Dienstag, 13. August 2024

Kelvin van der Linde: Attacke auf die Tabellenspitze am Nürburgring

  • Audi-Pilot liegt vorm Start in die zweite Saisonhälfte knapp hinter Spitzenreiter Bortolotti
  • Der Südafrikaner spricht über seine besondere Beziehung zum Nürburgring und erklärt, was ihn mit seinem Team Abt Sportsline diese Saison so stark macht

Kelvin van der Linde, Audi #3
Foto: Jens Hawrda

Sieben verschiedene Sieger in acht Rennen: Die DTM hat einen spannende und abwechslungsreiche erste Saisonhälfte hinter sich. Am Nürburgring (16. bis 18. August) steigt der Auftakt in die zweite Halbzeit, ein Fahrer reist mit besonders großer Vorfreude in die Eifel: Kelvin van der Linde. „Endlich geht es wieder ins Rennauto. Auf dem Nürburgring habe ich in der Vergangenheit fast immer gut performt und schon viele Erfolge gefeiert. Ich freue mich auf das Wochenende“, sagt der Südafrikaner. Dieses Jahr überzeugte van der Linde mit bislang einem Sieg und insgesamt drei Podiumsplätzen. Stürmt der Audi-Pilot von Abt Sportsline am Nürburgring an die Tabellenspitze? In die zweite Saisonhälfte geht van der Linde als schärfster Verfolger von Spitzenreiter Mirko Bortolotti (Italien). Der Lamborghini-Werksfahrer von SSR Performance hat zuletzt am Norisring die Gesamtführung von van der Linde übernommen und führt mit einem knappen Vorsprung von sechs Punkten.

Die Sprintvariante des Nürburgrings ist eine der kürzesten Strecken im DTM-Kalender. Trotzdem bietet das 3,629 Kilometer lange Asphaltband einen abwechslungsreichen Verlauf mit verwinkelten Abschnitten sowie langen Kurven. „Die Leidenschaft der Fans ist am Nürburgring ganz besonders. Vor drei Jahren habe ich dort das DTM-Rennen gewonnen, dazu kommen zwei Siege beim 24-Stunden-Rennen und das gemeinsame DTM-Podium mit meinem Bruder Sheldon“, sagt van der Linde. Mit dem letztgenannten Erlebnis sorgte er 2022 für ein Novum. Damals jubelte das Duo über den ersten und bis heute einzigen Doppelerfolg eines Bruderpaares in der DTM – BMW-Pilot Sheldon gewann vor Kelvin.

„Unsere Stärke liegt diese Saison darin, dass wir konstant punkten und bislang keinen Ausfall hatten“, lautet die Zwischenbilanz von van der Linde. In fünf der acht Meisterschaftsläufe fuhr er unter die Top-Sechs und platzierte seinen Audi R8 LMS GT3 Evo2 immer in den Punkterängen. „Im Qualifying konnten wir zwar erst eine Pole-Position holen, dafür haben wir uns in den Rennen stark präsentiert“, sagt van der Linde. Sein erfolgreichstes Wochenende in der ersten Halbzeit der DTM erlebte der 28-Jährige am Dekra Lausitzring, wo er seinen bisher einzigen Saisonsieg feierte und 48 seiner 98 Punkte holte. Am Nürburgring möchte der Wahl-Kemptener, der seit Anfang Juli auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, die nächste Gala-Leistung folgen lassen.

Bei allen Ambitionen auf die Gesamtführung muss van der Linde auch einen Blick in den Rückspiegel werfen, denn das Verfolgertrio hinter Bortolotti liegt eng zusammen. Nur fünf Punkte trennen van der Linde und den BMW-Fahrer René Rast (Bregenz/Schubert Motorsport) auf Rang drei. Sein Vorsprung auf den Wahl-Monegassen Maro Engel (Mercedes-AMG Team Winward) beträgt zehn Zähler. Dank dieser spannenden Ausgangslage im DTM-Titelkampf ist klar: Die Fans erwarten nach der Sommerpause aufregende Rennwochenenden. Nach dem fünften Tourstopp am Nürburgring geht es für die DTM-Stars an den Sachsenring (6. bis 8. September). Das zweite Auslandsevent des Jahres am Red Bull Ring (27. bis 29. September) in Österreich leitet die heiße Schlussphase der Saison ein, bevor der Showdown traditionell am Hockenheimring Baden-Württemberg (18. bis 20. Oktober) stattfindet.

