Dienstag, 20. September 2022

DTM Trophy auf dem Red Bull Ring: Heinemann führt Meisterschaft weiter an

  • Sechs Nachwuchstalente können noch den Titel in der DTM Trophy gewinnen
  • Ring-Racing-Teamchef Uwe Kleen: „Tim Heinemann setzt alle Aufgaben sehr gut um“
  • Live auf ServusTV und DTM TV: Saisonrennen elf und zwölf in der Steiermark 

Foto: Jens Hawrda

Ein Sextett kämpft in der DTM Trophy um den Titel. Vor den Saisonrennen elf und zwölf auf dem Red Bull Ring in Österreich (23. bis 25. September) haben sechs Fahrer noch theoretische Chancen auf den Gewinn des heißbegehrten Titels in der Talentschmiede auf der DTM-Plattform. Bei vier noch ausstehenden Rennen – zwei in der Steiermark, zwei in Hockenheim – sind schließlich noch 116 Punkte zu vergeben, 25 je Sieg, drei je Pole-Position und einer je schnellster Rennrunde. Mit 178 Punkten ist Tim Heinemann (GER) im Toyota Supra des Teams Toyota Gazoo Racing Germany powered by Ring-Racing der souveräne Tabellenführer. 60 Zähler trennen den 23-Jährigen vom zweitplatzierten Niederländer Colin Caresani (118) im Project 1 BMW, einen weiteren Zähler vom 17-jährigen Theo Oeverhaus (GER, 117) im Walkenhorst BMW. Den Kreis der Titelaspiranten erweitern der Brasilianer Thiago Vivacqua (92) im Heide Audi, der Franzose Edouard Cauhaupé (72) im BWT Mücke Mercedes-AMG und der erst 16-jährige Daniel Gregor (GER, 69) im Porsche aus dem KÜS Team Bernhard auf den Tabellenplätzen vier, fünf und sechs. Dass Fahrer aus vier Nationen zum Titel-Sextett gehören, unterstreicht die Internationalität der Rennserie.

Toyota-Pilot Heinemann hat auf dem Red Bull Ring sogar einen Matchball, denn reist er am Sonntag mit 58 oder mehr Punkten Vorsprung auf seine Verfolger nach Deutschland zurück, ist ihm der zweite Titelgewinn nach 2020 nicht mehr zu nehmen. Uwe Kleen, Teamchef von Toyota Gazoo Racing Germany powered by Ring-Racing, schätzt die Chancen auf einen vorzeitigen Titelgewinn allerdings als sehr gering ein und verweist nicht zuletzt auf das Zusatzgewicht von 25 Kilogramm für den Sieg im Sonntagsrennen in Spa-Francorchamps, das sich auf dem schnellen, 4,318 Kilometer langen Grand-Prix-Kurs in Österreich mit seiner langen Bergauf-Passage besonders negativ bemerkbar machen wird. Über seinen Fahrer ist Uwe Kleen jedenfalls voll des Lobes. „Er hört auf das Team und setzt alle Aufgaben gut und konsequent um", so Kleen, „und er kann einfach schnell fahren."

Kein Fahrer hat in jedem Rennen gepunktet, selbst Heinemann nicht. Caresani, Oeverhaus und Cauhaupé gingen bislang zweimal leer aus, Vivacqua dreimal und Gregor viermal. Auch die Punkte für das Qualifying und für die schnellste Rennrunde haben ein nicht unerhebliches Gewicht. So addierte Heinemann bereits 15 Zusatzpunkte zu seinem Konto, Gregor acht, Vivacqua und Cauhaupé je sieben sowie Caresani und Oeverhaus je vier. Fünf Saisonsiege belegen die eindrucksvolle Performance von Heinemann, der 2020 aus dem Sim-Racing in die DTM Trophy aufstieg. Caresani hat bisher zwei Siege erzielt, Oeverhaus, Gregor sowie Louis Henkefend (GER, Project 1 BMW) je einen. Vivacqua, bislang viermal auf dem Podium, und Cauhaupé, einmal auf dem Podium, haben ihre Hoffnungen auf den ersten Sieg noch nicht aufgegeben.


