Mittwoch, 2. August 2023

Jusuf Owega: „Ich bin überzeugt, dass wir gewinnen können“

  • Der Kölner spricht vor seinem Heimspiel über seine erste DTM-Saison
  • Mercedes-AMG Junior-Fahrer zieht eine Zwischenbilanz, blickt auf die Schlüsselstellen am Nürburgring und verrät ein Saisonziel

Jusuf Owega #84, Mercedes-AMG GT3 EVO, Mercedes-AMG Team BWT
Foto: Jens Hawrda

Zum vierten DTM-Tourstopp auf dem Nürburgring (4. bis 6. August) hat Jusuf Owega die kürzeste Anreise aller Fahrer. Der 21-Jährige vom Mercedes-AMG Team BWT ist gebürtiger Kölner und bestreitet seine Debüt-Saison in der DTM. Im Interview spricht Owega über seine besondere Beziehung zum Nürburgring, die Bedeutung von ADAC Rennserien für seine Karriere und Rad-an-Rad-Duelle gegen seinen Bruder Salman Owega.

Was verbindest du als Kölner mit dem Nürburgring?

In erster Linie sind es zwei Heimrennen für mich. Der Nürburgring ist auch die erste Strecke, mit der ich als kleiner Junge Kontakt hatte. Mit meinem Vater und meinem Bruder bin ich früher öfter auf der Nordschleife gefahren. In Kombination mit der Nordschleife hat der Nürburgring eine große Geschichte. Die Formel 1 ist dort viele Jahre gefahren, das 24-Stunden-Rennen ist eines der größten Sportevents der Welt. Wenn man an Motorsport in Deutschland denkt, kommt einem sofort der Nürburgring in den Kopf. Die Strecke ist weltweit bekannt.

Auf dem Nürburgring wird der Halbzeitmeister der DTM gesucht. Was hat die Strecke zu bieten?

Die Kurvenkombinationen am Nürburgring sind sehr speziell. Anders als beispielsweise in Oschersleben oder am Sachsenring fließen die Kurven nicht so ineinander über. Das sieht man unter anderem im ersten Streckenabschnitt ganz gut. Es beginnt mit einer Spitzkehre, danach geht es über eine langgezogene Linkskurve in die Mercedes-Arena. Das ist ein langsamerer, aber sehr technischer Bereich. Am Ende fährt man aber auf allen Strecken, um der Schnellste zu sein. Das ist es relativ egal, wie der Kurs verläuft.

Wo sind auf dem Nürburgring die Schlüsselstellen?

Die letzte Kurve wird entscheidend sein. Kommt man aus der nicht gut raus, fehlt einem der Speed und man kann gegen Ende der Start-Ziel-Geraden überholt werden. Auch aus der Bit-Kurve muss du als Fahrer die Geschwindigkeit Richtung Hatzenbach mitnehmen, dann kann man vor oder in der Schikane zum Überholmanöver ansetzen.

Du bist über die ADAC GT4 Germany in den GT-Sport gekommen – ein entscheidender Wechsel in deiner Karriere?

Auf jeden Fall. Der Umstieg von der britischen Formel 3 in die ADAC GT4 Germany war schon eine Herausforderung. Für mich kam es darauf an, mich schnell an die neuen Gegebenheiten zu gewöhnen. Anders als die Formel-3-Rennwagen sind die GT4-Fahrzeuge beispielsweise deutlich seriennaher. Es war mein Einstieg in den GT-Sport, daher war es ein wichtiges Jahr für mich.

Welche Rolle spielte das ADAC GT Masters für deine Entwicklung?

Im ADAC GT Masters bin ich den nächsten Karriereschritt gegangen. In den zwei Jahren habe ich neben den Strecken auch viele Fahrer kennengelernt, die jetzt zur DTM zählen. Aus meiner Sicht ist es hilfreich, den Fahrstil der Konkurrenten zu kennen. Dadurch kann man auf der Strecke besser einschätzen, wie sich ein Fahrer in bestimmten Situationen verhält. Außerdem war ich über die erste Saisonhälfte Tabellenführer im ADAC GT Masters, das ist gut fürs Selbstbewusstsein und das positive Gefühl habe ich mit in die DTM genommen.

Wie fällt die Zwischenbilanz nach den ersten sechs DTM-Rennen aus?

Es ist meine erste DTM-Saison und auch mein erstes Jahr als Mercedes-AMG Junior-Fahrer. Deswegen waren die Rennen von vielen neuen Eindrücken geprägt. Trotzdem konnten wir unser Potenzial bereits zeigen. Beim Auftakt in Oschersleben und in Zandvoort bin ich zweimal in die Top-10 gefahren. Jeder im Team arbeitet sehr fokussiert. Daher bin ich überzeugt, dass für uns im Laufe der Saison noch mehr gehen wird.

