Montag, 10. Oktober 2016

DTM-Finale: Audi kämpft um drei Meistertitel

  • Audi kann in Hockenheim Fahrer-, Hersteller- und Teamwertung gewinnen
  • Audi RS 5 DTM schon vor dem Finale das erfolgreichste Auto der Saison
  • Mike Rockenfeller in einem Team mit Titelkandidat Edoardo Mortara
Audi beim Finale in Hockenheim  auf Titeljagd
Foto: Jens Hawrda
Audi Sport ist mit dem ehrgeizigen Ziel in die DTM-Saison 2016 gegangen, alle drei Meistertitel zu gewinnen. Beim mit Spannung erwarteten Finale auf dem Hockenheimring vom 14. bis 16. Oktober kann dieses Ziel Realität werden.

 
Vor den beiden letzten Saisonrennen liegt Audi in zwei der drei Wertungen in Führung: In der Herstellerwertung hat Audi 37 Punkte Vorsprung vor BMW und 174 Punkte Vorsprung vor Mercedes-Benz. In der Teamwertung liegt das Audi Sport Team Abt Sportsline 25 Punkte vor dem BMW Team RMG (Marco Wittmann/Timo Glock). Und in der Fahrerwertung hat Edoardo Mortara (Audi) den Rückstand auf Spitzenreiter Marco Wittmann (BMW) am letzten September-Wochenende in Budapest auf 14 Punkte reduziert.
Damit kann der in Genf (Schweiz) lebende Audi-Pilot in Hockenheim aus eigener Kraft DTM-Champion werden. Gewinnt er beide Rennen, ist er Meister. Geht Marco Wittmann in beiden Rennen leer aus, würden dem viermaligen Saisonsieger Mortara sogar ein sechster und ein siebter Platz zum Fahrertitel genügen. Für Audi Sport wäre es der insgesamt zehnte.

 
„Ich freue mich auf das große Finale und komme zuversichtlich und voller Selbstvertrauen nach Hockenheim“, sagt Mortara. „Wir haben dort im Mai das erste Rennen des Jahres gewonnen und sollten auch beim Finale eine Chance auf den Sieg haben. Mein Audi RS 5 DTM hat sich zuletzt auf dem Nürburgring und in Budapest richtig gut angefühlt. Das Team arbeitet großartig, die Ingenieure und Mechaniker machen einen tollen Job. So haben wir es geschafft, den Rückstand auf Marco (Wittmann) bei den vergangenen beiden Rennwochenenden deutlich zu reduzieren. Es sind nur noch 14 Punkte zwischen uns. Nun hoffen wir, ihn im Endspurt zu überholen. Wir werden nicht aufgeben und bis zum Schluss kämpfen.“

 
Nicht nur aufgrund der starken Leistung in Budapest vor drei Wochen mit einem Sechsfacherfolg und einem Doppelsieg zeigt die Mannschaft von Audi Sport vor dem Finale Selbstvertrauen. Der Audi RS 5 DTM ist beim Saisonabschluss in Hockenheim seit zwei Jahren ungeschlagen. 2014 holte Audi mit einem Dreifachsieg den Titel in der Herstellerwertung. Im vergangenen Jahr gewann Timo Scheider das Samstagsrennen. Am Sonntag war das Podium dank Jamie Green, Mattias Ekström und Edoardo Mortara wie schon 2014 fest in Audi-Händen.

