Dienstag, 6. September 2022

IDM Red Bull Ring: Erfolg auf der ganzen Linien für das deutsch-belgische Team BCC-alpha-Van Zon-BMW

#7 Kamil Krzemien, BMW M 1000 RR
Foto: Jens Hawrda

Der Kalender der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft IDM 2022 führte das deutsch-belgische Team BCC-alpha-Van Zon-BMW am vergangenen Wochenende nach Österreich. Auf dem Red Bull Ring fand der vorletzte der insgesamt sieben Läufe statt. Mit ihrem Piloten Markus Reiterberger (D) hatten die beiden Teamchefs Werner Daemen und Andy Gerlich bereits beim letzten Rennen den Titel in der IDM Superbike klargemacht. Neben Reiterberger, dem nun vierfachen IDM-Champion, waren auch wieder der Pepijn Bijsterbosch (NL) und Kamil Krzemien (PL) mit dabei. Mit seiner weiteren Genesung ist derweil der Österreicher Jan Mohr beschäftigt.

Markus Reiterberger war vom Test mit dem BMW-Langstrecken-Team von Südfrankreich direkt nach Österreich gekommen und ließ trotz gewonnenem IDM-Titel nicht locker. Daher dürfte es ihm auch nicht ganz geschmeckt haben, dass ihm sein Dauer-Konkurrent Florian Alt die vorletzte Pole-Position der Saison vor der Nase wegschnappte. Im zweiten Quali waren die Temperaturen nochmals in die Höhe geklettert und trotz zahlreicher schneller Runden blieb es für ‚Reiti‘ bei Startplatz 2.

Das erste Rennen war dann nichts für schwache Nerven. Mit Alt und Superbike-WM-Pilot Leandro Mercado lieferte sich der frisch gekürte Champion einen ansehnlichen Dreikampf, bei dem es hart, aber herzlich zuging. Das entscheidende Manöver hatte sich Reiterberger für die letzte Runde aufgespart. Ausgangs der neuen Münzer-Schikane übernahm der Bayer die Führung und gab diese bis ins Ziel nicht mehr her. «Ich habe mich auf dem härteren Reifen wohler gefühlt», so Reiterbergers Analyse, «das war stabiler, obwohl ich im Rennen nicht so viel Grip hatte wie im Quali. Doch ich konnte mich rantasten und den Rhythmus der Jungs mitgehen. Auf der Gerade gab es keine Chance vorbeizukommen. Daher das Manöver in der Schikane. Es war haarscharf, ähnlich wie das von Alt in Oschersleben, doch es hat gepasst.»

In Lauf 2 musste Reiterberger wegen der in der IDM geltenden Regel des Reverse Grid von Platz 9 aus starten. Doch kein Problem für den Mann mit der Startnummer 28. Schon nach den ersten Kurven hatte er den Weg an die Spitze gefunden und kontrollierte das Rennen von der Spitze weg. Der zweiter Tagessieg der verdiente Lohn. «Als ich vorne war», berichtet er, «konnte ich schön fahren. Als ich gesehen habe, dass sich mein Vorsprung verringert, habe ich nochmal gepusht und mir dabei leider meine Reifen ruiniert. Die letzten Runden waren nicht einfach, aber ich habe es durchs Ziel gebracht. Danke an alle, die Zuschauer und an mein Team, das wieder perfekt gearbeitet hat.»

Pepijn Bijsterbosch hatte nach seinem erfolgreichen IDM-Assen-Ausflug hochmotiviert die lange Reise von den Niederlanden in die österreichische Steiermark angetreten. Von den Tipps, die ihm beim letzten Rennen der Vorjahrsmeister Ilya Mikhalchik mit auf den Weg gegeben hatte, konnte er auch am Red Bull Ring noch profitieren und überzeugte in den beiden Zeittrainings mit dem fünften Startplatz.

