Freitag, 30. Juni 2023

GERT56: Zwischen den Zeilen starkes Wochenende in Most

Hobelsberger #52 vor Finsterbusch #56
Foto: Jens Hawrda

Das GERT56-Trio aus Routinier Toni Finsterbusch, sowie den beiden Rookies Patrick Hobelsberger und Jan-Ole Jähnig hat im motorsportlichen Wohnzimmer des Teams in der Magdeburger Börde ordentlich gepunktet. In den Superbike-Königsklasse-Rennen der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) landete Finsterbusch zwei Mal auf Platz vier, Hobelsberger wurde zwei Mal Fünfter. Jähnig holte die Ränge 16 und 14.


Für die GERT-Piloten war die zweite Saisonstation der IDM in Oschersleben ziemlich schnell zu einem Aufholspiel avanciert. Bereits bei den freien Trainings am Freitag zeigte es sich, dass es schwierig werden würde, da man als einziges Team hier nicht getestet oder wenigstens trainiert hatte. Für Hobelsberger wurde das Wochenende gar zum ersten Motorsport-Arena-Outing seit zwei Jahren und zum ersten auf einem 1000ccm starken Motorrad. Doch das einst in der Langstrecke propagierte und gefestigte Motto der Mannschaft aus Pirna kam auch dieses Mal wieder zur vollen Entfaltung: Aufgegeben werden Briefe, aber keine Rennen.

Nach einem gemäßigten Start am Freitag, konnten die Crewchiefs Ronny Schlieder, Filip Altendorfer und Holger Homfeldt, zusammen mit den jeweiligen Mechaniker-Crews, ihren Fahrern bereits am Samstagmorgen eine verbesserte Basis in der Abstimmung der BMW M 1000 RR Bikes hinstellen. Die Fahrer bedankten sich mit den Startplätzen fünf (Finsterbusch), acht (Hobelsberger) und 15 (Jähnig).

Finsterbusch konnte im ersten Rennen gleich einen Platz gut machen und schließlich sogar den dritten Rang einige Zeit halten. Er kämpfte lange Zeit um das Podest, musste erst am Ende ziehen lassen und sicherte sich Rang vier. Im zweiten Rennen lag der Krostitzer, der nun von der Pole-Position gestartet war, bis drei Runden vor Schluss auf Rang zwei. Ein Überholmanöver des Esten Hannes Soomer brachte ihn dann etwas aus dem Rhythmus, sodass auch der Belgier Bastien Mackels noch vorbei kam und Finsterbusch als Vierter das Podest erneut verpasste.

Im ersten Lauf hatte sich Hobelsberger ebenfalls gleich einen Platz kassiert und arbeitete sich dann sukzessive nach vorn. Gegen Rennhalbzeit hatte er Platz fünf inne, den er nach hinten sauber absichern konnte, nach vorn war der Zug allerdings schon abgefahren. Dennoch bedeutete dies für Lauf zwei mit dem „Reversed Grid“ den zweiten Startplatz in Reihe eins. Nach einem Problem mit der Wheelie-Control fiel der Bayer am Start weit zurück und kam nur als Zehnter aus der ersten Runde zurück. Hobelsberger setzte alles auf Angriff und kämpfte sich wieder nach vorn und wurde erneut Fünfter.

Jähnig hatte im ersten Rennen definitiv das, worauf es ankommt: Spaß! Er kämpfte als Klassenneuling mit erfahrenen Mannen wie Kamil Krzemien, Paul Fröde oder gar dem ehemaligen Superstock-WM-Piloten Marc Moser. Als 16. verpasste er einen Punkt um 0,7 Sekunden an Fröde. Im zweiten Lauf ergab sich ein ähnliches Bild gegen Krzemien, Fröde und Sandro Wagner. Dieses Mal startete Jähnig durch und holte als 14. zwei weitere Punkte für sein IDM Superbike Konto.

Nach vier von 14 zu fahrenden Rennen liegt Hobelsberger mit 55 Punkten auf dem vierten Tabellenrang. Auf Leader Florian Alt, der auf Honda in Oschersleben beide Rennen gewann, fehlen ihm derzeit 40 Zähler. Finsterbusch ist mit 36 Punkten Sechster der Tabelle, Jähnig hat 16 Zähler und ist Zwölfter.
 

