Dienstag, 1. Oktober 2019

Hyundai Team Engstler: Die Teamchampions der ADAC TCR Germany im Porträt

  • Teamchef Klinge: "So eine Leistung ist nur im Team möglich"
  • Riesiger Jubel: "Haben voll abgeräumt"
  • Andreas Klinge: "Beim Finale fünf Jahre älter geworden"
Foto: Jens Hawrda

Dass er während dieses so dramatischen letzten Saisonrennens "locker fünf Jahre älter" geworden ist, konnte Andreas Klinge letztlich verschmerzen. Denn am Ende jubelte der Teamchef des Hyundai Team Engstler nicht nur über den Sieg in der Teamwertung der ADAC TCR Germany, sondern auch über den Fahrertitel des erst 18-jährigen Max Hesse. "Dass wir in diesem Jahr voll abgeräumt haben, macht mich extrem stolz und sehr, sehr dankbar", betonte Klinge: "Ich bin mega happy für jeden Einzelnen im Team. Denn so eine Leistung ist eben nur im Team möglich." 

Ein Team, das seit der Premierensaison 2016 dabei ist und in diesem Jahr im Hyundai i30 N TCR und mit der starken Fahrerpaarung Max Hesse und Theo Coicaud angetreten war, "um in der Meisterschaft ein wichtiges Wort mitzureden", wie Klinge sagte. Was folgte, war eine Saison mit vielen Höhepunkten, Siegen und Triumphen. Aber auch mit bangen Minuten, wie beim Saisonfinale auf dem Sachsenring, als Max Hesse in einem Herzschlagfinale den Titel nach Hause fuhr. Sieben Punkte hatte er letztlich Vorsprung auf Vizemeister Harald Proczyk und 14 auf Antti Buri. 

Am Ende jubelte auch Franz Engstler, der Namensgeber des Teams, kräftig mit. Der heute 58-Jährige blickt selbst auf eine lange Karriere mit vielen Erfolgen im Motorsport zurück, fuhr in der DTM und der WTCC. Bei der Gründung der ADAC TCR Germany im Jahr 2016 hatte er ebenfalls einen großen Anteil. 

Es sei schwer, ein absolutes Highlight in diesem Jahr auszumachen, meinte Klinge, der Chef des Teams, das aus Wiggensbach im Allgäu stammt und mittlerweile vom VW Golf GTI TCR auf den Hyundai i30 N TCR umgestiegen ist. Vielmehr habe diese Saison "aus vielen einzelnen Höhepunkten" bestanden, sagte Klinge. Dazu zählt auch "der Einsatz des VIP Autos mit so vielen tollen Fahrern drauf". Unvergessen ist etwa das Nürburgring-Wochenende, bei dem Rallye-Superstar Thierry Neuville, seines Zeichens viermaliger Vizeweltmeister in der WRC, im Hyundai i30 N TCR startete und prompt einen Sieg holte. 

Auch der ehemalige Formel-1-Fahrer und WTCR-Champion Gabriele Tarquini steuerte das VIP Auto. Außerdem waren der ehemalige ADAC GT Masters-Fahrer Lance David Arnold, die Schwedin Jessica Bäckman, Journalist Guido Naumann und YouTuber Franz Simon im Hyundai i30 N TCR mit dem auffälligen Desing, das in einer Kooperation mit der Hochschule Pforzheim entstanden war. 

Stolz ist Klinge auch darüber, wie sein Team den Umschwung "vom Jäger zum Gejagten" gemeistert hat. "Wir haben es ja erst in Hockenheim, im vorletzten Rennen der Saison drehen können", sagte Klinge: "Bis dahin sind wir ja immer den anderen hinterhergehechelt. Dass wir es bis heute halten konnten, ist einfach top und toll. Es war fantastischer Sport - mit dem glücklicheren Ende für uns." 