Im ersten Rennen musste er die Top-Drei im Kampf um den Sieg zwar ziehen lassen, doch Bijsterbosch konnte sich in der Verfolgergruppe gekonnt durchsetzen und sich von seinen Konkurrenten absetzen. Platz 4 das überzeugende Resultat. Für den zweiten Lauf durfte der Niederländer durch die umgekehrte Startreihenfolge dann auf der Pole-Position Platz nehmen und hatte somit beste Voraussetzungen für einen erfolgreichen Nachmittag. Eigentlich. Denn nach einem Regenschauer war die Strecke zwar wieder abgetrocknet, nur die rechte, im Schatten der Haupttribüne liegende, Seite der Start-Ziel-Geraden nicht. Somit stand Bijsterbosch auf einem komplett nassen Startplatz. «Das ist wohl die blödeste Pole-Position, die ich je hatte», meinte er mit einem Blick nach unten.

Nach dem Start wurde es eng in der ersten Kurve und Bijsterbosch kollidierte mit einem anderen Fahrer. Er blieb zwar sitzen, konnte sich wieder im Feld einreihen, doch das vor allem am Red Bull Ring dringend benötigte Kühlsystem seiner Bremszange hatte etwas abbekommen. «Dadurch überhitzte die Bremse am Ende und es ging einmal geradeaus», so der Bericht des Niederländers. «Deshalb war ich nach dem siebten Platz im Ziel schon ein klein wenig enttäuscht.» Für Bijsterbosch zählt in der Schlussphase der Meisterschaft jeder Punkt, denn er hat gute Chancen, die Meisterschaft auf Platz 3 der Gesamtwertung zu beenden.

Kamil Krzemien kam wie immer gut gelaunt und voller Tatendrang nach Österreich gereist. Als einer von wenigen Fahrern gelang es dem Polen, seine persönliche Bestzeit im zweiten Qualifying noch zu verbessern. Vom 13. Startplatz aus ging es für den BMW-Piloten in das erste Rennen des Tages. Und er blieb seinem bekannten Muster der bisherigen Saison treu. Im Training gingen ihm die Zeiten noch nicht ganz so geschmeidig von der Hand, dafür steigerte er sich im Rennen deutlich und eroberte mit Rang 8 erneut ein Top-Ten-Ergebnis.

Dank des Reverse-Grid ging Lauf 2 für Krzemien dann aus der zweiten Reihe los. Gekonnt setzte er die gute Start-Position mit Platz 6 in ein gutes Ergebnis um. «Im zweiten Quali hatten wir noch was probiert», verriet er anschließend, «was nicht so gut war. Daher sind wir für das erste Rennen wieder mit dem Set-up zurück auf die Q1-Einstellung gegangen. Damit war ich happy. Mit dem weichen Reifen war ich im ersten Rennen in den letzten vier, fünf Runden ziemlich am Limit. Aber ich war natürlich zufrieden, dass ich mit meinem Ergebnis in er zweiten Startreihe für Lauf 2 gelandet bin.»

«Beim zweiten Lauf haben wir beim Set-up wieder ein wenig riskiert», berichtet der Pole. «Ich war mit einem ähnlichen Set-up wie mein Teamkollege Markus Reiterberger unterwegs. Dadurch konnte ich beim Bremsen das Maximum herausholen und hatte Grip am Kurvenausgang. Ich habe dann alles probiert, um an Bastien Mackels auf Platz 5 vorbeizukommen, aber es gab keine Gelegenheit, ihn noch zu attackieren. Aber die Ergebnisse werden früher oder später von mir kommen. Ich hoffe natürlich früher.»

Kaum angefangen, geht die Saison 2022 auch schon wieder Ende. Letzte Station der IDM ist vom 23. bis 25. September der Hockenheimring.


Montag, 5. September 2022

Meistertitel für Enderlein und Doppel-Podium für KTM in der Steiermark

Foto: Jens Hawrda

Das vorletzte Kapitel der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft ist für dieses Jahr geschrieben. Auf dem Red Bull Ring in Österreich wurde vorzeitig ein neuer Meister gekürt. Max Enderlein (M32 Racing) gewann zum dritten Mal in seiner Karriere den Titel in der IDM Supersport. In der Königsklasse IDM Superbike dominierte erneut der bereits als Meister feststehende Markus Reiterberger (BCC-alpha-Van Zon-BMW). 