Was ist diese Saison noch drin?

Ein Podiumsplatz ist auf jeden Fall das Ziel. Ich denke schon, dass wir auch Chancen auf einen Sieg haben. Das Feld liegt unglaublich eng beieinander, natürlich benötigt man da auch etwas Glück. Aber wenn das Gesamtpaket passt, können wir ganz vorn angreifen.

Dein Bruder Salman Owega fährt im ADAC GT Masters, vergangene Saison wart ihr Gegner. Wie fühlt sich das an?

Es hat seinen Reiz, gegen den eigenen Bruder zu fahren. Auf der Strecke schenken wir uns nichts. Ich bin mir aber relativ sicher, dass mein Bruder mich nicht abräumen würde. Salman und ich haben einen super Umgang miteinander. Kritische Manöver lassen sich nach einem Rennen einfacher aus der Welt schaffen, als wenn ich so eine Situation mit einem fremden Fahrer habe. Wir hatten am Nürburgring mal eine knifflige Begegnung auf der Strecke. Damals sind wir ein paar Kurven mehr oder weniger nebeneinander gefahren, bis ich dann an ihm vorbeigezogen bin.

Das klingt so, als wenn der Motorsport in der Familie Owega gelebt wird?

Definitiv, ich komme aus einer Motorsport-verrückten Familie. Mein Vater ist eigentlich bei jedem Rennen dabei. Er hatte schon früher großes Interesse am Motorsport und auch viel an Touristenfahrten teilgenommen. Wir tauschen uns viel aus und mit ihm als Psychologen und Neurologen habe ich auf jeden Fall besten mentalen Support an meiner Seite.

Welche Verbindung hast du als gebürtiger Kölner zum Karneval und dem 1. FC Köln?

Ich mag die Stadt wirklich sehr, aber bin nicht der typische Kölner. Natürlich freue ich mich, wenn der 1. FC Köln seine Spiele gewinnt. Ich verfolge allerdings die Premier League deutlich mehr, vor allem den FC Liverpool. Leider war ich noch nicht im Stadion an der Anfield Road, aber das habe ich auf jeden Fall noch vor. Die Stimmung dort muss großartig sein.


Dienstag, 1. August 2023

Halbzeit am Nürburgring: Wer geht als DTM-Tabellenführer in die zweite Saisonhälfte?

  • Gute Chancen für Spitzenreiter Thomas Preining und Verfolger Sheldon van der Linde
  • Lokalmatadore Jusuf Owega und Luca Stolz peilen auf dem Nürburgring Spitzenplatz an
  • Mit dem NXT Gen Cup ist erstmals eine vollelektrische Rennserie bei der DTM dabei

Foto: Jens Hawrda

Die DTM geht nach der Hitzeschlacht am Norisring kommendes Wochenende (4. bis 6. August) beim vierten Tourstopp wieder auf einem deutschen Traditionskurs an den Start. Der Nürburgring ist Austragungsort der Läufe sieben und acht, die den Abschluss der ersten Saisonhälfte bilden. Zuschauer und Fans erleben auf der Sprintstrecke des Eifelkurses, wer sich den inoffiziellen Titel des Halbzeitmeisters holt. Beste Aussichten haben der Porsche-Werksfahrer Thomas Preining (A) als aktueller Gesamtführender und sein schärfster Verfolger Sheldon van der Linde (ZA/BMW). Setzt sich allerdings die Statistik mit sechs unterschiedlichen Siegern aus den ersten sechs Rennen fort, werden auch am Nürburgring neue Gesichter ganz oben auf dem Podium zu sehen sein. ProSieben zeigt die beiden Läufe live im deutschen Free-TV und beginnt Samstag sowie Sonntag jeweils ab 13:00 Uhr, eine halbe Stunde vor Rennstart, mit der Übertragung. Für eine Premiere sorgt auf dem Nürburgring der NXT Gen Cup: Erstmals zählt eine vollelektrische Serie zum Rahmenprogramm der DTM.

Keyfacts, Nürburgring, Nürburg, Saisonrennen 7 und 8 von 16

Streckenlänge: 3.629 Meter

Layout: elf Kurven (sieben Rechts-, vier Linkskurven), im Uhrzeigersinn befahren

Sieger 2022, Rennen 1: Sheldon van der Linde (BMW M4 GT3, Schubert Motorsport)

Sieger 2022, Rennen 2: Luca Stolz (Mercedes-AMG GT3, Mercedes-AMG Team HRT)

Setzt sich das Spitzen-Duo nach der ersten Saisonhälfte ab?

