Dienstag, 13. Mai 2025

Spannung pur und überraschende Podiumsplätze beim ersten IDM Wochenende in Oschersleben

Foto: Jens Hawrda

Vom 9. bis 11. Mai 2025 startete die IDM mit einem spannenden Auftakt in Oschersleben. Neben der neuen Klasse IDM Sportbike überzeugte vor allem das stark besetzte Superbike-Feld mit packenden Rennen. Ducati, Honda, Kawasaki und BMW lieferten sich harte Kämpfe um die Spitze. Hannes Soomer glänzte mit zwei Podiumsplätzen, während das Team Gert56 stark auftrumpfte und Lukas Tulovic seinen ersten Seig einfahren konnte. Auch abseits der Strecke sorgten Ehrungen und Premieren für emotionale Momente.

Vom 9. bis 11. Mai 2025 fand der erste Lauf zur IDM statt. Mit einer neuen Klasse und einem besonders stark besetzten Feld im Bereich der Supersportler versprach die Premiere viel Spannung.

In der Königsklasse der IDM Superbike wollte Florian Alt versuchen den Titel, den er 2024 verletzungsbedingt verloren hatte, für Honda zurückzuholen und Kawasaki mischte mit Philipp Steinmayr ganz vorne mit. Auch Ducati war mit Lorenzo Zanetti, italienischer Meister von 2023 und dem GP-erprobten Lukas Tulovic mit zwei starken Fahrern am Start. Mittendrin war auch das Team von Gert56 mit Toni Finsterbusch und Jan-Ole Jähnig das auf den PS-starken BMWs um den Titel mitkämpften wollte.

Beim ersten IDM-Superbike-Rennen über 18 Runden herrschten ideale sonnige Bedingungen. Lukas Tulovic startete von der Pole, wurde aber schnell in enge Zweikämpfe mit Florian Alt verwickelt, wovon Leandro Mercado profitierte und die Führung übernahm. Tulovic musste in Runde drei aufgeben, auch Alt schied mit technischen Problemen aus. Das Team Gert56 nutzte das Chaos und rückte nach vorn. Drei Runden vor Schluss wurde es spannend, denn Mercado stürzte unter Druck von Hannes Soomer, der das Rennen schließlich gewann. Auf Platz zwei und drei landeten die Teamkollegen Toni Finsterbuch und Jan-Ole Jähnig vom Team Gert56.

Das zweite Rennen der IDM Superbike stand am Sonntagnachmittag auf der Agenda. Mit der vollen Ducati-Power konnte sich Lukas Tulovic wieder an der Spitze behaupten. Gejagt wurde er erneut vom Honda-Piloten Florian Alt. Aus der zweiten Renngruppe setzte sich nach ein paar Runden Lorenzo Zanetti ab und versuchte die Spitze zu verfolgen.

Zwei Runden vor Schluss konnte Zanetti in einem gelungenen Manöver Florian Alt überholen. Mit einer harten Attacke konnte sich dieser aber seine Position zurück erkämpfen. Hannes Soomer nutzte das Duell der beiden, sodass er sich erneut einen überraschenden zweiten Podiumsplatz sichern konnte. Florian Alt verlor zum Schluss das Battle mit dem Italiener Zanetti, sodass er ihm den dritten Platz überlassen musste und selbst auf dem vierten Platz ins Ziel fuhr.

Bereits am Freitag erhielten die Superbike Fahrer Florian Alt und Toni Finsterbusch für ihre bisherigen motorsportlichen Leistungen einen Stein auf dem Walk of Fame vor dem 4*-Hotel der Motorsport Arena. Beide Fahrer sind ab sofort nicht nur auf dem goldenen Stein präsent, sondern erhielten zudem eine VIP-Karte für den lebenslangen freien Eintritt zu allen Veranstaltungen in der Motorsport Arena. „Das kam für mich alles völlig überraschend“, zeigte sich Finsterbusch überrumpelt und gerührt, „einen eigenen Stein als Ehrung zu haben, das können nicht viele von sich behaupten.“ Alt würdigte das goldene Denkmal als besondere Geste. „Ich finde es schön, dass in Oschersleben so etwas gemacht wird und auch die deutschen Fahrer hochgehalten werden. Da könnten sich andere Strecken eine Scheibe davon abschneiden.“

Neu war in der Saison 2025 die Klasse IDM Sportbike. Sie ersetzte das Segment IDM Supersport 300. Mit einer Leistungsbegrenzung auf 95 PS sollte das neue Format den Herstellern ermöglichen, Einsteiger auf attraktiveren Bikes als den bisherigen 300ern ins Rennen zu schicken.