Beendet ist das Motorsportjahr 2019 für das Team aber längst noch nicht. "Wir dürfen Deutschland bei den FIA Motorsport Games Ende Oktober vertreten", sagte Klinge. Stillstand gibt es also nicht, und schon jetzt ist dieses Jahr extrem erfolgreich aus Sicht das Hyundai Team Engstler. In der TCR Malaysia triumphierte Luca Engstler, der 2018 Vizemeister in der ADAC TCR Germany geworden war. Dazu kommt der Sieg in der Teamwertung. Auch in der TCR Asia holte das Team das Double aus Einzel- und Teammeisterschaft. "Mehr geht nicht! Zumindest nicht unter TCR-Gesichtspunkten", sagte Klinge. 

Wie es 2020 weitergeht, ist noch offen. Dank der Kooperation mit Hyundai trat da Team in diesem Jahr erstmals beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring an, zudem hatte Luca Engstler einen Gaststart in der WTCR auf dem Slovakiaring 

Der große Trumpf des Teams ist dabei sein Zusammenhalt, da ist sich Klinge sicher: "Wir sind ein familiär geführtes Team und verhalten uns untereinander auch wie eine Familie", sagte er: "Ich bin jeden Tag dankbar, dass ich mit den Damen und den Jungs zusammenarbeiten kann."

Max Hesse: Der Champion der ADAC TCR Germany im Porträt

  • Mit 18 Jahren an der Spitze: "Ich bin einfach nur happy und glücklich"
  • Hesses große Leidenschaft Tourenwagensport: "Das war schon immer mein Traum"
  • 2018 noch bester Junior, 2019 nun Champion: "Jetzt können wir feiern"

Als Max Hesse in seinem Hyundai i30 N TCR über die Ziellinie raste, brüllte der neue Champion der ADAC TCR Germany all seine Freude heraus. Der große Druck und die eigenen hohen Erwartungen, die so schwer auf seinen Schultern gelastet hatten, fielen in diesem Moment von ihm ab. "Ich freue mich wahnsinnig, ich verspüre pure Freude", jubelte der 18-Jährige, der sich in einem Herzschlagfinale auf dem Sachsenring den Meistertitel gesichert hatte: "Ich bin einfach nur happy und mega glücklich, es ist unglaublich. Ich danke allen, die das möglich gemacht haben." 

Sieben Punkte Vorsprung auf Titelverteidiger Harald Proczyk (43, Österreich, HP Racing International) und 14 auf Audi RS3 LMS-Pilot Antti Buri (30, Finnland, LMS Racing) fuhr Hesse heraus. Insgesamt siegte Hesse viermal, dazu kommen fünf weitere Podiumsplatzierungen in insgesamt 14 Rennen. 2018 war er noch Sieger der Honda Junior Challenge geworden, ein Jahr später ließ er den Fahrertitel in der umkämpften ADAC TCR Germany folgen. Wie geht's jetzt 2020 weiter? "Ab morgen beschäftige ich mich damit, was die Zukunft bringt, aber heute genieße ich einfach nur den Moment", sagte der von der ADAC Stiftung Sport geförderte Hesse. 

"Er hat einen unglaublichen Job gemacht in diesem Jahr, sein Weg geht steil nach oben", sagte Andreas Klinge, Teamchef von Hesses Hyundai Team Engstler über den 18-Jährigen. Hesse selbst hatte im Laufe der Saison bewiesen, dass er trotz seines jungen Alters bereits erstaunlich nervenstark ist. Seine drei Rivalen in der Meisterschaft - Proczyk, Buri und Mike Halder (23, Meßkirch, Profi-Car Team Honda ADAC Sachsen) - sind mindestens fünf Jahre älter und deutlich erfahrener. Diesem Nachteil setzte Hesse viel Leidenschaft entgegen, zudem konnte er sich in engen Momenten auf seine Nervenstärke verlassen. "Ich hatte gar keine Zeit, mich auszuruhen und Fehler zu machen, weil ich so unter Druck stand", meinte Hesse lächelnd. 