 
„Natürlich werden wir alles daran setzen, eine so starke Leistung wie in den vergangenen beiden Jahren abzurufen“, sagt Dieter Gass, Leiter DTM bei Audi Sport. „Wir wissen, dass unser RS 5 DTM auf dem Hockenheimring sehr schnell ist. Das stimmt uns zuversichtlich. Gleichzeitig wissen wir natürlich auch, was in einem DTM-Finale alles passieren kann. Dass wir tatsächlich noch um alle drei Titel kämpfen, beweist, dass wir auf eine sehr gute Saison zurückblicken. Aber noch sind wir nicht am Ziel. Für alle Beteiligten gilt es, einen Null-Fehler-Job zu machen.“

 
Schon jetzt steht fest, dass der Audi RS 5 DTM – genau wie im Vorjahr – das erfolgreichste Auto der Saison ist. Acht der bisher 16 Rennen hat Audi gewonnen, je vier BMW und Mercedes-Benz. Insgesamt weist der Audi RS 5 DTM eine eindrucksvolle Bilanz auf: Von 2014 bis 2016 gelangen bei 44 Renneinsätzen 20 Siege, 17 Pole-Positions und 25 schnellste Rennrunden – zuletzt sogar fünf in Folge.
 
 
Auch die bisherige Bilanz der DTM-Piloten kann sich sehen lassen. Fünf der acht Audi-Fahrer haben in diesem Jahr bereits ein Rennen gewonnen, darunter alle vier Fahrer des Audi Sport Team Abt Sportsline (Edoardo Mortara vier, Mattias Ekström, Miguel Molina und Nico Müller je eins) sowie Jamie Green aus dem Audi Sport Team Rosberg, der mit 39 Punkten Rückstand auf Marco Wittmann noch eine Außenseiterchance auf den Fahrertitel hat.

 
Erstmals seit 15 Jahren wird Mattias Ekström ein DTM Rennen verpassen. Da der Schwede zeitgleich auf dem Estering bei Hamburg mit seinem Audi S1 EKS RX quattro um den Titel in der Rallycross-WM kämpft, startet Mike Rockenfeller beim Finale in Hockenheim im Audi Sport Team Abt Sportsline. Als Ersatz für Rockenfeller geht René Rast mit dem Red Bull Audi RS 5 DTM in Hockenheim für das Audi Sport Team Phoenix an den Start. Rast kennt die Mannschaft von Ernst Moser von zahlreichen Einsätzen im GT-Sport besonders gut und wird deshalb schnell Teil seiner Hockenheim-DTM-Mannschaft sein. Als Vorbereitung auf das DTM-Finale nahm Rast zudem im Anschluss an die beiden DTM-Rennen auf dem Hungaroring an einem DTM-Reifentest teil.

 
135.000 Zuschauer kamen im vergangenen Jahr zum Finalwochenende der DTM nach Hockenheim. Angesichts der spannenden Ausgangslage erwarten die Organisatoren eine ähnlich imposante Zuschauerkulisse. Ein Besuch des Finales lohnt sich auch wegen des attraktiven Rahmenprogramms, zu dem die Titelentscheidung des Audi Sport TT Cup und am Samstagabend ab 18.30 Uhr Liveacts wie The BossHoss, Finn Martin und Marlon Roudette zählen. Die Gäste in der Audi Race Lounge erleben am Samstagabend zudem einen Auftritt der Band Glasperlenspiel. 

Mittwoch, 5. Oktober 2016

Rallycross-WM: Ekström feiert zweiten Platz in Riga

Foto: Audi-Motorsport
Mattias Ekström ist beim zehnten Lauf der FIA-Rallycross-Weltmeisterschaft in Riga erneut auf das Podium gefahren. Der Schwede musste sich im Finale nur dem neunmaligen Rallye-Weltmeister Sébastien Loeb geschlagen geben und belegte Rang zwei. Mit seinem fünften Podestergebnis der Saison baute Ekström seinen Vorsprung in der Gesamtwertung weiter aus. Bei noch zwei ausstehenden Rennwochenenden liegt der Audi-DTM-Fahrer 27 Zähler vor seinem Landsmann Johan Kristoffersson – maximal können die Piloten noch 60 Punkte einfahren. In der Teamwertung liegt Ekström zusammen mit seinem EKS-Teamkollegen Toomas Heikkinen mit einem Vorsprung von acht Punkten auf das Team Peugeot Hansen ebenfalls an der Spitze. Der vorletzte Lauf der Saison findet am 15. und 16. Oktober auf dem Estering in Buxtehude statt. Auf der traditionsreichen Rennstrecke bei Hamburg kann sich Ekström vorzeitig den WM-Titel sichern.