Rallye-Ass und Sachsenring-Chef Zeltner startet für Heimspiel in der ADAC GT4 Germany

  • Zeltner fährt einen Mercedes-AMG GT4 von EastSide Motorsport
  • Teamkollege ist Kite-Designer Ralf Grösel
  • Weitere Änderungen im 29 Wagen starken Feld


Wenn die ADAC GT4 Germany vom 23. bis 25. September auf dem Sachsenring Station macht, wird ein besonderer Lokalmatador am Start stehen: Ruben Zeltner ist seit 1995 Geschäftsführer der Rennstrecke bei Chemnitz und kennt auf der 3,645 Kilometer langen Berg- und Talbahn somit jeden Zentimeter. Zeltner pilotiert einen Mercedes-AMG GT4 vom Team EastSide Motorsport gemeinsam mit dem aus dem Surfsport bekannten Designer Ralf Grösel. EastSide Motorsport, das seine Basis im nur wenige Kilometer entfernten Crimmitschau hat, baut sein Engagement in der ADAC GT4 Germany damit auf zwei Fahrzeuge aus. „Die Vorfreude auf das anstehende Rennwochenende ist natürlich riesig“, so Zeltner. „Auf der eigenen Strecke in einer so starken Rennserie wie der ADAC GT4 Germany mitzufahren, ist etwas ganz Spezielles für mich.“ Neben dem Duo Zeltner/Grösel gibt es am Sachsenring weitere spannenden neue Fahrerpaarungen im starken Feld der ADAC GT4 Germany.

Zeltner ist zweifacher Deutscher Rallyemeister und gab auch auf der Rundstrecke schon kräftig Gas, so war er in der Vergangenheit auch schon im ADAC GT Masters auf "seiner Strecke" am Start. "Die GT4-Klasse ist Neuland für mich. Ich habe in der vorletzten Woche einen Test mit dem Mercedes-AMG GT4 von EastSide Motorsport abgespult und war begeistert. Auch das Team rund um Florian Schön und Virginia Möckl hat mich sehr beeindruckt. Sie sind sehr professionell aufgestellt. Ich fühle mich dort richtig wohl."

Teamkollege von Zeltner wird auf dem Sachsenring Ralf Grösel. Er ist ein Industriedesigner und Entwickler im Bereich Kitesurfen. Auch motorsportlich hat der 43-Jährige bereits einiges vorzuweisen. In einem Seat Leon Supercopa MK2 führt er derzeit die Tabelle des NATC (Norddeutscher ADAC Börde Tourenwagen Cup) an und startet somit auch im Rahmen des ADAC Racing Weekend. „Ich freue mich unheimlich auf meinen ersten Start in der ADAC GT4 Germany. Es wird aber sicher eine große Herausforderung“, blickt Grösel voraus. „EastSide Motorsport ist ein unheimlich gutes Team und Ruben ist ein bärenstarker Fahrer. Sportlich wollen wir eine gute Paarung abgeben und am Podium der Trophywertung schnuppern.“

Mit ähnlichen Ambitionen geht auch Zeltner ins Rennwochenende auf dem Sachsenring. „Die ADAC GT4 Germany zählt zu den besten GT4-Serien in Europa. Insofern müssen wir realistisch sein. Wir werden eher im Hinterfeld unterwegs sein. Dennoch möchten wir einigermaßen in der Trophy-Wertung mithalten“, stellt Zeltner klar. „In den letzten drei Jahren habe ich mir immer die Rennen der ADAC GT4 Germany auf dem Sachsenring angeschaut. Nun fahre ich selbst mit. Alleine das ist schon besonders. Der Spaß steht auf jeden Fall im Vordergrund.“

Für das anstehende Rennwochenende auf dem Sachsenring wird es weitere Änderungen in den Cockpits des 29 Wagen starken Feldes geben: Bei Schnitzelalm Racing greift mit Dominik Fugel ein weiterer Lokalmatador ins Lenkrad. Der Chemnitzer teilt sich einen Mercedes-AMG GT4 mit Tim Neuser. Der letztjährige Vize-Meister Théo Nouet kehrt zurück und fährt einen Mercedes-AMG vom Drago Racing Team ZVO mit Robert Haub. Neu bei der CV Performance Group ist Nico Gruber, der gemeinsam mit Ferdinand Winter antritt. Im zweiten Mercedes-AMG der Mannschaft aus Niederzissen fährt neben Julian Hanses nun William Tregurtha. Der Brite konnte 2020 auf dem Sachsenring schon einen Pirelli Pole Position Award in der ADAC GT4 Germany gewinnen. Overdrive Racing bringt zudem erneut den dritten Porsche 718 Cayman GT4 an den Sachsenring, der von Aleks Stefanov und Alon Gabbay aus Israel gefahren wird.

