Dienstag, 4. August 2026

Euro Moto Oschersleben: MRP Racing mit Teamwork aufs Superbike-Podest

Bevor es für die Mannschaft des Belgiers Werner Daemen am vergangenen Wochenende auf die nächste Reise im Rahmen der Euro Moto Superbike in die Motorsport Arena Oschersleben ging, konnten seine Schützlinge Markus Reiterberger (D), Jan Mohr (A) und Milan Merckelbagh (NL) noch ein paar rennfreie Tage genießen. Am Start für das Teams Masteroil-alpha-Van Zon-BMW fehlte der Este Hannes Soomer. Der BMW-Pilot hatte sich bei seinem Einsatz in der Langstrecken-Weltmeisterschaft in Japan an der Schulter verletzt und war für einen Einsatz in der hart umkämpften Euro Moto Superbike noch nicht wieder hundertprozentig fit.

Markus Reiterberger #28

Markus Reiterberger, der für BMW beim Langstrecken-WM-Rennen gemeinsam mit seinen Kollegen im japanischen Suzuka einen grandiosen Podestplatz herausgefahren hatte, ließ es vor der Reise nach Oschersleben entspannt angehen. «Ich habe mit meiner kleinen Familie ein paar Tage Urlaub gemacht», verriet er vor dem ersten Training in der Motorsport Arena. «Ich habe in meiner Werkstatt gearbeitet und bei unserem Hausbau weitergemacht.» In den Trainings und der Superpole 2 legte sich der Bayer mächtig ins Zeug, war aber am Ende des Samstags nicht so ganz happy. «Platz 5 – ganz sicher nicht das, wo ich dieses Wochenende sein wollte», kommentierte er seinen Startplatz. «Aber mein Masteroil-alpha-Van Zon-BMW Team und ich werden weiterhin alles geben, um die Rennen am Sonntag auf dem Podium zu beenden, aber es wird nicht einfach werden, dessen sind wir uns bewusst.»

Das erste Rennen endete für die Euro Moto Superbike-Piloten mit unschönen Bildern schon nach wenigen Runden. Dem auf Platz 2 fahrenden Yamaha-Piloten Twan Smits platzte der Motor und die Fahrer, die in seinem Windschatten unterwegs waren, unter ihnen Markus Reiterberger, stürzten der Reihe nach. Verletzt hatte sich bei dem Crash zum Glück niemand, doch die Schäden waren enorm. Reiterbergers BMW hatte es schwer erwischt, nachdem sie mehrere Meter hoch durch die Luft und über die Leitplanken in Richtung Böschung geschleudert worden war. Die Mechaniker schlugen beim Anblick der fliegenden BMW die Hände über dem Kopf zusammen. Auch Teamchef Werner Daemen war froh, dass alle mit heiler Haut davongekommen waren. «Wir haben ja in der Euro Moto die Ein-Motorrad-Regel», erläuterte er die Lage. «Wir schauen, dass wir es hinkriegen, aber die Sicherheit des Fahrers geht vor.»

Weniger als drei Stunden blieb den Mechanikern, es dauerte seine Zeit, bis die BMW mit dem Gabelstapler geborgen werden konnte, um die BMW bis auf ihre Grundmauern zu zerlegen und von Grund auf neu aufzubauen. Zehn Minuten vor Rennen 2 dann die Erlösung für Reiterberger. Seine BWM stand wieder startbereit in der Boxengasse. «Es war wichtig, dass ich heil davongekommen bin», versicherte er. «Aber mein Motorrad war total hinüber. Als sie das Motorrad weggeschleppt haben, hätte ich nicht gedacht, dass das klappt.» Ohne einen wirklichen Funktionstest und mit einer flammneuen Kombi ging es an den Start. 

Und was soll man sagen. Reiterberger vertraute auf die Arbeit seiner Mechaniker, fuhr herzhaft drauf los und gemeinsam konnte man den zweiten Platz feiern. Schon nach dem Warm-up hatte man gesehen, dass es mit der BMW endlich wieder nach Reiterbergers Geschmack vorwärts ging. «Ich muss meinen Mechanikern danken», waren seine ersten Worte nach der Zieldurchfahrt. «Ich habe ein paar Hebel eingestellt und los gings. Sie hat sich angefühlt wie das alte Moped. Die Kombi war nicht ganz so komfortabel. Die Hinterradbremse konnte ich nicht verwenden, aber das war wurscht. Ich konnte mit Platz 2 einen kleinen Dank ans Team zurückgeben. Für heute war Platz 2 ein gutes Ergebnis. Es war schön, mal wieder in Oschersleben gewesen zu sein und das mit vielen Zuschauern. Ich bin dankbar.»