Preining holte sich am Norisring nach einem energischen Überholmanöver gegen BMW-Werksfahrer René Rast (Bregenz) seinen ersten Saisonsieg und eroberte gleichzeitig die Tabellenführung zurück. Zehn Punkte beträgt der Vorsprung von Preining, dessen Team Manthey EMA beim Heimspiel am Nürburgring besonders motiviert ist. Der 25-Jährige muss allerdings mit starker Gegenwehr des Tabellenzweiten Sheldon van der Linde rechnen. Beim Südafrikaner platzte am Norisring der Knoten: Mit dem ersten Sieg auf dem Stadtkurs in Nürnberg und Platz drei in Rennen zwei meldete sich 24-Jährige zurück im Titelkampf. Auf dem Eifelkurs gewann der BMW-Werkspilot von Schubert Motorsport im vergangenen Jahr und schrieb zusammen mit Kelvin van der Linde (ZA/Audi) Geschichte. Zum ersten Mal in der DTM-Historie standen zwei Brüder ganz oben auf dem Podium.

Die punktgleichen Ricardo Feller (CH/Audi) und Maro Engel (Monaco/Mercedes-AMG) belegen 27 Zähler hinter Preining die Plätze drei und vier. Das Duo möchte in der Eifel Boden gut machen, um den Anschluss an die Spitze zu verkürzen. Das gilt auch für die Lamborghini-Piloten von SSR Performance, Franck Perera (F) und Mirko Bortolotti (I), die gemeinsam mit 60 Punkten nur einen Zähler dahinter folgen. Dabei überzeugte Bortolotti bisher mit konstanten Leistungen und fuhr bis auf einen elften Rang immer unter die besten Acht. Ein Sieg am Nürburgring könnte der Befreiungsschlag für den 33-Jährigen werden. Auch mit Rast ist nach den zuletzt starken Leistungen zu rechnen. Dreimal hat der 36-Jährige bereits in der Eifel gewonnen und möchte nach seiner ersten Pole-Position für BMW am Norisring den Debüt-Sieg im BMW M4 GT3 auf dem Nürburgring folgen lassen.

Lokalmatadoren und Heimteams am Nürburgring

Jusuf Owega hat als Kölner am Nürburgring ein Heimspiel. Auf dem legendären Kurs machte er als kleiner Junge seine erste Bekanntschaft mit dem Rennsport und ist mit seinem Vater und seinem Bruder Salman öfter auf der Nordschleife gefahren. Beim ADAC GT Masters sammelte der 21-Jährige in den vergangenen Jahren weitere Erfahrungen auf dem Eifelkurs. In dieser Saison geht er dort zum ersten Mal als DTM-Pilot und Mercedes-AMG Junior-Fahrer an den Start. „Der erste Abschnitt ist mit seinen ungewöhnlichen Kurvenkombinationen sehr speziell, aber, wenn man vorn dabei sein will, darf der Streckenverlauf keine Rolle spielen. In Oschersleben und Zandvoort konnte ich zweimal in die Top-Ten fahren. Ich bin überzeugt, dass für uns im Laufe der Saison noch mehr gehen wird“, legt sich Owega fest.

Auch sein Markenkollege Luca Stolz möchte bei seinem Heimrennen vorne angreifen. Der Brachbacher wohnt zwar 130 Kilometer vom Nürburgring entfernt, ist dort jedoch häufig zu Gast. Der 28-Jährige feierte in der Eifel zudem 2022 seinen ersten DTM-Sieg. Damals wie heute ist Stolz für das Mercedes-AMG Team HRT am Start, das im nur rund sechs Kilometer vom Nürburgring entfernten Drees beheimatet ist. Noch näher am Renngeschehen befindet sich Manthey EMA. Die Manthey-Mannschaft aus Meuspath will im eigenen Wohnzimmer Tabellenführer Preining zum Halbzeitmeister machen. Dritte Heimmannschaft ist Toksport WRT aus Quiddelbach, für das die Porsche-Piloten Christian Engelhart (Starnberg) und Tim Heinemann (Fichtenberg) auf Punktejagd gehen.

Abwechslungsreiche Sprintstrecke – unberechenbares Eifelwetter

Die DTM fährt am Nürburgring seit 2002 auf der 3,629 Kilometer langen Sprintvariante. Die Kurzanbindung garantiert den Fans einen abwechslungsreichen und gut einsehbaren Rennverlauf mit besten Überholmöglichkeiten am Ende der Start-Ziel-Geraden. Während der erste Streckenteil etwas verwinkelter ist, folgen im zweiten Abschnitt flüssige Passagen mit schnellen Geraden und Kurven. Ein entscheidender Faktor kann jederzeit das unberechenbare Eifelwetter werden. Plötzlich einsetzender Regen, Hagel oder dichter Nebel haben in der Vergangenheit häufig für Turbulenzen auf dem Traditionskurs gesorgt. Aber genau deshalb ist der Nürburgring bei den Fans so beliebt und genießt weltweit Kultstatus.

