Samstag, 23. März 2019

Podium für BMW und Andretti Motorsport in Sanya: Félix da Costa führt die Fahrerwertung an


Platz 3 und Führung in der Meisterschaft für Antonio Felix da Costa
Foto: BMW-Motorsport
António Félix da Costa (POR) feierte beim Sanya E-Prix (CHN), dem sechsten Rennen der ABB FIA Formula E Championship, sein drittes Podest der Saison. Nach 36 Runden überquerte er als dritter die Ziellinie. Dank seiner 15 Punkte führt Félix da Costa nun die Fahrerwertung mit 62 Punkten an. Sein Teamkollege Alexander Sims (GBR) gehörte ebenfalls zu den Spitzenreitern, fiel jedoch nach einem Unfall aus.

Antonio Felix da Costa (BMW iFE 18)
Foto: BMW-Motorsport
Das Rennen war von den Startplätzen drei (Félix da Costa) und fünften (Sims) vor allem durch das Energiemanagement geprägt. Nachdem die Spitzenreiter mehr als die Hälfte des Rennens defensiv gefahren waren und das Feld dicht beieinander ließen, begannen die ersten Duelle nach etwa 30 Minuten. In einer direkten Begegnung mit André Lotterer (GER) rutschte Sims in die Absperrung und beschädigte seinen BMW iFE.18 zu stark, um das Rennen fortzusetzen. Nach diesem Vorfall kam das BMW i8 Coupé Safety Car auf die Strecke, bevor das Rennen kurz danach mit roter Flagge abgebrochen werden musste um das Fahrzeug zu bergen. Félix da Costa verteidigte seinen dritten Platz während des gesamten Rennens, das nach einem weiteren Unfall in der Mitte hinter dem BMW i8 Coupé Safety Car endete.

Félix da Costa hat mit 62 Punkten die Führung in der Fahrerwertung übernommen. Sims hat nach wie vor 18 Punkte auf dem 14. Platz der Gesamtwertung. In der Teamwertung liegt BMW i Andretti Motorsport mit 80 Punkten auf Rang fünf. Aufgrund zahlreicher Untersuchungen nach dem Rennen ist das Ergebnis vorläufig. 

Antonio Felix da Costa auf dem Weg zur Siegerehrung
Foto: BMW-Motorsport

António Félix da Costa nach dem Rennen:

„Natürlich bin ich mit dem Ergebnis, den Punkten und dem Vorsprung in der Fahrerwertung zufrieden. Aber ich bin auch etwas frustriert, wenn ich ehrlich bin, weil ich heute noch besser sein wollte. Ich konnte ohne Probleme mit den beiden Jungs mithalten und dachte, ich hätte gewinnen können. Die Strecke hier ist jedoch sehr eng und Sie müssen viel riskieren, um zu überholen. Ich habe es einmal versucht, entschied mich dann aber dazu, die wichtigen Punkte für den dritten Platz zu holen. Ich denke, so müssen wir handeln, wenn wir bis zum Ende der Saison an der Spitze bleiben wollen. “

Formel-E: Felix da Costa übernimmt Führung in der Fahrerwertung in China

  • Vergne siegt
  • Oliver Rowland nach Pole Zweiter
  • Felix da Costa übernimmt mit Dritten Platz Führung der Fahrerwertung
Antonio Felix da Costa übernimmt nach seinem dritten Platz in China die Führung in der Meisterschaft
Foto: BMW-Motorsport

Nissan e.dams Oliver Rowland, der von Pole aus startete, kam schnell vom Start weg, gefolgt von Jean-Eric Vergne von DS Techeetah auf Rang zwei und Antonio Felix da Costa von BMW i Andretti Motorsport auf Rang drei. Nur wenige Minuten nach dem Start kam Sam Bird von Envision Virgin Racing in Kurve 5 von der Strecke ab und begrub damit alle Hoffnungen für dieses Meisterschaftsrennen. Kurz nach Birds Ausscheiden fiel auch Stoffel Vandoorne von HWA Racelab wegen Schäden am Fahrzeug aus. 