Als Einsteigerklasse seit Jahren bewährt und das erste Rennen des Wochenendes übernahm am Samstag der ADAC Junior Cup. Bei diesem kämpften die beiden sächsischen Fahrer Smilla Göttlich und Danny Hinkelmann bis zum Schluss um den Sieg, bis Danny Hinkelmann überzog und stürzte. Somit fuhr die letztjährige Gesamtdritte die letzten Meter unangefochten zum Sieg.

 

Ein Sieg und die Meisterschaftsführung für Hannes Soomer

Leandro Mercado, BMW M 1000 RR #36
Foto: Jens Hawrda

Acht Monate dauerte die Winterpause der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft IDM, bis es mit der Saison 2025 am vergangenen Wochenende in der Motorsport Arena Oschersleben und mit der Jagd nach Punkten und Pokalen endlich wieder losging. Mit neuem Namen und neuem Look aber mit gewohnter Motivation ging mit Teamchef Werner Daemen aus Belgien auch wieder das erfolgreichste Team der Serie an den Superbike-Start. Als Team Masteroil-alpha-Van Zon-BMW schickt das Team in diesem Jahr den Argentinier Leandro Mercado, den Esten Hannes Soomer, den Niederländer Milan Merckelbagh und den Ungarn Bálint Kovács ins Rennen um die Meisterschaftskrone.

Leandro Mercado ist nach zahlreichen erfolgreichen Jahren in der Superbike-Weltmeisterschaft in seiner dritten Saison der IDM Superbike und in seinem ersten Jahr auf einer BMW dabei. «Ich wäre schon gerne in die erste Startreihe gefahren», meinte er, nachdem er in der Superpole 2 mit einer Runde von 1.24,527  min den fünften Platz geholt hatte. «Im Vorjahr hätte ich für den Platz ein Fernglas gebraucht und ich bin happy, dass mir eine 1.24er-Runde gelungen ist. Eine Kleinigkeit werden wir zum Rennen noch ändern und dann kommt es sehr auf die Rennpace über die Distanz an.»

Hannes Soomer, BMW M 1000 RR #38
Foto: Jens Hawrda

Bis zur vorletzten Runde des ersten Rennens sah es für den Argentinier nach einem perfekten Auftakt aus. Er hatte die Konkurrenz teilweise bis zu vier Sekunden hinter sich gelassen, bekam es dann gegen Ende allerdings mit nachlassendem Reifen-Grip zu tun, während hinter ihm sein Teamkollege Hannes Soomer immer näherkam. Zum Schlagabtausch kam es dann nicht mehr. Mercado stürzte übers Vorderrad. «Verletzt hat er sich nicht», versicherte Teamchef Werner Daemen, «vielleicht ein wenig das Ego angekratzt. Alle Piloten hatten mit nachlassenden Reifen zu tun. Vor allem die rechte Seite war betroffen, gestürzt ist er allerdings über die linke Seite.»

Die BMW war heftig beschädigt und die Mechaniker musste sich ranhalten, um bis zum Start des zweiten Rennens wieder alles parat zu haben. Das zweite Rennen überstand Mercado dann unbeschadet, war aber nach Platz 7 im Ziel nicht wirklich happy. «Nein, das war nicht der Sonntag, wie ich ihn mir vorgestellt hatte», gab er frustriert zu. «Im ersten Rennen war klar, dass ich in Rechtskurven vorsichtig sein muss, aber dass mir an der Stelle das Vorderrad weggeht, damit hätte ich niemals gerechnet. Im zweiten Rennen war das Motorrad einfach nicht dasselbe und auch mein Gefühl war ganz anders. Vor allem in den langen Kurven hat es sich vorne seltsam angefühlt und ich war auch etwas langsamer als noch am Morgen.»

