Es ist vollbracht. Marcel Schrötter hat dem BMW-Team GERT56 by RS Speedbikes den ersten Sieg in der neuen EURO MOTO Superbike beschert. Und wo immer der im Januar verstorbene Teamchef Karsten Wolf jetzt ist, er wird jubeln, mit der Verpflichtung des ehemaligen Supersport- und Moto2-WM-Piloten noch einen Glücksgriff eingefädelt zu haben. Dahinter verdrängte Honda-Fahrer Florian Alt (Holzhauer Racing Promotion) auf den letzten Metern den vierfachen Champion Markus Reiterberger (Masteroil Alpha Van Zon BMW) vom zweiten Platz.
Nach dem Qualifying war klar gewesen: Den Reifen wird im Rennen eine zentrale Rolle zugeteilt. Reiterberger schaute nach rechts und nach links und meinte in der Startaufstellung vor dem ersten Rennen auf dem Automotodrom in Brünn: „Ich habe die gleichen genommen wie die meisten Fahrer und hoffe, das ist richtig.“
Marcel Schrötter machte die Sache sogar leicht nervös. Er war zwar der einzige, der in der Superole eine 1:56 er Zeit gefahren war und somit auf der Pole Position stand, aber die Reifen waren in seiner bisherigen Karriere nie ein besonders großes Thema gewesen.
Was alle zusätzlich anheizte: Was macht Lukas Tulovic (Triple M Ducati Racing Frankfurt), der nur auf dem zehnten Startplatz stand? In der Superbike Pre-Pole am Freitag hatte den Titelverteidiger und Auftakt-Doppelsieger ein Rutscher aus dem Konzept gebracht, in der Superpole am Samstag ein kleiner Regenschauer. Und wie Teamchef Matthias Moser wissen ließ: „Probleme mit der Front.“ Tulo war sichtlich gereizt. Mosers Hoffnung, dass er auch von P10 nach vorne fährt, erfüllte sich jedoch nicht. Auf den Geraden ließ er der extremen Ducati-Power zwar freien Lauf, aber sonst konnte Tulo nicht mithalten. Es war das krasse Gegenteil vom Saisonauftakt auf dem Sachsenring. Dort hatte der Ducati-Treiber alles in Grund und Boden gefahren. Nun war er zeitweise sogar fast eine Sekunde langsamer als Teamkollege Lorenzo Zanetti und nach 13 Runden im Automotodrom Brünn auch hinter dem Italiener im Ziel.
Der lange führende Markus Reiterberger und Marcel Schrötter schienen den Sieg unter sich ausmachen zu wollen. Für Podestanwärter Twan Smits, den einzigen Yamaha-Fahrer im Feld, war es ruckartig nach hinten gegangen. Florian Alt hatte sich auf der Honda Fireblade nach einem mittelprächtigen Start auf dem dritten Platz gefangen. Dass er noch Zweiter hinter dem späteren Sieger Marcel Schrötter werden sollte, war fast unglaublich. Aber Reiti ging zweimal zu weit. Beim ersten Mal blieb das folgenlos, beim zweiten Mal war Schrötter zur Stelle und neuer Spitzenreiter. Als Schrötter den Sieger-Champagner auf den Podium köpfte, war das ein ganz besonderer Moment.
Reiterberger war in den letzten zwei Runden wie auf rohen Eiern gefahren. „Ich habe den Hinterreifen verwalten wollen, aber dass die Front so einbricht, damit habe ich nicht gerechnet“, schüttelte er mit dem Kopf. Genauso schlimm: „Dann habe ich mich auch noch verschaltet und bin in den Neutralgang gekommen.“ Damit war der Weg für Florian Alt auf den zweiten Platz frei. Der gebürtige Gummersbacher hat der geballten BMW-Armada an der Spitze wieder einen richtig fetten Strich durch die Rechnung gemacht, nachdem der Saisonauftakt für das Honda-Team noch sehr harzig verlaufen war.
Was sonst noch passiert ist: Leon Orgis (ORM Racing), der das Rennen von P4 in Angriff genommen hatte, wollte zu schnell zu viel und stürzte in der dritten Runde auf P6 aus dem Geschehen. Milan Merckelbagh (Masteroil Alpha Van Zon BMW) kassierte eine doppelte LongLap-Strafe wegen Frühstarts. Marco Fetz (MF-Racing powered by Jung) stellte seine BMW nach sechs Runden in der Box ab.
EURO MOTO Superbike, 1. Rennen (Top-Ten)
1. Marcel SCHRÖTTER (DEU/BMW)
2. Florian ALT (DEU/Honda)
3. Markus REITERBERGER (DEU/BMW)
4. Kevin ORGIS (DEU/BMW)
5. Toni FINSTERBUSCH (DEU/BMW)
6. Lorenzo ZANETTI (ITA/Ducati)
7. Lukas TULOVIC (DEU/Ducati)
8. Twan SMITS (NLD/Yamaha)
9. Soma GÖRBE (HUN/BMW)
10.Jan MOHR (AUT/BMW)
Quelle: euromoto.racing / Anke Wieczorek