Vollelektrische DTM-Premiere

Mit dem NXT Gen Cup feiert am Nürburgring eine besondere Serie ihr Debüt im Rahmenprogramm der DTM: In beiden Rennen kommt der rein elektrisch betriebene und bis zu 230 PS starke LRT NXT 1 zum Einsatz, der auf dem straßenzugelassenen Mini Cooper SE basiert. In der schwedischen Rennserie sitzen ausschließlich junge Nachwuchstalente am Steuer. Für ein spektakuläres Wochenende in der Eifel sorgen mit insgesamt sechs Rennen auch die ADAC GT4 Germany, der Porsche Carrera Cup Deutschland und der BMW M2 Cup.

Alle Meisterschaftsläufe live bei ProSieben

TV-Partner ProSieben zeigt alle 16 Saisonrennen live im frei empfangbaren Fernsehen. Das Qualifying ist im Live-Stream auf ran.de zu sehen. Offizieller TV-Partner der DTM in Österreich ist ServusTV. Alle Rennen sind beim Salzburger Privatsender live oder re-live zu sehen. ServusTV Deutschland strahlt am Abend des Renntages eine Zusammenfassung aus. 

Freitag, 28. Juli 2023

Elektro-Premiere beim ADAC Racing Weekend in Oschersleben

  •  Entscheidende Saisonphase beginnt für alle Rennserien.
  •  Neue Elektro-Nachwuchsklasse NXT Gen Cup feiert Debüt in Deutschland.
  •  Historische Tourenwagen und Formelfahrzeuge des Ostens runden Programm ab.



Das ADAC Racing Weekend geht vom 28. bis 30. Juli in der Motorsport Arena Oschersleben mit einer Premiere in die zweite Saisonhälfte. Erstmals startet eine reine Elektro-Rennserien auf der Breitensportplattform. Der neue NXT Gen Cup ist die weltweit erste elektrische Tourenwagenserie für Nachwuchsfahrer und feiert in der Magdeburger Börde seine Deutschland-Premiere. Auch Freunde des konventionellen Motorsports kommen auf ihre Kosten und dürfen sich auf das GTC Race, die Spezial Tourenwagen Trophy (STT), den ADAC Tourenwagen Junior Cup und den NATC freuen, während Fans historischer Tourenwagen die Tourenwagen Classic und die HAIGO Tourenwagen im Auge behalten sollten. Historische Formelboliden hat die HAIGO ebenfalls im Gepäck. Alle Rennen werden im kostenlosen Live-Stream unter youtube.com/@adacmotorsports gezeigt; die Übertragung startet am Samstag um 10:55 Uhr und am Sonntag um 9:40 Uhr.

Im GTC Race geht es auf die Zielgerade der Saison, in Oschersleben nehmen die Teilnehmer schon das zweitletzte Rennwochenende des Jahres unter ihre Räder. Julian Hanses (Audi R8 LMS GT3) möchte seinen Vorsprung von über fünf Punkten auf Moritz Wiskirchen (Audi R8 LMS GT3) in der GT3-Gesamtwertung des GT Sprints weiter ausbauen, während seine Verfolger auf eine Schwäche des GTC-Förderpiloten warten. In der GT4-Wertung geht es noch enger zu, zwischen dem führenden Leo Pichler (Porsche 718 Cayman GT4) und dem auf Rang drei notierten Jay Mo Härtling (Mercedes-AMG GT4) liegen gerade einmal zwei Zähler. Die Klasse 3, in der unter anderem Cup-Fahrzeuge startberechtigt sind, wird aktuell von Fabian Kohnert (Porsche 911 GT3 Cup) angeführt. Im GT60 powered by Pirelli heißen die Spitzenreiter Hanses (GT3), Joel Mesch und Tim Neuser (beide Mercedes-AMG GT4) sowie Denis Liebl (KTM X-Bow GTX, Klasse 3).

Die STT begeistert in diesem Jahr mit viel Abwechslung auf dem Podest. Bisher haben sich fünf verschiedene Piloten in die Siegerliste eingetragen, einzig Stefan Wieninger (Audi R8 LMS Evo) feierte bisher zwei Triumphe. Jürgen Bender (Chevrolet Corvette C7 GT3) wartet hingegen noch auf seinen ersten großen Erfolg in diesem Jahr, nachdem er Oschersleben 2021 als Doppelsieger verlassen konnte. Aufgrund eines Motorschadens musste er die beiden Durchgänge Anfang Juli auf dem Nürburgring auslassen, arbeitet nun aber mit Hochdruck daran, wieder dabei zu sein.