Hannes Soomer war im Vorjahr auf eine BMW umgestiegen und war bereits mit Technik aus dem Hause Daemen unterwegs. Inzwischen ist der mit WM-Erfahrung ausgerüstete Soomer voll im Team Masteroil-alpha-Van Zon-BMW integriert und fühlt sich pudelwohl an seinem neuen Arbeitsplatz. Zum Einstand eroberte er den vierten Startplatz. «Ich bin im besten Team der IDM gelandet», ist sich Soomer bewusst, «natürlich ist so ein großes Team etwas Neues. Im Vorjahr waren wir ja nur eine Hand voll Leute und hier sagt man gefühlt 100 Mal Guten Morgen. Aber ich habe meinen Crew-Chief Marko Rothlaan mitgebracht und der kennt und versteht mich und meine Fahrweise.»

Im ersten Rennen bewies der Este wieder einmal seine besondere Nervenstärke. Er ließ sich von den Turbulenzen zu Beginn des Rennens nicht aus der Fassung bringen und machte sein Ding. Anfänglich war er nicht ganz in Schlagdistanz zur Spitze, aber von Beginn an auf Podestkurs gepolt. Über die Distanz zahlte sich Soomers Taktik aus. Denn vor allem gegen Ende konnte der BWM-Pilot mächtig Druck nach vorne aufbauen. Als der Führender Leandro Mercado über das Vorderrad ausrutschte und aus dem Rennen flog, gab es für den Esten kein Halten mehr und der erste Saison-Sieg war fällig. «Es war so schade für Tati Mercado», war das Erste, was Soomer nach seinem Sieg sagte, «er war superschnell und hat 99 Prozent des Rennens geführt. Ich habe schon gemerkt, wie ich ihm näherkomme. Der Grip war zum Schluss nicht mehr so toll, aber ich konnte es managen. So ein Sieg ist natürlich der beste Weg eine Saison zu beginnen.»

Ähnlich sah seine Taktik im zweiten Lauf aus. Er hielt sich anfangs vornehm zurück und war am Ende wieder mit den nötigen Reserven unterwegs, was ihm den zweiten Platz bescherte. Und nicht nur das, auch die Meisterschaftsführung gehört nun vorerst dem Esten. «Ich war am Ende selbst etwas überrascht», gab er im Ziel zu. «Ich habe mich anfangs nicht so gut gefühlt mit dem vollen Tank und hatte auch viel Bewegung im Motorrad. Die letzten fünf Runden waren ähnlich wie am Vormittag. Wo ich konnte, habe ich meine Vorteile genutzt. Es war ein perfekter Start in die Saison, so machen wir in Schleiz weiter.»

Milan Merckelbagh vertritt im Team Masteroil-alpha-Van Zon-BMW die Nachwuchsabteilung. Schon im Vorjahr hatte sich der Niederländer bewährt und seine Erfolgskurve ging 2024 steil nach oben, unterstützt von Werner Daemen. Der 24-Jährige hatte sein Premierenjahr lediglich mit zwei Mechanikern und seinem Onkel auf die Strecke gebracht und mit guten Ergebnissen überzeugt. Die logische Konsequenz war nun der Transfer in das Team des Meistermachers. Schon beim ersten gemeinsamen IDM-Einsatz in Oschersleben gelang Merckelbagh der direkte Sprung die die Superpole 2, wo er sich am Ende den 13. Startplatz sicherte.

Ein zufriedenes Gesicht setzte der Niederländer nach dem ersten Rennen und einem famosen siebten Platz auf. Punkte erhielt er auf Grund eines Gastfahrer sogar für Rang 6. «Ich hatte eine echt gute Pace», freute er sich, «leider hatte ich am Ende ein wenig mit Arm-Pump zu tun, so dass es mir schwerfiel, nochmals hart attackieren.  Doch, es war ein gutes Rennen, ich bin auf dem richtigen Weg und happy mit den Punkten. 

Als Elfter sah der Nachwuchsmann im zweiten Rennen das Ziel. Zufrieden? Ja. Happy? Noch nicht. «Mein Start war zwar nicht so toll», so Merckelbagh, «aber meine Pace war sehr gut. Dafür war es mit den Armen nicht mehr ganz so schlimm wie im ersten Rennen und ich konnte auch zum Schluss gut auf der Bremse attackieren. Mit den beiden Rennen bin ich gut in die neue Saison gestartet. Meine Pace war gut und die Positionen okay. Aber ich will unter die Top-Acht, besser noch in die Top-Fünf. Der Anfang ist gemacht.»

