Freitag, 28. Juli 2023

Elektro-Premiere beim ADAC Racing Weekend in Oschersleben

  •  Entscheidende Saisonphase beginnt für alle Rennserien.
  •  Neue Elektro-Nachwuchsklasse NXT Gen Cup feiert Debüt in Deutschland.
  •  Historische Tourenwagen und Formelfahrzeuge des Ostens runden Programm ab.



Das ADAC Racing Weekend geht vom 28. bis 30. Juli in der Motorsport Arena Oschersleben mit einer Premiere in die zweite Saisonhälfte. Erstmals startet eine reine Elektro-Rennserien auf der Breitensportplattform. Der neue NXT Gen Cup ist die weltweit erste elektrische Tourenwagenserie für Nachwuchsfahrer und feiert in der Magdeburger Börde seine Deutschland-Premiere. Auch Freunde des konventionellen Motorsports kommen auf ihre Kosten und dürfen sich auf das GTC Race, die Spezial Tourenwagen Trophy (STT), den ADAC Tourenwagen Junior Cup und den NATC freuen, während Fans historischer Tourenwagen die Tourenwagen Classic und die HAIGO Tourenwagen im Auge behalten sollten. Historische Formelboliden hat die HAIGO ebenfalls im Gepäck. Alle Rennen werden im kostenlosen Live-Stream unter youtube.com/@adacmotorsports gezeigt; die Übertragung startet am Samstag um 10:55 Uhr und am Sonntag um 9:40 Uhr.

Im GTC Race geht es auf die Zielgerade der Saison, in Oschersleben nehmen die Teilnehmer schon das zweitletzte Rennwochenende des Jahres unter ihre Räder. Julian Hanses (Audi R8 LMS GT3) möchte seinen Vorsprung von über fünf Punkten auf Moritz Wiskirchen (Audi R8 LMS GT3) in der GT3-Gesamtwertung des GT Sprints weiter ausbauen, während seine Verfolger auf eine Schwäche des GTC-Förderpiloten warten. In der GT4-Wertung geht es noch enger zu, zwischen dem führenden Leo Pichler (Porsche 718 Cayman GT4) und dem auf Rang drei notierten Jay Mo Härtling (Mercedes-AMG GT4) liegen gerade einmal zwei Zähler. Die Klasse 3, in der unter anderem Cup-Fahrzeuge startberechtigt sind, wird aktuell von Fabian Kohnert (Porsche 911 GT3 Cup) angeführt. Im GT60 powered by Pirelli heißen die Spitzenreiter Hanses (GT3), Joel Mesch und Tim Neuser (beide Mercedes-AMG GT4) sowie Denis Liebl (KTM X-Bow GTX, Klasse 3).

Die STT begeistert in diesem Jahr mit viel Abwechslung auf dem Podest. Bisher haben sich fünf verschiedene Piloten in die Siegerliste eingetragen, einzig Stefan Wieninger (Audi R8 LMS Evo) feierte bisher zwei Triumphe. Jürgen Bender (Chevrolet Corvette C7 GT3) wartet hingegen noch auf seinen ersten großen Erfolg in diesem Jahr, nachdem er Oschersleben 2021 als Doppelsieger verlassen konnte. Aufgrund eines Motorschadens musste er die beiden Durchgänge Anfang Juli auf dem Nürburgring auslassen, arbeitet nun aber mit Hochdruck daran, wieder dabei zu sein.

Bei den Tourenwagen Classic kommt Altfrid Heger als Tabellenführer in die Magdeburger Börde. Der ehemalige DTM-Pilot bewegt einen Porsche 911 GT3 Cup aus dem Jahr 2001, ein im Starterfeld der klassischen Fahrzeuge eher jüngeres Modell. Den ältesten Renner fährt Jens Weimann; sein Ford Escort RS 2000 stammt aus 1975. Gerade einmal drei Jahre jünger ist der Opel Kadett C Coupé von Bernhard Schmidbauer, das zweitälteste Auto im Feld.

Im ADAC Tourenwagen Junior Cup, in dem alle Starter einen einheitlichen VW up! GTI pilotieren, hat sich am Nürburgring überraschend Mattis Pluschkell an die Spitze der Fahrerwertung gesetzt. Der Neuling war in beiden Durchgängen in der Eifel nicht zu schlagen und hat nun bereits drei Siege auf seinem Konto. Doch ausruhen kann sich der Rostocker noch lange nicht, denn hinter ihm lauern die beiden Routiniers Leon Arndt und Linus Hahne. Letztgenannter hat mit einem ersten und einem zweiten Platz beim Saisonauftakt 2022 bereits unter Beweis gestellt, dass ihm die Strecke nahe Magdeburg liegt, während Arndt damals immerhin eine zweite Position mit nach Hause bringen konnte.