Bei den Tourenwagen Classic kommt Altfrid Heger als Tabellenführer in die Magdeburger Börde. Der ehemalige DTM-Pilot bewegt einen Porsche 911 GT3 Cup aus dem Jahr 2001, ein im Starterfeld der klassischen Fahrzeuge eher jüngeres Modell. Den ältesten Renner fährt Jens Weimann; sein Ford Escort RS 2000 stammt aus 1975. Gerade einmal drei Jahre jünger ist der Opel Kadett C Coupé von Bernhard Schmidbauer, das zweitälteste Auto im Feld.

Im ADAC Tourenwagen Junior Cup, in dem alle Starter einen einheitlichen VW up! GTI pilotieren, hat sich am Nürburgring überraschend Mattis Pluschkell an die Spitze der Fahrerwertung gesetzt. Der Neuling war in beiden Durchgängen in der Eifel nicht zu schlagen und hat nun bereits drei Siege auf seinem Konto. Doch ausruhen kann sich der Rostocker noch lange nicht, denn hinter ihm lauern die beiden Routiniers Leon Arndt und Linus Hahne. Letztgenannter hat mit einem ersten und einem zweiten Platz beim Saisonauftakt 2022 bereits unter Beweis gestellt, dass ihm die Strecke nahe Magdeburg liegt, während Arndt damals immerhin eine zweite Position mit nach Hause bringen konnte.

Mit dem NXT Gen Cup können sich die Zuschauer auf eine ganz besondere Premiere freuen, denn erstmals wird die rein elektrische Nachwuchsrennserie in Deutschland Station machen. Die 14 bis 25 Jahre alten Piloten haben dabei einen einheitlichen LRT NXT1 in ihren Händen, das auf Basis des Mini Cooper SE aufgebaut wurde. Den Saisonauftakt im schwedischen Falkenberg, an dem 18 Talente aus sechs verschiedenen Nationen teilnahmen, entschieden Elias Adestam aus Schweden und der US-Amerikaner Ellis Spiezia für sich.

Mit dem NATC werden vor allem ambitionierte Hobbyrennfahrer angesprochen. Üblicherweise werden fast alle Rennwochenenden in Oschersleben bestritten und meistens besteht ein NATC-Wochenende aus zwei Sprints sowie einem Endurance-Rennen. Die Sprints gehen über die Dauer von 20 Minuten und werden von einem Fahrer absolviert, während der Endurance-Lauf, in dem sich bis zu drei Piloten ein Auto teilen können, erst nach 60 Minuten abgewinkt wird. Sprint- und Endurance-Ergebnisse werden in einer Gesamtwertung zusammengefasst, die aktuell von Michael Stutzke (BMW 318ti Cup) angeführt wird.

Einen besonderen Leckerbissen bieten die beiden HAIGO-Serien, in denen ausschließlich Tourenwagen bzw. Formelfahrzeuge zusammengefasst sind, die bis 1990 im ehemaligen Ostblock gebaut wurden. Mit seinem 1973 produzierten Melkus PT 73 steuert Norbert Haupt den ältesten Formelwagen; er tritt dabei unter anderem gegen den Melkus M 90 von Nils-Holger Wilms aus dem Baujahr 1990 an. Der älteste Tourenwagen ist der 1968 gebaute Skoda MB1000 RS von Jens Vogt; der Skoda hat damit noch einmal fünf Jahre mehr auf seinem Buckel als das betagteste Formelauto. Der Lada Samara von Dieter Hoffmann ist ganze 21 Jahre jünger und damit das modernste Modell im Tourenwagen-Feld der HAIGO.

Der Freitag startet um 9:15 Uhr mit dem freien Training des NXT Gen Cup und endet um 16:50 Uhr mit dem Qualifying des GT60 powered by Pirelli. Am Samstag geht es um 8:00 Uhr mit dem ersten Qualifying des NATC Sprint los, die Zielflagge des zweiten Rennens des NXT Gen Cup beschließt um 18:35 Uhr den zweiten Tag. Auch am Sonntag dürfen die Piloten des NATC mit einem Sprint-Qualifying wieder um 8:00 Uhr beginnen; den Abschluss des Sonntags bildet um 17:40 Uhr das Ende des zweitens Laufs der HAIGO Tourenwagen.

