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Hannes Soomer, BMW M 1000 RR #38 bleibt auch nach Schleiz Tabellenführer Foto: Jens Hawrda |
Die Reise des Teams Masteroil-alpha-Van Zon-BMW ging am vergangenen Wochenende nach Thüringen. Auf dem Schleizer Dreieck trafen sich die Fahrer und Tausende von Fans der Internationalen Deutschen Meisterschaft IDM zum zweiten von sieben Rennwochenende der Saison 2025. Der belgische Teamchef Werner Daemen war erstmals in diesem Jahr mit dem kompletten IDM Superbike-Quartett angereist: Hannes Soomer aus Estland, Leandro Mercado aus Argentinien, mit Wohnsitz in Italien, Milan Merckelbagh aus den Niederlanden und Bálint Kovács aus Ungarn.
Unser Pro Superstock 1000-Team startete die Saison in Schleiz und erlebte ein großartiges Wochenende: Ricardo Brink holte sich einen Doppelsieg, und sowohl Julius Ilmberger Jr. als auch Ouri Bikkems machten über das Wochenende hinweg große Fortschritte.
Hannes Soomer war nach dem erfolgreichen Auftakt in der Motorsport Arena Oschersleben als Führender der Gesamtwertung nach Schleiz gereist und hatte wie auch Kollegen und Konkurrenten in der Vorwoche auf der Naturrennstrecke noch einige Testrunden gedreht. Die guten Vorbereitungen machten den Esten noch eine Runde entspannter also sonst.
Auf dem Podest landete Soomer an diesem Wochenende nicht, doch mit seinen zwei vierten Plätzen punktete er solide und durfte die Rennstrecke auch als Meisterschafts-Führender wieder verlassen. «Das erste Rennen war fünf Runden zu lang und das zweite fünf Runden zu kurz«, lautete sein Fazit. Es hatte kurz vor dem Start in Lauf 1 geregnet und die Strecke war größtenteils nass. Doch neben den Pfützen gab es auch Stellen, an denen der Asphalt bereits abtrocknete. Soomer blieb cool und entschied sich, das Rennen auf Regenreifen anzugehen. Bis zu den letzten Runden konnte er die Führung halten. Doch dann schlug auf zunehmend trockenem Asphalt die Stunde der Piloten, die Slicks gewählt hatten. Drei Mitstreitern musste Soomer im Ziel den Vortritt lassen. Durch seine gute Vorarbeit rettete er auf seinen profilierten Reifen noch den vierten Rang über die Distanz. «Ab der dritten Runde hatte ich kapiert, wie das Rennen laufen würde», sagt Soomer, «Meter um Meter trocknete die Strecke zusehends ab. Ich wusste was kommt.»
Im zweiten Lauf kämpfte der BMW-Pilot rundenlang mit Marken-Kollege Jan-Ole Jähnig um den dritten Platz. Einen Weg vorbei am Trainingsschnellsten fand Soomer aber nicht. «Ich hätte noch ein paar Runden gebraucht», so sein Fazit. «In den letzten zwei Runden habe ich es zwei Mal probiert. Meine Rundenzeiten waren okay, aber im Zweikampf tue ich mich anfangs nicht so leicht. Aber das Ergebnis aus beiden Rennen geht okay.»
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Schwieriges Wochenende in Schleiz für Leandro Mercado BMW M 1000 RR # 36 Foto: Jens Hawrda |
Leandro Mercado musste beim Auftakt von Oschersleben einen herben Dämpfer verkraften, nachdem der sonst so sattelfeste Argentinier in Führung liegend gestürzt war. Bei einem Test in Schleiz hatte er sich eine Woche zuvor gut auf das IDM-Wochenende vorbereiten können. «Inzwischen geht’s mir wieder gut», erklärte er nach seiner Ankunft in Thüringen. «Die Schmerzen im Knie nach dem Oschersleben-Sturz sind schon viel besser. Es ist noch nicht hundert Prozent gut, aber es geht viel besser.»
«Der Test war sehr wichtig», gab er zu, «denn auch wenn ich Schleiz mag, ist es doch eine spezielle Strecke. In den letzten zwei Jahren war ich hier ziemlich schnell. Aber warten wir mal das Wetter ab.» Das sorgte vor allem im ersten Rennen für Aufregung, als kurz vor dem Start ein Regenschauer niederging. Mercado, der von Platz 7 aus ins Rennen gehen sollte, schaute sich die Strecke bei der ersten der beiden Aufwärmrunden an und zog wie eine Hand voll anderer Piloten den Joker und ließ Slick-Reifen montieren. Von hinten war es vor allem in der Anfangsphase schwer, die trockenen Flecken zu finden. Doch mit zunehmender Distanz wurde die Strecke trockener und die Slick-Fahrer schneller. Von ganz hinten ging es für Mercado dann vor bis auf Rang 3.
«Vor allem an den Kurveneingängen war es sehr nass», berichtete er von seiner Rutschpartie. «Da dachte ich kurz, ich hätte mich falsch entschieden. Florian Alt war echt schnell unterwegs. Ich bin dann ruhig geblieben und habe versucht, das Gefühl für die Bedingungen und meine Pace aufzubauen. Es war schwer, zu überholen, da echt nur ein sehr schmaler Streifen trocken war. Aber nach Oschersleben bin ich happy, hier auf dem Podium zu stehen.»