Mit dem NXT Gen Cup können sich die Zuschauer auf eine ganz besondere Premiere freuen, denn erstmals wird die rein elektrische Nachwuchsrennserie in Deutschland Station machen. Die 14 bis 25 Jahre alten Piloten haben dabei einen einheitlichen LRT NXT1 in ihren Händen, das auf Basis des Mini Cooper SE aufgebaut wurde. Den Saisonauftakt im schwedischen Falkenberg, an dem 18 Talente aus sechs verschiedenen Nationen teilnahmen, entschieden Elias Adestam aus Schweden und der US-Amerikaner Ellis Spiezia für sich.

Mit dem NATC werden vor allem ambitionierte Hobbyrennfahrer angesprochen. Üblicherweise werden fast alle Rennwochenenden in Oschersleben bestritten und meistens besteht ein NATC-Wochenende aus zwei Sprints sowie einem Endurance-Rennen. Die Sprints gehen über die Dauer von 20 Minuten und werden von einem Fahrer absolviert, während der Endurance-Lauf, in dem sich bis zu drei Piloten ein Auto teilen können, erst nach 60 Minuten abgewinkt wird. Sprint- und Endurance-Ergebnisse werden in einer Gesamtwertung zusammengefasst, die aktuell von Michael Stutzke (BMW 318ti Cup) angeführt wird.

Einen besonderen Leckerbissen bieten die beiden HAIGO-Serien, in denen ausschließlich Tourenwagen bzw. Formelfahrzeuge zusammengefasst sind, die bis 1990 im ehemaligen Ostblock gebaut wurden. Mit seinem 1973 produzierten Melkus PT 73 steuert Norbert Haupt den ältesten Formelwagen; er tritt dabei unter anderem gegen den Melkus M 90 von Nils-Holger Wilms aus dem Baujahr 1990 an. Der älteste Tourenwagen ist der 1968 gebaute Skoda MB1000 RS von Jens Vogt; der Skoda hat damit noch einmal fünf Jahre mehr auf seinem Buckel als das betagteste Formelauto. Der Lada Samara von Dieter Hoffmann ist ganze 21 Jahre jünger und damit das modernste Modell im Tourenwagen-Feld der HAIGO.

Der Freitag startet um 9:15 Uhr mit dem freien Training des NXT Gen Cup und endet um 16:50 Uhr mit dem Qualifying des GT60 powered by Pirelli. Am Samstag geht es um 8:00 Uhr mit dem ersten Qualifying des NATC Sprint los, die Zielflagge des zweiten Rennens des NXT Gen Cup beschließt um 18:35 Uhr den zweiten Tag. Auch am Sonntag dürfen die Piloten des NATC mit einem Sprint-Qualifying wieder um 8:00 Uhr beginnen; den Abschluss des Sonntags bildet um 17:40 Uhr das Ende des zweitens Laufs der HAIGO Tourenwagen.

Donnerstag, 27. Juli 2023

IDM Sidecar: Ted Peugeot gewinnt Red Flag-Rennen

Peugeot/Peugeot #74
Foto: Jens Hawrda

Das zweite Rennen der Sidecar-Klasse in der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) endete vorzeitig mit einem Schrecken. Der Lauf wurde nach einer Kollision abgebrochen. Als Sieger gingen die Franzosen Ted und Vincent Peugeot hervor.

Bis zum Zeitpunkt des Abbruchs boten die Seitenwagen den Zuschauern ein intensives Rennen, dem es in keiner Sekunde an Spannung fehlte. Lennard Göttlich und Lucas Krieg (Team Bonovo Action Team/LCR Yamaha) katapultierten sich mit einem Blitzstart an die Spitze und ließen die Gaststarter Enrico Wirth/Werner Leon Lüttke (Zweirad Wirth/LCR Yamaha), Josef Sattler/Luca Schmidt (Team Bonovo Action Team/LCR Yamaha) sowie Ted und Vincent Peugeot (Seventy-Four Racing Team/LCR Yamaha) hinter sich. Während Göttlich freie Bahn hatte und alles daran setzte davonzufahren, zogen Sattler und Peugeot kurz nacheinander an Wirth/Lüttke vorbei und lieferten sich in den darauffolgenden Runden packende Duelle.