Sobald die Aktivierungszone für den ANGRIFFSMODUS aktiviert war, begannen die Fahrer, sie zu durchfahren. Jeder Fahrer muss den ANGRIFFSMODUS mindestens zweimal nutzen, wobei jede Aktivierung vier Minuten lang zusätzlich 25 kWh bedeutet. 

Rowland, immer noch vorne, führte das Feld bei noch 30 Minuten verbleibender Rennzeit an. In der Zwischenzeit fielen beide Geox Dragon Fahrer aus, wodurch sich die Gesamtzahl der Fahrer, die auf dem 2,236 km langen Sanya-Straßenkurs ausfielen, auf vier erhöhte. Nachdem sein Teamkollegen aus dem Rennen war, überholte Robin Frijns von Envision Lucas di Grassi von Audi Sport Abt Schaeffler und kam auf Rang sieben, während der ehemalige Champion Mühe hatte, den ANGRIFFSMODUS zu aktivieren und die Aktivierungszone zweimal verpasste. 

Der amtierende Champion Vergne, der hungrig auf seinen ersten Saisonsieg war, schaffe in Kurve 11 den Durchbruch und übernahm die Führung, indem er Rowland überholte. Mit Vergne an der Spitze kämpfte Rookie Rowland mit einem dere erfahrensten Formula E Piloten um die Führung. Weiter hinten im Fahrerfeld streifte Alex Sims von BMW i die Wand, beschädigte das Heck seines Wagens und blieb auf der Strecke liegen. Mit der Roten Flagge wurde das Rennen 12 Minuten vor Rennende angehalten um Sims BMW zu bergen.

Nach dem Neustart des Rennens hinten dem BMW i8 Safety Car ging der Kampf um die Führung zwischen Rowland und Vergne weiter. Di Grassi arbeitete sich vom zehnten Platz nach vorn und holte sich von Frijns den sechsten Platz. Zwischenzeitlich gab es gegen Vergne eine Untersuchung wegen Nichtbeachtung des Safety-Car-Phase. Das brachte die Chancen des Franzosen auf einen dringend benötigten Sieg in Gefahr.

Zwei Minuten vor Rennende hatte Techeetahs Andre Lotterer den vierten Platz erobert und verfolgte da Costa in der dritten Position. In der letzten Minute des Rennens kam es zum Chaos, als di Grassi, der auf Rang sechs fuhr und aus dem Rennen flog, als Frijns in Kurve 8 in den brasilianischen Fahrer crashte. Da di Grassi gestrandet war, wurde das Rennen mit Gelbphase beendet. Vergne sah zuerst die Zielflagge, gefolgt von Oliver Rowland auf dem zweiten und da Costa auf dem dritten Platz.  

Ergebnis Formel-E Rennen China (Top-Five):

1. Jean-Eric Verne (DS Techeetah Formula E Team)
2. Oliver Rowland (Nissan E.Dams)
3. Antònio Felix Da Costa (BMW i Andretti Motorsport)
4. Andre Lotterer (DS Techeetah Formula E Team)
5. Daniel Abt (Audi Sport Abt Schaeffler)

Freitag, 22. März 2019

Formel E: Aktuelles und Buntes vom Audi-Team aus Sanya

  • Neue Rennstrecke auf der Hainan-Insel und extrem hohe Luftfeuchtigkeit
  • 400 Gäste von Audi China bei erstem Formel-E-Rennen in Sanya

Daniel Abt (l.) und  Lucas di Grassi genießen ein wenig freie Zeit am Strand
Copyright: Audi Communications Motorsport / Michael Kunkel 
Der erste E-Prix im südchinesischen Urlaubsparadies Sanya (Start am Samstag um 15 Uhr Ortszeit/8 Uhr MEZ) wird angesichts extrem hoher Luftfeuchtigkeit zu einer schweißtreibenden Angelegenheit.