IDM Superbike

Ein Doppelsieg von Markus Reiterberger in der IDM Superbike löste ein weiteres Freudenfest in seinem Team aus. Erneut war es Florian Alt (Wilbers-BMW-Racing) nicht gelungen, den vierfachen Champion ein zweites Mal in dieser Saison zu besiegen, obwohl die Rennen äußerst knapp ausgingen. Eine Runde mehr im zweiten Lauf, dann hätte Alt sein Ziel, den vierfachen Meister in diesem Jahr noch einmal zu besiegen, vermutlich geschafft. So aber trennten ihn 0,699 Sekunden vom 28-jährigen Bayer. Alt gibt nicht auf. Beim großen Finale in Hockenheim in drei Wochen wird der nächste Versuch gestartet. Und er sagt: „Es war wieder deutlich zu sehen, dass wir das einzige Team sind, das wirklich in der Lage ist, das offizielle BMW-Team zu schlagen.“ Alt war im Qualifying mit seiner Bestzeit nur knapp vier Sekunden langsamer als die MotoGP-WM-Spitze.

Richtig in Fahrt kam in der Steiermark der Argentinier Leandro Mercado (Holzhauer Racing Promotion). Der WM-Superbiker war ins HRP-Team als Vertretung für den lange verletzten Luca Grünwald gekommen, hatte die Honda CBR 1000 RR-R weiter entwickelt und konnte jetzt die Früchte ernten. Zwei Podiumsplätze an einem Wochenende sorgten dafür, dass Teamchef Jens Holzhauer auf Wolke Sieben schwebte. So gut war Honda lange nicht dabei. Wenn das große Hockenheim-Finale steigt, wird Mercado aber nicht mehr dabei sein. Er startet zu diesem Termin in der Superbike-Weltmeisterschaft in Barcelona. In der IDM ist der genesene Luca Grünwald nun der Hahn im Korb. Der Waldkraiburger meldete sich nach seiner Verletzungspause bei seinen ersten Rennen in diesem Jahr mit zwei bravourösen Top Ten-Plätzen zurück. Auch bei Kawasaki scheint wieder die Sonne und das Wochenende endete so, wie es zum Saisonanfang auf dem Lausitzring verheißungsvoll begonnen hatte: Platz vier für den wieder erstarkten Bastien Mackels (Kawasaki Weber-Motos Racing), ohne dessen verletzungsbedingte Pause mehr als der momentane neunte Gesamtrang möglich gewesen wäre. Die schnellste Yamaha brachte Rob Hartog (Team SWPN) ins Ziel. Ein sechster und ein fünfter Platz war die Ausbeute des Niederländers, der momentan auf Rang drei in der Gesamtwertung liegt. Bis auf die beiden Ausreißer Reiterberger und Alt spielt sich im Feld ein enger Kampf ab, in dem BMW, Honda, Kawasaki und Yamaha in jedem Rennen mindestens einen Fahrer in den Top Ten platzieren.

IDM Supersport

In der IDM Supersport ging Max Enderlein im Endspurt zum Titel kein Risiko ein. Luca de Vleeschauwer (Kawasaki Weber-Motos Racing) hätte ihn noch vom vorzeitigen Gewinn abhalten können, doch der Belgier stürmte in der Steiermark nicht wie gewohnt aufs Podium, sondern kam im ersten Lauf hinter Enderlein ins Ziel, der im zweiten Lauf nun nichts mehr anbrennen ließ. Sein sechster Platz reichte völlig, um sich als neuer Meister feiern zu lassen. Der Sieg ging in beiden Rennen an Patrick Hobelsberger, den Meister des letzten Jahres. Er war allerdings als Gastfahrer angetreten, um sich nach der Sommerpause für die Supersport-Weltmeisterschaft zu rüsten, in die er nach dem Erfolg des letzten Jahres aufgestiegen ist. Die weiteren Podestplätze teilten sich die Niederländer Melvin van der Voort (Team SWPN) und Twan Smits (Team Apreco), jeweils in umgekehrter Reihenfolge. 

IDM Supersport 300

KTM feierte an diesem Wochenende in der Nachwuchsklasse IDM Supersport 300 den vollen Erfolg. Obwohl Kawasaki Dirk Geiger (Füsport – RT Motorsports by SKM – Kawasaki) für Spielberg als zusätzlichen Stammfahrer verpflichtete, um für das Team Punkte zu sammeln und seinen Teamkollegen Marvin Siebdrath im Kampf um die Meisterschaft zu unterstützen, feierte KTM ein Dreifach-Podium am Samstag und ein Doppelpodest am Sonntag. Titelanwärter Leo Rammerstorfer (Freudenberg KTM – Paligo Racing) konnte mit einem Sieg und einem achten Platz seine Tabellenführung ausbauen und fährt mit einem Vorsprung von sieben Punkten vor Marvin Siebdrath zum Finale nach Hockenheim. 