Toni Finsterbusch:

„Ich bin auf jeden Fall happy, was die Ergebnisse angeht. Schade um Lauf zwei, da war ich lange auf dem zweiten Platz, hatte am Ende aber ein paar Rutscher in maximaler Schräglage. Dann kam [Hannes] Sommer vorbei und da habe ich etwas meinen Rhythmus verloren, sodass auch [Bastien] Mackels und [Ilya] Mikhalchik auch gleich noch mit durch sind. Da bin ich halt dann zwei Mal Vierter geworden. Ich bin damit trotzdem zufrieden. Wir haben noch Kleinigkeiten am Fahrwerk mit SPV gefunden und auch bei der Elektronik konnten wir vor dem Rennen noch einen Step machen. Wir müssen jetzt schauen, dass wir noch etwas konstanter werden, damit wir die Reifen noch etwas länger schonen können. Mut macht, dass die anderen vorn nicht ewig weit weg waren, darauf können wir aufbauen. Ein Dank geht wie immer an das gesamte Team für die absolut top gemachte Arbeit!“

Patrick Hobelsberger:

„Wir hatten keinen Test und ich bin schon zwei Jahre nicht mehr in Oschersleben gefahren: Ich hätte ehrlich gesagt niemals gedacht, dass es mir am Freitag so schwer fallen würde, denn in Oschersleben war ich mit der 600er schon immer schnell. Aber mit der Tausender ist das eine ganz andere Welt, da kommt dir die Strecke nur noch halb so breit vor. Da hatte ich etwas zu kämpfen. Das Basis-Setup vom Sachsenring hat zunächst überhaupt nicht funktioniert, was Front und Motorbremse anging. Wir haben viel Zeit gebraucht, damit wir die Front hinbekommen, das hat auch das Data-Recording gezeigt gehabt, dass alles nicht gepasst hat. Aber wir haben immer in die richtige Richtung gearbeitet und es ging immer vorwärts, leider haben wir da viel Zeit gebraucht. Im Qualifying war ich einfach viel zu langsam und konnte mich nur als Achter klassifizieren. Im Warmup haben wir noch was probiert, was mir auch nicht so ganz gefallen hat. Da haben wir etwas gegambelt fürs Rennen und das war zu 100 Prozent die richtige Entscheidung. Ich war im Rennen eine halbe Sekunde schneller als im Qualifying und bin konstant die Quali-Zeiten gefahren. Ich bin Fünfter geworden und war damit eigentlich mega-happy. Im zweiten Rennen habe ich mich gefreut, weil ich durch das Reversed-Grid als Zweiter starten konnte. Wir wissen noch nicht, was es genau war. Ich hatte in der Aufwärmrunde schon ein kleines Problem mit der Wheelie-Control gehabt und am Start war das dann genauso. Ich bin gestartet wie immer und musste schließlich das Gas zu drehen, weil das Ding auf dem Hinterrad stand. Da sind alle natürlich links-recht an mir vorbei gefahren. Nach der ersten Runde war ich Zehnter. Da habe ich alles raus gehauen was ging, Full-Send, mir war alles egal. Ich bin dann Fünfter geworden und damit bin ich eigentlich schon sehr zufrieden. Nach dem Warmup hätte ich nicht an zwei fünfte Plätze geglaubt und die sofort genommen. Die Jungs haben einen Super-Job gemacht und es ging immer in die richtige Richtung, jeder ist ruhig geblieben, jeder hat einfach das gemacht, was er machen kann und soll. Für mich war das sehr gut. Als nächstes kommt Most – da war ich mit der Tausender schon zwei Mal testen und dort geht es dann weiter – da habe ich schon Bock drauf!“

 Jan-Ole Jähnig:

„Es war auf jeden Fall ein super-schwieriges Wochenende für mich. Eine neue Strecke auf dem Superbike für mich. Wir waren ja vorher nicht testen. Am Freitag hatten wir dann auch noch ein paar kleinere, technische Probleme und da ist mir noch etwas Track-Time flöten gegangen. Wir konnten zum Schluss doch noch viel fahren, auch wenn es kein optimaler Einstieg ins Wochenende war. Samstag im Qualifying haben wir einiges gefunden und konnten uns steigern, da war ich dann zufrieden. Es war aber alles unglaublich eng – daher nur Startplatz 15. Trotzdem war ich mit meiner Zeit zufrieden. Es war von vornherein klar, dass es zwei anstrengende Rennen werden über 18 Runden in Oschersleben, die auch das Material sehr belasten. Ich habe versucht meine Reifen gut zu managen. Im ersten Lauf ist das nicht so aufgegangen, da habe ich hinten raus ganz schön gestrauchelt. Im zweiten Lauf ging das etwas besser. Ich denke, das können wir alles als Erfahrung und Lernabschnitt verbuchen und in Most läuft es dann sicher wieder besser.“

IDM Sidecar Most

Foto: Jens Hawrda

Die IDM Sidecare startete auch in Most im Rahmen der FIM Sidecar Weltmeisterschaft und wurde gesonder gewertet.