Die Sonne verschwand in Sanya seit Freitag zwar immer wieder hinter dichten Wolken, geblieben sind aber hohe Temperaturen von rund 28 Grad im Schatten und eine relative Luftfeuchtigkeit von über 90 Prozent, die alle Fahrer und Teammitglieder schon bei der Streckenbegehung mächtig ins Schwitzen brachte.

Die beiden Audi-Piloten Daniel Abt und Lucas di Grassi rechnen mit einem weiteren spektakulären Formel-E-Rennen. „Die Strecke ist genau mein Style“, sagt Abt. „Vor allem kann man anders als zuletzt in Hongkong gut überholen.“ Teamkollege di Grassi bestätigt: „Der Kurs erlaubt mit seinen langen Geraden spannendes Racing, und die Qualität des Streckenbelags ist sehr gut.“

Die Strecke liegt auf der Hainan-Insel direkt am Strand von Sanya neben einem Ferienpark. Eine Besonderheit: Der Start erfolgt auf einer Brücke. Größere Auswirkungen als zuletzt dürfte der Attack Mode haben. „Die Kurve für die Aktivierung ist fast rechtwinkelig und superlangsam“, sagt Lucas di Grassi.

Am Donnerstag genossen Daniel Abt und Lucas di Grassi nach eigenen Worten „einen der besten PR-Tage“ ihrer Formel-E-Karriere. Di Grassi machte für den TV-Sender CNN einen Ausflug in den Regenwald der Yalong Bay. Anschließend tobten sich beide Audi-Piloten auf dem südchinesischen Meer bei Filmaufnahmen mit einem Flyboard aus.

China ist der weltweit größte Markt für die Automobilindustrie und das Interesse an der Formel E riesengroß: Rund 400 Gäste von Audi China werden das Rennen in Sanya am Samstag auf den Tribünen verfolgen. Für die Audi-Gäste begann das Formel-E-Wochenende mit einer Abendveranstaltung im Grand Hyatt in Sanya, bei der auch Daniel Abt, Lucas di Grassi, Audi-Motorsportchef Dieter Gass und Teamchef Allan McNish anwesend waren.

Dieter Gass verbrachte seinen Geburtstag am Mittwoch auf dem Flug von München nach Sanya. Bei der (verspäteten) Ankunft in Sanya wartete der Audi-Motorsportchef vergeblich auf sein Gepäck, das beim Zwischenstopp in Peking hängen geblieben war.

Die meisten Teammitglieder flogen zwischen den beiden Formel-E-Rennen in Hongkong und Sanya zurück nach Europa. Nur ein kleiner Teil des Teams Audi Sport ABT Schaeffler nutzte die Gelegenheit für einen Kurzurlaub in Asien. So verbrachte Teammanager Roger Köhler ein paar entspannte Tage auf Bali.

Teamchef Allan McNish verbrachte zwischen Hongkong und Sanya nur zwei Nächte zu Hause in Monaco. Der Schotte war am vergangenen Wochenende Grand Marshall beim 12-Stunden-Rennen in Sebring (USA), das er in seiner Rennfahrerkarriere viermal mit Audi gewonnen hat.

Ihren nächsten PR-Termin haben Daniel Abt und Lucas di Grassi in München: Am Abend des 4. April lädt Audi Motorsport-Journalisten zu einem Meet the Team bei Formel-E-Caterer Käfer.

Der sechste Saisonlauf der Formel E wird in Deutschland live von Eurosport übertragen. Außerdem zeigt die ARD das Rennen im Livestream unter daserste.de.

ADAC GT Masters begeistert 2019 mit Vielfalt und starkem Feld

  • 31 Fahrzeuge von acht Marken starten 2019 im ADAC GT Masters
  • Comeback von Aston Martin mit dem neuen Vantage
  • Neue oder weiterentwickelte Supersportwagen von Audi, Lamborghini und Porsche

Auch 2019 volle Starterfelder in der ADAC GT-Masters
Foto: Jens Hawrda

Das ADAC GT Masters begeistert die Fans auch in der Saison 2019 mit Markenvielfalt und einem starken Feld von mehr als 30 Supersportwagen. Für die vom 26. bis 28. April in der Motorsport Arena Oschersleben beginnende Saison haben 19 Teams insgesamt 31 Supersportwagen gemeldet. Insgesamt acht Marken sorgen für ein abwechslungsreiches und spektakuläres Feld. Audi, BMW, Corvette, Ferrari, Lamborghini, Mercedes-AMG, Porsche sowie Rückkehrer Aston Martin haben sich für die neue Saison eingeschrieben. Alle Rennen werden live und in voller Länge von SPORT1 übertragen. 

