Dienstag, 22. September 2026

Euro Moto Supersport: Der dreifache Champion kehrt zurück

Max Enderlein hat den Spaß nicht verloren und wagt auf einem neuen Motorrad
in einem neuen Team die Rückkehr in die Supersport-Klasse.
Foto: Tobias Gehrke

Zwei Jahre Motorradpause sind abgehakt. Max Enderlein ist zurück – und zwar dort, wo er sich bestens auskennt. Beim EURO MOTO-Finale vom 25. bis 27. September in Hockenheim steigt der dreifache IDM Supersport-Meister (2018, 2019, 2022) als Gaststarter auf eine MV Agusta F3 800 RR. Und wie gewohnt, geht Enderleins Auftritt eine penible Vorbereitung voraus.

Startnummer 32, Axalta MV Agusta Racing Team, EURO MOTO Supersport. Hinter dem Projekt stehen Daniel Rauh von Fast Bike Service aus Mülheim an der Ruhr und Achim Weber von WM Motorsport aus Köln. Also eine Menge Erfahrung auf der Rennstrecke. Hauptsponsor Axalta ist ein international tätiger Lackhersteller.

Für Enderlein ist es der erste Renneinsatz in der Serie seit dem IDM-Finale 2024. Erste Kilometer auf der MV sammelte der 29-Jährige bei privaten Tests. Beim EURO MOTO-Testtag am Nürburgring war er ebenfalls schon dabei und drehte seine ersten Runden im freien Training. Vieles funktioniert, manches ist Neuland. Auch technisch geht das Team eigene Wege und setzt auf YSS-Federelemente.

„Supersport ist die Klasse, in der ich zu Hause bin. Nach der Pause freue ich mich riesig, in Hockenheim noch einmal anzugreifen, und dann auch noch mit der 32 auf einer MV Agusta. Was am Ende drin ist, sehen wir am Wochenende“, sagt der Sachse aus Hohenstein-Ernstthal.

Große Ansagen? Fehlanzeige. Enderlein weiß, dass nach zwei Jahren Pause nicht alles auf Anhieb sitzen kann. „Wir werden nicht perfekt sein, andererseits bin ich aber auch gereift.“ Wer Enderlein kennt, der weiß, dass er sich ohne gewisse Erfolgschancen niemals in so ein Herzensprojekt stürzen würde. Es zeigt aber auch, dass ihn der Rennsport nicht losgelassen hat.

Teammanager und Crewchief Daniel Rauh belagerte ihn schon im letzten Jahr, doch damals lehnte Enderlein noch ab. Aber Rauh blieb dran. Mit Erfolg. „Mit Max haben wir einen Fahrer, der weiß, wie man in der Supersport gewinnt. Für uns ist dieser Start ein echtes Highlight und die Belohnung für viele Stunden Vorbereitungsarbeit“, sagt Rauh, der seit Beginn der 2000er Jahre in der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft aktiv ist. 2015 holte sein Team mit Mathieu Ginès auf der Yamaha R1M den Titel in der IDM Superstock 1000.

Achim Weber bringt MV-Geschichte ins Team ein. 2004 und 2005 baute er gemeinsam mit dem deutschen Importeur das Werks-Superbike der Italiener für Jörg Teuchert auf. Für Weber schließt sich jetzt ein Kreis: „Dass wir jetzt wieder eine MV in der deutschen Meisterschaft an den Start bringen, und das mit einem Fahrer wie Max, ist für mich etwas ganz Besonderes.“

Und was kommt danach? Enderlein lässt sich noch nicht in die Karten schauen. Vollgas-Comeback für 2027? Seine Antwort auf die Frage, ob er sich einen kompletten Wiedereinstieg vorstellen kann: „Vielleicht.“ Erst einmal steht Hockenheim auf dem Programm. Es wird spannend, was nach zwei Jahren Renn-Abstinenz noch im Handgelenk steckt.

Quelle: euromoto.racing / Anke Wieczorek



Euro Moto Superbike: Twan Smits bekommt den WM-Freifahrtschein

Gerade richtig durchgezogen – und schon ist er weg. Twan Smits macht den nächsten Karrieresprung und wechselt mit Yamaha in die Superbike-Weltmeisterschaft. Der 22-jährige Niederländer wird die Saison für Moto X Racing in der WorldSBK zu Ende fahren. Für die EURO MOTO Superbike ist das zwar ein herber Verlust, für Smits aber ein großer Schritt auf der Karriereleiter.

Der Aufstieg ist eine logische Konsequenz. Bei den beiden letzten Rennwochenenden in Assen und auf dem Nürburgring räumte Smits jeweils das komplette Paket ab: Pole-Position und anschließend beide Siege. Viel deutlicher kann man sich kaum empfehlen.

