLD), Triumph Daytona 660
  3. Stepan ZUDA (#23/CZE), Triumph Daytona 660
  4. Mika SIEBDRATH (#98/DEU), Triumph Daytona 660
  5. Kiyano VEIJER (#53/NLD), Triumph Daytona 660
  6. Maksymilian PALMOWSKI (#95/POL), Aprilia RS660
  7. Julian VAN KALKEREN (#34/NLD), Triumph Daytona 660
  8. Rick KOOISTRA (#20/NLD), Triumph Daytona 660
  9. Tom KUIL (#55/NLD), Triumph Daytona 660
  10. Jay Jay DEN HOED (#44/NLD), Yamaha YZF R7

Quelle: euromoto.racing / Rowena Hinzmann