Zwei spektakuläre Rennen in der FIM Sidecar WM lieferten sich Todd Ellis und Emmanuelle Clement (Team Ellis/Clement/LCR Yamaha) mit Tom und Ben Birchall (Wyckham Blackwell von Birchall/LCR Honda). Das Sprintrennen am Samstag gewannen die Birchall-Brüder vor Pekka Päivärinta und Ilse de Haas (Team Bonovo Action Team/LCR Yamaha). Das Hauptrennen am Sonntag entwickelte sich zu einem fesselnden Duell zwischen Ellis/Clement und den Birchall-Brüdern, das Todd Ellis mit dem besseren Schwung aus der letzten Kurve für sich entschied.

Im Kampf um den IDM-Titel gaben Josef Sattler und Luca Schmidt (Team Bonovo Action Team/LCR Yamaha) den Ton an. Mit zwei Siegen in Most und weiteren 50 Punkten in der Tasche führen sie aktuell die Meisterschaft vor dem neuen Nachwuchsteam Lennard Göttlich und Lukas Krieg (Team Bonovo Action Team/LCR Yamaha).

Ergebnis IDM Sidecar Sprintrace 

1. Sattler/Schmidt, ARS Yamaha

2. Göttlich/Krieg, ARS Yamaha

3. Cable/Richardson,  LCR Yamaha

4.  Kimeswenger/Sedlacek, LCR Yamaha

5. Vinet/Pirat, LCR Yamaha

Ergebnis IDM Sidecar Hauptrennen

1. Sattler/Schmidt, ARS Yamaha

2. Peugeot/Peugeot, LCR Yamaha

3. Götlich/Krieg,  ARS Yamaha

4.  Cable/Richardson,  LCR Yamaha

5. Kimeswenger/Sedlacek, LCR Yamaha

 

Meisterschaftsstand

1.  Sattler/Schmidt, 95 Punkte

2. Götlich/Krieg, 72 Punkte

3. Cable/Richardson, 48 Punkte

4. Peugeot/Peugeot, 45 Punkte

5. Kimeswenger/Sedlacek,40 Punkte


Donnerstag, 29. Juni 2023

IDM Supersport Most

Kofler #19 vor Gradinger 36
Foto: Jens Hawrda

Most war wieder eine Reise wert. Die Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft (IDM) begeisterte die Zuschauer am vergangenen Wochenende unter strahlender Sonne mit einem Mix aus hautengen Zieleinläufen und der Möglichkeit, die Fahrer auch hautnah zu erleben.


In der IDM Supersport gewann Gastfahrer Oliver Bayliss (D34G) auf Ducati das erste Rennen. Es war die Premiere der Motorradmarke aus Italien in diesem Jahr in der IDM.

In der Startaufstellung hatte es noch Verwunderung gegeben. Obwohl er die Pole Position geholt hatte, stand der Australier und Sohn des dreifachen Superbike-Weltmeisters Troy Bayliss nur auf dem vierten Startplatz. Das hatte seinen Grund. Wegen fehlender, aber vorgeschriebener Reifensticker im warm-up wurde er drei Plätze zurückgesetzt. Für Bayliss, der aus der Supersport-WM kommt, kein Problem. Nach dem Start war der 19-jährige Ducati-Fahrer schon in der ersten Kurve in Führung, die er bis ins Ziel nicht abgab. Weil Bayliss außerhalb der Wertung fuhr, kehrte der Niederländer Melvin van der Voort (Team SWPN) nach seinen Stürzen bei der letzten Veranstaltung auch als Zweiter auf die Ideallinie zurück, denn er bekam statt Bayliss die volle Punktzahl in der Meisterschaft, in der er der Titelfavorit ist, die aber von seinem Landsmann Twan Smits (Team Apreco) angeführt wird, der Dritter im Rennen wurde.