In der siebten Runde beendeten technische Probleme das Rennen für Enrico Wirth, wohingegen Sattler und Peugeot immer weiter vorrückten und Göttlich schließlich im Nacken saßen. Es dauerte nicht lange bis Sattler ein erfolgreiches Überholmanöver gelang, und er die Spitze übernahm. Doch Göttlich setzte nur wenige Kurven später zur Gegenattacke an und ließ den Routinier wieder hinter sich. Noch in derselben Runde kam es dann zum Unfall der beiden Gespanne, bei dem Lucas Krieg aus dem Seitenwagen fiel und Sattler/Schmidt sich überschlugen. Grund dafür war eine Ölspur, verursacht durch einen Motorplatzer von Markus Schwegler/Ondrej Kopecky (Motorsport Königswartha/LCR Yamaha) in der vorangegangenen Runde.

Die Rennleitung brach das Rennen sofort ab. Als Sieger gingen am Ende das französische Peugeot-Team hervor. Zweiter wurden Max Zimmermann/Ronja Mahl (Zimmermann Racing/ARS Yamaha), Peter Kimeswenger und Ondrej Sedlacek (MRSC Gunskirchen/LCR Yamaha) wurden Dritte. Da das Rennen nur knapp über die Hälfte ging, bekamen die Sieger nur die Hälfte der Punkte für die Gesamtwertung.

 Ergebnis IDM Sidecar, Rennen 2:

  1. Ted PEUGEOT/Vincent PEUGEOT (FRA)
  2. Max ZIMMERMANN/Ronja MAHL (DEU)
  3. Peter KIMESWENGER/Ondrej SEDLACEK (DEU/CZE)

 
Quelle: idm.de / Rowena Hinzmann

Dienstag, 25. Juli 2023

GERT56: Sensationelles Podium-Comeback von Toni Finsterbusch in Schleiz

Unglaublich aber wahr: Toni Finsterbusch hat exakt ein Jahr nach seinem schlimmen Unfall auf dem Schleizer Dreieck wieder das Podest der IDM Superbike erreicht. Ausgerechnet auf der gleichen Strecke, an der 2022 seine Saison vorzeitig beendet war, holte er im ersten Lauf den zweiten Rang. Im zweiten Rennen verpasste er das Podest als Vierter um gerade einmal 76 Tausendstelsekunden an Meisterschaftsleader Florian Alt. Mit den Rängen sieben und fünf fuhr Rookie Jan-Ole Jähnig bei seinem Heimrennen sein bislang bestes Ergebnis in der Königsklasse der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft heraus. Rookie-Kollege Patrick „Pax“ Hobelsberger musste nach etlichen Zwischenfällen mit der Konkurrenz mit den Rängen zehn und neun vorlieb nehmen.

Toni Finserbusch
Foto: Jens Hawrda

„Vor einem Jahr lag ich hier unten in der Seng – und jetzt stehe ich auf dem Podest“, sagte Toni Finsterbusch im Siegerinterview im Parc-Ferme mit Tränen in den Augen. Niemand konnte sich dem Krostitzer hier nicht nahe fühlen, im Hintergrund weinte seine Mutter mit und auch bei Teamchef Karsten Wolf flog die Sonnenbrille über die Augen, um die glasigen Augen zu kaschieren. Finsterbusch hätte fast noch die Sensation geschafft und den Meisterschaftsdominator Alt auf der Strecke schlagen können, denn in einigen Streckenabschnitten war der BMW-Pilot der deutlich schnellere Mann. Am Ende aber „begnügte“ sich FiBu mit Rang zwei auf dem Podest. Lediglich 0,076 Sekunden verwehrten ihm im zweiten Lauf eine Rückkehr auf das Podest und er wurde Vierter.

Jähnig zeigte in beiden Rennen, dass er immer weiter in die Superbike-Klasse hereinwächst. Der Thüringer kennt mittlerweile die Pirelli-Reifen besser und kann sich diese auch mehr für den Rennverlauf einteilen und konstanter Zeiten abrufen. Bereits im ersten Lauf holte er mit Rang sieben sein bislang bestes Ergebnis in der SBK1000, im zweiten Rennen toppte er seine Bestmarke noch einmal und wurde Fünfter.