"Ich liebe Racing, dieses Adrenalin, die Zweikämpfe - deswegen habe ich mich auch für Tourenwagensport entschieden", erzählte Hesse: "Es gab für mich von Anfang an nichts anderes. Der Speed, das Fighten mit den Leuten. Das ist Hardcoresport, du kannst Rad an Rad fahren. Tür an Tür. Du hast immer Zweikämpfe, das macht einfach so viel Spaß und ist jeden Morgen aufs Neue meine Motivation." 

Die Leidenschaft für schnelle Autos hat Hesse übrigens von seinem Vater. Mario Hesse war es, der seinen Sohn schon früh mit dem "Motorsportvirus" infizierte. "Ich bin mit dreieinhalb Jahren das erste Mal Kart gefahren, mein Vater hat mich damals mitgenommen", sagte Max Hesse. Während andere Jungs in seinem Alter andere Sportarten betrieben, war "Motorsport schon immer mein Traum", betonte der heute 18-Jährige, dessen Talent im Kartsport schnell zu sehen war. 

2010 wurde er Champion im ADAC Kart Masters, diese Erfolge wiederholte er 2011 und 2012. Dazu kommen zahlreiche weitere Titel, Siege und Triumphe. 2018 fühlte er sich schließlich bereit für den Umstieg vom Kart- in den Tourenwagensport. Hesse war damals gerade 16 Jahre alt, doch schnell zeigte sich, dass er auch in der neuen Umgebung bestes zurechtkommt. 

Für das Team Prosport Performance startete Hesse im Audi RS3 LMS in der ADAC TCR Germany. Seine erste Saison schloss er gleich als Sechster der Gesamtwertung und als Sieger der Honda Junior Challenge ab. Dafür erhielt er einen neuen Honda Civic - doch für den ambitionierten Hesse, der eine Ausbildung zum Speditionskaufmann absolviert, war das längst kein Grund, es langsamer angehen zu lassen. 

Im Gegenteil: Für das Jahr 2019 folgte der Wechsel zum Hyundai Team Engstler und der Umstieg vom Audi RS3 LMS in den Hyundai i30 N TCR. Dass das der richtige Schritt war, zeigte sich im Saisonverlauf. Gleich in Oschersleben fuhr er als Zweiter und Dritter zwei Podiumsplatzierungen ein, in Zandvoort feierte er dann schließlich seinen ersten Saisonsieg. Hesse punktete zwar konstant, vor allem aber in der zweiten Saisonhälfte war er nicht zu stoppen. 

Auf dem Nürburgring wurde er Zweiter hinter dem Rallye-Superstar Thierry Neuville (31, Belgien), der als Gast dabei war. Dazu kamen ein weiterer Sieg und vor allem ein überragendes HockenheimWochenende, an dem er die Führung in der Gesamtwertung übernahm und diese nicht mehr abgeben sollte. "Mittlerweile habe ich es so weit hoch geschafft. Bis in die ADAC TCR Germany und jetzt zum Champion", sagte Hesse: "Diesen Erfolg werden wir jetzt groß feiern und genießen."

Hofor Racing by Bonk Motorsport - die Champions in der Team-Wertung der ADAC GT4 Germany

  • Hofor Racing by Bonk Motorsport ist eine Kooperation aus zwei Rennställen
  • Die Mannschaft um Teamchef Michael Bonk punktet in allen zwölf Läufen der ADAC GT4 Germany
  • In Lauf eins am Red Bull Ring gelang der einzige Saisonsieg
Hofor Racing by Bonk Motorsport holt den ersten Titel in der neuen GT4 Meisterschaft
Foto: Jens Hawrda