Dabei ist der Niederländer erst in seinem zweiten Jahr auf einem Superbike in der EURO MOTO unterwegs. Inzwischen hat er auch den ersten Test mit der WM-Yamaha absolviert. „Diese R1 ist wirklich next level“, so Smits. Später bremsen, jede Menge Elektronik und damit verbundene Möglichkeiten ohne Ende. Kurz gesagt: Das Spielzeug ist schärfer geworden. „Es wird einige Zeit dauern, das volle Potenzial des Motorrads auszuschöpfen“, weiß der Niederländer. Die ersten Fortschritte wurden bereits verzeichnet.

„Mir fehlen immer noch die Worte, um meine Gefühle zu beschreiben“, sagt Smits. Die WorldSBK sei sein größter Traum gewesen, seit er im R3-Cup mit dem Rennsport angefangen habe. Als Yamaha anrief, habe er es zunächst selbst kaum glauben können. Und plötzlich steht vom 25. bis 27. September sein erste Superbike-WM-Wochenende in Cremona vor der Tür. Und wenn dabei gleich die ersten WM-Punkte herausspringen, wäre der Einstand perfekt und in seinem Sinne.

Für das EURO MOTO-Finale in Hockenheim hat sich Smits abgemeldet. Sein Apreco-Team Yamaha muss ohne ihn auskommen. Die Termine überschneiden sich. Andererseits ist es gut so. Smits ist Teil des „bLU cRU“-Programms von Yamaha, das Talente vom Nachwuchs-Cup über die nationalen Serien bis hin zur Weltmeisterschaft begleiten soll. Bei ihm scheint der Plan gerade ziemlich gut aufzugehen.

Quelle: euromoto.racing / Anke Wieczorek


Euro Moto Superbike: Markus Reiterberger ist Langstreckenweltmeister

Dream Team: Manager Werner Daemen, Markus Reiterberger (hinten),
Steve Odendaal, Michael van der Mark (vorn).
Foto: BMW Motorrad Motorsport

Die Freudentränen liefen und jeder konnte sie sehen. Das BMW Motorrad World Endurance Team war außer Rand und Band. Beim abschließenden 24-Stunden-Rennen, dem prestigeträchtigen Bol d’Or in Le Castellet, holten die Fahrer Michael van der Mark (NED), Markus Reiterberger (GER) und Steven Odendaal (RSA) mit der BMW M 1000 RR nicht nur den dominanten Sieg, sondern sie schrieben Geschichte: Sie holten den ersten Weltmeistertitel für einen europäischen Hersteller in der FIM EWC. Das heißt auch: Reiti kommt als neuer EWC-Champion zum EURO MOTO-Finale nach Hockenheim.

Vier Punkte machen den Unterschied

Pole Position und Sieg: Es war ein perfektes Wochenende für die drei Fahrer beim letzten 24-Stunden-Rennen der Saison. In Le Castellet gab es für das Team nur ein Ziel: Als Zweiter mit 19 Punkten Rückstand kommen, als Erster gehen. Es funktionierte perfekt. Van der Mark, der in dieser Saison neu als Stammfahrer im Team ist und zuvor noch nie auf der französischen Strecke gefahren ist, war Schnellster in der Qualifikation. In der Kombination der besten Zeiten holte er mit Reiterberger die Pole Position und damit fünf Meisterschaftspunkte. Die Führung nach 8 und 16 Rennstunden brachte zehn weitere Zähler ein. Für den Sieg gab es noch einmal 40 Punkte.

Nach 24 reibungslosen Stunden überquerte Reiterberger, vom Team an der Boxenmauer frenetisch umjubelt, mit der #37 als Erster die Ziellinie. Rivale Yamaha Austria Racing Team beendete das Rennen auf Rang drei und war damit in der WM-Wertung um vier Punkte geschlagen.

BMW schreibt sich auf die Fahne, dass der Kraftstoffverbrauch der M1000 RR im Vergleich mit der Konkurrenz niedriger ausfiel. Für das Team bedeutete das weniger Boxenstopps. Nach 742 Runden über jeweils 5,673 Kilometer auf dem Circuit Paul Ricard war es Weltmeister.

Noch vor einem Jahr hatte sich an gleicher Stelle ein Drama abgespielt. Das BMW Motorrad World Endurance Team hatte die Hand schon fest am Weltmeisterpokal. Doch keine halbe Stunde vor der Zieldurchfahrt machte ein technischer Defekt alle Träume zunichte. Tränen der Enttäuschung waren geflossen. 2026 ist alles anders. Das Team ließ jetzt den Tränen der Freude freien Lauf.