Patrick Hobelsberger
Foto: Jens Hawrda

Leider lief es bei Hobelsberger nicht wie gewünscht. In beiden Rennen hatte er mehrfach „Feindkontakt“ und musste teilweise weit, durch Kiesbetten und die Schleizer Felder fahren und sich dann wieder zurück kämpfen. Hätte, wäre, wenn… Dennoch fuhr der Bayer seine persönlichen Bestzeiten im letzten Renndrittel, war permanent und konstant auf Qualifying-Zeit-Niveau unterwegs und besonders im zweiten Rennen zeigte er auf den letzten vier Runden, was man von ihm noch erwarten darf: Er fuhr schneller als die vier Piloten, die an der Spitze um den Sieg kämpften.

Nach acht von 14 Meisterschaftsläufen liegt Patrick Hobelsberger auf demn fünften Gesamtrang der IDM Superbike. Er hat 92 Punkte auf dem Konto, Florian Alt ist mit 181 Zählern Erster. Finsterbusch liegt nun mit 80 Zählern direkt hinter Hobelsberger auf Platz sechs, Jähnig ist mit 47 Punkten Elfter.


Toni Finsterbusch:
„Ein sehr emotionales Wochenende. Ich persönlich hätte nie gedacht, dass es jetzt ausgerechnet in Schleiz so laufen wird, aber manche Sachen müssen vielleicht an gewissen Orten passieren. Ich hätte jetzt überall mit dem Podium gerechnet, aber bestimmt nicht in Schleiz. Ich bin hier eigentlich mit dem Ziel her gekommen, gesund wieder heim zu fahren und das habe ich dieses Jahr auch geschafft – und das noch mit zwei richtig geilen Rennen. Der zweite Platz im ersten Lauf war natürlich mehr als nur eine Entschädigung für die ganze harte Arbeit, um wieder dort sein zu können, wo ich jetzt bin. Ein Dank geht an das ganze Team, die haben einen fantastischen Job gemacht. Wenn wir da an letztes Jahr denken, ist das jetzt um 180 Grad gedreht und ich denke ich habe eine tadellose Leistung abliefern können. Natürlich werden wir uns darauf jetzt nicht ausruhen, denn es geht schon bald auf dem Red Bull Ring weiter und dort werden wir das Podium – vielleicht auch mal ein Doppelpodium – in Angriff nehmen.“

 Jan-Ole Jähnig:
„Das war mein Heimrennen und ich bin auch gut ins Wochenende gekommen, konnte gleich eine ziemlich gute Pace fahren. Meine BMW M 1000 RR hat auch von Anfang an gepasst und wir mussten wirklich nur kleine Details anpassen. Die freien Trainings liefen problemlos und wir konnten alle davon nutzen, was sehr gut war, da das Schleizer Dreieck auf dem Superbike für mich ja auch eine neue Strecke ist. Das hat echt gut gepasst. Im Qualifying konnte ich eine gute Pace an den Tag legen. Ich hatte mir vorgenommen, mich im zweiten Quali noch etwas zu steigern, aber das war leider nicht drin. Ich bin noch mal eine ähnliche Zeit gefahren und das hat halt auch gezeigt, dass das die Pace ist und dass es für mich passt. Die Rennen am Sonntag sind für mich perfekt gelaufen, das hätte ich mir so nie erträumt, dass ich so weit vorne raus komme. Ich habe beide Male gute Starts erwischt. Im ersten Rennen bin ich gut mitgekommen, hintenraus hätte ich noch etwas schneller gekonnt, bin aber nicht am Kartheininger vorbei gekommen, daher Platz sieben. Ich bin mega happy aber auch bisschen enttäuscht, dass ich da nicht vorbei gekommen bin. Im zweiten Rennen ist durch das Reversed Grid ist natürlich alles ein bisschen anders – ich stand mit Position vier so weit vorne, wie noch nie. Ich bin gut weg gekommen, musste dann aber leider zwei Positionen her geben. Ich konnte dann aber auch zeitnah wieder einen Platz gut machen und ich war trotzdem wieder hinter Kartheininger. Irgendwann kam Toni vorbei und da konnte ich gut mit gehen und auch Kartheininger überholen. Ehrlich gesagt hätte ich nicht gedacht, dass ich – vor allem – so lange an Toni dran bleiben kann. Und als Alt vorbei kam war ich selber etwas überrascht, dass das so lange gedauert hatte. Ich konnte noch mal kurz gegen halten und mit ihm fighten, aber er ist natürlich davon gefahren. Mit P7 und P5 bin ich super happy – perfektes Heimrenn-Wochenende. Vielen Dank an das gesamte Team und alle, die da waren, um mich zu unterstützen.“

