Mittwoch, 28. Oktober 2026

DTM- Champion Thomas Preining im Interview

"Die Mission DTM ist für mich noch nicht abgeschlossen"

Zwei DTM-Titel in vier Jahren: Thomas Preining (A/Manthey) hat sich beim Saisonfinale auf dem Hockenheimring zum zweiten Mal nach 2023 die DTM-Krone aufgesetzt. Nach einem nervenaufreibenden Wochenende mit zahlreichen Positionskämpfen und dramatischen Momenten machte der Porsche-Werksfahrer im letzten Saisonrennen mit Platz drei die Meisterschaft perfekt. Im Interview spricht der 28-Jährige über die Emotionen nach seinem Triumph, seine Entwicklung als Rennfahrer und einen überraschenden Anruf von Dr. Wolfgang Porsche.

2026 holt Thomas Preining seinen zweiten DTM-Titel
Foto: ADAC-Motorsport

Du hattest dir vorgenommen, deinen zweiten DTM-Titel bewusster zu genießen. Wie gut ist das gelungen?

Vor allem die Szenen im Motodrom nach dem Rennen mit Maro Engel und Marco Wittmann werde ich nicht vergessen. Von Zehntausenden Menschen bejubelt zu werden, ist eine Erfahrung, die nur ganz wenige Menschen machen dürfen. Das Verhältnis zwischen Maro, Marco und mir wird in den Medien oft schwieriger dargestellt, als es tatsächlich ist. Wir würden wahrscheinlich nicht alle drei gemeinsam in den Urlaub fahren, aber wir verstehen uns gut und haben großen Respekt voreinander. Mir war natürlich klar, dass die beiden in diesem Moment lieber selbst ganz oben gestanden hätten. Umso mehr respektiere ich, dass sie trotzdem Sportsgeist bewiesen und mir gratuliert haben. Ich glaube, solche Momente sind auch ein gutes Vorbild für die nächste Rennfahrer-Generation.

Wie kam es nach dem Titelgewinn zum Helmtausch mit Marco Wittmann?

Das Sammeln von Helmen ist eine Leidenschaft von mir. Das ist natürlich etwas teurer als bei Fußballern, die ihre Trikots tauschen. Aber solche Erinnerungsstücke sind zeitlos. Wenn du in vielen Jahren auf deine Sammlung schaust, erinnerst du dich an die guten und schlechten Momente mit deinen Rivalen. Als Marco Wittmann 2014 seinen ersten DTM-Titel gewonnen hat, bin ich selbst noch Kart gefahren. Zwölf Jahre später gegen ihn als einen meiner größten Konkurrenten Meister zu werden, anschließend mit ihm den Helm zu tauschen und seinen Respekt zu bekommen, ist unglaublich. Fahrer wie Marco Wittmann oder René Rast waren für mich früher große Vorbilder. Sie haben genau das erreicht, wovon ich damals geträumt habe.

Welche Glückwünsche zum Titel haben dich besonders gefreut?

Ich habe Hunderte Nachrichten bekommen. Dr. Wolfgang Porsche hat mich direkt nach dem Titelgewinn angerufen, noch vor der Pressekonferenz in Hockenheim. Nicht, weil ich Schulden wegen eines Autos habe, sondern um mir zu gratulieren (lacht). Er ist ein großer DTM-Fan und es ist natürlich etwas Besonderes, wenn er sich persönlich meldet. Wir stehen immer wieder in Kontakt, auch nach schwierigen Momenten. Beispielsweise hat er nach unserem vorzeitigen Aus beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring tolle Worte gefunden. Besonders gefreut haben mich auch die Nachrichten ehemaliger DTM-Champions wie Mattias Ekström, Timo Scheider oder René Rast.

Das Samstagsrennen in Hockenheim verlief besonders turbulent. Nach dem Start warst du kurzzeitig neben der Strecke und hast viele Plätze verloren hast. Was geht einem in solchen Situationen durch den Kopf?

Eigentlich war der Plan, mich aus möglichst allen Zweikämpfen herauszuhalten und genügend Abstand zu den anderen Autos zu lassen. Trotzdem hatte ich in den ersten beiden Runden mehrere Berührungen. Einerseits wollte ich möglichst wenig Risiko eingehen, andererseits war mir klar, dass ich vorne landen muss und nicht auf Platz 13 ins Ziel kommen darf. Das war eine schwierige Situation. Dazu kam, dass beim Finale jeder die Saison mit einem guten Ergebnis beenden wollte und deshalb alle etwas aggressiver unterwegs waren. Die rote Flagge hat mir geholfen, im Kopf einmal den Reset-Knopf zu drücken. Grundsätzlich gehört es aber zu meinem Job als Rennfahrer, solche Situationen schnell abzuhaken und unter Druck die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Mit welchem Gefühl bist du nach diesen Erlebnissen ins entscheidende Rennen am Sonntag gegangen?