Montag, 3. Oktober 2016

Connor De Phillippi/Christopher Mies gewinnen ADAC GT Masters 2016

  • Robert Renauer/Martin Ragginger siegen in dramatischem letzten Saisonrennen
  • Montaplast by Land-Motorsport gewinnt Teamwertung
  • Remo Lips neuer Champion in der Trophy-Wertung
die Meister 2016
Foto: ADAC-Motorsport
Connor De Phillippi (23, USA) und Christopher Mies (27, Heiligenhaus/beide Montaplast by Land-Motorsport) sind die neuen Champions des ADAC GT Masters. In einem bis zur letzten Sekunde packenden Finalrennen in Hockenheim vor mehr als 20.000 Zuschauern am Wochenende reichte dem Duo im Audi R8 ein achter Rang zum Titelgewinn. Ihre Titelrivalen Jules Gounon (21, F) und Daniel Keilwitz (27, Villingen/beide Callaway Competition) lagen in einer Corvette C7 zwischenzeitlich auf Meisterschaftskurs, schieden aber nach einem Unfall aus. "Wir sind Champions - was für eine Saison", so Serienneuling De Phillippi. "Das ist definitiv der schönste Tag in meiner Motorsportkarriere." Das Rennen entschieden Robert Renauer (31, Jedenhofen) und Martin Ragginger (28, A/beide Precote Herberth Motorsport) im Porsche 911 für sich. Team-Meister wurde Montaplast by Land-Motorsport, neuer Champion in der Trophy-Wertung ist Remo Lips (33, CH/RWT Racing).

Zwei Rennen im Rennen


Die Zuschauer beim letzten Saisonrennen kamen in den Genuss zweier verschiedener Geschehen: den Kampf um den Laufsieg und die Entscheidung in der Meisterschaft. Nach dem Start verteidigte Porsche-Fahrer Martin Ragginger souverän seine Führung vor Markenkollege Kévin Estre (27, F/KÜS TEAM75 Bernhard). Der Gesamtzweite Daniel Keilwitz machte in seiner Corvette C7 in der Anfangsphase zwei Ränge gut und lag auf Rang vier hinter Christian Engelhart (29, Kösching/GRT Grasser-Racing-Team) im Lamborghini Huracán. Audi-Pilot Christopher Mies hielt seinen siebten Rang und verteidigte damit zunächst virtuell die Tabellenführung. Kurz vor der Phase der Boxenstopps dann eine Schrecksekunde: Mies rutschte ins Kiesbett und fiel aus den Punkterängen.

Nach den Fahrerwechseln wurde es noch dramatischer: Connor De Phillippi lag weiterhin außerhalb der Top Ten, während Gounon als Vierter auf Titelkurs war. Im Duell mit dem Lamborghini von Rolf Ineichen (38, CH/GRT Grasser-Racing-Team) um Rang drei rutschte Gounon von der Strecke und schlug in die Streckenbegrenzung ein. Das Rennen wurde mit der roten Flagge unterbrochen. Der Verdacht bei Gounon auf einen Schienbeinbruch hat sich nicht bestätigt.

Zitterpartie für Audi


Nach dem Restart blieben die beiden Porsche von Robert Renauer und Estres Teamkollege David Jahn (25, Leipzig) in Führung. Jahn hatte noch rechnerische Titelchancen, doch ein achter Rang von De Phillippi/Mies reichte dem Audi-Duo zum Triumph. Jahn beendete das Rennen als Zweiter und eroberte damit Tabellenrang zwei in der Fahrerwertung vor Gounon/Keilwitz. Für De Phillippi war es bereits der zweite Titelgewinn an diesem Wochenende: Am Samstag hatte er sich den Gesamtsieg in der Junioren-Wertung für Fahrer unter 25 Jahren gesichert. Zudem gewann Montaplast by Land-Motorsport die Teamwertung.