Das zweite Supersportrennen in Most musste nach einem Re-Start und mehreren Stürzen nochmals abgebrochen werden und wurde nicht gewertet.

 
Ergebnis Supersport Most  Rennen 1 (Top-Five)

1. Oliver Max Bayliss, Ducati Panigale V2
2. Melvin van der Voort, Yamaha YzF-R6
3. Twan Smits, Yamaha YZF-R6
4. Andreas Kofler. Yamaha YZF-R6
5. Michal Prasek, Triumph Steet Triple

Meisterschaftsstand  (To-Five)

1. Twan Smits, 110 Pnkte
2. Melvin van der Voort, 79 Punkte
3. Andreas Kofler, 78 Punkte
4. Luca de Vleeschauwer, 53 Punkte
5. Thomas Gradinger, 49 Punkte

Mittwoch, 28. Juni 2023

Team apha-Van Zon-BMW in Most: Nichts für schwache Nerven

Hinter dem deutsch-belgischen Team BCC-alpha-Van Zon-BMW von Andy Gerlich und Werner Daemen liegen zwei anstrengende Wochen, prall gefüllt mit packendem Motorrad-Rennsport auf höchstem Niveau. Nach dem erfolgreichen Abstecher bei der Langstrecken-Weltmeisterschaft in Spa-Francorchamps fand sich das Team am vergangenen Wochenende in Tschechien ein, wo im Autodrom von Most der dritte von sieben Läufen der Internationalen Deutsche Motorradmeisterschaft 2023 stattfand. Mit dabei in der IDM Superbike: Ilya Mikhalchik (Ukraine), Kamil Krzemien (Polen), Bálint Kovács (Ungarn), Philipp Steinmayr (Österreich) und Max Schmidt (Deutschland).

Ilya Mikhalchik holt ersten Saisonsieg in Most
Foto: Jens Hawrda

llya Mikhalchik   war nach dem dritten Platz von Spa im Rahmen der Endurance-WM mit gestärktem Selbstbewusstsein und frischem Mut nach Tschechien gereist. Nach seiner Nullnummer beim letzten IDM-Meeting in Oschersleben muss sich der Ukrainer mit seiner BMW nun ordentlich ins Zeug legen, wenn er in Sachen IDM-Titel noch ein Wörtchen mitreden will. Dass er dazu in der Lage und auch top motiviert ist, stellte er in den beiden Zeittrainings mit der Bestzeit von 1.32,712 min. klar. Die Erleichterung war ihm im Anschluss anzumerken. «Das war es, was wir gebraucht haben», stellte er fest. «Das andere ist die Vergangenheit. Ich habe sogar extra neue Farben und ein neues Design für meinen Helm gewählt.» Das erste Mal seit drei Jahren konnte der Ukrainer, der aktuell fern seiner Heimat in Polen lebt, auch wieder Familie und Freunde an der Rennstrecke begrüßen, die die beschwerliche Reise aus der Ukraine nach Most angetreten hatten, um ihn tatkräftig zu unterstützen. «Das ist wichtig für mich, denn wir haben eine schwere Zeit hinter uns», erklärt er.

Am Start zum ersten Rennen des Tages wollte es Mikhalchik dann wissen und zündete den Turbo. «Leider war ich dann ein wenig spät auf der Bremse», schildert er. Den Eingang zur ersten Schikane verpasste er nach dem Spätbrems-Manöver und musste daraufhin den Notausgang und den etwas längeren Weg außenherum wählen. In der Verfolgergruppe reihte er sich wieder im Feld ein. Mit einem beherzten Angriff am Ende des Rennens quetschte sich der Ukrainer noch an am Esten Hannes Soomer vorbei auf Platz 2. «Nach drei, vier Runden hatte ich ein paar Probleme mit der Bremse, sie wurde heiß», berichtet er nach der Zielankunft, «daher konnte ich nicht das Potenzial abrufen, zu dem ich normalerweise in der Lage bin. Platz 2 war nicht das Ergebnis, was ich wollte, aber es ist trotzdem schön, wieder zurück auf dem Podium zu sein.»