Bálint Kovács musste das Rennen vom heimischen Sofa aus verfolgen. Der Ungar hatte sich im Vorfeld das Schlüsselbein gebrochen und kann erst beim nächsten IDM-Lauf ins Geschehen 2025 eingreifen. Stattdessen übernahm Máté Számadó die BMW. Doch damit noch nicht genug. Die Box des Teams Masteroil-alpha-Van Zon-BMW war am Eröffnungswochenende gut gefüllt, denn auch die Fahrer aus der Pro Superstock 1000, Ricardo Brink (NL) und Julius Ilmberger, deren offizielle Saison erst Ende des Monats beginnt, waren als IDM-Gastfahrer mit dabei und lieferten ansehnliche Ergebnisse ab.

Vom 30.Mai bis zum 1. Juni 2025 geht die IDM-Reise für das Team Masteroil-alpha-Van Zon-BMW weiter. Das Ziel ist das Schleizer Dreieck.

IDM Superbike: Premieren-Sieg für Lukas Tulovic auf Ducati

Lucas Tulovic holt seinen ersten IDM Superbike-Sieg überlegen
Foto: Jens Hawrda

Für die Mechaniker von Lukas Tulovic (Triple M Racing Ducati Frankfurt) und Florian Alt (Holzhauer Racing Promotion) gab es nach den Vorkommnissen im ersten IDM Superbike-Lauf in der Motorsport Arena Oschersleben keine Mittagspause. Im Fall von „Tulo“ lohnte sich die Entbehrung auf jeden Fall. Der Eberbacher gewann deutlich das zweite Rennen des Tages vor Hannes Soomer (Masteroil Alpha Van Zon BMW) und dem eigenen Teamkollegen Lorenzo Zanetti. Der Italiener hatte Florian Alt noch auf den letzten Metern von einem Podiumsplatz verdrängt.

Bei Tulovic und Alt war nach den technischen Ausfällen im ersten Superbike-Rennen alles genullt. Die Ducati und die Honda waren im Akkord auf den Kopf gestellt worden, um die Probleme zu beheben. Tulo, der lange geknickt mit gesenktem Kopf in seinem Stuhl in der Box saß, ging im zweiten Lauf sofort in Führung. Alt hielt dahinter die Stellung. Jan-Ole Jähnig (GERT56) hatte diesmal besser reagiert und war nach dem Start Dritter. Wie eine Perlenkette reihten sich anschließend Lorenzo Zanetti, Hannes Soomer, Toni Finsterbusch (GERT56), Leon Orgis (ORM Racing Team) und Leandro Mercado (Masteroil Alpha Van Zon BMW) nacheinander auf. Der Argentinier blieb diesmal unauffällig.

Alt gehen die Optionen aus

Schnell war klar: Tulo und Alt sind unter normalen Umständen für den Rest des Feldes nicht zu knacken. Aber was ist schon normal? Zanetti raste mit vollem Speed an Jähnig vorbei. Soomer und Finsterbusch machten das nach. Tulo setzte sich in der Zwischenzeit an der Spitze ab und baute einen 3,8-Sekunden Vorsprung zu Alt auf. Dieser wiederum bekam in langsamen, aber wirkungsvollen Schritten Besuch von Zanetti. Alt rechnete zu diesem Zeitpunkt noch mit keinem Angriff, aber er kriegte die volle Packung zu spüren. Alt kam von der Ideallinie ab und gegen den Top Speed der Panigale V4R hatte er nichts entgegen zu setzen. Als der Italiener vorbei war, gingen Alt die Optionen aus für einen vorderen Podiumsplatz, aus dem am Ende überhaupt keiner wurde.

Soomer hatte sich nämlich Stück für Stück nach vorn gerobbt und legte sich auf den letzten Metern Ellbogen an Ellbogen mit Zanetti an, was P2 als Ausbeute mit sich brachte. Es ging richtig hart zur Sache.