Hofor Racing by Bonk Motorsport hat es geschafft. Mit einem starken Endspurt beim Rennwochenende am Sachsenring sicherte sich der deutsch/schweizerische Rennstall den Titel in der Team-Wertung der ADAC GT4 Germany. Hofor Racing by Bonk Motorsport setzte in der Saison 2019 zwei BMW M4 GT4 für Michael Schrey (36/Wallenhorst) und Thomas Jäger (25/AUT) sowie Claudia Hürtgen (48/Aachen) und Michael Fischer (24/AUT) ein. "Das ist der absolute Hammer und gleichzeitig auch der größte Triumph in unserer Teamgeschichte", jubelte Teamchef Michael Bonk. "Vor der Saison hätte ich nie mit diesem Titel gerechnet. Denn ich hatte 2019 eigentlich als ein Lernjahr eingeplant. Meine vier Piloten haben allesamt einen starken Job gemacht. Wir sind nicht unbedingt immer auf Sieg gefahren, sondern haben ab und zu auch taktieren können. Das zahlte sich letztendlich aus." 

Hofor Racing by Bonk Motorsport kann auf eine sehr konstante Saison in der ADAC GT4 Germany zurückblicken. In allen zwölf Läufen der neuen Rennserie wurden Meisterschaftspunkte eingefahren. Am besten lief es am Red Bull Ring, als mit einem Sieg im Samstagrennen und einem zweiten Platz sonntags zwei Podiumsplatzierungen erzielt wurden. "Das war sicherlich das Highlight in dieser Saison", resümiert Bonk. "Gleichzeitig gab es aber genau an diesem Wochenende auch den Tiefschlag der Saison, als in Lauf zwei an einem unserer Autos in aussichtsreicher Position die Bremse explodierte. Da hat Michael Schrey im Cockpit sein fahrerisches Können bewiesen und sehr gut reagiert." Nachdem beim vorletzten Rennwochenende am Hockenheimring insgesamt nur 17 Zähler in der Team-Wertung verbucht wurden, reiste Hofor Racing by Bonk Motorsport mit einem Rückstand von zehn Punkten auf Tabellenrang zwei liegend zum Finale an den Sachsenring. Dort konnte das Ruder mit insgesamt 36 eingefahrenen Zählern noch herum gerissen und letztendlich Team-Meisterschaft der ADAC GT4 Germany sichergestellt werden. 

Hofor Racing by Bonk Motorsport ist eine Kooperation aus zwei Rennställen. "Ich bin mit Martin Kroll von Hofor Racing schon recht lange befreundet und seit 2018 treten wir unter dieser Nennung an. Hofor ist übrigens auch kein Name, sondern jener Ort, an dem die Familie Kroll ansässig ist", erklärt Bonk. "Die beiden BMW M4 GT4 sind jedoch am Standort von Bonk Motorsport in Münster stationiert und werden dort auch technisch betreut." 

Bonk Motorsport wurde 1998 gegründet und fuhr seitdem viele Erfolge und Titel auf der Nordschleife des Nürburgrings ein. 2019 folgte mit dem Auftritt in der ADAC GT4 Germany schließlich der Wechsel in den Sprint-Bereich. Dafür wurden im Winter extra zwei brandneue BMW M4 GT4 angeschafft. "Zuvor haben wir Motorsport nur auf der Langstrecke betrieben. Wir haben durch den Einsatz in der ADAC GT4 Germany in diesem Jahr so viel gelernt, wie in den letzten zehn Jahren nicht", vergleicht Bonk. "Es gibt unzählige Dinge, die im Sprint komplett anders laufen. Das hätte ich vor der Saison in dieser Form überhaupt nicht erwartet. Beispielsweise ist es tatsächlich viel mehr Arbeit, ein Auto für eine Sprint-Qualifikation aufzustellen. Da kommt es auf jedes noch so kleine Detail an." 