Montag, 19. September 2022

Titelkampf spitzt sich zu – wer zeigt Nerven am Sachsenring?

  • Spitzenreiter Raffaele Marciello kommt mit zehn Punkten Vorsprung zum Sachsenring
  • Verfolger Christian Engelhart und Ayhancan Güven setzen auf volle Attacke im Qualifying
  • FIA ETCR eTouring Car World Cup mit Deutschland-Premiere im Rahmenprogramm

Foto: Jens Hawrda

Das ADAC GT Masters biegt am Wochenende am Sachsenring (23. bis 25. September) auf die Zielgerade ein. Der vorletzte Tourstopp in der Deutschen GT-Meisterschaft, die in diesem Jahr mit einem erneuerbaren Kraftstoff ins Rennen geht, verlangt von Teams und Fahrern ein eisernes Nervenkostüm. Die Spitze liegt dicht beieinander, jeder Punkt zählt, jeder Fehler kann das vorzeitige Ende aller Titel-Träume bedeuten. Ideale Voraussetzungen für ein spannendes Rennwochenende auf dem anspruchsvollen Kurs in Sachsen, den Deutschlands schnellste GT3-Serie sogar schneller umrundet, als die Motorrad-Asse der MotoGP. Dazu gibt es am Sachsenring eine Premiere: Der FIA ETCR eTouring World Cup startet erstmals in Deutschland und ermittelt am Sachsenring beim WM-Finale den ersten elektrischen Tourenwagen-Weltmeister der Motorsportgeschichte. Die ganze Action vom ADAC GT Masters gibt es am Wochenende live bei NITRO. Der exklusive TV-Partner der Deutschen GT-Meisterschaft überträgt die Läufe elf und zwölf am Samstag und Sonntag jeweils ab 12:30 Uhr live.

Keyfacts, Sachsenring, Hohenstein-Ernstthal, Läufe 11 und 12 von 14 Saisonrennen

Streckenlänge: 3.645 Meter

Layout: 14 Kurven (vier Rechts-, zehn Linkskurven), gegen den Uhrzeigersinn befahren

Sieger 2021, Rennen 1: Mathieu Jaminet/Michael Ammermüller (SSR Performance, Porsche 911 GT3 R)

Sieger 2021, Rennen 2: Igor Jakob Walilko/Jules Gounon (Team Zakspeed Mobil Krankenkasse Racing, Mercedes-AMG GT3 Evo)

Die Top-Drei belauern sich

Die besten Chancen im Titelkampf hat Spitzenreiter Raffaele Marciello (27/CH), der zusammen mit Werksfahrerkollege Daniel Juncadella (31/E) im Mercedes-AMG GT3 Evo #48 ins Rennen geht. Der Mercedes-AMG ist auf der Berg-und-Talbahn in Sachsen traditionell stark. Für Marciello geht es in Sachsen darum, seine Tabellenführung vor dem Finale auszubauen, nachdem er zuletzt am Lausitzring Vorsprung eingebüßt hat. Zehn Punkte hinter Tabellenführer Marciello lauern Christian Engelhart (35/Starnberg) und Ayhancan Güven (24/TR) vom Team Joos Sportwagentechnik. Das Fahrer-Duo hat im Porsche 911 GT3 R mit der Startnummer 91 in der Lausitz den ersten Saisonsieg geholt und will weiter Druck auf die Spitze machen. „Unsere Taktik wird die gleiche wie immer sein, eine andere funktioniert im ADAC GT Masters auch nicht: Volle Attacke im Qualifying, um eine gute Startposition herauszufahren. Allerdings hat sich am Sachsenring in der Vergangenheit gezeigt, dass auch in der zweiten Rennhälfte wegen des Reifenabbaus große Verschiebungen möglich sind, obwohl das Überholen schwierig ist. Man muss für Qualifying und Rennen bestens vorbereitet sein“, erklärt Christian Engelhart. Er setzt dabei voll auf seinen starken Fahrerkollegen. „Ayhancan hat sich als Neueinsteiger schnell im ADAC GT Masters eingefunden und macht einen sensationellen Job. Er hat einige Top-Qualifyings abgeliefert und erlaubt sich im Rennen keine Fehler. Es ist eine Freude, mit ihm zu fahren. Wir wollen am Sachsenring mehr Punkte als die Konkurrenz holen, um beim Finale in Hockenheim eine starke Ausgangsposition zu haben“, so der Meister von 2020.