Lucas Tulovic: nach der Enttäuschung in Rennen 1, überlegener Sieger in Rennen 2
Foto: Jens Hawrda

Tulovic bekam 3,760 Sekunden weiter vorne nicht viel mit. Er siegte überragend, herzte alle um sich herum. Das hat alles gepasst. Jetzt ist der Moto2-Europameister von 2022 auch in der IDM Superbike angekommen. „Für mich war das Rennen jetzt nicht soo spannend“, erzählte der 24-Jährige zwar danach, fügte aber sofort an, „easy going ist es aber nie, aber mit so einer Lücke nach hinten kann man das Rennen verwalten. So viel Erfahrung habe ich dann doch.“

Als Spitzenreiter fährt jedenfalls Hannes Soomer nach Hause. Er holte am Wochenende 45 Meisterschaftspunkte und hat alles richtig gemacht. Der Este fährt in einem neuen Team, das neue Farben hat, nur der blaue Helm ist von seinem markanten Outfit geblieben. Damit ihn seine Mutter im Live-Stream auch sofort erkennt. Das war in Oschersleben groß und deutlich der Fall. Finsterbusch hat 31 Punkte und Zanetti 29.

Was sonst noch aufgefallen ist: Die Orgis-Brüder Leon und Kevin aus dem privaten ORM Racing Team aus Arnsdorf landeten beide in den Top Ten.

Podium Rennen 2 IDM Superbike
Foto: Jens Hawrda

IDM Superbike, Rennen 2 (Top-Ten)

1. Lukas TULOVIC (DEU), Ducati

2. Hannes SOOMER (EST), BMW

3. Lorenzo ZANETTI (ITA), Ducati

4. Florian ALT (DEU), Honda

5. Toni FINSTERBUSCH (DEU), BMW

6. Jan-Ole JÄHNIG (DEU), BMW

7. Leandro MERCADO (ARG), BMW

8. Leon ORGIS (DEU), BMW

9. (G)Máté SZÁMADÓ (HUN), BMW

10.Kevin ORGIS (DEU), BMW


Quelle: idm.de / Anke Wieczorek


Montag, 12. Mai 2025

IDM Supersport: Dirk Geiger siegt in Rennen 2

Dirk Geiger, Honda CBR 600 RR #60
Foto: Jens Hawrda


Nach dem technischen Defekt im ersten IDM Supersport-Lauf in der Motorsport Arena Oschersleben besiegte Dirk Geiger (MCA Racing) im zweiten Aufeinandertreffen am Wochenende in einem hautengen Duell über 15 Runden den Titelverteidiger Andreas Kofler (Yamalube Motorsport Kofler).

Andy Kofler wollte sich mit einem seiner spektakulären Blitzstarts aus dem Staub zu machen. In dieser Hinsicht ist kein Kraut gegen den 20-jährigen Yamaha-Fahrer gewachsen. Dirk Geiger musste mit seiner Honda in dieser Phase unbedingt dranbleiben. Ansonsten hatte er keine Chance, sich mit seinem Gegner anzulegen. Das war ihm völlig klar, auch wenn er dadurch schon zu Beginn des Rennens ans Limit gehen musste. Ducati-Fahrer Daniel Blin (AF Racing) musste als Dritter den Zug abreißen lassen, doch mit ihm war ein weiterer Topanwärter auf den Sieg vorne dabei. Und gleichzeitig die Marken Yamaha, Honda und Ducati. Die Herstellervielfalt war beeindruckend.

Vier Runden dauerte es, bis sich Luca de Vleeschauwer (Track and Trades Wixx Racing) an Blin vobeigepresst hatte. Zwei Umläufe später knackte Geiger den bis dahin führenden Kofler, kriegte aber eine Retourkutsche. Melvin van der Voort (Track and Trades Wixx Racing) zog in der neunten Runde an Julius Caesar Rörig (MCA Racing) vorbei. Nur endete die Aufholjagd des langhaarigen Niederländers vorzeitig mit einem jähen Stopp: Sturz in der elften Runde.