Den letzten Rennsieg - ihren zweiten der Saison - feierten Robert Renauer/Martin Ragginger. Hinter den Zweitplatzierten Jahn/Estre holten Nicolai Sylvest (19, DK)/Nikolaj Rogivue (20, CH/beide AMG-Team Zakspeed) im Mercedes-AMG ihren zweiten Podestplatz 2016. Rolf Ineichen/Christian Engelhart belegten Rang vier, gleichbedeutend mit dem Sieg für Ineichen in der Trophy-Wertung. Ein weiterer Porsche 911 mit Marvin Dienst (19, Lampertheim) und Christopher Zanella (26, CH/beide bigFM Racing Team Schütz Motorsport) am Steuer belegte Rang fünf. Sechste wurden Philip Geipel (29, Plauen)/Rahel Frey (30, CH/beide YACO Racing) im bestplatzierten Audi R8, Siebte Patrick Assenheimer (24, Heilbronn)/Dominik Schwager (40, Eisenhofen/beide Callaway Competition) in einer Corvette C7. Hinter De Phillippi/Mies rangierten Jordan Pepper (20, ZA) und Daniel Abt (23, Kempten/beide Bentley Team ABT) im Bentley Continental auf Rang neun. Auf Platz zehn strahlte noch ein Champion: Remo Lips sicherte sich an der Seite von Teamkollege Sven Barth (35, Weinheim/beide RWT Racing) in einer Corvette Z06.R GT3 den Titel in der Trophy-Wertung für nichtprofessionelle Piloten.

Stimmen der Sieger


Connor De Phillippi
(Montaplast by Land-Motorsport, Audi R8):
"Was für ein Rennen. Das war definitiv der schönste Tag in meiner Rennfahrerkarriere - und der aufregendste ebenso. Es ging für uns auf und ab. Erst waren wir Meister, dann wieder nicht, dann doch wieder. Über Funk sagten sie mir, ich muss noch zwei Konkurrenten überholen. Aufregung pur. Ich danke allen, die zu diesem Triumph beigetragen haben und freue mich für jedes Teammitglied."

Christopher Mies (Montaplast by Land-Motorsport, Audi R8):
"Zu Beginn des Rennens hing ich viele Runden hinter einem Porsche fest. Auf Biegen und Brechen hätte ich ihn wohl überholen können, aber ich wollte kein Risiko eingehen. Kurz vor dem Boxenstopp ist mir dann leider ein Fehler passiert. Aber das Team hat super reagiert, hat das Auto sofort reingeholt. In der zweiten Rennhälfte gab es dann den Unfall von Jules (Gounon). Ich wünsche gute Genesung. Am Ende wurde es noch einmal ein wenig spannend, aber schlussendlich haben wir es geschafft. Jetzt wird gefeiert."

Honda-Pilot Steve Kirsch gewinnt das letzte Saisonrennen

  • Spannender Abschluss der Premierensaison der ADAC TCR Germany
  • Hari Proczyk holt die Vizemeisterschaft
  • Team Honda ADAC holt den Vizetitel in der Teamwertung
Steve Kirsch gewinnt das letzte Rennen der Saison
Foto: ADAC-Motorsport
Steve Kirsch (37, Chemnitz, Team Honda ADAC) hat das 14. und letzte Saisonrennen der ADAC TCR Germany auf dem Hockenheimring gewonnen. Der 37-Jährige setzte sich in seinem Honda Civic TCR vor Honda-Gastfahrer Dennis Strandberg (23, Schweden, Target Competition) und Ronny Jost (28, Schweiz, TOPCAR Sport) im Seat Leon TCR durch. Premierenmeister Josh Files (25, Großbritannien, Target Competition), der am Samstag im Honda Civic TCR den vorzeitigen Titelgewinn perfekt gemacht hatte, schied zum Abschluss früh aus und beendete die Premierensaison der neuen Tourenwagenserie des ADAC mit 222 Punkten. Seat-Pilot Harald Proczyk (40, Österreich, HP Racing) sicherte sich mit einem vierten Rang die Vizemeisterschaft.