Patrick Hobelsberger:
„Mir war im Vornherein klar, dass das Wochenende vom Gefühl her das schwierigste für mich werden würde. Ich war das letzte Mal 2021 zur IDM am Schleizer Dreick und habe eigentlich kaum Streckenerfahrung. Das haben wir ja in Oschersleben schon gesehen, dass es für mich nicht ganz so easy ist, wenn ich mit dem Superbike auf einer neuen Strecke bin. Somit war es einfach etwas tricky, speziell ohne Orientierungspunkte, wenn man nicht vorher trainieren kann. In den freien Trainings habe ich mich trotzdem in jeder der drei Sessions jeweils um eine Sekunde steigern können. Wir haben auch Teamintern sehr gepusht und Toni hat mich auch mal auf ein paar Runden gezogen. Tausend Dank an Toni dafür! Das hat mir echt etwas gebracht und war Weltklasse. Qualifyings sind bei mir generell immer schwierig, eine schnelle Runde zu fahren. Ich kann immer die gleiche Zeit im Rennen fahren, wie im Qualifying, aber eine schnelle raus hauen blieb mir wieder verwehrt. Wir hatten im zweiten Qualifying auch einen Sensor-Ausfall, als ich auf einer guten Runde war. Da musste aber das Bike fast komplett zerlegt werden, damit Ronny Schlieder das reparieren konnte. Im Warmup hat dann wieder alles super funktioniert, die Jungs haben Weltklasse gearbeitet. Im ersten Rennen war der Start sehr gut, aber in der ersten Kurve war ich im Sandwich zwischen Leonov und Kartheiniger und musste etwas früher vom Gas gehen. Damit habe ich einige Positionen verloren und wollte mich in der Schikane wieder vor arbeiten. Da habe ich aber einen Fehler gemacht und bin mit meinem Winglet am Heck von Kamil [Krzmien] hängen geblieben und musste gerade durch die Schikane durch und bin als vorletzter wieder auf die Strecke gekommen und. Musste mich erst wieder nach vorn arbeiten. Meine letzte Runde war meine schnellste Rennrunde und ich wurde Zehnter. Auf den letzten vier Runden war ich deutlich schneller als die vier Jungs, die um den Sieg gefahren sind und das hat mich extrem genervt. Im zweiten Lauf musste ich dann von Platz elf starten, weil Mackels hatte sich ja vor mir qualifiziert, war aber im Rennen ausgefallen. Ich konnte mich im Rennen an ihm vorbei arbeiten, auch an Soomer bin ich vorbei. Das war ein gutes Gefühl. Die Zeiten waren extrem schnell, ich bin zehn Mal 25,1 gefahren. Ich konnte mich bis auf den sechsten Platz nach vorn arbeiten und dann hat sich Mackels leider verbremst und ist mir in die Seite rein gefahren und ich musste wieder durch die Schikane durch. Ich kam als Neunter zurück. In den letzten drei Runden habe ich die Lücke wieder zufahren können, aber kam nicht mehr vorbei. Das hat mich extrem genervt, denn für mich war das der Wendepunkt des Wochenendes, auch weil ich vor Soomer war, gerade wegen der Meisterschaft. Das hat aber nicht sollen sein. Ich bin auf alle Fälle enttäuscht, was die Ergebnisse angeht. Meine Leistungen waren meiner Meinung nach gut, denn ich habe auf jeder Runde gekämpft wie Sau und nie locker gelassen. Ich hätte meinen Jungs gern bessere Ergebnisse geliefert. Ich habe mich aber extrem für Toni und sein Podest gefreut, nach seiner Verletzung im letzten Jahr. Wir drei, J-O, Toni und ich, geben mittlerweile ein richtig gutes Team ab und arbeiten extrem gut zusammen. Als nächstes kommt der Red Bull Ring, dort war ich trainieren, dort bin ich Top-fit und dort greifen wir an.“

IDM Schleiz: Pole-Position, Patzer und Pokal für Team BCC-alpha-Van Zon-BMW

Mit dem vergangenen Wochenende war das Team BCC-alpha-Van Zon-BMW von Werner Daemen und Andreas Gerlich bei der Halbzeit der International Deutschen Motorradmeisterschaft IDM 2023 angekommen. Die Reise hatte das belgisch-deutsche Team mit seinen BMW-Piloten Ilya Mikhalchik aus der Ukraine, Kamil Krzemien aus Polen, Bálint Kovács aus Ungarn, Philipp Steinmayr aus Österreich und Max Schmidt aus Deutschland nach Thüringen auf das Schleizer Dreieck geführt. Die Rennen werden dort auf teilweise öffentlichen Straßen ausgetragen und stellten daher besondere Herausforderungen an Mensch und Maschine.