Im zweiten Lauf dann der Befreiungsschlag des Ukrainers, der aber auch da nicht ohne Schrecksekunde in der ersten Schikane davonkam, als er im allgemeinen Tumult steckenblieb und anschließend zu einer spektakulären Aufholjagd ansetzte, nach der er sich zum Sieger des Rennen küren durfte. «Jetzt bin ich happy», dann auch sein Kommentar. «Mein Team war unglaublich und hatte noch einiges geändert. Auch mit der Bremse war alles so perfekt wie es sein soll. Nach dem Start ging es ein wenig aggressiv zu. Einer stürzte, ein anderer berührte mein Motorrad. Ich wäre fast im Graben gelandet und habe an die zehn Plätze verloren. Doch mit einem straffen Tempo, vor allem am Ende, habe ich mich zurückgekämpft. Ein tolles Gefühl. Ich hoffe, es geht in diesem Stil weiter.»

Bálint Kovács  kam leicht ramponiert von Belgien nach Most gereist. Doch seinen Sturz aus der Endurance-WM hatte der Ungar gut weggesteckt und nur noch ein paar blaue Flecken erinnern ihn an das Missgeschick. Beim Zeittraining von Most konnte er sich am Nachmittag Stück für Stück verbessern und sich Startplatz 10 sichern. «Ich kenne die Strecke in Most gut», schildert er. «Auch meine körperliche Verfassung wird von Tag zu Tag stärker. Der zehnte Platz im Quali war denkbar knapp, die Zeiten waren echt eng beisammen. Normalerweise bin ich in den Rennen immer noch ein bisschen besser.»

Im ersten Rennen kam der BMW-Pilot zwar gut von seinem Startplatz weg, musste aber in der ersten Schikane den Umweg über die Außenbahn nehmen. Danach fand er sich mitten im Feld wieder und konnte sich nach dem einen oder anderen Match den zehnten Platz sichern. Noch besser lief es für den Ungar in Lauf 2, den er auf Platz 7 beendete. «Im Großen und Ganzen war es kein schlechtes Wochenende», meinte der Ungar anschließend. «Ich will näher and die Spitze herankommen. Schon in Oschersleben war ich an den schnellen Jungs dran und da wollte ich weitermachen. Es war nicht das einfachste Wochenende in Most und ich war noch nicht ganz da, wo ich hinwill. Im ersten Rennen sind mir zuviele Fehler unterlaufen, unter anderem habe ich den Eingang zur Schikane verpasst. Danach war es ein ganz schön hartes Rennen. Platz 10 war das Beste, was ich holen konnte. Das zweite Rennen war besser, meine Pace war besser und ich war zehn Sekunden näher an der Spitze dran. Es war eine Verbesserung, aber ich will noch mehr erreichen. Die Sommerpause wird mir guttun und ich werde stärker zurückkommen.»

Philipp Steinmayr  raufte sich nach dem Trainingsfreitag von Most noch ein wenig die Haare. «Ich hätte das dritte freie Training echt noch gebraucht», gab der Österreicher zu, nachdem es begonnen hatte zu regnen und er und seine BMW in der Box geblieben waren. «Das Level in der IDM Superbike ist einfach brutal hoch und ich habe das Gefühl, alle anderen hocken ständig auf dem Motorrad. Ich hatte keine Möglichkeit zwischen den IDM-Rennen zu testen. Ich bewundere Ilya Mikhalchik dafür, wie schnell er sich da umstellen kann. Mit dem Team bin ich happy, ich selber muss noch schauen, wie ich mit neuen Reifen besser klarkomme.»

Nach Platz 11 im Training rackerte sich Steinmayr im ersten Lauf auf den neunten Rang. «Mein Plan ging auf», freute er sich anschließend. «Denn da wollte ich hin und durch das Reverse Grid im zweiten Lauf stand ich in der Startaufstellung mit Reihe 2 ein ganzes Stück weiter vorne.» Im zweiten Lauf ging es weiter vorwärts, Steinmayr hielt sich in der turbulenten Verfolgergruppe wacker und belohnte sich mit Platz 6. «Da ich am Samstag schon ein paar Runden mit meinem vorderen Rennreifen gefahren bin, ich wollte noch eine gute Zeit fahren, war der im Rennen halt nicht mehr ganz neu. Das hat man gemerkt, dass er schon mal aufgeheizt war. Im zweiten Rennen habe ich zugegebenermaßen auch ein wenig von den Ausfällen profitiert.»