Haariges Duell auf Augenhöhe

Als Geiger in der zwölften Runde den nächsten Angriff auf Kofler startete, schlug dieser abermals zurück. Und es ging noch weitaus enger. Für Geiger war das Rennen noch nicht entschieden. Zwei Führungswechsel innerhalb von zwei Kurven, ein paar Berührungen, aber ein fairer Ausgang. Auf dem Zielstrich hatte Geiger einen Vorsprung von 95 Tausendstelsekunden auf der Uhr stehen. Das war knapp. Und der Sieger strahlte: „Das war ein mega Wochenende. So ein Defekt wie gestern, der kann passieren. Heute habe ich meinen Plan eiskalt durchgezogen. Es waren ein paar geile letzte Runden.“ Da konnte ihm Kofler nur zustimmen, obwohl er lieber gewonnen hätte. Er meinte: „Ich habe mir das anders gewünscht. Aber so lange der Dirk und ich vorne so spielen, ist mir das Recht.“

Bis ins Ziel ein enger Kampf zwischen Dirk Geiger (vorn) und Andreas Kofler
Foto: Jens Hawrda

Luca de Vleeschauwer hatte auch Sieg-Ambitionen gehabt, nachdem er gestern im ersten Supersport-Lauf Zweiter geworden war, „aber ich war völlig damit beschäftigt, das Tempo zu halten und habe zugesehen, dass ich wenigstens den dritten Podiumsplatz bekomme.“

Kofler reist mit 45 Meisterschaftspunkten als Gesamt-Erster aus Oschersleben ab. De Vleeschauwer hat 36 und Geiger 34 Zähler. Vermutlich wird sich MCA-Teamchef Stefan Schmidt das Ergebnis einrahmen. Sein Sohn Julius Caesar Rörig kam als Vierter ins Ziel und toppte damit noch das bisherige Karriere-Highlight aus dem ersten Rennen, als er Sechster war. Rörig platzte fast vor Stolz und fuhr noch in der Auslaufrunde zu Sieger Geiger, um ihn über das komplette Teamergebnis zu informieren.

Luca Göttlicher (Kawasaki Weber Racing) erreichte das erste Top-Ten-Ergebnis für Kawasaki und auch für Iñigo Iglesias (Triumph Germany Racing Team) ging es vorwärts.

IDM Supersport, Rennen 2 (Top-Ten)

1. Dirk GEIGER (DEU), Honda

2. Andreas KOFLER (AUT), Yamaha

3. Luca DE VLEESCHAUWER (BEL), Ducati

4. Julius Caesar RÖRIG (DEU), Honda

5. Štepán ZUDA (CZE), Yamaha

6. Filip FEIGL (CZE), Triumph

7. Marvin SIEBDRATH (DEU), Yamaha

8. Luca GÖTTLICHER (DEU), Kawasaki

9. Iñigo IGLESIAS BRAVO (ESP), Triumph

10.Lennox LEHMANN (DEU), Yamaha


Quelle: idm.de / Anke Wieczorek


IDM Sportbike: Doppelsieg für Oliver Svendsen in Oschersleben

Oliver Svendson holt sich auch den Sieg in Rennen 2
Foto: Jens Hawrda

Was für ein Finish, was für ein Rennen! Oliver Svendsen krönt einen ohnehin erfolgreichen IDM-Auftakt mit einem spektakulären Doppelsieg in der neuen Sportbike-Klasse der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) in Oschersleben. Nach einem dramatischen Rennverlauf am Sonntag holte sich der Däne auch im zweiten Lauf den Sieg – mit einem hauchdünnen Vorsprung von nur 0,03 Sekunden vor Petr Svoboda. Und auch Rang drei sorgte für Schlagzeilen: Justin Hänse feierte bei seinem IDM-Debüt den ersten Podestplatz seiner Karriere.

Bereits am Samstag hatte Svendsen mit dem Sieg im Premierenrennen ein Ausrufezeichen gesetzt. Am Sonntag jedoch toppte der Vorjahreschampion der IDM Supersport 300 seine Leistung – und brachte dabei nicht nur das Team Triumph Germany Racing, sondern auch die Fans am Streckenrand an ihre Belastungsgrenze.

Zunächst bestimmte Petr Svoboda (WRP Racing) das Tempo an der Spitze. Der Tscheche zog seine Runden souverän und sah lange wie der sichere Sieger aus – bis in Runde zehn plötzlich IDM-Neuling Luis Rammerstorfer (Freudenberg RoRa-Paligo Racing) auftrumpfte. Der 17-jährige Österreicher überholte die Spitzengruppe und setzte sich überraschend an die Spitze. Doch der Traum vom Durchmarsch endete abrupt: Drei Runden vor Schluss riss die Kette an seinem Bike – aus und vorbei, ausgerechnet in seiner stärksten Phase.