Auch im kommenden Jahr möchte Hofor Racing by Bonk Motorsport der ADAC GT4 Germany erhalten bleiben. "Wir fühlen uns in der Serie wohl und haben sehr gut Fuß gefasst. Sollten wir alles finanziert bekommen, sind wir auch 2020 mit dabei. Wir befinden uns gerade in diversen Gesprächen. Grob gesagt, planen wir wieder mit demselben Paket - sprich zwei BMW M4 GT4. Es macht keinen Sinn, die Marke zu wechseln", gibt Bonk einen Ausblick auf die nächste Saison. "Ich komme von der Nordschleife. Aber mir macht diese Art Rennserie derzeit viel mehr Spaß. Das ist genau das Betätigungsfeld, in dem ich mich mit dem Team in den nächsten Jahren tummeln möchte", freut sich Bonk schon auf den Saisonstart 2020 der ADAC GT4 Germany.

Mads Siljehaug und Eike Angermayr - Das sind die ersten Champions der ADAC GT4 Germany

  • Mads Siljehaug und Eike Angermayr sichern sich im letzten Saisonrennen den Meistertitel
  • KTM-Duo reiste mit einem Rückstand von 18 Punkten zum Finale an den Sachsenring
  • Mit zwei Saisonsiegen und zwei weiteren Podiumsplätze zum Titel

Mads Siljehaug (23/NOR) und Eike Angermayr (20/AUT, beide Felbermayr-Reiter) sind die Premieren-Meister der ADAC GT4 Germany. In einem spannenden Finale sicherte sich das norwegisch/österreichische Duo mit dem KTM X-Bow GT4 durch einen siebten Platz im Sonntagsrennen auf dem Sachsenring den Titel in der Fahrerwertung. "Es ist einfach unglaublich schön, die Meisterschaft eingefahren zu haben. Denn die Chancen waren bei der Anreise an den Sachsenring eher gering", meinte Teamchef Hans Reiter. "Beide Piloten haben einen ganz unterschiedlichen Charakter. Mads ist der emotionale Draufgängertyp; Eike hingegen eher der nachdenkliche Professor. Doch die Mischung aus wild und überlegt, war im Verlauf der Saison vielleicht gerade der Schlüssel für den Erfolg." 

Siljehaug und Angermayr befanden sich die gesamte Saison über immer in der Spitzengruppe der Meisterschaftstabelle. Bereits am ersten Rennwochenende in Oschersleben konnte mit Platz zwei im Sonntagsrennen das erste Podium eingefahren werden. Ein weiterer Saisonhöhepunkt war der Auftritt im niederländischen Zandvoort, als nach Platz zwei in Lauf 1 sonntags der erste Saisonsieg gefeiert werden konnte. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar, dass das KTM-Duo zu den ganz großen Favoriten im Titelkampf der ADAC GT4 Germany zählen würde. Zum Finale auf dem Sachsenring reisten Siljehaug und Angermayr mit 18 Punkten Rückstand als Zweitplatzierte in der Meisterschaftstabelle an. Doch mit einem Laufsieg am Samstag und einem siebten Platz sonntags rissen die neuen Meister das Ruder im Titelkampf nochmals um. 

Eike Angermayr hat einen ungewöhnlichen Karriereweg hinter sich. "Zum Motorsport bin ich durch meinen Vater gekommen. Er begann 2010 im KTM-Markenpokal - der sogenannten X-Bow Battle. Damals hatte ich ihn immer begleitet. Im gleichen Jahr bekam ich ein Kart, bin damit aber nur zum Spaß gefahren. 2015 startete ich dann erstmals selbst in der X-Bow Battle. In meinem ersten Rennen verlor ich auf der Kurzanbindung des Nürburgrings circa zehn Sekunden auf Reinhard Kofler. Doch dann ging es steil bergauf", blickt der heute 20-Jährige schmunzelnd zurück. 

2016 saß Angermayr erstmals in der geschlossenen GT4-Variante des X-Bow, die von KTM und Reiter gemeinsam entwickelt wurde. Ein Fahrzeug, das Angermayr auf Anhieb überzeugte. 2017 folgte gleich der Meistertitel im KTM-Markenpokal und der erste Laufsieg in der GT4-Europameisterschaft. Nach einer eher durchwachsenen Saison 2018 stand für 2019 der Wechsel in die neugeschaffene ADAC GT4 Germany an. Mit dem jetzt eingefahrenen Titel ist dem Österreicher nun der Durchbruch gelungen. 