"Das ADAC GT Masters präsentiert auch 2019 ein starkes Starterfeld. Mit erneut mehr als 30 Sportwagen von acht Marken unterstreicht die Serie ihren Ruf als weltweit attraktivste GT3-Sprintserie", sagt ADAC Sportpräsident Hermann Tomczyk. "Im vergangenen Jahr haben wir die bisher ausgeglichenste Saison in der Geschichte des ADAC GT Masters erlebt. Die Saison 2019 verspricht wieder viel Spannung. Die Fans dürfen sich mit dem ADAC GT Masters, unserer neuen ADAC GT4 Germany, der ADAC TCR Germany und ADAC Formel 4 sowie dem Porsche Carrera Cup Deutschland auf ein einzigartiges Veranstaltungspaket freuen." 

Debütieren wird im ADAC GT Masters 2019 PROpeak Performance. Die Mannschaft aus der Eifel setzt zwei neue Aston Martin Vantage GT3 ein. Ebenfalls neu sind die Audi-Teams HCB-Rutronik Racing und T3 Motorsport. Nach einer Pause von einem Jahr kehrt Schütz Motorsport zurück und setzt mit Mercedes-AMG auf eine neue Marke. 

Vorjahreschampion Porsche ist mit vier neu entwickelten 911 GT3 R vertreten. Die Meistermannschaft Precote Herberth Motorsport geht die Mission Titelverteidigung mit einem Fahrzeug an. Das KÜS Team75 Bernhard von Sportwagen-Weltmeister Timo Bernhard vertraut dagegen erneut auf zwei "Neunelfer". Mit einem neuen 911 GT3 R bestreitet IronForce by RING POLICE ihre zweite Saison im ADAC GT Masters. 

Wie schon in den vergangenen Saisons ist der Audi R8 LMS auch 2019 das bei den Teams beliebteste Fahrzeug. Insgesamt 13 Exemplare des R8 LMS in einer für die Saison 2019 weiterentwickelten Version stehen in der Nennliste. Wie im Vorjahr tritt BWT Mücke Motorsport mit drei R8 LMS an. Zwei Autos setzen Aust Motorsport, EFP Car Collection by TECE, HCB-Rutronik Racing und Montaplast by Land-Motorsport ein, auf jeweils einen der V10-Mittelmotorsportwagen vertrauen das Team ISR und T3 Motorsport. Die Schwestermarke Lamborghini ist mit drei ebenfalls weiterentwickelten Huracán GT3 EVO vertreten, eingesetzt vom weltweiten erfolgreichsten Lamborghini-Team ORANGE1 by GRT Grasser. 

Mit fünf Fahrzeugen ist Mercedes-AMG die Marke mit den zweitmeisten Fahrzeugen im Feld. Das Team Zakspeed BKK Mobil Oil Racing und das Mann-Filter Team HTP starten wie im Vorjahr mit jeweils zwei Mercedes-AMG GT3. Das Sternquintett komplettiert Schütz Motorsport. 

Rekordsieger Callaway Competition startet wieder mit einer selbst entwickelten Corvette C7 GT3-R, auf den von Callaway entwickelten US-Dampfhammer vertraut auch wieder RWT Racing. HB Racing will erneut mit dem einzigen Ferrari 488 GT3 im Feld für Aufsehen sorgen, und MRS GT-Racing setzt auf den bulligen BMW M6 GT3. 