Jack Aitken (26/GB) und Albert Costa Balboa (32/E) gehören seit ihren starken Leistungen am Lausitzring ebenfalls zum Kreis der Meisterschafts-Anwärter. Mit zwei zweiten Plätzen in den Rennen neun und zehn hat sich die Fahrer-Kombination im Lamborghini Huracán GT3 Evo mit der Startnummer 63 von Emil Frey Racing auf Rang drei der Tabelle vorgeschoben und gehört somit auch auf dem Sachsenring zu den Favoriten.

Team Paul Motorsport hat Lust auf mehr

Nach dem Stopp in der Lausitz hat das Team Paul Motorsport aus Dresden am Sachsenring das zweite Heimspiel im ADAC GT Masters, wenn auch der Weg etwas länger ist. „Es ist mega, wenn die Strecke zum zweiten Mal hintereinander um die Ecke liegt. Die Logistik ist einfacher, man kann die Vorbereitungen entspannter angehen, muss nicht ein paar Tage früher losfahren, sondern setzt sich ins Auto und ist da“, beschreibt Maximilian Paul (22/Dresden) die Annehmlichkeiten bei einem Heimspiel. Sportlich will sein Team an die Erfolge vom Lausitzring anknüpfen, wo Maximilian Paul und sein Kollege Marco Mapelli (35/I) im Lamborghini Huracán GT3 Evo #71 Dritter und Fünfter wurden und der junge Dresdener jeweils die Pirelli Junior-Wertung gewann. „Ich mag den Sachsenring. Er ist ein Motorradkurs mit vielen schnellen Passagen und oben auf der Kuppe kann man viel Zeit gewinnen, aber auch verlieren. Im vergangenen Jahr bin ich dort zum ersten Mal mit Marco gefahren und habe viel von ihm gelernt. Nach unserem ersten Podium der Saison auf dem Lausitzring hat das Team Lust auf mehr. Wir wollen ein Rennen gewinnen oder vorn mitfahren“, stellt der Lokalmatador klar.

Starkes Rahmenprogramm – Deutschland-Premiere und Finale für Elektro-Tourenwagen

Im Rahmen des ADAC GT Masters wird auf dem Sachsenring zum ersten Mal in Deutschland der FIA ETCR eTouring Car World Cup ausgetragen. Die Deutschland-Premiere ist gleichzeitig das Finale der innovativen Rennserie, bei der unter anderem FIA Rallycross-Weltmeister Mattias Ekström oder die beiden ehemaligen ADAC GT Masters-Piloten Bruno Spengler und Maxime Martin in den bis zu 680 PS starken Fahrzeugen antreten. Neben den E-Boliden gehen drei weitere spektakuläre Rennserien am Sachsenring im Rahmenprogramm der Deutschen GT-Meisterschaft an den Start. In der ADAC GT4 Germany und der ADAC TCR Germany wollen sich die Piloten eine gute Ausgangsbasis für das Finale in Hockenheim schaffen. Gleiches gilt für die Fahrer des Porsche Carrera Cup Deutschland, die am Sachsenring die Läufe 13 und 14 von insgesamt 16 Saisonrennen austragen.

Letzter Auftritt des Jahres im Hockenheim-Motodrom

Fotos: © MPS/Dino Eisele

Wenn die Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft (IDM) nach Hockenheim kommt, naht der Saisonabschluss. Es ist zur Tradition geworden, dass das Finale von Deutschlands höchster Motorradrennsportserie im badischen Motodrom ausgetragen wird. Vom 23. bis 25. September 2022 wird die Luft über dem Asphalt wieder brennen. Die Spannung in vier IDM-Klassen und drei Cups im Rahmenprogramm ist auf dem Siedepunkt. 