Jan Mohr #5

Jan Mohr gondelte vom österreichischen Vorarlberg in den Nordosten Deutschlands. Schon im Vorfeld war klar, dass aus dem Fahrer des Teams Masteroil-alpha-Van Zon-BMW und der Motorsport Arena Oschersleben nicht mehr die besten Freunde werden würde. Das Verhältnis sollte sich auch nach dem vierten von sieben Euro Moto-Wochenenden nicht wirklich bessern. «Frustriert», lautete dann auch die Antwort nach der Gemütslage am Sonntagabend. Schon nach dem elften Platz im Training gab es für Mohr und seine Mannschaft noch ein paar Denksport-Aufgaben.

«Es war einfach nicht mehr drin», erklärte er. «Ich habe grundsätzlich ein Problem mit dem Vorderrad und viel Bewegung in der Gabel. Hauptsächlich am Kurveneingang und daher fehlt mir natürlich dann der Kurven-Speed. Gerade bei dem Layout von Oschersleben mit den langgezogenen Kurven summiert sich das.» Im ersten Rennen war Mohr von der Massen-Karambolage nach dem Motorplatzer eines Konkurrenten unbeschadet davongekommen und war als Siebter gewertet worden. «Als ich da ankam, habe ich nur die riesige Wolke gesehen und bin sofort runter von der Ideallinie», beschreibt er das Erlebnis. «Da kam auch schon die rote Flagge. Ich bin dann ganz innen gefahren und den siebten Platz nehme ich natürlich gerne mit.»

Viele Änderungen ließ Mohr vor dem zweiten Lauf, der für ihn mit Rang 9 endete, nicht mehr vornehmen. «Wir haben ein wenig die Dämpfung geändert, um die Vibrationen wegzubekommen», so Mohr. «Es war besser, aber auch kein Durchbruch. Ein Top Ten Platz hört sich gut an und auch der Letzte im Feld fährt noch schnell. Aber man muss ehrlich sein, 30 Sekunden hinter dem Sieger ins Ziel zu kommen, ist eindeutig zu viel.»

Milan Merckelbagh #55

Milan Merckelbagh hatte sich wie sein Kollege ein paar freie Tage gegönnt und sich in Sachen Freizeit mit einem Elektro-Festival und der einen oder anderen Runde Wasser-Ski vergnügt. In den ersten beiden freien Trainings war der Niederländer gut ins vierte von sieben Euro Moto-Wochenende gestartet. Am Freitagnachmittag machte sich der Niederländer das Rennfahrerleben selber schwer. Schon zu Beginn landete der BMW-Pilot im Kiesbett und konnte das Training auch nicht wieder aufnehmen. Das Pech verfolgte ihn auch am Samstagmorgen. Seine Mannschaft hatte ihm sein Arbeitsgerät wieder in Topform hingestellt. Doch mehr als eine Runde für einen Funktions-Check war nicht drin. Es hatte nachts und auch am Morgen geregnet, so dass an flotte Runde nicht zu denken war. Daher ging es für den Niederländer in die Superpole 1, die für ihn mit Startplatz 10 endete.

Das erste Rennen dauerte nicht all zu lange. Nach einem Motorschaden eines Piloten aus der Führungsgruppe stürzten zahlreiche Piloten und das Rennen wurde abgebrochen. Merckelbagh kam unbeschadet an der Unfallstelle vorbei und wurde als Sechster gewertet. Im zweiten Lauf fand der Niederländer vom Team Masteroil-alpha-Van Zon-BMW gut ins Rennen, wurde am Ende aber mit Platz 11 im Ziel nicht wirklich reichlich belohnt. 

«Mein Start war am Nachmittag viel besser als am Morgen», berichtete Merckelbagh im Anschluss. «Allerdings hatte ich in Turn 7 schon das ganze Wochenende Probleme beim Schalten. So leider auch im Rennen.» Nachdem er dort durchs Gras gerumpelt war und wieder den Weg zurück auf die Strecke gefunden hatte, ging die eigentliche Arbeit für den BMW-Piloten erst los. Denn er war so ziemlich am Ende des Feldes angekommen und die Konkurrenz war weg. «Ich habe es dann aber tatsächlich noch geschafft, den Rückstand von vier Sekunden wettzumachen und mir noch den elften Platz zu holen.»


Für das Team von Werner Daemen geht es in der übernächsten Woche schon weiter im Euro Moto-Programm auf dem niederländischen TT Circut von Assen.