IDM Sidecar

Zur zweiten Saisonhälfte in der Sidecar-Klasse, die ihr Finale im Oktober in Oschersleben hat,  waren an diesem Wochenenden die vierfachen Weltmeister Ben und Tom Birchall (Birchall Racing) als Gaststarter in der IDM. Überhitzte Reifen beendeten den packenden Zweikampf gegen Tim Reeves und Kevin Rousseau (Bonovo Action Team/Adolf RS F1) im Sprintrennen allerdings vorzeitig. Reeves ging aus diesem als Sieger hervor. Im zweiten Rennen ereilte den achtfachen Weltmeister selbst ein technischer Defekt, wodurch die Birchall-Brüder triumphierten. Josef Sattler und Luca Schmidt (Bonovo Action Team/Adolf RS F1) sicherten sich in beiden Rennen insgesamt 28 Punkte und konnten ihren Rückstand zu Reeves/Rousseau in der Gesamtwertung auf neun Punkte verringern.

Viel Action, viel Spannung und noch mehr Abwechslung - das war die IDM auf dem Red Bull Ring. In Deutschlands höchster Motorradklasse hat auch der Nachwuchs seinen festen Platz. Dem Northern Talent Cup, dem Austrian Junior Cup sowie dem Yamaha R3 bLU cRU Cup wurde mit jeweils zwei Läufen eine internationale Bühne geboten.

Weiter zum Saisonfinale geht es in drei Wochen, vom 23. bis 25. September 2022 auf dem Hockenheimring in Baden-Württemberg.

Mittwoch, 31. August 2022

Vorschau IDM Red Bull Ring

 Action zu Land und in der Luft inmitten des Alpen-Panoramas

Foto: Jens Hawrda

Es geht in den Endspurt der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) 2022. Vom 2. bis zum 4. September findet auf dem Red Bull Ring in Österreich die vorletzte Wertungsrunde der Saison 2022 statt. Für zusätzliche Spannung sorgt, dass die neue Münzer-Schikane auf dem Kurs in der Gemeinde Spielberg für alle Fahrer Neuland ist und niemand über einen Testvorteil verfügt. 

In der Steiermark geht es Schlag auf Schlag in Deutschlands höchster Motorradrennsportserie. In den IDM-Klassen Superbike, Supersport, Supersport 300 und Sidecar werden jeweils zwei Rennen ausgetragen. Abgerundet wird das Wochenende durch die Läufe zum Northern Talent Cup, Yamaha R3 bLU cRU Cup und dem Austrian Junior Cup. 

Die IDM fährt zum ersten Mal das geänderte Layout der Highspeedstrecke. Die Münzer-Schikane wurde auf dem Weg zur Kurve drei aus Sicherheitsgründen eingeführt, um die Strecke an einer Schlüsselstelle zu entschärfen. Sie war eine der Auflagen für die Durchführung der MotoGP auf der schnellsten Strecke im Kalender. Es handelt sich um einen Rechts-Links-Knick, der hart angebremst werden muss. Somit wird Geschwindigkeit an der kritischen Stelle herausgenommen. Die neue Streckenvariante ist 30 Meter länger als die bisherige, die noch von der Formel 1-befahren wird. Dadurch misst die Strecke jetzt 4,348 Kilometer. 

IDM Superbike

In der IDM Superbike steht mit Markus Reiterberger (BCC-alpha-Van Zon-BMW) der Meister schon vorzeitig fest. Bereits in Assen hat der 28-jährige den Sack zugemacht. Was die Spannung in der Königsklasse keinesfalls mindert. Denn noch immer versucht Florian Alt (Wilbers-BMW-Racing), den nun vierfachen Champion ein zweites Mal in diesem Jahr zu schlagen. In Oschersleben war es dem 26-Jährigen erstmals gelungen. Alt galt zum Saisonbeginn als Hauptgegner von Reiterberger im Kampf um die Meisterschaft, hatte aber nach drei technischen Ausfällen keinerlei Chance, ihm die Krone streitig zu machen. Für ihn zählt jetzt jedes einzelne Rennergebnis und Alt ist zäh! Hinter den beiden Ausnahmefahrern versuchen die Niederländer Rob Hartog (Team SWPN) und Pepijn Bijsterbosch (BCC-alpha-Van Zon-BMW) den dritten Platz in der Gesamtwertung unter sich auszumachen. Hartog ist der einzige Yamaha-Fahrer innerhalb einer ganzen BMW-Armada. 