Donnerstag, 27. Juli 2023

IDM Sidecar: Ted Peugeot gewinnt Red Flag-Rennen

Peugeot/Peugeot #74
Foto: Jens Hawrda

Das zweite Rennen der Sidecar-Klasse in der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) endete vorzeitig mit einem Schrecken. Der Lauf wurde nach einer Kollision abgebrochen. Als Sieger gingen die Franzosen Ted und Vincent Peugeot hervor.

Bis zum Zeitpunkt des Abbruchs boten die Seitenwagen den Zuschauern ein intensives Rennen, dem es in keiner Sekunde an Spannung fehlte. Lennard Göttlich und Lucas Krieg (Team Bonovo Action Team/LCR Yamaha) katapultierten sich mit einem Blitzstart an die Spitze und ließen die Gaststarter Enrico Wirth/Werner Leon Lüttke (Zweirad Wirth/LCR Yamaha), Josef Sattler/Luca Schmidt (Team Bonovo Action Team/LCR Yamaha) sowie Ted und Vincent Peugeot (Seventy-Four Racing Team/LCR Yamaha) hinter sich. Während Göttlich freie Bahn hatte und alles daran setzte davonzufahren, zogen Sattler und Peugeot kurz nacheinander an Wirth/Lüttke vorbei und lieferten sich in den darauffolgenden Runden packende Duelle.

In der siebten Runde beendeten technische Probleme das Rennen für Enrico Wirth, wohingegen Sattler und Peugeot immer weiter vorrückten und Göttlich schließlich im Nacken saßen. Es dauerte nicht lange bis Sattler ein erfolgreiches Überholmanöver gelang, und er die Spitze übernahm. Doch Göttlich setzte nur wenige Kurven später zur Gegenattacke an und ließ den Routinier wieder hinter sich. Noch in derselben Runde kam es dann zum Unfall der beiden Gespanne, bei dem Lucas Krieg aus dem Seitenwagen fiel und Sattler/Schmidt sich überschlugen. Grund dafür war eine Ölspur, verursacht durch einen Motorplatzer von Markus Schwegler/Ondrej Kopecky (Motorsport Königswartha/LCR Yamaha) in der vorangegangenen Runde.

Die Rennleitung brach das Rennen sofort ab. Als Sieger gingen am Ende das französische Peugeot-Team hervor. Zweiter wurden Max Zimmermann/Ronja Mahl (Zimmermann Racing/ARS Yamaha), Peter Kimeswenger und Ondrej Sedlacek (MRSC Gunskirchen/LCR Yamaha) wurden Dritte. Da das Rennen nur knapp über die Hälfte ging, bekamen die Sieger nur die Hälfte der Punkte für die Gesamtwertung.

 Ergebnis IDM Sidecar, Rennen 2:

  1. Ted PEUGEOT/Vincent PEUGEOT (FRA)
  2. Max ZIMMERMANN/Ronja MAHL (DEU)
  3. Peter KIMESWENGER/Ondrej SEDLACEK (DEU/CZE)

 
Quelle: idm.de / Rowena Hinzmann

Dienstag, 25. Juli 2023

GERT56: Sensationelles Podium-Comeback von Toni Finsterbusch in Schleiz

Unglaublich aber wahr: Toni Finsterbusch hat exakt ein Jahr nach seinem schlimmen Unfall auf dem Schleizer Dreieck wieder das Podest der IDM Superbike erreicht. Ausgerechnet auf der gleichen Strecke, an der 2022 seine Saison vorzeitig beendet war, holte er im ersten Lauf den zweiten Rang. Im zweiten Rennen verpasste er das Podest als Vierter um gerade einmal 76 Tausendstelsekunden an Meisterschaftsleader Florian Alt. Mit den Rängen sieben und fünf fuhr Rookie Jan-Ole Jähnig bei seinem Heimrennen sein bislang bestes Ergebnis in der Königsklasse der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft heraus. Rookie-Kollege Patrick „Pax“ Hobelsberger musste nach etlichen Zwischenfällen mit der Konkurrenz mit den Rängen zehn und neun vorlieb nehmen.

Toni Finserbusch
Foto: Jens Hawrda

„Vor einem Jahr lag ich hier unten in der Seng – und jetzt stehe ich auf dem Podest“, sagte Toni Finsterbusch im Siegerinterview im Parc-Ferme mit Tränen in den Augen. Niemand konnte sich dem Krostitzer hier nicht nahe fühlen, im Hintergrund weinte seine Mutter mit und auch bei Teamchef Karsten Wolf flog die Sonnenbrille über die Augen, um die glasigen Augen zu kaschieren. Finsterbusch hätte fast noch die Sensation geschafft und den Meisterschaftsdominator Alt auf der Strecke schlagen können, denn in einigen Streckenabschnitten war der BMW-Pilot der deutlich schnellere Mann. Am Ende aber „begnügte“ sich FiBu mit Rang zwei auf dem Podest. Lediglich 0,076 Sekunden verwehrten ihm im zweiten Lauf eine Rückkehr auf das Podest und er wurde Vierter.