Fahrerwertung nach 8 von 16 Rennen

1. Mirko Bortolotti (I/SSR Performance), 104 Punkte

2. Kelvin van der Linde (ZA/Abt Sportsline), 98 Punkte

3. René Rast (D/Schubert Motorsport), 93 Punkte

4. Maro Engel (D/Mercedes-AMG Team Winward), 89 Punkte

5. Sheldon van der Linde (ZA/Schubert Motorsport), 78 Punkte

Montag, 12. August 2024

DTM auf dem Nürburgring: Bortolotti geht als Gejagter in die zweite Saisonhälfte

  • Lamborghini-Pilot möchte Vorjahressieg wiederholen und Tabellenspitze verteidigen
  • Verfolger-Trio aus Kelvin van der Linde, René Rast und Maro Engel liegt eng beisammen
  • Ralf Schumacher gibt an der Seite von Sohn David sein Motorsport-Comeback

Mirko Bortolotti #92
Foto: Jens Hawrda

Die DTM kommt mit Vollgas aus der Sommerpause: Der Nürburgring eröffnet am kommenden Wochenende (16. bis 18. August) die zweite Saisonhälfte. Auf dem Traditionskurs in der Eifel geht der Titelkampf in die fünfte Runde. Die Formkurve spricht für Spitzenreiter Mirko Bortolotti (I), der die Konkurrenz aber dicht hinter sich hat und daher weitere Top-Ergebnisse benötigt. Allen voran Audi-Pilot Kelvin van der Linde aus Südafrika hat mit nur sechs Punkten Rückstand auf den Lamborghini-Werksfahrer die Tabellenspitze fest im Visier. Auch ein Blick in die Statistik verspricht ein spannendes Wochenende – sieben verschiedene Sieger gingen aus den acht bisherigen Rennen hervor. Ein aufregendes DTM-Event erwartet zudem Ralf Schumacher. Der ehemalige Formel-1-Fahrer feiert an der Seite von Sohn David sein einmaliges Motorsport-Comeback. Das Vater-Sohn-Duo startet für US Racing im Prototype Cup Germany. ProSieben zeigt die DTM-Läufe vom Nürburgring am Samstag und Sonntag jeweils ab 13 Uhr live im deutschen Free-TV. Online gibt es die Rennen live bei Joyn, ran.de und dem YouTube-Kanal @DTM.

Keyfacts, Nürburgring, Nürburg, Saisonrennen 9 und 10 von 16

Streckenlänge: 3.629 Meter

Layout: Elf Kurven (sieben Rechts-, vier Linkskurven), im Uhrzeigersinn befahren

Sieger 2023, Rennen 1: Mirko Bortolotti (SSR Performance, Lamborghini Huracán GT3 Evo2)

Sieger 2023, Rennen 2: Maximilian Paul (GRT Grasser-Racing-Team, Lamborghini Huracán GT3 Evo2)

Bortolotti und Rast wollen an starke Form anknüpfen

Mann der Stunde ist in der DTM aktuell Bortolotti: 52 seiner 104 Punkte holte der Fahrer von SSR Performance aus den vergangenen drei Qualifyings und Rennen. Auf seinen ersten Saisonsieg wartet Bortolotti allerdings noch – der Nürburgring könnte für ihn zum perfekten Zeitpunkt kommen. Dort glänzte der 34-Jährige in der Saison 2023 mit einem Start-Ziel-Sieg. Besonders Kelvin van der Linde drängt darauf, sich die Spitzenposition zurückzuholen. Der 28-Jährige von Abt Sportsline führte die DTM über vier Rennen an und liegt als Zweiter mit 98 Punkten in absoluter Schlagdistanz zu Bortolotti. „Meine Vorfreude ist riesig. Wir sind im Titelkampf mittendrin, das gibt dem ganzen Team eine Extra-Motivation. Die Region rund um den Nürburgring ist voller leidenschaftlicher Fans, da kommt man als Fahrer immer gern hin“, sagt van der Linde. René Rast (Bregenz) von Schubert Motorsport und Maro Engel (Monaco/Mercedes-AMG Team Winward) komplettieren das Verfolger-Trio.