Auch wenn der Meister schon fest steht: In der IDM Superbike ist das letzte Wort nicht gesprochen. Es geht immer noch darum, dass Florian Alt den nunmehr vierfachen Titelträger Markus Reiterberger (BCC-alpha-Van Zon-BMW) in diesem Jahr noch ein Mal schlagen kann. Das Motodrom in Hockenheim ist seine letzte Gelegenheit dazu. Alles muss passen. Hatte „Reiti“ seinen Gegner zuletzt auf dem Red Bull Ring gerade noch in Schach halten können, setzt Alt nun alles auf eine Karte, um den Spieß in „Hoggene“ umzudrehen. Der 26-jährige Fahrer und Meisterschafts-Vize vom Team Wilbers-BMW-Racing ist der Einzige, der es an der Spitze mit dem 28-jährigen Reiterberger aufnehmen kann. Alt hat sich beim 100. Bol d’Or Langstrecken-Jubiläum am vergangenen Wochenende mit einem Sieg der legendären 24-Stunden von Le Castellet eine extra Portion Motivation geholt. Der Countdown vor dem letzten Einsatz läuft.

Im Windschatten kämpfen mit Rob Hartog (Team SWPN) und Pepijn Bijsterbosch (BCC-alpha-Van Zon-BMW) zwei Niederländer um den dritten Platz in der Meisterschaft. Beide trennen nur fünf Punkte. Hartog ist auf seiner Yamaha der einzige Fahrer, der eine komplette BMW-Übermacht an der Spitze verhindern kann. Wie Reiterberger und Bijsterbosch auf BMW gehört er zu den drei Konkurrenten, die bisher in allen Saisonrennen ins Ziel gekommen sind und Punkte geholt haben. Doch die Entscheidung wird nicht ohne die Beteiligung von Bastien Mackels (Kawasaki Weber-Motos Racing), Luca Grünwald (Holzhauer Racing Promotion), Kamil Krzemien (BCC-alpha-Van Zon-BMW) oder auch Philipp Steinmayr (Eder Racing) fallen. Sie könnten zum Zünglein an der Waage werden.

In der IDM Supersport hat sich Max Enderlein (M32 Racing) vorzeitig seinen dritten Meister-Titel geholt. Zurücklehnen wird er sich in Hockenheim dennoch nicht. Frisch aus dem Urlaub wiedergekommen, wird er sich nicht zurückhalten, wenn es zwischen Luca de Vleeschauwer (Kawasaki Weber-Motos Racing), Andreas Kofler (Kawasaki Schnock Team Motorex) und Melvin van der Voort (Team SWPN) zum Showdown kommt und es um den zweiten und dritten Tabellenrang zur Sache geht. Belgien gegen Österreich und die Niederlande. Bei dieser Kombination ist nichts vorhersehbar. De Vleeschauwer schwächelte zuletzt auf dem Red Bull Ring leicht und fuhr erstmals ohne Podiumsplatz nach Hause, aber er hat mit den meisten Punkten auf dem Konto die besten Aussichten auf den Vizetitel. Koflers Saisonbilanz verläuft in leichten Wellen. Van der Voort wiederum ist in der zweiten Saisonhälfte immer besser geworden und hat viele Punkte aufgeholt. Spannend ist auch die Frage, welche Rolle Jan-Ole Jähnig oder Twan Smits (Team Apreco) in Hockenheim spielen. Jähnig (M32 Racing) ist heiß darauf, zum Saisonende aufs Siegerpodest zu fahren, nachdem er das letzte Rennen in Österreich nicht beendet hat.

Eine ganz heiße Sache ist der Titelkampf in der IDM Supersport 300. Die Nachwuchsklasse ist ein fliegendes Klassenzimmer, in dem es beim Erreichen der Ziellinie regelmäßig um Tausendstelsekunden geht. Leo Rammerstorfer (Freudenberg KTM-Paligo Racing) oder Marvin Siebdrath (Füsport-RT Motorsports by SKM-Kawasaki)? Der Kampf um die IDM-Krone ist noch völlig offen und die Anwärter trennen lediglich sieben Meisterschaftspunkte. Während Siebdrath auf der Kawasaki Ninja 400 alleine klarkommen muss, hat Rammerstorfer auf der KTM RC 390 R Unterstützung von seinen Teamkollegen Walid Khan und Scott Deroue, die auf den Positionen vier und fünf in der Tabelle stehen und eine wichtige Rolle spielen.