Jähnig zeigte in beiden Rennen, dass er immer weiter in die Superbike-Klasse hereinwächst. Der Thüringer kennt mittlerweile die Pirelli-Reifen besser und kann sich diese auch mehr für den Rennverlauf einteilen und konstanter Zeiten abrufen. Bereits im ersten Lauf holte er mit Rang sieben sein bislang bestes Ergebnis in der SBK1000, im zweiten Rennen toppte er seine Bestmarke noch einmal und wurde Fünfter.

Patrick Hobelsberger
Foto: Jens Hawrda

Leider lief es bei Hobelsberger nicht wie gewünscht. In beiden Rennen hatte er mehrfach „Feindkontakt“ und musste teilweise weit, durch Kiesbetten und die Schleizer Felder fahren und sich dann wieder zurück kämpfen. Hätte, wäre, wenn… Dennoch fuhr der Bayer seine persönlichen Bestzeiten im letzten Renndrittel, war permanent und konstant auf Qualifying-Zeit-Niveau unterwegs und besonders im zweiten Rennen zeigte er auf den letzten vier Runden, was man von ihm noch erwarten darf: Er fuhr schneller als die vier Piloten, die an der Spitze um den Sieg kämpften.

Nach acht von 14 Meisterschaftsläufen liegt Patrick Hobelsberger auf demn fünften Gesamtrang der IDM Superbike. Er hat 92 Punkte auf dem Konto, Florian Alt ist mit 181 Zählern Erster. Finsterbusch liegt nun mit 80 Zählern direkt hinter Hobelsberger auf Platz sechs, Jähnig ist mit 47 Punkten Elfter.


Toni Finsterbusch:
„Ein sehr emotionales Wochenende. Ich persönlich hätte nie gedacht, dass es jetzt ausgerechnet in Schleiz so laufen wird, aber manche Sachen müssen vielleicht an gewissen Orten passieren. Ich hätte jetzt überall mit dem Podium gerechnet, aber bestimmt nicht in Schleiz. Ich bin hier eigentlich mit dem Ziel her gekommen, gesund wieder heim zu fahren und das habe ich dieses Jahr auch geschafft – und das noch mit zwei richtig geilen Rennen. Der zweite Platz im ersten Lauf war natürlich mehr als nur eine Entschädigung für die ganze harte Arbeit, um wieder dort sein zu können, wo ich jetzt bin. Ein Dank geht an das ganze Team, die haben einen fantastischen Job gemacht. Wenn wir da an letztes Jahr denken, ist das jetzt um 180 Grad gedreht und ich denke ich habe eine tadellose Leistung abliefern können. Natürlich werden wir uns darauf jetzt nicht ausruhen, denn es geht schon bald auf dem Red Bull Ring weiter und dort werden wir das Podium – vielleicht auch mal ein Doppelpodium – in Angriff nehmen.“

 Jan-Ole Jähnig:
„Das war mein Heimrennen und ich bin auch gut ins Wochenende gekommen, konnte gleich eine ziemlich gute Pace fahren. Meine BMW M 1000 RR hat auch von Anfang an gepasst und wir mussten wirklich nur kleine Details anpassen. Die freien Trainings liefen problemlos und wir konnten alle davon nutzen, was sehr gut war, da das Schleizer Dreieck auf dem Superbike für mich ja auch eine neue Strecke ist. Das hat echt gut gepasst. Im Qualifying konnte ich eine gute Pace an den Tag legen. Ich hatte mir vorgenommen, mich im zweiten Quali noch etwas zu steigern, aber das war leider nicht drin. Ich bin noch mal eine ähnliche Zeit gefahren und das hat halt auch gezeigt, dass das die Pace ist und dass es für mich passt. Die Rennen am Sonntag sind für mich perfekt gelaufen, das hätte ich mir so nie erträumt, dass ich so weit vorne raus komme. Ich habe beide Male gute Starts erwischt. Im ersten Rennen bin ich gut mitgekommen, hintenraus hätte ich noch etwas schneller gekonnt, bin aber nicht am Kartheininger vorbei gekommen, daher Platz sieben. Ich bin mega happy aber auch bisschen enttäuscht, dass ich da nicht vorbei gekommen bin. Im zweiten Rennen ist durch das Reversed Grid ist natürlich alles ein bisschen anders – ich stand mit Position vier so weit vorne, wie noch nie. Ich bin gut weg gekommen, musste dann aber leider zwei Positionen her geben. Ich konnte dann aber auch zeitnah wieder einen Platz gut machen und ich war trotzdem wieder hinter Kartheininger. Irgendwann kam Toni vorbei und da konnte ich gut mit gehen und auch Kartheininger überholen. Ehrlich gesagt hätte ich nicht gedacht, dass ich – vor allem – so lange an Toni dran bleiben kann. Und als Alt vorbei kam war ich selber etwas überrascht, dass das so lange gedauert hatte. Ich konnte noch mal kurz gegen halten und mit ihm fighten, aber er ist natürlich davon gefahren. Mit P7 und P5 bin ich super happy – perfektes Heimrenn-Wochenende. Vielen Dank an das gesamte Team und alle, die da waren, um mich zu unterstützen.“