BMW-Pilot Rast darf sich als echter Nürburgring-Experte bezeichnen. Bereits drei DTM-Siege gelangen dem dreimaligen Champion auf dem Kurs südlich von Bonn – alle allerdings für Audi. Im BMW M4 GT3 von Schubert Motorsport holte Rast in den vergangenen vier Rennen starke 65 Punkte und sprang vom neunten auf den dritten Gesamtrang. Knüpft der 37-Jährige am Nürburgring an sein Formhoch an? Nach vorne möchte auch Titelverteidiger Thomas Preining (A), der einen Porsche 911 GT3 R mit dem in der Eifel besonders beliebten Grello-Design pilotiert und als Gesamtsiebter auf den Faktor Heimspiel setzt. Der Porsche-Werksfahrer startet genauso wie Ayhancan Güven (TR) für das Team Manthey EMA, das seinen Sitz in Meuspath in unmittelbarer Nähe zum Nürburgring hat. Auch das Mercedes-AMG Team HRT hat eine kurze Anreise. Der Rennstall aus Drees tritt mit dem in Troisdorf bei Köln lebenden Inder Arjun Maini und Luca Stolz (Brachbach) an.

Schumacher-Start im Prototype Cup Germany

Fans am Nürburgring dürfen sich über den Auftritt eines prominenten Vater-Sohn-Gespanns freuen. Ralf Schumacher gibt im Prototype Cup Germany sein Motorsport-Comeback. Der frühere Formel-1-Pilot teilt sich mit seinem Sohn David Schumacher einen 455 PS starken Ligier-LMP3-Prototypen von US Racing. „Es war schon lange mein Wunsch, einmal ein Rennen gemeinsam mit David zu fahren, dafür steige ich gerne wieder in einen Rennwagen. Das Auto macht sehr viel Spaß, wir freuen uns auf den Start im Prototype Cup Germany“, sagt Ralf Schumacher.

Auch die ADAC GT4 Germany und der vollelektrische NXT Gen Cup sind am Nürburgring dabei. Für rasante Markenpokal-Action sorgt der Porsche Sixt Carrera Cup Deutschland. Mit der DTM Track Safari erwartet die Fans bereits am Freitag eine Rennstrecken-Expedition der besonderen Art, wenn es in Reisebussen gemeinsam mit den PS-starken Rennfahrzeugen der DTM auf den Nürburgring geht. Dazu steht in der Eifel eine Premiere auf dem Programm: Am Samstagabend ab 18.30 Uhr steigt erstmals der Wettbewerb „DTM Trucks Go and Stop“. Dabei geht es auf der Start-Ziel-Geraden darum, mit den Zugmaschinen aus dem DTM-Fahrerlager schnellstmöglich zu fahren, um dann punktgenau zu bremsen. Außerdem lädt die After Race Party von Sunshine Live am Samstagabend ab 18.15 Uhr in der DTM Fan Zone dazu ein, den Renntag in der Eifel noch in den Abend zu verlängern. Tickets für das DTM-Rennwochenende am Nürburgring gibt es ab 39 Euro unter dtm.com. Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren haben in Begleitung eines Erwachsenen freien Eintritt.


Freitag, 2. August 2024

Mercedes-AMG stellt den Bereich GT Sport strategisch neu auf

  •  Mercedes-AMG gründet Affalterbach Racing GmbH
  •  Neues Unternehmen übernimmt die Entwicklung des AMG GT3-Nachfolgemodells
  •  Restrukturierung als starkes Commitment von Mercedes-AMG zum GT Sport

Foto: Jens Hawrda

Mercedes‑AMG hat wegweisende Maßnahmen vollzogen, um den Bereich Motorsport für die zukünftigen Anforderungen und Pläne strategisch neu auszurichten. Die Performance- und Sportwagenmarke von Mercedes‑Benz hat unter dem Namen „Affalterbach Racing GmbH“ eine neue Tochtergesellschaft gegründet. Das Unternehmen wird in Zukunft alle konzeptionellen und technischen Kundensport-Aktivitäten von AMG, darunter auch die Entwicklung des neuen Mercedes‑AMG GT3‑Fahrzeugs, verantworten. Darüber hinaus plant die Mercedes‑AMG GmbH einen Teil des langjährigen Partners HWA AG zu übernehmen. Beide Unternehmen haben eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet. Mit dieser Restrukturierung bekräftigt AMG sein Bekenntnis zum GT Sport.