Ilya Mikhalchik #17
Foto: Jens Hawrda


Ilya Mikhalchik erlebte die IDM wieder in all ihren Facette. Nach dem ersten Rennen ging es für ihn auf direktem Weg zurück in die Box, mit heruntergeklapptem Visier. Denn der erste Lauf hatte einige Stolpersteine auf dem Schleizer Dreieck für ihn im Angebot gehabt. Als Pole-Sitter, mit einer Top-Zeit nahe am Streckenrekord und einer beeindruckenden Vorstellung in allen Trainings, startete der BMW-Pilot auf der Außenseite der Bahn und da war er auch bei der Anfahrt auf die erste Kurve. Doch Innen war nach wenigen Metern schon alles besetzt, Mikhalchik konnte den Scheitelpunkt der Kurve nicht wie gewohnt anfahren, machte einen weiten Bogen und verlor dadurch einige Plätze. Um den Anschluss an die Spitze nicht zu verlieren, musste er dann ordentlich Druck machen. Bei der Attacke auf den fünftplatzierten Bastien Mackels in der letzten Schikane vor Start/Ziel nahm Mikhalchik den ganz engen Weg. Zu eng wie sich herausstellen sollte. Er musste aufmachen, Mackels schlüpfte innen durch und Mikhalchik rumpelte durchs Kiesbett. Als Zwölfter kam er zurück auf die Strecke, fuhr die schnellsten Runden im ganzen Feld und rackerte sich über die verbliebene Distanz noch auf den fünften Platz. An Kampfgeist hatte es nicht gemangelt, aber die Enttäuschung war nach dem grandiosen Training doch unübersehbar. «Es waren meine Fehler», gab er zu. «Es tut mir leid, für mein Team und auch für mich.»

Unterkriegen ließ sich Mikhalchik allerdings nicht und revanchierte sich in Rennen 2 für den misslungenen Vormittag. Schon nach den ersten Metern schnappte er sich den von Platz 1 aus gestarteten Leandro Mercado, setzte sich an die Spitze und machte sich gepflegt aus dem Staub. Auf teilweise über zehn Sekunden baute er seinen Vorsprung auf die Verfolger aus und sicherte sich souverän den Sieg. «Das in Rennen 2 war der wahre Ilya Mikhalchik», meinte er nach dem Sieg. «Trotz des ersten Rennens war ich zuversichtlich und wusste, ich kann gewinnen, nachdem ich die Trainings dominiert hatte. Im zweiten Rennen habe ich mich gut gefühlt und das Motorrad hatte echt Feuer. Also jeder, der schnell fahren will, sollte eine BMW fahren. Danke an mein Team für den großartigen Job, ich bin froh, dass ich wieder zurück bin. Auf dem Weg machen wir weiter.»

Philipp Steinmayr
Foto: Jens Hawrda


Philipp Steinmayr war in der vierwöchigen Sommerpause der IDM nicht viel zum Fahren gekommen. Doch am Schleizer Wochenende zeigte sich der Österreicher gut erholt und mischte von Beginn an in den Top Ten mit. Von Platz 8 ging es für den Mann vom Team BCC-alpha-Van Zon-BMW ins erste Rennen, Platz 8 wurde es dann auch bei der ersten Zieldurchfahrt. Im zweiten Lauf, der für ihn durch das Reverse Grid-Verfahren aus der zweiten Reihe losging, wurde es sogar noch besser und Steinmayr schnappte sich Platz 7.

«Obwohl das erste Rennen eigentlich noch besser war», beschreibt der Österreicher im Anschluss sein Schleiz-Wochenende. «Mit der Spitze konnte ich nicht ganz mitfahren, aber die Lücke, die durch den Sturz von Bastien Mackels aufgerissen wurde, konnte ich wieder zufahren. Doch leider hatte ich ab der Mitte des Rennens ein kleines Problem. Am Hinterrad hatte sich an der Bremsscheibe eine Schraube etwas rausgedreht. Diese ist dann an der Schwinge angestanden und hat ein lautes Quietschen verursacht. Das hat man sogar auf der Tribüne gehört. Da ich nicht genau wusste, woher das Geräusch kam, war ich zwei Runden lang etwas vorsichtiger unterwegs, dadurch ist die Lücke nach vorne leider wieder aufgerissen.»