Patrick Hobelsberger:
„Mir war im Vornherein klar, dass das Wochenende vom Gefühl her das schwierigste für mich werden würde. Ich war das letzte Mal 2021 zur IDM am Schleizer Dreick und habe eigentlich kaum Streckenerfahrung. Das haben wir ja in Oschersleben schon gesehen, dass es für mich nicht ganz so easy ist, wenn ich mit dem Superbike auf einer neuen Strecke bin. Somit war es einfach etwas tricky, speziell ohne Orientierungspunkte, wenn man nicht vorher trainieren kann. In den freien Trainings habe ich mich trotzdem in jeder der drei Sessions jeweils um eine Sekunde steigern können. Wir haben auch Teamintern sehr gepusht und Toni hat mich auch mal auf ein paar Runden gezogen. Tausend Dank an Toni dafür! Das hat mir echt etwas gebracht und war Weltklasse. Qualifyings sind bei mir generell immer schwierig, eine schnelle Runde zu fahren. Ich kann immer die gleiche Zeit im Rennen fahren, wie im Qualifying, aber eine schnelle raus hauen blieb mir wieder verwehrt. Wir hatten im zweiten Qualifying auch einen Sensor-Ausfall, als ich auf einer guten Runde war. Da musste aber das Bike fast komplett zerlegt werden, damit Ronny Schlieder das reparieren konnte. Im Warmup hat dann wieder alles super funktioniert, die Jungs haben Weltklasse gearbeitet. Im ersten Rennen war der Start sehr gut, aber in der ersten Kurve war ich im Sandwich zwischen Leonov und Kartheiniger und musste etwas früher vom Gas gehen. Damit habe ich einige Positionen verloren und wollte mich in der Schikane wieder vor arbeiten. Da habe ich aber einen Fehler gemacht und bin mit meinem Winglet am Heck von Kamil [Krzmien] hängen geblieben und musste gerade durch die Schikane durch und bin als vorletzter wieder auf die Strecke gekommen und. Musste mich erst wieder nach vorn arbeiten. Meine letzte Runde war meine schnellste Rennrunde und ich wurde Zehnter. Auf den letzten vier Runden war ich deutlich schneller als die vier Jungs, die um den Sieg gefahren sind und das hat mich extrem genervt. Im zweiten Lauf musste ich dann von Platz elf starten, weil Mackels hatte sich ja vor mir qualifiziert, war aber im Rennen ausgefallen. Ich konnte mich im Rennen an ihm vorbei arbeiten, auch an Soomer bin ich vorbei. Das war ein gutes Gefühl. Die Zeiten waren extrem schnell, ich bin zehn Mal 25,1 gefahren. Ich konnte mich bis auf den sechsten Platz nach vorn arbeiten und dann hat sich Mackels leider verbremst und ist mir in die Seite rein gefahren und ich musste wieder durch die Schikane durch. Ich kam als Neunter zurück. In den letzten drei Runden habe ich die Lücke wieder zufahren können, aber kam nicht mehr vorbei. Das hat mich extrem genervt, denn für mich war das der Wendepunkt des Wochenendes, auch weil ich vor Soomer war, gerade wegen der Meisterschaft. Das hat aber nicht sollen sein. Ich bin auf alle Fälle enttäuscht, was die Ergebnisse angeht. Meine Leistungen waren meiner Meinung nach gut, denn ich habe auf jeder Runde gekämpft wie Sau und nie locker gelassen. Ich hätte meinen Jungs gern bessere Ergebnisse geliefert. Ich habe mich aber extrem für Toni und sein Podest gefreut, nach seiner Verletzung im letzten Jahr. Wir drei, J-O, Toni und ich, geben mittlerweile ein richtig gutes Team ab und arbeiten extrem gut zusammen. Als nächstes kommt der Red Bull Ring, dort war ich trainieren, dort bin ich Top-fit und dort greifen wir an.“