Affalterbach Racing GmbH projektiert Mercedes‑AMG GT3‑Nachfolgemodell

Motorsport ist in der DNA von Mercedes‑AMG fest verankert. Diese Gene sowie die entsprechende Fachkompetenz ziehen sich durch alle Bereiche und Entwicklungsabteilungen hindurch. Jene Kompetenzen werden durch das Fachwissen der Affalterbach Racing GmbH ergänzt und fokussiert für die Konzeption und Entwicklung von zukünftigen Projekten eingesetzt. Auf kürzesten Wegen können so Synergieeffekte mit verschiedenen Entwicklungsbereichen der AMG Straßenfahrzeuge geschaffen werden. Ein noch tiefgreifender technologischer Austausch in beide Richtungen ist geplant.

Die Zusammenführung des großen technischen Know-hows hat als erstes Projekt das Ziel, das Nachfolgemodell des Mercedes‑AMG GT3 zu entwickeln. Mit dieser Neukonzeption soll die Erfolgsgeschichte des internationalen Customer Racing Programms von AMG fortgeschrieben werden.

Das nächste GT3-Rennfahrzeug „Made in Affalterbach“ basiert auf einem Derivat der Mercedes‑AMG GT Familie. Die zweite Generation des zweitürigen AMG GT wurde 2023 präsentiert und seitdem wächst die Sportwagenfamilie stetig. Das bereits fünfte Mitglied, der Mercedes‑AMG GT 63 PRO 4MATIC+1,2, hat vor kurzem erst in Brooklands (England) seine Weltpremiere gefeiert.

Die Affalterbach Racing GmbH hat ihren Hauptsitz, wie AMG, in Affalterbach und wird im engen Schulterschluss mit dem Mercedes‑AMG Motorsport-Team agieren, das die Gesamtkoordination der internationalen Motorsportaktivitäten weiterhin innehat.
Zukünftige Zusammenarbeit mit der HWA AG

Neben der Gründung des neuen Unternehmens ist ein zusätzlicher strategischer Schritt geplant. Mit dem langjährigen Partner HWA AG werden intensive Gespräche geführt, den Geschäftsbereich Kunden‑Motorsport zu übernehmen. Beide Parteien haben hierfür bereits ein nicht‑bindendes Term Sheet unterzeichnet und befinden sich in der Abstimmungsphase. Durch die beabsichtigte Integration soll der hohe Standard im Bereich Mercedes‑AMG Customer Racing in Zukunft weiter ausgebaut werden. Dazu zählen neben der Bündelung von Entwicklungskompetenzen auch der internationale Kunden-Service an den Rennstrecken sowie der Ersatzteile-Support in Europa, USA, China und Australien.

Die HWA AG führt ihre sonstigen Geschäftsbereiche fort, so beispielsweise das Projekt HWA EVO. Die Neuinterpretation des ikonischen Mercedes‑Benz 190 E 2.5‑16 Evolution II wird weiterhin von der HWA AG eigenverantwortlich entwickelt, gebaut und verkauft. AMG steht dem Wiederaufleben dieses einzigartigen Fahrzeugs positiv gegenüber.

Michael Schiebe, Vorsitzender der Geschäftsführung Mercedes‑AMG GmbH
„Motorsport ist Teil der DNA von Mercedes‑AMG. Dazu zählt aktuell vor allem auch der GT Sport, in dem wir seit Jahren sehr erfolgreich sind. Diese Erfolge möchten wir in Zukunft nicht nur fortführen, sondern weiter ausbauen. Wir sehen ein nach wie vor wachsendes Interesse an GT3-Fahrzeugen und arbeiten dementsprechend auch intensiv an unserem Nachfolgemodell. Um unsere Inhouse-Kompetenz noch effektiver zu nutzen, haben wir durch die neue Business Unit am Standort Affalterbach den Motorsport-Bereich strategisch weiter gestärkt und wichtige Weichen für die Zukunft gestellt. Mit der Affalterbach Racing GmbH werden wir nun noch flexibler und schneller agieren können.“