In der IDM Sidecar spielt sich der Titelkampf zwischen dem achtfachen Weltmeister Tim Reeves und seinem Beifahrer Kevin Rousseau (Bonovo Action/Team Reeves Racing) und Josef Sattler mit Luca Schmidt (Bonovo Action) im Boot ab. Reeves hat bisher drei Saisonsiege aufzubieten. Sattler jagt seinem ersten Triumph noch hinterher, liegt aber trotzdem nur neun Punkte hinter dem Führenden. Eine endgültige Entscheidung wird es in Hockenheim nicht geben. Der Meister wird erst eine Woche später beim großen Sidecar-Festival in Oschersleben gekürt. 

Für das kommende Wochenende in Hockenheim ist ein voller Zeitplan und jede Menge Action geplant. Im Rahmenprogramm geht es im Twin Cup, dem Pro Superstock Cup und dem Yamaha R3 bLU cRU Cup um den Titel. Beim IDM-Pitwalk kommen die Zuschauer den Fahrern so nah wie sonst nirgendwo. Eine echte Augenweide sind auch die beiden Weltmeister-Motorräder aus der MotoGP (die Yamaha M1 von Fabio Quartararo) und WorldSBK (die Yamaha R1 von Toprak Razgatlıoğlu), die im IDM-Paddock ausgestellt sein werden. IDM-Poolpartner Gilles stellt die Original-Motorräder in Hockenheim zur Schau. Technik-Fans erwarten mit der YZR-M1 und der WSBK Yamaha R1 echte Leckerbissen. 

Traditionell ist das Hockenheim-Finale der IDM eine Race-Party, die im Gedächtnis bleibt. Dabei sein ist alles. Freitags freier Eintritt, Samstag 19,00 Euro, Sonntag 25,00 Euro, Wochenendticket 35,00 Euro. Für Kinder und Jugendliche bis einschließlich 17 Jahren ist der Besuch der Rennveranstaltung kostenfrei.  Den Livestream der Rennen können unsere Zuschauer auch wieder von zu Hause aus unter www.idm.de/live genießen.


Mittwoch, 14. September 2022

GERT56: Zum Finale viele Dankeschöns

 

Julien Puffe (l.) und Toni Finsterbusch - Gute Besserung
Foto: German Endurance Racing Team - GERT56


GERT56 wird beim Finale der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) auf dem Hockenheimring die beiden verletzten Piloten Julian Puffe und Toni Finsterbusch in der IDM Superbike ersetzen. Als Dankeschön und aus gegenseitigem Respekt für Fans, Veranstalter und Organisatoren schickt man „wenigstens“ eine BMW M 1000 RR an den Start. GERT56 wäre nicht GERT56, wenn es dafür nicht auch eine schöne Geschichte gäbe: Der Ersatz-Pilot wird der Österreicher Stefan Kerschbaumer. Er war an beiden FIM Endurance World Superstock-Siegen bei den 24-Stunden von Le Castellet (Bol d’Or) und den 24 Stunden von Le Mans bei GERT56 beteiligt. Einen Sieg holte er zusammen mit Puffe, einen mit Finsterbusch.

Das sächsische Rennteam aus der Nähe von Pirna kennt „Höhen und Tiefen“ in kurzer, wie in langer Zeit aus der Team-Geschichte in der Langstrecken-Weltmeisterschaft wie wohl keine andere Racing-Equipe im deutschsprachigen Raum. 2022 musste man lernen, dass dies nicht nur ein Spruch aus dem Endurance-Sport ist, sondern auch im Sprintbereich seine Richtigkeit hat: Die Ziele für die zweite Saison in der IDM ist für GERT56 mit vielen Teilerfolgen geglückt, aber leider vorzeitig beendet gewesen.