Die vierwöchige IDM-Pause wird bei Steinmayr Motorrad-frei sein. «Alleine testen zu gehen bringts nicht, da brauche ich dann schon den Austausch mit anderen», erklärt er. «Aber vor dem Rennen in Assen fahren wir dort bei den Jacks Racing Days mit. Dann komme ich anschließend auch mal top vorbereitet auf ein IDM-Rennen. Da freu ich mich drauf.»

Kamil Krzemien  war wie seine Teamkollegen direkt vom Einsatz in der Endurance-WM ins tschechische Most gereist. Am Freitag hatte er sich dann wieder vom WM-Bike auf seine IDM-BMW umgestellt. Das für ihn wichtige dritte freie Training fiel dann auch für Krzemien wie für den Rest der Superbiker ins Wasser. Der Regenschauer sorgte zwar für eine willkommene Abkühlung, aber die Trainingskilometer fehlten. Von Startplatz 13 ging es dann am Sonntag in die beiden Rennen, die Krzemien dann jeweils auf dem elften Platz beendete. Gerne hätte er seinem Papa, der polnische Vatertag findet traditionell am 23.Juni statt, ein paar mehr Meisterschaftspunkte mit nach Hause gebracht.

«Ja es war ein hartes Wochenende», meinte Krzemien dann auch anschließend, «ich bin nach wie vor auf der Suche nach der Pace, die ich letztes Jahr hatte. Ich muss auch zugeben, dass ich von meiner Seite nicht perfekt vorbereitet war. Die anderen haben zwischen den Rennen viel getestet und waren mir daher auch in Most immer einen Schritt voraus. Daher hatte ich zu tun, eben die die nötige Pace zu finden.»

«Ich habe meine Rundenzeiten stets verbessert», beschreibt er die positiven Aspekte, «und es lief besser und besser. In beiden Rennen erwischte ich einen sehr guten Start. Am Anfang war ich ganz gut dabei, aber über die Distanz habe ich ziemlich an Grip verloren und konnte nicht dranbleiben. Ich war am Limit, kurz vor einem Crash. In den letzten Runden konnte ich einfach nicht mehr attackieren. Wir haben Punkte geholt und arbeiten weiter dran. Ich freue mich jetzt auf die Rennen in Schleiz, da lief es für mich letztes Jahr wirklich gut.»

Max Schmidt,  mit 20 Jahren der jüngste Pilot im Fahrer-Aufgebot des Teams BCC-alpha-Van Zon-BMW grübelte nach Startplatz 13 im Zeittraining noch über die weitere Taktik. «Ich war einfach zu langsam», übte der Student klare Selbstkritik, «vielleicht wäre auch eine andere Reifenwahl besser gewesen. Im zweiten Training war es dann zu warm. Für die Startaufstellung war das nicht die beste Ausgangslage.»

Die Rundenzeiten verbesserten sich dann bereits im ersten Rennen, doch es blieb bei Platz 13. «Am Start hatte ich viel verloren», berichtet er. «Und immer, wenn ich die vor mir überholt hatte, lief es schief. Einmal musste ich nämlich in der Schikane durchs Kiesbett und ein anderes Mal außen rum. Ohne das hätte es für einen Top-Ten-Platz gereicht.» Den bescherte sich Schmidt dann im Lauf 2, den er als Achter beenden konnte. Schon vom Start weg lief es für den BMW-Piloten besser, obwohl auch er vom Tumult nach den ersten Metern nicht verschont geblieben war. «Doch ich habe versucht, locker zu bleiben», so seine Vorgehensweise. «Mit dem Ergebnis bin ich dann auch so halbwegs zufrieden. Ich bin nicht so glücklich wie sonst, aber ich habe jetzt auch keine schlechte Laune. Most ist im diesjährigen IDM-Kalender meine unbeliebteste Strecke, dafür war es okay.»

In der vierwöchigen IDM-Pause geht es für Schmidt zu einem Instruktoren-Job nach Oschersleben und auch ein paar Moto Cross-Einheiten sind geplant. Außerdem gibt es für den Studenten viel zu lernen. Die nächsten Klausuren werfen ihre Schatten voraus.

Für das Team BCC-alpha-Van Zon-BMW geht es erst einmal in die belgische Heimat, wo man sich dann in aller Ruhe auf die nächste IDM-Runde vorbereiten kann. Am 21. bis 23. August 2023 geht es mit IDM-Wochenende auf dem Schleizer Dreieck weiter.