"Das ist mit Abstand der größte Triumph meiner Karriere", erklärt Angermayr, der privat gerne ins Fitnessstudio geht. "Tatsächlich war ich mit meiner persönlichen Performance in manchen Rennen nicht zufrieden. Was uns den Meistertitel eingebracht hat, war zu großen Teilen sicherlich auch unsere konstante Arbeit als Team. Am liebsten würde ich in derselben Fahrerpaarung den Meistertitel verteidigen." 

Sein Teamkollege Mads Siljehaug hatte sich bereits im Alter von vier Jahren mit dem Rennsport-Virus infiziert. Zunächst saß er jedoch auf zwei Rädern und betrieb sechs Jahre lang Motocross. "Nach einem Unfall hatte ich jedoch den Spaß daran verloren und wechselte in den Kartsport", erzählt der Norweger, der aus der ehemaligen Olympiastadt Lillehammer stammt und als Kind auch fünf Jahre lang Skispringen probierte. 2012 stieg Siljehaug in eine norwegische Formel-Rennserie ein und gewann sofort das Landesfinale. In der ersten vollen Saison 2013 sicherte sich Siljehaug dann gleich die skandinavische und die norwegische Meisterschaft und gewann erneut das Landesfinale in seiner Heimat. 

Um Geld für weitere internationale Auftritte zu sparen, legte Siljehaug 2014 und 2015 eine motorsportliche Pause ein. 2016 nahm er an einem Nachwuchsprogramm von Reiter Engineering teil und und startete in der europäischen GT4-Serie. 2017 gewann Siljehaug schließlich das 'Young Stars' genannte Reiter-Programm und sicherte sich dadurch eine Saison in einem von Reiter entwickelten GT3-Lamborghini auf europäischer Bühne. 

2018 zog Siljehaug schließlich an den Reiter-Teamsitz nach Kirchanschöring. "Ich wohne keine 15 Meter von meinem Arbeitsplatz entfernt", lacht er. "Somit habe ich auch auch viel Entwicklungsarbeit an der 2018er Spezifikation des X-Bow GT4 durchgeführt." Für 2019 unterschrieb Siljehaug einen Fünfjahresvertrag bei Reiter und feiert mit dem Titel der ADAC GT4 Germany den nächsten großen Erfolg. "In der ADAC GT4 Germany sind die Rennen einfach nur Klasse. Mit unserem Team fühlen wir uns hier richtig wohl. Für die Saisonabschlussparty habe ich mir sogar extra eine Lederhose gekauft. Das wird sicher eine mega Sause. Ich würde es lieben, im nächsten Jahr wieder in der ADAC GT4 Germany zu fahren. Es ist die beste Serie, in der ich jemals gefahren bin."

HCB-Rutronik Racing: vom Neueinsteiger zum doppelten Titelgewinner

  • Rennstall siegt in Debütsaison im ADAC GT Masters in Fahrer- und Teamwertung
  • Mannschaft holte drei Siege und vier Pole-Positions
  • Teamchef Fabian Plentz: "Unfassbar, dass es für uns so lief"
Foto: Jens Hawrda

Sie kamen, sahen und siegten: Nach dem vorzeitigen Titelgewinn von Patric Niederhauser (27/CH) und Kelvin van der Linde (23/ZA, beide HCB-Rutronik Racing) in der Fahrerwertung sicherte sich HCB-Rutronik Racing mit dem Sieg im Sonntagsrennen auf dem Sachsenring auch den Titel in der Teammeisterschaft. Damit gelang dem Rennstall aus Baden-Württemberg in seiner Debütsaison in der "Liga der Supersportwagen" das Double. "Eine unglaubliche Saison", so Teamchef Fabian Plentz. "Den Titel hat sich das Team wirklich verdient. Es hat unglaublich hart für den Erfolg gearbeitet." 