Höhen und Tiefen trafen das Team am Schleizer Dreieck förmlich wie der berühmte Blitz. Beim Saisonhighlight auf der Naturrennstrecke in Thüringen feierte man mit dem Lokal-Hero Julian Puffe vor über 30.000 Fans zwei Podestplätze. Allerdings verletzte sich Teamkollege Finsterbusch bei einem unverschuldeten Sturz so schwer, dass für ihn die Saison 2022 bereit vorzeitig beendet war. Das Schleizer Dreieck war und bleibt für den Ausgang der Meisterschaft richtungsweißend und setzt den Trend für die letzten Saisonrennen.

Puffe übernahm beim seinem Heimrennen den dritten Zwischenrang der IDM Superbike von Teamkollege Finsterbusch. Diese Platzierung sollte bei der nächsten Saisonstation auf dem TT Circuit Assen in den Niederlanden verteidigt werden. Bis da hin hatte GERT56 als Team bereits sechs Podeste aus acht Rennen gesammelt, der dritte Gesamtrang entsprach der gemeinsamen Zielsetzung für 2022.

Doch in Assen schlug „die nächste Tiefe“ zu: Nach zehn Minuten im ersten freien Training war Julian Puffe per Highsider von seinem Motorrad abgeworfen worden. Puffe brach sich den Fuß – vorzeitiges Saisonende. Damit war nicht nur die zweite M 1000 RR des Teams ein Totalschaden, sondern auch die Hoffnung auf einen erfolgreichen Saisonabschluss zunichte.

Die Zeit zwischen Assen und der sechsten Saisonstation auf dem Red Bull Ring war zu kurz, um die Technik gemäß der Ansprüche des Teams vorzubereiten und einen Ersatzfahrer zu testen. Als Privatteam, wo alle noch einem regulären Job nachgehen, gibt es solche außerordentlichen Zeitfenster nicht.

Doch GERT56 wäre nicht die gestandene und engagierte Truppe, wenn sie sich nicht zum IDM Finale Fans und Partnern nochmal präsentieren würde. Dass das Handy von Teamchef Karsten Wolf hinsichtlich der Gaststartangebote nicht mehr stillstand und sich viele Fahrer anboten zu helfen, war für die sächsische Mannschaft zum einen eine Ehre und zum anderen die Bestätigung ein attraktives Paket am Start zu haben.

Geworden ist es dann das, was GERT56 ausmacht: Eine Entscheidung mit einer Mischung aus Herz, Verstand und Qualität. Und da gab es nur einen, der die DNS des Teams und die der IDM gleichwohl in sich vereint – Stefan Kerschbaumer. Damit bringt man den einzigen GERT56 Piloten auf das Bike, welcher an beiden Siegen bei 24-Stunden-Rennen beteiligt war: 2018 beim Bol d‘Or (mit Julian Puffe) und 2020 bei den 24 Stunden von Le Mans (mit Toni Finsterbusch). Und genau für seine alten Team-Mates wird er die GERT56 BMW M 1000 RR um den, ihm aus vielen IDM Jahren gut vertrauten, Kurs von Hockenheim prügeln.

Die von RS Speedbikes und GERT56 neu aufgebaute M 1000 RR erlebte diese Woche Montag durch Kerschbaumer auf dem Autodrom Most bei der Moto Racing School ein erstes Roll-Out als Vorbereitung auf das IDM-Finale. „Kersch“ konnte sich damit auf seinen Einsatz vorbereiten.

Zudem werden in Hockenheim auch die beiden GERT56 ProSuperstock Piloten Jan Schmidt und Rico Löwe wieder an den Start gehen. Beide möchten sich nochmal mit Topergebnissen aus der Saison verabschieden und die Saison innerhalb der Top-10 erfolgreich beschließen.

Das bedeutet Full House in der GERT56 Box beim Finale in Hockenheim. Neben den drei eingesetzten Motorrädern, werden auch Julian Puffe und Toni Finsterbusch vor Ort sein, um Stefan Kerschbaumer zu unterstützen. Damit setzen alle zusammen ein Zeichen für die Fans und Organisatoren: Man will so schnell es geht in voller Stärke als Team wieder in diese Meisterschaft zurückkehren.