„Das extrem spannende finale Rennen dann auch noch zu gewinnen, ist für uns wirklich etwas Besonderes. Nach zwei Weltmeistertiteln in Folge auf der Superbike-Seite jetzt den Endurance-Titel zu holen, ist für uns ein weiteres Kapitel bei BMW Motorrad Motorsport. Ich glaube, wir stehen noch am Anfang, wir wollen weiter Geschichte schreiben und haben jetzt das Fundament dafür gesetzt,“ war Sven Blusch, Leiter BMW Motorrad Motorsport, begeistert.

Danke an Oma, Opa und den Waldi

„Ich kann kaum in Worte fassen, wie wir uns jetzt fühlen,“ meinte Reiterberger zwar völlig platt, aber dennoch kraftvoll nach dem Rennen. „Ich bin allen so dankbar. Seit ich als vierjähriger Bub mit diesem Sport angefangen habe, war mein einziger Traum, irgendwann einmal Weltmeister zu werden. Jetzt haben wir es endlich geschafft. Ich danke allen, die mir die ganzen Jahre immer den Rücken gestärkt haben, die mich aufgefangen, unterstützt und immer wieder ermutigt haben, weiter an meinem Ziel festzuhalten, vor allem meinen Eltern, aber auch meinen Freunden, der ganzen Familie, meinen Unterstützern, Sponsoren und Helfern und allen, die ein Teil dieses Traums sind. Den Weltmeistertitel möchte ich ihnen allen, aber besonders meinen Großeltern und Waldi widmen. Danke.“

Quelle: euromoto.racing / Anke Wieczorek


Montag, 21. September 2026

Dreimal Punkte aus zwei Rennen für das TGI Team by GRT an herausforderndem DTM-Wochenende auf dem Sachsenring

  • Maximilian Paul fährt beim Comeback mit Aufholjagd im zweiten Rennen in die Top-10
  • TGI Team by GRT mit Mirko Bortolotti am Samstag wieder bestplatziertes Lamborghini-Team
  • Gottfried Grasser: “Der positivste Aspekt war für uns die Rückkehr von Max.”


Die siebte von acht Veranstaltungen in der DTM-Saison 2026 fand für das TGI Team by GRT am vergangenen Wochenende vom 11. bis 13. September auf dem Sachsenring statt. Der Traditionskurs in Hohenstein-Ernstthal war für die von Lamborghini Squadra Corse unterstützte Mannschaft mit dem Lamborghini Temerario GT3 abermals Neuland. Mit wechselhaftem Wetter und turbulenten Sessions boten sich Mirko Bortolotti und Rückkehrer Maximilian Paul herausfordernde Bedingungen. Die beiden Lamborghini Factory Driver schafften es mit viel Durchhaltevermögen und Kampfgeist dennoch, in den beiden Rennen dreimal Punkte zu holen, darunter zwei Top-10-Resultate. Am Samstag war das TGI Team by GRT mit Bortolotti auf Rang sieben erneut das bestplatzierte Lamborghini-Team. Im zweiten Lauf erreichte Paul bei seinem Comeback zwei Monate nach dem Unfall am Norisring den zehnten Platz im Feld der 22 DTM-Fahrer.

Das Qualifying am Samstagmorgen wurde auch bei trockenen Bedingungen zum Glücksspiel. Nach einer späten roten Flagge hatten die Piloten nur drei Minuten, um die Reifen auf Temperatur zu bringen und eine Zeit zu setzen. Mirko Bortolotti verbesserte sich dabei noch auf die neunte Position. Maximilian Paul qualifizierte sich als 18. Das erste Rennen über 55 Minuten plus eine Runde begann turbulent. Eine Kollision von vier Autos sorgte für eine Safety-Car-Phase. Maximilian Paul reagierte in der Situation richtig und fuhr auf Platz 15 vor, erlitt dabei aber dennoch eine Beschädigung am Frontsplitter. Beim darauffolgenden Restart gewann Bortolotti zwei Positionen. Im weiteren Rennverlauf setzten beide Fahrer auf einen langen ersten Stint. Bortolotti kam in Runde 17 zum Reifenwechsel und lag nach dem Overcut auf Position sieben, die er bis zur Zielflagge nach 41 Runden behauptete. Maximilian Paul hingegen musste nach 27 Runden aufgrund des Folgeschadens aus der Startrunde abstellen.