Lauf 2 ist schnell erzählt. Mercado war erneut in der Spitzengruppe aufgetaucht, konnte aber die Früchte seiner Bemühungen nicht mehr ernten. Seine BMW versagte ihren Dienst und Mercados Rennen endete vorzeitig mit einer riesigen Enttäuschung. «Wir hatten ein elektronisches Problem», erklärte Teamchef Werner Daemen. «Genau wissen wir noch nicht, was los war. Aber wir bauen für das nächste Rennen einen komplett neuen Kabelbaum ein, um jedes weitere Risiko zu vermeiden. Die Untersuchung des Kabelbaums von Schleiz machen wir später.»
Milan Merckelbagh bezeichnete die Rennstrecke rund um das Schleizer Dreieck wie viele seiner Kollegen als «speziell». Denn immerhin besteht die Strecke Großteils aus Straßen, die unter der Woche dem öffentliche Verkehr gehören. Immerhin schaffte der Nachwuchspilot aus dem Team Masteroil-alpha-Van Zon-BMW den sofortigen Sprung in die Superpole 2 und belegte damit in der Startaufstellung Rang 13.
Auch für ihn stand nach dem Regenschauer kurz vor dem Starts ins erste Rennen die Entscheidung an, welchen Reifen er wählen sollte. «Ich habe mich für die sichere Variante entschieden», erklärte er, «und Regenreifen genommen. Die Entscheidung liegt in dem Fall vollständig beim Fahrer.» Am Ende wurde sein Wahl mit dem sechsten Platz belohnt. «Als Florian Alt auf seinen Slick-Reifen vorbeikam», erzählt der Niederländer, «wusste ich, dass auch die anderen Slick-Piloten noch kommen. Doch in der letzten Runde konnte ich in der letzten Schikane noch meinen Teamkollegen Bálint Kovács überholen. Wäre es noch länger nass geblieben, hätte ich um Platz 3 kämpfen können.»
Im zweiten Rennen, bei dem alle auf Slick-Reifen und trockenen Bedingungen losfahren konnten, hatte Merckelbagh am Ende vor allem mit Soma Görbe zu tun, der ebenfalls eine BWM pilotierte. «Weil das im ersten Rennen an der Stelle so gut geklappt hat», verrät Merckelbagh, «habe ich den Move in der letzten Schikane erfolgreich wiederholt und wurde Achter.» Doch wie schon beim Auftakt in Oschersleben war der Niederländer mit den Ergebnissen zwar zufrieden, doch er macht kein Geheimnis daraus, dass ihm Top-Ten-Resultate nicht reichen. Die Top Fünf sind nach wie vor sein Ziel.
Bálint Kovács hatte am Freitag ein breites Grinsen auf dem Gesicht. Für den Ungar war es der erste IDM-Lauf der Saison. Der Fahrer aus Székesfehérvár stürzte am 19. April bei den 24-Stunde von Le Mans schwer und brach sich dabei das Schlüsselbein. Inzwischen ist alles verheilt und der Ungar sitzt wieder fest im Sattel. «Wieder auf der Strecke», freute er sich nach Startplatz 8 aus der Superpole 2. «Ich habe dieses Gefühl wirklich vermisst. Auch wenn ich noch nicht wieder bei 100 Prozent bin. Aber ich fühle mich stark genug, das Wochenende in Schleiz zu packen.» Deutliche Worte, wenn man bedenkt, dass das Schleizer Dreieck auch physisch eine extreme Herausforderung darstellt.
«Auch wenn ich mich nach den Trainings immer ein wenig müde gefühlt habe», gab er zu, «war es der richtige Moment zurückzukommen. Es ist toll mit der neuen BMW, auch wenn ich noch ein bisschen was lernen muss. Aber es war mit den ganzen Informationen nicht so schwer, ein gutes Set-up zu finden.» Im ersten Rennen wählte Kovács auf der noch regennassen Strecke trotz abtrocknendem Asphalt wie ein Großteil des Feldes die Regenreifen. Vor allem zu Beginn die richtige Entscheidung. Auch wenn er am Ende noch die Piloten, die mit ihren Slicks die riskantere Option gewählt hatten, ziehen lassen musste, wurde es im Ziel Platz 7. Und weil es ihm da scheinbar gut gefallen hatte, wiederholte er den siebten Platz in Rennen 2.
«Bei den nassen Bedingungen bin ich mit Regenreifen auf der sicheren Seite geblieben», so der Ungar, «das war nach meiner Verletzungspause auch die richtige Entscheidung. Der Poker ging am Ende für die Fahrer mit den Slick-Reifen auf. Ich war anfangs sogar eine Weile auf P3 und habe von den Fahrern mit den Regenreifen die viertbeste Zeit gefahren. In Rennen 2 habe ich gemerkt, dass ich bei meiner körperlichen Fitness noch nicht wieder auf meinem alten Level bin. Ich konnte ja sechs Wochen so gut wie nichts machen. Am Ende war ich echt fertig. Aber es wird Tag für Tag besser.»
Das nächste IDM-Wiedersehen gibt es in drei Wochen, wenn das Team Masteroil-alpha-Van Zon-BMW zum Autodrom Most nach Tschechien reist.