Christoph Sagemüller, Leiter Mercedes‑AMG Motorsport
„Es freut mich sehr, dass wir mit der Neugründung der Affalterbach Racing GmbH unser langfristiges und nachhaltiges Bekenntnis zum Kundensport nochmals bekräftigen. Wir sind bestrebt, unser global äußerst erfolgreiches GT-Kundensportprogramm weiter auszubauen. Im ersten Schritt steht für die neue GmbH die Entwicklung des neuen GT3-Rennfahrzeugs im Fokus, damit wir unseren internationalen Kunden auch weiterhin ein sicheres, siegfähiges und zuverlässiges Fahrzeug anbieten können.“

IDM Superbike: Bálint Kovács ist der Team-Star hinter Mikhalchik

Bálint Kovács BMW #27
Foto: Jens Hawrda

Zwar steht er im Schatten des Tabellenführers und Teamkollegen Ilya Mikhalchik (Champion-Alpha-Van Zon-BMW), doch den eher unscheinbaren Ungarn Bálint Kovacs sollte man zunehmend auf der Rechnung haben. Nach zwei achten Plätzen auf dem Schleizer Dreieck ist sein siebter Rang in der Gesamtwertung beinahe wie eingemeißelt. Aber er will noch weiter nach vorn.

Fünf Fahrer hat Teamchef Werner Daemen für seinen seine BMW-Auftritt dieses Jahr an Land gezogen: Ilya Mikhalchik (UKR), die Österreicher Jan Mohr und Philipp Steinmayr, den 21-jährigen Max Schmidt aus Wuppertal und Bálint Kovács aus Ungarn. Eben dieser hat sich in seiner zweiten IDM Superbike-Saison im Team als bisher standhaft erwiesen. Nach seinen zwei Podiumsplätzen in Oschersleben ist er zum erfolgreichsten Fahrer hinter Mikhalchik in Daemens Kader avanciert. Wie auch der Ukrainer punktete der Ungar auf dem Schleizer Dreieck in beiden Rennen auf dem gleichen Platz. Kovács ergatterte zwei Mal acht Zähler und hat sich damit auf seinem Tabellenplatz behauptet.

Schon in den Trainings ließ er keinen Zweifel daran, dass er wie schon die letzten Rennen um einen der Top-Plätze kämpfen wollte. Zumal er an die 3,805 Kilometer lange Naturrennstrecke beste Erinnerungen hatte. „2019 war ich dort mit dem Suzuki-Cup am Start und konnte die Pole-Position, die schnellste Rennrunde und zwei Laufsiege verbuchen.“ In vergangenen Jahr nahm er bei den Superbikes zwar nur sechs Punkte mit, „aber jetzt starte ich mit mehr Erfahrung und auch mehr Wissen in das Wochenende“, meinte er im Vorfeld.

Vom achten Startplatz ging es für den BMW-Mann ins erste Superbike-Rennen des Tages. „Komplett zufrieden bin ich nicht“, offenbarte der 22-Jährige aus dem 60 Kilometer vom Balaton entfernten Székesfehérvár vor dem Start. „Mein Ziel sind die Top-Fünf. Doch was meine Rennpace angeht, bin ich zuversichtlich.“ So ganz geschmeidig verlief die Anfangsphase des ersten Laufes für ihn dann nicht, denn seine erste Runde beendete er als Zwölfter. Bis auf den neunten Platz kämpfte er sich nach vorne. Den zweiten Lauf beendete genauso. „Es ging alles sehr eng zu. In der zweiten Hälfte konnte ich sogar um den sechsten Platz mitkämpfen, mit Blick auf Platz 5. Ein Überholversuch hat mich wegen einer Berührung zwei Sekunden gekostet. Aber jetzt kommt Assen. Die Strecke mag ich und auch letztes Jahr lief es da gut für mich.“ 

Quelle: idm.de / Anke Wieczorek

Mittwoch, 31. Juli 2024

Zusammenfassung des IDM Rennwochenendes am Schleizer Dreieck

 Volles Haus und Doppelsiege auf dem Schleizer Dreieck

Packende Kämpfe nicht nur, wie hier bei den Superbikes, gab es wieder in Schleiz
Foto: Jens Hawrda

Atemberaubende Duelle, Doppelsieger in allen IDM-Klassen, ständig wechselnde Emotionen und über 30.500 Zuschauer machten die Rennen zur Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) am vergangenen Wochenende zu einer einzigartigen Sause. Deutschlands Top-Serie im Motorradrennsport feierte auf dem Schleizer Dreieck den Saisonhöhepunkt.