5,5 Punkte Vorsprung hatte Proczyk letztlich vor Kirsch, der mit seinem zweiten Saisonsieg und dem dritten Rang am Vortag sein erfolgreichstes Wochenende in der ADAC TCR Germany feierte. Bester Junior war Kirschs Teamkollege Dominik Fugel (19, Chemnitz) als Elfter. Im Rennen um die Vizemeisterschaft in der Teamwertung setzte sich das Team Honda ADAC damit knapp gegen Proczyks Rennstall HP Racing durch. "Für das Team ist es perfekt, da hat es heute für Platz zwei in der Teamwertung gereicht. Dass Hari Proczyk den Vizemeistertitel geholt hat, ist kein Problem für mich. Wir haben zum Abschluss noch einmal gewonnen und der Junior Dominik Fugel steht auch auf dem Podest - was will man mehr", sagte Kirsch.

Kai Jordan (47, Wolfsburg, JBR Racing) belegte Rang fünf und holte damit das beste Ergebnis eines VW Golf GTI TCR. Newcomer Lukas Niedertscheider (21, Österreich, HP Racing) fuhr im Seat als Sechster prompt in die Punkte. Hinter ihm folgten Emil Westmann (20, Finnland, LMS Racing) in einem weiteren Seat, VW-Pilotin Gosia Rdest (23, Polen, Liqui Moly Team Engstler), Jürgen Schmarl (42, Österreich, Target Competition) im Honda und Seat-Fahrer Pascal Eberle (25, Schweiz, Steibel Sport).

Gleich nach dem Start gab es einen Kontakt zwischen Files und Strandberg, in dessen Folge der neue Champion ausschied, auch Antti Buri (27, Finnland, LMS-Racing) musste seinen Seat nach einem Dreher vorzeitig abstellen. In Führung lag Jost, als das Safety Car nach vier Minuten auf die Strecke kam.

Nach dem Restart übernahm Kirsch die Spitze und setzt sich ab. Strandberg aber, der zwischenzeitlich auf Rang sechs zurückgefallen war, kämpfte sich immer näher heran. Kirsch wehrte aber alle Attacken ab und verteidigte seinen Platz bis zum Schluss erfolgreich.
Steve Kirsch
Foto: ADAC-Motorsport

Steve Kirsch (Sieger, Team Honda ADAC):
"Das war ein guter Abschluss. Mein Start war ein Jahrhundertstart, der funktioniert nicht immer so. Dadurch hatte ich nicht mehr viele Gegner vor mir. Die Safety-Car-Phase kam uns ein bisschen entgegen. Dennis Strandberg hat richtig Druck gemacht und Gas gegeben. Das war uns aber von vorneherein klar, deswegen musste ich von Anfang an pushen."

Sonntag, 2. Oktober 2016

Josh Files: Der erste Champion der ADAC TCR Germany im Porträt

  • Vom Underdog zum Champion: Files' Weg an die Spitze
  • Lob und Anerkennung von der Konkurrenz
  • ADAC TCR Germany-Meister Files: "Der größte Erfolg meiner Karriere"
Josh Files
Foto: ADAC-Motorsport
Dass er vor der Premierensaison der ADAC TCR Germany höchstens echten Motorsportexperten ein Begriff war, kümmerte Josh Files (25, Großbritannien, Target Competition) überhaupt nicht. Schnell machte sich der Mann aus Norwich einen Namen - mit seiner fehlerfreien und konstanten Leistung auf der Strecke und mit seiner offenen und lockeren Art abseits des Asphalts. Einem Doppelsieg zum Auftakt der Saison in Oschersleben ließ er in den folgenden Monaten vier weitere folgen - dass Files sich am Samstag in Hockenheim vorzeitig zum ersten Meister der ADAC TCR Germany kürte, war der verdiente Lohn.