Zum Zünglein an der Waage könnte Leandro Mercado auf der Holzhauer-Honda werden. Der WM-Superbiker aus Argentinien fühlt sich bei seinen Einsätzen auf der IDM-Bühne äußerst wohl. Eine spannende Frage bleibt auch, wie der Einstand von Luca Grünwald bei Honda verläuft. Nach seiner Beinverletzung bei Testfahrten vor der Saison ist er jetzt fit genug, um wenigstens bei den letzten zwei Saison-Events durchzustarten. Der lange verletzte Kawasaki-Fahrer Bastien Mackels hat es nach seiner Rückkehr inzwischen in die Top Ten geschafft. Die Ausfälle von Jan Mohr, Vladimir Leonov, Julian Puffe, und Toni Finsterbusch haben jedoch nicht unwesentlich dazu beigetragen.

IDM Supersport

Yamaha-Zugpferd Max Enderlein (M32 Racing) reist in der Supersport-Klasse mit 66 Punkten Vorsprung vor Luca de Vleeschauwer (Kawasaki Weber-Motos Racing) an den vom Alpen-Panorama umgebenen Red Bull Ring. Zwischen dem Belgier und dem derzeitigen Gesamt-Dritten Andreas Kofler (Kawasaki Schnock Team Motorex) liegen wiederum nur zwölf Punkte Unterschied. Kofler stand in diesem Jahr schon vier Mal auf dem Siegerpodest, aber noch nie ganz oben. Bei seinem Heimrennen wittert der 18-Jährige aus Attnang-Puchheim die ganz große Chance. Thomas Gradinger wird als Zuschauer an den Ring kommen. Der theoretisch zu den Sieganwärtern zählende Oberösterreicher hatte sich in Schleiz schwer an Schulter und Rücken verletzt. Das Eder-Team, zu dem er gehört, schickt trotzdem zwei Österreicher auf dem Red Bull Ring an den Start. Leon Lambing wechselt in das Team und außerdem wird Lukas Trautmann reaktiviert. „Trauti“ gehörte bis 2017 zu den hoffnungsvollsten Talenten der Alpenrepublik, zog sich dann aber aus verschiedenen Gründen zurück. Das Rennfahren hat er aber nicht verlernt.

IDM Supersport 300

Nur ein einziger Punkt trennt Leo Rammerstorfer (Freudenberg KTM-Paligo Racing) und Marvin Siebdrath (Füsport - RT Motorsports by SKM - Kawasaki) in der Nachwuchsklasse Supersport 300. Das Duell heißt nicht nur Österreich gegen Deutschland, sondern auch KTM gegen Kawasaki. Die beiden Titelfavoriten spielen Ping-Pong miteinander. In der kompletten Top 10-Riege ist noch viel Bewegung und kein einziger Fahrer kann sich auf seinem derzeitigen Platz in Sicherheit wiegen. Die Rennen werden oft erst in der letzten Kurve und mit einem Abstand von Tausendstelsekunden entschieden.

IDM Sidecar

Die IDM Sidecar bekommt in der Steiermark Besuch von Tom und Ben Birchall sowie Craig Currie und Justin Sharp. Die Birchall-Brüder sind mehrfache Sidecar-Weltmeister und elffache TT-Sieger.

Am IDM-Rennwochenende in Österreich treffen Superlative am Boden und in der Luft aufeinander. Auf dem Asphalt fährt die IDM, am Himmel im nur zwei Kilometer entfernten Zeltweg findet am 2. und 3. September Europas große Airshow „AirPower" statt. Das ist die große Vorführung der österreichischen Luftstreitkräfte, der Flying Bulls und internationaler Kunstflugstaffeln. Die Nachbarorte Zeltweg und Spielberg in der Steiermark verschmelzen an diesem Wochenende für eine gigantische Show.