Vor genau 100 Jahren fand auf der berühmten Naturrennstrecke in Thüringen der erste Lauf zur Deutschen Motorradmeisterschaft statt. In der höchsten Kategorie waren nichtsteuerfreie Krafträder über 500 ccm am Start. Das Rennen über 200 Kilometer gewann Toni Bauhofer auf Megola. Ihm gelang mit 78 km/h auch die schnellste Durchschnittsgeschwindigkeit des Tages.

Jetzt, 100 Jahre später, haben die Motorräder in der Topklasse über 200 PS und sind mindestens 300 km/h schnell. Ilya Mikhalchik (Champion Alpha Van Zon) gewann am Wochenende beide Rennen vor Gastfahrer Markus Reiterberger (Masteroil by MRP) und Florian Alt (Holzhauer Racing Promotion). Damit knöpfte der BMW-Fahrer aus der Ukraine dem deutschen Titelverteidiger auf Honda die Führung in der Gesamtwertung ab. Alts Rückstand auf den neuen Spitzenreiter beträgt jetzt acht Punkte. Der 28-Jährige Engelskirchener hatte Schadensbegrenzung betrieben. Zu Beginn des ersten Laufes hatte er vor dem 30-jährigen vierfachen Superbike-Meister Markus Reiterberger die Spitze des Feldes übernommen. Der Publikumsliebling war von der dritten Position gestartet. Die Beiden lieferten sich ein Battle auf Augenhöhe. Alt hatte sich schon im Vorfeld auf den Gastfahrer gefreut.

Mikhalchik sah sich den Zweikampf von hinten an und sein Fahrstil strahlte regelrecht Gelassenheit aus. Aber es war absehbar, dass vom 27-jährigen BMW-Fahrer noch etwas kommen würde. Und Mikhalchik war tatsächlich abgezockt genug, um sich zuerst Alt und später den Bayern zurecht zu legen. Mikhalchiks viertem Saisonsieg stand nichts mehr im Wege.

Der zweite Lauf war wie eine Kopie des ersten Rennens, nur dass sich Reiterberger und Mikhalchik an der Spitze beharkten, was erneut zu Gunsten des Ukrainers ausging. Es herrschte Wehmut in Reiterbergers Brust, der als Gastfahrer keine Punkte bekam, aber schon gerne in seinem grünen Wohnzimmer gewonnen hätte. Der Bayer genießt in Schleiz Kultstatus und ist seit seinem ersten Streckenrekord im Jahr 2013 auf einer Ehren-Stele in der Stadt verewigt. Er ist fest im Glauben: „Wenn wir am Freitag mit dem nagelneu aufgebauten Motorrad so begonnen hätten, wie es heute dasteht, hätte ich die letzten 100 Meter führend ins Ziel gebracht.“ Aufregend: Florian Alt bekam Gesellschaft durch Jan-Ole Jähnig. Der erst zwei Jahre in der IDM Superbike fahrende Thüringer setzte den Titelverteidiger sogar richtig unter Druck. Und dieser wusste längst, dass man „JO“ neuerdings auf dem Zettel haben muss. Das Küken aus der GERT56-Maschinerie ist flügge geworden und wurde Vierter. Kawasaki und Yamaha haben weiterhin mit Leandro Mercado aus Argentinien und dem Österreicher Thomas Gradinger die heißesten Eisen im Feuer. Beide holten einen Top Ten-Platz. Ducati-Star Lorenzo fehlte in Schleiz verletzungsbedingt: Schlüsselbeinbruch links.

In der Auslaufrunde wurden alle Fahrer wie Helden gefeiert. Mikhalchik trennte sich von seinen Knieschonern und warf sie in die Menge. Die Zuschauer stürmten die Strecke, um die Fahrer abzuklatschen. Bengalos ließen gelbe Rauchschwaden in die Luft ziehen. So geht ein Rennen auf dem Schleizer Dreieck zu Ende.

In der IDM Supersport war es das Wochenende von Twan Smits. Der Niederländer hatte sich zum Saisonbeginn so schwer getan, jetzt ist die Welt wieder in Ordnung: Doppelsieg für den 20-jährigen Yamaha-Fahrer vom Team Apreco aus den Niederlanden.