Der Sonntag ging bei wechselhaften Bedingungen über die Bühne und das Qualifying fand mit Regenreifen auf feuchter Strecke statt. Mirko Bortolotti fuhr die achtschnellste Zeit, wurde aber nach der Session wegen Unregelmäßigkeiten beim Ladedruck aus der Wertung genommen. Maximilian Paul startete erneut von Platz 18. Beim Start des zweiten Laufs war der Asphalt abermals nicht ganz trocken, aber beide Fahrer des TGI Team by GRT setzten auf Slicks. In der Startrunde überholte Bortolotti sofort sechs Konkurrenten und lag damit auf P16. Der Italiener blieb beim ersten Boxenstopp-Fenster erneut länger draußen und nahm Kurs auf die Top-10, doch ein Zeitverlust beim Pitstop in Runde elf warf ihn bis auf die 17. Position zurück. Maximilian Paul hingegen profitierte im zweiten Boxenstopp-Fenster zehn Minuten vor dem Ende und lag danach auf Position 13. Mehrere Zwischenfälle sorgten in den Schlussminuten für zwei Restarts. Der Dresdner machte beim ersten Neustart einen Platz gut, beim zweiten gleich zwei. Dadurch wurde er nach 39 Runden als Zehnter gewertet. Auf P13 holte Bortolotti ebenfalls Punkte.

Für das TGI Team by GRT stehen im Oktober die beiden letzten Veranstaltungen der Saison 2026 an. Vom 9. bis 11. Oktober findet das Finale der DTM traditionell auf dem Hockenheimring statt. Am darauffolgenden Wochenende ist in Portimão (Portugal) der Saisonabschluss im GT World Challenge Europe Powered by AWS Endurance Cup an der Reihe.

Stimmen der Fahrer zum Rennwochenende

Mirko Bortolotti: “Es stimmt mich zufrieden, dass wir in Bezug auf die Performance das ganze Wochenende über alles herausgeholt haben. Am Samstag haben wir mit P7 unser Potenzial voll ausgeschöpft, und das ist uns am Sonntag mit P8 im Qualifying erneut gelungen. Leider führte ein Problem am Auto bei der Leistungsabgabe zu Overboost-Spitzen, als das System zu kompensieren versuchte, was zur Disqualifikation führte. Das bedeutete, dass wir das Rennen vom Ende des Feldes aus starten mussten. Das war sehr frustrierend, denn angesichts unserer ursprünglichen Startposition und unserer Pace haben wir meiner Meinung nach am Sonntag eine echte Chance verpasst, ein weiteres starkes Ergebnis einzufahren. Dennoch können wir Zuversicht daraus schöpfen, dass wir unter allen Bedingungen das Maximum aus dem Paket herausgeholt haben.”

Maximilian Paul: “Was die Performance angeht, war es kein einfaches Wochenende, aber ich freue mich über mein Comeback. Vor allem das zweite Rennen hat mir gezeigt, dass ich nach zehn Wochen Rehabilitation in Folge meines schweren Unfalls wieder auf dem gleichen Niveau wie die anderen Lamborghini-Fahrer sein kann. Ein solches Rennen fühlt sich für mich wie ein kleiner Sieg an. Ich fühle mich wieder wohl im Auto und bin wieder ganz der Alte, was sehr gut ist. Es ist natürlich schade, dass wir keine noch bessere Platzierung erreichen konnten, aber für mich persönlich war es ein großartiges Wochenende. In jeder Session habe ich mich stetig verbessert, und genau darauf habe ich mich bei meiner Rückkehr konzentriert. Vielen Dank an das Team, dass mir die Möglichkeit gegeben hat, so schnell zurückzukommen, und ein großes Dankeschön an TGI.”

Quelle: grasser-racing.com

Euro Moto Supersport: Marcel Brenner - Schirmhalter statt Comeback

Ende Juni war der 29-jährige Schweizer Marcel Brenner im zweiten EURO MOTO-Rennen in Most schwer gestürzt. Der Ducati-Fahrer musste am zehnten Rückenwirbel operiert werden. Brenner erlitt zudem eine Lungenquetschung und ein Schleudertrauma, dessen Nachwirkungen er immer noch spürt: Kopfschmerzen, Schwindelgefühle, Nackenverspannungen. Seine Euphorie, beim Hockenheim-Finale in die Meisterschaft zurückzukehren, ist verflogen. Brenner ist noch nicht fit. Also wird er wie auf dem Nürburgring im Grid als professioneller Schirmhalter seines Teamkollegen Daniel Blin fungieren. Er gesteht, dabei nervöser zu sein als wenn er selbst fährt. Dazu kommt, dass Blin noch Chancen auf den Titel hat.

Brenners Ausfall kam zum ungünstigsten Zeitpunkt. Er war gerade dabei, sich in der vorderen Hälfte der Top 10 zu etablieren. Sein Ziel, sogar in der Supersport-WM ein Comeback zu geben, bleibt jedoch unverändert bestehen. Im Automarket AF Racing Team, in dem er am liebsten an der Seite von Blin bleiben möchte, stehen für 2027 drei Optionen zur Debatte: ein größeres Supersport-Team, der Aufstieg in die EURO MOTO Superbike und der Wechsel in die WM. Spruchreif ist nichts.

Quelle: euromoto.racing / Anke Wieczorek