«Der Start ins zweite Rennen war gut», berichtet er weiter, «und die erste Kurve auch. Aber ich habe mich im Verlauf des Rennens mit den Bedingungen ein wenig schwergetan. Es weht stellenweise ein extremer Wind und in der Seng lag nach der Ölspur von dem Seitenwagen schon reichlich Bindemittel auf dem Asphalt. Klar musste da jeder drüber. Anfangs hat man den Sand ziemlich gespürt, am Ende war es dann kein Problem mehr. Als dann Mackels, Patrick Hobelsberger und Hannes Soomer kamen, ging es noch heftig zur Sache. Alles in allem bin ich aber mit den Resultaten zufrieden.» 

Kamil Krzemien #7
Foto: Jens Hawrda


Kamil Krzemien blieb sich auch auf dem Schleizer Dreieck treu. Im Training tat sich der Pole mit seiner BMW noch ein wenig schwer und musste sich mir Startplatz 17 begnügen. Doch auf den Nachwuchspiloten war im ersten Rennen wie immer Verlass und er packte noch einiges an Tempo obendrauf. Ganze acht Plätze konnte er über die Distanz von 18 Runden gutmachen und sich mit Platz 9 ein weiteres Top-Ten-Ergebnis in seiner noch kurzen IDM-Vita sichern.

Der zweite Lauf ging für den BMW-Piloten aus der zweiten Reihe gut los und nach einem gelungenen Start konnte er sich sogar bis auf Rang 3 nach vorne durchkämpfen. Über die Distanz konnte der junge Pole nicht ganz die Pace der ersten Verfolgergruppe mitgehen, behielt aber einen kühlen Kopf und holte sich am Ende die Punkte für Platz 11. «Am Freitag habe ich mich im Training noch ganz gut gefühlt», beschreibt Krzemien sein Wochenende. «Ich hatte auch gute Erinnerungen an Schleiz, ich mag diese Art von Strecken-Layout. Am Samstag konnte ich mich auch verbessern, aber es war nicht gut genug, um einen guten Startplatz herauszufahren.»

Für den Sonntag stellte die Mannschaft um Krzemien die BMW noch mal auf den Kopf und nahm einige Änderungen an der Abstimmung vor. «Es hat funktioniert», berichtet er, «auch mein Raketen-Start hat wieder geklappt. Mit der Performance in Rennen 1 war ich echt happy. Mit Rennen 2 war ich dann weniger zufrieden. Ich hatte nicht die gleiche Pace wie am Vormittag. Ich hatte wieder einen guten Start, aber durch ein paar Überholmanöver von stark pushenden Fahrern war ich ab und an neben der Ideallinie und habe den Kontakt zu der Gruppe verloren. Ich habe mein Bestes gegeben, und das Level in der IDM ist dieses Jahr echt hoch, daher bin ich schon ganz zufrieden mit den Ergebnissen. Jetzt fokussieren wir uns auf die Rennen am Red Bull Ring.»

Max Schmidt hatte sich an den ersten drei IDM-Wochenenden wacker geschlagen und hatte sich damit einen Platz unter den Top Ten der IDM Superbike-Rangliste verdient. In den Freitags-Trainings am Schleizer Dreieck lief es dann für den Nachwuchspiloten, für den es nicht der erste Besuch auf der hügeligen Strecke in Thüringen war, nach eigenen Angaben gar nicht mal so schlecht. «In den Qualifyings hat es dann einfach nicht hingehauen mit einer guten Runde», so Schmidt. «Dann steckte ich halt mit Platz 12 hinten fest.»

Ein Top-Ten-Ergebnis war dem BMW-Piloten mit den Plätzen 11 und 12 in den beiden Rennen am Sonntag nicht vergönnt. «Ich hatte ein Problem in der ersten Runde», schildert er nach Lauf 1, «dadurch habe ich Plätze verloren und die Lücke zu den Vorderleuten war da. Ich bin ähnlich schnell gefahren wie die vor mir, dadurch wurde die Lücke zwar nicht größer, aber eben auch nicht kleiner. Dann kam Patrick Hobelsberger vorbei und hat mich weitgeschickt. Danach habe ich einfach versucht, mein Ding zu machen.» Ein ähnliches Bild bot sich in Lauf 2. Nach einem guten Start wurde Schmidt im Getümmel der ersten Kurve nach außen geschickt. «Ich habe mich schwergetan mit dem Überholen», so Schmidt, «mit meinem Teamkollegen Kamil Krzemien hatte ich noch ein paar gute Kämpfe. Ja stimmt, ich hatte mir mehr ausgemalt. Schleiz ist nicht meine stärkste Strecke, aber ich kann sie ganz gut leiden.» 