Das gesamte Wochenende war unglaublich intensiv. Am Samstag wurde mir noch einmal bewusst, dass dein Rennen wegen einer einzigen Unaufmerksamkeit innerhalb einer Sekunde vorbei sein kann. Am Sonntag bin ich von Startplatz sieben ins Rennen gegangen. Da kann um dich herum unglaublich viel passieren, auf das du selbst keinen Einfluss hast. Du spielst im Kopf unzählige Szenarien durch, was alles schiefgehen und wo es gefährlich werden könnte. Das ist mental viel anstrengender, als wenn du einfach voll auf Angriff fährst und gewinnen möchtest. Umso glücklicher bin ich, dass wir es am Ende geschafft haben.

Wie hat sich der Rennfahrer Thomas Preining zwischen dem ersten Titel 2023 und der zweiten Meisterschaft weiterentwickelt?

Ich denke, ich bin als Fahrer kompletter geworden. Besonders bei Regen und Mischbedingungen bin ich deutlich besser geworden. Mein Team und ich haben sehr viel Zeit investiert, um uns weiterzuentwickeln. Auch in den Startphasen der Rennen habe ich mich verbessert. Natürlich hilft mir inzwischen auch die Erfahrung, gerade im Titelkampf oder bei schwierigen Entscheidungen. Ein gutes Beispiel war das chaotische Sonntagsrennen auf dem Sachsenring. In solchen Situationen geht es darum, keine Fehler zu machen, Strafen zu vermeiden und trotzdem möglichst viele Punkte mitzunehmen. Das sieht von außen oft einfacher aus, als es tatsächlich ist. Es ist schön zu sehen, dass sich die ganze Arbeit und Vorbereitung ausgezahlt haben.

Du hast alle deine fünf DTM-Saisons in den Top Fünf der Meisterschaft beendet. Warum passt die DTM so gut zu dir?

Das Format liegt mir einfach. Ich würde sagen, dass ich ein starker Qualifying-Fahrer bin. Eine gute Startposition ist bei den Sprintrennen in der DTM ein großer Vorteil. Dazu kommen die vielen engen Positionskämpfe und direkten Duelle, die mir besonders liegen. Bei den Starts geht es oft turbulent zu. Da musst du dich richtig positionieren und genau einschätzen, wann du welches Risiko eingehen kannst. Das ist mittlerweile definitiv eine meiner Stärken. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Zusammenarbeit mit Manthey. Wir arbeiten seit vier Jahren zusammen, entwickeln uns ständig weiter und sind immer besser aufeinander abgestimmt. In der Kommunikation reicht inzwischen häufig schon ein Blick, weil wir uns so gut kennen. Das macht vieles einfacher.

Neben dir haben nur sieben weitere Fahrer mindestens zweimal den DTM-Titel gewonnen. Wie fühlt sich das an?

Das ist ein unglaubliches Privileg. Wenn mir vor zehn Jahren jemand gesagt hätte, dass ich einmal DTM-Champion werde, hätte ich ihn wahrscheinlich ausgelacht. Damals stand meine Karriere kurz vor dem Aus. Heute gehöre ich zu den mehrfachen DTM-Meistern. Aber ich bin erst 28 Jahre alt und meine Mission DTM ist noch nicht abgeschlossen. Eines Tages einen dritten Titel zu gewinnen, wäre natürlich großartig. Ich hoffe sehr, dass Porsche, Manthey und ich gemeinsam einen Weg finden, damit ich auch in Zukunft in der DTM fahren kann.

Der ADAC hat seine Nachwuchsförderung mit der "Road to DTM" neu ausgerichtet. Wie wichtig ist die Förderung junger Talente im Motorsport?

Nachwuchsförderung ist immens wichtig, nicht nur im Motorsport. Aber gerade in einer so teuren Sportart ist sie das A und O. Ab einem gewissen Punkt schafft man den nächsten Karriereschritt oft nicht mehr aus eigener finanzieller Kraft. Dadurch gehen leider viele Talente verloren. Bei mir wäre es fast genauso gelaufen. Durch die Unterstützung der Familie Lechner und das Porsche-Junior-Programm hat meine Karriere eine zweite Chance bekommen. Deshalb finde ich die "Road to DTM" eine super Idee, mit der der ADAC noch viel stärker für seine Nachwuchsförderung werben kann.