Andreas Kofler war wie schon fast üblich ein Blitzstart von der Pole Position aus gelungen. Nach zwei Runden hatten sich Dirk Geiger (MCA Racing, Honda), Lennox Lehmann (Yamalube Motorsport Kofler), Twan Smits und Luca de Vleeschauwer (MotoLife) hinter dem Österreicher eingefädelt.

Vizemeister Smits war es anzumerken, dass er verdammt gut drauf ist. Im zweiten Sektor fuhr er fast eine Sekunde schneller als der führende Kofler. Und dieser war auch völlig überrascht, dass der 20-jährige Niederländer plötzlich neben ihm auftauchte und ihn sogar überholte. Die beiden Yamaha-Fahrer gaben nun den Takt an. In der zehnten Runde ging es drunter und drüber. Smits und Kofler rutschten parallel von der Strecke. Das sah nach einer Ölspur aus. Zwei weitere Fahrer folgten. Die rote Flagge wurde geschwenkt. Gewertet wurde die Reihenfolge der Fahrer nach der letzten vollen Runde. Sie müssen aber innerhalb von fünf Minuten samt Motorrad zurück in der Box sein. Das waren von der Spitzengruppe Twan Smits, Lennox Lehmann, Dirk Geiger, Daniel Blin. Einer fehlte: Andreas Kofler. Er fiel aus der Wertung. Es gab nur die halbe Punktzahl für die absolvierten neun statt der angesetzten 15 Runden.

Im zweiten Rennen wurde Kofler Dritter hinter dem dominierenden Twan Smits und Lennox Lehmann aus Dresden. Weil seine unmittelbare Konkurrenz auf der Naturrennstrecke nicht ganz vorn war, bleibt Kofler aber ganz lässig der Führende in der Gesamtwertung. Was sonst noch aufgefallen ist: Alle Motorradmarken, die in dieser Klasse vertreten sind, haben im Rennen Punkte geholt: Yamaha, Ducati, Triumph, Honda, Kawasaki, MV Agusta.

In der Nachwuchsklasse IDM Supersport 300 gewann Oliver Svendsen (Freudenberg KTM-Paligo Racing) beide Rennen. Der 20-jährige Däne, der kürzlich als Gaststarter sein Debüt in der Weltmeisterschaft gab und auf Anhieb Sechster wurde, gewann den ersten Lauf mit dem hauchdünnen Vorsprung von 0,065 Sekunden vor seinen Teamkollegen Ruben Bijman und Philipp Tonn. Das zweite Rennen wurde aufgrund einer Ölspur auf der Fahrbahn vorzeitig abgebrochen. Svendsen verließ Schleiz als neuer Tabellenführer in der Meisterschaft.

Die Schleizer Fans bekamen in der Klasse der Seitenwagen an diesem Wochenende eine Mischung aus wetterbedingten Herausforderungen sowie Freud und Leid geboten. Die britischen Gebrüder Sam und Tom Christie (Hannafin/LCR Yamaha) gewannen zwar beide Rennen, wurden aber als Gaststarter nicht gewertet. Stattdessen konnten die Franzosen Ted und Vincent Peugeot (Seventy Four Racing Team/LCR Yamaha) zwei Siege verbuchen und ihre Tabellenführung in der IDM-Wertung deutlich ausbauen, die in Schleiz im Mittelpunkt stand. Weil das Schleizer Dreieck mitsamt seiner Atmosphäre eine Ausnahmestellung hat, waren auch WM-Fahrer wie Pekka Päivärinta, Titelverteidiger Todd Ellis und Bennie Streuer angereist. Ausgerechnet Markus Schlosser und Lokalmatador Luca Schmidt (Team Schlosser/LCR Yamaha) mussten Federn lassen. Im Sprintrennen wählten sie die falschen Reifen und im zweiten Lauf rollte ihr Sidecar in Führung liegend in der letzten Runde aufgrund eines Motorschadens direkt vor den Zuschauern auf dem Buchhübel aus.

Fazit: Schleiz war wieder eine Reise wert und das Programm wurde durch drei Cup-Klassen und eine Autogrammstunde im Fahrerlager garniert. Das ist Motorsport zum Anfassen.