Dienstag, 30. August 2022

Sheldon van der Linde gewinnt das Samstagsrennen auf dem Nürburgring und kehrt an die Spitze der Fahrerwertung zurück

Sheldon van der Linde übernimmt am Nürburgring wieder die Meisterschaftsführung
Foto: Jens Hawrda

Am fünften Rennwochenende der DTM-Saison gab Sheldon van der Linde (RSA) seine Rückkehr aus der Sommerpause mit einem perfekten Ergebnis auf dem Nürburgring (GER) bekannt. Am Samstag feierte der Schubert Motorsport Pilot im #31 BMW M4 GT3 seinen dritten Saisonsieg und kehrte damit an die Spitze der Fahrerwertung zurück. Er holte am Sonntag die Pole-Position, fiel aber nach einer Safety-Car-Phase auf den neunten Platz im Rennen zurück. Mit 110 Punkten liegt van der Linde nun 21 Punkte vor seinem nächsten Herausforderer. Philipp Eng (AUT) wurde am Samstag Sechster und punktete damit für sich und sein Team. Schubert Motorsport bleibt mit 149 Punkten an der Spitze der Teamwertung.

Nachdem starker Nebel den Abbruch des Qualifyings verursacht hatte, startete Sheldon van der Linde vom zweiten Platz aus in das Samstagsrennen, was seiner Position in der Meisterschaft entspricht. Die Fahrer mussten warten, bis sich die Sicht verbesserte, bevor sie das Rennen am späten Nachmittag starteten, und van der Linde profitierte auf seinem Weg zum Sieg von einer Kollision zwischen den beiden führenden Autos. Er überquerte die Ziellinie vor seinem Bruder Kelvin van der Linde (RSA, Audi) und verzeichnete eine weitere Premiere; zwei Brüder hatten noch nie zuvor die ersten beiden Plätze auf einem DTM-Podium belegt.

Am Sonntag machten sie da weiter, wo sie aufgehört hatten. Sheldon van der Linde sicherte sich die Pole-Position vor seinem Bruder und erzielte weitere drei Punkte. Zu Beginn des Rennens lag er mit Teamkollege Philipp Eng dahinter in Führung, nachdem er dank eines hervorragenden Starts vom fünften auf den zweiten Platz vorgerückt war. Eine Safety-Car-Phase brachte das Feld jedoch in Unordnung, als alle Fahrer ihre obligatorischen Boxenstopps machten. Beide Schubert Motorsport-Piloten fielen etwas zurück und Eng schied dann nach einer Kollision aus. Van der Linde wurde mit zwei Punkten Neunter.

Walkenhorst Motorsport erlebte ein hartes Wochenende. Marco Wittmann (GER) wurde am Samstag Achter und holte damit einige Punkte. Am Sonntag warf ihn eine außerplanmäßige Fahrt über das Gras während des Neustarts nach der Safety-Car-Phase weit zurück und er konnte sich nicht auf dem zehnten Platz verbessern und erzielte einen Punkt. Esteban Muth (BEL) belegte die Plätze 13 und 16. Der 17-jährige Theo Oeverhaus (GER) gastierte in einem dritten BMW M4 GT3 von Walkenhorst Motorsport und wurde damit der jüngste DTM-Pilot aller Zeiten. Er überquerte die Ziellinie in beiden Rennen als 19.

Montag, 29. August 2022

Wie in alten Zeiten

DRM-Rennwagen der Siebziger liefern sich spannende Kämpfe auf dem historischen Nürburgring

  • Vater-Sohn-Duell am Samstag: Stefan Mücke gewinnt vor Papa Peter
  • Ford-Porsche-BMW-Show am Sonntag – und ein kultiger Opel
  • DTM Classic DRM Cup geht im September am Red Bull Ring in die dritte Runde

M. Wagner, BMW M1 © DTM


Es könnte kaum einen besseren Schauplatz für die Rückkehr der historischen Rennwagen der Deutschen Rennsport-Meisterschaft (DRM) der Siebziger geben als den Nürburgring: Porsche, BMW, Ford, Opel, Alfa Romeo, Chevrolet, De Tomaso – seltene Rennwagen der glanzvollen DRM-Ära lieferten sich in den beiden Rennen zum DTM Classic DRM Cup in der Eifel ein rasantes Schaulaufen. Daran hatten die zahlreichen Zuschauer auf den Tribünen und im Fahrerlager ihre helle Freude. Der sportliche Ausgang war letztlich eine "Family-Affair", denn im Samstagsrennen rang Stefan Mücke im BMW M1 seinen Vater Peter im Zakspeed Ford Capri Turbo nieder, im Sonntagsrennen bei bestem Sommerwetter war die Hitze für den 75-jährigen Peter Mücke der härteste Gegner.