Ulrich Baretzky (Audi): „Die Fans werden sich freuen, wie ein Vierzylinder klingen kann“

  • Der Leiter der Motorenentwicklung über den neuen DTM-Turbomotor
  • Kompakte Maße, geringes Gewicht und faszinierender Sound
  • Extrem niedriger spezifischer Verbrauch trotz hoher Motorleistung
Ulrich Baretzky
Copyright: Audi Communications Motorsport / Mico Berger

Ulrich Baretzky, Leiter Entwicklung Motor bei Audi Motorsport, ist überzeugt, dass der neue Vierzylinder-Turbomotor für die DTM der richtige Schritt ist.


Warum betreibt Audi weiter Motorsport mit Verbrennungsmotoren?
Der Verbrennungsmotor hat noch eine lange Zukunft und ergänzt die Elektromobilität sehr gut. Wir beschäftigen uns bei Audi schon immer mit Hocheffizienz-Motoren – zuletzt jahrelang mit dem Diesel, jetzt wieder mit dem Benziner. Es gibt noch viele Möglichkeiten der Weiterentwicklung. Auch in Verbindung mit alternativen Kraftstoffen kann man einen Verbrennungsmotor extrem umweltfreundlich darstellen.

Was versteht man unter einem „Hocheffizienz-Motor“?
Es geht darum, mit hoher Verdichtung und sehr guten Wirkungsgraden das Maximum an Leistung aus dem zur Verfügung stehenden Kraftstoff herauszuholen – in der Serie genauso wie im Motorsport. In der DTM ist die Kraftstoffmenge, die zum Motor fließt, auf 95 Kilogramm pro Stunde begrenzt. Das hört sich nach sehr viel an, ist in Anbetracht der Leistung von über 610 PS aber nicht wirklich viel. Eine gesteigerte Fahrzeugperformance erhält man nur über den Weg der Effizienz. Und je effizienter der Motor ist, desto weniger Kraftstoff und damit Gewicht muss man mitschleppen.

Zweiliter-Vierzylinder-Turbomotoren, wie sie ab 2019 in der DTM zum Einsatz kommen, gelten derzeit als wichtigste Verbrennungsmotoren weltweit. Weshalb?
Es geht um das Gesamtpaket und um das Thema Gewicht: Gewicht erzeugt Verbrauch, deshalb muss man Gewicht einsparen. Um einen Motor klein und leistungsfähig zu halten, führt am Vierzylinder kein Weg vorbei. Er passt sowohl längs als auch quer in fast alle gängigen Modelle des Audi- und Volkswagen-Konzerns und ist daher weit verbreitet. Er ist der zentrale Motor – ein Weltmotor.

Die DTM ist sehr lange mit V8-Saugmotoren gefahren. War der Schritt zum Vierzylinder-Turbo richtig?
Der Schritt war überfällig. Den ersten Anlauf haben wir bereits vor mehr als zehn Jahren gemacht. Damals entstand das Konzept des Global Race Engine. Dieser Vierzylinder-Turbo wäre weltweit in vielen Rennserien einsetzbar gewesen. Das ist in Bezug auf Leistung, Gewicht und Abmessungen auch beim neuen DTM-Motor der Fall.

Seit wann beschäftigt sich Audi Motorsport mit dem neuen DTM-Motor?
Die ersten Überlegungen und ein Grundkonzept gab es 2008. Richtig intensiv beschäftigen wir uns mit dem Motor seit Dezember 2014. Damals wurden die Weichen für eine gemeinsame Zukunft der DTM und der japanischen Super GT gestellt.

Auch in der Rallycross-Weltmeisterschaft kam ein Zweiliter-Vierzylinder-Turbo zum Einsatz. Sind die Motoren vergleichbar?
Nein. Der Rallycross-Motor war weder ein Direkteinspritzer noch ein reinrassiger Rennmotor. Er war absolut serienbasiert mit einer begrenzten Laufleistung von 300 bis 400 Kilometer. Der neue DTM-Motor ist ein reinrassiger Rennmotor, der bis zur ersten Revision über 6.000 Kilometer halten soll – und danach idealerweise noch einmal so lange.