Dienstag, 27. Juni 2023

IDM Superbike mit spannenden Rennen in Most

Allein wegen der spannenden Rennen der IDM Superbike hätte sich die Anreise nach Most schon gelohnt. Bei herrlichem Sommerwetter gab es in der Superbikeklasse Rennen die es an Spannung in sich hatten und Überraschungen am Ende.

 

Das war der Kampf im Rennen 1 Alt gegen Soomer
Foto: Jens Hawrda

Zusammenfassung Rennen 1

Nach drei Stürzen hatte der dreifache Meister Ilya Mikhalchik (BCC ALPHA VAN ZON BMW RACING) in der Königsklassse IDM Superbike mit einem Sieg spekuliert. Grund: Im Qualifying hatte er sich die Pole Position geholt. Doch er sollte sich noch gedulden müssen. Im ersten von zwei Rennen war Florian Alt (Holzhauer Racing Promotion) nach 16 Runden der große Gewinner. Rundenlang hatte er sich mit Hannes Soomer (Enemat Enos Motorsport) einen Schlagabtausch geliefert, der an Nervenkitzel nicht zu überbieten war. Mikhalchik, der zu Beginn des Gefechts zuviel wollte und dabei neben die Strecke geriet, hatte sich in der Zwischenzeit auch nach vorne gekämpft. Das Rennen war noch nicht zu Ende, da platzierte der Ukrainer eine gelungene, aber kernige Attacke auf den Esten, der keine Chance mehr zum Kontern hatte. Mikhalchik hatte damit die Honda-Doppelspitze gespalten und wurde Zweiter zwischen Alt und Soomer.

Ergebnis IDM Superbike Rennen 1 (Top-Five)

1. Florian Alt, Honda CBR 1000 RR
2. Ilya Mikhalchik, BMW M 1000 RR
3. Hannes Soomer, Honda CBR 1000 RR
4. Patrick Hobelsberger, BMW M 1000 RR
5. Toni Finserbusch, BMW M 1000 RR

Holt den Sieg in Rennen 2: Ilya Mikhalchik
Foto: Jens Hawrda

Zusammenfassung Rennen 2

In einem turbulenten zweiten Rennen mit vielen Drehungen und Wendungen sorgte der Reverse Grid für Spannung. Hier stehen die drei Schnellsten des ersten Laufes in der dritten Startreihe und die Positionen vier bis sechs rücken in die erste Reihe vor. Die Anordnung sorgte für ein dichtes Getümmel. An der Spitze zeigten sich bald wieder Florian Alt und Hannes Soomer. Ilya Mikhalchik war im Pulk stecken geblieben. Dass er ganz am Ende doch ganz vorne war, ist das Ergebnis seiner Hartnäckigkeit und einer riesigen Aufholjagd. Er hatte sich stetig durchs Feld nach vorn gearbeitet, um zum Schluss eine Lücke auszunutzen, die sich im Scharmützel zwischen Alt und Soomer aufgetan hatte. So enttäuscht der Ukrainer nach seinem zweiten Platz im ersten Lauf war, umso freudestrahlender war er nach diesem Triumph. Und sein Teamchef Werner Daemen war völlig aus dem Häuschen, riss sich das T-Shirt vom Leib und feierte.

Soomer stürzte noch in der letzten Runde aus dem Geschehen. Dadurch kam Bastien Mackels (Team SWPN) noch aufs Podium und machte den Marken-Mix von BMW, Honda und Yamaha komplett. Dahinter kam mit Leandro Mercado (Kawasaki Weber Motos Racing) die erste Kawasaki ins Ziel. Meisterschaftsführender ist Florian Alt.

Ergebnis IDM Superbike Rennen 2 (Top-Five)

1. Ilya Mikhalchik, BMW M 1000 RR
2. Florian Alt, CBR 1000 RR
3. Bastien Mackels, Yamaha YZF-R1M
4. Leonardo Mercado, Kawasaki ZX-10RR
5. Patrick Hobelsberger, BMW M 1000 RR

Meisterschaftsstand nach 6 von 14 Rennen (Top-Five)

1. Punkte Florian Alt, 140 Punkte
2.  Punkte Bastien Mackels, 85 Punkte
3.  Hannes Soomer, 84 Punkte
4. Patrick Hobelsberger, 79 Punkte
5.   Ilya Mikhalchik, 75 Punkte