Gegründet wurde der Rennstall 2010 von Hans Christoph Behler, dessen Initialen dem Team seinen Namen gaben. Anfangs konzentrierte sich die Mannschaft vor allem auf Rennen und Meisterschaften im Amateurbereich, wo zahlreiche Siege und Titel eingefahren wurden. Danach folgte der Schritt in den GT-Sport. 2016 startete HCB-Rutronik Racing erstmals beim FIA GT World Cup in Macau, bei dem das Team - mit Werksunterstützung von Audi Sport customer racing - im November mit dem frischgebackenen ADAC GT Masters-Champion van der Linde auch in diesem Jahr wieder startet. Anfang des Jahres stieg HCB-Rutronik Racing nach umfangreicher Planung dann in die "Liga der Supersportwagen" ein. "Die Vorbereitung war ein wichtiger Schlüssel für unseren Erfolg", so Fabian Plentz. "Unser Einstieg in das ADAC GT Masters war ein knapp zweijähriger Prozess. Es war alles gut überlegt." Erfolge ließen nicht lange auf sich warten: Das erste Podium gleich im ersten Rennen, erste Pole-Position, erster Sieg und Tabellenführung beim zweiten Rennwochenende in Most. Am Jahresende standen neben dem Fahrer- und Teamtitel drei Rennsiege, vier Pole-Positions und acht Podiumsplätze zu Buche. 

Mit diesen Erfolgen hatte Plentz nicht gerechnet: "Natürlich ist der Plan, wenn man Rennen fährt, zu gewinnen. Aber wir hatten natürlich nicht den Anspruch, im ersten Jahr den Titel zu holen. Mein Ziel war es, auf das Podium zu fahren, was in einer solch engen Serie wie dem ADAC GT Masters schon ein großer Erfolg ist. Als wir das jedoch schon im ersten Rennen geschafft hatten, und beim zweiten Lauf in Most die erste Pole-Position und den ersten Sieg einfuhren, haben wir dann irgendwann doch Richtung Meisterschaft geguckt. Ich habe gewusst, dass wir erfolgreich sein können, aber dass es so lief, ist unfassbar." Mit seinen vier Fahrern ist Plentz daher zufrieden: "Patric und Kelvin haben einen Topjob gemacht. Unsere Youngster Dennis Marschall und Carrie Schreiner haben sich im Laufe der Saison immer mehr gesteigert und sind in Hockenheim sogar auf das Podium gefahren. Dennis war in der zweiten Saisonhälfte im Qualifying extrem stark und hat eine Pole-Position geholt und ist drei Mal in die erste Startreihe gefahren. Für Carrie war es von Anfang an ein Lehrjahr. Sie hat viel Erfahrung gesammelt und hat sich vor allem in den Zweikämpfen sehr weiterentwickelt." 

Ein weiterer wichtiger Faktor für den Erfolg des Teams war die Verpflichtung von Ex-Le-Mans-Sieger Manuel Reuter als Sportlicher Direktor. "Wir machen sehr viel für eine gute Stimmung im Team. Das war auch einer der Gründe, weshalb wir Manuel Reuter verpflichtet haben. Er weiß einfach, worauf es ankommt. Ich habe immer gesagt, alle - das Team und die Fahrer - müssen sich freuen, zu einem ADAC GT Masters-Lauf zu fahren. Und das haben wir glaube ich ganz gut geschafft", so Plentz. 

Seinen Sitz hat HCB-Rutronik Racing in Remchingen, knapp 20 Kilometer von Karlsruhe entfernt, in einem modernen, 4.000 Quadratmeter großen Areal. Dort befindet sich unter anderem die Werkstatt für die Fahrzeuge, ein Ersatzteil- und Reifenlager und ein Fahrsimulator. Auch die umfangreiche Rennwagenflotte ist dort beheimatet. Zu dieser gehören insgesamt zehn Audi R8 LMS und R8 LMS ultra, drei SEAT León Supercopa und sechs Sportwagen von Radical.