Bàlint Kovàcs #27
Foto: Jens Hawrda


Bálint Kovács freute sich, dass es mit der IDM Superbike in Schleiz endlich wieder losging. «Die Pause hat mir gutgetan», berichtet der Ungar gegenüber der heimischen Presse. «Ich fühle mich absolut erholt und bin in guter Form. Ich kenne die Strecke gut und liebe sie, da ich 2019 den Suzuki Cup mit der Pole Position und der besten Rundenzeit sowie zwei Rennsiegen gewonnen habe. Es ist noch ein weiter Weg, um das Gleiche in der IDM zu erreichen, aber ich bin zuversichtlich.»  

In den beiden Qualifyings tat sich der Nachwuchspilot noch ein wenig schwer und musste sich mit Startplatz 15 begnügen. Auch im ersten Rennen musste sich Kovács ordentlich reinhängen. Im Ziel sprang der 13. Platz heraus. Die 13 hatte der Ungar auch für den zweiten Lauf gebucht. Nicht ganz das, was er sich gewünscht hatte, aber er konnte erneut Punkte auf seinem IDM-Konto gutschreiben. «Ich gebe zu», so Kovács, der bisher stets im Bereich der Top Ten zu finden war, «ich hatte mir in Schleiz mehr erwartet. Aber es war insgesamt ein ganz schön hartes Wochenende. Ich hatte einfach nicht das richtige Gefühl.» Doch der Ungar lässt sich auch durch die eher magere Ausbeute nicht von seinem Weg, sich in den Top Ten der IDM Superbike zu etablieren, abbringen.
 
«Ich habe an den ersten drei IDM-Wochenenden einen guten Job gemacht», betont er, «das nehme ich als gute Erinnerungen mit. Vor allem auch ins nächste Rennwochenende, um dann am Red Bull Ring wieder besser unterwegs zu sein.»
 
Gerade mal eine gute Woche hat das Team BCC-alpha-Van Zon-BMW Zeit, sich auf das nächste Rennen vorzubereiten. Dann geht die Reise ins südliche Österreich an den Red Bull Ring, wo auch die Formel1 und die MotoGP zuhause ist.


IDM Supersport – Rennen 2 - Durchmarsch nach Wetterkapriolen

Podest Rennen 2 Supersport Schleiz
Foto: Jens Hawrda

Der zweite Lauf begann schon vor dem Start turbulent. Einsetzender Regen in der Warm-Up Runde führte zum Sturz von Martin Vugrinec und infolge zum Startabbruch. Das um zwei Runden gekürzte Rennen wurde dann wieder zum Schaulaufen des Melvin van der Voort, der erneut einen souveränen Start-Ziel-Sieg einfahren konnte.

Dahinter wurde die Spitzengruppe schon kurz nach dem Start durch ein hartes Überholmanöver von Andreas Kofler durcheinander gewürfelt. Der Fünftplatzierte aus dem ersten Rennen drückte sich in der zweiten Kurve innen am auf Platz zwei liegenden Thomas Gradinger vorbei und drängte diesen auf eine weite Linie. Um einen Sturz zu vermeiden, musste der Folgende Twan Smits den Notausgang durchs Kiesbett am  Buchhübel nehmen. Dabei fiel Gradinger auf Platz 13 und Twan Smits sogar auf Platz 19 zurück.

Während Andreas Kofler im Anschluss ungefährdet seinen zweiten Platz nach Hause fahren konnte, kämpften Leon Orgis (Kiefer Racing), Milan Merkelbagh (Hertrampf Yamaha Racing) und Kawasaki Pilot Luca de Vleeschauwer (Weber Motos Racing) lange um die dritte Position.
Neben dem Führenden Melvin van der Voort gelang es in der zweiten Rennhälfte aber nur noch Thomas Gradinger, Rundenzeiten unter 1:28 Minuten zu fahren und der Österreicher konnte kurz vor Rennende erst Leon Orgis und anschließend auch noch Luca de Vleeschauwer hinter sich lassen.

Ergebnis Rennen 2 Schleiz (Top-Five)

1. Melvin van der Voort, Yamaha YZF-R6 

2. Andreas Kofler,  Yamaha YZF-R6

3. Thomas Gradinger,  Yamaha YZF-R6

4. Luca de Vleeschauwer, Kawasaki Ninja ZX-6

5. Leon Orgis,  Yamaha YZF-R6