Stefan Mücke (BMW) und Vater Peter (Ford) © DTM


„Das war eine Augenweise, wie Peter Mücke mit seinen 75 Jahren diesen 600-PS-Capri bewegt hat, sein Sohn Stefan hat alles gegeben“, kommentierte Rennlegende Harald Grohs das Samstagrennen und machte keinen Hehl daraus, noch in diesem Jahr in der DTM Classic starten zu wollen. Sonntagsieger Peter Mücke: „Das Auto war wohl schneller als ich. Jedenfalls musste ich hart arbeiten, zumal die Temperaturen im Cockpit nach drei, vier Runden auf 70 Grad anstiegen. Aber es war so geil, ich genieße jede Runde mit diesem einzigartigen Rennwagen.“

Am Samstag, als das Rennen nach langem Warten wegen Nebels erst in den frühen Abendstunden gestartet wurde, erkämpfte sich Ingo Pütz im Porsche 934/5 den dritten Platz auf dem Podium neben Stefan und Peter Mücke. Pütz führte ein Porsche-Trio mit Björn Griesemann und Michael Hess an. Der schnellste BMW, ein 635 nach Gruppe-5-Reglement, wurde vom zweimaligen DTM-Vizemeister Olaf Manthey auf seiner Hausstrecke auf den sechsten Rang pilotiert. Hinter den beiden Porsche von Edgar Salewsky und Hans-Ulrich Kainzinger überquerte eine absolute Rarität die Ziellinie auf Position neun: der Alfa Romeo Montreal nach Gruppe-4-Reglement mit dem Niederländer Donald Molenaar am Steuer. Dietmar Schröder in einem weiteren Porsche RSR 3.0 komplettierte die Top Ten.

Mit dem wunderschönen Zakspeed-Capri, das Ende der Siebziger von Erfolgstuner Erich Zakowski im Nürburgring-nahen Niederzissen entwickelt wurde, fuhr Peter Mücke im Sonntagsrennen auf und davon. Dahinter war es der 23 Jahre alte Nick Salewsky, der im Carrera 911 RSR die Porsche-Meute anführte und vor dem ehemaligen DTM-Piloten Otto Rensing Zweiter wurde. „Kompliment ans Team. Das Auto ist perfekt gelaufen, und am Ende wird abgerechnet“, so Rensing, der ebenso wie Salewsky vom Ausfall wegen Kupplungsdefekt des zuvor zweitplatzierten BMW M1 von Achim Heinrich profitierte. Im Gruppe-5-BMW wurde Peter Schumann Vierter vor Kainzinger und Axel Hagemann mit einem weiteren der bildschönen BMW M1. Dahinter zwei weitere 911 mit Dietmar Schröder und Malte Müller-Wrede. Bemerkenswert: Wolfgang Kaupp schaffte es mit seinem Opel Kadett C (Gruppe 4) als Neunter unter die Top Ten vor Phillip Kennewell im BMW 3.0 CSL, während der einzigartige Opel Commodore von Oliver Steinmetz, Sohn des bekannten Tuners, zumindest am Samstag die Zielflagge sah.     

Die zahlreichen Motorsport-Enthusiasten am Nürburgring nutzen vor allem das lange Warten wegen des Nebels, um die DRM-Boliden aus den Siebzigern und deren Fahrer hautnah zu bewundern, deren Geschichten zu hören und natürlich Autogramme zu ergattern. Einmal mehr erwies sich die DTM Classic als beliebte Ergänzung zum vielfältigen Programm beim „DTM Nürburgring powered by Mercedes-AMG“. Die DRM-Rennwagen treffen sich in vier Wochen (23.-25. September) wieder zum Finale im DTM Classic DRM Cup, dann am Red Bull Ring in der malerischen Steiermark.