"Ich bin überglücklich, ich kann es kaum glauben. Das ist der größte Erfolg in meiner Karriere", sagte der 25-Jährige, strahlte über das ganze Gesicht und schüttelte immer wieder ungläubig den Kopf. In den letzten zwei Runden schossen im die Tränen in die Augen, er konnte und wollte sie nicht zurückhalten. "Ich habe mich so gefreut, das war schon sehr emotional", sagte er und ließ die Saison in Gedanken noch einmal Revue passieren.
in der laufenden Saison von Seat zu Honda gewechselt
Foto: ADAC-Motorsport

Dass er die Saison im Seat Leon TCR begann und dann auf den Honda Civic TCR umstieg? Dass er einen Großteil der Strecken gar nicht kannte und ein echter Spätstarter in Sachen Motorsport ist? All das blendete Files in diesem Jahr aus, mit seinem Team Target Competition, das im vergangenen Jahr den Meister in der internationalen TCR-Serie gestellt hatte, fand der Brite auch bei schwierigen Bedingungen immer wieder Lösungen.

Files wurde von den beiden Target-Teamchefs Markus und Andreas Gummerer entdeckt, die den 25-Jährigen zunächst über einige Monate beobachteten und dann bereits wussten: "Das ist einer, mit dem wir die Meisterschaft gewinnen können." Files rechtfertigte das Vertrauen: "Mir geht es immer ums Gewinnen, mit zweiten Plätzen will ich mich gar nicht beschäftigen", sagte er.

Auch bei der Konkurrenz hinterließen Files' Vorstellungen Eindruck. "Wer am Ende des Jahres ganz oben steht, der hat es schlicht und einfach verdient. Er hat die meisten Punkte geholt, und Target hat das Maximum aus seinem Honda herausgeholt", sagte etwa Steve Kirsch (37, Chemnitz, Team Honda ADAC), mit dem sich Files im Laufe der Saison viele spannende Duelle auf der Strecke geliefert hatte. Auch Benjamin Leuchter (28, Duisburg, Racing One) sah im Gesamtpaket den Schlüssel zum Erfolg: "Guter Fahrer, gutes Auto, gutes Team. So einfach geht die Rechnung", sagte der 28-Jährige und meinte: "Ich habe die Target-Jungs und insbesondere Josh Files spätestens nach dem Auftakt in Oschersleben auf dem Schirm gehabt." Und für Harald Proczyk (40, Österreich, HP Racing) war ohnehin schon "länger klar, dass der Sieger am Ende Josh Files heißen wird".

Files selbst hatte den steigenden Druck und die erhöhten Erwartungen an seine Person immer von sich gewiesen. "Die Meisterschaft ist erst dann entschieden, wenn ich rechnerisch nicht mehr einholbar bin. Davor will ich mich damit nicht beschäftigen. Ich gehe Schritt für Schritt", hatte er stets betont. Passend zum Saisonfinale war sein Vater angereist, ansonsten hatte er versucht, die gewohnten und eingespielten Abläufe auch beim Finale durchzuspielen.

Im Gegensatz zu den meisten seiner Mitstreiter ist Files ein echter Spätstarter und erst seit etwa sechs Jahren im Motorsport aktiv. "Ich bin über meinen Vater zum Motorsport gekommen, aber ich selbst bin als Kind nie auf der Kartbahn gewesen", sagt Files, der sein Renndebüt 2010 gab. Zunächst war er erfolgreich im Thoroughbred Sports Car, seit 2011 dann im Renault Clio Cup in seiner Heimat.

Auch nach dem Wechsel in den Tourenwagensport Ende 2015 war er auf Anhieb schnell unterwegs. "Ich bin tief verbunden mit dem Motorsport, ich liebe Rennen und den Wettkampf", sagte der Brite, der außerdem als Fahrlehrer und Autohändler arbeitet "Ich stehe darauf, ein bisschen anders zu sein", sagt er lächelnd - der Erfolg gibt ihm recht.