Svoboda übernahm erneut die Führung, doch Svendsen lauerte – und schlug, wie auch im ersten Lauf, in der finalen Runde zu. Mit einem konsequenten Überholmanöver schnappte er sich die Spitze, ging volles Risiko – und geriet kurz darauf selbst ins Straucheln. Svendsen ging zu stark ans Gas, sodass seine Triumph sich plötzlich heftig aufschaukelte. Doch dem Routinier gelang es, die Maschine noch abzufangen und damit mit Ach und Krach einen Highsider zu verhindern. Die Folge: Svoboda war wieder vorne, mit 0,8 Sekunden Vorsprung.

Doch Svendsen gab nicht auf. Mit aller Entschlossenheit holte er alles aus seiner Triumph Daytona 660 heraus, flog förmlich durch den letzten Sektor – und war kurz vor der Zielkurve wieder am Heck seines Gegners. In der letzten Kurve setzte Svenden zur finalen Attacke an, zog Kopf an Kopf mit Svoboda auf die Zielgerade – und entschied das Rennen um eine Reifenbreite für sich. 0,03 Sekunden! Das war Motorsport-Drama vom Feinsten. „Der Tag begann alles andere als ideal – im Warm-up bin ich gestürzt. Aber das Rennen war dann ein richtig intensiver Fight“, schilderte Svendsen. „Gegen Rennende ließ mein Reifengrip spürbar nach, und in der letzten Runde wurde es nochmal richtig brenzlig mit einem beinahe-Highsider, den ich gerade noch abfangen konnte. Aufgeben kam für mich nicht infrage. Ich habe alles reingeworfen, was ging – und wurde belohnt. Ein rundum erfolgreiches Wochenende für uns.“ Für Petr Svoboda blieb erneut nur Rang zwei – doch seine Performance zeigte erneut, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis auch er als Erster übers Ziel kommt.

Justin Hänse (Motorradtke GYTR by Penz13) konnte unterdessen vom Pech Rammerstorfers profitieren. Der 22-Jährige aus Harth-Pöllnitz schnappte sich Rang drei – und damit das erste IDM-Podium seiner Karriere. Hänse, der bislang vor allem auf der Langstrecke zu Hause war, zeigte bei seinem IDM-Einstand eine starke Leistung und bewies Konstanz.

„Ich freue mich riesig über meinen dritten Platz“, so Hänse nach dem Rennen. „Ehrlich gesagt habe ich nicht damit gerechnet, so früh schon auf dem Podium zu stehen – auch wenn ich natürlich vom Ausfall von Luis profitiert habe. Trotzdem: Das ist ein tolles Ergebnis für mich und ein super Einstand in die IDM.“

Wie schon im ersten Lauf lieferten sich Rick Kooistra (Pearle Gebben Racing) und Ben Kugler (motolife) erneut ein intensives Duell. Wieder behielt der Niederländer Kooistra die Oberhand und sicherte sich Platz vier. Kugler musste sich mit Rang fünf zufriedengeben.

Felix Kauertz (WSC-Racing by Aprilia & Racefoxx – Vizemeister des Yamalube Yamaha R7 Cups 2024 – brachte seine Yamaha als Sechster ins Ziel. Dahinter folgte Korbinian Brandl (AK Racing Team), während IDM-Routinier Sven Seidler (ViVa by Peuker & Streeb), Alexander Weizel (AK Racing Team) und Anton Södergren (Triumph Germany Racing Team) die Top-10 komplettierten.

Podium Rennen 2 IDM Sportbike
Foto: Jens Hawrda

IDM Sportbike Ergebnis Rennen 2 (Top-Ten)

  1. Oliver SVENDSEN
  2. Petr SVOBODA
  3. Justin HÄNSE
  4. Rick KOOISTRA
  5. Ben KUGLER
  6. Felix KAUERTZ
  7. Korbinian BRANDL
  8. Sven SEIDLER
  9. Alexander WEIZEL
  10. Anton SÖDERGREN

Quelle: idm.de / Rowena Hinzmann