Stefan Kerschbaumer: „GERT56 und ich haben einige Erfolge zusammen gefeiert und natürlich ist es jetzt schön, dass wir endlich auch in der IDM einmal zusammen finden – wenngleich die Umstände natürlich nicht die schönsten sind. Ich freue mich aber, dass Toni und Julian wenigstens zum Zusehen dabei sein werden. Am Montag waren wir in Most zu einem Roll-Out testen. Das hat Spaß gemacht, denn ich bin jetzt schon einige Zeit kein Rennmotorrad mehr gefahren. Daher sollte man die Erwartungen an Hockenheim auch nicht so hoch schrauben, aber ich freue mich auf jeden Fall, dass wir zusammen am Start sein werden.“

Toni Finsterbusch: „Ich versuche gerade relativ schnell wieder auf die Beine und zu Kräften zu kommen, damit ich hoffentlich in nicht allzu langer Zeit wieder auf das Motorrad komme. Kersch wünsche ich auf jeden Fall viel Spaß – er weiß ja, dass dieses Motorrad auf das Podium fahren kann. Da kann er ja vielleicht noch mal einen raus kucken lassen – ganz ohne Druck! [lacht].“

Julian Puffe: „Ich hatte in Assen beim Sturz ja sofort gemerkt, dass in meinem Bein etwas ziemlich gebrochen war. Mir war da schon auch klar, dass meine Saison gelaufen war, als ich das erste Mal auftreten wollte und gesehen habe, wie mein Fuß so steht. Es war wirklich ein sehr komplizierter Bruch, Schien-Waden-Bein gebrochen, etc. Ich habe jetzt eine Platte und ganz viele Schrauben drin – jeder Arzt hat bis jetzt gesagt, dass es einige Zeit dauern wird. Seit vier Wochen liege ich zuhause rum und habe das Bein eigentlich nur hoch gelagert. Ich muss Ruhe halten und darf nicht belasten bis die Röntgen-Bilder sagen, dass der Knochen halbwegs zusammen gewachsen ist. Ich denke aber, dass ich spätestens nächstes Jahr wieder voll fit bin und angreifen kann. Ich freue mich, dass das Team Stefan Kerschbaumer in Hockenheim als Ersatzfahrer präsentiert, GERT56, er und ich haben zusammen den Bol d’Or gewonnen. Es war riesiges Pech für das ganze Team, dass Toni und ich ausgefallen sind, daher freue ich mich für die ganze Truppe, dass sie in Hockenheim noch mal an den Start gehen. Kerschi drücke ich die Daumen und ich werde auch selbst vor Ort sein und mir das ganze mal von der anderen Seite anschauen.“

Karsten Wolf: „Den Totalausfall und das vorzeitige Saisonende beider Superbike-Piloten zu akzeptieren fällt mir sehr schwer. Während mich der Rennunfall und die Verletzung von Julian in Assen traurig stimmt, ärgert mich der Hergang und die Umstände des unverschuldeten Crashs von Toni Finsterbusch in Schleiz heute noch enorm. Hier habe ich nach der Genesung aller Beteiligten auch noch Gesprächsbedarf. Wir haben ab der Lausitz gezeigt, dass wir im Winter mit Fahrwerkspartner Mototech SPV und Technikpartner RS Speedbikes genau die richtigen Schlüsse gezogen und Änderungen vorgenommen haben, um erfolgreich zu sein. Dies gepaart mit der Top-Form beider Piloten, die auf fast identischem Niveau agierten, brachte sofort die Ergebnisse, denen man im Vorjahr noch nachgelaufen ist. Aber was will man machen, scheinbar müssen wir in Zukunft drei Fahrer aufbieten, um einen durchzubringen? Schauen wir mal… Menschlich und sportlich freue ich mich Stefan Kerschbaumer wieder auf unserem Bike zu sehen. Er verkörpert wie kein anderer die erfolgreichste Zeit bei GERT56 und war viele Jahre fester Bestandteil der IDM. Ich denke Fans und Aktive gleichermaßen freuen sich auf das Wiedersehen. Es gibt keinerlei Ergebnisansprüche, außer seiner eigenen. Wir stellen ihm ein vollgetanktes und perfektes Bike hin und dann sollen er und wir Spaß haben. Schon in der Endurance hatte ich immer Ruhepuls, wenn ich ihm das Bike in den schwierigsten Phasen anvertraut habe und so ist es auch diesmal. Danke Kerschi!“