Audi hat im Motorsport viel Erfahrung mit Turbomotoren. Schon der Ur-quattro in der Rallye-Weltmeisterschaft war ein Turbo. Ist dieses Know-how hilfreich?
Natürlich ist jeder Motor anders, und jedes Reglement hat andere Herausforderungen. Aber man kann sich eine Menge Fehler und die eine oder andere Schleife ersparen, wenn man das Grundprinzip kennt.
 Audi 2.0 TFSI DTM 2019
Copyright: Audi Communications Motorsport / Malte Christians

Wie intensiv ist beim neuen DTM-Turbo der Austausch zwischen Motorsport und Serie, der Audi traditionell sehr wichtig ist?
Natürlich haben die Kollegen aus der Serie ein paar andere Anforderungen. Aber das Thema Effizienz spielt auch dort eine große Rolle, ebenso das Gewicht. Der DTM-Motor ist mit 85 Kilogramm sehr leicht, erheblich leichter als ein Serienmotor. Wir zeigen ein paar Wege auf, die in Zukunft hoffentlich auch den Weg auf die Straße finden – so wie beim ersten TFSI für Le Mans und dem TDI.

Woran denken Sie dabei speziell?
Gewicht und Leichtbau, gerade unter dem Aspekt der CO2-Vermeidung. Und das Thema Verbrauch. Der DTM-Motor hat einen extrem niedrigen spezifischen Verbrauch, der sich inzwischen in Regionen bewegt, wo sie früher typischerweise bei Dieselmotoren waren.

Verlief die Entwicklung des neuen DTM-Motors reibungslos?
Der Vierzylinder-Motor ist per se kein einfacher Motor. Er ist vor allem sehr schwingungsintensiv. Man muss Dinge, die bei anderen Motoren jahrzehntelang vom Prinzip her problemlos funktioniert haben, neu denken. Da gab es einige Sorgenfalten, aber wir haben das mit viel Mühe und Arbeit in den Griff bekommen.

Warum ist die Abstimmung eines Turbomotors komplexer als die eines Saugmotors?
Man hat mehr Stellschrauben, zum Beispiel Ladedruck, Ladelufttemperatur und Anpassung an die jeweilige Umgebung. Es ist nicht schwieriger, aber aufwendiger, das Maximum aus dem Motor herauszuholen. Der Motor ist auch relativ hoch verdichtet und dadurch klopfempfindlicher.

Erstmals gibt es in der DTM auch eine Push-to-Pass-Funktion. Welchen Einfluss hatte diese Funktion auf die Entwicklung?
Der Motor wurde ursprünglich auf eine Leistung von rund 600 PS ausgelegt. Jetzt kommen für eine bestimmte Zeit noch einmal 30 PS drauf. Das erhöht die Gesamtbelastung massiv, auch wenn es nur für begrenzte Zeit ist.

Worauf dürfen sich die Fahrer freuen?
Der Fahrer ist per se immer nur an Leistung und Drehmoment interessiert. Davon hat der Motor reichlich. Ihnen ist aber auch sofort aufgefallen, dass der Turbomotor etwas anders zu fahren ist als ein Saugmotor und sich das Auto aufgrund des niedrigeren Fahrzeuggewichts agiler verhält. Und der Motor ist sehr spontan, er dreht schnell hoch bis 9.500 Umdrehungen. Ich kann mir gut vorstellen, dass so etwas Spaß macht.

Werden die Fans auch Spaß haben?
Die Fans werden sich darüber freuen, wie ein Vierzylinder klingen kann, und die Achtzylindermotoren nicht vermissen. Gleich beim ersten Test in Estoril war ich beeindruckt, wie gut und aggressiv der Turbomotor klingt. Das wird ein absolutes Spektakel.

Der neue DTM-Motor verfügt über ein Anti Lag System (ALS). Was versteht man darunter?
Das ALS hilft, das Turboloch zu beseitigen. In der Schubphase, also wenn der Fahrer zum Beispiel auf eine Kurve zufährt und bremst, wird der Turbolader künstlich auf Drehzahl gehalten. Wenn der Fahrer nach der Kurve wieder aufs Gas geht, hat er sofort Ladedruck.